Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 57 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2652785-2652837--18425-2676190- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 418 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 57 Der Revisionismus antwortet Die Dogmatik des Weges Eine Erwiderung an Adolf Böhm Von Arthur Köster, Haifa. Es ist unleugbar, daß die offizielle zionistische Ideologie, früher ein von ungeheuren latenten Kräften der Geistigkeit durchwühites Gebilde, heute zu einem leblosen und nicht einmal formal stark verknüpften Organismus geworden ist; und daß während einerseits durch verschiedenartige Interprctation des^ Wortes ״National Home“ vollkommene Anarchie des Zieles herrscht, andererseits sich immer mehr ein Dogmatismus des Weges herauszukristallisieren bcginnt. — Beide Krankheitssympfonie, Anarchie des Zieles und Dogmatismus des Weges («in Zustand, der sich gerade umgekehrt zur gesunden und natürlichen Evolution aller Ideen verhält), finden 'ihren klaren Ausdruck im Artikel ״Revisionistisehe Geistesverfassung“ in Nr. 46 der ״Jüdischen Rundschau“ von Herrn Adolf Böhm. — Herr Böhm gibt selbst zu, daß die Forderungen der Revisionisten an sich vollkommen berechtigt sind. Nur mit der Methode diese Forderungen zu stellen ist er nicht einverstanden. An Stelle daß wir ״auf unser Recht pochend, unermüdlich an England und an den Völkerbund extreme Forderungen stellen“ (wobei das Adjektivum ״extrem“ nach detn vorhergehenden ״vollkommen berechtigt“ unverständlich erscheint, ist demnach die Forderung nach Erfüllung des Mandates ״extrem“ zu nennen?) verlangt Herr Böhm: ,,politischen Takt" und ״daß wir England niemals soweit treiben, daß es unsere Forderungen als unvereinbar mit seinen politischen Notwendigkeiten ansieht, d. h. ihre Gewährung sie in schwere Konflikte mit den Arabern brächte“. Andererseits aber konstatiert er selbst, daß der Aufbau des jüdischen Nationalheimes nur ״gegen den Widerstand der überwiegenden Majorität der Bevölkerung möglich gemacht werden kann“, wenn also England den Aufbau des jüdischen Nationalhcimes ermöglichen will, so muß es gegen den geschlossenen ״Widerstand der überwiegenden Majorität“ handeln. Handelt aber eine Rcgierung gegen den Willen einer Majorität, so gerät sie mit dieser unausweichlich in ״schwere Konflikte“. Will aber Herr Böhm mit ,.politischem Takt“ der englischen Regierung diesen Konflikt ersparen, so muß er logischerwcise den Konfliktstoff eliminieren. Das heißt: Auf den Aufbau des jüdischen Nationalheim es verzichten. Diese Konklusion, so paradox sie erscheinen mag, ist aus Herrn Böhms eigenen Prämissen abgeleitet und logisch unantastbar. Sie ist aber auf dialektischem Wege gewonnen und hat daher nur formalen Wert; sie stellt einen Grenzfall dar. Daß sie aber auch in dieser krassen Formulierung eine gewisse Berechtigung hat, werden wir später sehen. In Wirklichkeit handelt es sich darum, daß der Faktor ״Arabischer Widerstand“ falsch in Rechnung gestellt ist, und daß er glaubt, England müsse um diese Klippe hcrumlavieren und wir mit ״politischem Takt“ müßten ihm dieses Herumlavieren verständnisvoll erleichtern — selbst wenn wir uns momentan dadurch schädigen und auf die volle Interpretierung unserer Rechte verzichten — so wie es Samuel tat, den Herr Böhm folgerichtig auch als Beispiel dieser Methode — der dogmatischen Methode — anführt. Aber wie gesagt: der Faktor ״Arabischer Widerstand“ ist falsch in Rechnung׳ gesetzt. Statt unsere Politik ihm unterzuordnen, muß dieser Faktor der zionistischen Politik untergeordnet werden —. und daß dies nicht nur, ein frommer Wunsch ist, beweist die englische Politik ... England selbst zieht ganz andere Konsequenzen aus diesem Faktor als wir sie für England ziehen. In der offiziellen ״New Judea“ lasen wir anläßlich des Scheidens Herbert Samuels (Nr. 21, 1925, ״Sir Herbert Samuels Administration“), daß Sir Herberts Politik, von den Jaffa-Pogromen angefangen, zwei Hauptziele verfolgte: 1. die politische Bedeutung (The poiitical significance) des jüdischen Nationalheimes im Mandat und der Balfourdeklaration zu reduzieren und 2. die Araber auszusöhnen und zu gewinnen, zum Preise von allen möglichen und nicht wenigen unmöglichen Konzessionen. Gelang ihm das Zweit(* auch nicht (der unverminderte Haß der Araber gegen den ״Jüdischen König“ und jener Speerwurf in Ber-Sewa bewiesen das klar genug), so gelang ihm das Erste um so besser in Gestalt des berüchtigten Weißbuches, das ״die politische Position der Juden in Palästina verwickelt : und es fraglich erscheinen läßt, ob das so verschleuderte politische Fundament jemals wiedererlangt werden kann und den Aufbau des jüdischen Nationalheimes um so vieles erschwert und hinausschiebt“. ״Die Notwendigkeit dieses Weißbuches . . . wird bezweifelt . . . es wurde vom High Commissioner dem Foreign Office aufgezwungen.“ Ferner schreibt ״New Judea“: ״Von seinen (Samuels) pseudo-constitutionellen Experimenten wurde das jüdische Nationalheim nur durch die unheilbare politische Unfähigkeit der Araber gerettet.“ Hier sehen wir an einem von Herrn Böhm selbst gewählten Beispiel, daß die ״dogmatische Methode“ im extremen Fall zum Aufgeben des jüdischen Nationalheimes führen muß. Sir Herbert handelte zweifellos im guten Glauben; aber auch er war in dem Irrtume befangen, daß man England den — unvermeidlichen — Konflikt mit den Arabern ersparen müsse, statt von der englischen Politik selbst zu lernen. Ueber diese belehrt uns in lakonischer Kürze Col. Symes, der ״Chief Secretary“ der palästinensischen Regierung und bevolltnächtigter Vertreter Englands vor der Mandatskommission. Der Vertreter der Mandatarmacht erklärte vor der Kommission, daß ״die Araber ihre Politik des Nicht-Zusammenarbeitens mit der Regierung aufgegeben hätten, nachdem sie sich überzeugt haben, daß das britische Regime in Palästina unabänderlich sei und keine Hoffnung auf Aenderung der gegenwärtig verfolgten Politik besteht“. Dies besagt natürlich nichts gegen die imverändert starrablehnende Haltung der Araber der Balfourdeklaration gegenüber — die Mandatskommission konnte sich ja hiervon aus dem arabischen Memorandum überzeugen —, besagt aber wohl, daß die englische Politik sich vom Widerstand der Araber gegen die Grundprinzipien des Mandates nicht beein- Bussen läßt, und diesen Faktor fast als ״Quantite negligeable“ betrachtet. — Wenn wir fanden, daß im Falle Samuel die Initiative zu allen uns schädigenden politischen Schritten vom Juden Samuel selbst, und nicht vom Foreign Office ausging, so steht diese Tatsache nicht vereinzelt da. Es kann an Hand von Tat- Sachen bewiesen werden, daß fast alles Unrecht, das uns seitens der Mandatarmacht zugefügt wurde, die offizielle zio» nistische Politik selbst verschuldet hat: teils durch ihre Passivität und teils durch bewußte Negation von absolut berechtigten Forderungen im zionistischen Lager selbst. Jetzt, da die zionistische Öeffentlichkeit -- und selbst die offiziellen Kreise — plötzlich erkennen, daß die vernachlässigten politischen Fundamente, auf denen sie bauten, schadhaft sind, schreit sie Zeter und Mordio, weil di« englische Regierung nicht sofort und zum ersten ,,Male“ ״ja“ sagt• und. vergißt, daß sie selbst es war, die jahrelang nur ein starres ״Nein“ oder ein bloßes Achselzucken für diese Forderungen übrig hatte, wenn sie von den Revisionisten erhoben wumen. Einige Beispiele mögen diers 1. Reorganisation der Schutzkräfte. Die Abrüstung der Jüdischen Legion erfolgte im Jahre 1919 auf eigene Initiative des Jischuw. (Konsequenz: die Pogrome von 1920/ 1921.) Verlangten dann die Revisionisten im Laufe der Jahre die Legion, so war das ein rotes Tuch für alle pseudo-pazifistischen Stiere. So mußte England die Ueberzeugung gewinnen, daß die Juden am Sicherheitsdienst absolut desintercssiert seien (als Jabotinsky am XIV. Kongreß jüdischen Schutz für Palästina verlangte, rief Arlosoroff: ״Was wollen Sie, Sie haben ja Planier dort!“). Selbst als schon der Waad Leumi die jüdische Legion verlangte, schrieb Magnes seinen ״offenen Brief“, und als der Jischuw die Konsequenzen dieser Politik in Form der Gendarmerieverordnung zu spüren bekam, sprach Weizmann von ״überflüssiger Nervosität“. 2. Zollreform. Auch für diese Forderung der Rcvisionisten hatte die Öeffentlichkeit jahrelang kein Ohr, bis die Krise kam. Weizmann sagte am Kongreß: ״Auf Schutzzölle baut man keine Weltanschauung.“ Damit war die Sache abgetan und nichts wurde unternommen. So mußte England die Ueberzeugung gewinnen, daß wir an einer Zollreform desinteressiert seien. Trotzdem bat sie, als sich die palästinensische Regierung in ihrer Not an sie wandte, mehr Verständnis aTs die Exekutive gezeigt und gewisse Zollreformen durchgeführt. 3. Einwanderung. Immer wieder tauchen Stimmen auf, die die Beschränkung der Alijah fordern (z. B. auch Herr Böhm, wenn auch etwas verhüllt). Die Initiative zur Einwanderungsbesehränkung ging von Samuel aus, nicht vom Foreign Office; niemals hat England eine solche Initiative gezeigt. (Natürlich darf man Uebergriffe einzelner ״zeitweiliger Beamter“ nicht mit der englischen Politik identifizieren.) 4. Staatsländereien und Bodenreform. Diese Forderung wurde viel zu spät, erst im Oktober 1925 und in beschränktem Umfange erhoben, nachdem man das revisionistische ״Geschrei“ nach Bodenreserve drei Jahre lang überhört hatte. Die besten Dschifflikböden um Beisan waren damals schon an Araber vergeben. — Schließlich kann man nicht verlangen, daß England eine Forderung sofort erfülle, mit der wir selbst jahrelang gezögert haben. 5. Geldzuwendungen der Regierung. Auch diese Forderung wurde viel zu spät erhoben, nachdem wir jahrelang glaubten, auf unser Recht verzichten zu können. Erst als es sich zeigte, daß das Finanzsystem der Exekutive unzulänglich war, um mit einer Kolonisation von großem Umfange Schritt zu halten, wurde sie erhoben. Da aber stellte sich die Maudatarmacht auf den fiskalischen Standpunkt und erklärte, daß sie nicht verpflichtet sei, ihre Gelder proportioneil der Bevölkerungszahl zu verteilen. Anstatt nun weiterhin auf der gerechten Forderung zu beharren, konstatiert Herr Böhm, daß ״die Haltung der Regierung grundsätzlich berechtigt ist, weil, wenn man sich auf den Perzentstandpunkt stellt, dies zu einer dauernden Benachteiligung der Juden führen würde“, und ist empört darüber, daß ״derselbe Revisionismus, der für Palästina ein Parlament verlangt, in dem die Juden nach ihrer Zahl in der ganzen Welt vertreten sind .... bei finanziellen Zuwendüngen die Anwendung des Proporzes verlangt“. Glaubt nun Herr Böhm wirklich, die englische Regierung gäbe uns deshalb ungleich geringere Zuwendungen als unserer Zahl entspricht, weil sie uns durch das Proporzsystem nicht b e n a c h - teiligen will? Und versteht denn Herr Böhm wirklich nicht, daß zwischen politischen und finanzielle«. Forderungen ein grundlegender Unterschied besteht; denn während wir mit vollem Rechte verlangen können, daß das ganze jüdische Volk im Parlamente seiner nationalen Heimat vertreten sei, — finanzielle Zuwendungen doch nur entsprechend jener Bevölkerungszahl verlangen können, aus der die Einnahmen der Regierung tatsächlich stammen? Wir dürfen uns nach all dem nicht wundern, wenn England Forderungen, die die längste Zeit von der zionistischen Leitung bekämpft oder ignoriert wurden und noch jetzt von den Kreisen der dogmatischen ״offiziellen Ideologie“ bekämpft werden, nicht gleich zum ersten Male erfüllt. Deshalb müssen unsere Forderungen systematisch und prinzipiell erhoben werden, nicht aber, wie bisher, sporadisch una erst von der Not der Stunde gedrängt. England hat bewiesen, daß es an den Prinzipien der Balfourdeklaration festhält; aber in Einzelfragen müssen wir es sein, die die Initiative ergreifen; wir müssen erklären und fordern. Natürlich hat dies mit ״politischem Takte“ zu geschehen; aber für jene ״letzte Feinheit der Politik“, die so lange wartet, bis es zu spät ist, und die Loyalität bis zur Selbstschädigung treibt, haben wir leider wirklich kein Verständnis. Weizmann selbst spricht von der Notwendigkeit, ״England zu erziehen“. Aber die bisherigen Methoden waren dazu absolut ungeeignet. — Noch zwei Bemerkungen: Herr Böhm warnt davor, daß wir uns bezüglich der Wirkungen, die wir von der Hilfe der Regierung erwarten, übertriebenen Illusionen hingeben. Nicht von England, von uns hänge es ab, ob wir imstande sind, unser Nationalheim aufzubauen. Ferner werden Zahlen angeführt, die zeigen, daß die Kolonisation in de# englischen Dominien trotz weitestgehender Unterstützung der Regierung auch keine rascheren Fortschritte aufweist, als unsere Kolonisation — ohne Regierungshilfe —. Was können uns diese Zahlen sagen? Doch nur, daß wir imstande waren, mit ungeheurer Kraftanstrengung das allein zu erreichen, was andere nur mit weitestgehender Unterstützung erreicht haben. Aber sollten wir deshalb auf unsere Rechte großmütig verzichten? Niemand gibt sich Illusionen hin, und uns allen ist es klar, daß Palästina nur von uns selbst aufgebaut wird. Wir verlangen auch nicht, daß England das Werk für uns tue, wohl aber, daß es gewisse formale Bedingungen erfülle, die es zu erfüllen verpflichtet ist, und ohne die jeder Aufbau illusorisch wird. — Schließlich spricht Herr Böhm gegen den ״Zahlenwahn der Revisionisten“, die glauben, unser ganzes Bestreben müßte sein, raschestens die Majorität im Lande zu gewinnen. Auch hier vernachlässigt Herr Böhm die Bedingungen, die von außen her das Tempo unserer Kolonisation vorsehreiben. Es handelt sieh ja nicht darum, daß wir uns darauf versteifen, die Majorität in 25 und nicht in, sagen wir, 100 Jahren zu erringen, sondern darum, daß der arabische Geburtenüberschuß, der ungefähr so groß ist wie der Jahresdurchschnitt unserer gegenwärtigen Immigration, uns zwingt, mit ihm Schritt zu halten und jährlich eine so große Anzahl von Menschen nach Palästina zu bringen, daß sie uns unserem Ziele, der Majorität, merklich näher bringt. — Indem Herr Böhm diese nüchterne Uebertegung ״Zahlenwahn“ nennt, verfällt er selbst dem Wahne, sich der klaren Sprache der Zahlen zu verschließen .... Jerusalem, 20. Juli. (J.T.A.) In der Nacht zum 19. Juli unternahm eine Gruppe Araber euren Angriff anf das arabische Dorf Afa, in dessen unmittelbarer Nähe die chassidische Siedlung ״Aw odath-Israel“ gelegen ist. Die Juden wurden ebenfalls von den Arabern in den Kampf verwickelt, wobei fünf Juden and ein Grabes *eiletzt warden, Jabotinski ■nl ier Revisionismus Von revisionistischer Seite. Die fortwährend in der ״Jüdischen Rundschau“ ersehe!- nenden antirevisionistischen Artikel, zuletzt der von Sch. Go. relik, dem auch ich voll zustimmen würde, vorausgesetzt, daß die Lebensphilosophie Jabotinskis wirklich die vom Autor geschilderte sein sollte, kennzeichnen deutlich die Tendenz «er (1 Jüdischen Rundschau“ die politische Bewegung des Revisiomsmus zu mißkreditieren. Und in der Tat schaden uns unsere Gegner, an deren Spitze die ״Jüdische Rundschau“, mehr als wir selbst glauben, denn durch Artikel wie der von der Feder Sch. Goretiks oder durch andere, die falsche Bilder von der ״revisionistischen Geistesverfassung“ entwerfen, treibt man uns Elemente zu, über die der Wiener Korrespondent der ״Jüdischen Rundschau“ so bitter klagt und die auch uns Revisionisten ganz und gar nicht willkommen sind. Die ״falsche Vorstellung von der Romantik des Revisioliismus“ wird nicht von uns, sondern gerade von unseren Gegnern erzeugt, die in der zionistischen Öeffentlichkeit den Revisionismus als eine Art jüdisches Hakenkreuzlertum darstellen und uns somit diejenigen Elemente zutreiben, denen die Art der Hakenkreuzler imponiert. Der Revisionismus hat mit all dem nichts zu tun, denn er ist mir die politische Arbeitsgemeinschaft aller jener Zionisten, ohne Unterschied ihrer weltanschaulichen Einstellung, die konsequenterweisc als Endziel des Zionismus, den von Herzl propagierten Judenstaat ansehen und die der Meinung sind, aaß die politischen Methoden der jetzigen zionistischen Leitung dieses Endziel nie erreichen werden, somit also der Zionismus nie verwirklicht wird. Die Berechtigung des Revisionismus erkennen heute Zionisten von der äuliersten Rechte bis zur äußersten Linken an. Somit hat der Revisionismus aufgehört lediglich die Sache der schlagenden Korporation ״Hasmonäa“, mit der viele von uns nichts weiter als das momentane revisionistische Programm gemeinsam aben, zu sein. Schließlich spielt auch die persönliche una psychologische Einstellung Jabotinskis im heutigen Revisionismus nur eine untergeordnete Rolle. Wir werden weder von der Persönlichkeit noch vom Menschen Jabotinski, sondern lediglieh vom Politiker Jabotinski, der er auch nach der Meinung von Sch. Gorelik sein dürfte, geführt. Der Revisionismus kämpft für eine souveräne und demokratische zionistische Organisation und ist gegen den schrankenlosen Individualismus der heutigen zionistischen Leitung. Dieser Revisionismus wird auch den Mut haben, sich von einem Individualismus Jabotinskis, falls er wirklich so geartet sein sollte, wie ihn Sch. Gorelik in seinem Artikel skizziert hat, zu befreien. Schließlich scheue ich mich nicht, zu bemerken, daß der Revisionismus, der nur der Zusammenschluß konsequenter Zionisten zur Verwirklichung des politischen Zionismus ist, mit dem Moment, wo die heutigen Revisionisten die Ueberzeugung erlangen, daß die jeweilige zionistische Leitung gewiiit ist, den konsequenten Weg zur Verwirklichung der zionistischen Idee zu gehen, zu existieren aufgehört haben wird. L. Gold, Beuthen O.-S. Pressestimmen Anläßlich des neuerlichen Empfanges der Vertreter des Waad Hair beim Gouverneur in Jerusalem schreibt Ben Baruch im Doar Hajom vom 27. Juni unter dem Titel: ״Die Methode ״Go slowly“: Es wäre besser, unsere Forderungen überhaupt nicht anzuerkennen, als sie anzuerkenne«-.11nd -ihr«י Erfüllung׳ ־ piaktlsdi 'zu verschieben. Wir sehen die gleiche Erscheinung z. B. in der Frage der Er¬ Ziehung oder der Böden, wo die Regierung nach jahrelangen Verhandlungen endlich die Berechtigung unserer Forderungen anerkennt, und trotz alledem praktisch nichts für ihre Verwirklichung getan hat. Vielleicht mag in der Kolonialpolitik etwa einem einsamen Winkel Afrikas gegenüber diese Methode der besonderen Langsamkeit nötig sein, aber in Palästina, bei unseren Bedingungen und Bedürfnissen kann diese Methode nur schädlich sein. Auch der Gouverneur Jerusalems Storrs handelt gemäß diesem ״Go slowly“ in Angelegenheiten der Stadtverwaltung. Auf die verschiedenen Beschwerden und Wünsche der Juden antwortet der Gouverneur stets ״tinmöglich“, ohne dieses Unmöglich irgendwie näher zu begründen. Wir wünschen, daß kein Widerspruch zwischen Theorie und Praxis besteht, und daß die Erfüllung von als gerecht anerkannten Forderungen nicht ewig aut die lange Bank geschoben wird. Die Methode ״Go slowly“ ist in Palästina und besonders in Angelegenheiten der Stadtverwaltung nicht am Platze. * Das misrachistische Zentralorgan ״Hator“ bespricht angesichts der bevorstehenden A,-C.-Sitzung die Frage der Ergänzung der zionistischen Exekutive. Das Blatt erklärt es für wünschenswert, daß die Exekutive vergrößert wird, vor allem aber müsse der M i s r a c h i mit allem Nachdruck darauf bestehen, daß auch er eine Vertretung in der Exekutive bekommt. Das gegenwärtige Mitglied der Exekutive, Professor Pick, sei keineswegs offizieller Vertreter des Misrachi. Nur bis zum Kongreß habe er in der Exekutive den Misrachi vertreten, bei der Neuwahl der Exekutive bzw. in der vorigen Sitzung des Aktions-Comitös habe der Misrachi beschlossen, als Protest gegen die Vernachlässigung seiner Forderungen sich nicht an der Exekutive zu beteiligen. Professor Pick habe sich genötigt gesehen, seine Tätigkeit in der Exekutive fortzusetzen, wenn auch nicht mehr als Vertreter des Misrachi. Er hat natürlich in der Folge als treuer Misrachist stets seinen Einfluß zugunsten der Forderungen des Misrachi geltend gemacht, aber der Misrachi kann diesen Zustand nicht weiter bestehen lassen und fordert jetzt mit allem Nachdruck eine offizielle Vertretung. Pie ebassliisehei Siedlungen Jerusalem, 7. Juli, (P.C.) In der letzten Sitzung des Direktoriums des Keren Kajemeth wurde eingehend die Frage der Vergrößerung des Bodenareals der chassidisehen Siedlungen besprochen. Die dort vorhandene Fläche genügt nicht für die Ansiedlung aller sich an dem Orte befindenden Familien unter Zugrunde- Iegung einer Flächeneinheit von 100 Dunam pro Familie. Das Direktorium hat beschlossen, etwa 6000 Dunam Boden zu erwerben, davon 3000 Dunam ebenen Boden, unter der Voraussetzung, daß auf dem gesamten Areal etwa 90 Familien zur Ansicdlung kommen, davon 75 bis 80 Familien der dort bereits anwesenden Chassidim. Auf einer der letzten Sitzungen der zionistischen Palästina-Exekutive erstattete Herr Kaplanski einen ausführlichen Bericht über die augenblickliche Lage der Chassidim. Die Kosten ihrer Kolonisation sollten angesichts der Tatsache, daß die Chassidim keine Mittel aus Polen mehr zu erwarten haben, von einer öffentlichen Körperschaft getragen werden. Die Exekutive hat beschlossen, die Frage dem A.-C. vorzulegen und vorzuschlagen, das Geld für diese unvorhergesehene Investierung möglichst außerhalb des regulären Keren Hajessod- Budgets für Kctloaisattofiszwecke aulzubringen.