Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 62 (10.8.1926)
- Date
- 1926-08-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 02 JUED1SCH E RUNDSCHAU Seite 4SI XXL Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Erfurt Im ״Kaisersaal4* vom 22.-24. August 1926. Tagesordnung: Erster Tag. Voraiittagssitzung 10—2 Uhr: 1. Eröffnung des Delegiertentages durch den Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 2. Begrüßungen. 3. Wahl des Büros. 4. Ansprache des Vertreters der Exekutive. 5. Referat des Vorsitzenden der Z, V. f. D,: ״Zionistische Arbeit in Deutschland.“ Nachmittagssitzung 4—8 Uhr! 1. Bericht des Wahlprüfungsausschusses. 2. Generaldebatte. 3. Wahl des Permanenzausschusses. Abendaitzuug, Beginn 10 Uhr: Geschlossene Sitzungen der Vertrauensleute des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth unter Teilnahme der Delegierten und Ersatzdelegierten. 1. Keren Hajessod-Arbeit in Deutschland. 2. Keren Kajemeth-Arbeit in Deutschland. Zweiter Tag. Vormittagssitzung 10—2 Uhr. 1. Referat Dr. Kanowitz: ״Die zionistische Jugendbewegung in Deutschland.“ 2. Referat Dr. Wolf sberg: ״Das zionistische Bildungsproblem in Deutschland.“ 3. Aussprache. Nubmittagssitsung 4—8 Uhr: 1. Fortsetzung der Aussprache. 2. Referat Dr. Buber: ״Volkserziehung als unsere Aufgäbe.“ 3. Aussprache. ״ Der Abend bleibt frei für Sitzungen von Kommissionen und Fraktionen. Dritter Taff. Vormittagssitzung 10—2 Uhr: 1. Referat über ״Innerzionistische Politik.“ Stellungnahme zu den Ergebnissen der A.-C.-Sitzung. Referent: Kurt Blumenfeld. 2. Aussprache über Palästina-Fragen. Einleitendes Referat: Felix RosenbiÜth. 3. Aussprache. Nachmittagasitzung, Beginn 4 Uhr. 1. Fortsetzung und Schluß der Aussprache. 2. Anträge. 3. Wahlen. * Unterbringung, Alle Gesinnungsgenossen, die die Absicht haben, am De!egiertentag teilzunenmen, werden dringend gebeten, dies jetzt sofort Herrn Dr, Schlochauer, Erfurt, Anger 51. mitzuteilen. Es stehen Zimmer in Hotels i. Ranges M. 6 und M. 7,20 inkl. Bedienung, Hotels II. Range* M. 3,70 bi* M. 4,60, inkl. Bedienung, Hotels 111. Ranges M. 2 bis M. 2,50 inkl. Bedienung, Privatquartiere M. 2 bis M. 3 mit Frühstück zur Verfügung. Bei allen Bestellungen ist die Aufenthaltsdauer aufzu* geben und auch mitzuteüen, ob Zimmer mit einem oder zwei etten gewünscht werden. Nur bei allen denjenigen Dele* giertentagsbesuchern, die rechtzeitig Quartiere bei der oben angegebenen Adresse bestellen, kann Garantie für eine wünsch gemäße Unterbringung übernommen werden. Dies gilt insbesondere für die Besteller von Einzelzimmern, die nur in beschränktem Umfange vorhanden aind. Für Jugendliche ist eine Jugendher berge* belegt. Preis pro Nacht und Bett 50 Pf. Rechtzeitige Anmeldung Ist unbedingt erforderlich, ebenso muß unbedingt der Ausweis eines Jugendbündes mitgeführt werden. Bahnhofsdienst. Im ״Erfurter Hof“ gegenüber dem Bahnhof wird eine Auskunfts- und Empfangsstelle der zionistischen Ortsgruppe eingerichtet, bei der auch diejenigen Delegiertentagsbesucher, die ihr Logis erst verspätet bestellen können, erfahren, wo sie untergebracht sind. Empfangsabend. Am Sonnabend, den 21. August, abends, findet ein zwangloses Zusammensein aller Delegiertentagsbesucher in den Gesellschaftsräumen des Hotels Kossenhaschen, gegenüber dem Bahnhof, statt. Gesellschaftsi&hrten. Den Delegiertentagsbesuchern ist Gelegenheit zu billigen OeseUschaftsfahrten geboten, t. B.; Tagestouren: Cotha—Eisenach (Wartburg) — Hohe Sonne—Wilhelmsthal— Liebenstein — Altenstein — Tfusethrler Wasserfall — Friedrich* roda—Erfurt bei 35 Personen k 8,50 M., bei 27 Personen k 0,— M. Erfurt — Reinhardsbrunn — FriedrlchfOda—T arabach — Falken- *fein—Oberhöf—Schmücke — Rennsteig—Stützerbach—Ilmenau —Arnstadt—Erfurt bei 35 Personen k 8,50 M., bei 27 Personen k 9,— M. Schwarzathai—Gehren—Breitenbach — Oelze—Katzhütte—Mel- Ienbach—Oberweißbacher Bergbahn—Schwarzburg—Trippstein —Blankenburg—Saalfeld—Fenngrotten Preis pro Perton 10,— M. Friedrichroda—Heuberg—Spießberg—Finsterberger oaer Tarnbach—öeorgsthai Preis pro Person 7,50 M. Erfurt—Frankenhausen—Basbarossahöhle—Kyffhäuser—Heim* kehle—Bebra—Sondershausen—Erfurt bei 35 Personen ä 8,— M,, bei 27 Personen ä 8,50 M. Halbe Tagestouren: Gotha—Inselsberg—Friedrichroda—Reinhardsbrunn u. zurück Preis pro Person 5,50 M. Anmeldungen an Herrn Dr. Wolfheim, Erfurt, Anger 65. Rituelle Verpflegung. Während der Dauer des Delcgiertentages wird rituelles Essen von Herrn Hotelier Blum-Oberhof in den Räumen der Erfurter Loge, Krämpferstr. 62a, ausgegeben. Für billige rituelle Verpflegung Jugendlicher ist an der gleichen Stelle Vorsorge getroffen. Eintrittskarten. Es werden Eintrittskarten für Zuhörer ausgegeben, und zwar Karten für die ganze Tagung zum Preise von 2,50 M., für die Eröffnungssitzung Zum Preise von 1,50 M., für die folgenden Tage zum Preise von 0,75 M. Bestellungen unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages und eines Freikuverts werden schriftlich an die Z. V. f. I), erbeten. Jugendliche erhalten Eintrittskarten zum Preise von 1 M. für die ganze Tagung durch Vermittlung der Jugendverbände oder bei der Z. V. f. D. Delegiertentags-Mandate. Zur Uebernahme von Mandaten von Gruppen, die nicht in der Lage sind, eigene Vertreter nach Erfurt zu entsenden, hat sich bereit erklärt: Dr. Martin Plcßner-Hamburg, Frau Dr, Jacobsohn-Breslau. Delegierten wählen: Breslau: (Misracbi): Frau Dr. Else Kabln, Breslau, Dr. Leo wfslicki, Breslau, Delegierte. Osnabrück: Alfr. Werth ei tn, Osnabrück, Delegierter. Cottbus: Dr. W. Strauß-Reich, Cottbus, Delegierter; Max Hirsch, Cottbus, Ersatzdelegierter. Ein Nichtjude über den C.-V. Die ״Jüd. Zeitung für Ostdeutschland“ (Breslau) veröffentlicht einen interessanten Brief eines Nichtjuden an den C.-V. — Der C.-V. hat in einer der letzten Nummern feiner Zeitung mit der Miene gekränkter Unschuld erklärt, die Zionisten führten einen offenen Kampf gegen ihn, gegen den er sich wehren müsse. Er führt also einen ״Verteidigungskrieg“ nach berühmten Mustern. Er selbst hat nie den Zionismus angegriffen, sagt er. Wer ob dieser beispiellosen Spekulation auf die Dummmhelt der Leser, die der C.-V. ganz nach dem Vorbild der völkischen Presse praktiziert, erstaunt ist, findet in dem erwähnten Brief die entsprechende Entspannung. Der Schreiber des Briefes ist Herr Hermann Kranold, kom. Landrat in Sprottau. Dieser Herr ist seit langen Jahren auch Leiter der Kolonisationsumschau der ״Sozialistischen Monat•- hefte“ und auf diese weise hat er sich auch mit der Palästina- Kolonisation beschäftigen müssen. Seitdem gehört auch er zu den vielen Tausenden von Nichtjuden aus allen Parteien, denen das zionistische Siedlungswerk Achtung aufgezwungen hat. Wir entnehmen seinem Brief folgende Stellen: ״Eine begreiflicherweise schon äußerlich schwarz-weiß-rot aufgemachte Propagandaschrift des ״Gentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ flattert mir auf den Tisch. Sie führt den Titel ״Deutschtum, Judentum, Zionismus und Palästina-Aufbau“. Es würde sich lohnen, jeden Satz darin unter die Lupe zu nehmen. Das geht wegen Raummangels nicht an. Aber die tragenden Säulen zu demolieren, lohnt sich doch. Und so seien denn ein paar Kosthäppchen aus der Schrift mit der erforderlichen Oarnierung hier serviert. Wenn die Garnierung den Herren vom Centralverein nicht paßt, so müssen sie diesen Kummer ohne unsere Hilfe allein tragen. Wir werden das zu ertragen wissen. 1. ״Die jüdischen Deutschen wissen sich als einen der organischen Bestandteile des deutschen Volkes.“ Dieser Satz ist ein nettes Ding! Er bedient sich des Kniffes, statt einer Sachbezeiehnung ein Bild zu bringen. Was ist denn ein ״organischer Bestandteil eines Volkes“? Was sich zu ihm rechnet? Was es sich selbst zurechnet? Was ihm blutsverwandt ist? Was dieselbe religiöse oder politische Ueberzeugimg hat? Was auf demselben Boden wohnt? Inwiefern sind die in Deutschland wohnenden Deutschen Juden, die in Ungarn wohnenden Deutschen aber keine Ungarn? Oder sollten sie es von Gottes oder Rechts wegen doch sein? Sind die Deutschen jener Länder, die keine Ungarn, Tschechen, Russen, Polen, Dänen, Franzosen usw. sein wollen, alles dies doch? Par ordre de moufti? Seite 5 des Heftchens spielt gegen die Zionisten das Argument aus: ״Nationen sind in ihrer Existenz räumlich begrenzt.“ Warum gilt das nur für Juden? Warum nicht für alle anderen nationalen Minderheiten? Oder will der Centralverein behaupten, es gelte ganz ebenso auch für die Deutschen im Auslande wie für die Juden in Deutschland? Wie paßt dazu der in der kaiserlichen Trikolore gehalten« Umschlag? ״Die bloße, auch vom Zionismus zugelassene Staatsbürgerliehe Treue ohne den Willen zum Deutschtum gibt niemandem weder Anspruch noch Möglichkeit zu unbefangener und unangreifbarer Mitarbeit an den politischen und kulturellen Auf* gaben des deutschen Volkes. Ebenso auf Seite 5 zu lesen. Welche Keuletischlige gegen die Ausländsdeutschen! Und was soll nun aus alledem werden, wenn wir, wofür doch manches spricht, genau so Vereinigte Staaten von Europa kriegen, wie ei solche von Amerika Bereits gibt? Sind auch die Neger Yankees? Sind auch sie nichts aß zufällig dunkel gefärbte Mitglieder des USA-Volkes? Werden sie nächstens alle zu einem Centralverein amerikanischer Bürger mit schwarzer Haut zusammentreten? 2. ״Der Juden religiöse Aufgabe ist. zu sein: ein Volk von Priestern und ein heiliges Volk“, so wird auf Seite 6 unter Aufwand fetten Druckes verkündet. Also, da immerhin Religion doch ein Teil der Kultur ist, eine kultürllche Einheit des udentums der ganzen Welt. Sollte man meinen. Aber auf eite 9 wird man eines anderen belehrt: ״Wenn eine Kultur* gemeinschaft der Jude« der ganzen Welt“ durch den Zionismus ״geschaffen werden soll, so lehnt der C.-V,“ dies ״als un* jüdisch und undeutsch ab“. Ein vollkommener Widerspruch. Offenbar ist die Schrift nur für Leser bestimmt, die auf Seite 9 nicht mehr wissen, was drei Selten vorher zu lesen War. 3. Das Palästinawerk ״kann in aller Zukunft niemals eine Erlösung der Juden aus allen ihren Nöten bringen“. So auf Seite 6 ebenfalls zu lesen. Wann hat der Zionismus das versprochen? Aber man tut, als hätte er es, und hat dann ein einleuchtendes Argument gegen ihn. Ein Mittel, alle Angehörigen irgendeiner Menschengruppe aus allen ihren Nöten zu befreien, gibt es natürlich nicht. Aber bestimmte Nöte kann das zionistische Palistinawefk allerdings von den Juden nehmen, so zum Beispiel die Not, das einzige Fremdvolk zu sein, das keine Heimat hat. Auch alle in der Fremde lebenden Deutschen, Italiener, Engländer usw. haben nicht in der Heimat Platz, gerade wie nicht alle Juden in Erez-Israel. Aber leben sie, die Iren und so manches andere Volk noch nicht gerade deshalb als Fremdvölker, weil sie ln der Heimat nicht alle Raum finden? Und war es ihnen deshalb, ist es ihnen deshalb gleichgültig, ob Ihr Volk eine Heimat hat? Soll gerade hierin das Judentum seine Einzigartigkeit sehen, daß es eine Heimat nicht nötig hat? Sonderbare Schwärmer! ״National entwurzelt und mehr und mehr rechtlos werden müssen“ nach Seite 7 die Juden durch den Zionismus. Die armen ״entwurzelten“ amerikanischen Iren und Deutschen, Engländer und Italiener! Und welche rührende Bescheidenheit, welches demütige Vorlfebnehmcn spricht aus diesen Worten. Sind etwa die Juden nicht jetzt schon über alles Maß rechtlos? Sind die Schrecken Rußlands, Rumäniens, Ungarns nur böse Traumalbcn? Nach einem Hinweis auf die Entstellung des Palästina- Problems durch den C.-V. fährt Kranold fort: Und nun den Schlußstein des hier so schnöde kritisierten und doch so erhabenen Gedankengebäudes auf Seite 9: ״Die Konzentration der für jüdische Zwecke zur Verfügung stehen* den Mittel auf Palästina ist eine große Gefahr für die GesamtjudertheitZunächst einmal: wo besteht diese Konzentration bisher? Wo wird sie angestrebt? Wer finanziert die gesetzestreuen jüdischen Schulen? Wer die gesetzestreuen Synagogen? Nicht auch in hervorragendem Maße Zionisten? Will der Centralverein das wirklich leugnen? Und dann: ״zur Verfügung stehenden?“ Glaubt der Centralverein wirklich, die Mittel, die die zionistische Werbearbeit unermüdlich zusammenbringt, stünden ohne dieses Wirken auch einfach für andere jüdische Zwecke zur Verfügung? Wer solche Argumente wie die hier kritisierten, ausspielt, der ist entweder von vollkommener Unwissenheit in den Tatsachen oder von noch Schllmmerem bestimmt. Aber nun wissen wirs: Erstens gibt es kein jüdisches Volk, zweitens darf keins Wiedererstehen, drittens kann keins wiedererstehen, viertens kann es in Palästina gar nicht erstehen, fünftens wenn es in Palästina ersteht, dann entwurzelt es die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens. Kennt der Centralverein die Geschichte vom geliehenen Topf? Es ist vielleicht hart, so eine Schrift des CentraNerelns lächerlich zu machen. Aber sie fordert dazu heraus. Und Ist nicht Lachen schließlich ein Menschenrecht, das man noch nidht verliert, wenn man nilt dem C.-V. in Kontroverse gerät? Und gibt es nicht Propaganda, der gegenüber es eine beinahe unverzeihliche Milde ist, sie lächerlich zu machen, statt sie bei dem Namen zu nennen, den sie eigentlich verdient? Viele Fragen. Aber Antworten werden vom Centralverefn nicht kommen; das wissen wir schon so. Wenn es hoch kommt, wird er drum herumredzn und mit Gemütsruhe nochmals dasselbe sagen, als hätten wir ihn nichts gesagt. Ein Narr wartet auf Antwort. Wir sind keine Narren. Aber es genügt uns, wenn die Antwort ausbleibt. Hermann Kranold.“ Koaztnfrleratig der Kräfte Das Gebot der Stunde ist Konzentrierung unserer Kräfte auf die dringendsten Aufgaben des Palästina-Aufbaus. Wenn wir aufrichtig sind, so müssen wir uns sagen, daß unsere Kräfte größer sind, als wir manchmal selbst glauben. Für unsere jetzige Situation ist vielleicht ein Wort Theodor Herzls angebracht: ״In der Not stehen wir zusammen, und da entdecken wir unsere Kraft.“ Was vor 30 Jahren, wo es noch keine die Welt umspannende Zionistische Organisation f"' ' ' . gaben und Ziele gesetzt, an denen mitzuarbeiten und die zu erfüllen jeder zionistische Arbeiter imstande ist. Wir möchten dies an einem besonders aktuellen Beispiel nachweisen. Von den Berichten an das Aktions-Comitd muß der vorn Direktorium des Keren Kajemeth vorgelegte Rechen• schaftsbericht für das letzte Jahr hervorgehoben werden. Aus allen Aeußerungen der letzten Zeit und nicht nur bet der Sitzung des Aktions-Comitös geht mit unzweideutiger Klarheit hervor, daß das Bodenproblem in Palästina das aktuellste ist, aber auch eines der schwierigsten. Die rasche Ueberführung des noch zU erwerbenden Bodens in Land und Stadt in das Gemeineigentum des jüdischen Volkes wird heute von allen verantwortlichen Faktoren in unserer Bewegung als die drin• gendste Aufgabe anerkannt. Die tausendfach wiederholte, den meisten schon zur Banalität gewordene Wahrheit, daß die Lösung dieses Problems einzig und allein von unserer täglichen Arbeit abhängt, wird durch den nüchternen Bericht des Keren Kajemeth am besten illustriert. Es würde zu weit führen, auf die Einzelheiten dieses Berichtes einzugehen, nur einige Tatsachen — erfreuliche und unerfreuliche — seien angeführt. Es sind Immer noch erst 4 0/0 des verfügbaren Bodens, den der Keren Kajemeth bisher erworben hat. Noch immer haben wir keine Bodenreserve, und seit Jahren warten Hunderte von gut ausgebildeten Chaluzim auf ihre Ansiedlung. Der Einfluß des Keren Kajemeth auf die städtische Siedlungspolitik, das brennendste bodenreformerisclie Problem Palästinas, ist noch immer gleich null._ Der prozentuale Anteil der Zionisten, die für den Keren Kajemeth arbeiten, und der Anteil der Juden, die für ihn spenden, entspricht dem Prozentsatz unseres Anteils an dem Boden Palästinas. Wenn es trotzdem gelungen ist, aus den Pfennigen und Groschen bisher über eine Million Pfund in Pa• lästina zu ln v «stieren, so ist da« nur einer Verhältnis• mäßig kleinen Schar von ״Pionieren des Galuth“ zu danken. Aber diese Pioniere müssen auch erlahmen, ebenso wie die Chaluzim in Erez-Israel, wenn sie von dem Gros unserer Gesinnungsgenossen im Stiche gelassen werden. Die Zionisten in Deutschland sind nur ein Bruchteil des Weltzionismus, aber als solcher in mancher Beziehung von Bedeutung. Noch im Vorjahre standen die Leistungen der deutschen ZioniBten für den Keren Kajemeth unter den zirka 50 beitragleistenden Ländern an dritter Stelle. In diesem Jahre werden wir leider weit zurückstehen. Und doch muß es offen ausgesprochen werden, daß alle äußeren _ Schwierigkeifen den Rückgang der Keren Kajemeth-Eingänge in Deutsch• land nicht verursacht hätten, wenn alle, die dazu berufen sind, ihre täglichen von jedem Zionisten erfüllbaren Pflichten auch tatsächlich erfüllt hätten. Darauf mit allem Nachdruck hinzuweisen, ist im gegen- «׳artigen Zeitpunkt besonders notwendig, weil der Keren Kajetheth unmittelbar vor seiner größten und wichtigsten Aktion, nämlich vor der Roschhaschanah - Aktion steht. Diese Aktion war in Deutschland immer erfolgreich und vorbildlich für alle übrigen Länder. Sie ist der Beginn der zionistischen Arbeit für alle Ortsgruppen nach der Sommerpause, und hier gilt es das zu tun, was das Aktions-Comitd als die Aufgabe aller Zionisten gefordert hat: Konzentrierung aller Kräfte auf die dringendste Aufgabe in Palästina. Dazu rufen wir alle Zionisten in Deutschland auf. Adolf P 0 11a k.