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Jüdische Rundschau · 1926-07-09 · Heft 53 (9.7.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 53 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 300 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 53 Geroeindegesetz-Einbürgerungsgesetz Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.-O. Jerusalem, den 30. Juni 1926. In den lei/ton Tagen trat in Jerusalem der Waad Leu m i zu einer zweitägigen Sitzung zusammen. Oie Beratung, die an Beschlüssen keine besonderen Neuerungen brachte, wies eine Tagesordnung auf, die einen wichtigen Teil der innerpolitischen Probleme umfaßte. Die Versammlung trug wie heute alle, den Stempel der Stunde, eine Ueberfüllc von Aufgaben, die zu den Kräften, die sie bewältigen sollen, in keinem Verhältnis stehen. Sie bewies außerdem, daß der Jischuw noch weit mehr lernen muß, Geduld zu haben und zu warten als bisher. Und sie zeigte weiterhin, das die politische Arbeit im Lande von größter Bedeutung ist, als Grundlage unserer wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Auf der Tagesordnung standen unter anderen folgende zwei Punkte: Die Bestätigung des Gemeindeges e t z e s und das E 111 b ü r g e r u n g s g e s!• t z. lieber die beiden Punkte debattiert und verhandelt m״ . , Lande bereits seit langem. Das Gemeindegesetz wurde ״och zu Zeiten Samuels vorbereitet und hat in seiner Bestätigung durch die Regierung eine Verzögerung erfahr•״, als die konservative Partei die Labour Party in der LT; r der Geschäfte Groß- Britanniens ablöste. Die Bedeutung׳ des Gesetzes für die Autonomie des Jischuw braucht nicht noch einmal ausgeführt su werden. Es sei nur bemerkt, daß damit der palästinensischen Judenheit endlich die Möglichkeit gegeben wird, für kulturelle Zwecke Steuern zu erheben und daß der Waad Leumi und die Assefat Haniwcharint als geseizlich anerkannte Körperschaften die notwendige Autorität und Kompetenz erlangen. In diesem Sinne ist das Gesetz zu begrüßen und wird schon seit langem im Jischuw mit Ungeduld erwartet. Jedoch herrscht irn Lande eine gewisse Skepsis gegenüber der von der Regierung verlangten Form dieser Bill, da sie nur in gewissen Teilen dem entspricht, was wir von ihr erwarten. Es ist hier nicht möglich, auf die einzelnen Punkte, die Widerspruch erregen, genauer einzugehen. Auch im Jischuw sind heute noch die Meinungen geteilt, was die endgültige Form der Selbstverwaltung a!»betrifft. Was an dem vorliegenden Vorschlag insbesondere angegriffen wird, ist die Tatsache, daß die Gemeinde nicht auf nationalerGrundläge auf ge baut werden soll, sondern religi* Ösen Charakter trägt. Dazu ist der Beitritt zur Gemeinde keine Verpflichtung, sondern es ist der Entscheidung des einzelnen überlassen, ob er sich dem Verband anschließen will oder nicht. Daraus ergeben sich zwei Gefahren: Da es keine einheitliche, national bestimmte Gemeinde gibt, kann sich an jedem Orte eine Gemeinde bilden, die besonderen Charakter trägt. Freilich nur eine an jedem Orte, aber es ist klar, daß an den Stellen, in denen z. B. die Agudah Einfiuß besitzt, sich eine Gemeinde bilden wird und muß, die unserer nationalen Disziplin nicht untersteht und ein abgesondertes Dasein in anderen Formen und anderen Gesetzen führt. Außerdem werden wir nur moralische Mittel haben um den einzelnen Juden zu bewegen, sich der Gemeinde anzuschließen und sich ihren Pflichten zu unterwerfen, und wir werden machtlos sein, wenn sich Personen finden, die aus irgendwelchen Gründen beiseite stehen, es sei, daß sie die Steuern nicht zahlen wollen oder sonst irgendwelche Hemmungen besitzen. Zu allem anderen wird durch das Gemeindegesetz das gesamte Familienrecht unter das Rabbinat gestellt, was für viele Freidenker an sich I große Schwierigkeiten bedeutet und insbesondere in manchen Gebieten — zum Beispiel der Steilung der Frau —• von ganz anderen Begriffen ausgeht, als sie in den, ausschlaggebenden Kreisen des Jischuw gangbar sind. ■ Aus diesen und anderen Gründen heraus hat man der Bestätigung des Gemeindegesetzes mit geteilten Gefühlen entgegengesehen. Der Waad Leumi führt seit Jahren einen schweren Kampf mit der Regierung, um diesen und jenen Paragraphen zu ändern, aber dieses gelang nur in Einzelheiten. Selbstverständlich wendet sich die Gegnerschaft des Jischuw auch in diesem Falle in der Hauptsache gegen die Regierung. Aber viele der Beschwerden sind nicht an der richtigen Stelle. Um die ganze Schwierigkeit und Komplikation der Lage zu erkennen, genügt es, eine kleine Tatsache zu überlegen. Die Regierung hat zurzeit vier Vorlagen des Ciemeindegesetzes: eines vom Waad Leumi, ein zweites von der zionistischen Exekutive, die in letzter Stunde noch versuchen will, einige Aenderungen durchzusetzen, ein drittes von der Gruppe des Ravv K u k und ein viertes von der des Raw Sonnenfeld. Es leuchtet ein, einen wie sonderbaren Eindruck diese Zersplitterung auf die eng'Pchen Behörden machen muß. Es ist freilich auch bei anderen Völkern so, daß die einzelnen Kreise und Schichten über politische Aktionen ihre besondere Meinung haben, aber nach außen hin agiert_ notwendigerweise diejenige Richtung, die am Ruder ist. Bei uns kann davon nicht die Rede sein. Wir sind den Aktionen der einzelnen Teile wehrlos ausgeliefert und tun das llngliick vollzumachen, fehlt sogar zwischen dem Waad Leumi und der Exekutive ein wirklich lebend i g c r und enger Kontakt, der ein produktives Zusammenarbeiten verbürgt. Unter diesen Verhältnissen, die bei uns herrschen — und unter ״wir“ müssen wir in diesem Falle alles verstehen, was den Namen Jude trägt, weil die Unterscheidungen für den Außenstehenden kaum recht zu begreifen sind — wird es etwas schwer, die Regierung zum Sündenbock für alles und jedes zu machen, was in Palästina nach und nach fast zur Gewohnheit wird. Man kann zudem von den englischen Instanzen nur schwer verlangen, daß sie sich in den sechs Jahren der palästinensischen Zivilverwaltung in ein ganz fremdes Temperament hineindenken, das ganz anders vorwärtsdrängt als sie und ganz andere Begriffe und Voraussetzungen hat. Für den Engländer sind sechs Jahre eine sehr kurze Zeit für die Formulierung und Durcharbeitung eines Gesetzes, und er ist gewohnt, seine diesbezüglichen Vorschläge langsam durchzuprobieren und im Laufe von Jahrzehnten zu ändern. Außerdem muß die Mandatsregierung auch mit den Teilen der Juden rechnen, die nicht durch die zionistische Organisation vertreten sind. Wir sind nur allzu geneigt, diese Schichten, die sich von uns absondern, zu vergessen und zu ignorieren, aber sie haben ihre fcstumrissenen Bedürfnisse und wissen sie gut zu verleidigen. Unter diesen Umständen werden wir noch lange mit einem Gemeindegesetz vorlieb nehmen müssen, das nur zum Teil unseren Ansprüchen und Vorstellungen entspricht. Und es hilft dabei nichts, die Dinge nur von unserem Standpunkt anzusehen, von dem aus ■unsere Forderungen selbstverständlich, natürlich und logisch sind. Erst sehr langsam wird sich eine Umformung ins Einheitlich-Nationale durchführen lassen. Unterdessen wird die nationale Disziplin, für die in Palästina weitgehendstes Verständnis vorhanden ist, so manchen gesetzlichen Zwang ersetzen müssen. Auch was das Einbürgerungsgesetz betrifft, gilt manches von dem Vorhergesagten. Es ist vollkommen richtig, daß das Gesetz, über das wir bereits mehrfach sprachen, große Mängel aufweist. Die hohen Gebühren, die langwierige und langweilige Prozedur und die gewissermaßen zweitrangige Stellung, die dadurch zustande kommt, daß der Palästinenser im Gegensatz zum Ausländer dem Rabbinatsgericiit untersteht, sind fraglos schwere Mängel. Aber auch hier kann man nicht einfach mit dem Argument kommen, daß das Mandat große Erleichtern!!- gen für die Naturalisation vorschreibt. Die Einbürgerung von Tausenden ist ein Prozeß, dem England naturgemäß mit größter Vorsicht gegeniiberstcht. Die Regierung richtet sich nach den Verhältnissen anderer Länder ihrer Einflußsphäre und wird nur langsam den ganz besonderen und komplizierten Bedingungen Palästinas Rechnung tragen können. Das zeigt ganz deutlich ihre Argumentation, die durchaus typisch ist für eine langsam arbeitende, empirisch untersuchende Administration. Es sei im übrigen bemerkt, daß diese Ausführungen nicht den Zweck haben, für die Regierung eine Lanze zu brechen. Aber es scheint notwendig, dem Feldgesclirei gegen die Regierung, das schon fast mechanisch zu werden beginnt, auch einmal die Argumente der korrespondierenden Seite entgegenzuhalten, sich gewissermaßen von den Bedürfnissen des Augenblickes freizumachen und zu verstehen, daß es sich in vielen Fällen um lange dauernde und sehr komplizierte Prozesse handelt. Und noch etwas: Der Jischuw selbst hat heute noch nicht den Grad der Konsolidierung erreicht, der eine einheitliche Politik nach außen garantiert. Das hat uns erst in allerletzter Zeit die Art des Kampfes uni die Munizipalität in Tel-Awiw bewiesen. Unter diesen Umständen tut gelegentlich eine Selbstkritik und Selbsterziehung ebenso oder mehr not, als die Entrüstung gegen die Behörden, die sich erst langsam und immer mit Rückschlägen den besonderen palästinensischen Aufgaben anpassen werden. * Jerusalem, 29. Juni. (J. T. A.) Der Waad Leumi beschloß in seiner letzten Sitzung, ein Begriißungstelegramm an die Mitglieder seiner Abordnung nach Genf zu senden, in welchem die Zufriedenheit mit dem Erfolg der Mission ausgedrückt wird. In der Entschließung wird gesagt, es sei den Mitgliedern der Abordnung, Rabbi U s i c I, Dizengoff und Dr. Arlosoroff, gelungen, obwohl sie offiziell nicht empfangen worden sind, hei den Kreisen des Völkerbundes Verständnis und Sympathie für die Anstrengungen der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu wecken. ln der gleichen Sitzung beschloß der Waad Leumi die Schaffung eines speziellen Finanzinstituts für Krediigewährung an die jüdische Bevölkerung und Ausführung von öffentlichen Arbeiten zwecks Behebung der Arbeitslosigkeit in Palästina. Richard Beer-Hofmann 60 Jahre Dieser Mensch inmitten unserer Tage ist eine Denk- Würdigkeit. Er ist nämlich ein Dichter, ein wirklicher Dichter, dessen Amt es ist, wesentliche Erkenntnisse vom Sein und Schicksal des Menschen und der Welt in Anschauung umgesetzt auszusprechen. Und gleichgültig, ob Beer-Hofmann ein guter Dichter ist oder schlechter wäre: schon durch diese Tatsache allein wird er inmitten einer auf Aktualität eiligestellten Welt denkwürdig wie der Ueberrest einer alten Zeit. Mit 60 Jahren — was hat er veröffentlicht? Ein Gedicht, eine Rede, eine Novelle, ein Vorspiel und ein Drama. Aber freilich ist das Gedicht das ״Schlaflied an Mirjam“, die Rede jene ״Gedenkrede auf Wolfgang Arnade Mozart“, die Novelle ״Der Tod Georgs“, das Vorspiel ״Jaakobs Traum“ und das Drama ״Der Graf von Charolais“. Von einem so schmalen Werk vertreten steht die Gestalt Bcer-Hofmanns hinter den literarischen Kampagnen der Gegenwart. ״Genies“ werden entdeckt und verfallen den Schatten, Stile werden gemanaged und flauen wieder ab, auf einen Ismus folgt ein anderer, Wien kann sich vor Talenten kauin retten. Und wenn einmal ein Augenblick der Musterung und Sammlung kommt, steht hinter all der Flut bedruckten Papiers wie ein Stein während des Regens das kleine Werk: und siehe da, cs hat sich nicht verändert; es war bald sichtbar, bald weniger sichtbar, wie Steine im Regen zu sein pflegen, bald, naß glänzend vor Aktualität, bald leicht eingestaubt vor äugenblicklichcr Nichtbeachtung — aber seht hin, da Ist es. Wo aber finden wir die Vorkämpfer all der Epochen seit 1900, Leute, die gewiß so berühmt waren wie heute Herr Bronnen? Sie sind samt Spiegelmensch und Kulka verdunstet; aber das Werk dieses Sechzigjährigen ist da. Und noch heftiger da ist seine Gestalt. Wese vornehme reservierte geistige Gestalt eines Dichters in der Nähmaschinen- und Rundfunkzeit, schwer an Gehalt, ein Seigneur an Noblesse. Und einer jener Juden, die die Freiheit haben, zu schreiben, was sie wollen, weil sie ihre jüdische Sache zunächst einmal in Ordnung gebracht haben! Das innerlich Anerkannte des jüdischen Seins, das Beer-Hofmann umschließt, von dem er sich getragen fühlt und das ihn vielleicht auch schwer macht, steinern macht inmitten der versprühenden Regentropfen, gibt ihm jenen inneren Zugang, den er von seinem eigenen Wesen her zu aller Weit Wesen hat. Denn erst wenn man mit sich selber im reinen ist, kann man andere und anderes ins reine heben. Als einer der wenigen Munde, mit, denen das verschüttete Edelgut jüdischen Daseins sicli der Weit kundtut, genießt Beer- Hofmann schon sehr viele Jahre die Verehrung der Juden. Und er wird sie immer genießen, denn er hat das Unverändcrliche aus sich heraus gestellt, und sich selbst damit zum Range des Unveränderlichen erhoben. Es gedenken an diesem Tage nicht mir wir seiner; aber wir werden, ohne die Familiarität, die sich bei heutigen Juden allzu leicht einstellt, dennoch von einem inneren Kreise her ihm den Dank und den Wunsch zu weiteren Schöpfungslustren zurufen: Dank für das schmale Werk und die Hoffnung auf das reiche. Arnold Zweig. ZeitsdirittenschiH Soeben ist das erste Heft einer neuen Vierteljahresschrift, ״Die Kreatur“, im Verlage Lambert Schneider (Berlin- Dahlem) erschienen. Herausgeber sind Martin Bub er, Prof. Dr. Victor von Weizsäcker und Prof. Joseph Wittig: ein Jude, ein Protestant und ein KathoUk. fee Zeitschrift ist der Versuch gemeinsamer Rede und Aussprache von Menschen, die sich der Legitimität religionhafter Sonderungen bewußt sind und dennoch ihr ״namenloses Bündnis an der von ihren Wahrheiten aus verschiedenen, aber von der Wirklichkeit der Erfüllung aus gemeinsamen Richtung“ haben. Der Titel der Zeitschrift schon besagt, wo die Gemeinsamkeit liegt; in der Bejahung der ״Geschöpflichkeit der Welt, der Welt als Kreatur“. Aus dem Inhalt des ersten Heft« dieser bedeutsamen Neuerecheinung, auf die wir noch zurückkommen werden, nennen wir als für unsere Leser besonders interessant die ״Rede über das Erzieherische“ von Martin B u b e r, sowie ״fee Schrift und das Wort“ von Franz Rctseazweig Vom fttdlschei Sefmklib 1■ Warsehii Warschau, 6. Juli (J. T. A.) Der Jüdische Pariamentsklub beschäftigte sich heute mit dem Projekt der Verfassungsänderung in Polen, Abg. Kirschbaum (Agudah) wünschte, daß der Klub gegen das Projekt stimme, da es den Forderungen der Demokratie nicht entspricht. Abg, Orünbaum schlägt vor, für das Regierungsprojekt zu stimmen, aber der Regierung aufzutragen, die Beschlußfassung über das Projekt nicht dem jfetzigen aufzulösenden Sejm, sondern dem künftigen Sejm zu überlassen. Dr. Reich führte aus, man dürfe keineswegs der Regierung Bartei zu viel Vertrauen schenken. Es wurde der folgende Entschluß angenommen: Der jüdische Klub spricht sich für eine Bevollmächtigung an den Präsidenten der Republik, den Sejm aufzulöscn, aus, ist aber kategorisch gegen jede Aenderung der Verfassung durch den jetzigen Sejm. — Während der Vollsitzung des Sejm erklärten aber die jüdischen Abgeordneten Kirschbraun, Dr. Reizes, Dr. Wygodski, Stuczinsky, Dr. Rosenblatt und Dr. Schipper, daß sie sich dem Klubbeschluß nicht unterwerfen und gemeinsam mit den Sozialisten gegen das Regierungs- Projekt stimmen werden. Nach diesem Vorfall erklärte Abg. Hartglaß, daß er sein Amt als Präsident des Klubs nied e r I e g e. * ״Time s“ vom 6. Juli veröffentlicht eine ausführliche Darstellung eines Spezialkorrespondenten aus Lemberg über die Minoritätenfrage in Polen. Das Blatt behandelt insbesondere das Verhältnis zwischen Juden und Ruthenen in Ostgalizien und stellt ferner fest, daß das jüdische Minoritätenproblem sich von dem aller anderen Minoritäten unterscheidet, weil die Juden, abgesehen vom Zionismus, keine territorialen Aspirationen haben, sicherlich keine, die den polnischen Staat angingen, während alle anderen Minoritäten irredentistische Neigungen haben. Auch wirtschaftlich sind die Juden von den anderen Minoritäten, deren Mehrheit Bauern sind, unterschieden. Der Berichterstatter stellt ferner fest, daß die beherrschende Gruppe in Polen die Zionisten sind. Die Zionisten waren es auch, die bei den letzten Wahlen trotz Drohungen der Ruthenen die Juden organisierten. Schließlich führt der Artikel aus, daß die Juden im Sejm bei der Präsidentenwahl für Pilsudsky gestimmt haben, obwohl die anderen Minoritäten leere Zettel abgaben. Die Juden taten dies, weil sie den neuen Kurs als einen Schritt zu innerer Sicherheit betrachten. Hille für die Mn in Men Abg. Dr. Leon Reich erhielt die telegraphische Nachricht, daß das Präsidium der Föderation der vereinigten Hilfsorganisationen 'in der letzten Zeit eine Aktion unternommen hat, um 50 000 Pfund Sterling für die Juden in Polen und in der Ukraine zu sammeln. Für den 25. d. M. ist ein Meeting in London einberufen, auf welchem Abg. Dr. Reich sprechen wird. Paris, 5. Juli (J. T. A.) Gegenwärtig tagt hier die Joint-Ica-Rcconstruction Foundation. Gegenstand der Beratungen ist in der Hauptsache das Hilfswerk für die Juden in Polen. Bis jetzt hat die Foundation in drei Raten 250 000 Dollar zur Stützung der jüdischen Genosserischaftsbanken verwendet. Ein Preßprozcß in Lcmkerg Am 3. Juli begann in Lemberg der mit großer Spannung erwartete Pro ■ß des ״Bund“ gegen das zionistische ״Lernberger T! eblatt“ wegen der Verwürfe des Blattes über die VeiWendung der aem ״Bund“ aus Amerika seinerzeit zugekommene Summe von 1000 $, die für wohltätige Zwecke bestimmt waren, fee Verhandlung wurde jedoch vertagt. Neicr Eiiwaidemiskenmissar lttr Pein Jerusalem, 6. Juli (J. T. A.) Der Direktor-Steil- Vertreter des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung, Mr. Sulman, der den Direktor Hyamsoti während seiner Europareise vertritt, wird, wie hier mitgeteilt wird, demnächst nach Warschau gehen, um dort den Posten eines Immigratioiisbeamten der Palästina-Regierung für Polen 7.11 bekleiden. Herr Sulman stellt der Frage der jüdischen Einwanderung in Palästina positiv gegenüber; seine Betrauung mit dem Amte eines Einwanderungskommissars in Warschau wird liier als ein Zeichen dafür angesehen, daß cs in der Absicht der Regierung liegt, den Wandererstrom aus Polen nach Palästina in einer Weise zu regeln, daß eine Erleichterung der Formalitäten der Einreise nach Palästina Platz greift. (Grundsätze der neuen Bibelübersetzung). Weitere Beiträge iieferten, außer den Herausgebern, Rudolf Ehrenberg (Glaube und Bildung), Wilhelm M i c h e i (Gestalten der Angst), Eugen Rosenstock (Führer oder Lehrer?), ferner enthält das Heft einen Beitrag ״Das Reich“ aus dem Nachlaß von Florens Christian Rang, jenem Manne, dessen erster Anregung der Gedanke der Zeitschrift entstammt, und einen Aufsatz von P a q u e t über ihn. Die von Karl Anton Rohan herausgegebene Zeitschrift ״Europäische Revue“ (Verlag Der neue Geist, Leipzig) läßt soeben ein ausgezeichnetes und inhaltsreiches Doppelheft erscheinen, das in der Vielfältigkeit seiner Beiträge einen wirklichen Einblick in die heute im europäischen Leben herrsehenden Strömungen gewährt. Führende faszistische Geister schreiben über den Faszismus, Engländer über die Lage in England, Professor Bonn über den deutschen Liberalismus, hervorragende Vertreter des Katholizismus und des Protestantismus über die Probleme ihrer Weltanschauung. Das Heft enthält einen Beitrag von Hans Ko hn ״Das Judentum zwischen Reaktion und Revolution“. Der Essay zeigt, wie historisch irn Judentum die Tendenzen der Erhaltung und der Erneuerung miteinander kämpfen und im gewissen Sinne einander ergänzen. Der Jude lebt nicht nur in der Vergangenheit, deren ererbte Güter er zu befestigen strebt, er lebt aucn in der Zukunft, ir» der sich der Sinn der Geschichte erfüllen soll. Daher sieht das Judentum seine Vollendung in dem messianischen Reich, in dem schließlich Reaktion und Revolution zusammenfallen. Der Aufsatz vertritt in würdiger Weise die jüdische Stimme im Forum der Völker. ״Kirjath Sepher“. Soeben erschien das erste Heft des dritten Jahrgangs der von der National- und Univcrsitätsbibliothek Jerusalem herausgegebenen bibliographischen Vierteljahrsschrift ״Kirjath Sepher“. Das neue Heft enthält diesmal eine besonders reiche bibliographische Abteilung, in welcher 4S6 neue Bücher aus dem Gebiete der Judaistik und Palästinadrucke verzeichnet sind. Insbesondere sind neue, in Rußland erschienene Bücher aufgenommen worden. Außer• dem enthält das Heft einen Artikel von Michael W i 1 e ns k i über grammatikalische Werke des Araham Ibu Esra und mehrere Bemerkungen. Abonncmcntsnrcis 10 sh, Adresse; ״Kirjath Sepher“, Jerusalem, Meah Schearim, F.O. B. 36.

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