Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 57 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 57 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 417 Palästina vor der Sitzung des Aktions-Comites (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) A.O., Jerusalem, den 14. Juli 1926. Die Sitzung des Aktions-Comites tritt in einem Moment zusammen, in dem die Oeffentlichkeit auf entscheidende Be- Schlüsse lind Taten gespannt ist. Palästina erwartet von London Arbcitsmöglichkeiten fiir die nächste Periode. Aber man hat im Laufe der letzten Jahre durch bittere Erfahrung gelernt, daß das Schicksal unserer Arbeit nicht nur vom guten Willen der einzelnen Führer abhängt, sondern vor allem von den objektiven Möglichkeiten der Bewegung, und so mischt sich in das interessc an den Londoner Verhandlungen auch ein gewisser matter Fatalismus. Das Schicksal des Zionismus hängt heute nicht allein von guten Beschlüssen ab. Palästina sieht heute vom Arbeitsgebiet der zionistischen Bewegung notwendigerweise nur einen Ausschnitt. Für den Palästinenser sieht das Bild der Galuthbewegung im gleichen Grade verkleinert aus wie ihm Palästina aus der Nähe groß erscheint. Er sieht die Aufgaben und Probleme der Zionistischen Organisation vor allem immer unter dem Gesichtspunkt der unmittelbaren praktischen Kolonisationsarbeit. Alles andere wirkt hier leicht abstrakt und wird auch immer unter dem Gesichtspunkt der Palästinaarbeit gewertet. Gerade heute, wo wieder ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit außerhalb Palästinas geleistet werden muß, besteht die Gefahr, daß sieh ein Unterschied zwischen den Ansichten und Forderungen des Landes und des Galuth herausbildet. Was erwartet Palästina vom A.-C.? Entscheidend sind für das Schicksal des Landes vor allem anderen zwei Punkte der Tagesordnung: die Wahl der Exekutive und das Budget. Darin liegen die beiden Seiten der praktischen Arbeit beschlossen: Rationelle Organisierung des Aufbauwerkes und seine Finanzierung. Wir arbeiten jetzt bereits Jahre im Lande, ohne die genügende Besetzung wichtiger Departements. Trotz aller Mühe ist es nie gelungen, eine Körperschaft zusainmenzubringen, die imstande gewesen wäre, vorher zu bestimmen, wie das Kolonisationswerk sich entwickeln sollte. Immer ist man gezwungen gewesen, post factum zu retten, was zu retten ist, immer hat man mit Notmaßnahmen gelebt und eine auch nur irgendwie geregelte Wirtschaft hat sich nie herstellen lassen. Wenn man die Maschine der Palästinaexekutive genauer kennt, ist es geradezu ein Wunder, daß alles relativ noch so gut geht, wie es geht. Und daß das der Fall Ist, danken wir einer großen Hingebung einzelner verantwortlicher Menschen und einer geradezu grenzenlosen Geduld der Massen, die alles daransetzen, den Aufgaben nachzukommen, die nun einmal auf ihnen lasten. Dabei ist die Frage der zweckmäßigen Besetzung oder besser gesagt, der Komplettierung der Palästina-Exekutive nicht allein eine Sache der Persönlichkeiten als des Systems. Eine weitgehende Dezentralisierung verbunden mit oft falsch verstandenen Begriffen der Demokratie macht sich ganz auffällig dadurch bemerkbar, daß die ohnehin schwerfällige Verwaltungsmaschine nur mit Mühe ins richtige Tempo zu bringen ist. Nimmt man dazu, daß wir eine typische Wirtschaft‘ des armen Mannes haben, wo buchstäblich viel Zeit darauf verwendet werden muß, den Piaster umzudrehen, ehe man ihn ausgibt, so kann man sich ungefähr einen Begriff von der ״efficiency“ des Apparates machen. Und dabei sind wir bereits bei der zweiten Kernfrage, beim Budget, angefangt, die unlöslich mit der ersten verbunden ist. Denn auch ein Millionenbudget wird uns nicht retten, wenn sieh nicht zu gleicher Zeit die Menschen finden, die alle Teile unserer Arbeit vernünftig und übersichtlich zu organisieren imstande sind. Die beiden letzten Jahre stellten für den Zionismus die Probe dar, ob er imstande sei, die Wanderung nach Palästina zu organisieren. Und die Ereignisse haben bewiesen, daß wir dieser Aufgabe nicht genügend gewachsen waren. Dabei handelt es sich nicht nur um die Geldfrage. Es ist selbstverständlich, daß sich mit 4 — 500000 Pfund im Jahre keine Massenwanderung durchführen läßt. Aber über die Geldschwierigkeiten hinaus, haben wir es auch nicht vermocht, die nötigen organisatorischen und wirtschaftlichen Kräfte herzugeben, die imstande sind, diese einströmenden Massen zu ordnen, die verschiedenen Typen an die richtige Stelle zu setzen und ihnen die Mittel an die Hand zu geben, die ihnen einen Rückhalt unter den palästinensischen Bedingungen gewähren. Wir besaßen keinen Arbeitsplan und hinkten deshalb immer hinter den Ereignissen her. Unter diesen Umständen ist die Zusammensetzung einer arbeitsfähigen Exekutive im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebensfrage. Was das Budget anbetrifft, ist man in Palästina sehr pessimistisch. Die Parole von 400000 Pfund macht die Gedanken an die Arbeitsmöglichkeiten des nächsten Jahres geradezu zu einem Schreckensgespenst. Im Lande sind zurzeit zwei Aufgaben zu lösen: Die Liquidierung der momentauen Lage und die Schaffung einer Grundlage für neue Kolonisationswerke. Unter der Liquidation der gegenwärtigen Lage ist alles zu verstehen, was mit der Basierung der Alijah der letzten zwei Jahre zusammenhängt. Es handelt sich um Tausende, die wirtschaftlich keinen Rückhalt haben, und die in absehbarer Zeit so gestellt werden müssen, daß sie sich allein weiterhelfen können. Wir unterscheiden dabei zwei Kategorien. Das sind zuerst diejenigen Angehörigen der ״Mittelklasse“, denen es bisher nicht gelungen ist, sich zu basieren. Sie bilden eine besondere Schicht, weil sie zu einem großen Prozentsatz keinen für Palästina geeigneten Beruf besitzen. Sic sind besonderer Organisation und Fürsorge, unter Umständen sogar einer bestimmten Ausbildung bedürftig. Sie ״palästinafähig" zu machen, wird jetzt größere Anstrengungen und größere Mittel fordern als vorher, weil sie durch die Zeit, die sie im Lande sind, bereits an Kraft und an Mitteln eingebüßt haben. Die mangelnde Organisation der ״vierten AJijah“ wird die neue Exekutive als eine der schwersten Bürden in die neue Arbeit hinübemehmen. Sie wird um so schwerer sein, als es sich hier zum Teil um atomisierte Elemente handelt, die nicht organisiert sind und auch keine großen Tendenzen zu einer Organisierung zeigen, was jede Arbeit naturgemäß erschwert. Die zweite Kategorie sind die Einwanderer, die von vornherein auf nationale Mittel angewiesen sind. Sie haben vor den anderen den Vorzug voraus, daß sie organisatorisch zusammengefa&t sind und sich beruflich mehr oder weniger für das Land vorbereitet haben. Damit haben sie einen In der nächsten Woche erscheint die ״Jüdische Rundschau“ als Doppelnummer am Freitag, den 3. d. Mts. Die Dienstag-Nummer fällt aus. gewissen Rückhalt, waren aber die letzten Monate am stärksten von der Krise betroffen. Was am schwersten auf dem Arbeiter, vor allem dem Arbeiter in den Kolonien lastet, ist die drohende Gefahr, daß auch im kommenden Jahre Neukolonisation entweder gar nicht oder nur in sehr beschränktem Maße stattfinden wird. Das würde nicht nur schwer auf die ungefähr 500 Familien zurückwirken, die schon lange auf Ansicdlung warten, sondern es würde auch die Tatkraft der Arbeiter in den Kolonien lähmen, für die die Aussicht auf Ansiedlung der stärkste Impuls bedeutet. Man kann nicht sagen, daß Palästina vor dem A.-C. geschlossen für Neukolonisation eintreten wird. Denn man weiß im Lande sehr gut, daß neue Schritte auf dieser Bahn nicht so sehr von Beschlüssen als von den objektiven Tatsachen abhängen. Aber man wird sich vor allem dagegen sträuben, das Budget einzuschränken, ohne alles nur Denkbare versucht zu haben, um es nicht auf 400 000 sinken zu lassen. Und wir wissen, daß bei unseren Fonds die Kontingentierung immer eine große Rolle spielt und eine Resignation von vornherein zu einem Fiasko führen kann. Mit der Neukolonisation sind wir schon mitten drin in der Schaffung neuer Grundlagen für das Kommende. Es handelt sich im Lande nicht nur um die Erleichterung der gegenwärtigen schweren Lage. Was uns besonders drückt, ist das Gefühl, daß wir nicht weiter kommen, daß wir auf einem toten Punkt angelangt sind. Wir müssen im Laufe des nächsten Jahres so weit sein, daß wir unsere Arbeit wieder gründlich ausweiten können. Wie das geschehen soll, ist noch von keiner Seite klar ausgesprochen worden. Wahl einer arbeitsfähigen Exekutive, Beschaffung von ausreichenden Mitteln (durch Anleihen oder die Anleihe), umfassende Organisierung der Wanderung, das sind die Hauptschlagwortc. Neben die großen Sorgen und die großen Budgetposten wie Kolonisation und Arbeit treten kleinere, aber nicht unwichtigere Gebiete wie Kultur, Einwanderung und Hygiene. Hunderte von Kindern, die nicht zur Schule gehen können und gefährliche Epidemien erinnern uns nur allzu unliebsam an die Bedeutung dieser Dinge. Palästina geht zur Aktions-Comite-Sitzung ohne übertricbene Hoffnungen, aber mit der Erkenntnis, daß sich vieles in der Bewegung ändern muß, wenn wir über die schwere Situation, von der die Arbeitslosigkeit nur ein Symptom ist, wegkommen wollen. Ohne Ausweitung der finanziellen Möglichkeiten und ohne Stärkung unserer leitenden Instanzen ist an eine Ueberwindung des toten Punktes nicht zu denken. Hebriisierung and Keren &ajess»d in Bnlgarien Sofia, 15. Juli. (J. T. A.) ln Sofia fand am 4. und 5. Juli eine Konferenz der jüdischen Gemeinden B ulga rie ns statt. Es wohnten ihr 45 Delegierte bei, die als Vertreter der bulgarischen Jadenschaft und nicht als Vertreter der Gemeinden galten. Die Zahl der jüdischen Gemeinden in Bulgarien beträgt 33 bei einer Gesamtzahl von etwa 50 000 Juden. Die Konferenz faßte wichtige Beschlüsse, von denen die wichtigsten sich auf die rechtliche Anerkennung der Organisation der Judenheit Bulgariens durch den Staat und die Entwicklung des jüdischen Schulwesens im Sinne der vollkommenen Hebraisierung beziehen. Ein weiterer Beschluß verpflichtet alle jüdischen Gemeinden Bulgariens, Beiträge für den Keren Hajessod zu leisten; die entsprechenden Beiträge dürfen als Ausgangsposten im Budget der Gemeinden vorgesehen sein. Ferner wurde beschlossen, zu der im Monat August stattfindenden Konferenz des Pariser Komitees der jüdisehen Delegationen und zu dem Kongreß der Volkstninderheiten zwei Delegationen zu entsenden. In der Frage der jüdischen nationalen Erziehung begrüßte die Konferenz die Initiative der jüdischen Gemeinde Sofia, ein Realgymnasium in Sofia zu errichten. Es sind schon alle Vorbereitungen getroffen worden, um mit Beginn des kommenden Schuljahres das Realgymnasium zu eröffnen. Die Konferenz widmete ihr Interesse auch der Frage der Berufs Umschichtung und beschloß, mit der Propagierung der Idee der Ueberführung der Jugend zü produktiver Arbeit anzufangen. Die Konferenz wählte ein neues Konsistorium. Der permanente Teil des Konsistoriums, der die Geschäftsführung inne hat und dessen Sitz Sofia ist, besteht aus sieben Mitgliedern, von welchen fünf Mandatare der Zionistischen Organisation angehören, einer der Bnei Brith-Loge und einer unabhängig ist. An der Spitze des Konsistoriums steht Herr A v r a m T a d j e r, der zum Präsidenten des Zcntralkonsistoriums der Juden Bulgariens gewählt worden ist. Dieses Amt wurde bis jetzt von Herrn Ff. A. F a r c h y bekleidet. Kardinal vai fUsinm Aber Antisemitismus und Zionismis Rom, IS. Juli. (J. T. A.) Kardinal von Rossum, eine der einflußreichsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche, äußerte sich in einem Gespräch mit dem J.T.A.-Vertreter über die Haltung der Kirche zu den Problemen des jüdischen Lebens wie folgt: Die katholische Kirche strebt Versöhnung und Brüderlichkeit der Völker an und verurteilt aufs strengste und mit der ganzen Kraft ihrer Autorität den Antisemitismus. Jeder Versuch, eine würdige und ruhige Existenz des jüdischen Volkes zu stören, wird von der katholischen Kirche als gegen den Geist ihrer Lehre scharf mißbilligt. Zwischen der katholischen und der jüdischen Religion bestehen drei gemeinsame Hauptgrundsätzc: der Glaube an einen einzigen Gott, an die Unsterblichkeit der Seele und an die Reinwaschung von begangenen Sünden durch Sühne. Was die Entstehung eines jüdischen nationalen Heims in Palästina betrifft, schloß Kardinal von Rossum, so ist es meine Meinung, daß die Bemühungen des jüdischen Volkes, sein durch Jahrhunderte verödetes Land wieder aufzubauen, als eine Verwirklichung göttlicher Prophezeiungen anzusehen ist. Natürlieh müssen die anderen Religionen, hauptsächlich die katholische, die dort ihre Heiligen Stätten besitzt, respektiert werden. Zum Schluß drückte Kardinal von Rossum nochmals sein tiefstes Bedauern über die ungerechten Verfolgungen, denen Juden in manchen Ländern ausgesetzt sind, aus. Der neue Kars In Polen Der polnische Ministerpräsident Bartel hielt fm Sejm ein ausführliches Expose über die zukünftige Politik seines Kabinetts. 111. dieser Erklärung kam er auch an mehreren Stellen auf die Frage der nationalen Minderheiten und den in Polen herrschenden Antisemitismus zu sprechen. Er erklärte u. a.: Die Regierung wird es nicht zulassen, daß die Rechte der nichtpolnischen Staatsbürger erschüttert werden. (Bei dieser Steile applaudierten die nationalen Minderheiten und die Linke, während die Rechte Protestrufe erschallen ließ.) Die Regierung erachtet den wirtschaftlichen Antisemitismus als überaus schädlich fiir das Land und wird darum bei der Krediterteilung und in Steuerfragen unparteiisch Vorgehen. Irgendw eiche Geheimabkommen mit den Juden werde die Regierung nicht abschließen. Die Versprechungen Minister Bartels klingen ja recht schön. Es ist fraglich, ob er auch seine Pläne wild durchsetzen können. Interessant• ist seine Kritik an dem poln i s c h - j i'1 d i s c 11 c n Pakt, der im Vorjahre die jüdische Oeffentlichkeit in so hohem Maße erregt hat. Diese Kritik wendet sich nicht nur gegen die Rechte, sondern auch gegen den Abg. Dr. R eich, der das Geheimabkommen abschloß. Unter dem Vorsitz des Handelsministers fand eine Konferenz von Vertretern der jüdischen Kaufmannschaft in Polen statt. Es waren unter anderem die Senatoren Trusker und Szereszewski und die Abgeordneten Eisenstein und W i s 1 i c k 1 erschienen. Der Handelsminister eröffnete die Konferenz mit einer Rede, in der er betonte, daß nunmehr eine neue A e r a i in Verhältnis der Regierung zu de n w o h 1 b e g r ü n d c t c 11 F o r - d c r 11 iigcn der j ii d i s c h e n Kaufmannschaft b c - ginne. Die jüdische Kaufmannschaft müsse aktiven Anteil erhalten an dem Aufbau des wirtschaftlichen Lebens Polens. In der Diskussion wurde die traurige Lage der jüdischen Kaufmannschaft gcschildcrl. Der Handelsminister ergriff dann nochmals das Wort und erklärte, er werde den Handel schützen und werde bestrebt sein, daß die maligebendcu Kreise ihr Verhältnis zu der jüdischen Kaufmannschaft ändern. Er appellierte an die Delegierten, der jüdischen Kaufmannschaft Worte des Trostes zu bringen. Die Vorgänge im polnische■ Zionismus Ein Aufruf des Obersten Rates in Warschau. Der oberste Rat der zionistischen Organisation in Polen veröffentlicht in der Warschauer Presse einen Aufruf, in dem zu der S p a 111111 g innerhalb der zionistischen Organisation in Polen Stellung genommen wird. Diese Spaltung war nach den Maiercigiiissen eingetreten, als der Oberste Rat sich als die oberste jüdische Instanz, für die Durchführung der Wahlen erklärte. 111 der bezüglichen Sitzung hatten die Vertreter der zionistischen Organisation Ostgalizietis unter Führung des Abg. Reich diese Kompetenz bestritten. Als man trotzdem den angefochtenen Beschluß faßte, trat diese Gruppe aus dem Obersten Rate aus. Die westgaiizischen Zionisten unter Führung des Abg. Dr. T h o 11 traten ebenfalls aus zum Zeichen des Protestes gegen die Wahl des Abg. Orünbaum zum Präsidenten. Wie bekannt, hat der Parteirat der ostgalizischen Zionisten den Standpunkt seiner Vertreter gutgeheißen. In seinem Aufruf fordert nun der Oberste Rat alle Zionisten Polens und alle Landesorganisationen zur Wiederherstelhing und Einhaltung der Einheit der Organisation auf. Der Oberste Rat habe unmittelbar nach der Spaltung öffentlich keine Stellung nehmen wollen, in der Erwartung, daß der Leinberger Parteirat die Vertreter der ostgalizischen Landesorganisation zur Einkehr bewegen werde. Da diese Ffoffnung jedoch nicht in Erfüllung gea n g e n ist und der Parteirat Ostgaliziens vielmehr den tandpunkt seiner Vertreter im Obersten Rat bestätigt hat, sieht sich die oberste zionistische Behörde in Warschau gezwungen, die Schuld für die Spaltung einzig und allem der galizischen Landesorganisation zuzuschreiben, ln dem Aufruf wird erklärt, daß es den Vertretern der Zionisten Kleinpolens nicht um die sachlichen Differenzen, sondern um rein persönliche Antipathien gegen den Abg. Griinbaum ging, der zum Präsidenten des Obersten Rates gewählt wurde. Der Aufrut schließt mit einem Appell, die Zionistische Organisation vom Weg des Partikularismus zurück zur Einheit und Stärkung zu führen. Kalinin Aber lie Judenlrage Der Präsident des Zentraiexekutivkoinitees der Sowjet- Union, K a 1 i n i 11, veröffentlicht in der ״I s w e s t i a“ einen ausführlichen Artikel unter der Ueberschrift ״Die Judenfrage und das K r i m ־ P r o j e k t“, in welchem er gegen die Ansichten gewisser jung-kommunistischer Kreise polemisiert. Kalium geht den historischen Wurzeln der antisemitischen Bewegung in Rußland nach und führt aus, der Antisemitismus habe seine Ursache in der Rechtlosigkeit der Juden zurzeit der Zarenherrschaft. Mit der Befestigung des Sowjetsystems, das der jüdischen Rechtlosigkeit ein Ende machte, hörte der Antisemitismus auch als Bewegung zu existieren auf. Mit den anderen zurückgewonnenen Rechten haben die Juden auch das Recht auf die Bearbeitung der eigenen Scholle erworben. Kalinin versucht, den Vorwurf zu entkräften, als ob die Räteregierurig eine ״jüdische Regierung“ darstelie. Die Räteregierung behandelt die Juden genau so wie alle übrigen Teile der Bevölkerung. Die jüdischen Fabriken, Lager, Häuser, Banken, Wertpapiere, wurden zugunsten des Staates konfisziert. ״Ich als Vorsitzender des allrussischen Zentralexekutivkotnitees, schreibt Kalinin, muß sehr oft gegen die jüdische kommunistische Jugend kämpfen, die nach dem Beispiel der russischen Jugend dieSynagogen in Klubs verwandeln wil 1“. Kalinin versucht, den Untergang der jüdischen Städtchen aus der historischen Entwicklung zu erklären. Infolge der jüdischen Rechtlosigkeit in früheren Jahrhunderten blieb den Juden der Flandel als Hauptcxistenzquelle übrig. Das Sowjetsystem räumte mit dem privaten Handel auf, auch das private Handwerk, eine zweite Hauptexistenzquelle der Juden, verlor sehr viel an Boden. Es ist darum sehr natürlich, daß die verarmte, arbeitswillige Judenschaft der Landwirtschaft zuströmt. Die Regierung gab den Juden den nötigen Boden, allein zur Bearbeitungdes Bodens sind große Kapitalien notwendig, über die die Regierung nicht verfügt. Hingegen besitzen die a u s 1 ä n - dischen jüdischen Organisationen große Mittel, die sie den jüdischen Kolonisten zur Verfügung stellen. Im übrigen mache der den Juden zur Verfügung gestellte Boden nur 2Vs °/0 des in der Krim für Kolonisierungszwecke freien Bodens aus. Kalinin versichert zum Schluß noch einmal, daß die Politik der Räteregierung planvoll darauf gerichtet ist, die verarmte jüdische Bevölkerung der Städte der p r o d 11 k - tiven Arbeit auf dem Lande zuzuführen. Die Exekutive des Verbandes der südafrikanischen Juden bat den Kongreß der südafrikanischen Judenschaff für den 10. Oktober d. J. efnöenxkn.