Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 63 (13.8.1926)
- Date
- 1926-08-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 63 JU E DI SCH E RUNDSCHAU, Seite 457 Die ״ORT־״Konferenz An der Tagung derORT-Konferenz nahmen, die Mitglieder des Zentralkomitees eingeschlossen, 59 Vertreter teil. Die Ver- Handlungen hielten sich entsprechend den zur Beratung stehenden Programmpunkten in einem sachlichen Rahmen und gaben ein Bild von der, immer weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung erfassenden, Tätigkeit des Verbandes. Die innerjüdischen politischen Spannungen, die im ORT-Verbande bcstehen, kamen nur gelegentlich zum Ausdruck. So in der Eröffnungssitzung, wo die Vertreter des Centralvcreins Dr. B r o d n i t z und des Hilfsvereins der deutschen Juden, Dr. Paul Nathan, glaubten, die Gelegenheit wahrnehmen zu müssen, um in ziemlich durchsichtiger Weise gegen den Zionismus zu polemisieren. Uebrigens war der Tenor in den Ausführungen beider Herren, daß die Bestrebungen des ״Ort“ vom deutschen Judentum darum zu begrüßen seien, weil die Ostjuden durch den ORT produktiviert, auf diese Weise an ihre Heimat gebunden und so verhindert werden, auszuwandern und nach Deutschland zu kommen. Die in urbaner Form im Anschluß an die Reden beider Herren gehaltene Ansprache des Vorsitzenden der Z.V. f. D. Kurt Blumenfeld war eine entschiedene Antwort gegen die Versuche, in den ORT, der eine Zweckorganisation zur Lösung eines Teilproblems der jüdischen Frage ist, weltanschauliche Gegensitze hineinzutragen. Uebrigens sind die assimilatorischen Versuche, den ORT zum Schauplatz der Austragung innerjüdischer Gegensätze zu benützen, nicht vereinzelt geblieben. Auch einige Bundisten und ehemalige Ssejmisten schlugen in die gleiche Kerbe. So glaubte ein Herr Kahn aus Wilna den Vogel abgeschossen zu haben, als er sich emphatisch gegen die Teilnahme zionistischer Vertreter im Zentralkomitee des OR1 wandte. Diesem Herrn gab Berl Locker eine entsprechende Antwort. Locker sagte, daß mehr als die Halite der Konferenzteilnehmer den Saal verlassen müßten, sollte die Ansicht des Herrn Kahn, daß Zionisten vom ORT fern/uhalten seien, die Ansicht der Konferenz darstelien. Im übrigen verwies Locker auf die Inkonsequenz dieser Sorte von Zionistengegnern, die sich die Gemeinschaft von Paul Nathan gefallen lassen, aber ein Zusammenarbeiten mit Arthur Hantke ablehnen. Diese Zionistengegner stecken ruhig die Beleidigung ein, die in der Ueberheblichkeit der Nathanschen Erklärung gelegen habe. Nathans Verhältnis zu den Ostjuden könne man durch eine Variante des Heinischen Verses kennzeichnen: ״Blamier mich nicht mein schönes Kind und grüß mich nicht unter den Linden, wenn du schön brav zu Hause bleibst, sollst du Rachmones finden.“ Am dritten Konferenztage versuchte Dr. S i n g a 1 o w s k y in seinem meisterhaft aufgebauten Referat eine Ideologie des ORT zu schaffen und den ORT aus dem Rahmen eines Vereins in den Strom einer ״Bewegung“ zu reißen. Dieser Versuch, der aus der politischen Tätigkeit der Hauptakteure des ORT zu erklären ist, die in der Vergangenheit im Leben der jüdischen Volksmassen Rußlands eine große Rolle gespielt haben, und nunmehr sozusagen auf ein Nebengeleise des jüdischen Volkslebens geraten sind, fand jedoch bei den Teilnehmern keine Zustimmung. Dr. Silberfarb, ehemaliger ukrainischer Minister und Antizionist, fand in der Diskussion die richtigen Worte, als er fcststellte, daß der Zweck des ORT tetoeswegs eine GritiWäge für eine Volksbewegung algeben könne. Im Gegensatz seien z. B. die Bestrebungen des ״Chaluz", der ijei weitem nicht die Mitgliederzahl des ORT aufweise, imstande eine Bewegung hervorzurufen. Die mit der Konferenz in Verbindung stehende Aus- Stellung von Diagrammen und photographischen Aufnahmen der bisherigen Arbeiten und Leistungen des ORT gab ein anschauliches Bild vom Wachstum des Arbeitsgebietes der Gesellschaft Wiewohl die ausgestellten Objekte nur einen Anfang der Arbeitsleistung illustrierten, so ließen sie doch erkennen, daß die Anstrengungen des ORT bereits sichtbare Erfolge gezeitigt haben. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die dritte allgemeine Konferenz des Verbandes ORT eine bedeutungsvolle Tagung darstellte. * Zu dem kurzen Berichte über die Eröffnungssitzungen, den wir in der vorigen Nummer veröffentlicht haben, ist noch nachzutragen: Dr. Singalowsky, Mitglied des Präsidiums des Verbandes ״OR1“, sprach über die Tätigkeit des Verbandes in der Berichtsperiode 1923 bis 1926. Diese Tätigkeit erstreckte sich auf folgende Gebiete: 1. Gewährung von Krediten an jüdische Handwerker in Form von Werkzeugen und Rohstoffen; 2. Kredithilfe an jüdische Landwirte durch Beistellung von Saatgut, lebendem und totem Inventar sowie an Baumaterialien und 3. Ausbildung von Lehrlingen und Erwachsenen in Fachschulen und Lehrwerkstätten. Fachliche Instruierung der Landwirte und Handwerker. In der Berichtsperiode unterstützte der ״ORT“ durch Kredite 1800 Handwerkerfamiiien, 3500 Landwirte und erteilte an 5600 Lehrlinge Fachunterricht i”״ semen Anstalten. In der Berichtsperiode wurde eine selbständige Organisation des Verbandes ausgebaut und aus ei genen Mitteln eine Summe von 800000 Dollar für Verbandszwecke ausgegeben. Dr. Paul Nathan drückte seine vollste Sympathie der Idee aus, daß die russische Judenfrage in Rußland selbst gelöst werde. Palästina als ein kleines Land kann — das ist jedem Streite entzogen — die Lösung nicht bringen. Wir sind dankbar, daß die russischen Juden es versuchen, sich aus eigener Kraft emporzuarbeiten und in der alten Heimat zu bleiben. Kurt Blumenfeld, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, führte aus, die Zionisten, die eine ihrer Aufgaben in der Produktivierung des jüdischen Elements in allen Ländern sehen, schätzen aufrichtig die Arbeit von ORT. Die Zionisten wollen die neue Aera der jüdischen Geschichte auf der Grundlage produktiver Arbeit aufbauen. Die Judenfrage sei aber nicht nur ein Produktivierungs-, sondern auch ein Wanderungsproblem. Palästina ist zwar ein kleines Land, so groß wie die Schweiz, aber es war jedenfalls niemals größer als heute und doch das Land, das eine Lösung nicht allein der Judenfrage, sondern auch der Judentumsfrage gebracht hat. Es sprachen ferner Richter Jacob Panken, der Vorsitzende der Organisation ORT in Amerika, und Henry Mosk o w i t z, der Vorsitzende des ORT-Aufbaufonds in Amerika. Dr. Emaauel begrüßte die Konferenz im Namen der jüdisehen Arbeiterschaft in Polen, die sich ihr Redit auf Arbeit erst erkämpfen muß gegenüber jener Politik des Wirtschaftliehen Antisemitismus. Dr. Tschlenow sprach für den Verband für Gesundhchs'chutz der Juden ״OSE“. Die Verhandlungen Zu Beginn der Nachmittagssitzung wird das Präsidium aus folgenden Personen gewählt: Senator Körner, Warschau, ßr. Silberfarb, Warschau, De. Oottlieb, Kischinew, Dr. Moskowitz, New York, Richter Panken, New York, Dr. Krainin, Berlin, und Direktor Kleemann, Berlin. Den Vorsitz übernimmt Dr. Henry Moskowitz. Dr. L. Bramson erstattet den Bericht der Zeniralverwaltung. Die ersten drei Jahre waren der Arbeit ungünstig; in den letzten drei Jahren aber waren große F o r t - schritte zu verzeichnen. Die Abteilungen des Verbandes ORT haben sich seit der Danziger Konferenz von 52 auf 02 erhöht. An Hand von Karten und Diagrammen zeichnete Redner die Entwicklung der Arbeit. Wahrend in den ersten drei Jahren 390000 Dollar aiisgegehcn wurden, konnten in den letzten drei Jahren 860000 Dollar der Arbeit zugefiilirt werden. Die Zahl der Mitglieder ist gestiegen. Das System der technischen Ausbildung wurde verbessert, sieben neue Fachschulen wurden gegründet. Das Technikum in Wilna gilt als einzig in seiner Art. Die jüdischen Fach- Schüler erhalten bei Ausstellungen die besten Auszeichnungen. Auch die Form der landwirtschaftlichen Instruktion wurde verbessert, das Kreditwesen durch Bei delhin ז von Produktioiismittein auf Abzahlung ansgestaltet. f).e Kolonisten und Handwerker haben begonnen, die vorgestreckte Stimme zurück/itzahlen. Die Summe solcher Rückzahlungen ist in drei Jahren von 11000 auf 33 000 Dollar gestiegen. Allein für Fach- Ausbildung wurden ■IM/o des Gesamtbudgets berei!gesteht. An zweite Stelle kommt die Landwirtschaft, dann das Kreditwesen. Ueberall bestehen Sympathien für die ORT-Arbcit. Diese werden uns helfen, zu 'einer systemisierten und organisierten Tätigkeit überzugehen. Auf die Rede Bratnsons folgten Berichte aus den einzelnen Ländern. Mit größter Spannung wurde der sehr interessante und aufschlußreiche Bericht der Ingenieurs Z e g e 1 n i c k i über die Arbeit in R « ß! a n d angehört. In Rußland leben ungefähr drei Millionen JuJ״n, 303009 Fandlien mit 850C00 Seelen sind den Gewerkschaften angeschlcs.xen. 150 000 Familien mit 380 000 Seelen leben vom Ackerbau. 38 0״ des jüdischen Elements ist i«1 Handel tätig. Fs bleibt noch immer eine Million jüdischer Seelen übrig, deren wirfschädliche Existenz, im Dunkel liegt. Es ist das Element der kleinen Städte, das durch Krieg, Bürgerkriege und die Ihn- Stellung in der Wirtschaft des Landes aus seiner gewohnten Sphäre geworfen und deklassiert wurde. Fs ist aber kein schlechtes Element, denn es strebt mit allen Kräften danach, in der Produktion Fuß zu fassen. Besonders traurig ist die Lage der Jugend innerhalb dierr Bevölkerung. Die russische Industrie, obwohl jetzt wieder in voller Kapazität, kann nicht viel von diesen Kräften absorbieren, denn das physisch-kräftigere bäuerliche Element tretet siäikste Konkurrenz. Der Ausweg ist der, daß die indische. Jugend technisch ausgebildet wird, da für qualifizierte Arbeiter stets Arbeit sein wird. Der Redner schilderte, wie schnell sich, die früheren Krämer der Landwirtschaft angepVH haben. Die Wirtschäften der neuen Kolonisten gelten für die benachbarten russischen Bauern als Musterwirtschaften. Der jüdische Kolonist ist neuen Ideen und Methoden zugänglicher, und er läßt sich von den Instruktoren gerne belehren. Er ist geistig rege und verwirklicht allerlei Pläne für eine bessere Ausnutzung der Kapazität einer kleinen Landwirtschaft. Das gleiche gilt von den Kolonien, .die auf kollektiver Grundlage aufgebaut sind und Produktionsgenossenschaften bilden. Eine Spezialität der ORT-Arbeit ist die Förderung der kleinen Wirtschäften in der Nähe der Städte. Die Maschinen und Werkzeuge, die ORT nach Rußland brachte, leisten wunderbare Dienste. Der Redner gab einen Ueberblick über die jüdische Kolonisation In Rußland, die von verschiedenen Gesellschaften gefördert wird und besprach insbesondere den Plan der KOMZET, 100000 jüdische Familien bis zum Jahre 1936 auf dem Lande anzusiedeln. Vorläufig reicht der zur Verfügung gestellte Boden für diese Massensiedlung nicht hin, es sei denn, daß man Brachwand anbaufähig macht, was natürlich mit großen Kosten verbunden ist. Die bisher hewilligten Flächen sind fast schon ausgenutzt. Frei Flächen sind noch in der Gegend Jewpatoja-Dschankoj, am Asowschen Meer und in einigen anderen Gebieten. Nach Verlesung eines Begrüßungsielegramms von der Zionistischen Weltexekutive in London sowie zahlreicher anderer Begrüßungen von auswärtigen Organisationen referiert Herr Dr. Silberfarb über die Arbeit von ORT in Polen. Hier ist die Arbeit in der Kolonisation naturgemäß beschränkt, da es an Boden für jüdische Siedlung mangelt, um so segensreicher sind die Leistungen von ORT auf dem Gebiete der technischen Schulerziehung. Die 20 Anstalten werden von 2000 Lernenden (Jugendlichen und Erwachsenen) besucht, ln den letzten drei Jahren wurden 3500 Personen zu qualifizierten Arbeitern ausgebildet, die alle trotz der Arbeitslosigkeit von der Produktion aufgenosranen wurden, weil eben für qualifizierte Arbeiter immer Platz vorhanden ist. Der Redner entwickelt den Arbeitsplan für die kommende Zeit und charakterisiert die Arbeit von ORT mit den Worten, sie sei keine Feuerwehrarbeit sondern systematische Aufbauarbeit. Es folgen Berichte über die Arbeit , in Rumänien, Lettland, Litauen, Amerika, England, Frankreich, Deutschland und andere mehr. Montag vormittag begann die Generaldebatte. Vertreter der verschiedenen Linder gaben Anregungen über die Zukunftsarbeit und brachten ihre Wünsche zum. Ausdruck. In der Sitzung von Montagnachmittag (Vorsitz Senator Körner) referierte Ing. F r e n k e 1 über den Arbeitsplan für Berufsausbildung. Er entwickelte einen eingehenden Plan der weiteren Ausgestaltung des technischen Schulwesens und trat mit Wärme dafür ein, daß den technischen Kursen für Erwachsene mehr Aufmerksamkeit als bisher geschenkt werde. Prof. S. Frankfurt (Berlin) referierte über die Tätigkeit der Einkaufsgesellschaft, die die Landwirte, Handwerker, Kleinindustriellen und kooperativen Maschinen, Werkzeug־ und Rohstoffen versorgt. Prof. B. Brutzkus setzte die Richtlinien der landwirtschaftlichen Tätigkeit des Verbandes ״ORT“ auseinander und machte eine Reihe Anregungen. Dr. D. L wo witsch referierte über ״Neue Quellen für konstruktive Hilfe“. Er widmete besondere Aufmerksamkeit der Frage der sogenannten ״Verwandtenhilfe“‘; die überseeischen Verwandten sollten die Summen, die sie für die Unterstützung der Auswanderung bereitgestellt hätten, dazu verwenden, daß ihre Verwandten produktiven Berufen zugeführt werden. In der Sitzung von D i e n s t a g v 0 r in i 11 a g hielt der Odessaer Agronom Weinstein einen Vortrag_ über die Lage des jüdischen Siedlungswerks in Odessa. Er kam zu dem Schlüsse, daß die Wirtschaftslage sich im allgemeinen bessert. Den eigentlichen Programmvortrag der Konferenz hielt Dr. A. Singalowsky, der über ״Wesen und Aufbau unserer Organisation“ sprach und in großen Zügen die neuen Ziele des Verbandes ״ORT“, die erweiterte Grundlage der Organisation und die Zukunftsaufgaben des Verbandes darlegte. In der Nachmittagssitzung legten die Ausschüsse die Resolutionen der Beschlußfassung vor. Am 11. August ging die Konferenz zu Ende. Nachdem in der vorangegangenen Nachtsitzung, die unter der Leitung von Richter Jakob Panken- New York stand, nach längerer und lebhafter Debatte die grundlegenden Beschlüsse für die Zakunftsarbeit des Verbandes angenommen wurden, wählte die Konferenz in der Schlußsitzung die neue Zeniralverwaltung und den Zentralrat. Herr Dr. A. Singalowsky faßte noch einmal die ideellen und m.1׳‘ericID1t‘ Ergebnisse der jetzt abgeschlossenen Beratungen zusammen. Hierauf erklärte der Vorsitzende Dr. Silberfarb die Konferenz für geschlossen. 111 die neue Zentralverwaltung wurden gewühlt: 1. J. Blum (Paris), Kurt Blumenfeld (Berlin), Dr. I.. B r a in - son (Berlin), Justizrat Dr. J. B r o d n 11 z. (Berlin), Prof, S. Frankfurt (Berlin), Senator Körner (Warschau), D. I. w owitsc h (Berlin), Dr. Silberfarb (Waro'linu), Dr. A. Singalowsky (Berlin), Dr. N. S o 1 o \y e i t s c h i k (Berlin), ihr. Z e g e 1 n i t z k y (Moskau). Als Stellvertreter: B. Kagan (Wilna), B. Locker (Berlin), Dr. I. Kriik (Warschau). Der neue Zentralrat setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Dr, Eiger (Lodz), Alperin (Paris), Aller (Warschau), Leon Blum (Paris), Prof. t’>. Brutzkus (Berlin), Göttlich (Kiscliincw), Ort Gran (Moskau!, Tcomkin (Paris), Jasciiunsky (Wilna), S. l.evitas (Riga!, Dr. Henry Moskowitz (New-York), j. Movshovitch (f.omG;!). Dr. Sttdarsky (Kowno), Feigenbaum (Warschau), Fciiiieib (Berlin), Ing. L. Frenke! (Berlin), Friitnkin (Berlin), Richter J, Pauken (New-York), A. Zweifuii (Warschau), Dr. Klaute! (Warschau), Dr. Krainin (Berlin), ChTuüaj (Kisehim-w). R״seubeii ('Varschau). Kandidaten: Glotzer (Warschau), Dr. Kraus (Lodz). Beschlüsse les A.-C. über Schekel A. Allgemein e s. 1. Das Aktions-Coinit(׳ bedauert ft sf-ri Jini zu müssen, daß in vielen Ländern die zionistischen Verb inde und ihre Führer in den vergangenen Monaten der Jahres 5256 die Schekelsammlung in einem außerordentlichen Maße veniachliGsigt haben. Das Lebensinteresse und da׳; Ansehen der Zionistischen Organisation erf,udert cs, daß nish.t mir in den Kongreßjahren, sondern auch i!1 den kengreßioseu Jahren die Zahl der Mitglieder der Gesamtorganisarion stell ständig vergrößert und dadurch eine Schwächung der Organi״atioti nach innen und nach außen vermieden wird. Das Aktions- Comlte erklärt es daher als unbeweisbare Pflicht jedes Ziotiidcn und der zionistischen Verbände und ihrer Führer, sich mit äußerster Anstrengung dafür einzusetzen, daß alle juden, die das Baseler Programm anerkenn׳ n, dur.'n •h ■ G-kiktion erfaßt werden und daß durch ständige Gewinnung neuer Sdiekelzähler die Gesamtzahl der Zionisten eines jeden Laudes sich fostgesetzt steigert. 2. Jeder ׳zionistische Verband ist verpflichtet, einen Seitekelrefcrenten oder eine Schckelkommi-sion zu bestellen, die ihm für die intensive und erfolgreiche Durchführung der Scliekelpropaganda verantwortlich ist. 3. Das Aktions-Comite erwartet, daß sämtliche 710nistischcn Verbände mit aller Loyalität und Gewissenhafligkeit au der Durchführung des Kotigreßbesehius-es betreffend den einheitlichen Schekel mitarbeiten und die Lamlesschekelkommissionen bei der Erreichung ihrer Aufgaben nach besten Kräften unterstützen. B, Schekeljahr 5686. 4. Um eine erfolgreiche Fortsetzung und einen befriedigenden Abschluß der Schckelsammhmg für das Jahr 5kS6 zu erreichen, beschließt das Aktions-Comite, daß alle zionistischen Verbände aufgefordert 'werden, die Schekelsammlung für das laufende Schekeljahr mit letzter Energie fortzuseizen und bis 15. Oktober 1936 abzuschließen. Die zionistischen Ver- .bände und Landesscbekclkomtnissionen haben, dafür zu sorgen, daß die' Schelteleinnahmen am Ende eines jeden Monats Und die Abschlußrechnungen bis zum 1. November 1926 an die Exekutive cingesandt werden. C. Schekel] ah r 5687. 5. Das Aktions-Comite beschließt, daß das Schekeljahr 56S7 am 16. Oktober 1926 zu beginnen hat, und bis 3). Mai 1927 abzuschließen ist. Die Schekeltätigkeit ist als kontinuierliche zionistische Arbeit während des ganzen Jahres auf systematische Weise ■durchZufuhren. Die Woche, in die der '2. November fällt, wird zur ,Schekelwoche erklärt, in der der Schekel in Massenaktionen und in sonstiger Weise mit ganz besonderer Anstrengung propagiert werden muß. In dieser Woche sollen alle anderweitigen Sammlungen für zionistische Zwecke unterbleiben und sich alle Verbände und einzelnen Zionisten ausschließlich in den Dienst der Schekelaktion stellen. , 6. Sämtliche Schekel gebier und Schlußabrechnungen ntüssen sich spätestens am 10. Juni 1927 im Besitze der Exekutive befinden. D. Schekelbeitra g. 7. Der an die Landesschekeiverbände im Sinne des Kongreßbeschlusses zu bewilligende Abzug von den Schekelgeklern soll höelfctens 10 Prozent der an die Exekutive bar eingezahlten Schelcelgelder betragen. Er darf aber aut keinen Fall die Höhe der tatsächlichen, mit der Schekdverwaltung־ verbundenen Auslagen übersteigen. Die Zeit und die Art der Auszahlung und Verrechnung dieses Betrages wird von der Exekutive bestimmt. Dieser Beschluß bezieht sich auf die!seiden Jahre 5655 und 5687. E. Außerordentlicher Beschluß betreitend den Sch ekel preis in Polen. ■8, In Anbetracht dessen, daß der 1 1. Kongreß den Mindestpreis des Schekels mit einem Schilling festsetzte, ohne eine Ausnahme für Polen zuzulassen. In Anbetracht dessen, daß nach dem Kongreß ein unvorhergescheuer wirtschaftlicher Zusammenbruch der Judenschaff Polens erfolgte. In Anbetracht dessen, daß im Statut der Zionistischen Organisation die Möglichkeit einer Ausnahme-Verfügung im Falle eines Notstandes nicht vorgesehen ist, wird mit einmittiger Zustimmung aller anwesenden Mitglieder des Aktions- Comitüs, sowie mit Zustimmung der Exekutive und des Vorsitzenden des Kongreßgerichtes folgender außerordentlicher Beschluß gefaßt: a) Der Schekelpreis für Polen für das Jahr 5257 wird ausnahmsweise mit einem halben englischen Schilling festgesetzt. b) Dieser Preis kann nicht durch einen nachträglichen Beschluß weiter herabgesetzt werden. c) Das normale Schekelprcisminimum von einen! Schilling soll, sobald die Verhältnisse cs gestatten, von dem nächsten Kongreß an, in Kraft treten. d) Dieser Beschluß kann nicht Ts Präzedenzfall aufgefaßt werden und die Exekutive wird aufgefordert, für den nächsten Kongreß den Entwurf einer Notrechtklausel auszu• arbeiten, die in das Organisationsstatut aufgenormnen werden soll. Vom 29. Juli bis 1. August 1926 fand in Dörnfeld in Thüringen der erste gemeinsame Bundestag des Jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß, des Bundes Jüdischer Pfadfinder und des Ringes Jüdischer Wandcrbi'tnde statt. Es erfolgte dort der definitive Zusammenschluß der drei Bünde unter dem Namen: Kadimah, Ring jüdischer Wander- und Pfadfinderbünde.