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Jüdische Rundschau · 1926-07-02 · Heft 51 (2.7.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 51 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 374 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5t Nr. 5t # 0 tin letztes Wort zur Anleihefragc, die, wie man sieh verstellen kann, für mich ein ganz besonderes Interesse gehabt hat. Auch hier ist der Eindruck, den man nach Rücksj,rache mit den zuständigen Genfer Stellen hat, der, dal( die Schwierigkeiten nicht so sehr auf ökonomischem Gebiet als auf juridischem liegen. Die Jcwish Agency ist in ihrem internationalen rechtlichen Status iti Genf noch nicht soweit anerkannt, daß der Gedanke, sie zu dem Träger einer internationalen Anieihc zu machen, annehmbar erscheint. Für eine Völkerbundgaraiiiie unserer Anleihe erscheint deshalb die Kooperation und die Deckung dieses Anleiheplanes durch die Mandats macht unter den heute gegebenen Umständen eine unerläßliche Voraussetzung, so daß meiner Meinung nach der Schlüssel auch zur Anlcihepolitik in London zu suchen ist. Ber •IBzielle Bt rieht Genf, 29. Juni. (J. T. A.) Aus dem Büro des Völker- Hundes wird der folgende offizielle Bericht über die Arbeiten der Mandatskommission des Völkerbundes ausgegeben: Die Permanente Mandatskommission beendete am 25. Juni ihre Arbeiten, nachdem sie zuvor noch einen Bericht an den Völkerbundsrat erstattet batte, in welchem ihre Beobachtungen und der Inhalt der empfangenen Berichte niedergelegt sind. Im Verlauf ihrer diesmaligen Tagung prüfte die Kornmission die Jahresberichte der Mandatarmächte betreffend die Verwaltung in Palästina, Togoland, Französisch-Kamerun, Tanganyika, Ruanda Urundi, Nauru und Neu-Guinea sowie Südwestafrika. Sie nahm einen Situationsbericht von Herrn de J o u v e 11 e 1, dem Oberkommissar der französischen Republik für Syrien und Libanon, über die gesamte Lage in diesen Gebieten entgegen und nahm die Gesuche des palästinensisch-arabischen Kongresses, der Agudas Jisroel, des Nationalrates der Juden Palästinas und der Zionistischen Organisation zur Kenntnis. Sie nahm die in diesen Berichten gezogenen Schlußfolgerungen zur Kenntnis und wird sie dem Rat u nterbreiten. Die Wünsche wurden auf der Basis der Berichte, die von bestimmten Mitgliedern des Komitees erstattet wurden, geprüft. Die Kommission revidierte gemäß ihren Erfahrungen die Vorschriften mit Bezug auf die Vorbereitung der Jahresberichte und die Entgegennahme von Petitionen, worüber unter den Mandataren und den anderen Beteiligten noch Zweifel herrschen. Die Kommission, die in diesem Jahre bereits zweimal getagt hat, das erstemal in Rom im Februar, das zweite mal Jm Juni in Genf, wird ihre dritte Session im kommenden November abhalten. Koilereiz der VSIktrlndligei London, 29. Juni. (J. T. A.) Heute wurde in Aberystwith die Weltkonferenz der Union der Völkerbundligen eröffnet. Die jüdische Völkerbundliga in Oesterreich ist durch Dr. Baron, Wien, vertreten. Der Konferenz liegt ein Gesuch der palästinensischen Völkerbundliga um Aufname in die Union vor. Dagegen kann über das Gesuch der jüdischen Völkerbundliga in Litauen noch nicht abgestimmt werden, da gewisse Formalitäten noch nicht erfüllt sind. Das Gesuch der Palästina-Liga, das dem Generalrat vorlag, wurde an die juridische Kommission zurückverwiesen, da es sich hier um einen Präzedenzfall handelt. Die Probleme der nationalen Minderheiten werden den Kongreß auch diesmal sehr stark beschäftigen. Eine weitere Resolution, die dem Sl zur Beschlußfassung vorliegt, lautet: Der Kongreß Mlgllfderjer S.t'ä«dl״g.e;p 0 ® in lir* מסיו des Völkerbundes die Mändatsllnder besuchen, um sich an Ort und Stelle über die Lage zu infor* mieren; der Kongreß drückt die Hoffnung aus, daß von keiner Seite einem solchen Besuch Hindernisse in den Weg gelegt werden. Weitere Entschlüsse, die dem Kongreß vorliegen, betreffen die Probleme der Auswanderung und die Rechte der Ausländer in jedem Lande. (Wie wir erfahren, werden auch die Herren Dizcngoff und Arlosoroff an dem Kongreß teilnehmen. A. d. R.) Der Abschluß des Welt-Wiüderugskoigresses London, 27. Juni. (J. T. A.) Der Kongreß für Wanderungsfragen ist am 25. Juni zu Ende gegangen. Es wurden mehrere Entschlüsse gefaßt, unter denen zu erwähnen sind: Der Kongreß ersucht die Gewerkschaften und die Arbeiter- Internationale, eine gemeinsame Kommission zu ernennen, die die Aufgabe haben soll, die wirtschaftlichen, sozialen und Rasse-Faktoren, die in den Problemen der Wanderung eine Rolle spielen, zu studieren und dem nächsten Welt-Wanderungskongreß einen Bericht zu unterbreiten. — Der Kongreß hält die Errichtung eines staatlichen Wanderungsamtes in jedem Staate für notwendig; in diesem Amte sollen Vertreter der Gewerkschaften sitzen. Daneben müsse ein internationales Wanderungsamt bestellen, i!1 welchem ebenfalls der Gewerkschaftsbund entsprechend vertreten zu sein hat. Alle die Wanderung betreffenden Informationen sollen von diesen Aemtem ausgehen. — Der Kongreß fordert das Verbot jeder Art von Propaganda für Auswanderung seitens der privaten Transport-Unternehmungen. Statt dessen sollen staatliche Wanderungsämter überall bestehen, die dem Wanderer mit Informationen dienen und ihn moralisch unterstützen. Informationen sollen gesammelt werden über läge des Arbeitsmarktes und Höbe der Löhne in den Einwandeningsländern, über die medizinischen Bedingungen der Einwanderung usw. Der Kongreß fordert die Abschaffung der Paßgebühren für Ausländer. Endlich fordert der Kongreß, daß in allen Ländern der Arbeiterschaft verschiedener Rassen gleiche Behandlung zuteil wird; alle diesbezüglich noch bestehenden Einschränkungen müssen aufgehoben werden, damit nicht das Emigrationsbedürfnis gewisser Kategorfen Arbeiter künstlich gesteigert wird. Die Jcwish Ageicy nad der Waid Leumi Jerusalem, 26. Juni. (P. C.) Nach einer Reihe von Besprechungen zwischen der zionistischen Palästina-Exekutive und den Leitern des Waad Leumi ist es zu einer genauen Festlegung der Beziehungen zwischen diesen beiden Körperschäften gekommen. Es werden häufig, wenn nötig monatlich, gemeinsame Beratungen über die Fragen stattfinden, die beide Konstitutionen interessieren. Im übrigen wird das Präsidium des Waad Leumi in ständigem Kontakt mit dem Vertreter der Jewfsh Agency, Colonel F. H. Kisch, stehen. Es ist ferner festgelegt worden, in welchen Angelegenheiten der Waad Leumi sich an die palästinensische Verwaltung zu wenden hat, und Colonel Kisch hat die Zustimmung des High Commissionen und des Chief Secretary für diese Abmachung erlangt. Die Exekutive ihrerseits wird sich mit dem Waad Leumi in allen neu auftauchenden Fragen von prinzipieller Bedeutung, die mit der Verwaltung besprochen werden sollen, in Verbindung setzen. Der erweiterte Rat der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas hat beschlossen, die dritte allgemeine Arbeiterkonteren / zu Chanukka 5687 abzuhalten. Die neue Krise im polnischen Zionimus Pilsudskis Staatsstreich und die Juden. --Vor n c 11 e n S c j in w a h 1 e n, — Vereinigung des ,,E t L i w n o t“ u 11 d ״A I H a m i s c 11 m a r“. — Austritt der Zionisten K 1 c i 11 p 0 1 c 11 s aus dem zionistischen Oberrat c. Von unserem Korrespondenten. —g. Warschau, Ende Juni. Der im vorigen Monat von Pilsudski unternommene und erfolgreich durchgeführte Staatsstreich hatte unmittelbar mit der polnischen Judenheit und der polnischen judenfrage nichts zu tun. Weder der Ausgangspunkt der historischen Maiereignisse in Warschau noch auch die folgenden revolutionären Ereignisse hatten irgendwelche ״jüdische“ Atomente aufzuweisen. Die von manchen ausländischen Zeitungen veröffentlichten Nachrichten über antijüdische Exzesse während der Revolutionstage in Warschau waren glatt erfunden. Es kam nirgends zu Ausschreitungen gegen Juden, und die polnische Gesellschaft hatte cs diesmal (mit kleinen Ausnahmen) unterlassen, die Juden für die Ereignisse verantwortlich zu machen. Dies bedeutet aber nicht, daß die jüdischen politischen Parteien der Warschauer Revolution gleichgültig gegenüberstanden oder daß der erfolgte Umsturz keinen Einfluß auf die Lage der polnischen Judenheit hatte. Pilsudski marschierte gegen Warschau und eroberte die polnische Hauptstadt, sowie den größten Teil der polnischen Gesellschaft unter der Losung einer ״moralischen Sanierung“. Der erste polnische Staatschef hatte den Mut und die nötige Kraft, gegen die zur Herrschaft gelangte Reaktion lind Korruption im öffentlichen Leben aufzutreten. Der polnische Staatsorganismus krankte nicht nur infolge der miserablen wirtschaftlichen Lage — behaupteten Pilsudski und sein Anhang —, sondern vielmehr infolge der schreckliehen moralischen Verwüstung, die sich auf jedem Gebiete des staatlichen Lebens breitmachte. Diese Parole gab dem Kampfe Pilsudskis Schwung und — Sieg. Diese siegreiche Losung wurde auch von der gesamten jüdischen Bevölkerung mit Freude aufgenommen; Pilsudskis Sieg ermunterte die jüdischen Massen. Denn wollten wir eines der Grundübel untersuchen, an dem die polnische Judenheit seit Jahren — noch vor der Errichtung der polnischen Staatlichkeit — leidet, müßten wir auf die verpestete öffentliche Moral in breiten Kreisen der polnischen Bevölkerung hinweisen. Wo sich Korruption, arger Bürokratismus, Parteilichkeit in der Verwaltung und ähnliche Erscheinungen einnisten und breitmachen, dort bekommt es vor allem die jüdische Bevölkerung zu spüren. Nicht anders war es in Polen. Der jüdische Gleichberechtigungskampf in Polen war in großem Maße ein tnoralischer Kampf gegen die Unmoral der meisten polnischen Parteien gegenüber den Juden. So ist es also verständlich, weshalb die polnischen Juden dem Kampfe Pilsudskis mit freudigen Gefühlen begegneten und obwohl die polnische Judenschaft sich vor einer Einmischung in den polnischen Bruderkampf gehütet hat, konnte und wollte sie doch kein Hehl daraus machen, welcher Partei ihre Sympathien gehören. Inwieweit die Hoffnungen und Erwartungen der Juden in Erfüllung gegangen sind, und welche Wirkungen auf ihre Lage der neue Kurs in Polen mit sich brachte und noch bringen wird, darüber werden wir nächstens berichten, nachdem sich die Situation in Polen geklärt haben wird. Eines ist schon jetzt sicher; Das polnische Parlament ist vollständig in Miß- Kredit geraten und seine Auflösung steht bevor. Die feststehende Tatsache, die greifbarste Wirkung der Mafrevo«tten *fef Jsdwn sehr wichtige Folgert'»! die z Hbn fft t i s c h e Bewegung in Polen gezeitigt. Es sind dies Ereignisse, welche größte Aufmerksamkeit in der zionistischen Welt verdienen. In unserem Berichte über die letzte allpolnische Tagung der allgemeinen Zionisten im März d. J. haben wir darauf hingewiesen, wie stark die landespolitische Arbeit den polnischen Zionismus absorbiert und betonten damals mit Bedauern diese Vorherrschaft der Landespolitik. Wir würdigten aber gleichzeitig die positiven Ergebnisse der Tagung, welche einen Kompromiß zwischen den kongreßpolnischen und galizischen Zionisten herbeiführte. — Der Streit drehte sich, wie erinnerlich, um die traurig berühmte ״Ugoda“ und drohte mit einer Spaltung in der so mühsam seit 1924 geschaffenen einheitliehen zionistischen Organisation Polens. Es sei noch erinnert, daß die seit einem Jahre bestehenden zwei Gruppen im Allgemeinen Zionismus Polens, die ״Eth Liwnot“ und ״Al Hamischmar“ in ihrer überwiegenden Mehrheit in der Landespolitik dasselbe Programm vertraten, nämlich die radikale Richtung des Abg. Grün bäum. Nun kam der Maiumsturz und dessen Folgen. Diese innerpolitischen, wenn auch sehr bedeutsamen Ereignisse, die. wie wir gesehen haben, unmittelbar mit unseren zionistischen aktuellsten Problemen nichts Gemeinsames haben, bewirkten eine folgenschwere Wendung im Lager der allgemeinen Zionisten Polens. Sie verursachten einen Zusammenschluß und eine Spaltung zugleich. Es erfolgte die Wiedervereinigung des ״E111 Liwnot“ mit dem ״AIHamischmar “ u n d die Trennung der zionistischen O r g a n i s a t i 0 - neu Ost- und W e s t g a 1 i z i e 11 s von der Zion. O r ־ ganisation Kongreßpolcns und des W i I n a e r Kreises. Dies alles, sowohl Vereinigung der Einen als auch die Trennung der Anderen, stand im Zeichen der Land es pol it i k und in engster gegenseitiger Wechselwirkung. Nachdem es schon festsfand, daß der Sejm aufgelöst wird und 11 c u c Pa r 1 a m e n t s w a 111 e n bevorstehen, konzentrierte sich alles Denken und Trachten der allgemeinen Zionisten auf dieses bcvorstehende Ereignis und sie waren die ersten unter samtliehen politischen Parteien in Polen, welche schon einen strafegischen Plan fertigstellten. Allerdings galt die Strategie zuerst der inneren Front. Vorerst Zusammenschluß sämtlicher allgemeinen Zionisten Polens. Die zwei Gruppen müssen also verschwinden. Es bestanden wohl einst schwerwiegende, sogar ideologische Differenzen zwischen beiden Gruppen und nur diese entschuldigten die Zweiteilung. Die Differenzpunkte sind ja bekannt: erstens die ״Jcwish Agency“ und zweitens die Wege unserer Kolonisationspolitik in Palästina. Vor den Wahlen zum polnischen Sejm sind nun diese Differenzen ausgeglichen. Man ,.erklärt beiderseits, daß die obengenannten Probleme doch nicht mehr aktuell sind (das zweite, nachdem die Emigration aus Polen nachgelassen hat), wozu also die Zweiteilung? Es darf nicht verheimlicht werden, daß so mancher Zionist in Polen mit einigen Zweifeln die Kunde von dieser Vereinigung (sie erfolgte formell anläßlich der Jahresversammlung der Warschauer Zionistischen Organisation) aufgenommen hat. Nicht als ob es jemanden gäbe, welcher die zionistische Einigung für schädlich erachten würde. Wohl aber, fragt sich so mancher, ist es wirklich wahr, daß die prinzipiellen Unterschiede nicht mehr vorhanden sind? Kenner der Mensehen und Dinge wagen es zu bezweifeln. Oder aber, fragt man sich zugleich, wozu war die Spaltung seit Beginn? Warum schwächte man auf dem Wiener Kongresse das zionistische Zentrum, wozu schuf man die ״radikale zionistische Vereinigung“ mit einem Zentralbüro in Berlin, mit einer .eigenen, «״d warb noch unlängst mit Hilfe der Führer der polnischen ״Al-Hamischmar“ in verschiedenen Ländern für diese separate Organisation? Entweder — Oder. Derlei Zweifel wurden aber wahrscheinlich durch die schon im Walilfieber lebenden Zionisten unterdrückt und nun stehen die Zionisten Kongreßpolens vereint — eine Tatsache, welche freudig zu begrüßen wäre, stünde sie nicht, man mag es zugeben oder nicht, im engsten Zusammenhänge mit der - Wahlstrategie. Nachdem also der erste Aufmarsch gelungen ist, erfolgte der zweite Abschnitt. Der zionistische Oberrat, welcher noch kaum die Ijaraktion beendet hatte (trotzdem der Monat Ijar längst verstrichen ist), hatte es eilig, befaßte sicli eingehend mit der künftigen Wahlkampagne und beschloß mit einer Mehrheit gegen die Stimmen der Vertreter der Lemberg er zionistischen Exekutive (aber mit den Stimmen der westgalizischen Zionisten), daß die Zjpnisten ganz* Polens den Wahlkampf zum Sejm einheitlich zu führen haben und daß die Leitung der Wahlen in den Händen des Oberrates ruht. Dieser selbstverständliche Beschluß — selbstverständlich nachdem nun einmal die Landespolitik ein integrierender Bestandteil der zionistischen Arbeit ist und selbstverständlich, nachdem die Einheitlichkeit der Zionistischen Organisation und der zionistischen Politik allseits nach schweren Mühen anerkannt wurde — stieß aber auf einen solchen Widerstand der ostgalizischen Zionisten, daß sie sich dem Mehrhcitsbeschluß nicht fügen wollten und aus dem Oberrat austraten. Der wahre Beweggrund ist der (Abg. Reich bestätigte es in einem Zeitungsgespräch), daß die ostgalizischen Zionisten eben in der Landespolitik eine ganz, andere Richtung vertreten als die allgemeinen Zionisten Kongreßpolens und demgemäß wahrscheinlich auch eine ganz andere Wahlpolitik führen werden. Daß dies aber vom zionistischen Standpunkt sehr schädlich ist, wollen nur manche ostgalizischen Führer zugeben. Diese Gruppe (Sen. Dr. Ringel, Sen. Dr. Rottenstreich, Abg. Frostig und Abg. Dr. Insler) tritt auch scharf der Taktik der Reich-Gruppe entgegen. Damit sind wir aber noch nicht zu Ende. Nachdem obiger Beschluß gefaßt wurde, hatte man es wieder sehr eilig und schritt sofort — wiederum im Hinblick auf die kiinftigen Sejmwahlen — zur Wahl eines Vorsitzenden des Oberrates, und die Zionisten Kongreßpolens kandidierten den Abg. Grünbaum als denjenigen, der bereits bei Wahlen 11 nleugbar große Fähigkeiten gezeigt hat. Diese Kandidatur bewirkte aber wiederum eine Opposition seitens der westgalizischen Zionisten mit Abg. Dr. Thon an der Spitze, welcher beantragte, daß das Präsidium des Oberrates mit keinem zionistischen Parlamentarier besetzt sein soll. Dieser Antrag fiel durch und daraufhin verließen auch die westgalizischen Zionisten den Oberrat. Wir sind also wieder dort angelangt, wo wir im Jahre 1924 waren, zerrissen und gespalten. Die Lage ist aber jetzt noch schlimmer, da sich inzwischen die Leidenschaften noch mehr verschärft haben, die durch wirklich vorhandene Mentalitäts- und Temperamentsunterschiede aufgebauscht wurden. Eine neue Krise im polnischen allgemeinen Zionismus ist ausgebrochen, deren Folgen unabsehbar sind. Vielleicht wird die bevorstehende Julitagung des Aktionskomitees eine gute Gelegenheit bieten, die Vorgänge im polnischen Zionismus zu besprechen. Die angekündigte Beratung der zionistischen Zentrumsparteien in London hat sicherlich die Möglichkeit und die Pflicht, die Situation in der größten, aber auch zugleich am stärksten zerklüfteten Partei des zionistischen Zentrums zu behandeln. Die Lage ist ernst, u. a. auch deshalb, weil die Sejmwählen bevorstehen. Der polnische Zionismus darf eben in keinen ״Sejmzionismus״ verwandelt werden. Pretieschaa Die Jüdisch-Liberale Zeitung, die sich bekanntlieh durch die Artikel des Herrn Joachim Fischer über Palästina kompromittiert hat, bespricht in der ״Umschau“ ihrer letzten Nummer neuerlich das Verhältnis der außenstehenden Nichtzionisten zum Palästina-Problem. Der Verfasser erklärt, man müsse anerkennen, daß die Zionistische Organisation selbst die Schwierigkeiten des Aufbauwerkes keinesvvegs verschleiert. Diese Schwierigkeiten müssen auch den Nichtzionisten trübe stimmen, und mit um so größerer Begeisterung müsse er sich den jüdischen Pflichten in den Ländern der Zerstreuung zuwenden. Der Verfasser bedauert, finanziell nicht in der Lage zu sein, uni einen ״Weitblickenden Liberalen“ nach Palästina zu entsenden, damit er sich ein eigenes Bild von der Lage mache. Es ist erfreulich, daß hier, trotz aller Skepsis, ein anderer Ton angeschlagen wird als in den Auslassungen des Herrn Fischer, den zu verteidigen derselbe Autor früher unbegreiflichervveise für möglich fand. Mit Recht sagte die ״Liberale Zeitung“, daß die Zionisten die Schwierigkeiten nicht vertuschen, und wir möchten hinzufügen, daß auch der ersehnte ״weitblickende Liberale“ nicht mehr Schwierigkeiten finden wird, als wir selbst sehen. Aber der Unterschied zwischen uns besteht doch darin, daß die ״Liberale Zeitung“ für diese Schwierigkeiten höchstens ein paar melancholische Worte hat, während wir einsehen, daß es jüdische Schuld ist, wenn ein großer Teil dieser Schwierigkeiten nicht behoben wird. Es ist eine Schmach für das Judentum der ganzen Welt, wenn die palästinensischen Pioniere im Stich gelassen werden, und der Ratgeber der ״Liberalen Zeitung“ sollte seine ״weitblickenden, politisch und wirtschaftlich geschalten und religiös empfindenden“ Manner nicht mobilisieren, damit sie zur Kritik beitragen, denn mit diesem Artikel sind wir versehen, sondern damit sie aktiv und helfend m i t w i r k c n. * Die C, V. -Zeitung hält es für gut, aus dem kürzlich im Verlage Karl Reißner in Dresden erschienenen Briefen Walter Rathenaus eine Zuschrift zu zitieren, in welcher Rathenau erklärt, die Mehrzahl der deutschen Juden habe nur ״ein einziges Nationalgefühl, das deutsche“. Es ist schwer verständlich, was die C. V.-Zeitung mit diesem großaufgemachten Zitat eigentlich beweisen will. Wir sind weit davon entfernt, die Figur Walter Rathenaus, die doch ein« ganz individuelle und eigenartige Geistigkeit darstcllt, für parteimäßige Propaganda zu mißbrauchen. Das Schicksal Rathenaus, der heute noch großen Massen des deutschen Volkes als der teuflische Jude gilt und der als Jude sterben mußte, ist für nachdenkliche Gemüter auch ein Fingerzeig zur Erkenntnis des wahren Wesens der Judenfrage. Daß Rathenau kein National Jude war und daß er der Ansicht war, die Juden hätten nur deutsches Nationalgefühl, ist selbsterständlieh "nie bestritten worden, obwohl manche Stellen in Rathenaus Schriften und Briefen darauf hindeuten, daß er die Sache doch nicht so ganz einfach ansah, wie es in dem vom C. V. zitierten, zu einem speziellen Zweck geschriebenen Briefe zum Ausdruck kommt. Vor allem aber dürfte es dem C. V. bekannt sein, daß Rathenau, der deutsche Nationalist, die größte Geringschätzung für die Vereinsmeiereides Central- Vereins hatte. Zwar betrachtete er sich als Deutscher, aber er wäre viel zu stolz gewesen, diese seine Anschauung durch einen Vereinsparagraphen über ״unbeirrtc Pflege deutscher Gesinnung“ zu proklamieren. Soweit uns bekannt ist, hat er auch abgelehnt, im C.V. mitzuarbeiten. Wie . ,1 r a 11 s j 1 bildet ist, Aegyptcr diesen Na den. Dies Sollte es für richtig als eine bezeichnet die G r it betrifft, sc gemeldet Von jüdis gegen de Auch dies herrschen( wurde vo berichtet, Musterunj Bereitvvilli hatte. W; Stellungen lose Ai In Z w i s c h einer De! gouvernei lieh gilt Jerusalem eine Reih Beschwer Fordcrun! er hatte Mögliehk! Delegatio Vortrag : salemer j trauen, d Darauf b Delegatio könne nie man Hab׳ das Wort Dieser Z über die zu diskut die Jude systemati tungen d und zwei Grol Baues de Wer ein! inzwischf punkte n fahrt die« wäre. E stark un Zustand. 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