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Jüdische Rundschau · 1926-07-20 · Heft 56 (20.7.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 56 (20.7.1926)
Date
1926-07-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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!fr. 56 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 411 « i es linen 070 נ die aron Juni fund fund avon 103), als nann ndte vor- ■cndndte fund Qe- Hinecht* entalten und sten, im isten a rd Juli . bedien ifenercn, nnte erwerwerdie itral- 1111er irek- :eine -kter aller ׳ber-;omn in den, re- I e n. che ndc-!zahl \b- Zu : erläge ras nten 11 cm dien iisse verzu: sind mde den lieh, pter sind Die Kullurarbeit der Arbeiter- Organisation Aus einem Berichte von Rahel Kaznclson. Eine der Streitfragen, die das A.-C. beschäftigen werden, ist die Frage der Autonomie der ״Wa’aaat hatarbut“ des Kulturkomitees der palästinensischen Arbeiterorganisation. Wie wir bereits mitteilten, hat die zur Vorbereitung der Erziehyngsfragcn vom A.-C. ״eingesetzte Zwanziger-Kommission'' beschlossen, dem A.-C. die Einschränkung der Autonomie der Wa’adat hatarbut zumindest in administrativer und finanzieller Beziehung vorzuschlagen, wogegen die Vertreter der Arbeiterparteien Protest erhoben. Die Frage ist darum von erheblicher Bedeutung, weil die Arbeiter befürchten, daß bei einer Einbeziehung ihrer Kulturarbeit unter das allgemeine Erziehungsbuaget etwa notwendige Einschränkungen sich im Kulturwerk der Arbeiter schneller und empfindlicher geltend machen werden als im allgemeinen Schulwerk. Andererseits erwartet die Mehrheit der 20er-Kommission und die Treasury von der administrativen Zusammenlegung ökonomische Vorteile. Ohne in diese schwierige Frage hier einzugreifen, halten wir es für richtig, unseren Lesern nachfolgenden Auszug aus einem uns übermittelten Berichte des Kultur-Komitees, der von Rahel Kaznelson, einem der ersten und verdienstvollsten hebrä- Ischen Kulturpioniere im Lande, verfaßt ist, vorzulegen, da in weitesten Kreisen Unklarheit darüber besteht, was dieses umstrittene Kultur-Komitee eigentlich ist und was es tut. Red.־ Das erste Kultur-Komitee (,,Wa’adat hatarbut") wurde 1912 auf der Landarbeiterkonferenz gewählt, ln den ersten Jahren konzentrierte sich die Tätigkeit hauptsächlich auf die Beschaffung des Lehrers und des Buches für die landwirtschaftlichen Arbeiter. Das Steigen der Alijah, das Tausende von Arbeitern in der Bautätigkeit und der Industrie konzentrierte, veranlaßte eine reiche kulturelle Tätigkeit unter F, r - wachsenen in den Städten; andererseits wuchs mit der Gründung von Arbeitersiedlungen im Emek das Netz der Schulen und Kindergärten des K.-K. Die Tätigkeit verzweigte sich immer mehr. Es erwuchs eine Arbeiterjugend in Stadt und Dorf, und es begann die organisatorische und kulturelle Tätigkeit in ihrer Mitte. Die Verbreitung des Heb'rätschen unter Er wachsenen, das ist der Zeit und dem Umfang nach unter allen Arbeiten des K.-K. der wichtigste Zweig. Im Jahre 5681 (1921/22) befanden sich in den Abendkursen für Hebräisch 900 Teilnehmer, im Jahre 1924/25 2500, im Winter 1925/26 mehr als 4000. In Tcl-Awiw allein lernen jetzt jeden Abend gegen 2000 in Kursen, die in 6 Stadtteilen veranstaltet werden, in Jerusalem 540 in 4 Stadtteilen, in Haifa 650 in 6 Stadtteilen. (In Tcl-Awiw geschieht die Arbeit mit reger Hilfe und Beteiligung der Stadtverwaltung.) Zuerst lernt der Ankömmling nur in der Form des Gesprächs. Dessen Thema ist Heimatskunde, im weitesten Umfang des Wortes. Der Lehrer, der dem Schüler, seiner Arbeit und seinem Leben nahesteht (die große Mehrheit der Schüler besteht aus Arbeitern), führt ihn allmählich in seine neue Umgebung und Sprache ein. Das erste Lehrbuch, das der Lehrer in die Abendkurse bringt, ist die Bibel. Die Bibel bleibt auch in» Verlauf der Kurse die Hauptquelle für die Kenntnis der Heimat, der Jüdischen Geschichte und Literatur; Als Lehrbuch für die Arbeiterbewegung Palästinas, die Geschichte des neuen Jischuws und als Lesebuch bedient man sich in den Abendkursen des Buches ״Messillah“. Der erste Teil von ״Messillah“ ist ein geschichtliches Lehrbuch, das in ausgewählten Stücken aus der Arbeiter'.iteratur dieser zwanzig Jahre die Geschichte der Arbeiterbewegung Palästinas darstellt. Dieser Teil der Mesrillah wurde 1924 vom K.-K. herausgegeben. Die folgenden Teile werden der Geschichte des neuen Jischuw aus der Zeit der ״Bilu“, der Naturkunde Palästinas, und der Literatur gewidmet sein. Das K.-K. sammelt auch Stoff zu einem Abendkursus-Lesebuch für An- |Jänger, die bis jetzt die herkömmlichen Kinderbücher benützen mußten. Gespräch und Kollektivaufsatz begleiten ständig den Unterricht, ebenso ist ein bestimmter Teil desselben der gemeinsamen Zeitungsicktüre gewidmet. Die mehrjährige Erfahrung des K.-K. zeigt, daß man mit dieser Methode in zwei, drei Semestern bis zu einer gewissen Fertigkeit der freien Rede, der Lektüre der Zeitung und eines unpunktierten Textes sowie einem Aufsatz über ein leichtes Thema kommen kann. Das hebräische ,Milieu tut das seine, in der Arbeitersiedelung ist sein Einfluß entscheidend, weniger groß in! Dorf und in der Stadt. In der Stadt sind in den Abendkursen gegen 50 Lehrer tätig, in den landwirtschaftlichen Punkten, in denen eine große Gemeinde — in Arbeitersiedclungeu und Arbeitsgruppen — konzentriert sind, mehr als 20 Lehrer. Trotz seiner sehr schweren materiellen Lage entschloß sich das K.-K, auch in diesem Jahre, Lehrer an die Stellen zu schicken, in denen die hebräische Sprache gefährdet schien. Von ungemeiner Wichtigkeit ist die Institution des Arbciterlehrcrs in der Stadt, in der Arbeitersiedelung und in den Dörfern, und obwohl sie schon zehn Jahre besteht, hat sic noch nicht ihre endgültige Form gefunden. Der Arbeiter- Ichrer hat, besonders an den Stätten der Arbeit, nicht nur die Aufgabe, Hebräisch zu lehren; die Gemeinschaft sieht in ihm den Kulturarbeiter, der begabt und vorgebildet ist, aucli die kulturellen Bedürfnisse derer zu befriedigen, die schon Hebräisch können, einen Menschen, der infolge seines Zusammenlebens mit den Arbeitern ihre Strebungen zur Einheit zu verbinden und das geistige Leben in dem Orte zu heben versteht. Es gibt in Palästina Männer von reicher Bildung, die als Lehrer in der Organisation des K.-K. arbeiten wollen und arbeiten, es gibt hier genug Arbeiter, die nach ihrer geistigen und seelischen Persönlichkeit für diese Arbeit gceignet sind. Aber diesen wie jenen fehlt es an der methodischen Vorbildung, und auf grundsätzliche Aenderung ist nur zu hoffen, wenn ein besonderes Institut für die Vorbildung von Arbeiterlehrern gegründet wird. Die Arbeitcrlehrer können nur abends unterrichten, und die Hälfte von ihnen ist am Orte einen halben oder auch einen ganzen Tag als Arbeiter tätig. Nach einem Jahre verlassen die Arbeiter meist die Abendktrrse, das K.-K. besitzt zurzeit weder die Mittel noch die geeigneten Lehrer, uni den wichtigen Zusammenhang aufrechtzuerhaltcn, der sich zwischen ihm und Tausenden von Abendkursusschülern gebildet hat. In beschränktem Maße finden die Abendkurse ihre Fortsetzung in den Wissenschaftliehen Kursen, wie sie in diesem Jahre in Tel-Awiw, in Jerusalem und in kleinem L’nifange in Haifa bestehen. In den Wissenschaftlichen Kursen werden methodische Vorträge in folgenden wissenschaftlichen Disziplinen gehalten: in Tel- Awiw: Jüdische Geschichte (in diesem Semester: die Alijah aus Babylon), neue hebräische Literaturgeschichte, allgemeine Siedlungsgeschichte, Nationalökonomie, allgemeine Arbeiterbewegung; in Jerusalem: hebräische Literaturgeschichte, jüdisehe Geschichte, Geschichte der utopistischen Soziologie, Geschichte der französischen Revolution; in Haifa: Literatur der Bibel, Geschichte der Araber und des Islam, Nationalökonomie. Wissenschaftliche und sozialpolitische Vorträge veranstaltete das K.-K. nicht nur in den Städten, sondern auch in den Siedlungen Im ersten Viertel dieses Jahres (Oktober 1925 bis Januar 1926) hat das K.-K. in den Siedlungen etwa 130 Vorträge veranstaltet, darüber 45 über Heimatskunde, 35 über die Arbeiter- Organisation und ihre Leistungen, 31 über die Arbeiterbewegung in Palästina und im Auslande, 18 über literarische Gegenstände. Vereinzelt versuchte das K.-K. Menschen heranzuziehen, die bereit waren, als Wanderlehrer in bestimmten Bezirken und für fest umrissene Fächer tätig zu sein. Aber diese Anfänge blieben Versuche, denn es fehlt, wie gesagt, dem K.-K: an etatmäßigen Mitteln und an Menschen mit geeigneter Vorbildung. Das einzige Fach, in dem Wanderlehrer seit Jahren ständig tätig sind, ist H eimatksndc. Sie halten in der Stadt und in den Siedlungen Vorträge über die Geschichte des Jischuw, Geographie, Archäologie, Geologie, Folklore Palästinas. Sie veranstalten örtliche Wanderungen, um die Umgebung kennenzulernen, und allgemeine Wanderungen in die verschiedenen Gegenden Palästinas. Dieser Tätigkeit legt das K.-K, außerordentlich hohen Wert bei, und sie erfreut sich besonderer Popularität. Tausende von Ankömmlingen lernen das Land unter Leitung der Lehrer des K.-K. auf Wanderungen kennen. Im Jahre 1924/25 haben die Heimatlehrer 32 Wänderungen in Jerusalem, 20 in Judäa und der Schefelah, 27 im Emek und in Galiläa veranstaltet. In demselben Jahre wurden gegen 150 Vorträge über Heimatkunde gehalten. Wie die anderen Zweige der Tätigkeit des K.-K. leidet auch die Vermittlung von heimatkundlichen Kenntnissen an dem Mangel geeigneter Lehrer. Nur wenige haben das Land an .- .- -...—.---------.-.r Ort und Stelle kcnnengelernt, und noch ist keine starke Bewegung zur gründlichen Ausbildung in der Heimatkunde entstanden. Audi die Bedingungen der Gymnasien und Lehrer- Seminare (städtische Umgebung, Lehrmethode, die Unbekanntheit der vom Ausland gekommenen Lehrer mit der heimischen Natur) sind schuld daran, daß man schwer Lehrer findet, die die Natur des Landes kennen. * Als wir noch in der Diaspora wohnten, wußten wir den segensreichen Einfluß hoher Nachbarkulturen auf den Geist unseres Volkes vielleicht nicht hinreichend zu würdigen. Hier im Lande aber wirkt der Mangel einer bedeutenden Kultur um uns auf die junge Generation ein und hemmt ihr geistiges Wachstum. Deshalb sorgt das K.-K. dafür, soweit es kann, in Stadt und Land eine kulturelle Atmosphäre zu schaffen. Das K.-K. strebt dahin, daß das Buch nicht nur die Bewohner der großen Siedlungen begleite, sondern auch den Arbeiter, der sich in entlegenen Punkten befindet. Etwa zwei Drittel des Bestandes der Zentralbibliothek des K.-K. (die heute beiläufig 50000 Bände, meist hebräisch, enthält) befinden sich in nahezu 100 Zweigstellen. Diese Zweigstellen bestellen fast in allen Punkten des Jischuw: in den Städten, den Kolonien, den Arbeitersiedlungen, den Schulen des K.-K., den Einwandererheimen — bis zu den jüdischen Polizisten, die in arabische Umgebung verschlagen sind. Bezirks-Bibliothekare kontrollieren die Zweigstellen und befördern die Bücher von der Zentralbibliothek in die einzelnen Orte und von Ort zu Ort. Etwa 5000 Leser benützen die Zweigstellen der Bibliothek in Stadt und Land. Das K.-K. zieht auch die Sorge um die Entwicklung des künstlerischen Lebens innerhalb der Arbeiterschaft in seinen Wirkungsbereich ein. Dabei verfolgt es zwei Ziele: erstens, die Anfänge eigenen künstlerischen Schaffens innerhalb der Arbeiterschaft zu pflegen; und zweitens, dem Arbeiter in Stadt und Land die Möglichkeit zu geben, die künstle«־!• sehen Kräfte, die im Zentrum des Landes wirken, zu genießen, ln der Stadt werden vom K.-K. Sondervorstellungen der Oper und des palästinensischen Theaters für Arbeiter veranstaltet; auch in den Zentren der Arbeiter auf dem Lande finden von Zeit׳ zu Zeit künstlerische Vorstellungen statt, zu denen die Künstler aus der Stadt geschickt werden. So z. B. veranstaitete das K.-K. im letzten Winter etwa 30 Konzerte und Aufführungen auf dem Lande. Innerhalb der Arbeiterschaft des Landes zeigen sich jedoch auch Anfänge eigenen künstlerischen Lebens, Versuche von Chören und dramatischen Gruppen. Ein besonders wichtiges künstlerisches Unternehmen wurde in diesem Jahre von dem K.-K. geschaffen — die dramatische Studiengruppe der Arbeiter, ״Ohcl“, unter der Leitung von M. Halcvv, der früher an der Moskauer ״Bimah" tätig war. Mehr als 40 Arbeiter und Arbeiterinnen lernen dort in den Abendstunden nach getaner Arbeit. Neben dem Leiter unterrichten Speziallehrer Gesang, Turnen und plastische Tante, Es verdient erwähnt zu werden, daß ein großer Teil der Schüler des ״Ohel“ sich zu einer besonderen Bauarbeitergruppe zusammcngeschlossen hat, die u. a. das neue Gebäude des K.-K. (für die Zcntralbibliothek, das Bücherlager und die Büroräume) gebaut hat. Obwohl im ״Ohel“ nur abends gearbeitet wird, gehen die Uebungen gewissenhaft und erfolgreich vorwärts. Bei der Schaffung des;,Ohel“ schwebte ״dem K.-K. ein zwiefaches Ziel vor: die Schaffung einer dramatischen Wandergruppe, die nach Geist und Zusammensetzung den anderen Arbeitergruppen gleich sei, und zweitens in unserer Mitte ein Zentrum zu schaffen, das die künstlerischen Anfänge innerhalb der Arbeiterschaft pflegen und beeinflussen könne. In diesem Zusammenhange sind auch der Geschmack und die originelle Schönheit zahlreicher künstlerischer Darbietungen zu erwähnen, die bei Gelegenheit von Festen in den Arbeitersiedlungen mit eigenen Kräften veranstaltet werden. Einige dieser Feiern machten auf ihre Zuschauer einen unauslöschlichen Eindruck dank ihrer inneren Harmonie mit der Natur und des tiefen Gefühls, das sie durchdrang. Die Tätigkeit des K.-K. auf dem Gebiete der Kunst ist ein Ausfluß des klaren Willens, die A nziehungskraft der Stadt zu verringern, das Zentrum der Kultur aufs Land zu verpflanzen, und in der Haupt- Sache: die Saat künstlerischen Schaffens auf fruchtbarem Boden auszusäen. * war ler“. an be- 1׳ich, miteinicht; :eine lien, egte war sehe dere (׳'eg. lölle der reim inte, mit ihm ta rb Zeiritel aus gen rten die hört euer uey!den tder hrer jungen Lenze. Und gegenüber von diesem Paar saß ein junger, jüdisch aussehender Mann mit sonderbaren Augen und einem seltsamen, nicht zu enträtselnden Zug um den Mund. Während die handfesten Gerichte der schwerzehrigen ״Waterkant“ die Table d’hote umkreisten, schaute dieser Mann immer wieder zu dem Mädchen hin, und Worte glitten wie eine Schnur köstlicher Perlen durch seinen Sinn, kamen vom Grund seiner Seele heraufgeschwommen wie Märchenblumen, unglaublich schöne, zu einem besonderen Los bestimmte Blüten der Phantasie. Ein paar Tage später schrieb das schöne Mädchen einen Reisebericht an ihre Familie in der kleinen friesischen Stadt am schmalen Fluß, der den im nordischen Moor so unwahrscheinlichen Namen Leda trug. Sie erzählte von Reisebekannten, von den Gängen bei der Table d’höte im alten Gasthof am Dollart —־ von den Preisen und den Gesichtern der fremden Leute ringsum — und eingeflochten in die primitive Chronik ihrer Erlebnisse, stand der kurze Satz: ״Mir gegenüber saß ein Jiid und kiekte immer so.“ Wer in dieser sommerlichen Tafelrunde am Dollart konnte ahnen, daß an diesem Tage, zu dieser Stunde, eines der unsterblichsten Lieder deutscher Sprache entstand, daß der junge, jüdisch aussehende Mann, der so aus dem Rahmen der übrigen nordwestdeutschen Arier fiel, ein Dichter war — ein Dichter, dessen neuerstehendes Lied mit der Strophe begann: ״Du bist wie eine Blume —und der in das dicke Fremdenbuch des alten Gasthofes den Namen Heinrich Heine einschrieb . . Dieses Mädchen vom Leda verhielt sich nicht anders wie die Mehrheit der nichtjüdischen Umwelt gegenüber jüdischem Schaffen, auch wenn die Schöpfungen für diese Umweit bestimmt sind. Sie sieht nicht den Schöpfer, sie erkennt nicht seine Schöpfung — sie sieht nur den ״Jüden“, durch dessen Existenz sie sich geniert fühlt. Rathenau ist für sie nicht der große Mensch und Politiker, nur der ״Jiid“. Einstein gilt ihnen nicht als neuer Newton, sie brüllen ihn in der Hochschule als ״Jüden“ nieder. Ahnungslos geht die Menge an Hochleistungen des Schaffens vorüber, doppelt und dreifach ahnungslos und überdies mißtrauisch und feindselig, wenn die Träger dieser Leistungen Juden stad. »• w. Zeitschriltcnschaa Das letzte Heft der ״Philosophischen Monatshefte der K a n t - S t ud i e n“. (Pan-Verlag Rolf Heise, Berlin), das der Religionsphilosophie gewidmet ist, enthält auch zwei Aufsätze über das Judentum. Ernst Simon steuert einen bemerkenswerten Essay bei über ״Die weitanschauliche Lage des modernen Judentums“. Er umschreibt zunächst die eigentümliche Sonderstellung des Judentums als einer weltanschaulich gebundenen Nation, in dessen Geschichte stets die ״naturalistische Basis und die sittlich-religiöse Zielsetzung im Gleichgewicht schwingen.“ Die Emanzipation hat Volk und Konfession aneinandergerissen und es entstanden die Gruppen des Reformjudentums und der Orthodoxie, die beide, wenn auch letztere in geringerem Maße, aus politisch-äußeren Gründen die Einheit des jüdischen Wesens aufgaben. Als dritte Gruppe endlich trat tue nationale Bewegung (Zionismus) auf, die ursprünglich auch unter dem Einfluß der von der Außenwelt bewirkten Spaltung steht, aber immer mehr sich der Besonderheit der jüdischen Sendung bewußt wird. Simon zeigt dann die neue, zentripetale Wendüng in allen drei Gruppen an drei Paaren von Persönlichkeiten: im Liberalismus Cohen und Rosenzweig, in der Orthodoxie Birnbaum und Rabbi Kuk, im Zionismus Bialik und Buber. Der Aufsatz, der für die Außenwelt geschrieben ist, enthält auch für Zionisten sehr anregende Gedanken. — Ein zweiter Aufsatz von Salomo Birnbaum behandelt ״Die ostjüdische Weltanschauung“ in einer kurzen Skizze, in der er vor allem die Eigenart des ostjüdischen religiös-gesetzlichen Lebens am Beispiel des Chassidismus charakterisiert. — Auch der übrige Inhalt des Heftes verdient Interesse. In der ״Weltbühne“ Nr. 28 veröftentlicht der bekannte Satiriker Hans Reimann unter dem Titel ״Von Kowno nach Bialystok“ einen Artikel, worin er humorvoll schildert, wie er vom Antisemitismus seiner Jugend vor allem durch die Erlebnisse des Krieges, der ihn zu den Ostjuden führte, geheilt wurde. Als Dokument jener Kriegserlebnisse und unerschöpfliche Fundgrube von Humor und Menschlichkeit bespricht er Gronemanns ״Hawdoloh und Zapfenstreich“ und wünscht, daß dieses Buch jedem Antisemiten heimlich aut den Nachttisch, in antisemitischer Löwenhaut, gelegt werde, damit er darin lese — ״vielleicht geht ihm dann ein Lichtlein auf“. Denn es sei das Traurige an der Sache, daß öronemanns Wahrheiten nur von denen gelesen werden, die es ohnehin schon wissen; weil die Menschheit eisig ablehnt, zur Kenntnis zu nehmen, ״was der eigenen Dummheit nicht gemäß ist“. In dem eben erschienenen Juliheft der von Dr. Rudolf Hilferding herausgegebenen Monatsschrift ״Die O e s e 11 - schaft“ (Verlag Dietz, Berlin) befindet sich der Artikel von Dr. Moritz Bileski über ״Die Kolonialpolitik des Völkerbundes“, worin er insbesondere die Neuartigkeit des Gedankens des Mandatssystems darstellt und die bisherige Arbeit der Mandatskommission kritisch betrachtet. Das ״Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ bringt in seiner Nummer vom 29. Juni einen Bericht über den Besuch des Leiters der Universitätsbibliothek Jerusalem, Dr. Hugo Bergmann in der deutschen Bücherei in Leipzig. Das Blatt berichtet, daß Dr. Bergmann die baulichen Einrichtungen und den inneren Betrieb der Bibliothek besichtigte, da die erst kürzlich gegründete Jerusalemer Universitätsbibliothek zurzeit noch provisorisch unterebracht ist und sich bei der Errichtung ihres eigenen Hauses ie Erfahrungen anderer Bibliotheken möglichst zunutze machen möchte. Sodann berichtet das Blatt im einzelnen über die Beobachtungen, die Dr. Bergmann bezüglich der baulichen und technischen Einrichtungen der deutschen Bücherei gemacht hat. Die seit längerer Zeit bestehenden Beziehungen der deutschen Bücherei zu der Jerusalemer Bibliothek zum Zwecke gegenseitigen Austausches von Schriften seien bei dieser Gelegenheit enger geknüpft worden. Dieser Tage verstarb in Moskau der berühmte russischjüdische Künstler und Kunsthistoriker Akim W o 1 i n s k y, der aus rabbinischer Familie stammt und dessen Name Flegcr war. Sein Werk über Lionardo da Vinci ist in der ganzen Welt bekannt geworden. Wegen dieses Werkes wurde er von der Stadt Mailand zum Ehrenbürger ernannt. Die Bestattung fand unter großer Beteiligung der Kutjst- und Literatutkreise statt.

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