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Jüdische Rundschau · 1926-07-20 · Heft 56 (20.7.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 56 (20.7.1926)
Date
1926-07-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 412 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 58 Die Tätigkeit des K.-K. umfaßt drei Altersstufen: Erwachsene, Jugend und Kinder. Die Organisation der Jung- Arbeiter wurde ebenfalls mit Hilfe des K.-K. gegründet und umfaßt heutigentags mehr als 1200 Mitglieder. Die Zentren der organisatorischen und kulturellen Tätigkeit innerhalb der Jung-Arbeiterschaft sind die Klubs, die in Tel-Awiw, in Jerusalem, in Haifa, in Petach-Tikwah und in den Punkten des Emek bestehen. Diese Klubs werden von den jeweiligen Zweigstellen der Jungarbeiter-Organisation mit Beteiligung der von dem K.-K. eingesetzten Führer geleitet. Die Mitglieder der Klubs gliedern sich in Fachsektionen und in Gruppen für kulturelle Arbeit. Im Klub' spielt sich das Gemeinschafts- und und Kulturleben der Jugend ab’; hier trifft er mit seinen Kameraden zusammen, hier verbringt er seine freie Zeit, nur hier verknüpft er sich mit seinem zukünftigen Leben als Arbeiter. In Tel-Awiw kommen allabendlich Hunderte von Knaben und Mädchen in den Klub, in dem Gruppen für Literatur, Sozialwissenscliaft, Musik und Gymnastik bestehen. Außer den Klubs bestehen jedoch auch noch Abendschulen für die Jung-Arbeiterschaft, die ebenfalls von den K.-K. unterhalten werden (so in Tel-Awiw, Jerusalem, Schearim — für die Kinder der Gemeinden — und in anderen OrtenV In ihrem Gründungsjahre — 1924 — besuchten etwa 150 Kinder die Schulen der Jungarbeilerscbaft. Dies Jahr enthalten sie 450 Schüler. Man lernt dort jeden Abend 3 Stunden; der Lehrplan nähert sich dem einer normalen Volksschule. Das Alter der Lernenden (die sämtlich beruflich tätig sind) ist 10—17 Jahre. Die Erzieh ungs - Institutionen des K.-K. vermehrten sich entsprechend der Vermehrung und dem Anwachsen der Arbeitersiedlungen. An Stelle von 2 Instituten mit 20 Kindern vor 5 Jahren besitzt die Arbeiter-Organisation heute 34 Kinderinstitute (12 Schulen und 22 Kindergärten) mit 900 Kindern. Diese unsere Institutionen sind von ganz besonderem Charakter. Fast in der Hälfte aller Siedlungen (Kewuzoth und Kibbuzim) bestehen Kinderheime, in denen die Kinder ganz und gar untergebracht sind. An anderen Orten (Moschwe- Owdim) sind dir Kinder wenigstens tagsüber im Erziehungsheim, nehmen dort dfe Morgen- und Mittagsmahlzcit gemeinsam ein und kehren nachmittags nach Hause zurück. In den Schulen wird praktische Hand- und Wirtschaftsarbeit betrieben. Im Sammelhefte ״Die Kewuzah“ (das vom K.-K. herausgegeben wurde), im ״Davar“, der Tageszeitung der Arbeiter-Organisation, sowie in hektographischen Blättern Ain Charods und des ״Gedud Ha—awodah“ nehmen die Erziehungsfragen einen breiten Raum ein: die Aufgabe der Eltern in der Gemeinschaftserziehung, dgr Einfluß der Gemeinschaftserziehung auf Kind und Familie, die Aufgabe der Erzieher, Erziehungs- und Unterrichtsmethoden, die Arbeit der großen Kinder im Wirtschaftsbetriebe des Heims oder in dem der Eltern, Kinderheime in der Stadt u. dgl. Ein Unternehmen, das das Erziehungswerk der Organisation komplettieren wird, ist nach Ansicht des K.-K. in der Zentrals c h u 1 e zu erblicken, die im Emek gebaut werden soll, und die bereits vom letzten zionistischen Kongreß anerkannt worden ist. Die Zentralschule ist für Kinder von 12 Jahren und aufwärts bestimmt, die sich zwar in den einzelnen Arb'eitersied• hingen im Emek und in Galiläa nur in jeweils kleiner Zahl befinden, die aber doch zusammen nahezu 100 ausmachen. Wegen ihrer Verstreutheit besteht keinerlei Möglichkeit, weder ihnen in allen L'efWäclwrn die entsprechenden Lehrkräfte zu verschaffen, noch die für Kinder dieses Alters bereits erforderliehen Lehrmittel (wissenschaftliche Bibliothek, Naturaliensamm- Jungen sowie eine landwirtschaftliche Mustersiedlung). Das K.-K. plant daher, in der Zentralschule des Emek ein Kollegium gründlich gebildeter, in Spezialfächern ausgebildeter Lehrer zu konzentrieren, denen es obliegen soll, die allgemeine Bildung der Kinder zu vervollkommnen, sie auf diejenige Entwicklungsstufe zu bringen, die für den jüdischen Arbeiter im Lande erforderlich ist, und sie auf Landwirtschaft und Handwerk vorzubereiten. Arbeit und heimatliche Naturkunde sollen die Ausgangspunkte für Unterricht und Leben in der Zentralschule sein. Eines der Fundamente, auf dem das wissenschaftliche Zentrum im Emek errichtet worden, ist, nach Ansicht des K.-K., neben der Zentralschule ein Institut zur Ausbildung von Lehrern. Dieses Institut soll der Vorbereitung und Wetterbildung des Arbeiterlehrers, des Jugendlehrers und des Wirtschaftsgenossen dienen. Wenn sich die besten Kräfte um dieses Institut herum konzentrieren werden, so kann dieser unserem kulturellen Velleitäten Richtung weisen und auf die Innenarbeit in unseren Institutionen seinen Einfluß ausüben. ״Haaretz“ vom 18. Juni 1926 nimmt zu den Meinungsverschiedenheiten, die steh in der Zwanziger-Kommission zwischen den Arbeitervertretern und den anderen Delegierten ergeben haben, Stellung. Kein vernünftiger Mensch wird leugnen, daß die Arbeiterschaft besondere Interessen und besondere Bedürfnisse aut dem Gebiete des Erziehungswesens hat. Die Kulturkommission der Arbeiter hat zweifelsohne besondere Erziehungsziele in bezug auf die fachliche Ausbildung, auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Alljjetneinbildung, und es wäre in der Tat ein Eingriff in die inneren Angelegenheiten der Arbeiterschaft, wenn Dritte sich von außenher in ihre internen Erziehungsfragen einmischen würden. Aber von hier bis zur vollkommenen Trennung der beiden Bereiche in der Weise, daß die zionistische Exekutive sich allein auf die Deckung des Etats der Kulturkommission der Arbeiterschaft beschränkt, ist noch ein weiter Weg. Das Blatt beklagt in diesem Zusammenhang, daß sich unter der Arbeiterschaft die Neigung zu vollständiger kultureller Trennung im Geiste des ״Proletkults“ von allem, was nicht proletarisch ist, geltend macht, eine Neigung, die gerade auch in der Arbeit der Kulturkommission bemerkbar ist. Aus verantwortlichen Kreisen der Arbeiter selbst sei schon gegen diese klassenkämpferische Phraseologie protestiert worden. Eine vollkommene Trennung der proletarischen Erziehung von der allgemeinen nationalen wird die Arbeiter ihrem Ziele nicht näher bringen; der neuen Gesellschaft, die keine Ausbeutung, keine Klassenunterschiede kennt und die den nationalen und sozialen Idealen des jüdischen Volkes und seiner Natur entspricht. 300 Balea-Emigraitei dürfe■ ■ad Kaiada Montreal, 3. Juli (J. T. A.) Der Immigranten-Hiltsverein in Kanada hat bekanntlich von der kanadischen Regierung Zertifikate zwecks Hereinbringung von 3000 Immigranten im laufenden Jahre erhalten. Die Erlaubnis gilt für solche Immigranten, die Verwandte in Kanada besitzen. Nunmehr hat die Regierung gestattet, daß von den erwähnten 3000 Zertifikaten 300 jenen Emigranten ausgefolgt werden, die infolge der amerikanischen Einwanderung«- sinschrärfknug in den Häfen Hamburg, Bremen, Li bau, Riga usw. sitzeageblieben sind. Ein Weltverband für liberales Jadentwn Heiße Debatte über den Zionismus. Wie aus London berichtet wird, ging am 12. Juli abends die erste Internationale Konferenz der liberalen Juden zu Ende. Zuvor wurde beschlossen, einen die liberale Judenschaft aller Länder umfassenden Weltverband für liberales Judentum zu schaffen. Aufgabe dieses Weltverbandes ist es, den Gedanken des jüdischen Liberalismus zu fördern, Landesorganäsationen für religiöses liberales Judentum begründen zu helfen und eine Zusammenarbeit aller Landesverbände für liberales Judentum herbeizuführen. Alle zwei oder drei Jahre sollen sich die internationalen Zusammenkünfte wiederholen, um die den Liberalismus bewegenden Fragen durch gegenseitige Aussprache zu klären. Eine dem Gedanken des liberalen Judentums dienende Zeitschrift soll den gleichen Zielen gewidmet sein. Der Begriff ״Liberales Judentum“ umfaßt alle glcichstrebenden Gruppen, mögen sie sich nun liberal, reformistisch oder progressiv nennen. Trotz der Aufforderung Claude Montefiores in der Eröffnungssitzung von der BÜhandlung des Zionismus auf der Tagung abzusehen, nahm die Debatte über die zionistische Frage doch ziemlich viel Zeit in Anspruch und erregte die größte Aufmerksamkeit. Nach einem Bericht der Londoner ״J e w i s h Times“ trat Heinrich Stern (Berlin) in seinem Berichte über die Verhältnisse in Deutschland scharf gegen den Zionismus aut. Herr Stern erklärte, daß in einigen Gemeinden Deutschlands Liberale, Zionisten und Orthodoxe kooperieren, doch versuche jede Richtung die Oberhand zu gewinnen. In politischer Hinsicht seien die Liberalen in Deutschland in stärkerem Maße gegen den Zionismus als gegen die Orthodoxie eingestellt. Fragen des Ritus und der Kaschruth spielen keine solche Rolle wie der Kampf gegen die Zionisten. Die Mehrheit der deutschen Zionisten ist orthodox und geht in religiösen Fragen Hand in Hand mit den Orthodoxen. Die Gegnerschaft zwischen Liberalen und Zionisten hat nicht nur ihren Grund im theoretischen Unterschied zwischen dem religiösen Universalismus der Liberalen und dem Nationalismus der Zionisten, sondern auch vor allem in praktischen und politischen Differenzen. Die Liberalen beobachten in allen politischen und kulturellen Fragen einen rein deutschen Standpunkt (!) und anerkennen eine Berechtigung für einen jüdischen Separatismus nur in religiöser und sozialer Beziehung. Politisch, kulturell und ökonomisch fühlen sie sich eins mit allen Deutschen. ln aller Schärfe warf im Verlauf der Diskussion Dr. Stephen S. Wise die Frage auf, ob innerhalb der liberaten Bewegung die Zionisten Platz haben und an ihrer Entwicklung mitarbeiten können. Dr. Wise gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Liberalismus nicht darauf ausgeht, die Einheit Israels zu stören. Liberalismus bedeute wahre Toleranz und kein Lippenbekenntnis. Steht er doch auch der Orthodoxie nicht feindlich gegenüber, obwohl Ihn die Orthodoxie selbst seit 60 Jahren in eine Kampfstellung gezwungen habe. Die Konferenz müsse unmißverständlich erklären, daß der Liberalismus keine Gegnerschaft zur zionistischen Bewegung bedeutet. Wollte man Gegensätze zwischen den beiden Bewegungen konstruieren, so würden ernste Gefahren heraufzienen. Mr. Claude G. Montefiore hat bei der Eröffnung angeregt, die Frage des Zionismus nicht zur Diskussion zu steilen. Aber schon am Sonnabend abend hat Rabbiner Dr. Ma111tck diese Forderung verletzt, und so könne auch er, Dr. Wise, nicht schjveigen. Montefiore ist einer der bedeutendsten Repräsentanten der liberalen Judenheit der Gegenwart. Er gibt der Bewegung Werte, die sie nicht entbehren kann. Doch Montefiore ist andererseits als einer der schärfsten Gegner des Zionismus bekannt. Sei» Bekenntnis, daß Judentum nur eine religiöse und keine nationale Gemeinschaft bedeutet, sei sehr kühn. Dr. Stephen S. Wise wandte sich zum Schluß an Claude G. Montefiore persönlich mit den Worten: ״Würde ich gleich Ihnen glauben, daß der Zionismus die jüdische Religion gefährde, ich wäre nicht Zionist.“ — Die jüdische Reformbewegung, setzte Dr. Wise fort, war hauptsächlich rationaiistisch, nicht religiös. Sie litt infolge der geistigen Verfassung, die ihr aus Deutschland aufgeprägt worden war. Man erinnere sich, daß das Reformjudentum mit Beginn der industriellen Aera eingesetzt hat. Ihm fehlte die Kraft, die Liebe und Leidenschaft für die eigenen Ideale. Will nun das liberale Judentum in die Fußtapfen des Reformjudentunts treten und seine antizionistischen Kriegsrufe übernehmen? Es gibt zahlreiche junge Zionisten in Amerika, die mit Liebe dem Liberalismus anhängen würden, wenn man ihnen nicht erklären würde, daß Liberalismus und Zionismus unvereinbare Dinge seien. Wenn die Konferenz heute den Zionisten nicht einen Platz in der liberalen Bewegung einräumen, so wird sie es später bereuen. Der jüdische Nationalismus will eine Erneuerung des jüdischen Lebens in Palästina, auf daß die jüdische Religion und ihre hohen Ideale neues Licht ausströmen. Die Konferenz müsse Antwort geben auf die Frage: Haben die Zionisten Raum und Arbeitsmöglichkeit auf dieser Tagung? Wenn nicht, dann habe sich die Konferenz aus der Einheit des jüdisehen Lebens ausgeschlossen. Nach Schluß der Rede von Dr. Stephen S. Wise erhob sich der Vorsitzende der Konferenz, Rabbiner Dr. M a 11 u c k , und erklärte im Namen der ״Jüdisch-religiösen Union“ in England, der Vereinigung für liberales Judentum in Deutschland und der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner, daß die internationale Konferenz für liberales Judentum keine offizielle Stellungnahme zur zionistischen Bewegung faßt und keine Antwort erteilt aut die Frage,obsichZionismus und Liberalismus vereinbaren lassen. Jeder liberale Jude muß dies mit sich selbst abmachen. Als Präsident der Konferenz verbiete er jede weitere Erörterung der Frage. Rev. Perizweig unterstützte Stephen Wises Ausführungen und erklärte, daß sich die Liberalen aus dem jüdisehen Leben ausschließen würden, wenn sie sich gegen den Zionismus erklärten. London, 15. Juli. (J.T.A.) Dr. Stephen S. Wise, der zwecks Teilnahme an der Internationalen Konferenz des liberalen Judentums und an der Tagung des Komitees tür die hebräische Universität gegenwärtig in London weilt, äußerte sich in folgender Weise über die Beziehung zwischen religiösem Liberalismus und Zionismus, wie sie?ich auf der Tagung der Internationalen liberalen Konferenz darstellte: Eine Gruppe der liberalen Richtung angehörende Zionisten, sagte Dr. Wise, hätte es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, auf der Konferenz zu verbleiben, wenn nicht eine klare Antwort aut die Frage erteilt worden wäre, ob Zionismus und Liberalismus einander ausschließen. Ich glaube aber, die Konferenz habe ihren klaren Willen kundgetan, daß jeder Versuch, die Zionisten in Acht und Bann zu tun, nicht nur für das Werk der Gründung eines liberalen Weltverbandes sich als verhängnisvoll erwiesen, sondern auch das liberale Judentum zu einer Sekte herabgedrückt hätte, die nicht mehr das jüdische Leben in seiner Totalität erfaßt. Diese Gefahr ist glücklicherweise abgewendet werde n. Führer «4« Claude und G. Montefiore und Miß LUy Montagu hegen persönlich den größten Respekt für den Zionismus I und haben vorbehaltlos der Encläning des Vorsitzenden I zugestimmt, daß die liberale Weltkonferenz in dem■ Kampfe zwischen Zionisten und Nichtzio. I nisten eine neutrale Haltung einzunehmen habe. | Einst aber — so schloß Dr. Stephan S. Wise — wird I der Tag kommen, wo diese neutrale Haltung des Liberalismus I in eine gesteigerte Anteilnahme an dem Werk״■ des Wiederaufbau es eines jüdischen Zentrum *| in unserer historischen Heimat übergehen wird. I * I Zu dem Leitartikel in Nr. 53 der ״Jüdischen Rund- I schau“ ״Zur liberalen Weltkonferenz“ erhalten wir aus I liberalen Kreisen in Deutschland eine Zuschrift, die uns dar- I aut aufmerksam macht, daß unsere Behauptung, die Welt- I konferenz des liberalen Judentums sei erst jetzt, nachdem I internationale Konferenzen Mode geworden sind, möglich I geworden, durch die Tatsache widerlegt wird, daß die libc- I rale Weltkonferenz bereits für den 31. Oktober 10141 in Elberfeld geplant war und nur infolge des Welt- I krieges nicht statffinden konnte. Es sei wichtig, dies fest- I zustellen, ״um Legendenbildungen vorzubeugen“. I Wir geben dieser Berichtigung in loyaler Weise gern I Raum. In der Tat haben wir in jenem Artikel diese Tat- I Sache zu erwähnen übersehen. Die Berichtigung gibt uns I Gelegenheit, nochmals vielleicht deutlicher zu erklären, was I in jenem Artikel mit dem Vorwurf der zerstörenden Wirkung I der Assimilation auf jede lebendige jüdische Bewegung, I also auch auf den religiösen Liberalismus, soweit er eine I solche darsteilt, gemeint war. Nach zionistischer Ueber- I zeugung besteht der nationale, durch Abstammung, Ge- I schichte, Schicksalsgleichheit, Religion, Jahrtausende alte I Geistestradition begründete Zusammenhang nicht nur etwa I zwischen den Zionisten oder Nationaljuden, sondern tatsäch- I lieh zwischen allen Juden der Welt. Die Juden sind! ein Volk, wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne, I sondern in einem ganz spezifischen, historisch einmaligen I Sinne. Dieser Zusammenhang des Judentums wirkt unbewußt, I er bestimmt Handiungs- und Denkungsart! fast aller Juden; in der verhängnisvollen Zeit der neu- I zeitlichen Assimilation haben die Juden diese Tatsache unter I die Schwefle ihres Bewußtseins zurückgedrängt, und zwar I nicht aus autonomer Ueberzeugung vom Wesen des Juden- I tums, sondern aus rein politischen, opportu-j nistische n Motiven, um nämlich in ihren Vater- I ländern als vollwertige' Patrioten anerkannt zu werden und I sich gegen den Vorwurf des Internationalismus zu schützen. I Der religiöse Liberalismus kam dann diesem Assimilations- I streben zu Hilfe, und das ist sein Verhängnis geworden. I Denn — so haben wir in jenem Artikel dargelegt —, seine I Zielsetzung wurde abhängig nicht von ursprünglicher reli- I giöser Konzeption, sondern von politischem Opportunismus. I In Wahrheit aber wirkte das jüdische Solidaritätsgefühl auch I in der assimilierten jüdischen Seele weiter. Die Juden von I Polen (Posen) und Berlin, von Frankfurt, Hamburg, New York I und Chicago sind eine Familie. Die Zionisten haben als erste I den Mut gehabt, die unerträgliche Verknechtung der eigenen I Seele, die das Bekenntnis zu dieser Gemeinschaft verhinderte, 1 abzuschütteln. Die Proklamierung der Einheit des Judentums I durch den Zionismus war aber keineswegs ein konstitutiver, I sondern ein deklarativer Akt. Der Zionismus hat I nur festgestellt, was ist, und diese Befreiungstat hat den I großen Enthusiasmus des jüdischen Volkes ausgelöst. Das libe- I rale Judentum jedoch, das, wemi cs wirklich religiöse Er- I neuerungsbewegung gewesen wäre, aus diesem seelischen Aut- I Schwung der Massen große Bereicherung hätte ziehen können, I hat den Anschluß versäumt und ist daher auch keine Volks•* I bewegung, sondern Vereinsmeierei geworden. ] Daß aber auch der Uberaüsmus spürte, ohne interaatio- I nalen Zusammenschluß nicht auskommen zu können, ist ein I Beweis, wie stark sich in jeder jüdischen Betätigung das eie- I mentare Grundgesetz der jüdischen Volksexistenz auswirkt. I Wir begrüßen daher diese internationale Konferenz, auf die I wir noch zuriiekkommen werden, und begrüßen auch diese I Berichtigung, die den Liberalismus vor dem Vorwurf der I Imitation verteidigen will, als ein Zeichen, daß auch liberale Kreise ebenso wie wir es für beschämend halten, sich das Gesetz ihres Handelns in jüdischen Dingen von anderen vorschreiben zu lassen. Wir wünschen, obwohl die liberale Konferenz in dieser Hinsicht nicht sehr ermutigend war, daß der jüdische Liberalismus aus den Irrwegen der Assi- Inflation zum jüdischen Volkstum zurückfindet — er könnte mit einem Maie etwas ganz Neues und Größeres werden® als er bisher war. I Der Harte! zwisehe■ Palästina ■nd S#w|etrnßlam* Moskau, 2. Juli. (J.T.A.) L. A. Gleser, der vor kurzem aus Palästina ausgewiesene frühere Leiter der russisch-palästinensischen Handelsgesellschaft ״Arcos“, berichtete in einem Interview mit einem Mitarbeiter der ״Ekonomitscheskaja Schisn“ über den Stand der Handelsbe- Ziehungen zwischen Rußland und Palästina, Syrien, Aegypten. Die russisch-palästinensische Handelsgesellschaft ist, wie Herr Gleser erzählt, im Jahre 1923 in Jaffa gegründet worden, um die alten Handelsverbindüngen zwischen Palästina und Rußland wiederherzustellen. 1912 gingen von Rußland nach Palästina Waren im Werte von 100000 Pfund und von Palästina nach Rußland im Werte von 45 000 Pfund. Gegenwärtig steigt die Konsumkraft Palästinas immer höher. Es eröffnen sich daher wieder große Möglichkeiten des Exports aus Rußland nach Palästina. Zurzeit besteht ein lebhafter Geschäftsverkehr zwischen den beiden Ländern. Im Jahre 1925 wurden nach Palästina, Syrien und Aegypten Waren im Werte von 200000 Pfund eingeführt, und zwar gingen Waren im Werte von 80000 Pfund nach Palästina, 10 000 nach Syrien und 100 000 nach Aegypten. 1923 gingen nach Palästina Waren im Werte von nur 22000 Pfund. Die wichtigsten Einfuhrartikel für Palästina waren Holz, Zement, Kartoffeln und auch Oelprodukte. Oie Jodentrage 111 dem Pa1earopa*K«1greß Wie11 ,״. Juli. (J.T.A.) Wie der JTA-Vertreter erfährt, wird auf der Tagesordnung des im Oktober d. J. in Wien stattfindenden ersten Paneuropäischen Kongresse die Jude וו frage als ein besonder er Punkt tigur i e r e n. Der Begründer der paneuropäischen Bewegung, Graf Coudenhove-Calergi, trat mit der Leitung essieren. Auch in Wien hat Ör. Graf Coudenhove-Calergi mit einigen führenden jüdischen Persönlichkeiten Besprechun• gen abgehalten. ״Benrlanbtmg“ des Steiger-Anklägers Der Staatsanwalt im Steiger-Prozeß, M a 1 i n a, ist auf Grund des Einschreitens des Senators Ringel beim poinischen Justizministerium ״beurlaubt“ worden und wird nicht mehr in sein Amt zurückkehren.

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