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Jüdische Rundschau · 1926-08-10 · Heft 62 (10.8.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 62 (10.8.1926)
Date
1926-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 452 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 62 Königsberg nid Kowno Berliner Kalender (״Blau-Weiß“ und ״Schoracr hazair“.) Vom 2. bis 5. Juli hat bei Cytowiany in Litauen der 1. Bundestag■ des litauischen ,,Haschomer hazair“ stattgefunden. 300 Schomrim und Schornroth (1/4 der gesamten Organisation) machten dort ihr gemeinsames Zeltlager, — jeden Morgen zusammen Aufstehen, Gymnastik, Baden, — vormittags körperliehe Wettkämpfe, nachmittags 3 Referate über körperliche Erziehung, über die Lage des Bundes und über ״Schomriuth“ (besonderer Name für die Chaluziuth des Schomer hazair), eine Ausstellung von Handarbeiten der Schomrim und Schornroth, — jeden Abend ein großes Feuer, um das sich der ganze Bund versammelt mit Ansprachen, Singen, Theater usw. — dies alles in ziemlich festen Formen, die ganze Jugend (auch die Mädchen) in den grünen Pfadfinderhemden, der Uniform des Schomer hazair, —- zusammen ein Bild, nicht unähnlich den Bundestagen des Blau-Weiß in Deutschland. Der Anreger und Führer dieses Bundestages war nämlich der frühere Führer des Königsberger Blau-Weiß, der vor vier Monaten besonders zu dem Zweck nach Kowno gegangen ist, um an der endlichen Herstellung des Kontaktes zwischen der so benachbarten west- und ostjüdischen Jugend stärkstem mitzuwirken. Die Versuche zu einem solchen Kontakt sind schon über ein Jahr alt, und der Grund dazu ist auf beiden Seiten die bisher unbefriedigende Beziehung zwisehen der westlichen und der östlichen Jugend in Palästina, der Konflikt der Blau-Weiß-Werkstätien mit der Histadruth, Büro: Berliner Zionistische Verc ■mgung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37830 Berlin NW 7. Kfssenverwaltung der B. Z. V. Dienstag, den 10. August. Abends 8*/* Uhr. Zionistischer Jugendbund, in den City-Festsälen, Dresdener Str. 52. Fortsetzung des Kursus über Kongreß-Zionismus, Leiter: Dr. Hans Bloch. בית מדרש לעברית של ההלת היהודים בכרמו• "זמו" ששה עשר. Hebräische Lehraistalt der Jüdischen Gemeinde zn Berlin XVI. Semester. Neue Kurse für Schüler im Alter von 11 bis 14 Jahren (Anfänger und Fortgeschrittene) sollen nach den Ferien im Westen eröffnet werden. Schriftliche Anmeldungen dafür, sowie auch für die bestehenden 17 Klassen und Arbeitsgemeinschäften für Erwachsene und Schüler sind an den Leiter der Anstalt, Herrn N. Berg grün, Wilmersdorf, Prinzregentenstr. 94, zu richten. — Schulgeld pro Monat: 2 M., für Schüler und Studenten 1 M. — Unterrichtsbeginn nach den Ferien: Dienstag, den 10. August. der für einen großen Teil der deutsch-zionistischen Jugend unwirksam gebliebene ״Brith hanoar“ (Danzig 1924), andererscits, positiv, der Wille zu gegenseitiger Anregung und Bereicherung. Gerade vor einem Jahr, am 23, Juli 1925, fand das erste von Kowno und Königsberg verabredete Treffen in Königsher״ statt, zu dem 25 Schomrim und Schomroth kamen, geführt von Akiwali Wanchotzker, Führer des litauischen Schomer und Mitglied der Weltzentrale, welcher das Hauptverdienst des praktischen Anfangens hat. Dies Zusammentreffen war überaus fruchtbar, am stärksten durch die Wirkung einer ganz hebräisch sprechenden Jugend auf die Blau- Weißen, bei denen seitdem die Pflege des Hebräischen einen wesentlichen Aufschwung erlebt hat. Im allgemeinen suchten beide Teile während dieser ersten Begegnung sich gegenseitig in keiner Weise zu korrigieren (gewarnt durch die erfolglosen Versuche anderer), sondern im Gegenteil sich zu verstehen im Unterschiedlichen wie im Gemeinsamen. Aber nicht nur im Hebräischen, sondern allgemein hatte die Bundesarbeit des Blau-Weiß von hier an frische und starke Impulse; das neue Bewußtsein, daß nur drei Eisenbahnstunden entfernt eine hebräische Jugend sei, wirkte belebend und ermutigend, und von den schweren Krisen, die von damals bis heute den ganzen deutschen Bund erschüttert haben, ist Königsberg trotz seiner intensivsten Teilnahme an den Bundesschicksalen nicht im geringsten geschädigt oder auch nur berührt worden. Es hat sich daher zur Hauptaufgäbe gemacht, so stark wie möglich für die Verständigung und den Zusammenschluß von Ost und West zu arbeiten. Nach ersten langen Mißerfolgen mit unzulänglichen Methoden wirkten endlich starke Mittel: mit einer großen Anzahl Blau-Weißer eine Fahrt nach Kowno zu machen; und den Führer des Königsberger Bundes selbst für lange Zeit nach Kowno in den Schomer hazair zu senden. Was das Erlebnis Kowno: eine jüdische Stadt, eine hebräische Jugend in hebräischen Gymnasien, eine halb selbstverständliche, gewattige Chaluziuth-Gnindstimmung für die 33 westjüdischen Darüber noch hinaus hat diese Kownoer Woche nicht nur für die persönlich Beteiligten, sondern für beide Bünde Ergebnissc der_ Zusammengehörigkeit und ganz besonders des gegenseitigen wirklichen Verstehens gezeitigt, die niemals durch noch so gute Lektüre über den Osten, Vorträge oder politische Verhandlungen der Bundesleitungen erreicht werden können. Was ferner der genannte Führer durch sein Leben in der ostjüdischen Jugend für sich und seinen Bund gewonnen hat, ragt weit über einen bloßen ״Studienaufenthalt“ hinaus; er wurde in seinen Bestrebungen, cinzudringen in ihr Leben, Freundschaftlichst verstanden und unterstützt, wurde Mitglied der litauischen Leitung, und von ihm rührt der Vorschlag zu dem ersten Bundestag her, mit dessen Durchführung er beauftragt wurde. Uebcrnaupt ist der Schomer nicht untätig geblieben, sondern hat innerlich und äußerlich weiter auf alles reagiert. Man hat dort ein besonderes Ressort für den Verkehr mit dem Westen geschaffen und allgemein eine große Freundlichkeit und Bereitschaft entwickelt gegenüber allen Versuchen von Westen her, bekannt und vertraut zu werden mit dem reichen, alten jüdischen Leben des Osten. Dies alles zu benutzen, zu erweitern lind bekanntzumachen, wird weiterhin die Hauptaufgabe des Königsberger Blau-Weiß bleiben. Hans Herbert Hammerstein, Königsberg. Sommerlest Her Jüdischen Vclkspartei Die Jüdische Volkspartei veranstaltet am Mittwoch, den 25. August, in den gesamten Parkanlagen und Sälen des Ulap am Lehrter Bahnhof ein Sommerfest. Dem eigentlichen Fest voraus geht am Nachmittag ein Kinderfest. Lhiseren Kleinen wird auf dem Marktplatz der Ausstellung ״Alt-Berlin“ Gelegenheit zu allen möglichen Vergnügungen geboten werden. Turnvorführungen, Karussell- und Ponyfahrten, Eselreiten und ein Fackelzug sollen den Kindern außer vielen Ueberraschungen einige schöne Stunden bereiten. Den Höhepunkt dieses Kinderfestes wird ein Schokoladenregen, den die Schokoladenfabrik Trumpf von einem ihrer Flugzeuge aus vornimmt, bilden. Das Fest der Großen wird um 7 Uhr mit dem Aufmarsch und y:r:Zl•:5Ju! Du *Alk ^pnne”*j^jC*1 Ball eröffnet werden, der im Park und in den Sälen unter Mitwirkung von erstklassigen Tanzkapellen stattfinden wird. Unter den vielen Ueberraschungen des Abends wird einen besonderen Platz ״Die Revue“, deren Verfasser die Herren Gronemann, Hildesheimer, Barth, Jungmann und K a r e s k i sind und der Fackeizug, der durch die gesamten Parkanlagen geleitet wird, einnehmen. Für die Tombola, die mehr als 2000 Gewinne enthalten wird, sind bisher als Hauptgewinne eine komplette Kücheneinrichtung von der Firma Josef Himmel, eine Nähmaschine von der Firma L. Lltfauer und eine Korbmöbelgarnitur von den Driha-Möbelhäuseru gespendet worden. Da der niedrige Eintrittspreis von 1 Mk. für Erwachsene und 0,50 Mk. für Kinder jedem den Besuch des Festes ermöglichen wird, kann man annehmen, daß diese Veranstaltung der Jüdischen Volkspartei einen noch nicht dagewesenen Verlauf nehmen wird. Eingesandt Eil lehrreicher Schnitzer In der Achad Haam-Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ wird (auf S. 434 unten) ein Passus aus dem Aufsatz Achad Haams ״Drei Stufen“ in Kursivschrift als Kernspruch gebracht (״Warum wir Juden sind“). Die Wahrheit gebietet es nun festzustellen, daß dieser Passus nicht Achad Haam gehört, sondern von ihm bloß zitiert wird und zwar unter genauer Angabe der Quelle (s. hebräische Ausgabe seiner Schriften Bd. II, S. 60). Der Verfasser des wirklich schönen Zitates ist der liberale Rabbiner Cäsar Seligmann, wie sich jeder überzeugen kann, der die von Achad Haam angegebene Quelle (Briills Monatshefte 1898 Heft 1) nachschlägt. Achad Haam sieht in dieser Aeußerung ״eines westliehen Rabbiners“ bloß eine Uebergangsstufc, da ihm das nationale Gefühl allein, ohne zionistische Tat nicht genügt. Was mich aber bewegte, den Irrtum hier festzustellen, ist nicht so sehr das literarisch-historische Interesse als folgende Erwägung: selbst ein glücklicher, schöpferischer Spruch eines liberalen Rabbiners würde vergessen sein, wenn ihn nicht Achad Haam verewigt hätte. Mehr noch, Herr Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann, der eben in London aut der liberalen Konferenz davon sprach, daß die Juden eine ״Brüderschaft“ sind (also noch kein Volk), würde wahrscheinlich im obigen Passus sich selbst nicht erkennen. Da er auf der ״zweiten Stufe“ blieb und nicht vorwärts ging, ging er zurück. Wenn er einen solchen Spruch dennoch in seinem Namen heute sagen würde, er wäre kaum mehr als gute Rhetorik. Nur die ״dritte Stufe“ macht es, daß dieser Spruch ״unzerstörbar, unbesiegbar, unwiderlegbar ist“. Baruch Krupnik. Herz!-Gedenkfeier. Am 26. Juli veranstaltete der Zio- 11 is tische Jugendbund Berlin eine Theodor Herzl-Gedenkfeier, mit der er, wie in einleitenden Worten vom Vorstande mitgeteilt wurde, zum ersten Male ln die Öffentlichkeit trat. Im Mittelpunkt der Feier stand die eindrucksvolle Gedenkrede von Herrn Dr. Alfred Klee. Der Tenor Leo Monosson sang unter Begleitung von Dr. Schalom Hildesheimer Lieder von Joel Engel und I. Rosk in. Besonders das zuletzt gesungene Kaddisch von Enge! fand den lebhaftesten Beifall der Zuhörer. Unter den Klängen der Hatikwah schloß die Feier. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet gemeinsam mit dem Misrachi wie in früheren Jahren, auch in diesem Jahre einen Gottesdienst an den Hohen Feiertagen in den Sälen, Meinekestr. 10. Karten zum Preise von ML 15 und M. 10 (für Jugendliche M. 5) sind im Büro der B. Z.V., Meinekestr. 10, Bismarck 7165/70, erhältlich. Es empfiehlt sich, möglichst rechtzeitig Kartenbestellungen aufzugeben. 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