Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 58-59 (30.7.1926)
- Date
- 1926-07-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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50 Nr. 5859־ Seite 425 «־bare Kern Wien I üstrie rache st״ng| Aber rdert das not- Israel stern. t im der (Catalisten strieden fuhr, rden, wäre es in der I um wen- 30 £ einer Oemen. tion, ti na, soll. am andleren :hen, and licht :!ehe habe von sion Die siert erde die Art mus ildet vordie ecke!och esen ung ein irke onielt mm■ rive, eitet :hen ler dig. ten, tete teilt isse der uch die aaft :ihe nne ein. itte eftnik auf end ine zu- «R(־ der ing ten ten ielt ive eilt zuerere tuotz 1er :eit aft für :11ng! bst :en en. les eit ie- Rt• Jeisire kc retel m ht ־eb* |5, Sitzung, Sonntag, den 25. Juli, vormittags. Keren Kajemeih Präsident Motzkin eröffnet die Sitzung um 10 Uhr vor- I mir tags und erteilt das Wort Herrn M. M. Ussischkin zur Erstattung des Referates über die Arbeit des Keren K a j e m e t h. Ussischkin betont, daß wir unrecht hätten, von einer be- ,anderen Krise in Palästina zu sprechen; er, der Palästina seit 40 Jahren kennt, wisse, daß die Arbeit dort immer voll von Schwierigkeiten ist und notwendigerweise auf um so mehr Hindernisse stoße, je größer der Maßstab unsc:er Arbeit sei. Wir benötigen Menschen und wir benötigen Geld; er sei sicher, daß das Erforderliche beschafft werden könne, denn letzten Endes hänge das von uns, unserer Ausdauer und Energie ab. Was außerhalb unserer Macht steh:, sei der Böden. Palästina wird niemals jüdisch sein, wenn nicht der Boden Palästinas in jüdischer Hand sei. Das Instrument für den Bodenerwerb, der Keren Kajemeth, sei zwar sehr populär, aber große Teile der Organisation zeigten kein genagendes Interesse für seine Arbeit. Der Redner selbst ist mit den Ergebnissen der Nationalfondsarbeit nicht restlos zufrieden. Vor allem sei zwar der Anteil Amerikas an den Eingängen des Keren Kajemeth gestiegen, der der europäischen Länder aber nicht im gleichen Maße.. Ferner seien die Unkosten des Keren Kajemeth zu hoch, insbesondere in einzelnen Ländern. Der Keren Kajemeth habe verschiedene Böden neu erworben, darunter ein erstes Grundstück in der Gegend von Bejsan. Er habe große Verpflichtungen auf sich genommen und müsse umfangreiche A m e 1 i o r a t i o n s a r b e i te n durchführen. Daß die Bodenspekulation im vorigen Jahre so unerfreuliche Formen annahm, sei dem Umstande zuzuschreiben, daß viele Einwanderer Boden vom Nationalfonds verlangten, aber aus Mangel an einer freien Reserve keinen erhalten konnten und sich dann an Händler w'enden mußten. Der Gedanke, jüdische Kolonisation in Transjordanien oder Syrien zu ermöglichen, sei keineswegs völlig von der Hand zu weisen, doch sei es zunächst notwendig, eine feste Position im Mandatsgebiet selbst zu schaffen. Zu diesem Zweck wäre cs sehr wünschcnswert, eine Anleihe ausschließlich für Zwecke des Bodenankatifs in beträchtlicher Höhe zu ermöglichen. Referat Kisch Col. F. H. Kisch ergänzt nunmehr den politischen Bericht Dr. Weizmanns und führt aus: In der arabischen Welt können wir ein allmähliches Abrücken von der früheren bloß negativen Einstellung der Araber beobachten. Wir müssen natürlich darauf achten, daß die Regierung die Mitarbeit der Araber nicht durch solche Zugeständnisse herbeiführt, die unsere Rechte beeinträchtigen, aber eine Mitarbeit der Araber würde sicher die auf die Dauer notwendige Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern näherbringen. In dieser Richtung arbeitet auch eine kürzlich von Dr. Ruppin und einigen Freunden gegründete Gesellschaft ״Bith Schalom“. Die Annäherung wird sicher zunächst auf dem sozialen und geistigen Gebiete erfolgen, da auf dem politischen Gebiete die Gegensätze ziemlich stark sind. Bezüglich der Haltung der Regierung stellt der Redner fest, daß der High Commissioner, Lord PI u m e r, seine Haltung nicht von politischen Rücksichten bestimmen! läßt; sondern von der Schaffung .-.öffentlicher Sicherheit und wirtschaftlicher Entwicklungsmöglichkeit. Er führt seine Pläne auf diesem Gebiete mit großer Energie durch. Politisch suche Lord Plumer ein Gleichgewicht zwischen Juden und Arabern herzustellen, Redner sei aber bemüht, ihm klarzumachen, daß es in der Frage der Errichtung des nationalen Heimes nur eine ״Seite“ gebe, da Gegnerschaft gegen das nationale Heim identisch sei mit Gegnerschaft gegen das Mandat überhaupt. Lord Plumer erklärt, er sei nur im Lande, um die Politik der Regierung auszuführen und dieses Wort könne uns genügen. Mit Bezug auf das Erziehungswescii sei es bereits einigermaßen sicher, daß die Zionistische Organisation für ihr hebräisches Schulwerk in diesem Jahre bereits eine wesentlich erhöhte Regierungssubvention von mindestens Pfund 10 000 erhalten werde. Die Regierung erkenne aber an, daß auch dies noch nicht der Bedeutung unserer Arbeit entspreche und es bestehe daher die Aussicht einer weiteren bedeutenden Erhöhung für das nächste Jahr. Hand in Hand damit werde die Regierung einen gewissen Einfluß auf die Verwaltung des hebräischen Schulwesens beanspruchen, der voraussichtlich in der Form gegeben sein werde, daß die Regierung Repräsentanten in unseren Waad Hachinuch entsendet. Von besonderer Bedeutung sei die im letzten Bericht der Regierung an die Mandatskommission des Völkerbundes enthaltene Anerkennung unseres hebräischen Schulwerkes als des öffentlichen hebräischen Schulsystems in Uebereinstimmung mit 'dem von der Regierung erhaltenen arabischen System. Auch auf anderen Gebieten hat uns die Regierung nicht unbeträchtliche Konzessionen gemacht, so durch Bei- Stellung von 100 Spitalbetten und die Befreiung einer Reihe von Artikeln vom Einfuhrzoll. ln der Angelegenheit der Gendarmerie sei es zwar gelungen, die Ausschließung der Juden rückgängig zu machen - der High Commissioner habe in dieser Beziehung offen seinen Mißgriff zugegeben — doch sei leider nur eine sehr geringe Zahl von Juden tatsächlich in die Truppe aufgenommen worden. Wenig befriedigend sei auch der Stand der Naturalisationsfrage. Von der durch die neue Verordnung gegebene Möglichkeit, die palästinensische Staats- Bürgerschaft zu erwerben, haben bisher nur 3300 Juden Gebrauch gemacht, wofür verschiedene Gründe angegeben würden, ohne aber über die Tatsache hinwegtäuschen zu können, daß in dieser Beziehung eine geringere Zurückhaltung am Platze wäre. Auch die Frage der Gemeindewahlen hänge damit zusammen, da voraussichtlich nur palästinensische Staatsbürger das Wahlrecht haben würden. Redner spricht sich entschieden gegen den Gedanken aus, deswegen die Wahlen etwa zu boykottieren, fordert vielmehr rasche und umfassende Naturalisierung der in Palästina wohnenden Juden. Der neu gewählte Waad Leumi erfreue sich erhöhter Autorität und auch die so heikle Frage der Beziehungen zwischen der Exekutive und dem Waad Leumi sei zur gegenseitigen Zufriedenheit gelöst worden. Zu den wirtschaftlichen Fragen übergehend, hebt der Redner die hervorragenden Leistungen des Arbeitsdepartements der Exekutive und seines Leiters Sprinzak־, vor allem aber die überwältigende Ausdauer und den zionistischen Opferwillen der palästinensischen Arbeiter hervor. Die außerordentlichen Schwierigkeiten der Palästinaexekutive seien nur durch die• Mitarbeit des Keren Hajessod-Direktoriums, die Hilft der Finanzinstitute und die Gebefreudigkeit der amerikanischen Zionisten überwunden worden. Es sei aber notwendig, daß die Zionistische Organisation alles anwende, um den Kreis derjenigen Menschen, die die finanzielle Last des Aufbaues tragen, erheblich zu erweitern. JUEDISCHE RUNDSCHAU Die Arbeit beim Völkerbund Der Bericht Col. Kischs wufde durch einen weiteren Bericht von Dr. V. Jacobson über die politische Tätigkeit beim Völkerbund und in den lateinischen Ländern ergänzt. Er zeigte, daß die Kreise um den Völkerbund allmählich von der irrigen Ansicht abgebracht wurden, der Zionismus sei auf Grund seiner nationalistischen Einstellung dem Gedanken des Völkerbundes entgegen. Heute ist ein großes Maß von Information in diese Kreise gedrungen und ihre Haltung dem Zionismus gegenüber ist durch Sympathie und Interesse bestimmt. Die Frage der Anleihe bietet derzeit noch sehr große Schwierigkeiten, der Völkerbund kann eine solche Anleihe nicht selbst geben, sondern nur garantieren und die Haupt- Verhandlungen müssen daher direkt mit den Finanziers geführt werden. Eine kürzlich von Dr. Weizmann gegebene Anregung, eine vom Völkerbund garantierte Anleihe nicht für den Palästinaaufbau im allgemeinen, sondern für eine besondere Teilunter r.ehmung zu sichern, stieß auf Verständnis und Wohlwollen. Der Redner beschäftigt sich mit der Anerkennung der Zionistischen Organisation als einer beim Völkerbund akkreditierten Körperschaft öffentlichen Rechtes. Einen erheblichen Schritt in dieser Richtung bedeutet die offizirile Anerkennung unseres Genfer Vertreters als Repräsentanten der Zionistischen Organisation beim Internationalen Institut des Völkerbundes für geistige Zusammenarbeit. Auch in der Richtung sind Verhandlungen im Gange, einen Vertreter der Zionistischer,! Organisation in das Internationale Arbeitsbüro aufnehmen zu lassen. Der Referent hebt die Bedeutung der Gesellschaft ,,France- Palestine“ und ihre günstige Entwicklung hervor, die auch auf die Beziehungen der französischen öffentlichen Meinung und der französischen Juden zum Zionismus sehr gute Rück- Wirkungen hat und bespricht die Möglichkeit, ähnliche Gesellschäften auch in anderen Ländern, vor allem in Italien, zu schaffen. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. 6. Sitzung, Sonntag, den 25. Juli nachmittags. Namens der Organisafionskommission legt deren Vorsitzender Dr. Landsberg eine Reihe von Beschlüssen der Kommission vor, die sich auf eine Reihe von Modifikationen des Organisationsstatuts im Sinne der Beschlüsse des letzten Kongresses beziehen. Die Vorschläge der Kommission werden angenommen. Politische Debatte Nunmehr wird die politische Debatte eröffnet, in welcher als erster Redner Dr. Arolosoroff spricht. Er erörtert seine Eindrücke in Genf und in London wahrend der Verbandlungen der Waad Leumi-Delegation. Er stimme mit Dr. Weizmann darin überein, daß auf dem politischen Gebiet sehr wichtige Fortschritte erzielt wurden und daß _ es gefährlich und unzweckmäßig wäre, den Völkerbund gewissermaßen als Appelationsgerichtshof gegenüber England zu benützen. D.e Mandatskommission habe im allgemeinen Verständnis und Sympathie für unsere Forderungen, aber unsere Lage ist trotzdem sehr schwierig, da die politische Position von der Lage in Palästina abhängig ist und wir immer damit rechnen müssen, daß auch weiterhin noch eine große Anzahl schwieriger Fragen für uns auftauchen werden. Die Stimmung im Völkerbund im allgemeinen sei tatsächlich günstig. Was die politische Arbeit in London betrifft, so ist der Redner überzeugt davon, daß die von Dr. Weizmann verfolgte Politik.-niefct .,mir die. ״beftß,. sc?pdä5r4j. unter den .^gegebenen Verhältnissen die einzig mögliche ist. Dre Litie fc4 richtigen Abschätzung der Proportionen ist die einzige, auf der wir uns heute mit Aussicht auf Erfolg bewegen können. Allerdings wäre es notwendig, gerade diese politische Arbeit noch nach einigen Richtungen auszubauen. Auch der nächste Redner, Kurt Blumenfeld, stellt sich durchaus auf den Boden von Weizmanns Politik. Er verlangt, daß unsere politische Leitung von Zeit zu Zeit eine Kundgebung über ihre Politik erlasse, nicht nur gegenüber den politischen Faktoren, sondern auch in bezug auf das Verhältnis zu anderen jüdischen Gruppen und zu den grundlegenden Fragen des Zionismus. Die nichtzionistische Welt bilde eine einheitliche Front uns gegenüber und es sei notwendig, daß wir unsere Kräfte sammeln und in den Kundgebungen unserer Politik nicht von zufälligen Anlässen abhängig sind. Dr. Katznelson stellt fest, daß die ganze Debatte und die Stimmung im Aktions-Comite deutlich zeigt, daß unsere Organisation volles Verständnis für die politischen Aufgaben hat. Auch er halte Genf nicht für rin Tribunal, vor das wir England zwingen könnten, er findet aber, daß die gegenteilige Auffassung durch Aeußerungen Weizmanns in Palästina verursacht wurde. Col. Kisch sei mit einer. so großen Menge von Aufgaben überbürdet, daß er sich nicht gänzlich der politischen Arbeit widmen könne, ln dieser Beziehung müßten wir eine rationellere Ausnützung der uns zur Verfügung stehenden Kräfte erstreben. Der nächste Redner, Dr. Osias Thon, erklärte sich zwar mit Weizmanns Taten einverstanden, nicht aber mit seinen Worten. Eine in Palästina getane Aeußerung Weizmanns im Sinne einer Einwanderungssperre hätte in Polen großen Schaden gestiftet. Dr. Weizmann unterbricht den Redner mit der Erklärung, er habe keine derartige Aeußerung gemacht. Er habe erklärt, von unserer Seite sei eine ernste Regulierung und Organisierung der Einwanderung notwendig. Diese Erklärung sei von dem Vertreter der polnischen Presse falsch wiedergegeben worden. Dr. Thon erklärt sich von dieser Feststellung befriedigt. Zur Frage der Naturalisation bemerkt er, es sei ein unerträglicher Zustand, daß ein Jude unter Umständen nach Aufgabe seiner ursprünglichen Staatsbürgerschaft iri die Lage kommen könne, daß ihm die palästinensische Regierung die Naturalisierung verweigere. Unsere Politik müsse großzügig und mit einem gewissen Stolz geführt werden und sich auf ein fortschreitendes Kolonisationswerk in Palästina stützen. Vor Schluß der Sitzung teilt Dr. Weizmann mit, daß Lord Balfour heute seinen 78. Geburtstag feiert, und beantragt die Absendung eines Glückwunschtelegramms. Der Vorschlag löst lebhaften Beifall der ganzen Versammlung aus. Schluß der Sitzung 6,30 Uhr abends. * Präsenzliste Aktions-Comite -Mitglieder, Be z. -Ersatzmitglieder: K. Blumenfeld, Dr. H. P. Chajes, Dr. Hugo Herrmann, J. Fishmann, A. Goldberg, Rev. 1. H. Goldbloom, Dr. A. Goldstein, Dr. H. Gottlieb, Dr. A. Landsberg, J. Heftmann, Dr. V. Jacobson, Dr. Schhiarya Levin, Leon Levite, Dr. B. Mossinson, Leo Motzkin, Meier W. Weisgal, Dr. L. Reich, Dr. U. Rosenblatt, Mrs. A. Silverman, Dr. J. Ruf eisen, Rabbi A. H. Silver, J. Suprasky, Miss H. Szold, Dr. O. Thon, M. M. Ussischkin, Dr. Stephen Wise, Rabbi M. Berlin, Rabb. Brod, Farbstein, Rabbi J. L. Fischman, Samuel Landau, Levi Levin-Epstein, Rabbi M. Nurok, Dr. Ch. Arlosoroff, E. Kaplan, Dr. A. Katznelson, N. Twersky, Dr. Werlinsky* B. Locker, D. Remes, Mereminski, S. Rubaschow, Dr. N. Goldmann, Griinbaum, Dr. Ruppin. Mitglieder der Exekutive: Dr, Chaim Weizmann, Dr. M. J. Eder, L. Lipsky, Col. Kisch, Dr. H. Pick, J. Sprinzak. Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrat es: Dr. B. Fehvel, Dr. G. Halpern, I. Naiditsch, S. Kaplansky, S. Schocken. Die Vertreter der Direktorien des Jewish Colonial Trust: Jean Fischer, Keren Hajessod: Josef Cowen. Kongreßjuristen: S. Gronemann, Vorsitzender des Kongreß-Ehrengerichtes. Ersatz in itgliederoh ne Stimmrecht: Professor Brodefsky, L. Jaffe, H, Lourie. Oie Beratung der Allgemeinen Zionisten Die von Herrn Louis l.ipskv angeregte Vorberatung derjenigen A.-C.-Mitglieder, die die zionistischen Landesorganisationen vertreten, hat programmäßig am 19. Juli vormittags in London begonnen. Es fanden mehrere Zusammenkünfte statt, an welchen sich rund 25 Mitglieder des Aktions-Comlt£f und einige Mitglieder der Exekutive und des Finanz- und Wirtschaftsrates beteiligten. Auf Antrag des Herrn Ussischkin wurde der Beschluß gefaßt, daß die keinem Sonderverband angehörenden Mitglieder des Aktions-Comites sich zunächst für die Dauer dieser A.-C.-Sitzung als eine Arbeits gemein sch aft betrachten, wahrend der Sitzung wiederholt zusammentreten, zu den auf die Tagesordnung gelangenden Fragen Stellung nehmen und nach Möglichkeit über eine einheitliche Haltung im Plenum des Aktions-Comites Beschluß fassen. Es wurde‘ein Präsidium gewählt, bestehend aus den Herren Louis Lipsky als Vorsitzendem und Dr. Hugo Herrmann als Sekretär. Der erste Bcratungsgegenständ war das Palästina- Budget. Es wurde übereinstimmend festgestellt, daß eine der wesentlichen Vorfragen die der Ermöglichung größerer Gcldeingänge für den Keren Hajessod ist. Auch die Mitglieder der Exekutive, vor allem Präsident Weizmann, wiesen mit großer Eindringlichkeit darauf hin, daß eine günstige Ent- Wicklung der Palästinaarbeit nicht die Festsetzung eines höheren Budgets auf dem Papier, sondern die tatsächliche Erhöhung der Keren Hajessod-Ei'nnahmen voraussefze. Mit großem Ernste legten die Mitglieder die Möglichkeiten und Schwierigkeiten erhöhter Keren Hajessod-Erfolge in den einzelnen Ländern dar, insbesondere in Amerika, Polen, Deutschland und England. Es scheint, daß gewisse Aussichten vorhanden sind, die Einnahmen des Keren Hajessod im kommenden Jahre über das bisherige Maß zu steigern. Mittwoch, den 21. Juli 1926 fanden zwei weitere Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft Allgemeiner Zionisten statt. Auf Grund eines Berichtes von Herrn Suprasky wurde die derzeitige Lage in Palästina eingehend besprochen. Im Mittelpunkt der Beratung stand die Erörterung finanzieller Maß.!ahmen zur Erleichterung der wirtschaftlichen Lage, insbesondere die baldige Errichtung der Industriebank und die Ermöglichung einer ausgiebigen Erweiterung der Hypothekenbank. Es wurde ein kleines Komitee eingesetzt, das die Ergebnisse der Diskussion in der Form einer Resolution^ bringen soll. Die Versammlung beschloß, während der Sitzung des Aktions-Comites regelmäßig zusammenzutreten und die geschlußfassung im Plenum durch Aussprachen im engerrit Kreise zu erleichtern und vorzubereiten. Ob die so geschaffene Arbeitsgemeinschaft zu einer dauernden Iai- < »H£a ii«>n!־werdeaßoll •and: <in״ schelien kann, soll erst in einem späteren Zeitpunkt besprochen werden. An den bisherigen Zusammenkünften der Allgemeinen Zionisten haben die folgenden Damen und Herren teilgenommen: 25 Mitglieder bzvv. Ersatzmitglieder des Aktions-Comites und zwar Kurt Blumenfeld, Jacob Fishman, Abraham Goldberg, Rev. I. K. Goldbloom, Dr. Nahum Goldman n, Dr. Alexander Goldsfein, Dr. Herschel Gottlieb, Josef Heftmann. Dr. Hugo Herrmann, Dr. Victor Jacobson, Leib Jaffe, Dr. Alfred ‘Landsberg, Dr. Schmarya Levin, Leon Levite, Dr. Benzion Mossinson, Leo Motzkin, Dr. Leon Reich, Dr. Uri Rosenblatt, Dr. Josef Ruf eisen, Mrs. Archibald Silverman, Jehoschua Sunraskv, Miß Henrietta Szold, M. M. Ussischkin, Meier W. Weisgal, Dr. Stephen Wise; die Mitglieder der Exekutive und des Finanz- und Wirtschaftsrates: Dr. Chaim Weizmann, Dr. M. D. Eder, Louis Lipsky, Col. F. H. Kisch, Dr. Hermau Pick, Dr. Berthold Feiwel, Dr. Georg Halpern, I. Naiditsch, S. Kaplansky, Bernhard Rosenblatt, S. Schocken, und der Vorsitzende des Kongreßehrengerichtes S. Gronemann; als Gäste die Herren: Ch. N. Bialik, Borochow, Reicher, Morris Samuel, Seide Pasman. Palästina im neuen britischen Weißbuch London, 25. Juli. (J. T. A.) Das heute herausgegebene neue Weißbuch der britischen Regierung widmet Palästina einen besonderen Abschnitt. Zunächst׳ wird festgestellt, daß sich die Unkosten der Verwaltung wesentlich verringert haben. Die Ausgaben für die Mandatsgebiete Irak und Palästina betrugen noch im Jahre 1921 29 Millionen Phmd, im Jahre 1926 aber nur mehr 4 444 000 Pfund. Gegenüber den Ausgaben im Jahre 1925 mit 4 925 000 Pfund ist ein Ersparnis von 4SI 000 Pfund zu verzeichnen, wovon aut Palästina 203 000 Pfund, auf den Irak 218 000 Pfund entfallen. Die Kosten allein für die Militärgarnisonen in den beiden Gebieten konnten von 3S03 300 Pfund im Jahre 1925 auf 3 455 500 Pfund im Jahre 1926 reduziert werden. In Palästina hat die Regierung im Jahre 1926 108 000 Pfund für die ReorganisierungdesGrenzschutzes bewilligt, sowie der Regierung von Transjordanien eine Subvention von 92 000 Pfund gegeben. Abgesehen von diesen Sonderzuwendungen kann festgestellt werden, daß Palästina und der Irak für die Kosten ihrer Verwaltungen selbst aufkommen. Das Weißbuch konstatiert einen stetigen Fortschritt Palästinas seit Juli 1920, da das Land unter Verwaltung eines britischen Oberkommissars stellt. Ernsthafte politische Schwierigkeiten zeigten sich vereinzelt in früheren Jahren, im Jahre 1921 ereigneten sich bei Jaffa und Jerusalem größere Zusammenstöße. Seit dieser Zeit aber ist eine ernstliche Störung des Landfriedens nicht zu verzeichnen gewesen. Im Verlauf dieser Jahre setzte eine neue Epoche jüdischer Einwanderung ein, die dem Lande zum Segen war. Die Palästina-Regierung kam in die angenehme Lage, das Ausgaben-Budget aus den Einnahmen im Lande zu decken und sogar einen großen Uebcrschuß zu erreichen. Palästina ist vor allem ein Agrarland. Die landwirtschaftliche Entwicklung hat denn auch in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen. Die Orangen- und Tabakkulturen stehen auf einem sehr beachtbarem Niveau. Trotzdem müssen noch verschiedene Produkte eingdührt werden, wie Raumwolle usw. — Im Juni 1923 wurde in Jaffa eine elektrische Kraftstation errichtet, im Jahre 1923 wurde eine solche in Haifa und eine iii Tiberias erbaut. Zum Schluß wird nochmals unterstrichen, daß die Wirren in den Nachbarländern auf Palästina keine Rückwirkung hatten.