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Jüdische Rundschau · 1926-07-09 · Heft 53 (9.7.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 53 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 53 }UEDISCHE RUNDSCHAU Seite 391 XXL Delegiertentag €3* CD der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Erfurt im ״Kaiaersaal** vom 22.-24. August 1926. Tagesordnung: Erster Tug. Vormittagssitzung 10—2 Uhr: 1. Eröffnung des Delegiertentages durch den Vorsitzen- Iden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 2. Begrüßungen. 3.!Wahl des Büros. 4. Ansprache des Vertreters der Exekutive. 5. Referat des Vorsitzenden der Z. V. f. D.: ״Zionistische Arbeit in Deutschland.“ Nachmittagssitzung 4—8 Uhr: 1. Bericht des Wahlprüfungsausschusses. 2. Generaldebatte. 3. .Wahl des Permanenzausschusses. Abendsitzung, Beginn 10 Uhr: Geschlossene Sitzung der Vertrauensleute des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth unter Teilnahme der Delegierten und Ersatzdelegierten. 1. Keren Hajessod-Arbeit in Deutschland. 2. Keren Kajemeth-Arbeit in Deutschland. Zweitor Tag. Vormittagssitzung 10—2 Uhr: 1. Referat Dr. Kanowitz: ״Die zionistische Jugendbewegnug in Deutschland.“ 2. Referat Dr. Wolfsberg: ״Das zionistische Bildungsproblem in Deutschland.“ 3. Aussprache. Nachmittagssitzung 4—7 Uhr: 1. Fortsetzung der Aussprache. 2. Referat Dr. Buber: ״Volkserziehung als unsere Aufgäbe.“ 3. Aussprache. Der Abend bleibt frei für Sitzungen von Kommissionen und Fraktionen. Dritter Tag. Vormittagssitzung 10—2 Uhr: 1. Referat über ״Innerzionistische Politik.“ 2. Referat über ״Probleme des Palästina-Aufbaus.“ (Die Namen der Referenten werden noch bekanntgegeben.) 3. Aussprache. t\ Nadimittagssitznng, Beginn '■Uhr. ׳ ־ י־ 1. Fortsetzung und Schluß der Aussprache. 2. Anträge. 3. Wahlen. v Dem in Broschürenform vorgelegten Tätigkeitsbericht des Präsidiums an den Delegiertentag, der anfangs August erscheint, wird als Anlage ein alphabetisch geordnetes Verzeichnis der Beitragsleistungen aller Zionisten für das erste Halbjahr 1926 beigegeben sein. Aus drucktechnischen Gründen können in diesem Verzeichnis nur Beiträge berücksichtigt werden, die bis spätestens 15. Juli bei der Z. V. f. D. eingehen. Wir nehmen an, daß alle Gesinnungsgenossen Wert darauf legen werden, in diesem Verzeichnis mit entsprechenden Beiträgen ausgewiesen zu sein. Wahlvorschriften. Die für die Wahlen zum Delegiertentag Wahlvorschriften sind in Nr. 13 schau“ vom 16. Februar Ortsgruppen stehen auf Wunsch zur Verfügung. festgesetzten der ,J ü d i s c h e n Rundveröffentlicht worden. Den Exemplare der Wahlordnung Wir veröffentlichen nachstehend die wichtigsten Wahlbestimmungen: Die Wahlen zum Delegiertentag finden in den Tagen vom 8. bis 15. August einschließlich statt. Sämtliche wahlberechtigten Gruppen müssen ihre Mitgliederliste mit genauer Aaressenangabe der einzelnen Mitglieder bis zum 15. Juli an *das Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einschicken. Die Gültigkeit der Wahlen hängt davon ab, daß die oben erwähnten finanziellen Verpflichtungen vor Vornahme der Wahlen erfüllt sind. Die Gruppen müssen daher dafür sorgen, daß die Zionistensteuer-Beiträge für das erste Halbjahr 1926 bis spätestens 30. Juli beim Büro der Z. V. f. D. eingehen, und sie müssen bis zum gleichen Tage die Landesbeiträge für 1925 und das erste Halbjahr 1926 für alle diejenigen Mitglieder in bar überweisen, deren Beitrag zur Zionistensteuer für 1925 und für das erste Halbjahr 1926 bis zu dem genannten Termin bei der Zentrale der Zionistischen Vereinigung für Deutschland nicht eingegangen ist. Der Wahlprüfungsausschuß wird kein Mandat anerkennen, für das die finanziellen Voraussetzungen seiner Gültigkeit nicht gegeben sind. Die Wahlresultate müssen dem Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sofort nach Abschluß der Wahlen, spätestens jedoch bis zum 17. August einschließlich, unter Einsendung eines sorgfältig ausgefüllten und von drei Mitgliedern der Wählleitung eigenhändig unterschriebenen Wahlprotokolls gemeldet werden. Da die Mitglieder des Zentralkomitees als solche auf dem Delegiertentag Sitz — wenn auch kein Stimmrecht — haben, da andererseits die zur Entsendung von Vertretern ins Zentralkomitee berechtigten Gruppen diese Vertreter wechseln können, haben die in Betracht kommenden Gruppen dem Büro vor Beginn der Wahlen, d. h. spätestens 30. Juli, mitzuteiien, ob personelle Veränderungen bezüglich ihrer Vertretung im Zentralkomitee eingetreten sind. Das Präsidium der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wird hinsichtlich später einlaufender Meldungen beim Wahlprüfungsausschuß die Ungültigkeitserklärung beantragen, da eine nur zwecks Teilnahme am Delegierten* tag erfolgende Nominierung in das Zentralkomitee dem Sinn des Statuts widerspricht. Die Wahlvorschläge (in Ortsgruppen, wo laut Statut Verhältniswahlen stattfinden) müssen an die Ortswahlkommission bis spätestens 1. August eingereicht und von der Ortswahlkommission in der Reihenfolge ihres Eingangs bis spätestens 3. August in ortsüblicher Weise bekanntgemacht werden. Die Verbindung von Wahlvorschlägen muß der Ortswahlkommission spätestens bis zum 4. August . mitgeteilt und von der Ortswahlkommission bis spätestens 6. August auf ortsüblichem Wege bekanntgegeben werden. Das Präsidium der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Blumenfeld. Rosenblüth. Schwarz. Die Sltznng der WIZ0 i■ Berlin Nach der unglücklichen Tagung der Wizo in Wien, August 1925, war eine Schwächung der gemeinsamen Arbeit innerhalb der Weltorganisation Zionistischer Frauen eingetreten, welche sich verhängnisvoll fühlbar machte. Der Zusammenhang hatte sich gelockert, zu sehr waren Gegensätze innerhalb der Arbeitsmethoden einzelner Länder hervorgetreten. Namentlich schien eine Verständigung zwischen den Landesföderationen Mitteleuropas und Englands schwer möglieh, da erstere das Schwergewicht auf die Oalutharbeit zu legen begannen, weil in diesen Ländern ein ganz anderes Ausmaß von Pflichten und Forderungen, namentlich auf dem Gebiete der Chaluzfürsorge, an die zionistische Frau herantritt. Auch das geistige Band zwischen den einzelnen Ländern ließ zu wünschen übrig. Auf die vom Zentralbüro in London ausgegebenen Rundschreiben und Anregungen wurde wenig oder gar nicht reflektiert. Dennoch wurde stark das Bedürfnis nach kultureller, national erzieherischer Arbeit von allen Landesorganisationen empfunden und in einzelnen auch auf eigene Faust betrieben (namentlich in Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei), während zum Beispiel die Balkanländer dem dort besonders fühlbaren Bedürfnis nach geistiger Anregung nicht nachkommen konnten. Durch den Mangel an innerem Zusammenhalte war nicht nur der äußere Rahmen der Organisation geschwächt, sondern auch die Aufbringung des Palästina-Budgets hatte empfindlich gelitten. Unter solchen Voraussetzungen wurde zum erstenmal das Aktionskomitee (auf gemeinsamen Beschluß nunmehr im Council umbenannt) in Berlin zusammengerufen. Diese mehrere Tage intensivster Arbeit währende Sitzung war für alle Teilnehmerinnen eine erfreuliche Ueberraschung: Es zeigte sich nämlich, wie sehr letzten Endes doch alle Lebensföderationen dasselbe anstreben und wie bei dem guten Willen, der in höchstem Maße vorhanden war, auch Mittel und Wege ausfindig gemacht werden konnten, um über alle etwa vorhandenen Gegensätze hinweg zu grundsätzlicher Einigung zu gelangen. Vertreten waren nebst den Mitgliedern der Exekutive die Länder Mitteleuropas, des Balkans, Holland und England. Den Vorsitz führte zu Beginn der Tagung Frau S. Wronsky, die verdienstvolle Leitenn des Bundes zionistischer Frauen in Deutschland. Nach deren herzlicher Begrüßung des Council ergriff Frau Goodman (London, Mitglied des Präsidiums und der Exekutive der Wizo das Wort zum Berichte der Exekutive. Eine lebhafte und fruchtbare Debatte folgte, in der die Vertreterinnen fast aller Länder zu Worte kamen. Jm Vordergründe der Verhandlungen standen folgende Probleme: 1. Die Frage der Organisation bzw. Zentralisation oder Dezentralisation der Arbeit (hierher gehört auch die Frage der etwaigen Verlegung des Hauptbüros der Wizo nach Palästina, die indessen noch nicht spruchreif erscheint). 2. Die Aufbringung des Palästina-Budgets trotz der Verpflichtung der Zionistischen Frauenverbände namentlich des Kontinentes zur Beteiligung an der Galutharbeit (in erster Linie Chaluzfürsorge). 3. •Erweiterung der zionistischen Propagandaarbeit (vornehmlich auf kulturellem Gebiete) unter den Frauen und Mädchen, da es die Wizo als ihre Aufgabe anerkennt, innerhalb der Sphäre der Frau an der nationalen Erziehungsarbeit wesentlichen Anteil zu nehmen. Die Debatte, an der namentlich Frau Professor Steiner, Prag, hervorragenden Anteil nahm, ergab, daß wohl unter keinen Umständen die Aufbringung des Palästina-Budgets vernachlässigt oder auch nur an zweite Stelle gedrängt werden dürfe, zumal da die Wizo an die Erweiterung ihrer praktischen Aufgaben in Palästina durch die Unterstützung zweier landwirtschaftlicher Mädchenkwuzoth schreitet (Bericht Frau Sie ff, London, Mitglied des Präsidiums und der Exekutive), daß aber die weitgehende Verpflichtung der kontinentalen Landesverbände zu produktiver, nationaler Galutharbeit anerkannt werden müsse. Es wurde beschlossen, ein Subkomitee zum Studium des Umfanges dieser Aufgabengebiete einzusetzen. Fernerhin wurde die Errichtung einer Zentralstelle für kulturelle Arbeit unter den jüdischen Frauen und Mädchen mit dem vorläufigen Sitz in Wien (Leitung Dr. Martha H o f m a n n) beschlossen. Ein aus hervorragenden Mitgliedern der einzelnen Landesföderationen gebildetes Komitee soll die Zentralstelle bei der Durchführung ihres Aufgabengebietes unterstützen. Namentlich wurde von Dr. Hofmann die Herausgäbe eines Jahrbuches der Jüdischen Frau (Anregung Frau Gertrud Weil im Rundschreiben des Bundes Zionistischer Frauen in Deutschland) sowie die Schaffung des Archivs der Jüdischen Frau, verbunden mit einer Lichtbilderzentrale, empfohlen. Die Zentralstelle will in vierteljährlichen Publ!־ kationen alle Landesföderationen über das gesammelte Material aut dem laufenden halten, sowie bibliographische Mitteilungen und Anregungen auf dem Gebiete nationaler Selbstbildung und Erziehung veröffentlichen. Namentlich soll dies auch zu näherer Zusammenarbeit mit den Mädchengruppen (Juniorgruppen) führen, da zweifelsohne zwischen Mädchen- und Frauenarbeit engste Interessengemeinschaft besteht und die Mädchen die Arbeit der älteren Generationen übernehmen werden. Nach eingehender Besprechung des Arbeitsprogramms für 1926/27 und Annahme wesentlicher Resolutionen schloß die inhalts- und ergebnisreiche erste Sitzung des Councils, welche zur Ueberwindung der Krise innerhalb der Wizo geführt und alle Teilnehmerinnen mit dem Streben nach intensivster Gemeinsamkeit der Arbeit erfüllt hat. Martha Hofmann. Der Niaeru clausis 11 Uigari Budapest, 4. Juli. (J.T.A.) Ungarische Zeitungen wußten dieser Tage ״aus gut informierter Quelle“ mitzuteiien, daß man im Kultusministerium ein Gesetzprojekt betreffend Abänderung des Numerus clausus-Gesetzes vorbereitet, welches der Herbstsaison des Parlaments unterbreitet werden soll. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, sieht das Projekt eine unbeschränkte Aufnahme von Juden in die Hochschulen vor, dagegen sollen gewisse Beschränkungen bei der Ausgabe von Diplomen an jüdische Hochschulabsolventen bestehen bleiben, bzw. neu eingeführt werden. Auch sollen bei Aufnahme von Absolventen in Staatsämter Beschränkungen gegen Juden bestehen. NDchaals: C.-V. und Palästina-Anlbau Im Münchener ״Jüdischen Echo“ kritisiert Binj a m i n Segel, der bekannte Schriftsteller und jahrelange Mitarbeiter des Central-Vereins, die ablehnende Haltung des C.-V. zum Palästinaaufbau, durch die sich der C.-V. ״in einem schroffen Gegensatz zu dem Empfinden und Sehnen der . uden aller Länder stellt.“ Bei dieser Gelegenheit berichtet Segel, gewiß ein für Nichtzionisten unverdächtiger Zeuge, über die Haltung des ehemaligen Vorsitzenden des C.-V., Eugen Fuchs, den der C.-V. noch heute als seinen Führer bezeichnet, folgende — den Eingeweihten übrigens lange bekannten — Tatsachen: ״Im Frühjahr 1919, lange bevor die Friedenskonferenz in Versailles zusammen trat, berief das Auswärtige Amt eine Sachverständigenkommission zusammen, die eine Beratung abhielt über jüdische Fragen und die Forderungen aufstellte, welche die deutsche Friedensdelegation im Interesse der Gesamtjudenheit der Friedenskonferenz vorlegen sollte... Soweit ich mich erinnere, nahmen an der Beratung u. a. teil Hermann Sfruck und Eduard Bernstein. Der prominenteste unter allen war Eugen Fuchs, der natürlich in dieser Versammlung der maßgebendste war, als Persönlichkeit sowie als Führer der stärksten und zahlreichsten jüdischen Organisation Deutschlands. Eine der ersten Forderungen, die laut Beschluß dieser Versammlung unter die Aegide des Auswärtigen Amtes, die deutsche Friedensdelegation in Versailles zu vertreten hatte, lautete: daß für Palästina solche politische, administrative und ökonomische Bedingungen festgesetzt werden, daß seine Entwicklung zu einem von der Gesamtjudenheit getragenen autonomen Gemeinwesen (Commonwealth) gesichert wird.“ Das ist buchstäblich das Programm der Zionisten, welches hier vom Auswärtigen Amte unter Zustimmung von Eugen Fuchs gutgeheißen und als Forderung auf gestellt wurde, die die deutsche Friedensdelegation in Versailles zu vertreten hatte. Diese Forderung ging eigentlich über das Programm der Zionisten weit hinaus, denn unter den 85 kolonialen Be- Sitzungen, die England damals hatte, bildete ein ״Commonwealth“ den höchsten Rang, der sie an Souveränität dem Mutterlande fast gleichstellte. Australien z. B. war eine ,,Commonwealth“, Kanada aber bloß eine ״Dominion“ Aegypten wurde im Kriege zu einem ״Protektorate“ erhoben. Soweit reichte der Ehrgeiz der palästinischen Juden nicht, daß das Land gleich zu einem ״Commonwealth“ gemacht würde. Schließlich ist man zufrieden, daß es ein ״Mandat“ ist. Jedenfalls ist es unbestreitbar, daß das Auswärtige Amt und der Präsident des Central- Vereins, Eugen Fuchs, die Arbeit am Aufbau Palästinas vom deutschen Standpunkt nicht als ein unpatriotisches Werk betrachteten.“ Weiter bespricht Segel die Tatsache, daß in diesem Pro-?. . . . ־־"־* ־ ' ' * * ׳ ־ J:־ diesem Postulat widersetzt, worauf ihn Eugen 1־ ucns zu .einer Besprechung einlud und ihm auseinandersetzte, ״daß diese Forderung in erster Reihe auf Palästina gemünzt wäre; was Polen und die anderen neugebildeten Staaten anbetrifft, so könne es ja nicht schaden, daß man diese. Forderung aufstellt; dadurch würde man wenigstens erreichen, daß die bürgerliche Gleichberechtigung nicht angetastet würde“. Eine interessante Zeugenaussage! Man sieht, daß die Politik des C.-V., heute das Palästinawerk־ als mit deutsch«» Patriotismus unvereinbar zu diffamieren, keineswegs logischer Ueberzeugung entspricht, sondern — eben ״Politfr* im schlechten Sinne des Wortes ist. Die Not 4er russisch-Ifldlsdiea nodittligc In Genf befindet sich zur Zeit eine Delegation des Berlin« ״Verbandes russischer Juden in Deutschland“, bestehend aus dem Vorsitzenden des Verbandes, Wirk!. Staatsrat Jakob T e i t e 1, und dem Leiter der juristischen Abteilung, Rechtsanwalt Alexis Golden weiser. De Delegation hat das Ziel, bei den zuständigen Behörden des Völkerbundes über die kritische Lage der russisch-jüdischen Flüchtlinge in Berlin Bericht zu erstatten. De Delegation wandte sich zunächst an den Leiter des ״Service des mugies russes“ beim Internat!onalen Arbeitsamt, M a j o r J o h n son. Sie unterbreitete Herrn Johnson eine Reihe konkreter Vorschläge zur Linderung der ungeheuren Not der Flüchtlinge. So stellte sie ein Gesuch, daß dem ״Verband russischer Juden“ ein Umsatzfonds von 5000 Dollar zur Verfügung gestellt sein solle, aus welchem der Verband kurzuna langfristige Anleihen an Handwerker und Kleinkaufleute gewähren könnte. Sodann regte sie an, daß die Beträge, die aus der von der letzten Paßkonferenz geplanten 5-Francs-Steuer für die Nansenpläne zufließen werden, wenigstens teilweise wohltätigen Flüchtlingsorganisationen zur Verteilung an die notleidenden Flüchtlinge zugeführt würden. Endlich reichte die Delegation ein ausführliches Memorandum über die rechtliche Lage der staatenlosen Arbeiter in Deutschland ein und bat das Internationale Arbeitsamt, bei der deutsehen Regierung eine Abschaffung oder wenigstens eine MHderung der Beschränkungen des Rechts auf Arbeit für die staatenlosen Flüchtlinge anzuregen. Staatsrat Teitel un<J» Dr. Goldenweiser wurden sodann vom Drektor des Arbeitsamtes, Albert Thomas, empfangen. Herr Thomas äußerte sich zu den Vorschlägen der Delegation sehr wohlwollend und sprach sein prinzipielles Einverständnis mit denselben aus. Die Delegation verhandelte ebenfalls mit dem Leiter der Abteilung für Arbeitslosigkeit des B. LT., Herrn Henri Fuß, über die Lage der arbeitslosen ostjüdischen, insbesondere polnischen Arbeiter in Deutschland, denen wegen Mangels an Gegenseitigkeit keine Arbeitslosenunterstützungen gewährt werden. Sie bat das Internationale Arbeitsamt, eine entsprechende Vereinbarung zwischen der deutschen und der polnischen Regierung anzuregen. Der MifratiMskoifreB 114 4it Freizügigkeit Wie der Jüdischen Telegraphenagentur von jüdischen Teilnehmem an dem vor kurzem in London abgehaltenen Welt- Wanderungskongreß mitgeteilt wird, hat sich in der Hauptkommission des Londoner Weltwanderungskongresses die überwiegende Mehrheit der Delegierten für das Prinzip der Freizügigkeit ausgesprochen, die nur aus wii* schaftlichen Gründen vorübergehend eingeschränkt wer» den dürfe. Besonders scharf haben sich u. a. für die Festhaltung an diesem Grundsätze die Vertreter des Weltverbandes Poale Zion und der palästinensischen Arbeiterschaff ausgesprochen. Nur um die einstimmige Annahme die Resolutionen zu sichern, wurde diese Frage ausgeschaltet und der Standpunkt der Mehrheit in einer vom Sekretär der sozialistischen Arbeiterinternationale, FriedrichAdler, abgegebenen Erklärung im Plenum des Kongresses niedergelegt. __ Am 6. Juli sind Bialik und Doktor Schmarjahu Lewin von Amerika abgereist. Sie kehren wieder nach Palästma zurück.

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