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Jüdische Rundschau · 1926-07-16 · Heft 55 (16.7.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 55 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 55 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sette 403 Die Arbeitslage in Palästina Von (ieorg Landauer, Jerusalem. in den letzten Wochen mögen die Berichte aus Palästina, die die Debatten über die Polizeifrage und über die Ent- Sendung einer Delegation des Waad Leumi nach Genf mitteilten, und, die hiesige Polemik fortsetzend, noch kommentierten, wohl bei manchen den Eindruck hervorgerttfen haben, als ob die politischen Fragen in dieser Zeit im Mittelpunkt des Interesses des jischuw stünden. Die unbegründete Heftigkeit der Diskussion und die Leidenschaftlichkeit der Proteste könnten auch einen derartigen Eindruck rechtfertigen. In Wirklichkeit aber würde eine solche Auffassung von den gegenwärtigen Sorgen und Nöten ries Jischuw falsch sein. Auch in der Politik feiert man ״die Feste“ wie sie fallen, — und dann kommt wieder der tägliche Kampf und konzentriert die Aufmerksamkeit auf seine Probleme. Und so sind die politischen Wogen verebbt, man hat der Kommission das Geleit gegeben, der Waad Leumi hat sie in feierliciier Sitzung verabschiedet, und darin — so berichteten alle Zeitungen über die Sitzung: — ging man ,,zu den wirklich brennenden lind wichtigen Fragen“ über, und Sprinzak berichtete über die A r b e i t s 1 a g e. In der Tat ist die Entwicklung der Arbeitslage im Laufe der letzten Monate zu dem zentralen Problem 1111s e r e r gegenwärtigen Anstrengungen geworden. Zu Beginn des Jahres 5686 waren die Sinne mancher Kreise in Palästina und im Galuth umnebelt von dem Umfange und den momentanen Wirkungen der Immigration des vorigen Jahres — als die Einwanderung längst eine andere Zusammensetzung zeigte, und hiermit auch andere Verhältnisse heranreiften. Die Einwanderung des vorigen Jahres hatte mehr als 50 ״ #״Begüterte“, d. h. im Sinne des Einwanderungsgesetzes: Eigentümer von wenigstens 500 £, ins Land gebracht. Durchschnittlich besaßen diese Einwanderer auch kaum mehr als dieses Vermögen. Das reichte natürlich nur selten zu eigener wirtschaftlicher Produktion, sei es in der Landwirtschaff oder Industrie, aus. Das erste Bedürfnis von Imnrigrauten, Wohnung und Einrichtung, mußte zunächst befriedigt werden. Die Wirkung war eine H ochkonjunktur auf dem Bau in ar kt, mit allen ihren Folgen, von der Boden- Spekulation bis zum Ueberwuchern des Baumaterialienhandels und Bauunternehmertums, und ein rapides Anwachsen der Stadt Tel-Awiw durch eine großartige Baubewegung. Es war starke Nachfrage nach Arbeitskräften, und die Löhne stiegen. Tel-Awiw ging aus dieser Periode mit 5000 Bauarbeitern der verschiedenen Baugewerbe (das ist fast mehr als 50 °0 der Gesamtarbeiterzahl der Stadt) hinaus. Gleichzeitig aber erfolgte eine Festlegung der vorhandenen Barmittel. Es wurde fast ohne Hypothekenkredit gebaut, und so trat mit dem Nachlassen der Baubewegung eine empfindliche Vcrsteifung des Geldmarktes ein. Diese wurde um so fühlbarer, als nach den umfangreichen Investitionen der Einwanderer in Immobiliarwerten es eben durchweg an Gründungs- und Betriebskapital zu bedeutenderer Produktionstätigkeit fehlte. Ein ungesund großer Prozentsatz der Einwanderer ließ sich als Handwerker, Kleinhändler und Vermittler nieder. So wurde der Arbeitsmarkt nicht erheblich um neue feste Arbeitsplätze erweitert. Endlich war auch die Industrie auf dem Baumarkt eingestellt und riskierte in die nachfolgende Baisse mit hineingezogen zu werden. Diese Wirtschaftsorientierung aber führte zur Bildung einer erheblichen Arbeiterr e s e r v e. Als die ersten Regenfälle zur Unterbrechung verschiedener landwirtschaftlicher Arbeiten und der Bautätigkeit führten, betrug die Zahl der Arbeitslosen fast 1000. Der wirtschaftliche Zusammenbruch des osteuropäischen, insbesondere des polnischen Judentums spiegelte sich sogleich innerhalb der Immigration wieder. Die Einwanderung ging ununterbrochen fort! In den ersten neun Monaten des Jahres 5686 wanderten mehr als 2000 Personen im Monatsdurchschnitt ein. Unter ihnen befanden sich kaum mehr als 10°/o des sogenannten Mittel- Standes, und fast der gesamte übrige Teil bestand aus Eiementen, die früher oder später als Arbeitsuchende a u f t r a t e 11. Es zeigt sich, daß der so oft wiederholte und zur Grundlegung einer ganzen ״maximalistischen“ Politik erhobene Satz: neue Einwanderung versorge die frühere Ein- Wanderung, nur für eine bemittelte Immigration gilt, und selbst dann dem Wirtschaftsleben eine einseitige Rieht u n g gibt, die für die Arbeitslage bedrohlich werden kann. Auf ein ausgesprochenes Immigrationsdumping aber folgte ein Jahr ohne Kolonisation. Der Segen der Konsolidierung unserer landwirtschaftlichen Siedlungen, die mit dem größten je der Landwirtschaft zur Verfügung gestellten Jahresbudget von über 200 000 £ sicherlich erhebliche Fortschritte gemacht hat, ist erkauft durch ein vollständiges Sichselbstüberlassen der Immigration der letzten Jahre — ohne die regulierende Tätigkeit einer kolonisierenden Wirtschaftsführung. Und noch niemals gerade ist der Druck der wirtschaftlich zu fundierenden Reservearmee so spürbar und in ihren w׳eiteren Wirkungen so empfindlich gewesen wie gerade in diesem Jahre der Pause in der Kolonisation. Um so mehr jedoch war eine wirksame, planvolle Wirtschaftsführung durch die Zionistische Organisation notwendig, als die Landesregierung ihrerseits keinen Finger rührte, um durch ihre öffentlichen Arbeiten eine Entlastung des Arbeitsmarktes herbeizuführen. Es scheint, daß das allgemeine Programm großer öffentlicher Arbeiten der Regierung nach den großen Straßenbauten der letzten Jahre erschöpft ist. Jedenfalls nach Auffassung der Regierung —, denn sie begnügt sich seit langer Zeit mit der Anlage von Nebenwegen und Straßenreparaturen. Aber dies geschieht unter völliger Ignorierung der lebenswichtigen Bedürfnissc der jüdischen Siedlungen. Es sieht so aus, als ob die Regierung z. B. den Bau einer Straßevon Tel-Awiw nach Petach Tikwah (dem verkehrsreichsten Weg in Judäa nächst der Straße Jerusalem Jaffa, an dem sechs jüdische Ortschaften liegen!) für eine Privatsache der Juden hält. Und bei ihren Arbeiten selbst beschäftigt sie kaum Juden: unter dem Vorwand, die Interessen der Steuerzahler (zu denen die Juden in unverhältnismäßig großem Umfange gehören) wahrzunehmen, weist sie den jüdischen Arbeiter als zu teuer ab. So beutet sie den Araber als den primitiven Arbeiter (und selbst Jugendliche) gegenüber dem zivilisierten aus, dessen Niveau zugleich drückend, weit davon entfernt, das Niveau des Zivilisierten als Standard anzuerkennen und das des Primitiven zu heben. Die Tatsache, daß der Rückgang der Bautätigkeit um ungefähr 60°,'0 auch etwa 3- 1000 Bauarbeiter freimachte und daß die Einwanderung mehr als 10 000 Arbeitsuchende ins Land brachte (während die Auswanderung unerheblich war), ist ein Anwachsen der Arbcitslosigkeit bisher nicht annähernd entsprechend in Erscheinung ge- •treten. Vielmehr ist die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Laufe der Monate, des Winters und Frühjahrs allmählich ungefähr auf 3500 gestiegen, wobei noch etwa 1500 Kurzarbeitcr und 1000 neue Einwanderer, die angesichts der großen Einwanderung auf alle Fälle und normalerweise eine Zeitlang erst Arbeitsplätze suchen müssen, hinzugerechnet werden müssen. Die Arbeitslosigkeit im engeren Sinn (3500) macht hiermit 12,5 ״'<> und im weiteren Sinn (6000) 21 י.״ der Gc- Samtarbeiterschaft aus ein Prozentsatz, der zurzeit sogar neben entwickelten Industrieländern ohne größere Einwanderung nicht ungünstig ist. Stärker als unter den Arbeitern ist der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit unter den Arbeiterinnen. Die Lage der Arbeiterinnen ist verhältnismäßig schwieriger als die der Arbeiter. Die in anderen Ländern als Frauenberufe geltenden Erwerbszweige sind in Palästina noch kaum entwickelt, oder gelten, falls vorhanden, auch als Männerberufc. In letzter Zeit, seit der Arbeiterinnen-Konfercnz in Tel-Awiw, hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit dieser Frage mehr zugewandt. Unter diesen Umständen stießen die Anstrengungen des Arbeitsdepartements der Exekutive, die Lage zu meistern, den Kampf mit der Arbeitslosigkeit aufzunehmai und trotz alledem die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten in den Städten und den Kolonien zu produktivieren, auf ganz außerordentliche Schwierigkeiten. Der einzige große Unternehmer in Palästina während der letzten Monate war der Keren Hajessod. Aus seinen Mitteln wurde das für die vorliegenden großen Ausgaben gänzlich unzureichende Budget des Arbeitsdepartements von 38000 £, wie es der 14. Kongreß beschlossen hatte, vcrschiedentlich ergänzt. Das Programm der öffentlichen Arbeiten, das für die beiden Hauptplätze der Arbeitslosigkeit, Tel-Awiw (über 3000) und Haifa (etwa 1500), sich als durchführbar erwies, war jedoch beschränkt, ln Tel-Awiw durch die schwierige Finanzläge der Stadt, die natürlich ganz besonders und recht eigentlich von dem Rückschlag betroffen war; in Haifa durch die räumliehe und organisatorische Unverbundenheit der jüdischen Stadtviertel. Das trotz alledem durchgeführte Programm war beträchtlich und von wirtschaftlicher Bedeutung. Das einzige Reservoir zur Aufnahme neuer Arbeitskräfte waren die alten Kolonien. Zwar waren es auch liier nicht neugeschaffene Wirtschaften, wo Arbeitsplätze besetzt werden konnten. Aber es ist gelungen, allmählich die jüdische Arbeit in steigendem Umfange durchzusetzen. 111 ständigem Kampf um jede einzelne Arbeitsstelle, unter Senkung des Niveaus des jüdischen Koloniearbeiters auf ein unbeschreibliches, beduinenähnliches Minimum, aber gestützt auf die eigene gesellschaftliche und organisatorische Hilfe innerhalb der Arbeitergruppen, der Chawuroth und der Kwuzoth, konnte die Zahl der Koloniearbeiter um tausend vergrößert werden. Heute befinden sich ungefähr 4000 jüdische Arbeiter in den alten Kolonien, was etwa 35 0׳,״ der dort vorhandenen Arbeitsplätze bedeutet. Obgleich aber kaum die Hälfte dieser Zahl feste Arbeit hatte,-während der Rest nur Saisönafheiten »längen konnte, hielten die Arbeiter großenteils auch ohne Zwischenarbeit in den Arbeitspausen durch und bereiteten den Ort für neue Kräfte vor. Ungeachtet aller Schwierigkeiten ist jedoch die Lage der städtischen Arbeiter unvergleichlich schlechte r als die der Landarbeiter. Diesen wird das Eindringen in die Arbeit und das Behaupten während der Arbeitslosigkeit durch ihre Gruppenorganisation mit gemeinsamer Wirtschaftsführung, durch Anleihen des Arbeitsdepartements für Wohnungen und Arbeitsgeräte, des Kolonisationsdepartements für Arbeitstiere und Hilfswirtschaft sehr erleichtert. Die Arbeiter in der Stadt dagegen hatten wohl in den Zeiten guter Konjunktur höhere Löhne und bequemere äußere Lebensführung —, in diesem Jahr aber hat sich das alles geändert. Zahllose sind seit sehr langer Zeit ohne jede Arbeit. Es konzentrieren sich an wenigen Plätzen mehrere Tausend, denen selbst das Primitivste zum Leben fehlt. Monatelang zieht sich ein Zustand hin, der K ö r p e r- und Nerven kraft auf eine anstrengende Probe stellt, der der Agitation unruhiger Elemente günstigste Gelegenheit bietet. Ein Zustand, der von der betroffenen Arbeiterschaft selbst in der kontrastierenden Umgebung von Tcl-Awiw mit größter Ruhe und Selbstbeherrschung und sogar Anstrengungen zur Wirtschaftliehen Selbsthilfe durch eigene Beiträge von 2—4 Arbeitstagen an eine Hilfskasse im Monat, ertragen worden ist. Die letzten Monate liefern in der Tat einen Beweis nationaler Disziplin der jüdischen Arbeiterschaft, die für manche ihrer kritischen Gegner ein leuchtendes Beispiel sein kann. Von zwei völlig belanglosen, künstlich erzeugten Zusammenrottungen in Tel-Awiw und Haifa abgesehen, ist die Lage bisher mit sicherer Hand von oben und größter Selbstanstrengung von unten gehalten worden. Wer und was hat die Lage in Palästina bis jetzt gehalten? Vor allem und in erster Linie: die Konstellation führender Kräfte, die in der letzten Zeit und besonders beim Kongreß der Zielpunkt der politischen Angriffe aus der zionistischen Mitte und Rechten gewesen ist, die man als ״Machtstreben der Parteien“ zu diskreditieren gesucht hat, ohne die großen zionistischen Chancen zu erkennen, die in ihr liegen. Hätten wir in Palästina einen abhängigen, in Abwehr- Stellung zu einer Administration stehenden Lohnarbeiterstand, statt der sich verantwortlich fühlenden und führenden und mit eigenen schöpferischen Kräften aufbauenden Arbeiterschaft, wie sie heute schafft und strebt — wir hätten die letzten Monate nicht konstruktiver Tätigkeit widmen können. Direkte Unterstützungen wurden bis heute kaum gewährt. Hätten wir statt der Histadruth und ihren angefeindeten Arbeitsämtern jene kommunale, ״neutrale“ Arbcitsregulierung (nach der in gleicher Weise von Rechts wie von der äußersten Linken gerufen wird!) — unsere Arbeiter könnten nicht durch gelegentlich verteilte ein bis zwei Arbeitstage durchhalten, als das Materiat für eine spätere Kolonisationstätigkeit. Hätte die Stadt Tel-Awiw, in der sich unter 35 000 Einwohnern heute ungefähr 10000 Arbeitende (ohne deren Familien zu rechnen) befinden, noch jene unter Hinterlassung einer schwängen Erbschaft abgetretene Bürgerverwaltung, um sich dem Anprall der Arbeitslosigkeit auszusetzen, es hätten begütigende Einwirkung und Straßenreparaturen nicht den Frieden in dieser ersten jüdischen Stadt aufrechterhalten. Hätten wir die oberste Führung unserer Arbeitsangelegenheiten innerhalb der Exekutive, statt sie einer Personlichkeit zu übergeben, die der Arbeiterschaft volles Vertrauen und alle Gewähr für die restlose Ausnutzung jedweder Möglichkeit zur Beherrschung und Besserung der Arbeitslage gibt, in die Hände eines nach den mechanischen Gesetzen der Kongreßarithmetik zu berufenden Mannes gelegt, wir hätten keinesfalls in diesen Monaten die Belastung mit Staatlieber Verantwortung gegenüber tausenden Arbeitsuchenden ertragen. Die Arbeitslage ist ernst, und daher ist mit Kombinationen und Aushilfeinitteln nicht zu helfen. Erforderlich sind: eine moralische Stützung und Festigung der Kräfte, welche die Situation halten und die in ihr vorhandenen Möglichkeiten produktivieren; und eine großzügige Entlastung des Arbeits marktes. Der Jischuw rafft sich auf, ein eigenes wirtschaftliches Zentralinstitut zur Kreditgewährung an Landwirtschaft und städtische Betriebe zu schaffen. Durch außerordentliche Mittel muß die landwirtschaftliche Reserve, die sich heute in den alten Kolonien befindet, planmäßig zur An Siedlung gebracht werden. Dies gibt dem Wirtschaftsleben neuen Impuls und macht Arbeitsplätze in größerem Umfange frei. Hypotliekarkreditc können wieder zur Belebung der Baubewegung, wenigstens soweit sie die Fundierung wirtschaftlich gesunder Existenzen dient, beitragen. Unter dem gleichen Gesichtspunkt muß die Industrie und die Ueberführung von in den Städten zusammettgezogeneu Elementen in die Landwirtschaft gefördert werden. Besondere Mitte! aber, nicht das für die produktiven Aufgaben beschlossene Budget, müssen für Ucbergangsarbeitcn augesetzt werden. Alles alte, leichter ausgesprochene als verwirklichte Forderungen. Ihre Durchführung war immer aktuell. Heute ist sie b r c n n e n d. Die Frage des Erziehangsbadgeis Das A.-C. hat bekanntlich in seiner Oktober-Sitzung in Berlin beschlossen, eine Zwanziger-Kommission rin zusetzen, die bezüglich der Verwaltung des Erzieh ungswesens Vorschläge machen soll. Die Frage ist besonders durch den Lehrerstreik im vorigen Jahre akut geworden, da die zionistische Exekutive erklärte, nicht über das vom Kongreß bewilligte Schulbudget hinaus für die Lehrergehälter aufkomtnen zu können. Da der Jischuw jedoch den auf ihn entfallenden Beitrag nicht leistete, stellten die Lehrer an die Exekutive als die formell für das Schulwerk verantwortliche Stelle ihre Forderung. Die Exekutive verlangte mm, daß eine eigene juristische Körperschaft gebildet wird, der die Administration des Schulwesens obliegt. In der sollen alle Betciligten vertreten sein, sie stellt die Lehrer an und bestreitet das Budget durch die Beiträge der verschiedenen Organisationen (Zionistische Organisation, Waad Leumi usw.). Demgegenüber forderten die Lehrer und Vertreter des Waad Leumi, daß auch weiterhin die zionistische Exekutive formell verantwörtlich bleibe. Die Zwanziger-Kommission hat nun mehrere Sitzungen abgehalten und eine Anzahl von Beschlüssen gefaßt, die dem A.-C. vorgelegt werden sollen. Der wichtigste Beschluß geht dahin, daß auch weiterhin die Zionistische Organisation volle Verantwortung für das Schulwesen tragen soll. (Angenommen mit 14Stimmen gegen die Stimmen des Vertreters der zionistischen Exekutive, Bawly, sowie der 3 Vertreter der Arbeiterorganisation; diese 4 stimmten für Uebergabe der Leitung an den Waad Leumi.) Ein weiterer Beschluß betrifft die ״Einheit“ des Erziehungswerkes, d. h. seiner Unterstellung unter eine einheitliche Verwaltung bei Wahrung voller Autonomie für das Schulwerk des Misraclti und der Arbeiterschaft. Dieser Beschluß wird von den Vertretern der Arbeiterschaft stark bekämpft, denn das Erzichungswerk der Arbeiter war bisher völlig unabhängig, es wurde von der ״Waadat hatarbut“ (Kultur-Kommission der Arbeiter-Organisation) geleitet, die ihr Budget vom Arbeitsdepartement und nicht vom Erziehungsbudget bezog. Dieser Zustand soll nach dem Vorschlag der Kommission abgeschafft werden, doch soll innerhalb der gemeinsamen Verwaltung dem Schulkomitee der Arbeiterschaft volle Autonomie gegeben werden. (Heute unterhält die ״Waadat hatarbut“ nicht nur die Schulen für die Arbeiterkinder, sondern auch Abendkursc in den Städten, die von vielen Tausenden besucht sind und das stärkste Instrument der Hebräisierung erwachsener Einwanderer darstellen.) Die Frage der Deckung des Schulbudgets fand besondere Aufmerksamkeit. Ussischkin brachte den Vorschlag, einen eigenen Kulturfonds zu begründen. Die Zwanziger- Kommission erklärte sich in dieser Sache nicht kompetent und verwies diesen Antrag an das A.-C., dem er nun unterbreitet wird. Die Frage ist sicherlich von größter Wichtigkeit. Wir geben an anderer Stelle einen Auszug aus Ussischkins Rede wieder. Die A.-C.-Sitzang Die ״Wiener Morgenzeitung“ meldet aus London: Bei der Zionistischen Exekutive ist ein Brief des Abg. Grünb a u tn aus Warschau eingetroffen, in welchem das Präsidium des Aktions-Comites ersucht wird, die Sitzung wegen der bevorstehenden Verfassungsverhandlungen im Sejm a u t drei bis vier Tage zu verschieben. Die jüdisehen Sejmabgeordneten und Senatoren aus Polen müßten zu dieser Zeit in Polen sein und könnten nicht rechtzeitig in London eintreffen. Da die amerikanischen Mitglieder des Aktions-Comites wie Wisc, Fish mann und andere bereits in London angekommen sind, ist es fraglich, ob eine Verschiebung der Sitzung noch möglich sein wird. Jerusalem, 11. Juli. (J.T. A.) Während der Abwesenheit der Mitglieder der zionistischen Exekutive von Jerusalem, die sich zur Teilnahme an der A.-C.-Sitzung nach London begeben haben, werden die früheren Exekutivmitglieder Dr. Arthur Ruppin, Kalvarisky und Dr. Joseph L u r i c die laufenden Geschäfte besorgen. Die Ei1w1n4erer im Jui Jerusalem, 12. Juli. (J. T. A.) Im Monat Juni sind 1500 Einwanderer nach Palästina gekommen; im Mai waren es 1750, im April 1650 Einwanderer.

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