Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-07-09 · Heft 53 (9.7.1926) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 53 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652833--18392-2676153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 53 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite 389 Palästina im Jahre 1925 Der Bericht des englischen Kolonialamtes London, 5. Juli. (J. T. A.) Der Bericht der englischen Regierung über die Verwaltung des Mandatsterritoiiums Palästina und Transjordanien im Jahre 1925 gelangte zur Veröffentlichung. Schon im Eingang stellt der Bericht fest, daß das Jahr 1925 ein Jahr der Ruhe, der Konsolidierung der Verwaltungsarbeit und der erhöhten Wohlfahrt der Einwohner gewesen ist. Zu den bemerkenswerten Vorfällen gehören die Besuche der Staatsminister für die Kolonien und für das Luftfahrtwesen, die Neubesetzung des Postens des Oberkommissars und die feierliche Einweihung der hebräischen Universität in Jerusalem durch Lord Balfour, wobei der Oberkommissar für Aegypten, General Lord A 11 e n b y . und eine größere Anzahl anderer hervorragender Gäste der Feierlichkeit beiwohnten. Ungeachtet der unruhigen Lage hinter der Nordgrenze und des Liiiströmens von mehreren tausend Flüchtlingen aus Syrien war die öffentliche Sicherheit nicht gestört worden; auch die Fälle von Straßenraub und anderer Schwerverbrechen haben sich in einer zufriedenstellenden Weise vermindert. Der Zustand der Volksgesundheit war gut. Im Frühjahr besuchte die Anti-Malaria- Kommission des Völkerbundes Palästina und empfing einen günstigen Eindruck von der im Lande bereits durchgeführten Hygiericarbeit. Die das palästinensische Bürgerrecht betreffende Order in Council ist am 1. August in Kraft getreten. Gesetzgebender Rat. Da die Arbeit für die öffentliche Sicherheit angesichts der Ereignisse in Syrien eine erhöhte Aufmerksamkeit beanspruchte — heißt es in dem Bericht weiter —, so war das Jahr 1925 einem Fortschritt in der politischen Organisation des Landes nicht günstig; der Plan der Schaffung eines Gesetzgebenden Rates wurde nicht weiter auf die 1 agesordnung gestellt; es wird auch zu keinem Resultat in dieser Beziehung kommen, solange a r a b i s c 11 e p o 1 i t i s c 11 e Führer ihre Gegnerschaft gegen ein fundamentales Prinzip des Mandats a u frechter halten. Ein wirklicher Fortschritt nach der Riehtung der Autonomie kann in diesem Augenblick eher in der Organisation lokaler Verwaltung als in der Zentralverwaltung erzielt werden, in diesem Zusammenhang ist die Bildung von Gemeinderäten und lokalen VerwaltungsriiUn von großer Wichtigkeit. Man hofft, schon in nächster Zukunft diese Räteinstitution auf die Basis von Wahlen zu stellen und eine Qcmeindeordiiung einzuführai, deren Machtbereich und Funktionen genauer definiert seit wird als nach dem bestellenden Oltomanischen Gesetz. Von nicht geringerer Wichtigkeit ist die Regelung der Fiink'ianen jener Organe mehrerer Gemeinden, die unter de״ Otio:u3n:־,cl1e>1 Regierung mit den kulturellen Funktionen betraut waren. Moslcmiten, Christen und Juden sollen in den Stand gesetzt werden, unabhängig voneinander ihre kommunalen Agenden zu verwalteil; den munizipalen Körperschaften soll die Verwaltung jener Agenden überlassen bleiben, bezüglich deren Araher und Juden mit Vorteil auf der Basis gemei11saT.cn Interesses Zusammenarbeiten können. Auf einem A11«ba 1 dieser Basis nach politischer und wirtschaftlicher Richtung beruht die Verwirklichung eines auf Frieden und WohlfaiB anfgebauten palästinensischen Staates. 17 Die Finanzlage. Die erhöhten Einnahmen des Finanzdepartements der Regierung zeigen den gebesserten Zustand der Landesfinanzen an, was eine Folge erhöhter allgemeiner Wohlfahrt ist. Trotz der Ermäßigung des Zehent auf landwirtschaffliehe Produkte ergaben die Finanzen der Verwaltung einen U eberschuß von £E. 1069 576 für das Jahr 1925. Diese Balancen wurden zur Finanzierung von Werken großen Umfanges verwendet unter Vorwegnahme der Ausschreibung einer Anleihe. Landwirtschaft und Landsiedlung. Trotz verhältnismäßig geringer Regenfälic war der Ertrag der Landwirtschaft ein guter. Die Anbauer erzielten gute Preise für ihre Produkte. Das Problem, die landwirtschaftliche Produktion auf eine gesunde Basis zu stellen, nimmt die ernsteste Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch. Sir E. D o w s o n , der frühere Generaldirektor des Landvermcssungswesens in Aegypten, hat nach einem sorgfältigen Studium der örtlichen Bedingungen in Palästina allgemeine Richtlinien zu einer Reform vorgeschlagen, die zum Nutzen des Landes durchgeführt werden könnte; er wird selbst bei der systematischen Durchführung des Programms, die eine Reihe von Jahren beanspruchen wird, mitarbeiten. 13 neue jüdische Landkolonien wurden gegründet, Erziehungswesen. Eine Reform der Organisation des Erziehu ngs wese 11s ist im Interesse der Jugend eine dringende Notwendigkeit. Ungeachtet der Menge erzieherischer Arbeit, die bereits geleistet wird, tut eine Vermehrung und Verbesserung der Schulen, sowie eine V c r - bessern 11g der finanziellen Grundlage der bestehenden Schulen not. Wünschenswert ist die Heranziehung aller Teile der Bevölkerung zur Mitarbeit. Es gibt zwei Systeme öffentlicher interkonfessioneller Schulen, ein arabisches und ein hebräisches System. Die arabisehen Schulen werden durch das Erziehungsdepartement der Regierung direkt kontrolliert, die hebräischen Schulen werden weniger durch die Regierung als durch die palästinensischzionistische Exekutive, die die Zionistische Weltorganisation repräsentiert, kontrolliert. Das arabische öffentliche Schulnetz umfaßt 315 Schulen, die von den allgemeinen Steuern und lokalen Beiträgen unterhalten werden. In den Dörfern ist die Mehrheit dieser Schulen eine Schöpfung der britischen Regierung, während es sich in den Städten meist um frühere ottomanische öffentliche Schulen handelt. Die Schülerzahl beträgt 19 SS1. von denen ein Achtel Chfisten sind. Das hebräische öffentliche Schulnetz umfaßt 139 Anstalten, die hauptsächlich aus den Fonds der Zionistischen Weltorganisation erhalten werden, aber auch aus den lokalen Beiträgen. Diese Schulen werden von 15 328 Schülern besucht. Es existieren noch kleinere Schulsysteme, die von dem Erziehungsdepartement kontrolliert werden. Schulen, die gewissen Vorschriften entsprechen, erhalten keine Zuschüsse. Die Gesamtzahl jener Schulen, die weder von dem Regierungsdepartement der Er- Ziehung noch von der zionistischen Exekutive kontrolliert werden, ist folgende: 102 arabische Schulen mit 7063 Schülern, 107 jüdische Schulen mit 6728 Schülern. Es gibt ferner noch eine größere Anzahl christlicher und jüdischer Schulen, die hauptsächlich aus Fonds fremder Missionen und Körperschaften unterhalten werden; einige erhalten auch kleine Zuschüsse aus der Staatskasse. Ausländische christliche Körperschaften unterhalte 132 ו Schulen mit 12 265 Schülern, von denen meh! als ein Sechstel Nichtchristen sind. Ein gewisser Teil der Schüler stammt aus dem Ausland. Ausländische jüdische Ge- Seilschaften unterhalten 9 Schulen mit 3199 Schülern, von denen nur 35 Nichtjuden sind. Im ganzen existieren 801 Schulen mit 64 764 Schülern. Entwicklung des Handels. Im Berichtsjahre wurden in Palästina 27 Handelsgesellschäften mit einem Gesamtkapital von £E. 250 003 eingetragen Durch die Palestine Electric Corporation wurden in Haifa und Tiberias Kraftwerke errichtet. Die Steigerung der Handels- und Bautätigkeit und die neue industrielle Entwicklung ist fast ausschließlich dem jüdischen Kapital und dem Zuzug einer vermögenden Einwandererschicht zuzuschreiben. 1925 sind 33 801 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. Diese jüdische Einwanderung, die die Einwanderung von 1924 um ein Dreifaches überstieg, hat, obwohl sie zweifellos viel Gutes gebracht hat, neue Probleme au fgeworfen. Die Absorbierung von Männern und Frauen verschiedener Typen und verschiedener Fähigkeiten durch das Wirtschaftsleben eines so kleinen und noch wenig produktiveu Landes ist eine schwierige Sache, die alle Euergie und alle Hilfsquellen der Zionistischen Organisation beansprucht hat. Eine Anzahl dieser Einwanderer würde sich gerne der Landwirtschaft widmen, in der Tat weist das Verhältnis jüdischer ländlicher zu städtischer Siedlung eine steigende Tendenz auf, aber eine landwirtschaftliche Ansiedlung ist ein langsamer und teurer Prozeß, obwohl im Berichtsjahr 129 366 Dunam Boden von jüdischen Gesellschaften und Einzelpersonen erworben worden sind, ist cs der Regierung bis jetzt aus den schon in früheren Berichten auseinandergesetzten Gründen unmöglich gewes en, den neuen Ansiedlern Staatsboacn und O e d 1 a 11 d zur V e r f ii g u!1 g z 11 stellen. So kommt cs, daß ein großer Teil der Einwanderer den Hauptstädten zustrebt und in der Beschallung des Lebensunterhalts von körnmcrziellen und industriellen Unternehmungen ah’uängt. Die meisten der reuen Industrien sind in ihrer Entwicklung durch die hohe!! Lebens- und Produk 1 ionskosten gehemmt. Viele von ihnen ersuchen um Protcktionsmaßnahmen, die, wenn man sie gewähren würde, die Lebenskosten noch steigern würde. Die Regierung muH Zollerleichtcrungen bei E i n I ü!1 rung von Rohmaterialien ge w ii h r c n und die Entwicklung des Exports derjenigen Industrien fördern, die lokale Produkte nutzbringend verwerten, sowie gewisse anderer, bei de;1e:1 das Rohmaterial!;eins so große Rolle spielt. In Verbindung mit der industriellen Entwicklung entstehen immer neue Ar beiter problemc. Jüdische Arbeitgeber beschäftigen aus politischen und Gefühlsgründen vorzugsweise jüdische Arbeiter, gelernte und ungelernte, die gut organisiert sind und annähernd denselben Lohn fordern, die gleiche Lebcnshaltung führen und auf der gleichen Arbeitsgesetzgebung bestehen, wie sie in einem modernen und homogenen Staate üblich sind. Die bestehende Arbeitsgesetzgebung, die nur Koiitroilmaßnahinen durch das üesundheitsdepartement vorsieht, ist anerkanntermaßen mangelhaft. Bei Einführung neuer Arbeitsgesetze muß man aber vorsichtig zu Werke gehen und die besonderen Bedingungen des Landes, seiner verschiedenartigen Bevölkerung in Betracht ziehen. Eine Arbeitsordnung wird in Erwägung g e z o - gen, ein Ständiges Komitee steht mit den Arbeiter- und andcreu Organisationen in Fühlung. Erholung von der Wirtschaftsdepression. Die Erholung von der Wirtschaftsdepression des Jahres 1923, eine Erholung, die 1924 cinsetzte, machte im Jahre 1925 infolgei des Zuzugs neuer kapitalistischer Ansiedler weitere Fortschritte. Viele der Einwanderer brachten ansehn• liehe Summen mit, die in den Banken deponiert wurden und so das Kreditwesen entspannten. Darlehnszinseu erreichten ein tieferes Niveau, wie es seit 1920 nicht bestand. Jedoch haben spekulative Käufe in Erwartung erhöhter Anforderungen im Bauwesen, ebenso die Festlegung von Kapital in großen Bauunternehmungen und Landankäufen, eine Spannung auf dem Kapitals markt gegen Ende des Jahres verursacht, was zu Krediteinschränkungen führte. Der Lebenshaltungsindex stieg gegen 1924 um 4,4 »0, der große Handelsindex um 7,2 0/0. Der Orangenexport betrug 1 868 291 Kisten gegen 1 880 783 Kisten im Jahre 1924. C)ie erzielten Preise waren zufriedenstellend hoch. Die Weinindustrie leidet unter dem Mangel an Absatzmärkten; der Export sank um £E. 7850. 5855 Tonnen Seife im Werte von £E. 247 725 wurden exportiert; gegen 1924 eine Zunahme von 1045 Tonnen im Werte von £E. 43 834. Bessere Produktionsmethoden werden eingeführt und höhere Qualitäten in den Handel gebracht. Sieben Tabak- und Zigarettenfabriken, sowie sieben Tabakfabriken sind in Tätigkeit. Seit 1. Mai wurden 219 800 kg Zigaretten, 12 000 kg geschnittener Tabak und 42 000 kg Tombak produziert. Die H a i f a e r Zementf a b r i k wurde i m Oktober in Betrieb gesetzt, ihre Produkte finden im Lande Absatz. Die Antworten auf die Fragen des Völkerbundes. Ein besonderer Abschnitt im Bericht ist den Antworten gewidmet, die die britische Regierung auf die Fragen der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes erteilt hat. Auf die Frage, welche Maßnahmen ergriffen worden seien, um das Land unter solche politische, verwaitungstechnischc und wirtschaftliche Bedingungen zu bringen, die die Errichtung des National heims für das jüdisch c Volk sichern, und welche Resultate diese Maßnahmen erbracht haben, wurde die folgende Antwort erteilt: Die Richtung und die Objekte der Politik der Regierung Palästinas in Gesetzgebung, Verwaltung und Finanzen blieben unverändert; die sichtbaren Resultate dieser Politik sind Ruhe, erhöhte j ü - dische Einwanderung, Fortschritt der jiidisehen Landansiedlung. Die Entwicklung der Industrie wurde durch Aufhebung von Einfuhrzöllen auf gewisse Rohmaterialien ermutigt. Die Regelung gemäß der Einwanderungsordnung vom Jaitre 1925 brachte eine G se‘7mäßigkeit mit Bezug auf die Hereinbrhsguiig jüdischer imtnigrantenarbeiter. Ehe palästinensische Biirgerschaftsordnung 1925 erleichterte denjenigen Personen, die im Lande ihren Wohnsitz nehmen, die Erwerbung der palästinensischen Nitionalität. Eine bemerkenswerte Entwicklung jüdischer kooperativer Gesellschaften im Bau-, Ackerbau* und gegenseitigem Kreditwesen war zu verzeichnen. 26 derartige jüdische Gc- Seilschaften wurden gebildet. Die Anerkennung der Jewish Agency. Frage der Mandatskommission: Wann und auf welche Weise ist die Jewish Agency offiziell anerkannt worden? Antwort: Der Erwiderung im Berichte vom Jahre 1923 ist nichts hinzuzufügen. Frage: Hat die Agency der Administration im vergangenen Jahre Rat-־c'11”ge ereilt, und was betrafen diese RatschlägeV ':;1 ei!־•:liäs'ii 1:1ו!'1;!:י<::י Kin:;Icc der Agenrv (der j'f! :•־,■ יי!oristisclie» Exekutive), sowie dem Hauptbüro der Zionistischen Organisation ist Gelegenheit geeben worden, ihre Ansichten über die Paß - und Einwane ru n gs ord n u n g, sowie über die geplante Orga- ת i s a t i o n der jüdischen Gemeinden, die noch immer die Regierung Palästinas beschäftigt, darzutun. Frage: Wie ist Natur und Umfang der Zusammenarbeit der Agency mit der Verwaltung in ökonomischen, sozialen und anderen Angelegenheiten? Antwort: Der Bericht für 1924 gibt darüber Aufschluß. Frage: Was hat die Agency zur Entwicklung des Landes getan? Antwort: Die Einwanderung erhöhte die jüdische Bevölkerung Tel-Awiws und Haifas um 10 000 bzw. 6000. Dementsprechend wuchs die industrielle Tätigkeit. Einer Aufstellung der Agency gemäß gab es im November 1925 547 jüdische industrielle Unternehmungen in Palästina, die rund 7000 Arbeiter beschäftigten und ein Kapital von £E. 2 500 000 vertraten. Die von dem Palästina-Komitee der Agency kontrollierteil Schulen erreichen die Zahl 132, die Zahl der Lehrer beträgt 550, die der Schüler 13 216. Die Agency gab in dem 30. September 1925 endenden Schuljahr £E. 63 000 für Erziehungszweckc aus. Das Palästina-Komitee der Agency unterhält eine Abteilung für Handel und Industrie und für insfruierung von Immigranten; es gewährt Anleihen an Immigranten, industrielle Unternehmungen und Gemeindebehörden zwecks Ausführung öffentlicher Arbeiten. Die Agency hat zur Erhöhung des Kapitals der Palestine Electric Corpor a t i o!1 stark beigetragen. Frage: Welche Schritte sind iin Einvernehmen mit der Rcgierung unternommen worden, um eine Zusammenarbeit aller jener Juden herbcuuiührcu, die an der Errichtung des jüdisehen Natioualheims mitarbeiten wollen? Antwort: Cie im Bericlu 1924 dargdegteti Unterhandlungen, die auf eine Erweitcrung der Jewish Agency hinzielen, wurden weitergeführt; der 14. Zionistenkongreß vorn August 1925 hat einen diesbezügliehen Beschluß gefaßt. Frage: Weiche Maßnahmen sind ergriffen worden, um die Rechte und die Position anderer Teile der Bevölkerung zu sichern/■' Antwort: Die neue Einwanuerungsordnung und -Regelung ist soweit möglich auf dem Prinzip aufgebaut, daß die Einwanderung geregelt werden müsse nach1 der ökonomischen Fälligkeit des Landes, neue Ansiedler aufzunehmen; aut diese Weise wurde der Position der Bevölkerung Rechnung getragen. 731 Personen, unter ihnen 534 Juden, die den Regehr nicht entsprachen, wurden im Jahre 1925 von den Grenzen und Häfen zurückgewiesen. Frage: Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um in Zusaminenarbeit mit der Jewish Agency eine dichte Siedlung von Juden auf dem Lande zu fördern? Antwort: Der jüdische Bodenbesitz in Palästina beträgt gegenwärtig 200 000 Morgen. 1925 wurden von Juden 32 590 Morgen Ackerland neu erworben. 3000 Morgen Staatsland in Beisan wurden der Zionistischen Exekutive zu langfristiger Pacht zwecks Ansiedlung ehemaliger jüdischer Soldaten angeboten, aber als untauglich zurü c k g e w i c s c 11. Es sind nun Verhandlungen eröffnet worden, bezüglich der Pacht von 6000 Morgen S t a a t s I a n d in der Nähe von R a f a und etwa 4000 Morgen in der Nähe von Haifa. Daser politisches Ziel Im ״H a p 0 e 1 H a z a i r“, Nr. 30/31, setzt sich an leitender Stelle J. Lofban mit verschiedenen Aeußeiungen auseinander, die in der hebräischen Presse im Zusammenhang mit dem Streit um die jüdische Legion gemacht worden sind. Insbesondere hatte Dr. Josef Klausner in seiner Zeitschrift ״Haschiloach“, Heft 5/6, eine scharfe Kritik der Unterzeichner der antilegionistischen Erklärung veröffentlicht unter der Ueber• sclirift ,.Unsere Buddhisten“. Lofban weist nach, daß Klausners Dialektik, die das ganze Schrifttum zur Stützung iiationaiisdscher Thesen heranzieht, unserer Situation in keiner Weise gerecht wird und von den moralischen Grundlagen des Zionismus erheblich wegführt. Interessant ist jedoch derjenige Teil des Aufsatzes, in welchem Lofban das Ziel der zionistisehen Pol i ti Ic charakterisiert. Es heißt dort: ,,Wir kommen nach Palästina, um unser wirtschaftliches und kulturelles Leben aufzubauen und ein freies, schöpferisches Eigenleben zu führen. Wir wollen nicht, daß andere über uns h c r r - sehen, und wir wollen nicht über andere h c r r - sehen. Wir wollen nicht die Rechte anderer verletzen und wir wollen nicht, daß andere unsere Rechte verletzen. Wir wollen nicht anderen unsere Sprache oder unsere Religion oder unsere Lebensweise aufzwingen, aber wir wollen auch nicht, daß andere uns diese Dinge aufzwingen. Wir wollen weder eine unterdrückte Minderheit noch eine unterdrückende Mehrheit sein. Heute sind wir gar nicht in der Lage, unseren numerischen Umfang im Lande vorherzubestimmen. So vie'e Juden sich in Palästina und den Nachbarländern konzentrieren können, mögen sich konzentrieren. Vielleicht wird es das ganze jüdische Volk sein, vielleicht aber auch erheblich weniger. Wir werden alles aufbieten, um die Aufnahmefähigkeit des Landes auf das höchste zu steigern. Aber solange wir eine Minderheit sind, wollen wir nicht die Rechte einer ,Minderheit, sondern das Recht der vollen nationalen Selbstbestimmung, und auch wenn wir eine Mehrheit sind, werden wir uns dieser Mehrheit nicht bedienen, zur Herrschaft über andere und werden niemandem Rechte aus Gnade geben, sondern er wird selbst vers t ä n d 1 i c h dieselben Rechte haben wie wir. Schulter an Schulter mit den anderen Bewohnern des Landes, die uns völlig gleichberechtigt sind, wollen wir uns bemühen, das Land zu entwickeln zu wirtschaftlicher Höhe und politischer Sicherheit. Das ist unsere nationale Konzeption, das ist der Judenstaat, zu dem wir streben. Es ist nicht eine Modifikation der Idee, um durch List unsere Nachbarn zu gewinnen, sondern hier ist die volle Befriedigung unserer nationalen Aspirationen. Mellt als das wollen wir nicht. Jede imperialistische Neigung, die in der Zurückset zu g. Unterdrückung und Ausbeutung anderer Völker liegt, liegt uns fern. Freilich wollen wir den ,.gebückten Rücken des (iaiuthjude;! wieder aufrichten“ — aber wir wollen ihn nicht nach der anderen .Seite wieder '.•׳'rkrüppclii. Denn diese politische Ordnung der Herrschaft c. er Mehrheit über eine Minderheit, des Raubes der Freiheit und der politischen Verkrüppelung ist unmenschlich und unmoralisch. Mehr als alle anderen Völker haben wir das an unserer eigenen Haut gespürt und haben den lieche ־;!';;! ׳s b's zur Neige geleert. ״Wenn Gott die Vertriebenen Zion.; zuriickfiihrt'• - werden wir nicht die; andere י tim und werden nicht Rache üben an den Völkern. — Jcd '1 dieses Ziel werden wir nicht erreichen können, wenn wir den Antagonismus zwischen uns und unseren Mitbürgern im Lande vergrößern, :־ondern indem wir ihn verkleinern. Nicht durch Erregung der Instinkte, so!1dem durch gegenseitige Annäherung. \Vir wollen nicht andere betrügen und nicht Friedensgesinming Vortäuschen, sondern wir meinen cs ernst mit dem Frieden und der gere iscitigen Vers'.ändigdi.;:■!eh um den Preis von .!eichten Verzichte׳! i.1 bezug auf dekorative S״i',e:1. wo diese nicht unsere Entwicklung im Lande selbst stören.“ Die Gesellschaft für Hilfe bei chronischen Krankheiten tritt an dir Griindwn״.׳ > ״.c׳. S 1; 11 .״ tori ti ms in Tel- A w i w fü: Ab:'.!.•!::!<; t;:C:/o c '.',1־.׳ \ v!;1er h ־r.in, da■־, aal einem vo.1 der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück errichtet werden soll. (Ziko.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.