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Jüdische Rundschau · 1926-08-06 · Heft 61 (6.8.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 61 (6.8.1926)
Date
1926-08-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 442 JUEDISCHE RUNDSCHAD Nr. 6! müssen, vorherrschend werden soll — dieser Streif, der unsere Sache überhaupt gefährdet, erinnert mich an den armen Hausierer aus ,Tausend und einer Nacht', der in Oedanken seine erste Kiepe Porzellan verkauft und mit jeder weiteren abgesetzten Kiepe den Profit steigen sieht. Nun träumt er sich i!1 seine glückliche Vision so tief hinein, daß er 7u dem Punkte gelaugt, wo er im Besitz eines herr• fichen Palastes und vieler wunderschöner Hotiris, mit seiner Favoritin, des Sultans Tochter, zankt und ihr einen Stoß versetzt, auch die Kiepe unistürzt, die alle seine Träume von Reichtum und Ruhm enthält.“ * ״Es gibt in der Tat zahllose Juden, welchen der natürliehe Gesichtspunkt durch das so lange Auf-dem-Kopfe-stehcn so sehr abhanden gekommen ist, daß sic alles verkehrt sehen, und wenn man ihnen sagt, daß sie auf den Füßen stehen sollen, wie Menschen, dann rufen sie aus: O, wie unnatürlich!“ * ,,Da weder Geburt noch Heirat heute präzise feststellen, wer Jude ist und wer nicht, ist der Chronikeur des Judenturns auf den Nachweis angewiesen, daß der Mann unter Juden begraben wurde. Wir machen unsere Volkszählung auf den Friedhöfen. Aber der Nachweis des Judentums soll nicht durch den Tod, sondern durch das Leben geschehen.“ ♦ ״Wenn Palästina durch Beredsamkeit ־zu gewinnen wäre, wenn wir für jede halbe Stunde Redens auch mir einen Quadratfuß Landes bekämen, so hätten wir nicht mir Palästina, sondern die ganze Welt erobert.“ * Zangwills Leben and Werke Israel Zangwill ist am 11. Februar 1861 in London geboren. Sein Vater Moses Zangwill war ein jüdischer Gclehrter, der später nach Palästina übersiedclte und in Jerusalem starb. Israel besuchte eine jüdische Freischule im L011doner East-End, studierte dann an der Londoner Universität, wo er den B. A.-Grad erreichte, und wurde Lehrer an derselben Schule, die er besucht hatte. Bald jedoch wandte er sich der Literatur zu und veröffentlichte im Jahre 1S8S seinen ersten Roman ״Der Minister und der Maler“. Er wurde Redakteur einer humoristischen Zeitschrift ,,Ariel“ und veroffen dichte eine Anzahl humoristischer und phantastischer Bücher, die Aufsehen erregten. Bald beschäftigte er sich auch mit jüdischen Themen und erregte die Aufmerksamkeit der Jewish Publicaiton Society in Amerika, die ihn ersuchte, einen Roman aus dem modernen jüdischen Leben zu schreiben. So entstand sein bekanntes Werk ״Kinder des Ghetto“ (1892), das ihn schnell berühmt machte. Es wurde in viele Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche. Als nächstes Werk folgte ״Der König der Schnorrer“ (1891) und schließlich die ״Träumcrdcs Ghetto“ (1808). Inzwischen aber ruhte •auch seine allgemein-literarische Tätigkeit nicht. Seine Romane ״Der Meister“ (1895) und ,.Der Mantel des Elias“ (1901), machten ihn in der englischen Welt heliebt. Auch an mehreren prominenten englischen Zeitungen und Zeitschriften hat er als Feuilletonist mifpearbeitet. Außerdem verfaßte Zangwill eine Reihe von dramatischen Werken, darunter das Drama ״Der Schmelztiegel“, das PDS in Amerika aufgeführt wurde. ״Der Gott des Krieges“, 1911 in London aufgeführt, behandelt das Problem des Pazifismus und bringt Bismarck und Tolstoi auf die Szene. Ein theologisches Drama ״Die künftige Religion“, verfiel dein Zensor und konnte nur privat aufgeführt werden. Aus der letzten Zeit ist das Drama ..Modernen“ % erwähnen, das -int vergangenen ־Winter ätuch in Berlin bei winhardt aufgeführt wurde. Die ״Times“ charakterisiert in einem eine volle Spalte füllenden Nachruf sein dramatisches Werk wie folgt: ״Er kann als Dramatiker nicht auf den höchsten Platz gestellt werden, denn in seinen Stücken treten seine charakteristischen Schwächen hervor: Ueberbetonung, Rhetorik, Predigerton. Es muß hinzugefiigt werden, daß ebenso als Dramatiker wie ais Politiker seine Neigung zur Kritik außerordentlich und seine Leidenschaft für Selbstverteidigung nicht leicht zu bcherrsehen war.“ Ber Beilrag Tel •Awiws IBr Erziehnigszwecke Jerusalem, 14. Juli. (P. C.) Das letzte, Erziehungsfragen gewidmete Bulletin der Tcl-Awiwer Gemcindevcrwaltung zeigt ein ständiges Anwachsen ihrer Beiträge für Erziehung und Unterricht. Im Jahre 1921, als sich das Budget der Gemeinde auf 11 000 £ belief, wurden 2,6 «0 davon für Erziehung ausgegeben. Im Jahre 1921/22 war der Prozentsatz 5,7 1923/2 f 7,7 und 1925 machte er schon 15,3 ״/o aus. Das Budget des laufenden Jahres weist einen Betrag von 23 000 £ oder 20,9 °/0 für Erziehungszwecke auf. Die Erhöhung der Bewilligung auf 23 000 £ gegen 18 000 £ im Vorjahre, in dem das Gesamtbudget der Gemeinde 117 000 £ betrug, ist darauf zurückzufünre!!, daß die jetzige Verwaltung beschlossen hat, in den Elementarschulen freien Unterricht zu gcwähren und keine Schulgelder mehr zu erheben. Der Haupfanteil für die Erhaltung der Schulen, einschließlich der von der Arbeiterorganisation eingerichteten Abendkurse, wird auch weiterhin vom Keren Hajessod aus dem allgemeinen Erziehungsbudget der zionistishen Palästina-Exekutive gctragen. Tei-Awiw zählt OS Schulen, die von 9171 Schülern beiderlei Geschlechts besucht werden und an denen 376 Lehrer angestellt sind. Darin sind inbegriffen; 15 private Kindergärten, 4 privale Elementarschulen, 11 orthodoxe Selmlen, 5 Musikschulen, 3 Schulen für rythrnische Gymnastik und eine Zeichenschule. Vor dem 7. palislinensbeb arabisches Kongreß Jerusalem, 28. Juli. (J.T. A.) Nach einer Mitteilung der arabischen Zeitung ״Al Zant er“ ist zwischen der arabischen Exekutive und den Oppositionsparteien ein Uebereinkommen, betreffe«! die Einberufung des 7. Kong ress es der palästinensischen Araber auf folgender Grundläge getroffen worden: 1, Einsetzung eines viergliedrigen Zentralkomitees mit dem Sitz in Jerusalem, das die arabische Exekutive darstellen soll; 2. Auf je 5000 Personen über 20 Jahre kommt ein Delegierter; 3. Die Gesamtzahl der Delegierten beträgt 70. Eine jüdische Jageidkoniere■/ Paris, 2. August. (J.T.A.) Am 1. August wurde hier der erste Kongreß der Weltunion der jüdischen Jugend in An- Wesenheit von etwa 50 Delegierten der verschiedenen jüdischen Jugendverbände Europas eröffnet. Auf der Tagesordnung stehen: Fragen des Palästina-Aufbaues, der jüdisehen Erziehung und Kultur, der hebräischen Sprache und des Kampfes gegen den Numerus-clausus. (Wie wir bereits früher bemerkt haben, handelt es sich um die sefardische Jugendorganisation, die sich irreführend ״Weltunion“ nennt. — Red. J. R“) Der C.-V. fühlt sieh angegriffen ... Der Ccntral-Vcrein klagt, — er klagt bitterlich über die böse zionistische Presse, die ihn in den Setzten Monaten so maßlos, so außerordentlich angreift. Wenn man das offizielle C.-V.-Blatt liest, dann ist die Leitung des C.-V. mehr als unglücklich, immer wieder gezwungen zu sein, gegen den Palästina-Aufbau, gegen den Zionismus Stellung zu nehmen; nur gezwungen, nur weil sie angegriffen werden, beschattigen sie sich mit zionistischen Fragen und opfern ein Stück der kostbaren Zeit, die sonst dem Kampf um die Gleichberechtigung־ der deutschen Juden und der Bekämpfung des Antisemitismus gewidmet ist. Demgegenüber scheint cs notwendig, ein paar Dinge in Erinnerung zu rufen, die dem C.-V. offenbar nebensächlich sind. Wenigstens in seinen offiziellen Verlautbarungen, ln seinen internen Veröffentlichungen spricht er wesentlich anders, ln der letzten Nummer der C.-V.•Zeitung, in der der Klageruf gegen die Zionisten erschallt, wird der Ernst der Situation des zionistischen Kampfes gegen den C.-V. an Hand der Beschlüsse der — deutschen revisionistischen Gruppe beleuchtet, als deren Führer u. a. auch Soloweitsehik, Nac'nim Goldmann und gar Klatzkiu genannt werden. Die Revisionisten haben auf ihrer Tagung ״den schärfsten Kampf gegen den .C.-V.“ gefordert und damit die zionistischen Karten aufgedeckt. Dazu heißt cs in der C.-V.-Zeitung wörtlich: ״Ob damit die Abwehr und Aufklärungsarbeit des C.-V., die allen deutschen Juden zugute kommt, geschädigt wird, ist diesen nationaljüdischen Politikern gleichgültig.“ Demgegenüber sei ruhig und sachlich folgendes festgestellt: beit fast einem Jahre bekämpft der C.-V. nicht nur mehr den Zionismus, sondern in der maßlosesten Weise alles, was mit dem Aufbau Palästinas zusammenhängt. Der beste Beweis ist seine Karnpfmethode gegen den Keren Hajessod. Zuerst schreiben Landesverbände des C.-V., daß man doch kein Geld ins Ausland schicken soll und daß man vor allen Dingen erst die Mitgliedsbeiträge an den C.-V. abführen müsse; Rundschreiben des Herrn Vorsitzenden des C.-V. gehen an alle Mitglieder und Nichtmitglieder, in denen der neutrale Charakter des neutralen deutschen Keren Hajessod aufs heftigste geleugnet wird, in denen die unwahrscheinliebsten Behauptungen über den K. H. und über den Palästina- Aufbau verbreitet werden, wobei den Herren Vercinsvorsitzenden nicht stört, daß führende Mitglieder des Haupt- Vorstandes ries C.-V. gleichzeitig führende Persönlichkeiten im neutralen Keren Hajessod sind; da erklärt in der General- Versammlung des C.-V. Herr Direktor J>r. Holländer, daß der K. H. einen Kampf gegen den C.-V. führe, und beweist dies mit Reden, des Herrn Waldmann, um einige Zeit später in der C.-V.-Zeitung selbst berichten zu müssen, daß Herr Waldmann noch nie in einer Versammlung des K. H. oder überhaupt für den K. H. gesprochen hat. Und als wir dann die Frage stellen, ob all dies insbesondere der Kampf gegen den K. H. zu den Aufgabengebieten des C.-V. gehöre, ist die Antwort eine anscheinend in Zehntausenden von Exemplaren verbreitete Broschüre, in der der Kampf gegen den Zionismus und gegen den neutralen Keren Hajessod in geradezu maßloser Form gepredigt wird. Der C.-V. hält diese Arbeit, diese Verwendüng der von ihm gesammelten Gelder anscheinend für eine Arbeit, die ״allen Juden“ zugute kommt. Neben der C.-V.-Zeitung erscheinen interne Veröffentlich ungen des C.-V., in denen über ungerechte Angriffe gejammert und dafür mit offenen Karten gespielt wird. So z. B. ist der ״C.-V.-Dienst“ und hier wiederum die letzte Nummer, abgeschlossen am 7. Juli d. J., recht bemerkenswert. Ein Mitglied der Z. V. f. D., seines Zeichens Buchhättdlfr, der keinerlei zionistisches Amt 04er Ehrenamt ausübt, gründet eine Buchgemeinschaft, eine jüdische Buchgemeinsenaft, und wirbt Mitglieder. In den internen ,Mitteilungen des C.-V. wird mehrfach darauf hingewiesen, daß diese Buchgemeinschaft, mit der wohlverstanden die Z. V. f. D. genau so wenig und genau soviel zu tun hat wie der C.-V., in den Händen eines ״bekannten Zionisten“ liege, ln deutschvölkischen Blättern liest man häufig den Hinweis, daß dies und jenes Geschäft in Händen eines Juden sei. Besonders bemerkenswert ist aber ein ErvViderungsschreiben auf eine Austrittserklärung, das den Syndizi und den ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern des C.-V. offenbar als eine Schemaantwort auf die allerdings recht häufigen Austritte, die auf Grund der Hetze gegen den K. H. erfolgen, dienen soll. Und es scheint so, als ob die uns bekanntgewordenen Nachrichten, wonach sich die Aust״t1scri;lärungen mit dieser Begründung häufen, durchaus zutreffend sind, ln dieser Erwiderung an beschwerdeführcndc Mitglieder heißt es u. a.: ״Trotz dieses grundsätzlichen Standpunktes betrachten wir es als eine Selbstverständlichkeit, daß wir innerjüdische Auseinandersetzungen nicht suchen, sondern ständig bemüht sind, sie auf ein Mindestmaß zu beschränken. Sie werden immer finden, daß, wo wir gegen den Zionismus aufgetreten sind, wir nicht die Angreifer, sondern die Angegriffenen waren . . . Es ist auch eine irrige Ansicht, daß innerjüdische Gegensätze unter allen Umständen vor unseren nichtjüdischen Mitbürgern geheimgehalten werden müssen . . . Neben der Wochenausgabe der C.-V.-Zeitung aber dient der Propaganda in unserer christlichen Umwelt in hervorragendem Maße die ״Einmonatsausgabc“ der ,,C.-V.-Zeitung“ von der wir Ihnen die drei letzten Nummern zur Einsicht beifügen. Da in ihr nur solche Artikel zusammengestellt werden, die auf das besondere Interesse unserer nicht jüdischen Mitbürger zu rechnen haben, sind naturgemäß i n n e r j ü d i s c h e Auseinandersetzungen fast nicht darin enthalten. Sie sehen also, daß Ihrem Wunsche auch nach dieser Richtung hin in hohem Maße entgegengekommen wird.“ Hier behauptet der C.-V. also, daß in der Einmonatsausgabc der C.-V.-Zeitung, die der Propaganda in der Christliehen Umwelt dient, naturgemäß innerjiidische Auseinander- Setzungen fast nicht enthalten sind. In Wahrheit waren fast alle größeren Artikel, die gegen den K. H. in der C.-V.- Zeitung erschienen sind, in dieser Einmonatsausgabe abgedruckt, so z. B. der berüchtigte Artikel des Herrn Rabbiner Dr. Jacob aus Dortmund. Daß sich führende Mitglieder des C.-V. nach wie vor für den K. H. einsetzen, daß die C.-V.-Zeitung konsequent Artikel von Parteifreunden f ü r den K. H. ablehnt, erfährt die ״christliche Umwelt“ aus dieser Einmonatsausgabe allerdings nicht. Man vergleiche weiterhin mit dieser Behauptung des Antwortschreibens die Tatsache, daß die obenerwähnte antizionistische und antipalästinensische Broschüre des C.-V. in tausenden Exemplaren an die ״christliche Umwelt“ versandt wurde, natürlich auch an die nichtjüdische Presse, an die Parlamentarier usw. Audi dieser rein innerjüdische Kampf ist aus den Mitteln finanziert worden, die der C.-V. zum Kampf für die Gleichberechtigung, zum Kampf gegen den Antisemitismus, autbringt. Wie der C.-V. den Kampf für die jüdische Gleichberechtigung in Wahrheit führt und wie er ״für alle Juden“ eintritt, haben wir in einer unserer früheren Nummern anläßlich der vom ^,Deutschen Tageblatt“ verbreiteten Artikel ״Zionistische Mordzentrale aufgedeckt“, nachgewiesen. Der C.-V. hatte eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, daß der Artikel, ״soweit er die Alliance Israfilite Universelle betrii'ft, verleumderisch“ sei. Wie entschuldigt sich der C.-V.? Das ״Deutsche Tageblatt“ habe nur von einem ״zionistfachen Mordplan“ geschrieben, aber keine zionistische Organis a t i 0 11 namhaft gemacht. Das ״Deutsche Tageblatt“ hat sich allerdings schwer gehütet, dies zu tun. Es hat sich damit einer öffentlich«! Klage, aber auch sogar der Möglichkeit einer Berichtigung von unserer Seite aus entzogen, denn auch das ״Deutsche Tageblatt“ bestreitet uns die Aktivlegitimation, und juridisch sicherlich mit Recht. Wir hatten bisher geglaubt, daß sich die Abwehr einer antisemitischen Mordhetze an solche Formalfragen nicht klammern dürfe. Uns schien es Aufgabe einer solchen Organisation wie des C.-V., gerade das Gemeingefährliche dieser allgemein gehaltenen und daher juristisch unangreifbaren und so in ihrer Wirkung doppelt verleumderischen und doppell gefährlichen Angriffe klar zu kennzeichnen. Aber es war eben nicht die Z. V. f. D. und nicht die Zionistische Organisation genannt, sondern nur ״Zionistische Mordhetze“, und daher ist man berechtigt, dieses verruchte ״soweit es tisw. betrifft“ zu schreiben. Das ist die Tätigkeit des C.-V., die ״allen Juden zugute kommt“. Es ist notwendig und gut, sich diese Dinge immer, wieder klarzumachen, wenn es auch ein wenig beschämend ist, mit einem Gegner kämpfen zu müssen, dessen Taktik immer wieder darauf hinausläuft, heute das zu verschweigen, umztibiegen oder gar abzuleugiien, was er gestern mehr oder weniger öffentlich getan hat. Wandlung in Ungarn Wir erhalten nachstehenden Bericht: Herr Dr. Friedemann hat vorläufig seine Arbeit in Budapest beendet, da die vorgeschrittene Sommersaison mit ihren Ferienreisen im Augenblick eine weitere Arbeit unmöglich macht. Seine Tätigkeit ist unerwartet erfolgreich gewesen. Den besten Beweis 'liefern die sinnlosen Verleumdungen und Wutausbriiehe des Asjümilantenblattes ״Egyenloeseg“, das schon seit den Zeiten Theodor Herzls an Verleumdungen des Zionismus Dinge geleistet hat, die nach außerungarischen Begriffen fast unglaublich erscheinen. Und wenn der Egyenioeseg Denunziationen gegen Dr. Friedemann an die Polizei richtete, schrieb, daß die' Gelder, welche man für Palästina sammele nur 20 0׳״ an ihr Ziel gelangten, gegen den Vertreter des Nationalfonds, Herrn Bela Szckely, die unflätigsten Angriffe richtete, so geschah das, weil der Palästinagedanke zum ersten Male in Ungarn wirklich festen Fuß gefaßt hat. Eine ganze Anzahl der angesehensten Persönlichkeiten Ungarns, darunter der Baron Dr. Adolf Kohner, der Direktor der Raab-Oedenburger Eisenbahngesellschaft, Hof rat Baracs, der Präsident der Israelitischen Landeskanzlei, Dr. Frans Mezcy, der Direktor der Innenstädtischen Sparkasse, Hofrat Szekely, eine große Anzahl von Advokaten, Aerzten, Gelehrten und Künstlern haben sich zur Mitarbeit bereiterklärt und werden nach der Reisezeit die Gründung eines Keren-Hajessod- Komitees in die Hand nehmen. Zum ersten Male seit zehn Jahren hat die Polizei die Abhaltung einer öffentlichen Volks- Versammlung gestattet, welche im Saal der Redoute stattfand und in der Dr. Friedemann von der Volksmasse enthusiastisch begrüßt wurde. Er hat außerdem in einer großen Reihe von Cercleversammlungen in Privathäusern gesprochen und das Interesse der einflußreicheren Kreise ist ebenso wie das der Volksmenge von Tag zu Tag angewachsen. Zehn Jahre hindurch hat der Egyenloeseg die öffentliche Meinung vergiftet und widerspruchslos verbreiten können, daß der Zionismus den Verrat am Staate bedeute. Vielleicht eins der größten Ergebnisse der jetzt geführten Aktion ist die Tatsache, daß der Oberrabbiner Fischer im großen Tempel in der Tabaksgasse sich in leidenschaftlich erregter Weise gegen diese Verfeumdungskampagne gewandt und die erschienene Menge aufgefordert hat, sich furchtlos für den Gedanken des Aufbaus Palästinas einzusetzen und wenn es ihre Ueberzeugung sei, auch zum Zionismus zu bekennen. Wer den in Ungarn geübten Terrorismus kennt', wird begreifen, daß zu einem solchen Auftreten des Oberrabbiners mannhafter Mut gehört. Lind tatsächlich hat seine Predigt große Sensation hervorgerufen. Obwohl keine systematische Sammlung für den Keren Hajessod stattfand, sind Herrn Dr. Friedemann doch Zcichnungen in Höhe von zirka 1300 Pfund überreicht worden, und es besteht die begründete Hoffnung, daß auch für die Dauer eine völlig veränderte Situation in Ungarn geschaffen ist. Das ungarische Judentum mit seinen mehr als 400000 Seelen beginnt aus seinem Schlaf zu erwachen. Und wenn es erst einmal in seiner Gesamtheit begriffen haben wird, in welcher Weise man ihm durch lange Jahre die Wahrheit über Palästina und die heiligsten Hoffnungen seines Volkes vorenthalten hat, wird es sicherlich an Treue und Opferwiliigkeit hinter den Juden der übrigen Welt nicht zurückstehen. Was alles möglich Ist Wien, 27. Juli. (J. T. A.) Der Fürsorgerat Max Metzger, Inhaber der ersten Wiener Maler-Schokoladenfabrik C. Keil, hat an die Landesregierung Wien eine Eingabe gerichtet, in der er sich darauf bezieht, daß der Vorstand der israelitischen Kultusgemeindc in seiner Sitzung vom 26. April beschlossen hat, an den Keren Hajessod 25000 Schilling, an den Keren Hajischuw (Palästinafonds der Agudah) 7500 Schilling, an den Palästina-Arbeiterfonds 2500 Schilling und an das Chalnzwesen 15 000 Schilling, zusammen 50 000 Schilling, als Zuwendungen auszuzahlen. Der Beschwerdeführer behauptet, als Mitglied und Steuerzahler der israelitischen Kultusgenieinde ein Recht zu haben, wegen ״Sfatutenverletzung“ Beschwerde bei der Landesregierung zu erheben und führt aus: ,,Die an obige Zionistcnorganisatiönen ausgezahlten 50 (ICO Schilling stehen i!1 krassem Widerspruche mit dem § 3 der Statuten der israelitischen Kultusgemeindc, in welchen es ausdrücklich heißt, daß die eingchobcnen Steuergelder nur für religiöse und humanitäre Zwecke für die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde in Wien zu verwenden sind. Es wird schließlich beantragt: 1. Den gesamten Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde für die statutenwidrig ausgezahlten 50000 Schilling ersatzpflichtig zu machen; 2. Wegen dieser statutenwidrigen Handlung den gesamten Vorstand seines Amtes zu entheben; 3. Einen Regierungskommissar bis zu Neuwahlen zur Leitung der Geschäfte der israelitischen Kttltusgemeinde einzusetzen.“ Vas ■eae Hans der Nationalbibliothek Am Sonntag, den 18. Juli, wurde der Grundstein des David Wolffsohn-Hauses auf dem Skopusberge gelegt. Der Beginn dieses neuen Baues, welcher das zukünftige Heim der National- und Universitätsbibliothek sein wird, bezeichnet einen wichtigen Abschnitt für die kulturelle Entwicklung des palästinensischen Jischuws. Nachdem die Bibliothek sechs Jahre auf vier kleine unzulängliche Gebäude verteilt, mit den größten technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, eröffnet sich ihr jetzt die sichere Aussicht, nach Ablauf von zirka zwei Jahren, in einem Gebäude untergebracht zu werden, das allen modernen bibliothekarischen Anforderungen entsprechen wird. Dr. M a g n e s nahm die Grundsteinlegung vor. Trotz der großen Einfachheit der Feier zeigten alle interessierten Kreise die lebhafteste Teilnahme. An dem Bau sind bereits J9Q Arbeiter beschäftigt.

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