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Jüdische Rundschau · 1926-07-16 · Heft 55 (16.7.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 55 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 402 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55 50 Prozent ohnehin eine Anzahl guter Zionisten vorgesehen sind. Es besteht kein Anlaß zu Befürchtungen für einen Mißbrauch des Einflusses durch die Nichtzionisten. Daß diese Dr. Magnes, einen alten zionistischen Parteimann, zu ihrem Vertrauensmann gewählt haben, muß an sich schon alle Zweifel zerstreuen. Die Tage des Sprachen- Streites in Palästina sind endgültig vorüber. Was 1914 immerhin noch möglich war, ist heute völlig absurd. Weder Studenten, noch Lehrer würden es zulassen, daß an der Hebräischen Universität in einer anderen als hebräischen Sprache unterrichtet werde. Andererseits muß cs uns klar sein, daß die Universität keine zionistische Parteiuniversität sein kann. Eine Stätte freier Forschung kann nicht Besitz einer Partei sein. Dazu kommt noch eines: Eine Universität ist eine sehr, sehr teuere Angelegenheit, man kann heute nicht wissenschaftliche Arbeit leisten, welche von der Welt anerkannt wird, ohne sämtliche Bücher und Zeitschriften zur Hand zu haben, ohne daß dem Forscher die neuesten und besten wissensehaftlichen Apparate zur Verfügung stehen usw. Die Universität wird schon in der allernächsten Zeit noch lange vor ihrer Vollendung ein Budget von Pfund 100 000 jährlich haben müssen, sonst kann sie ihre elementarsten Aufgaben nicht erfüllen. Eine solche Last kann unsere Organisation nicht tragen, und diese Last wird jährlich wachsen, denn die Universität wird, wenn sie ihrer alljüdischen Aufgabe gerecht werden soll, über eine große Zahl von Stipendien verfügen müssen, um Studenten aus der ganzen Welt die Möglichkeit zu geben, in Palästina zu lernen. Unsere Organisation, welche ihre ganze Energie auf die Kolonisation konzentrieren muß, wird ihre übrigen Budgetposten immer zu restringieren trachten, die Universität aber wird■ von Jahr zu jahr größere Ansprüche stellen. Die Weizmann-Magnessche Politik der Zusammenarbeit mit Nichtzionisten muß also aufrechterhaltcn bleiben. Das A.-C. wird den de facto bestehenden Zustand juristisch anzuerkennen haben. Dies heißt nicht vielleicht, daß wir nicht unsere eigene zionistische Universitätspolitik haben. Wir haben bestimmte Interessen, deren Wahrung wir den Vertretern der Zionistischen Organisation in dem zu schaffenden Kuratorium zur Pflicht machen müssen. Die Nichtzionisten sehen die Universität unter dem Gesichtspunkte des Weltjudentums, wir sehen sie als einen Teil des Aufbaues Palästinas an, der sich organisch in unser palästinensisches Schulwerk einfügen muß. Daraus entspringen gewisse Forderungen, welche wir hier verzeichnen müssen: 1. Die Universität muß für eine Anpassung der palästinensischen Mittelschulen an ihre eigenen Anforderangen sorgen. Das judaistische Institut z. B. verlangt heute von seinen Hörern Kenntnis der klassischen Sprachen. ,Wichtiger als dieses Detail ist die Tatsache .d|8, <£u#t,..wi8SMMjÄaftiiche» -׳ und , populär-wissenschaftlichen Literatur in hebräischer ׳ Sprache, welche es den heranwachsenden Studenten Palästinas ermöglichen würde, sich die allgemeine Bildüng zu verschaffen, die ein Student haben muß, um auch nur ein Spezialfach mit Erfolg zu studieren. Der Mangel dieser Literatur in hebräischer Sprache wird auf das Niveau der Universitätsstudien drücken. Hier also erwachsen der Universität als palästinensischer und hebräischer Anstalt Aufgaben, welche andere Universitäten nicht haben und für welche wahrscheinlich die Nichtzionisten kein besonderes Verständnis aufbringen dürften. 2. Die zionistischen Vertreter im Kuratorium werden dafür Sorge tragen müssen, daß das Lehrprogramm den Bedürfnissen des Landes und seiner Jugend angepaßt werde. 3. Unsere Vertreter werden die Durchführung der Volkshochschule zum Gegenstände ihrer besonderen Aufmerksamkeit machen müssen. Der Beschluß für deren Errichtung ist vor 2 Jahren gefaßt worden, aber er ist bis heute auf dem Papier geblieben. Ueber die Einzelheiten der Volkshochschule soll hier nicht gesprochen werden. Der Delegiertentag der Z. V. f. D.. wird sich u. a. mit diesem Gegenstand befassen, dessen Wichtigkeit gerade in zionistischen Kreisen verstanden wird. Aber auch abgesehen von der Volkshochschule ließe sich noch viel für die Volksbildung bin. Man denke z. B. daran, welche ungeheure Bedeutung für die Entwicklung der hebräischen Sprache — um von anderem zu schweigen — es haben müßte, wenn etwa der Skopusberg mit einer Radio-Sendestation versehen, dem ganzen Lande wissenschaftliche und belehrende Vorträge in hebräischer Sprache vermitteln könnte. Es ist vielleicht nicht zu erwarten, daß Nichtzionisten solche Forderungen verstehen werden, es wäre aber Sache der zionistischen Vertreter sie durchzusetzen. Die Universität bietet vielleicht die beste Gelegenheit, breite nichtzionistische Kreise für ein Palästinawerk zu interessieren, das keine Parteisache ist und doch im edelsten Sinne des Wortes ein zionistisches Werk. Palästina ind die Kämpfe in Syrien Jerusalem, 9. Juli. (J. T. A.) Ueber den letzten Besuch des Generals Gamelin, Chef der französischen Streitkräfte in der Levante, in Jerusalem verlautet, daß der General den Feldmarschall Lord Plumer um eine schärfere Ueberwachung der syrisch-palästinensischen Grenze zwecks Verhinderung des Üebertritts von rebellierenden Drusen nach Palästina ersucht habe. Ferner machte General Gamelin den Vorschlag, daß die französischen Truppen die aufständischen Drusen innerhalb des britischen Manaatsterritoriums verfolgen dürfen. Diesen Vorschlag hat Lord Plumer strikte abgelehnt. Die I eitnng der Danzifjer Messe arrangiert eine Paläs tina - E xk ur sion Danziger Kaufleute. 25 Danziger Firmen stehen m dauernder Geschäftsverbindung mit Palästina, Palästina-Miszellen Die letzte Sitzung des Waad Leumi befaßte sich — wie schon unser Korrespondent gemeldet — ausführlich mit der Frage des neuen Gemeinde gesetzt s. Ci: Regierung hat den in Vorbereitung befindlichen Entwuif dem Waad Leumi und der zionistischen Exekutive vertraulich zur Kenntnis gebracht, und die Exekutive hat in einer Eingabe sofort gegen den Entwurf Stellung genommen und seine Abänderung vor allem ln zwei Punkten gefordert: Erstens soll nach Auffassung der Exekutive die Gemeinde eine Zwangsgemeinde sein, zumindest für die Juden, die nicht ausdrück lieh ihren Austritt anmelden. Zweitens wird gefordert, daß die Unterstellung sämtlicher familienrechtlicher Angelegenlieiten unter die Rabbinatsgerichte nicht obligatorisch gelten solle, sondern nur für diejenigen Juden, die es wiinsehen. Die Diskussion im Waad Leumi galt vor allem der Kompetenzfrage. In erbitterten Reden wurde der ziouistischen Exekutive das Recht abgesprochen, in die Auto- 110mie des Jischuw einzugreifen. Ke Organisation des Jischuw sei lediglich eine Angelegenheit der Assefath N’iwcharim und des Waad Leumi. Nur die Revisionisten und die Frauen, deren Rechtsstellung durch den Entwurf gefährdet ist (infolge der Anwendung des rabbinischen Rechtes), verteidigten die Berechtigung der Exekutive zu einem Eingriff in das Verfahren, da das Gesetz nicht nur die Interessen der heutigen Bewohner Palästinas, sondern auch der künftigen Einwanderer berühre. Die Mehrheit des Waad Leumi ist jedoch gewillt, das Gesetz trotz seiner Mängel zu akzeptieren, damit diese Frage, die schon jahrelang offen ist, endlich gelöst wird, wodurch vor allem das Steuerrecht des Waad Leumi eingeführt würde. Der Waad Leumi beschloß demgemäß auch, dagegen Einspruch zu erheben, daß das Aktions-Comitü in dieser Sache bindende Beschlüsse faßt. Besonnene Politiker wie Dr. Glücksohn im ״Haarez“ anerkennen allerdings, abgesehen von der Frage der Kompetenz, die Berechtigung der Einwendungen der Exekutive gegen den Entwurf. Es ist schwer verständlich, daß der Waad Leumi in einer solchen Sache, die nicht nur die Organisierung der palästinensischen Juden, sondern den rechtlichen Status des National Home betrifft, den zionistischen Instanzen das Recht der Mitbestimmung versagen will. * Der Kampf, den die V *rcinigung der Haus- und Grundstücksbesitzer in Tel-Awiw gegen die in den Händen der Arbeiterpartei liegenden Stadtverwaltung führt, beschäftigt in Palästina noch immer sehr stark die öffentliehe Meinung. Wir haben schon berichtet, daß der genannte Verein sich in einer Eingabe an die Regierung gewandt hat, mit der Bitte, die Verordnungen der Stadtgemeinde als ungesetziieh und ungültig zu erklären, weil die Wahl zur Stadt- Verwaltung, tfc-r die heutige Leitung ihre Macht verdankt, nicht gesetzmäßig vor sich gegangen sei. Das Anfechtbare liegt darin, daß bei diesen Wahlen Nichtsteuerzahler mitgestimmt haben, im Verlaufe des Prozesses hat der Anwalt des Verbandes, Horace Samuel, auch das Argument vorgebracht, unter den Wählern hätten sich viele ausländische Juden befunden, die nach dem noch gültigen türkischen Gesetz nicht wahlberechtigt sind. Dieser Versuch des Ausschlusses der ״Ausländer“ von der Mitbestimmung innerhalb der 43 <יw»4mKh»ft, die *wir י JMshef^-purabei■: 1 milanten ln westjüdischen Gemeinden!rannten, hat einen Sturm der Entrüstung im Jischuw hervorgerufen. Daraufhin erklärte der genannte Verband, daß er dieses Argument nicht verwendet habe, doch geht, wie ״Haarez“ mitteilt, aus dem Protokoll der Gerichtsverhandlung hervor, daß es tatsächlich verwendet worden ist. Aber auch abgesehen von dieser unglaublichen Entgleisung hat die bloße Tatsache, daß von jüdischer Seite die Behörden angerufen werden, um die Autonomie der jüdischen Stadt zu untergraben, den schärfsten Widerspruch erregt. Die ganze Presse, die Zionistische Exekutive, der Waad Leumi, der Stadtrat von Te!-Awiw, haben sich mit dem Fall befaßt und sind einmütig in der Ablehnung. Unter dem Einfluß dieses öffentlichen Protestes haben die Vertreter des Verbandes, die Herren Ester mann und Schoschani, versucht, die Angelegenheit rückgängig zu machen. Dies ist aber unmöglich, da der Prozeß bereits im vorgeschrittenen Stadium ist; außerdem hat der Verband der Hausbesitzer die genannten Vertreter desavouiert und die Fortsetzung des Verfahrens beschlossen, da, wie der Verband in einer Erklärung in der Presse sagt, dem Zustand ein Ende gemacht werden müßte, daß Elemente, die in der Stadt nicht verwurzelt sind, und denen daher an deren Wohlergehen nichts gelegen sei, den entscheidenden Einfluß bei den Wahlen ausüben. Es ist bemerkenswert, daß in der Sitzung des Waad Leumi auch der Vertreter der bürgerlichen Rechten, Supraski, gegen die Handlungsweise des Verbandes Stellung nahm. Wie immer das Urteil des Gerichtshofs, dessen Vorsitzender Sir Thomas Haycraft ist, ausfailen wird, die Angelegenheit stellt einen gefährlichen Präzedenzfall dar und zeigt, welchen großen inneren Schwierigkeiten die Entwicklung der jüdischen Autonomie noch ausgesetzt sein wird. * Für Juden, die nach Palästina kommen, um dort zu leben, darf kein Unterschied in der öffentlichen Betätigung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gemacht werden. Selbstverständlich sind gewisse Bedingungen aufzustellen, die erweisen, daß der betreffende Jude nun wirklich Palästina als das Land seines ständigen Wohnsitzes betrachtet. Aber abgesehen hiervon widerspräche es der zionistischen Grundauffassung, weitere Unterschiede zu machen. Das bedeutet aber nicht, daß die Juden nun davon absehen können, palästinensische Bürger zu werden. Der Eintritt in den palästinensischen Staatsverband ist das Symbol der Schicksaisverbundenheit mit dem Lande. Vom Standpunkt des zionistischen Ziels könne® wir uns damit nicht begnügen, daß Juden als Ausländer im Lande wohnen. Mit Recht wurde daher das Naturalisationsgesetz mit Ungeduld von den Juden erwartet. Erst vor einem Jahre ist es verkündet worden, und obwohl es beträchtliche Mängel aufweist und nicht allen zionistischen Forderungen genügt, obwohl ferner die Durchführungsverordnungen und vor allem die hohe Gebühr von 1 Pfd. pro Person den besonderen Verhältnissen Palästinas nicht gerecht werden, so muß doch anerkannt werden, daß es gegenüber den analogen Gesetzen anderer Länder beträchtliche Erleichterungen bietet. Trotzdem haben die Juden bisher nur sehr wenig von der Möglichkeit der Naturalisation Gebrauch gemacht. Nach einer vom Waad Leumi veröffentlichten Statistik haben sich in diesem Jahre im ganzen 1800 Menschen (nach anderen Versionen »och weniger) zur Naturalisation gemeldet. Diese Gleichgültigkeit in einer so wichtigen Frage hat den Waad Leumi veranlaßt, eine energische Propaganda zugunsten der Einbürgerung zu entfalten. Auch die Exekutive hat eingegriffen und Col. Kish hat in einer Sitzung des Waad Leumi demonstrativ mitgeteilt, daß er selbst einen Antrag auf Einbürgerung gestellt hat. (״Times“ bemerkte dazu, daß dies der erste derartige Fall bei einem ״britischen Offizier“ sei). Die Sache wird von größter praktischer Bedeutung sein, wenn Wahlen zu irgendeiner öffentlichen Körperschaft vorgenommen werden. Zwar ist im Augenblick die Wahl des ״Gesetzgebenden Rates“ nicht aktuell, aber die Juden selbst fordern seit langer Zelt Neuwahlen in die Stadtgemeinde Jerusalem. Die Jerusalemer Stadtverwaltung ist zu zwei Dritteln arabisch und die jüdischen Beschwerden gegen sie wurden wiederholt der Regierung vorgetragen, sie waren auch der Gegenstand der Auseinandersetzung mit Storrs, die zu dem peinlichen Abbruch der Unterredung geführt haben. Storrs hat die Deputation min nochmals empfangen und hat zwar keineswegs die Wünsche der Judenschaft voll befriedigt, doch eine aus Arabern, Juden und Regierungsvertretern bestehende Kornmission zum Studium der Munizipalitätsangdegenhcitcn eingesetzt. Wenn es in Jerusalem zu Wahlen kommen sollte, werden die ausländischen Juden nicht wahlberechtigt sein. Dazu kommt noch, daß auf einen Teil der Chalukkah-Juden, insbesondere die orientalischen Juden, die politisch sehr rückständig sind, kein Verlaß ist. Dann würde, trotz Wahlen, das zahlenmäßige Uebergewicht der Juden in Jerusalem docli nicht zur Geltung kommen. Aus dieser Ueberiegung geht hervor, wie wichtig für den politischen Einfluß der Juden ihre Einbürgerung ist. Nur Kurzsichtigkeit kann annehmen, daß durch Nichteinbürgerung, durch ein Sitzen auf zwei Stühlen, individuellc Vorteile erreicht werden können. Für Zionisten dürfte es in dieser Frage keine Ueberiegung und kein Zögern geben. * Die Tageszeitung ״Dawar“ veröffentlicht einen ausführliehen Bericht über die Beratungen des erweiterten Rates der jüdischen Arbeiterorganisation betreffend das zionistische Budget für das kommende Jahr. Die Nachricht, daß die Exekutive ein Budget von 400000 Pfund vorschlägt, hat in den Kreisen der Arbeiterschaft große Besorgnis erregt. In der erwähnten Sitzung wurde vorgeschlagen, die Vertreter der Arbeiter müßten ein Budget von mindestens 600000 Pfund fordern, wobei 200009 Pfund als eine Anleihe des Keren Hajessod zu Lasten der Eingänge künftiger Jahre aufgenommen werden. Dieser besonders von Mereminsky vertretenen Anschauung trat Kaplan entgegen, der sich dafür aussprach, an dem realen und erreichbaren Budget festzuhalten und lieber die Aufmerksamkeit der Reorganisation der zionistischen Institutionen zuzuwenden. Interessant ist die Rede von Rubaschow, deren ersten Teil wir in folgendem wiedergeben: ״Die besondere Schwierigkeit für die Vertreter der Arbeiter im A.-C. liegt diesmal in dem Gefühl, daß die Tiefe des Not- Standes, in welchem wir im Lande leben, keineswegs in allen ihren Formen den Vertretern der Zionisten, die zu der Sitzung kommen werden, bekannt ist. In Polen kam die Vereinigung der innerhalb des Zionismus kämpfenden Richtungen zustande auf Grund eines abnehmenden Interesses an Palästina. In AimerBet,:ist;.:man. .:.*»&>־; der .,;Bekämpfung .desr,״ ilevisisnismus beschäftigt, und in Den t s c h l a nd hat ־ erst kürzlich Dr. Weizmann eine Rede gehalten, in der er sagte, daß die Arbeitslosigkeit viel weniger brennend ist als vor drei Jahren und daß wir sie bald überwunden haben werden. Zwei Tage vor der A.-C.-Sitzung versammeln sich die allgemeinen Zionisten zwecks — Kampfes gegen die Flügelgruppen. Unter den führenden Zionisten gibt es einige, die nur von Konferenz zu Konferenz zionistisch leben, und sie stehen noch immer in dem Kapitel, das sie am Schluß des vorigen Kongresses verlassen haben, als ob inzwischen nichts geschehen wäre. Wenn wir irgendeine Hoffnung an diese Sitzung knüpfen, so ist es die, daß es uns gelingt, den Geist der Wirklichkeit, so schwer wie sie in Wahrheit ist, in den Sitzungsraum zu bringen. Das ist die Aufgabe unserer Vertreter.“ Der Vorwurf, die Schwere der Wirklichkeit nicht zu erkennen, gilt wirklich für einen großen Teil der Zionisten, wenn auch nicht für alle. Es ist unbestreitbar, daß eine Erschütterung des zionistischen Bewußtseins dringend nottut. Diese wird aber nur dann fruchtbar sein, wenn sie sich nicht begnügt mit neuen Illusionen, wie etwa der Aufstellung eines Wunsch-Budgets, dessen Deckung nicht zu beschaffen ist, sondern wenn sie zu durchgreifenden Systemänderungen in unserer Wirtschaft den Mut findet. Wir hoffen, daß die Vertreter der Arbeiterschaft, die am besten die ungeheure Gefahr der heutigen Krise kennen müssen, dabei positiv mitwirken. Die Konferenz des liberalen Jndeatauw Die Eröffnung der Konferenz des liberalen Judentums in London vollzog sich am Sonnabend, den 10. Juli durch einen feierlichen Gottesdienst. Erschienen sind ungefähr 150 Delegierte und 350 Gäste aus verschiedenen Ländern. An der ersten Sitzung nahmen u. a. Herr Bernhard Baron und Lady Sassoon teil. Unter den zahlreichen angelangten Begrüßungen befand sich auch ein Schreiben. von Luigi Luzatti. Claude Montefiore führte den Vorsitz und erklärte in seiner Eröffnungsrede, daß die Konferenz, der liberalen Juden nicht im Geiste der Provokation gegenüber tiem orthodoxen Judentum einberufen sei. Auf der Konferenz seien Zionisten und Antizionisten vertreten, er schlage darum vor, daß die Konferenz davon absehe, sich mit dem Zionismus zu beschäftigen. Es sprachen noch u. a. Dr. S e 1 i g m a n n (Frankfurt a. M.), welcher das Judentum nicht nur als religiöse Gemeinschaft sondern als Brüderschaff bezeichnete und Heinrich Stern (Berlin). Am z w e i t e n Konferenztage wurden Referate von Rabbiner Schulmann aus Amerika und Dr. Max Wiener (Berlin) gehalten. ßficheraustaaseh Moskaa-Jerusaie״. Jerusalem, 11. Juli. (J. T. A.) Die Verwaltung der hebräischen Universität zu Jerusalem erhielt von der Moskauer Regierung die Mitteilung, daß ihr ein B ü c h e r a u stausch zwischen der Jerusalemer Universitätsbibliothek und den russischen Staatsbibliotheken erwünscht sei. Die Moskauer Regierung hat den Staatsverlag ״Gosisdat־‘ angewiesen, eine Auswahl seiner Publikationen der Jerusalemer Universitätsbibliothek zu übermitteln.

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