Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 52 (6.7.1926)
- Date
- 1926-07-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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» I * KT 5Z UEDlSCHE RUNDSCHAU Seite m In diesem Zeichen . . . Zionistische Frauenarbeit in Amerika Von unserem amerikanischen KorrcspoiKicntcn Dr. Nadja Stein. st. New York, Mitte Juni, dem Zeichen, in dem der Nationallondsgcdankc und I der zionistische Ideengehalt überhaupt bei den jüdischen ■f;fi) 1:u1 opas eindrang, in dein Zeichen der blau-wci Ben U''l*<e. h׳■״i'int er sich seit knr/cni auch in Amerika durch- '1.'j.fj!. Wahrend noch viele dieser als ״Bettel‘‘ nlißvcr- '.'■jeden Meihode achsclzuckend gcgcnübcrstclicn und ilircn ■י:" ins Dollarl;1ml als. höchst unangebracht belächeln, hat "<*11011 Tausende mit der Macht einer Volksbewegung erfaßt. ‘ [s war das im Herbst dieses Jahres neubcgriindcte II e n s e k r c t a r i a I des amerikanischen N a 11 o ־ ''ifotidshu rca us, das diese in Amerika wenig gepllcgtc .׳׳■iition als wiiksames Mittel der Propaganda und Geldsannn- ,mferitf. Zunächst war es sicherlich weniger besondere ״־]kTic und Verständnis für die weitreichenden Möglichkeiten '■!'!.ulen Buchse als der Zwang der Notwendigkeit, der das ,'cinckretariat /um Anwalt dieses bescheidenen Mittels .;den licli. Doch die Idee der Büchsen,irheit ist ja im ganzen dem Zwange der Notwendigkeit geboren und erst all- ililK'h erwuchsen ihr begeisterte Liebhaber aus den Reihen ...1r, die sich ehrlich darum mühten, die Not zu einer Tugend ntachcii. ‘ \(,חן entschloll sich seinerzeit in Europa für die un- ...flnli.it,■ ״l'usclike“, weil man bei der Armut der groben ^,;,011 den nationalen Appell für die Geulath Haare/ nicht . jnipniclisvollciT Formen kleiden konnte. Das amerikanische Wir 11sckrrt.1ri.it sah sich seinerseits im Lande der Millionäre ,! die Büchse verwiesen, weil Aufrufe an die jüdischen ׳';,ciioigiaisationen zu giößcien Barspenden oder gröberen ulioneii für den Keren Kajemeth auf keinen Erfolg rechnen ,-•!den. Niehl mir war der Nationalfonds viel zu wenig --.•iular, als dal! seine Bedrängnis eine besondere Opfergeste •.,;!( hervorrufen können, sondern cs blieb auch in diesem 1;׳r kaum eine Lucke Irei, durch die er einen eigenen :7;,(• hatte lancieren können. Der Versuch einer Dunamaktio» | riihhcibst!1111 Bfe rasch abgcblascn «׳erden. Zu den 1111־ ,!;!!,-rn lokalen großen Sammelaktionen, die sich seit dem liier/tilandc ohne Pause abloscn, gesellte sich ja doch in ,17(111 |ahr die vereinigte ä-Millioiieii-Palästina-Kainpagne und!:•ד auf לצי Millionen hmaufgcsehnclltc Drive der europäischen Soiliilfe (voint) und besteuerten alle Gebefreudigen auf das bildlichste. Alle Sammelaktionen in Amerika werden mit der ausgiebig-;,!"וMithilfe der Trauen bestritten und es ist wirklich einzigartig 'si< die Frauen in dieser Beziehung leisten. Natürlich sind es änr allem die organisierten Frauen, die systematisch angcj;,n;en werden, und jede Frau, die einer Organisation beitritt, j״;!fl sich darauf gefaßt machen, daß sie außer ihrem Mit- I jlicddintr.ig und ihren Beiträgen für den besonderen Vereinsrock fm!gesetzt an der Cicldaufbringung für soundsovielc ledere gute Zwecke beteiligt sein 111111t. Und das heißt nicht Istllriltig aus eigener Tasche geben, sondern auch unermüdlich dj׳i1 sein, andere zum Geben zu bewegen, all die Diners, Tenp;tes Limehcons, PaiTornicetings, Tanzabende etc. zu orga• ■:;;trm und selbst mitzinnachcn, die die Geldquellen er-;(11011׳׳״, all die Karten abzusetzen für Benefiz-Vorstellungen i-,Theatern und Kinos, für Konzerte und Bridgenaehmittagc, hi Erdbeerteste und was es sonst noch alles aut dieser Skala;־1!'׳eckender Einfälle gibt. Viele Frauenvereine begannen eine t״c',e an Mitgliedern fcstzustcllcn, weil diese mit den unaut- 1; Vn Anforderungen der ganzen Welt an ihre Taschen riHüffe nicht Schritt zu halten vermochten. Sie haben daher t<■ .v/iutzmaßnahnie eingcfültrf, daß bei ihren Zusammenk־'f:1 keine amlrrn Sammlungen außer ihren eigenen Ver- Ecimmhmgeii erlaubt sind. fm ärgsten sind wohl die zionistischen Frauengruppen, ,זז!׳־ fladassahfrauen,*) daran, was die Beanspruchung Her Mitglieder anbetritft, Sic können sich den lokalen Ak- :weit ihres Distriktes oder ihrer Gemeinde so wenig entziehen לוי dem Ruf der europäischen Nothilfc, und darüber hinaus ־;k-cii sic ihre festgesetzte Quote für den vereinigten Palistirafonds zur Stelle schäften. Die Hadassabgritppcn in New׳ York1 sind' nicht groß au Ml. Nur gegen 3000 von ihren 30000 Gcsanitmitglicdcrn i־!l in New York organisiert und diese rekrutieren sich vor- '!Mich aus dem Mittelstand, der ja überhaupt den Hauptteil 'לז zionistischen Gefolgschaft hierzulande darstellt. Doch die Ofldkontingentc, die den einzelnen Gruppen zur Aufbringung ') ״Hadassah“ ־— die zionistische Frauenorganisation Mrikas, die das nach ihr benannte Sanitätswerk in Palästina - A. d. R. zugew iesen w erden, sind ganz beträchtlich. Aber cs ist Ehrensache für eine 1 ladassah-Gruppc, der von ihr überiiominciu'ii Quotcnvcrpfliehlung voll iiach/ukommen. Viele Tladassali-L citerimicn und Ausschußmitglieilcr arbeiten sich buchstäblich krank, um das eüigcgaiigcm: Versprechen zu erfidlen. Viele von ihnen haben den Haushalt ganz, allein zu besorgen und müssen oft grolle Opfer bringen, um ihrer Palastiiiaplliclit Genüge zu tun. Man ahnt bei uns wenig von den heroischen Anstrengungen, die unzählige Frauen hier einsetzen müssen, um die Millionen zusanimenzubriiigctl, die das reiche Amerika anscheinend mir so aus dem Acrmcl schüttelt. Und das, weil Tausende gerade der Reichsten teilnahmslos beiscite stehen. * Aulicr ihrem Geklkontingent für den United Palcstiiic Appeal (U.P. A.) hat jede Hadassaligruppe noch allerlei kleinere Sammlungen. Die ärztlichen und Säuglingsanstaltcn, die die Hadassah i״ Ire/ Israel gegründet hat und die sie bis zu diesem Jahre bis zu (>0/"ב allein finanziert hat, sind ihr mit ihren Noten so ans Herz gewachsen, daß cs ihr eine teure Gewohnheit geworden ist, bei jeder Gelegenheit tätig an sie zu denken. So geben die Hadassahfrauen von jeder Masche Milch, die in ihrem Hause konsumiert w׳ird, einen Cent fiir den M i I c h f o 11 d s ab, aus dem für die Kleinsten in Palästina Milch gekauft wird. So bringen Kinder von Hadassahinüttcrn wöchentlich einen Beitrag in die Sonntagssdiulc fiir dm ,,P e n!1 v - 1 u 11 c h c o 11 - F o n d s“, aus dem die mittellosen Schulkinder in Palästina ihr tägliches Mittagessen erhalten; so gibt cs Hunderte von Näh zirkeln, in denen die liadassalischwestern Spital- und Säiiglingswäschc für Palästina nähen und alle paar Wochen findet ein ,,Schmier" statt, bei dem es Artikel für den Anstaltsbcdar! in Palästina regnet. Angesichts dieses raffinierten Selhstbesteucrungssvstcms und der Zusage des U. P. A., daß in diesem Jahre keinerlei Sonderaktioncii für Palästina stattfinden würden, erschien es als eine unmögliche Aufgabe, von den Frauen noch einen Zusatzbeitrag an Geld oder Arbeit für den K. K. I.. z.u erhalten. Und doch war der Nationalfonds darauf angewiesen. Seine Notrufe wurden immer dringlicher, und es wurde klar, daß die Million, die der U. P. A. dem N. F. als seinen Anteil an dein 5-Millioncn-Drive zugesagt hatte, mir die Hälfte der Schuld• Verpflichtungen des K. K. T. decken, ihm aber in keinem Falle den so .unerläßlichen Erwerb neuer Landstreeken ermöglichen würde. So verfiel das Fraucnsckrctariat auf den Gedanken, die verpönte Büchse nutzbar zu machen. Die traditionellen Klcinsaminlungen des N. F., wie sic durch Büchsen, zu Purhit am Fahnen- und Blmncntag, seit mehr als einem Jahrzehnt üblich sind, blieben nämlich neben dem U. P. A. gestattet. Und für die Buchse lag ein weites Feld unbeackert da. Nur gegen 30 000 Büchsen waren unter den 3•׳; Millionen Juden Amerikas bisher zu Verteilung gelangt, davon nur 8000 111 New York. F>ie Büchsenidee war aber niemals mit bcsoliderer Intensität gepflegt worden, mit Ausnahme eines kräftigen Anstoßes, den im vergangenen Jahr eine Jugenddclcgation aus Palästina gegeben hatte. Nur in kleineren Gemcindeii wurde die Büchseiilcerung durch freiwillige Kräfte besorgt, in den größeren geschah sie durch bezahlte Lin- Sammler, meist ältere Leute, die sieb für billiges Entgelt zu dem mühseligen Geschäft hergaben, ein- bis zweimal im Jahre an die Türen von ein paar tausend Büchscninliabern zu klopfen. Mitleidig gab man dem alten Mann wohl einen Dollar, wenn er, wie es häufig der Fall war, die inzwischen verstaubte Biichsc leer fand, viele Büchseninhabcr aber waren in dem langen Zeitraum zwischen den Besuchen de; Einsainmlers auf Nimmerwiedersehen verzogen. Das Resultat dieser Büchsen,,pflege“ war, daß sich ein jährlicher Durchschnittsertrag von nur ein bis zwei Dollar pro Büchse ergab. Dieser Ertrag stand natürlich in gar keinem Verhältnis zu der Kleinarbeit' die jede ßiichseiiregistratur mit sich bringt und brachte die ganze Sache■ ziemlich in Verruf. Aus der Unergiebigkeit der Büchse folgerte man, daß sic der ״amerikanischen“ Psychologie widerstrebe, obwohl sic weniger unter den amerikanisierten Juden als unter den eingewanderten jüdischen Massen zu finden war, die ihre fromme Ercitagabendgewolinlicit einer Crez- Israel-Spende auch hierzulande in Ehren hielten. Hier gedachte das Fraucnsekretariat mm cinzusctzen. Es schwebte ihm vor, zunächst durch eine große Vortragsaktion das Verständnis und Mitgefühl der jüdischen Frauenorgamsationen für die Bodennot m Palästina waciizurufcn und aus ihnen Krähe für die praktische Arbeit zu sammeln. Sogar Name und Bestand unseres nationalen ßodcncrlösungsinstitutcs war, wie bald fest gestellt werden konnte, führenden jüdischen Frauen, unbekannt. Um wieviel mehr erst die ganze reiche Gedankenweit, die der K. K. L. umschließt. Selbst bei den meisten organisierten Zionistinnen verknüpfte sich nur eine sehr vage Vorstellung mit dem N. F. und auch dort, wo sich eine Büchse im Hause befand, war man sich über ihre Bedeutung wenig im klaren. . Sic stand vielfach mit mehreren anderen Büchsen auf einem Fach nebcneinandcrgcrciht und genoß in keiner Weise einen Vorrang neben der ,,Baronbüchse" (Rot« schildsclies Waisenhaus jn Jerusalem), der Meir-Baal-ness- Büchse, der Blindcithücfisc oder irgendeiner amerikanischen Koukiirren/biirhse, die ein New Yorker Rabbi oder eine lokale jüdische Wolilfahrfsorganis,ilion ausgegeben hatte. Die Tatsache, daß eine Rcducriit von dem Rang und der Begabung von I ran Irma L i 11 d 11 e i 111 sich zu Beginn dieses Jahres für die K. K.!״-Arbeit bedingungslos zur Ver■* ftigung stellte, eröflnetc dem Fraucnsckrctariat den Zugang zu einflußreichen Fraueiivercinen, die bisher niemals auch nur einen Vortrag über Palästina in ihrer Mitte /!!gelassen batten« Frau Liiidhcini, die in Palästina die Landnot als das allerdiingliebste Problem erkannt hatte, vertrat die Idee der Ablösung des palästinensischen Bodens mit so überzeugender Kraft, daß ihr Auftreten .überall dauernde Sympathien für Palästina wachriet. Diese Stimmung suchtr sie praktisch zu verwerten, indem sie dazu aufforderte, der blauen Hu > : ■׳ c!;,!1 Svmbot jüdischer Sclbstcrlösung einen Ehrenplatz im Hause cinzuräimien. Es fiel ihr, die nicht in Gents zu recum-11 gewohnt ist, zunächst nicht ganz leicht, für den Gedanken dieser Kleins,immlung zu werben, aber die Erkenntnis des großen propagandistischen und demonstrativen Wertes der Büchse und der Sammclmögliehkrit, die sich bei genügender Verbreitung erschließt, ließ sie immer überzeugter und eindringlicher fiir’ das Schlagwort cintreten: ,,Fiiicn Nickel täglich erwirbt einen Dunatn Nationalfoiidsbodcn im Verlauf eines Jahres!“ und ,,Wenn jeder Jud« diese Kleinigkeit täte, könnten wir den ganzen Boden Palästillas, den wir benötigen, im Handumdrehen auslösen“. , Nach ein paar Wochen intensivster Vortragstätigkeit be* gami jedoch das Fraucnsckrctariat seine Methode als un/ulänglich zu empfinden. Es s,1־h den erreichten Erfolg sich verflüchtigen, weil ihm jede weitere Beeinflussung des einmal gewomieiicii Vereins und der einzelnen Büchsenbesitzer so gut wie _ abgeschabten war. Der bezahlte Einsammlcr war der einzige, der den begonnenen Kontakt fort.ct/t־׳ und seine Persönlichkcit war in der R־׳gel nicht dazu angetan, die kaum geweckte Begeisterung warhzuerhaltcn oder gar zu steigern. Aus dieser Sackgasse half Sari Berger-Kolm den Ausweg finden. Sic kam im Eebrnar naclr New York als eine wirkliche Prophetin der Biichsc, zu der sie sich selbst erzogen hatte. Sic hatte begriffen, daß die unansehnliche Pusciike geradezu ein ideales Mittel zionistischer Propaganda und Er- Ziehung werden konnte. Apostel zu finden mul zu erzielten, die die Biichsc als Hebel für tmgeliobcnc Schätze jüdischer Seelen und Herzen zu homit/en verstünden, ־ setzte sie sich nun zum Ziel. Schon in Polen war es ihr gelungen, die jüdisehe Bevölkerung ganzer Städte für die Büchse zu begeistern. Dieser organisatorischen Leistung ist cs z.u danken, daß selbst in der Agonie, in der die jüdische Bevölkerung Polens sieb heute verblutet, die Büchse wie ein Symbol weiter gepflegt wird. Es gibt wohl nichts Ergreifenderes als die Tatsache, daß die notleidende Judciischaft Polens im Monat April dieses Jahres sich halb soviel für den Nationalfonds ablmngcrle, als das im Reichtum schwimmende Judentum Amerikas dafür aus seinem Ueberfluß abgab. , * Als Sari Berger hierherkam, begann sie mit ihren Studien• zirkeln und Vorträgen iin kleinen Kreis und mit der Schulung von Gruppen, die sich ihr nach Ansprachen in großen Ver• Sammlungen zur Verfügung stellten, besonders unter den iingarischen Juden, deren Sprache sic beherrscht und unter den Hadassah-Frauen, die den Gedanken der freiwilligen Dienstpflicht in ihrer Organisation verwirklicht haben. Es war nicht immer leicht, sich verständlich zu machen, besonders nicht durch die doppelten Nationalschärpcn durchzudringcn, mit denen die ungarischen Juden ihre jüdischen Herzen buchstäblich umwickelt Italien, aber sic drang durch. Während ihres dreimonatlichen Aufenthaltes fand sie Hunderte \on ergebenen Schülern und Mitarbeitern, die die Büchsenarbu'i mit heiligem Eiter auf sich nahmen. Die Hadassah als die zionistische Frauenorganisation erkannte es als ihre Ehrenverpflichtung, sich an die Spitze zu stellen. Sie gliederte sich dem Erauciiäckretaiial des N. F, an, 11111 ihren disziplinierten Scharen, die die Arbeit für den K.K. bisher nur gelegentlich geleistet hatten, als einen obligato• rischen Punkt des Hadassaliprogranims zu verdeutlichen. Als J e w i s h National Fund Council o f Hadassah arbeitet das Frauensekretariat heute nach Sari Bergers Plan unter der Leitung von Frau Lindheim. Frau Lindheim wnf die erste gewesen, bei der der viiTuinstrittcne Plan mit seiner großartigen Konzeption gezündet hatte, und ihr vor allem ist cs anzurcclwcn, wenn er heute langsam vcrwiiklicht wird. Zahlreiche Erauengruppen schulen sicli mm zum *Verständ• 11 is der Bodenprobieme in Palästina, zu unterrichteten Verkündern des Ideals der blauen Büchse. In Hunderten von vornehmen jüdischernJ lausen! der Stadt und der Villenbezirke ist die Nationalfondsbüchsc heute schon ein jüdisches Wahr- Zeichen geworden. In vielen ist sic von ihrem Aschenbrödclplatz in der Küche zu dem ihr gebührenden Ehrenplatz, im Empfangssalon vorgerückt und mutig und geschickt werden die 'Meutsehen Vorbeters, eine reine Natur von großer dichte- ״weher Kraft. Der schmale Band ihrer Gedichte hat seinen 'Me־t Ton, und ihre IJcbcrsctzuiigen gehören zu den besten ״״rer Zeit. Sic ist später die Frau des genialen Gustav Undauer geworden und Gott meinte es gut mit ihr, daß er '״das tragische Ende dieses Gefährten nicht mehr sehen ließ. T!zt aber stellte Hedwig Lachinanii ihr Leben vor die gleiche die später eine andere rücksichtsloser löste: Nehmen •er Verzichten? Und ihre Antwort lautet: Lieber kein Glück, nur lauter sein Nur keinen Schritt abseits vom Recht. Nur keine Schuld, lieber kein Glück! O Gott, ich stürbe, witrd׳ ich schlecht! Hedwig Lachmann verdankt Dehme! vielleicht die seelcn-;Hegten seiner Gedichte, wie jene unvergeßlichen Zeilen, Mn er den Namen ״Nur" gab: Und der Abschied war kein Ende Und meiii Blick bewegte dich... Die dritte Jüdin, die uns in Dehmcls Leben begegnet, Ist ‘,Coblenz, die Tochter eines rheinischen Kommerziell- '% «he in Berlin mit dem Konsul Auerbach verheiratet war. Mt! Isi", wie er sie nannte, ist seine zweite Frau und seine : MfK Geliebte" geworden. Aber es ist wie eine gcbcininis-! y1' &*chc des Dämons, daß diese zweite Ehe, die Zeit seines : *Men Mcnsclionglückcs, kein Kind licrvorbrachte und kein an v*'*', t!afi jenen Schöpfungen aus der Zelt des Kampfes ״ *Mw Seite zu stellen wäre. Gustav Landauer hatte Recht, ״' '׳ ־ einer Studie über Dehmel schrieb: ״Wenn es so ist, ׳" ״זir wünschen, grausam wie nur Dichter sind, ... er vv>c immer so ferner kämpfen und kämpfen müssen . . .“ MIL.Ü *)Cstc *י,3,־® dieser späteren'־Jahre empfinden wir n,!lch‘ nicht mehr in dichterischen t Geschenken, sondern Hfi 11 den seines Menschentums. Auch Julius Bab scheint lijj ״ yerchrung seines Helden dieser Meinung zu sein. r ist die Stelle, wo der Mensch Dehmel als ein furchtu״d aulrechtcr Deuker auch für uns Juden wieder aixj ״ wird, Es ist höchst interessant, den Verzweigungen dtricn twic'd״n{!׳fn seiner Gedanken über jüdische Dinge, von * ’ «i־״ Briefe reiches Zeugnis abiegen, nachzugehen, 1»et freilich aus gaumgriuKfcn mir aodeutend geschehe» kann. Dehmel Ist immer ein Feind des landläufigen Antisemiiismtis gewesen; als seine Burschenschaft judenfeindliche Beschlüsse faßte, war er unter den ersten, die gegen diese Ungerechtigkeit protestierten. Aber während er die Größe der jüdischen Ethik vielleicht niemals erkannt hat, zog ihn das jüdische Volkstum später gewaltig an. Seinem Freunde Wilhelm Schäfer gegenüber weist er auf das Bodenständige, durchaus nicht Naturfremde süddeutscher Juden hin. ״Ain Rhein haben sich viele jüdische Familien jahrhundertelang als Hausierer, Viehhändler, Ackerwirte und Landärzte betätigt, sind also in ebenso stetem Zusammenhang mit der reinen Natur geblieben wie irgendein germanischer, keltischer oder slawischer Landbewohner. Am Oberrhein und Bodensee gibt cs sogar ein paar Dörfer, in denen seit Olims Zeiten nur jüdische Bauern sitzen; ich habe dort ein Laubliiittcnfcst feiern sehen und möchte nur wünschen, daß alle deutschen Bauerngemcindcn sich einer so urwüchsigen, harmlosen und schmucksaubcrcn Lebensfreude befleißigen.“ Freilich ist ihm der moderne jüdische Durchschnittsmensch fn der Seele verhaßt, wie ihm ja auch das deutsche Bürgertum ״kernfau!“ erscheint; aber gerade rassenbewußte Vorzugsgcscliöpfc wie etwa den ״Voliblutjuden Licbermann“, der seine deutschen FlachJandschaftcn so eindringlich malt wie kcin.ostfriesisches Dut/cudiaient, hat er aufs höchste anerkannt und bewundert, fit einem Gespräche mit Licbermann, das sich unter dem Titel ״Talent und Rasse“ in seinen gesammelten Werken findet, hat er auch seine Ueberzeugung von der Bcdeuftings• losigkeit des willkürlich konstruierten Rassebegriffs für alle wirklichen menschlichen und künstlerischen Werte nicdcrgclcgt. Es mag für die Leser dieses Blattes eine persönliche Befriedigung von nachdenklicher Art bedeuten, daß die Kriegs* jahrc ihn gerade mit Zionisten wie Hermann Struck und Arnold Zweig in nähere Berührung brachten. Wie über* national weit er aber den Begriff des jüdischen Wesens spannte, das zeigen seine schönen Worte über Stefan Zweigs Jeremias: T.iltre Dichtung offenbart die jüdische Seele in so allmcnschlicher Verklärung, daß sich auch jede deutsche Seele daran läutern kann vom Leid der Selbstsucht.“ — Literarische Nachrichten Im Anschluß an die Reihe der im Verlag ״Eschkol“- Berlin bisher erschienenen Werke des klassischen hebräischen Schrifttums ist vor kurzem eine ״Anthologie der jiid 1 s c 11 e 11 R c I i g i o 11 s p h i I o s o p h i (“ von Jakob K i a t 7k i 11 zur Ausgabe gelangt. Die Anthologie enthält eine sorgfaltige und reiche Sammlung von ausgewähltcn Kapiteln aus Schriften der jüdischen und arabischen Philosophie des Mittelalters. Durch Beigabe von wissenschaftlichen Bemerkungen und Erklärungen der Termini ist das Werk auch breiten Kreisen zugänglich gemacht worden. Diesem ersten Bande sollen noch zwei Bände folgen, die ein großangelegtes Wörterbuch der philosophischen Terminologie mit Quellenangabe bieten werden. — Ferner ist der erste Teil der ״M .1 c 11 - barot“ von Enianuc! Ilaromi soeben im Verlage Eschkol erschienen. Die Edition dieses eigenartigen poetischen Werkes wurde von Prof. II. Brody auf Grund mehrerer Hand- Schriften besorgt. — Vor einiger Zeit hat der Verlag Eschkol ein philosophisches Buch von Jakob Klatzkin (״Schkiat Hachajim“) hcrausgcgcbeii, das den Versuch eines geselltessenen philosophischen Systems darstellt. — Demnächst erscheint der 3. Band der bekannten ״Geschichte der jüdischen Martyrologic“ (,,Sefer Radmaot“) von Dr. Bcrnfeld. Das Juniheft der Monatsschrift für Geschichte 1111«! Wissenschaft des Judentums bringt an erster Steile *eine eingehende Auseinandersetzung von Professor I. Et00gen mit Dubuows Weltgeschichte des jüdischen Volkes, Band 1 bis 3, 1111 gleichen Heft »ringt Fritz Bacr seine Untersuchungen über die jüdische Messiashoffnung. Rudolf Eisler und Gerhard Sc hol cm setzen ihre Untersuchungen über den Einfluß der Kabbala auf die Alchemie fort. Von Interesse ist ferner die austühr• liehe Besprechung von Sehetteiowitz, Buch über alt• palästinischen Bauernglaubcii durch A. Marmorstein. Man abonniert die Monatsschrift durch Einsendung von 10 M. an die Geschäftsstelle der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Bcriiu-Schöncbcrg, Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 70)0. Neulrinzutretciidcn Mitgliedern werden die bereits erschienenen Hefte mit sehr wertvollen Beiträgen nacligclicfcrt. Bertha > ״ ■״■q JUdi11ät(aas$. Im Verlag Hinrichs erschien soeben ehe 3. Lieferung von 1 Scb«machcr׳StcucrflaßeIst ״Adschlun“. _ 4» ..■■״ 41 lli