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Jüdische Rundschau · 1926-08-10 · Heft 62 (10.8.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 62 (10.8.1926)
Date
1926-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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52 Nr. %?. JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 440 Ei״. Ilag<; dein mlen Ver. wir I »eits-1 werzu!־ I ■'vpo. Sa- Iiifciil feilt. I lang, der I ÖO c| nftel die Erdas I >0 £ Lage I :ber-l und : der I che״ I und issen | ׳ raaben I :hste rage I Cria: Die zirka I über! ache [ warizum | des >0 £ I auswaii-1 Ab- 1. ln I Ein- [ grö• s ist 1 tiden [ von ieserl hen-l uziml umel 11de-1 desl Das! ition nentl Stab ehen I >m!e [ et/t, I wie I uiar-l ifen,| :lieri.ן Betßen I nies ן bedigt | vien eren I nan-1 wir, den 111erfür füllt Teile ist herge- Verzu- und viel den bge-!eile 1 ist ilten das Für Aninen men imi״ eine des der rael ׳een tern twa ine, zur veranilard seil- )11a I hen L. iS e »te: eim I es!Der oße wir Ais to“, der was be- Der Fall Haas Während diese Zeilen geschrieben werden, sind R u - jolf Haas sowie die seinetwegen Mitverhafteten, die Nichtjuden Reuter und Fischer, noch nicht ireigelassen. Ihre Ent- Haftung dürfte aber in wenigen Stunden erfolgen. Der in Urlaub gegangene Untersuchungsrichter in der Mordsachc Helling, Landesgerichtsrat Kölling, hat noch knapp vor Antritt seines Urlaubes durch Sabotage die Haft der Unschuldigen um drei Tage zu verlängern verstanden. Angesichts des Geständnisses des Raubmörders Schröder und der Angaben seiner Braut war aber die Sache der Haas-Beschuldiger verloren und das Attentat auf den Juden Haas mißlungen. Am selben Tage, an dem in Magdeburg dank dem Eingreifen der Berliner Kriminalkommissare durch den Mund von Schröders Braut die Wahrheit ans Tageslicht kam, sprach ich mit einem Juden, der mir nahelcgtc, in Sachen Haas zurückhaltend zu sein. Nicht dal! man in Magdeburg Rudolf Haas einer Mordanstiftung für fähig hielte oder irgendwelche Kenntnis von Missetaten des Rudolf Haas hätte -- nein, das sei nicht der Fall, aber die unentwegte Haltung Köllings, der doch nicht allein stehe, und der von einer großen Anzahl von hochstehenden Richtern beraten werde, gebe doch zu denken. ״Man kann doch nicht annehmeu, daß Richter in verantwortlicher Stellung ein so offenkundiges Verbrechen begehen können. Die Leute müssen doch ihre Gründe haben. Darum muß man in der Sache vorsichtig sein.“ Ich beruhigte den wohlmeinenden Warner. Seine und seiner Magdeburger Freunde Meinung war mir nur zu verständlich. Der Ausgangspunkt seiner Ueberlcgung war grundfalsch. Er und seine Freunde in Magdeburg nahmen an, daß nur bewußte Bosheit krampfhaft an der Beschuldigung gegen den Juden festhalten könnte. Das jedoch ist irrig. Wären Kölling, seine Hintermänner und sein Leibkriminalkommissar bewußte Bö;>ewfchter, so hätten sie wohl angesichts der inzwischen gemachten Enthüllungen kehrt gemacht und mit allen Mitteln versucht, sich zu salvieren. Die Beharrlichkeit, mit der sie an ihrem Irrtum festhalten, ist ein Beweis für ihre s u b - jektiv ehrliche Ueberzeugung. Und das macht den Fall Haas typisch und bedeutungsvoll für Verhältnisse, wie sic in weiten Kreisen in Deutschland herrschen. Wären Kölling und sein Kriminalkommissar bewußte Rechtsbeuger und Justizmörder, so hätte man es mit Ausnahmen zu tun, wie sie überall Vorkommen können. Sie sind aber gutgläubige, durch Erziehung und Milieu in stärkstem Mißtrauen gegen Judentum und Juden erzogene Menschen und sie sind tief davon überzeugt, daß die Juden in ihrer Gesamtheit eine anonyme Macht darstellen, deren Ziele für die Nichtjuden undurchsichtig sind und daß im Falle Haas der Zufall die Möglichkeit gegeben habe, einen Vertreter dieser anonymen Macht bei einer Missetat zu erwischen. Dieser Einstellung erscheint cs plausibel, daß diese geheime jüdische Vereinigung alle Mittel in Anwendung bringt, um die Aufdeckung der Wahrheit zu verhüten und den ertappten Juden zu schützen und zwar nur darum, weil er Jude ist. Auffallend in der ganzen Affäre ist die Saumseligkeit und die Leisetreterei der Vorgesetzten Zentralbehörden. Das Ministerium des Innern ist hierbei auszunehmen. Severing hat sich wieder einmal als der tapfere Vertreter von Recht und Freiheit erwiesen, als den man ihn seit Jahren kennt und schätzt. Anders aber die Behörde, die es am meisten angeht: das Justizministerium. Da konnte man von Konferenzen lesen, von Beratungen, von angeblich gefaßten Be- Schlüssen, von Schritten, die unternommen werden oder unternommen sind — in Wirklichkeit war ein sofortiges Eingreifen nicht zu bemerken. Zuviele Hemmungen lagen auf dem Wege des Justizministeriums. Erstens: peinlichst zu beobachtende gesetzliche Bestimmungen, zweitens Abwesenheit der in Frage kommenden Dezernenten, drittens der unbedingt einzuhaltende Instanzenweg, viertens — und das ist das Hauptmotiv gewesen —, die Angst vor den Rechtsradikalen. Nur nicht in den Ruf einer ״Judenschutztruppe“ gelangen! Nur nicht der Rechtspresse Anlaß zu Angriffen geben! Auf Schritt und Tritt merkte man, wie peinlich es den hohen Beamten im Berliner Justizministerium und in der Oberstaatsanwaltschaft in Naumburg war, daß man in diese unangenehme Angelegenheit eingreifen, daß man gegen Kölling Vorgehen müsse. Die Angst vor ״Stahlhelm“ und Rechtspresse war aus allen Artnsritter von heute (Sir Galahad, ״Idiotenführer durch die russische Literatur“ Verlag Langen, München). Große Dinge haben die peinliche Eigenschaft, kleine Leute, die sich an ihnen versuchen, zu entlarven. Es wäre unsereinem wohl kaum der Einfall vergönnt gewesen, sich jemais mit Sir Galahad zu beschäftigen. Da schreibt die Dame, die sich mit diesem Pseudonym bekleidet hat, — nicht unmodern genug bekleidet, daß nicht alle ihre weiblichen Reize durchschimmern würden, — ein Pamphlet gegen Rußland. Das Pamphlet ist ein Klatsch mondainen Stils; in gewählten Ausdrücken wird mit viel Bosheit berichtet, so als wäre Rußland ein unangenehmes Frauenzimmer, das der Autorin eben auf der Straße begegnet ist; da wird berichtet von der körperlichen Ungepflegtneit dieser Person, von ihrer Perversität in sexuellen Dingen, von ihrer empörenden Arroganz und ihrer intellektuellen Unselbständigkeit. Trumpf: natürlieh hat sie ein Verhältnis mit dem Juden! Das alles geläufig erzählt mit viel Witz, Bosheit und glühendem Eifer. Wenn man Rußland nicht kennte, nach dem Bericht nimmt man kein Stück Brot mehr von ihm. So aber fragt man verdutzt, wer denn Sir Galahad eigentlich sei; und was hat die Dame denn gegen Rußland? Sir Galahad lernte man vor einigen Jahren als Autorin des Romanes ״Die Kegelschnitte Gottes“ kennen. Vorerst ein Wort zum Pseudonym: Sir Gaiahad heißt in den Mythen der Tafelrunde König Artus, der reinste Ritter der Ritter- Schaft, ein Mann, keuscher und edier als Parzival und Lohengrin und für den Gral vorbestimmt. Bei der Lektüre der ״Kegelschnitte“ drängte sich die fröhliche Frage auf, warum eben für solch einen Roman eigentlich die Dichterin ein geradezu antagonistisches Namenssymbol gewählt habe, für ein Buch, in dem es zugeht wie bei Ewers oder in einer Hafenschenke. ״Vornehmheit“ und ״Erotik“ sind die laut geschrieenen Leitmotive, unter denen es so zugeht: ein junges Mädchen entzieht sich dem niedrigen Alltag, indem es sich, in spartanischer Selbstzucht, schlank erhält, jeden Morgen ein Bassin mit Goldfischen auf seinen Unterleib gießt. Können die Tiere über dem eingezogenen Nabel kreuzen, ohne daß ihre Schwänze den jungfräulichen Grund streifen, dann ist es gut; wenn nicht, fastet sie heroisch ihrer adligen Linie entlang. Asketisches Uebermenschentum solcher Art muß in Aeußerungcn des Ministeriums zu merken. Sicherlich ist der Justizminister Am Zehnhoff guten Willens. Aber auch er muß mit der Tatsache rechnen, daß ein großer Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland es nicht gern sieht, wenn man sich für Recht cinset/t, sofern dieses Recht im gegebenen Falle an einen Juden geknüpft ist. Seit langer Zeit merken wir, daß man in Deutschland jeder Entscheidung zwischen Rechts und Links aus dem Wege geht. So war es auch im Fall Lessing. Ein faules Kompromiß ließ die Affäre unter den Tisch fallen. So ist es im Falle Kölling. Nur der Ent- Scheidung auswcichcn! Nur die Dinge nicht auf die Spitze treiben! Namentlich wenn der Anlaß ein Jude ist. Diese Sachlage ist für uns Juden tiefbetri'tblich. Sie besteht jedoch, und es wäre Narrheit, sie übersehen zu wollen. * Man kann dem Justizminister keine Vorwürfe machen. Er benimmt sich nicht anders als etwa — der Ceiitralverei». Auch dieser hat bisher Fiemimmgen und Bedenken gehabt. In einer kurzen Notiz hat die C.-V.-Zeitung mitgeteilt, dal! sie den Fall Haas aufmerksam verfolgt. Genau wie das Justizministerium. Sie soll bedankt sein! Nur kein Aufsehen erregen! Gott behüte nicht unvornehm werden! Man merkt;: dem Centralvercin wäre es lieber, wenn Rudolf Haas schuldig wäre. Seine Unschuld ist peinlich. Denn es ergibt sich, daß in diesem rein kriminellen Fall die judenfeindlichc Einstellung über alle Logik, über alle Einsicht, über die greifbare Wahrheit gesiegt hat. Der Fall Haas sollte aber den Centralverein in stärkerem Maße beschäftigen als alle bisherigen Vorkommnisse in der antisemitischen Welt. Denn er ist ein Schulbeispiel für die Fatschheit der vom Ci'ntralverein in seiner ganzen Politik bisher geübten Methode. Damit will ich keineswegs sagen, daß es irgendeinen probaten Weg gibt, antisemitische Ausschreitungen zu verhindern, oder die Spannungen zwischen nichtjiidisclier Mehrheit und jüdischer Minderheit aus der Welt zu schaffen. Es ist mir möglich, diese Spannungen zu vermindern, das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden einigermaßen zu entgiften. Die fortwährende Beteuerung, daß es zwischen Jaden und Nichtjuden als ״Volksgenossen“ keinen Unterschied gibt, die dauernde Argumentierung, daß die Antisemiten durch ihren Antisemitismus sich selbst mehr schädigen als die Juden, all das ist falsche Politik. Die Juden werden dadurch nur eingeschläfert. Die nichtjüdische deutsche Umwelt aber kann es nicht verstehen, warum Juden, die ununterbrochen betonen, daß sie sich von den Nichtjuden in keiner Weise unterscheiden, dennoch als Juden organisiert sind. Die Nichtjuden werden stutzig, wenn die angegriffenen Juden nicht in erster Linie sich wegen des ihnen angetanen Unrechts beklagen, sondern Traktate über die seelische Gefährdung des Angreifers halten. Ein derartiges Verhalten wirkt unnatürlich, vergrößert das Un- Verständnis und weckt Mißtrauen. Wohl gemerkt! Es ist für uns ganz klar, daß Ersehe!- nungen wie die Ritualmordhetze in Breslau, der Fall Lessing und die Affäre Haas, aus der abnormalen Lage resultieren, in der sich die jüdische Minderheit, die unterscheidbare jüdische Minderheit, befindet. Solange diese abnormale Lage andauert, wird es derartige Vorkommnisse geben. Wir wehren uns nur dagegen, daß die Tatsache dieser abnormalen Situation geleugnet wird. Und daß man sich einzureden versucht, es sei im Prinzip doch alles in bester Ordnung und Ereignisse wie in Magdeburg bildeten belanglose Ausnahmen. Dieser eigentümliche Coueismus erscheint uns verfehlt. Es ist nicht alles in bester Ordnung. Im Gegenteil! Unsere Situation ist abnormal und mit Beteuerungen und mit Formein wird sie nicht eingerenkt. Diese Erkenntnis wird durch den Fall Haas aufs neue erhärtet. M. W. ritt ״Aehad Haas-Fonds“ Jerusalem, 1. August. (J. T. A.) Der Verband hebräischer Schriftsteller in Palästina hat beschlossen, aus Anlaß des 70. Geburtstages von Achad Haam auf den Namen des Jubilars einen Literaturfonds zu gründen, dessen Erträgnisse dazu dienen sollen, hebräischen Schrift- Stellern die Herausgabe ihrer Werke zu ermöglichen. Zunächst soll eine Summe von 1000 Pfund gesammelt werden. Die Hätfte dieser Summe ist bereits von mehreren Körperschäften und Personen zusammengebracht worden. An der Spitze des Komitees steht M. M. Ussischkm, v#n dem auch die Anregung zur Schaffung des Achad Haam-Fonds ausgegangen ist. der Welt enttäuscht werden. Und so heiratet sie erst einen altdeutschen Holzschnitt nach einer Wiener Kaffeehaustype und dann einen bösen Shylock, der die Gewohnheit hat, jeder Frau, die sich ihm nähert, ein Pfund aus dem Herzen zu schneiden, dort wo es am treuesten für ihn schlägt. Daran stirbt die junge Mensendieck. — Das ist nur einiges von all dem Schönen, das in dem Buche vorkommt, aber es dürfte genügen. Geschrieben ist es in einem klirrenden Ton gewaltiger Metaphorik, jedes Wort ein Nibelungenheld. Klingend, farbig, schneidig, mit ziemlicher Eleganz des Ausdrucks, dessen Geläufigkeit irrlichtierend auf dem Moraste des Inhaltes tanzt. Erotik? wenn es in einem Raume derart schwül zugeht, gelingt es auch den elegantesten Linien seines Tapetenmusters nicht, eine Sexualität, die vor Indiskretion schwitzt, für Erotik auszugeben. Vornehmheit? wenn einer so laut nach ihr schreit, weiß er wohl, wie nötig er sic hat. (Viel Schlichteres — bloße Sauberkeit — würde schon genügen.) Bewundernswert bleiben nur die Wortgeschwader sublimer Inhaltslosigkeit, die gewalttätig und forsch aufmarschieren, Schulter an Schulter, und blinkend von Aggressive. Und dabei ist dies nur ein Roman, wenn auch ein tendenziöser. Aber nun wirft sich dies alles, Aggressive und gewappnetes Wort, Bosheit und pompöse Metaphorik über Rußland wie — (um mich Gaiahadischer Tropen gewählt zu bedienen und die Edda zu zitieren): ״wie das gefräßige Walkürenvieh, das in der Oase aufwächst“. Da hat das große Wertwarenhaus ausverkauft. Seine originellen Lager vielfältigster Ausdrücke macht Platz für banalere Gegenstände und mit einem Maie werden statt der Raritäten, die, Kostbarkeiten der Bildung, mit der Punze kompliziert abgeschmackter Fremdwörter überreich geschmückt sind, weitaus populärere Artikel angeboten: ״Dolchstoß von rückwärts“ erscheint vertraut mit allem Gangbaren drum und dran und ״der Feind Juda“. — Der sterile Volkskörper des armen Rußland, in Schmutz und Schlaffheit pervers verkommen, hat sich von der bösen Schlupfwespe Juda Eier einlegen lassen. Da sind sie ausgekrochen: der Bolschewismus, wie wohl bekannt ist uns dies. Und weiter hat Lady Galahad nichts zu sagen. Aber bis es dahin kommt, welche Ueberfülle gelenkiger Rancune! Journalistische Wertmaschineric, spiegelblank geputzt und geölt läuft restlos; macht den Leser neugierig durch das / Tagung des Verwaltungsrates der Universität London, 5. August. (J.T. A.) In diesen Tagen wurde in London eine Beratung der Mitglieder des Verwaltungsrates der hebräischen Universität zu Jerusalem abgehalten. Anwesend waren der Präsident der Zionistischen Organisation, l’rot. Chain! Weizmann, der Kanzler der Universität, Dr. J. L. Magnes, ferner Ch. N. Bialik. Reichsrabbiner Dr. Hertz, James de Rothschild, Prof. Otto Warburg, Dr. Stephen S. Wise, Oberrabbiner Prot. Dr. Chajcs, Dr. Eder, Norman Bcntwich, Prof. S. Brodet/.ky, Prot. L. S. Ornstein, Prot. J. Horowitz, Prof. Hadamard, Prot. E. Landau, Dr. Ratnoff, Dr. Kaliski, Dr. M. Schioessinger, Dr. E. Libman, E. Frcedman, S. Ginsberg und L. Kohn. Der Kanzler der Universität, Dr. J. L. Magnes, erstattete den Tätigkeitsbericht, dem zu entnehmen ist, daß im abgelaufenen Jahre an dem judaistischcn Institut historische und philologische Uebuugen über Mischna und Talmud stattgefunden haben, sowie Vorlesungen über die Epoche der Gaonim, Geschichte der jüdischen Mystik, des jüdischen Zivilrechts und über palästinensische Landeskunde abgehalten wurden. Die Zahl der ordentlichen Hörer an diesem Institut betrug 60. in der arabischen Abteilung des Orientalischen Instituts las Prof. Horowitz iin März d. J. über die Werke (i’ahiz, sowie über ausgewählte Kapitel aus der Geschichte des Sufismus. Im Sommer- Semester wurden Kurse und Seminariibungen über die ishämische Philosophie, arabische Literatur, islamische Kunst tmd Archäologie abgelialten. Das Chemische Institut konnte seine Forschungsarbeiten erfolgreich tortsetzen, wovon eine Anzahl Veröffentlichungen zeugen. Die neue Abteilung fÄr Hygiene, die unter der Leitung von Dr. k'ligler steht, wird sich mit Forschungsarbeiten auf dem Gebiete de; Epidemie* wesens und der Hygiene abgeben und Kurse über Votksgesinidheit abhalten. Die Einrichtung eines naturwissenschädlichen Instituts ist in die Wege geleitet worden. Die Pläne für das Wattenbcrg-ücbäudc, in welchem das Baitour- Einstein-Institut für Mathematik und Physik lintergcbracht sein wird, sind bereits ausgearbeitet worden. Die Universitätsbibliothek hat in! vergangenen Jahre dank den in verschiedeneu Ländern bestehenden Gesellschaften der ״Freunde der hebräischen Universität in Jerusalem“, eine große Erweiterung und Bereicherung in allen ihren Abteilungen erfahren. Vor kurzem wurde der Grundstein für das neue Bibliotheksgcbände gelegt, das aus den Mitteln der Wolftsohn-Stiftung erbaut wird; die Entwürfe stammen von den Architekten der Universität. Es ist zu hoffen, daß in ganz kurzer Zeit die Vorbereitungen für die Errichtung eines Zentralgebaudes für die Universität beendet sein werden. Die Witwe des amerikanisch-jüdischen Philanthropen L.. Rocenbloom hat zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten zugunsten der Universität eine Summe von 500 000 Dollar in hochherziger Weise gespendet. Nach einer kurzen Debatte über den Bericht von Dr. Magnes, an der sieh l)r. Weizmann, Dr. Eder, Reichsrabbincr Hertz, Prof. Horowitz, l’rot. Ornstein, Prot. Hadamar und Prof. •BroJctzky beteiligten, wurde eine K0 111mission eingesetzt, die die im Verlauf der Diskussion zum Ausdruck gebrachten Wünsche und Vorschläge zu prüfen haben wird. ,, Die Palästina ■ Anleihe Die ״Time s“ vom 5. August widmet den Antrag des Koloniafniinisteiiums auf Garantierung einer Anleihe für Ostafrika und Palästina einen Leitartikel, worin in bezug auf Palästina die günstige Entwicklung des Landes und der Landesfinanzen hervor.gehobeii wird. Palästina sei heute in der Lage, die seit Beginn der Okkupation vom Krönagenten vorgeschossenen Beträge zurückzuzahlen, und auch die Eisenbahnen zu übernehmen. Da; B’atl betont, wie leicht es Mr. Amery hatte, wenn er gegenüber den Kritikern, die vor einigen Jahren die mit dem Palästina-Mandat verbundenen Ausgaben bedauerten, darauf hinwics, in wie kurzer Zeit ein so kleines Land sich entschulden könne. Von der Anleihe soll der Hafen in Jaffa verbessert und ein richtiger Hafen in Haifa angelegt werden. ״Palästina“ - so schließt der Artikel —, ist in der ökonomisch vorteilhaften Position, jedes Jahr etwa eine halbe Million Pfund von zionistischen Organisationen zu erhalten, die die Zionistische Exekutive in Jerusalem unabhängig von der Regierung und vorwiegend für landwirtschaftliche Entwicklung ausgibt. Das Land zieht eine große Menge Kapital an, und Waren im Werte von 1 Million Pfund wurden im letzten Jahre exportiert und importiert. So hat der Garantie-Vorschlag eine doppelte Bedeutung, denn indem wir den Wohlstand solcher Länder, für die wir Verantwortung übernommen haben, fördem, vergrößern wir auch unsere eigenen Handelsmöglich• keiten.“ aggressive Toben und lockt den Arglosen ins Büchlein hinein, wo er verloren sinnt, weshalb das alles, diese guten alten Zarathustrafloskeln, ihn so gar nicht an Nietzsche erinnern, sondern höchstens an den ״Nibekmgen“film der Ufa — und schon stürzt es nieder vom Reklamefirst in die Gosse, dorthin, wo der Antisemitismus am wohlfeilsten ist. Logisch und schrecklieh geht diese Kurve vom prahlenden Wort ohne Inhalt über tlas Geschrei nach dem Siegfriedsadel der arischen Persönlichkeit zum Feinde Juda, dem Golem, der alles einstampft. ״Denn das ist Judas Meisterkunst seit je. Es fällt nie direkt, sondern bohrt heimlich die Wurzeln fremden Wuchses an....“ Wer Völker in ihrem eigenen Wunschbild schädigt, Untreue gegen das Wunschbild erregt, mordet seine Schöpferkraft, und hindert, daß es sich lebendig vollende in Fleisch und Geist. Sollte hier der Sinn des Ritual mordmärchcns liegen? Lady Galahad, Petrolcuse im Stahlhelm, schreibt mit blankem Balmung nieder, was schon tausendfach in jeder völkischen Buchhandlung den Laden hütet. Nennt es originell und treffend: ״Idiotenführer durch die russische Literatur.“ Sie weiß es selbst am besten, wen sie durch die russische Literatur führt. Dr. Mirjam Scheuer. Amerika-Literatur v. Die Gefahr des ״Amerikanismus“ liegt nicht so sehr in der Tatsachenwelt, deren schneller Bewältigung er gilt, sondern in der Entstehung einer neuen wertenden Begriffswelt, die jenen aus Geschäftssinn, technischem Rekordstreben, Sport, Seibsfbespiegelung entstandenen Typus idealisiert, die Banalisierung una Entgeistigung des Lebens gewissermaßen legitimiert Es ist fraglos, daß dieser Prozeß in Amerika durch die überstürzte Entwicklung infolge des europäischen Krieges beschleunigt worden ist, aber gleichzeitig mit dieser Ausbildung eines hohlen und selbstgerechten Nationalismus entstand auch die Kritik, geführt von einer mutigen Zahl von Schriftstellern, darunter bezeichnenderweise mehrere Juden, und sie bedeutet den Beginn einer Selbstbesinnung, die große geistige Möglichkeiten enthält. Ueber diese Bewegung spricht kurz Ludwig Lewisohn, der Verfasser von ״Up Stream“ und ״Israel , In einem Aufsatz ״Amerika im europäischen

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