Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 63 (13.8.1926)
- Date
- 1926-08-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2652785-2652842--18468-2676238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 455 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63 wo der palästinensische Stil viel leichter Proselyten macht. Auffallend ist es z. B. daß wir bisher im Jischuw noch kaum einen Deutschen haben, der politisch hervorgetreten wäre, obwohl der genannte Kreis in Deutschland starkes politisches Interesse und auch politische Potenzen zeigte. In manchen Fällen mag mitsprechen, daß die Berufsarbeit an viele außergewöhnlich große Anforderungen stellt, die und dazu unter schwierigen klimatischen Bedingungen erfüllt werden müssen. Es muß hier noch eine Materie erwähnt werden, über die man gerade im Auslande leicht hinwegsieht und von der wir heute im Lande wissen, daß sie von ausschlaggebender Bedeutung ist. Es handelt sich um die Rolle und Eignung der deutschen Frauen in Palästina. Zuerst einmal gelten hier alle die Probleme und Tatsachen, die sich im allgemeinen auf diesem Gebiete geltend machen, die mehr oder weniger bekannt sind und die wir heute ausschalten wollen. Darüber hinaus haben wir gerade an deutschen Frauen 1m Lande Erfahrungen gemacht, die mitzuteilen wichtig ist, weil mancher, der nach Palästina gehen will, daraus lernen kann. Uns fallen neben manchen positiven Eigenschaften folgende Erscheinungen auf: Die aus Deutschland einwandernden Frauen und vor allem die Familienmütter gliedern sich in der Regel schwerer ein als die Männer. Sie sind körperlich weniger anpassungsfähig, akklimatisieren sich schwerer, lernen nur mit Mühe das Hebräische und bekommen nur sehr schwer Verbindung mit dem Leben des Landes. An Gründen sind unter anderen folgende zu nennen: Die Frauen sind vielfach nicht an Arbeit, besonders nicht an körperliche Arbeit gewöhnt, weniger elastisch, zionistisch meist schlechter informiert und dadurch, daß sie einen Haushalt leiten, gebunden. Ihre Arbeit läßt ihnen, besonders wenn sie Kinder haben, nicht genügend Möglichkeit, mit weiteren Kreisen in Kontakt zu kommen. Eine einfache Informationsreise durch das Land, die bei den dauernden Veränderungen des Kolonisationswerkes unbedingt notwendig ist, gehört vielfach zu den Unmöglichkeiten. Es gibt Frauen, die jahrelang in Palästina leben, ohne die Hauptzentren des Aufbaus jemals gesehen zu haben. Und da sie die tägliche Arbeit — wenn sie nicht gerade außerhalb des Hauses einen Beruf ausfüllen — wenig mit Menschen jenseits des engen Freundeskreises in Berührung bringt, kann kein wirklich lebendiges Verhältnis zu allem, was im Lande geschieht, aufkommen. Auch fehlt für sie jede Einführung in die neuen Bedingungen. Der Mann wird von seinen Berufskollegen beraten. Bei den Frauen fehlt die notwendige Führung in den primitivsten Einzelheiten. Es ist das ein Mangel, der durch vernünftige organisatorische Maßnahmen behoben werden kann und muß. Heute aber muß sich jede Frau glücklich schätzen, wenn sich jemand findet, der ihr bei dem Aufbau ihrer Häuslichkeit unter neuen und fremden Bedingungen Rat und Hilfe bietet. Und es ist etwas anderes, ein Haus in Europa zu führen, in dem alle technischen Hilfsmittel vorhanden sind, als sich in orientalisch-levantinische Bedingungen hineinzufinden, wobei meist noch geringere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, als, man gewohnt ist. Zur Einrichtung und Führung eines rationellen Haushaltes gehört in Palästina vor allem eine Anpassung an die Landesbedingungen. Diese Binsenwahrheit wird jeder zugeben, aber eine Prüfung der Haushaltungen ergibt, daß nur wenige wissen, wie dieses Problem anzupacken ist. Sich an die Landesverhältnisse anpassen, heißt nicht nur, die Erfahrungen vierzigjähriger Kolonisation benutzen. Die Juden sind nämlich gerade in dieser Beziehung unelastisch und konservativ gewesen und der Pflanzer aus Petach-Tikwah und der Arbeiter aus Daganiah und Ejn-Charod ißt heute mit wenigen Aenderungen dasselbe, was er in Kischinew und Charkow gegessen hat. Daß die klimatischen Bedingungen ganz andere sind, wird nicht berücksichtigt. Wenn man im Lande rationell wirtschaften will, muß man logischerweise bei den Arabern lernen, die sich seit Jahrhunderten in ihrer ganzen Lebensweise dem Lande, seinem Klima und seinen Produkten angepaßt haben. Daß wir diese Erfahrungen nur zum Teil brauchen können, ist für einen Europäer selbstverständlich. Aber bis heute hat man überhaupt noch nicht den Versuch gemacht, zu beobachten und zu lernen, wie der Araber kocht, sich gegen Hitze und Kälte schützt und wohnt. Ueber die wenigen, die es gelernt haben, z. B. in arabischen Restaurants zu essen oder die Landesgemüse nach arabischer Art zuzubereiten, geht man mit einem erstaunten Kopfschütteln zur Tagesordnung über. Was die palästinensischen Haushaltungen stark erleichtern kann, ist eine weitgehende Primitivierung. Auch die sögenannten bürgerlichen Kreise wirtschaften mit einem relativ kleineren Budget als in Europa, die Hausfrauen sind gezwungen, mitzuarbeiten und das eigene Interesse verlangt es, alles Ueberflüssige zu entfernen, damit die Maschine des Haushaltes möglichst leicht läuft und möglichst wenig Bedienung braucht. Damit würden die Hausfrauen auch Kopf und Hände frei bekommen für Dinge, die sie interessieren und die ihnen heute oft unerreichbar sind. Zudem erlaubt ein Kolonisationsland auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt nur einen gewissen Lebensstandard, da ein höherer Konsumptionsstandard die zu wichtigeren kolonisatorischen Zwecken vorhandenen Mittel beeinträchtigt. Letzten Endes ist es fast unmöglich, unter Bedingungen zu arbeiten, die härter sind als in Europa, in einem Klima, das größere Anforderungen stellt, ohne die großen Genüsse und kleinen Annehmlichkeiten der Kultur und der Zivilisation, wenn man nicht dafür einen Gegenwert erhält. Dieser Gegenwert ist das Bewußtsein, mitten im Werden des neuen Palästina drin zu stehen und jeden Tag zu sehen, was hier gedacht und geschaffen, versucht und geplant wird. Ohne diese innige Verbindung mit dem Werdenden kann drs Leben hier keinen Sinn haben und keine Befriedigung gewähren. Es erscheint zweifellos, daß die schwere Lage, in der sich heute ein Teil der deutschen Frauen befindet, gerade in diesen geistigen Faktoren begründet ist, daß das körperliche nur eine sekundäre Erscheinung darstcllt und klare Erkenntnis der Bedingungen vieles ändern könnte. Um zusammenzufassen: Die deutschen Palästinawanderer brauchen schon im Auslande — der Satz ist zum Ueberdruß bekannt — eine umfassendere hebräische Vorbildung, als sie sie heute haben. Sie brauchen eine sehr gründliche Information, auch über die kleinen Dinge des tagliehen Lebens, die zu einem großen Teil bei der Ankunft im Lande zu geben ist. Sie müssen das Bewußtsein haben, daß das Land ihr Lehrmeister ist und sie auch vieles von den wirklichen Eingeborenen des Landes zu lernen haben. Die Frauen bedürfen einer besseren körperlichen u!1d vor allem geistigen Vorbereitung, die ihnen Assimilation und Akklimatisation erleichtern, und ihnen unter den neuen Bedingongen die Fähigkeit gibt, ihre Arbeit und ihre Zeit besser zu organisieren. Dann wird es vielleicht nicht mehr nötig sein, daß jedes Jahr so und so viele, vor allem Frauen, nach Deutschland gehen müssen, um neue Kräfte zu sammeln, was für ein Siedlungsland geradezu eine Ungeheuerlichkeit bedeutet. Und dann wird es auch gelingen, die Deutschen in jeder Beziehung für das Land wertvoll zu machen, was für sie selbst ebenso wichtig ist, wie für Palästina. Der Fall Haas Wie vorauszusehen war, sind Rudolf Haas sowie die gleichfalls in Haft gehaltenen beschuldigten Fischer und Reuter auf Antrag der Magdeburger Staatsanwaltschaft von der Beschwerdekammer des Magdeburger Gerichtes in Freiheit gesetzt worden, in den Zeitungen sind Meldungen erschienen, daß nunmehr gegen den Hauptschuldigen Rolling, der allerdings nur ein Werkzeug vieler weit schuldigerer Hintermänner war, ein Disziplinarverfahren eröffnet worden ist. Minister Severing belohnte die von der Rechtspresse angegriffenen Berliner Kriminalisten, die das Hauptverdienst bei der Aufhellung der Affäre für sich in Anspruch nehmen können, durch eine öffentliche Anerkennung. Oberpräsident Hörsing veröffentlichte seinerseits in der Presse eine ausführliche Darstellung des Falles. Diese Dar- Stellung Hörsings illustriert die geradezu ungeheuerlichen Praktiken, die von der um Kölling sich gruppierenden Rcaktion im Falle Haas zur Anwendung gebracht wurden, und spricht offen den Verdacht aus, daß ein ״R i t u a 1 m o r d“ konstruiert werden sollte. Von befreundeter Seite werde ich aufmerksam gemacht, daß meine Ausführungen in Nr. 62 der ,;Jüdischen Rundschau“ leicht zu Mißverständnissen führen konnten, besonders wenn aus dem Zusammenhänge heraus der Satz zitiert würde: Man merkt’s: dem Central-Verein wäre es lieber, wenn Rudolf Haas schuldig wäre. Seine Unschuld ist peinlich.“ Ich wollte damit natürlich nicht sagen, der C.-V. würde sich über die Mordtat eines Juden freuen. Aus meinem Artikel ging unzweideutig hervor, daß es mir darum ging, darzutun, es wäre der im Central-Verein repräsentierten Anschauung lieber, die ganze Affäre hätte sich als ein reiner Kriminalfall herausgestellt, wie er überall Vorkommen kann und darum keinen Anspruch auf symptomatische Bedeutung in bezug auf die Judentrage erheben darf. Die Ein- Stellung des Central-Vereins basiert auf der Voraussetzung, daß der herrschende Antisemitismus auf zu behebenden Miß- Verständnissen beruhe und eine zeitweilige vorübergehende Erscheinung sei. Dieser Auffassung stelle ich die Erkenntnis entgegen, daß es sich beim Antisemitismus um Spannungszustänae handelt, deren Wurzeln in der Tatsache liegen, daß nichtjüdische Mehrheit und jüdische Minderheit in vielen wesentlichen Beziehungen sich voneinander abheben. Diese Unterscheidbarkeit, die durch Deklarationen nicht verkleistert zu werden vermag, ist die ewige Quelle möglicher Spannungen und Gegensätze. Solange die Juden ihre Eigenart bewahren, müssen sie mit der Möglichkeit von Widerständen rechnen, die gegen sie gerichtet sind. Sie können nach unserer Meinung durch aufrichtige Klärung der Beziehungen zur Umwelt, indem sie ihre Eigenart mit Selbstverständlichkeit zur Schau tragen, die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden weniger gehässig und giftig gestatten. Die Feststellung dessen ״was ist“ ist noch immer die beste Politik gewesen. Theoretisch hat ®an die Möglichkelt, als Jude restlos zu verschwinden, praktisch ist diese Möglichfceit, sich völlig anzupassen und seine Eigenart auszumerzen, für die jüdische Gesamtheit nicht gegeben. Zusammenfassend: der Fall Haas müßte für den Central-Verein ein deutliches Memento sein, daß die Voraussetzungen seiner Ideologie nicht stimmen. Zur Salvierung dieser Ideologie wäre es also dem Central-Verein lieber gewesen, die ganze Affäre hätte rein kriminellen Charakter. Das und nichts ,anderes habe ich mit meiner Bemerkung zum Ausdruck bringen wollen. Moses Waldmann. Das Direktorium des Heren Kafemeth Da mehrfach Mißverständnisse entstanden sind, machen wir aufmerksam, daß die von uns gemeldeten, vom A.-C. vorgenommenen Wahlen zum Direktorium des Keren Kajemeth lediglich Ersatzwahlen für die drei tumusweise ausscheidenden Direktoren sind. Ausgeschieden sind diesmal die Herren Vriesland, Matz (Amerika) und Struck. Das Gesamtdirektorium besteht jetzt aus folgenden Herren: 1. M. M. U ssischkin-Jerusalem, Vorsitzender desDirektoriums, 2. Rabbi Meir Berlin-Jerusalem, 3. Dr. Arthur Hantke-Berlin, 4. J. Wilkansky -Tel-Awiw, 5. Bert Katzenelson -Tel-Awiw, 6. S. Schocken-Zwickau (Governor), 7. Hermann Struck- Haifa, 8. Col. F. H. K i s c h - Jerusalem (Governor), 9. Rabbi Dr. A. H. Silver-New-York. Dr. H a n t k e, der neuerdings zum geschäftsführenden Direktor des Keren Hajessod bestellt wurde, ist also jetzt Mitglied der Direktorien beider Fonds. öle Weltktifereaz des Misrachi Antwerpen, 10. August. (J.T.A.) Heute nachmittags 5 Uhr wurde die Misrachi-Weltkonferenz durch ein Referat des Rabbiners von Antwerpen, Amiel, über ״Intellektuelle Probleme des Misrachi“ eröffnet. Ihm folgten die Wahlen ins Präsidium und als dritter Punkt die Programmrede von Rabbiner M e i r - B e r 1 i n (Jerusalem). Es sind über 100 Teilnehmer gemeldet, davon 15 aus Erez Israel, 11 aus Deutschland, 58 aus Polen, 3 aus Holland, 4 aus Oesterreich, 2 aus Lettland, 2 aus Litauen, 4 aus Belgien, 2 aus Amerika, 1 aus der Schweiz. Lipiky und Feiwel bei Herbert Sännet Nach der Londoner A.-C.-Sitzung begaben sich im Auftrag des A.-C. Louis Lipsky und Berthold Feiwel zu dem im Schwarzwald zur Erholung weilenden Herbert Samuel, um mit ihm wegen seiner geplanten Anteilnahme an der Amerika-Reise Prof. Weizmanns Rücksprache zu nehmen. Pr. Welzmann nnd die amerikanischen Zionisten New York, 8. August. (J. T. A.) Der Leiter des Paliistiiia-Drives in Amerika, Mr. Emanuel Newman, äußerte sich der j. T. A. gegenüber über die Resultate der Londoner A.-C.-Tagung und begrüßte es lebhaft, daß auch in die zionistische Bewegung der ״Geist von Locarno“ eingezogen ist. Er trat mit aller Entschiedenheit den Gerüchten über eine Spannung zwischen ft־. Weizmann und den Führern der amerikanischen Zionisten entgegen und betonte, daß diese Beziehungen herzlicher seien denn je. Die Zentrumsgruppe ist entschlossen, die Exekutive energisch zu stützen. Für die Geldaktion im kommenden Jahr bestehen die besten Aussichten. Gustav Sdnvabe-Barlewln Liner unserer ältesten deutschen Zionisten feiert am Freitag, der! 3. Elul (13. August); seinen siebzigsten Geburtstag, Nicht so sehr den Lebensjahren nach gehört Gustav Schwabe in Varel zu den ältesten Nationaljuden, wie vor allem dadurch, daß er sich schon in jungen Jahren unserer Bewegung bewußt angeschlossen hat und als einer der wenigen Vor-Hcrzlischeu Zionisten von Anfang an zur Ausbreitung unserer Idee beigetragen hat. Heute, wo die Idee um ihre Realisierung mit den großen Mitteln eines Volkes kämpft, kann man es kaum noch verstehen, daß ein einzelner für die Bewegung soviel bedeutete. Wenn sich aber damals ein ln gesicherter Position befindlicher Mann der Bewegung anschloß und allezeit bereit war, ideell und materiell Opfer für die Idee zu bringen, so war das etwas Besonderes. Und die Zeit Theodor Herzls legte mit Recht großen Wert auf solche reinen Idealisten und praktischen Helfer, wie es Oustav Schwabe an der Nordseekante allezeit war. Eine besondere Bedeutung hatte Schwabe für die Begründung der Kolonialbank und bei der Schaffung der finanziellen Instrumente der Bewegung. Es liegt irn Laufe •der Dinge, daß bei einer in so raschem Tempo fortschreitenden Bewegung, wie es der Zlonismus ist, Menschen, die gestern noch eine Bedeutung hatten, heute schon vergessen sind Das ist aber gut so. Und wenn Gustav Schwabe, der allen alten Zionisten heute noch als einer der verständnisvollsten und idealsten Zionisten gut Im Gedächtnis ist, der mit seiner Frau und seiner Familie im ersten Gliede der alten Zionskämpfer stand, von der jungen Generation wenig gekannt wird, so ist das kein Mangel Schwabes, sondern ein Vorzug der Bewegung, die so stark ist und deren Strom so groß wurde und dauernd noch anschwillt, daß dieses Vergessensein die größte Freude jener alten Kämpfer ist, die über die Sache selbst dem Gedächtnis entschwanden. Wenn aber jetzt der siebzigste Geburtstag eines der Paladine Theodor Herzls gefeiert wird, dann wollen wir uns erinnern, daß der ersten einer noch mit glühender Zionsbegeisterung unter uns weilt, die sich in der Vor-Herzlischen Zeit um die Zeitschrift ״Zion“ sammelten und die geholfen haben, die ersten Bausteine zusammenzutragen, die mit verwendet wurden, um die Anfänge des jetzigen stolzen Baues vorzubereiten. Die alten deutschen Zionisten von damals, die noch heute leben, die Teilnehmer der ersten Kongresse, an denen Schwabe aus Varel tätig teilgenommen hat, aber gewiß auch ein sehr großer Teil der jetzigen Bauleute unseres nationalen Werkes gratulieren unserm lieben und verehrten Freunde Gustav Schwabe zum siebzigsten Geburtstage mit dem Wunsche, daß er noch Jahrzehnte in alter jugendlicher Frische mit seiner Frau und seiner Familie sich des werdenden Werkes freuen soll. Ein herzliches Hedad dem alten Kämpfer! Heinrich Loewe. Der Kcagreß der lldlschea Jageid in Paris Paris, 9. August. (J.T. A.) Der Kongreß der jüdisehen Jugend in Paris, der sich vornehmlich aus Vertretern der Jugend der sephardisclien jüdischen Gemeinden zusammensetzt, ist beendet, ln seinen letzten Sitzungen beschäftigte sich der Kongreß mit den Vorschlägen der Palästina-Kommiss Ion und der Kommission zur Vorbereitung eines universalen Weltkongresses der jüdischen Jugend. Der Delegierte des Lissaboner Jugendvereins ״Hechawer“, Herr Hiller, berichtete über die Lage der kleinen jüdischen Gemeinden in Portugal, der frühere Vorsitzende der Organisation ״Hechawer“ In Rußland, Wilsker, über die Verfolgungen, denen die nationale jüdische Jugend in Rußland ausgesetzt ist, Dr. Baki (Italien) über aas italienische Judentum. Der Kongreß hielt einen großen Propagandaabend ab, der sehr eindrucksvoll verlief. Es erschienen bekannte französische Politiker und ein Vertreter des Völkerbunds, die den Kongreß begrüßten. Fr<s1e«chta Die Zeitschrift ״Bodenreform“ (Adolf Damaschke) bespricht in ihrer Nummer vom 8. August den Progreß der Grundbesitzer in Tel-Awiw gegen die Stadtverwaltung und schreibt dazu: ״Es ist überall dasselbe Bild: Wo Grundrente und Nationalgefühl zusammenstoßen, siegt bei dem heutigen Bodenrecht die Grundrente. Ob es sich nun um deutsche Großgrundbesitzer handelt, die in dieser gefahrvollen Zeit slawische Elemente auf deutschen Boden rufen, ob es sich um madjarische Latifundienbesitzer handelt, die wallachische Arbeiter den Volksgenossen vorziehen oder um Grundstücksbesitzer in Tel-Awiw. Nur ein neues Bodenrecht wird diesen Zwiespalt unmöglich machen.“ Kleine Nachrichten _ Lord P1 u m e r wird am 3. September eine Reise nach Italien^ antreten und dort etwa 14 Tage zubringen. Chef- Sekretär Colonel Symes wird während seiner Abwesenheit die Geschäfte des Oberkommissars führen. Lord Plumer wird sich dann nach England begeben, wo er einen Teil seines Urlaubes verbringen wird. Wie der ״Times“ aus Jerusalem telegraphiert wird, hat die palästinensische Regierung 115000 £ für Vergrößerungs- und Verbesserungsarbeiten im Hafen von Jaffa bestimmt. Mit den Arbeiten soll noch vor Beginn des Winters begonnen werden. Wie die ״Jewish Times׳“ in London aus Jerusalem meldet, sind dort neuerdings Gerüchte verbreitet, daß Lord A11 e n b v zum Nachfolger Plumers und Oberkommandanten der eng- Iischen Truppen in Palästina und Transjordanien ausersehen sei. Chaim Nach mail B i a 1 i k ist am S. August in Paris eingetroffen. Am Bahnhol hatte sich zu seinem Empfang eine große Menschenmenge eingefunden. Der Verband hebräischer Schriftsteller in Jerusalem übersandte dem russischen Volkskommissar für Bildungswesen ein Protestschreiben gegen die Unterdrückung der hebräischen Sprache in Rußland. Der Kongreß der polnischen Legionäre in K i e 1 c e, dem auch Pilsudski beiwohnte, nahm eine Resolution gegen den Antisemitismus an. Durch Vermittlung des Arbeitsdepartements der Zionistisehen Palästina-Exekutive ist es gelungen, für die Zeit der Weinlese etwa 300 weitere jüdische Arbeiter in privater Arbeit bei den Kolonisten in den alten Siedlungen unterzubringen. An der litauischen Staatsuniversität sind 2105 ordentliche und 263 außerordentliche Hörer inskribiert; unter ihnen 4% Juden. Der jüdische Parlamentsklub in Polen hat beschlossen, zu dem Ende August in Genf stattfindenden Zweiten Internationalen Kongreß der Minderheitsvölker die Abgeordneten J. Grünbaum, Dr. Insler und ft. Schipper als seine Vertreter zu delegieren.