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Jüdische Rundschau · 1926-07-23 · Heft 57 (23.7.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 57 (23.7.1926)
Date
1926-07-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 57 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sitte 419 Jttdische und Palästina-Fragen auf dem Weltwanderungskongreß "Von Berl Locker. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Kongreß hat zu speziell jüdischen Fragen nicht Stellung genommen, wie er überhaupt über keine einzige ein bestimmtes Land oder Volk betreffende Sonderfrage irgend etwas beschlossen hat. Nach dreitägiger Debatte im Plenum, in der neben den allgemeinen Streitfragen — Farbigentrage, freie Einwanderung oder Einwanderungsbeschränkung u. a. m. — die einzelnen Delegationen ihre speziellen Probleme zur Sprache bringen konnten, hatte die Kommission vollauf zu tun, um für den letzten Kongreßvormittag die allgemeinen Resolutionen in einer allen annehmbaren Form vorzubereiten. Alle Spezialfragen mußten notgedrungen zurücktreten, ebenso wie mancher an sich gute und vernünftige allgemeine Vorschlag. Der Kongreß bedeutet keinen Abschluß, sondern einen Anfang. Seine Arbeit wird von einer ständigen Kommission des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Sozialistischen Arbeiterinternationale und dann von weiteren Kongressen fortgeführt werden. Die Delegationen der Poale Zion (vereinigt mit den Zionisten-Sozialisten) sowie der palästinensischen Histadruth haben denn auch bereits in der Kongreßkommission angekündigt, daß sie ihre besonderen Vorschläge dieser ständigen Kommission überreichen werden. Innerhalb der erwähnten, durch Verlauf und Zeiteinteilung des Kongresses gegebenen Grenzen hat das jüdischeWanderungsproblem in dessen Beratungen einen erhebliehen Raum eingenommen. Die auf dem Kongreß von jüdischer Seite gehaltenen Reden sowie die überreichten Denkschriften sind der Oeffent- Uchkeit aus der Tagespresse in den Hauptzügen bekannt. Weniger bekannt dürfte die nicht geringe Vorarbeit sein, die den Boden für diese Erörterungen aut dem Kongreß vorbereitet hat. lieber diese soll im nachstehenden kurz berichtet werden. Als erste hatte die Histadruth Haowdim Gelegenheit, sich mit dem Kongreß zu befassen. (Dieser war ursprünglich als Kongreß der Gewerkschaften allein gedacht.) Sie hat schon im Januar d. Js. in einer recht umfangreichen Antwort auf den Fragebogen der vorbereitenden Kommission die gesamten Probleme der Palästina-Einwanderung: Kolonisation, städtische Siedlung, Vorbereitung der Einwanderer, Arbeiterbewegung und Arbeiterwirtschaft, jüdisch-arabische Be- Ziehungen, die Politik der Mandatsregierung usw. eingehend behandelt und eine Reihe von Vorschlägen formuliert. Deren wichtigste gehen dahin, daß die internationale Arbeiterbewegung den Kampf der palästinensischen Arbeiterschaft um die freie Ein w anderung der Juden nach Palästina und die Forderung, daß die Kontrolle und Regulierung der Einwanderung der Jewish Agency übergeben werde, unterstütze. Weitere Vorschläge betreffend die Gründung eines internationalen Wanderungsamtes und einer internationalen Emigrationsbank, Wandererschutz u. a. m. Diese Antwort der Histadruth diente als Grundlage für die ziemlich ausführliche Behandlung der Palästinawanderung in dem zweibändigen Werk von John W. Brown (Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes) ״Das Wänderungsproblem und die Arbeiterklasse“, das dem Kongreß als Bericht vorgelegt wurde. (Die überaus aufschlußreiche Arbeit erscheint demnächst auch im Buchhandel). Hatte sich die Arbeit der Histadruth als palästinensischer •>״ndesorganisation in der Hauptsache naturgemäß aut die palästinensischen Probleme konzentriert, so konnte der Weltverband Poale Zion sich in diesem Punkt aut eine ergänzende und allgemein aufklärende Rolle beschränken und desto mehr Raum und Aufmerksamkeit der jüdischen Wanderungstrage als Gesamterscheinung sowie den allgemeinen Wanderungs- Problemen widmen. Nach einer umfangreichen Korrespondenz mit der vorbereitenden Kommission überreichte der Verband eine Reihe von Abänderungsanträgen zu den von dieser vorgeschlagenen Resolutionen. Neben allgemeinen Grundsätzen (Freizügigkeit, Naturalisationserleichterungen, Abschaffung der Visagebühren) wurde in diesen Anträgen versucht, in allgemeiner Form . Forderungen zu formulieren, die für die jüdische Wanderung und insbesondere für die Palästina- Wanderung von spezieller Bedeutung sind. Zwei dieser Anträge seien zur Illustration zitiert: ״Der Kongreß fordert internationale Maßnahmen, um den eingewanderten Arbeitern die gleiche Entk>hnung wie den einheimischen für die gleiche Leistung zu sichern. In Ländern (Kolonien, Mandatsgebieten), in welchen die Einwanderer auf einer höheren Kulturstufe stehen und einen höheren Lebensstandard haben als die eingeborene Bevölkerung, müssen ähnliche Maßnahmen zum Schutze sowohl der eingeborenen als der eingewanderten Arbeiter durchgeführt werden. Den Arbeiterorganisationen ist dabei die Möglichkeit der Mitarbeit und Kontrolle einzuräumen.״ ״Es ist die Aufgabe der Gewerkschaften der Aus- und Einwanderungsländer, für Maßnahmen zu sorgen, welche den Eintritt der berufslosen Wanderer in die Produktion und die Fachliche Ausbildung und Vervollkommnung der Wanderer erleichtern. Organisationen der Wanderer, die solchen Autgaben dienen, sollen nach Kräften gefördert werden.“ Außerdem stellte der Verband folgende Anträge zur jüdischen Wanderungsfrage: a) Stellungnahme gegen alle Verordnungen sowie praktischen Maßnahmen der Einwanderungsländer, die sich »pezieö gegen die jüdischen Einwanderer richten (Kanada, Brasilien, auch Frankreich). b) Anerkennung der besonders tragischen Wirklingen der gegenwärtigen allgemeinen Ein- Wanderungsbeschränkungen aufdiejüdischen ilnwandernden Massen infolge ihrer einseitigen wirttchaftlichen Struktur. (Tatsächliche Ausschließung von agrarische Einwanderung fördernden Ländern für die Juden als vorwiegend städtisches Element). c) Verpflichtung der Gewerkschaften und sonstigen Arbeiterorganlsationen, den Uebergang von bisher nicht arbeitenden Elementen zu produktiver Arbeit zu fördern. Insbesondere soll den Palästinapionieren (Chaluzim) sowohl in den Auswanderungsals auch in den Durchwänderungsländern in ihrer Fachausbildung jegliche materielle und moralische Förderung zuteil werden una ihr Eintritt in die Arbeiterorganisationen dieser Länder erleichtert werden. d) Forderung an den Völkerbund, den Uebergang von Juden zur Landwirtschaft in ähnlicher Weise wie hei der Kolonisation von ausgewanderten Russen und Armeniern zu fördern. Insbesondere internationale Fördettmg der Kolonisation Palästinas. Das Auftreten der beiden Delegationen aut dem Kongreß selbst bildete somit nur den Abschluß einer viele Monate vorher eingeleiteten Aktion, die —■ wenn sie auch im Augenblick aus den bereits erwähnten Gründen nicht zu einem ln Beschlüssen des Kongresses sich ausdrückenden Ergebnis lühren konnte — doch von großer Bedeutung war. Es ist Ihr gelungen, der internationalen Arbeiterbewegung die Qwafifi und Snagik des jidiache« Wandcrnogs־ Problems und die Bedeutung Palästinas als jüdischen Einwanderungszentrums wieder einmal ins Bewußtsein zu bringen. Diese Aktion ist eine wichtige Etappe in den bei Kriegsbeginn einsetzenden Bemühungen des proletarischen Zionismus, die internationale Arbeiteröffentlichkeit für die jüdischen Probleme und Bestrebungen zu gewinnen. Diese Aktion muß naturgemäß immer wieder erneuert werden, weil doch im Laufe der Jahre neue Menschen zu führender Stellung heranwachsen. Es gab übrigens auf dem Kongreß ein bundistisches, d. h. natürlich anti-palästinensisches Interrnezzo. In seiner Denkschrift und in der Rede seines Vertreters auf dem Kongreß hat der polnische ״Bund“ erklärt, daß er gegen Palästina sei. Daß es dabei nicht ohne demagogische Mätzchen abging (wie Verwendung veralteter Bevölkerungsziffern), ja sogar deren tendenziöse ״Umfrisierung“, die Behauptung, die Kolonisation trage philanthropischen Charakter usw.), ist ja nur selbstverständlich. Doch hat offenbar das internationale Forum diesen Angriff angenehm europäisierend beeinflußt. Vor allem hat der Bund diesmal die väterliche Sorge für die Araber — in Warschau vergessen; ja er hat — in der Kongreßrede — sogar für freie Einwanderung nach Palästina ״wie in alle anderen Länder“ plädiert. Er war sogar so gütig, Palästina als einen ״interessanten Versuch“ zu bezeichnen, allerdings ״für einzelne, nicht zahlreiche Gruppen“. Das sind alles geradezu revolutionäre Neuerungen in der Stellung zu Palästina, das bisher einfach ״reaktionär“ und damit für einen echten Bundisten verboten war. Wichtiger aber ist, daß dem Bund unter Hinweis aut die Kolonisation in Rußland die Bemerkung entschlüpfte, daß das Hinüberwerfen der städtischen Bevölkerung in die!.and- Wirtschaft der Weg ist, ״den alle Staaten, die an einem Ueberschuß städtischer Bevölkerung leiden, wählen können“. Ist nicht! am Ende der Bund, ein moderner Bileam, zionistisch infiziert? Wie dem auch sei: Das Auftreten des Bundes hat aut dem Kongreß kein Echo getunden. Die Zeit ist vorbei, in der diese Partei in der Internationale die Rolle des kompetenten Sachverständigen in jüdischen Fragen monopolisieren konnte. Das jüdische Leben, das wachsende Werk in palästina, sind stärker als die überlebten bundistischen Vorurteile. (Ziko) Bund und PaläMinttiolban Seit einem halben Jahre veröffentlicht der Newyorker ״Vorwärts“, die größte jüdisch-amerikanische Zeitung, die bis dahin den Zionismus heftig bekämpfte, lange Aufsätze über die Frage des Verhältnisses der jüdischen Sozialisten zum Palästinaaufbau. Diese Diskussion ist durch Artikel des Chefredakteurs des ״Vorwärts“ Ab. K a 11 a n, veranlaßt worden, der, wie wir seinerzeit berichtet haben, auf Grund seines längeren Besuches in Palästina, seine gegnerische Haltung gegenüber dem PatSstinaaufbau geändert hat. Ab. Kahan bekämpft seit seiner Rückkehr aus Palästina die unter den jüdischen Sozialisten verbreitete Ansicht, daß die _ Beteiligung der jüdischen Arbeiter am Palästinaaufbau mit ihrer sozialistischen Tätigkeit im Golus unvereinbar sei. ln mehreren Aufsätzen faßt Ab. Kahan seine Stellungnahme in dieser Frage zusammen. ״Wir in Amerika“ schreibt Ab. Kahan, ״tun alles für unsere ״alten Vaterländer“ in Osteuropa und wenn die Bundisten behaupten, daß Palästina die konstruktive Arbeit in Warschau oder Bialistok störe, so ist das ein Widerspruch in sich. Wenn die amerikanisch-jüdischen Sozialisten diese Ansicht akzeptieren würden, so müßten sie sich fragen, warum sie sich eigentlich mit der Notlage ihrer Brüder in Osteuropa beschäftigen sollten.“ Ein gegenwärtig in Amerika weilender Vertreter des ״Bundes“ aus Polen, Herr Litwak, erhob gegen Palästina den Vorwurf, daß es die ״Unterstützung des Golus“ für sich verlange. Darauf antwortet Kahan: ״Wenn das ein Grund ist gegen Palästina zu sein, so muß man fragen, warum wir in Warschau, Lodz und Bialistok die jüdischen Schulen und die jüdische Presse unterstützen sollen. Die Kolonien in Palästina sind noch nicht aktiv und sollen darum, nach der Meinung des Herrn Litwak, nicht gefördert werden. Nun, die Schulen in Wilna und Warschau können sich auch nicht erhalten und da müßten wir in Amerika sagen, daß sie darum unserer Unterstützung nicht würdig sind.“ Ab. Kahan gibt schließlich folgende Charakteristik des ״Bundes“: ״Der Bund hat seine großen Verdienste um die jüdischen Arbeiter, aber wenn seine Aufklärungsarbeit anstatt sektiererisch-fanatisch zu sein, einen breiteren Horizont, mehr Toleranz und mehr allgemein menschliches Wohlwollen hätte, wäre sie viel fruchtbarer. Als ich jung war, hielt sich unser Sozialismus vom Gedanken des jüdischen Volksbewußtseins fern. Wir glaubten uns nicht ״jüdische Sozialisten“ nennen zu dürfen, sondern nur Sozialisten, die jüdisch sprechen. Der Bund hat zuerst das jüdische Volk zum Bewußtsein gebracht und nun, da dieses Volk national bewußt ist, weicht der Bund zurück. Er benimmt sich wie jene englischen Kolonisten, die wegen religiöser Intoleranz nach Amerika ausgewandert sind und nunmehr keine Spur von Toleranz gegenüber Andersdenkenden besitzen.“ Philby über die britische PaiSsti■ apoiftlk London, 18. Juli. (J. T. A.) ln einer Sitzung der ״Englisch-türkischen Gesellschaft“ hielt der irühere "britische Bevollmächtigte in Transjordanien, Mr. St. John Philby, eine Rede, in der er die Notwendigkeit guter Beziehungen zwischen England und der Türkei unterstrich. Die Türkei und die übrigen Völker des Ostens, sagte er, gehören nicht in den europäischen Völkerbund; sie müßten sich zu einem eigenen Völkerbund zusammenschließen. In San Remo, setzte Mr. Philby fort, wurden die Wünsche der Völker in den Mandatsländern von den Mandatarmächten gar nicht berücksichtigt. Die Mandate wurden nach Wunsch und Willkür verteilt. Palästinavon einem jüdischenOberkommissarverwalten zu lassen, sei einer der größten Fehler gewesen, den die britische Regierung in ihrer Palästina- Politik begehen konnte. Der Fehler wurde gutfemacht, als an Stelle Sir Herbert Samuels ein Nichtjude ie Verwaltung übernahm, in der er weit bessere Erfolge erzielt habe. Palästina wird als eine britische ״KrönkoIonie“ angesehen und auch so verwaltet. Er, Philby, teile nicht die arabischen Befürchtungen, daß die Juden infolge der Zunahme der jüdischen Bevölkerung das AraDertum majorisieren werden. Solange ״G r o ß b r i - tannien in Palästina die Zügel in Händen hat, kann es zu ernsthaften Streitigkeiten zwischen Arabern und Juden nicht kommen. Die britische Verwaltung bringt im großen und ganzen den Mandatsländern gewisse Vorteile. fe Finanzen werden auf eine gesunde Basis gestellt und die Bevölkerung allmählich zur Unabhängigkeit erzogen. Philby ist einer der besten Kenner des arabischen Orients und ein Freund der Araber. Sein Buch über Arabien, das auch In deutscher Uebersetzung (int Verlag Brockhaus, Leipzig) erschienen ist, und auf das wir schon wiederholt hingewiesen haben, ist eines der Standard Works der orientalischen 0» Attestat der Ukrainer aal Perei Stell Paris, 19. Juli. (J.T.A.) Es hat sich herausgesteltt, daß das Mordattentat der beiden Ukrainer auf den Juden Perez Stein keineswegs als eine spontane Tat aufzufassen ist; sondern daß geplant war, Stein, der in dem Prozeß gegen Schwarzbarth, der Petljura tötete, als einer der Haupt* zeugen hätte auftreten sollen, zu beseitigen. Perez Stein hat im Krankenhaus, als er zur Besinnung wieder erwachte, seine Lebensgeschichte erzählt. Er ist 41 Jahre alt, stammt aus Rostow. Während des gesamten Krieges diente er in der russischen Armee. Nach der Revolution, als von Pogromen begleitete Bürgerkriege ausgebrochen waren, trat er in den jüdischen Selbstschutz ein. Er war Augen* zeuge einer Anzahl der furchtbarsten Judenmetzeleien. In Sschmerinka wurden er und seine Selbstschutzgenossen von einer Petljurabande umringt und getangengenommen. Mehrere der Mitglieder des Selbstschutzes wurden lebendig begraben, andere wurden auf ein mit Nägeln gespicktes Brett gelegt und langsam zu Tode gemartert. Er selbst wurde mehrere Stunden mittels glühender Eisenstäbe gemartert, zwei Finger seiner rechten Hand wurden ihm abgeschnitten. Er sollte mit dem Rest der noch am Leben gebliebenen Selbst- Schutzleute 11 in gerichtet werden. Während der Vorbereitungen zur grausamen Hinrichtung erschien plötzlich eine bolschewistische Abteilung im Orte, die Petljuraleute mußten Hals über Kopf fliehen. Lange Zeit mußte er in einem Feldlazarett zubringen. Als er in seine Heimatstadt Rostow zurückkehrte, erfuhr er, daß seine Frau, einige seiner Kinder und mehrere seiner,Verwandten durch eine Bande Denikins hingemetzelt worden sind. Es blieb ihm nur sein jüngster, jetzt 8 Jahre alter funge, der während des Attentats in Paris neben ihm auf dem Rasen spielte. — In der Tat stellten die Aerzte fest, daß der Körper des Stein von schweren Brandnarben übersät und daß die Haut vollkommen zusammengeschrumpft ist. Madame Zaddok Kahn, die Witwe des früheren Oberrabbiners, hat den achtjährigen Sohn des Perez Stein in Obhut genommen. Die Witwe Petljuras, die sich als Privatbeteiligte in dem Prozeß gegen Schwarzbarth angemeldet und einen ' berühmten Advokaten zu ihrem Vertreter gewählt hat, hat eine Reihe von Zeugen gegen Schwarzbarth namhaft gemacht. Auch Schwarzbarths Verteidiger hat die Vernehmung weiterer Zeugen beantragt. Die Zeugenvernehmungen werden fortgesetzt. Eine ffidlsche Deklaration im rumlaischen Senat Senator Zirelsohn (Kischinew) verlas im Namen der jüdischen Bevölkerung Rumäniens im Senat folgende Deklaration; ״In der letzten Zeit wurde ganz Rumänien von einer Welle des Antisemitismus überschwemmt. Unter die Bürger des Landes wird ein erbarmungsloser Haß gesät. Die jüdische Bevölkerung erhofft von der Regierung, daß sie, inspiriert von der Losung ״Ordnung, Gesetzlichkeit, Ehrlichkeit“ gegen das der jüdischen Bevölkerung angetane Unrecht Vorgehen wird. Die jüdische Minderheit im Lande war stefi bereit, die größten Opfer für das Vaterland zu bringen. Wir fordern von der Regierung, daß sie den antisemitischen Willen zur Unordnung im Interesse des ganzen Landes im Keime ersticken und alle gegen die Juden gerichteten gesetzliehen Verfolgungen beseitigen soll. Wir hoffen auch, daß mit Bezug auf aas Gesetz über die Minderheiten die Regierung erkennen wird, daß auch die Juden eine ethnische Minderheit, und zwar die größte im Lande, bilden. Bei der Schaffung des Gesetzes über Erziehung, Kult und Gemeinden müssen die Interessen der Judenheit In Betracht gezogen werden. Die Zivilisationsstufe eines Landes erkennt man aus den Beziehungen zwischen der Staatsmehrhcitund den Minderheiten, besonders zu der schutzlosen jüdischen Minderheit. Wir hoffen, daß die neue Gesetzgebung sich durch Toleranz und Verständnis für die Nöte der jüdischen Bevölkerung auszeichnen wird," Eine JigeBitagong Die Ita verbreitet folgende Meldung: Am 1. August beginnt in Paris die Tagung des ״Welt verband es der jüdischen Jugendorganisationen“, zu der mehr als 50 Delegierte, unter ihnen zwei aus Palästina, ihr Erscheinen angekündigt haben. Fast sämtliche Landesverbände des Weltverbandes der jüdischen Jugend werden vertreten sein. Für das nächste Jahr ist die Abhaltung eines Weltkongresses der jüdischen Jugend geplant. Es handelt sich hier offenbar um die s. Zt. in Karlsbad . sind. Die Bezeichnung ״Weltverband der jüdischen Jugend" ist zumindest irreführend. Dr. Salome! Dreier geslorbea In Frankfurt a. M. verstarb im Alter von 76 Jahren der Rabbiner Dr. Saiomon Breuer. Rabbiner Dr. Salomon Breuer war einer der hervorragendsten Führer der jüdischen Trennungsorthodoxie in Deutschland. Er stammte aus Ungarn und übte seine erste Rabbinertätigkeit in der ungarischen Stadt Papa aus. Er war der Schwiegersohn von Samson Raphael Hirsch, und als dieser im Jahre 1888 verstarb, wurde Dr. Salomon Breuer sein Nachfolger auf dem Frankfurter Rabbinersitz. Er war Mitglied des Zentralrates und Vorsitzender des rabbiuischen Rates der Agudah. Einer seiner Söhne ist Dr. Isaak Breuer, ein zweiter Sohn ist Rabbiner in Aschaffenburg. Kleine Naelrldtfen Die Exekutive des Weltverbandes der sephardischen Juden in Jerusalem hat dem Zionistischen Aktionskomitee, das am 22. Juli in London Zusammentritt, eine Petition zugehen lassen, in der die Frage einer gesteigerten Einwanderurig der Sephardim nach Palästina erörtert wird. Im Monat Ijar wurden in Tel-Awiw und Jaffa 85 Knaben und 70 Mädchen, zusammen 155 Kinder geboren, gegenüber 87 im Ijar des vorigen Jahres. Die Zahl der Ehe- Schließungen betrug 75, die Zahl der Todesfälle 46. (Ziko) In ״La Libre Parole", dem liberalen Organ von Athen, ist aus der Feder Dr. N. Kasantzakis eine Folge von 10 Artikeln erschienen, die die jüdische Entwicklung in Palästina beschreiben. Der italienische Gelehrte und Staatsmann Luigi Luzzatti vollendete in diesen Tagen sein 86. Lebensjahr. Luzzatti verfolgt mit Interesse die Fortschritte in Palästina. Am 15. Juli wurde der Rektor der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, Prof. Dr. Adolf Schwarz, 80 Jahre alt. Das jetzt in Paris gastierende Moskauer hebräische Theater Ha bim ah wird im Herbst in den Berliner Kammerspielen eine Reihe von Vorstellungen geben.

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