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Jüdische Rundschau · 1926-07-02 · Heft 51 (2.7.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 51 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 51 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sefte 373 51 der menda IS; au 11ge!1 nkci! ialioehe!! nicht ihcit, defi. ■chen , für leine 1 mit issen idenigiös lationden m in ■Jilu B iwelt lichtisten Maß- Dir Zielt neu“, orde- und jold- Ranz niger hat.'1 ituilg ganz clit“, nicht •eben Dr. von Ullndelt ■ineständinger jüdiiöscr 1 der dem ' zuden eden. raJen liegt uden idere Vervirkt. ifhaft und Völ- B״dst öons. ist leben!eden weit igion!teilt, »licke!dern latio-!bens .vick- 11'sto-!Ihmlmen , sonach it in itrald es tVUßt hältw. Die Delegation in Genf Von Dr. Cbalm Arlosoroff. Herr Dr. A r 1 o s o r o f f, einer der Delegierten des Waad Leumi nach Oenf, hielt sich auf seiner Reise nach London mehrere Tage in Berlin auf und hatte die Freundlichkeit, uns auf unser Befragen folgende Mitteilungen über die Täfigkeit der Delegation in Oenf zu machen: Die Delegation des Waad Leumi hat in der Zeit, wo sie fn Oenf gearbeitet hat, Gelegenheit gehabt, mit fast allen Mitgliedern der Mandatskommission persönlich Fühlung zu nehmen und mit ihnen in einiger Ausführlichkeit die Fragen des Palästina-Aufbaues zu erörtern, darunter mit dem Präsidenten der Mandatskommission T h eod 01 i und »mit allen Mitgliedern, die Rapporte und Petitionen im Zusammenhang mit dem Palästina-Aufbau zur Berichterstattung in! Plenum zugewiesen erhalten hatten, darunter General d ’ A n - d r a d e (Portugal), der die Memoranda der Jewish Agency und des Waad Leumi bearbeitet hat, dem spanischen Professor Palacios, der über das arabische Memorandum rapportiert hat und der Schwedin Frau B u g g e - W i c k s e II, die über die Agudah-Frage zu referieren hatte. Außerdem hat die Delegation Gelegenheit genommen, mit einer Reihe von führenden politischen Beamten des Völkerbundes Fühlung zu nehmen, darunter dem Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, dem Chef der Mandatssektion Catastini, dem Chef der Minoritätensektion Colban und verschiedenen anderen Chefs von politischen und finanziellen Sektionen des Völkerbundes. Die Delegation hatte ferner eine Zusammenkunft mit dem Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas, und Herrn Prof. Orimshaw, der im Internationalen Arbeitsamt die Arbeitsfragen in Mandats- und Kolonialländern bearbeitet. Außerdem wurde die Delegation vom Schweizer Bundespräsidenten empfangen, und hatte somit Gelegenheit, auch dem Oberhaupt des Schweizer Bundesstaates Informationen über die Palästinafrage zu übermittein. Die jüdische und zionistische Presse, die zum Teil ganz falsche Vorstellungen von dem Charakter und Status der Delegation hatte (Wir haben darauf bereits hingewiesen. — A. d. R.), hat mit einer gewissen Enttäuschung gemeldet, daß die Waad Leumi-Delegation einen offiziellen Empfang bei der Mandatskommission nicht erreicht hat. Demgegenüber muß folgendes festgestellt werden: Es war nicht der Zweck der Waad Leumi-Delegation, einen solchen Empfang durchzusetzen, vielmehr waren wir uns schon in Palästina darüber klar, daß die gegenwärtig geltende Prozedurder Mandatskommission ein solches Vorgehen gar nicht gestattet. Genf ist für formale Fragen ganz besonders sensibel, da bei jedem Schritt die Gefahr besteht, widerstrebende, sich kreuzende Interessen der 54 Staaten, die im Völkerbund repräsentiert sind, zu verletzen. Wenn die Delegation dennoch einen formellen Schritt gegenüber der Mandatskommission in dieser Richtung getan hat, indem sic in einem Brief an den Präsidenten, zugleich mit einer kurzen Formulierung ihrer Stellung gegenüber der Mandatarmacht, die Kommission ersucht hat, eine Form zu finden, in der eine offizielle Begegnung denkbar wäre, so hat die Delegation das vor allem darum getan, um die prinzipielle Prozedurfrage in bezug auf Empfänge von Delegationen überhaupt klarzustellen. Sie hat auch mit Sir Eric D r u m m 0 n d vor allem diese Prozedurfrage erörtert. In der Tat hat die Mandatskommission während dieser Session dieses Formalproblem diskutiert, und zwar auf Grund eines Memorandums des englischen Mitglieds Sir Frederic Lugard. Es hat sich zunächst ergeben, daß die Mandatskommission überhaupt als solche nicht zuständig ist für die Lösung der Prozedurfrage, sondern daß diese nur vom Rat des Völkerbundes, der die Statuten festsetzt, gelöst werden kann. Soweit ich informiert bin, hat die Mandatskommission eine gewisse Formel dem Council zur Beschlußfassung vorgeschlagen, nach der sie ermächtigt werden soll, von Fall zu Fall selbst zu entscheiden, ob sie mündlich zusätzliche Informationen von Delegationen, die Teile von Bevölkerungen von Mandatsgebieten repräsentieren, entgegennehmen will. Ob eine positive Lösung dieser Frage in unserem Interesse liegt, scheint mir übrigens noch der Untersuchung zu bedürfen. Die allgemeine Haltung der Mitglieder der Mandatskommission und der hohen politischen Beamten des Völkerbundes gegenüber unserer Sache und den speziellen Fragen des Palästiua-Aufbaus war, wie ich ganz zuversichtlich sagen kann, eine Haltung von ausgesprochener Sympathie und Wohlwollen. Wir haben in Genf eine Atmosphäre von Objektivität gefunden, die stärker, als ich erwartet hatte, von Verständnis für die Bedeutung unseres Werkes erfüllt ist, obwohl ich persönlich nicht den Eindruck leugnen möchte, daß viel stärker als alle Argumente unsere kolonisatorischen Leistungen und Erfolge in Palästina und die Tatsache der friedlichen Situation des zwischen Syrien und Aegypten liegenden Landes zu dieser Atmosphäre des Wohlwollens beigetragen haben. Was meiner Meinung nach dabei für uns von wirk- 1 i c h e r B e d e u t u n g ist, ist erstens die Erkenntnis, die, wie ich glaube, bei allen, auch de 1 uns nicht freundlich gesinnten Mitgliedern der Mandatskommission sich Bahn bricht, daß das Palästinamandat in der Reihe der 14 Mandate des Völkerbundes einen ganz besonderen Fall darstellt, der nicht mit den gewöhnlichen Maßstäben der Mandatsverwaltung gemessen werden kann. •Das Palästinamandat sollte eigentlich als D-Mandat bezeichnet werden, es ist eine Kategorie für sich. Zweitens sind sich wohl alle klar darüber, daß das, was politisch das National Home heißt, eines der größten und bedeutendsten, auch interessantesten Experimente darstellt, die das weltpolitische System von heute kennt. Auch widerstrebenden Gehirnen hat sich diese Bedeutung und Größe des zionistischen Werkes eingeprägt, je stärker sie mit Einzeltieite 11 unserer Arbeit in Berührung kamen. Auf der anderen Seite ist die Mandatskommission sich sehr klar der Grenzen ihrer Kompetenz bewußt und hütet sich sehr vorsichtig, diese Grenzen zu überschreiten. Es ist immer wieder und wieder betont worden, daß die Mandatskommission erstens ein beratender Ausschuß ist, der dem Council (Völkerbundsrat) in Angelegenheiten der Mandatsdurchführung Gutachten zu erstatten hat, während die beschlußfassende Körperschaft der Council selbst ist, zweitens daß es nicht die Aufgabe der Kommission ist, in die praktische Administration der Mandatarmachte einzugreifen. Die Behandlung der S c h w i e - rigk eiten in Syrien ist ein Musterbeispiel dafür, wie sorgfältig die Mandatskommission diese Grenzen ihrer Kompeteuz einhält. Demgemäß muß klar verstanden werden, daß auch irgendwelche Beschlüsse der Kommission zu den Details der Eingaben des Waad Leumi oder der Jewish Agency nur in diesen Grenzen und in Form von Gutachten gedacht werden können. Diese juridische Situation mindert selbstverständlich in keiner Weise den Wert, den eine freundliche Haltung der Mandatskommission für die Fortschritte unserer Arbeit hat, herab, aber wir müssen uns bewußt sein, daß die eigentlich ausführende Gewalt und alle Verantwortung für die praktische Administration zweifellos bei der Mandatsmacht liegt. Der Vertreter der Mandatarmacht auf dieser Session war der Hauptsekretär der Palästinaregierung, Coloncl Sym es. Soweit meine Informationen reichen, hat Colonel Symes auf die Kommission einen außerordentlieh günstigen Eindruck gemacht. Er war in allen Details sehr gut informiert, was nach seiner langen Amtstätigkeit in Palästina nicht anders zu erwarten war. Die Verhandlangen der Kommission sind geheim. Soweit bekannt ,yp>fdf,,so|45l|%C^ffjelf|n1^übef,_dk ji|djsphe«y||11*,iien JWd, *ÄPs'pÄche^iiti' 'aulerörtfenfllch ‘sympathischer’ wäfe geäußert* haben. Was besonders aufgefallen ist, ist eine optimistische Haltung in bezug auf die ökonomische Situation und die ökonomische Zukunft des Landes. Er hat klar gesagt, daß irgendeine aktuelle Arbeitslosigkeitskrise zu den normalen Entwicklungserscheinungen eines Immigrations- und Kolonisationslandes gehöre und in keiner Weise die guten Perspektiven der Landwirtschaft und der städtischen Wirtschaft in Palästina gefährden könne. Bezüglich der konkreten jüdischen Forderungen hat allerdings Symes keine bindenden Erklärungen abgegeben, sondern die bekannten Ein- Wendungen betreffs der Schwierigkeit ihrer Erfüllung vorgetragen. Von Detailfragen, die mit dem Palästinamandat verbunden sind, hat die Mandatskommission vor allen Dingen die Frage der Staatsländereien und des Erziehungsbudgets behandelt. Auch die Frage der Organisation des Jischuw, die Wahl und der Aufbau des Waad Leumi, wurden eingehend erörtert. Außerdem hat Prof. Grimshaw, der außerordentliches Interesse und große Sachkenntnis in Fragen der Arbeit hat, eine Reihe von Einzelfragen, betreffend Arbeiterschutz, soziale Gesetzgebung und die Beteiligung der jüdischen Arbeiter an den öffentlichen Arbeiten der Regierung, zur Erörterung gestellt. Ich glaube, wir sind berechtigt anzunehmen, daß die Meinung der Kommission in allen diesen Fragen, die sachlich in beiden zionistischen Memoranden dargestellt waren, eine für uns günstige und positive gewesen ist. Was unsere politischen Gegner in Genf an betrifft, so möchte ich zunächst einige Worte über die A g u d a h sagen. Es war einer der schwersten Eindrücke meiner Genfer Arbeit, zu sehen, wie durch das Gegenspiel der Agudah die Einheitlichkeit unserer nationalen Politik auf Schritt und Tritt durchbrochen wurde und wie versucht wurde, vor einem nichtjüdischen Forum jüdische Gegensätze in einer der gesamten Nation schädlichen und erniedrigenden Weise auszutragen. Wenn man dazu addiert etwa das Auftreten des Bundisten Alter auf der Londoner Migrationskonferenz, der dort vor dem internationalen Forum öffentlich auseinandergesetzt hat, daß Millionen von Juden im Palästina-Aufbau keine Lösung der Judenfrage sehen, so wird man sich vergegenwärtigen können, unter welchen abnormalen und national demütigenden Bedingungen unsere politische Arbeit infolge der inneren Zerrissenheit heute vor sich geilen muß. Was die Ergebnisse der Agudah-Petition anbetrifft, so glaube ich, daß die Mehrheit der Mandatskommission sich darüber klar war, daß die Agudah- Petition niclits mit Schutz von Gewissensfreiheit und Kultf reihe it zu tun hat, sondern den Versuch einer winzigen Minderheit von palästinensischen Juden darstellt, mit Hilfe von äußerer Intervention ein System in Palästina aufzurichten, das nur aus der Geschichte mittelalterlicher Theokratie m verstehen ist. Soweit ich informiert bin, hat die Mandatekommission es abgelehnt, bis nach der Veröffent- 1 i c h u 11 g der Comunity-Ordinancc sich zur Agudah- Petition zu äußern. Damit ist meiner Meinung nach die Agudahpolitik in dieser Frage erledigt worden, da sie ja gerade darauf abzielte, dem Entwurf der Comunity-Ordinance mit Hilfe der Mandatskommission ihre Züge aufzuprägen. Wir haben selbstverständlich in Genf klargestellt, daß von unserer Seite keinerlei Bestreben vorhanden ist, irgendeiner Gruppe im Rahmen der allgemeinen jüdischen Organisation in Palästina das Recht auf religiöse Sonderart und Kultfreiheit auch nur einzuengen. Was die arabischen Forderungen auf Anwendung des Art. 22 des Völkerbundspaktes und Art. 3 des Mandates anbetrifft, so war die vorherrschende Meinung in der Kommission und bei dem Rapporteur die, daß die Gewährung irgendwelcher konstitutionellen Freiheiten für die palästinensische Bevölkerung strikt gebunden sein muß an die formelle Anerkennung des Mand a ts in allen seinen Teilen. Bevor aber irgendeine Detailerörterung von Konstitution lokaler oder nationaler Autonomie möglich ist, müßte seitens der Araber eine formelle AnerkennungderBalfour-Deklarationunddcr National Home-Politik gegeben werden. Ich glaube, auch der Rapport der Palästinaregierung in diesem Jahre stellt fest, daß die Palästinaregierung, solange diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, keinerlei weitere Schritte in deser Riehtung zu unternehmen gedenkt. Von besonderem Interesse waren für mich außerdem gewisse Verhandlungen, die ich mit den Vertretern des Internationalen Arbeitsamtes in der Frage der Teilnahme Palästinas an der Internationalen Arbeitsorganisation eingeleitet habe. Sowohl Albert Thomas wie auch Prof. Orimshaw haben eindringlich betont, welch großes Interesse die Internationale Arbeitsorganisation an den Fragen Palästinas nimmt. Was die Frage einer offiziellen Teilnahme palästinensischer Organisationen, z. B. der Allgemeinen Arbeiterorganisation anbetrifft, so ist auch hier zunächst eine formell-juridische Schwierigkeit zu belieben. Die Friedensverträge sehen nämlich, höchstwahrscheinlich aus Versehen, keinerlei Bestimmungen über den Status von Kolonial- und Mandatsgebieten in der Internationalen Arbeitsorganisation vor. Es gibt hier wie im Völkerbund nur souveräne Staaten und selbstregicrende Dominions; und soweit also eine Repräsentation Palästinas unter den heute geltenden rechtlichen Bestimmungen denkbar ist, so geht der Weg über die Mandatarmacht. England ist in der Internationalen Arbeitsorganisation vertreten nicht als ״Vereinigtes Königreich“, sondern als Britisches Imperium, und w ir haben gewisse Pläne erörtert, die innerhalb dieser gesamtbritischeil Delegation eine Vertretung Palästinas möglich erscheinen lassen. iften unstsehr, :ives, «der amtmch-!des, sie mter nden An- Menrieht mng. lang, einer achtdose iches und dem :hutt!übte :heu, er-;men;uug. bis ndes 1902, irauf Konamg iurcii ierin »ge. isten zu- >chte roße, vlsionäre Vorstellungen zu berauschen. Um so merkwürdiger hinwieder seine rational nüchterne, verständnislose Einstellung zum Ostjudentum. In der Türkei empfindet er trotz allen Schmutzes, trotz aller Korruption der gegenwärtigen Zustände, das phantastisch Märchenhafte des Morgenlandes. ״Wonderland“ nennt er sie in seinen Tagebüchern. — Im jüdischen Osten erfuhr er nun eine schauerliche Depression. Vom Wesen des Chassidismus ahnte er nichts. Er floh entsetzt aus dem Taumel der für ihn begeisterten Menge in Wilna. Das Ostjudentum entsprach nicht dem ästhetischen Ideal, an das er glaubte und glauben wollte. Andererseits war es nicht wie ״Mansche[״ durch Verachtung zu negieren. Hier blieb eine unstillbar schwärende Wunde. Herzl litt unsagbar auf dieser Fahrt nach dem jüdischen Osten, bei dem Zusammenprall mit der nackten jüdischen Wirklichkeit. Dieser Eindruck mag dazu beigetragen haben, daß Herzl sich — wider alle Träume seiner Phantasie — dazu entschloß, Uganda dem Kongreß' vorzuschlagen. Natürlich war es nicht dieser Umstand allein, der ihn veranlaßte, dem englischen Angebote näher zu treten. Aber das dringende Bedürfnis nach sofortiger Linderung der als furchtbar erkannten fudennot spielte wesentlich mit. Es war vielleicht für den lerzi jener Zeit, den utopischen Dichter von ״Alt-Neuland“, mehr als für irgendeinen anderen Zionisten ein tragisch schwerer Verzicht auf sein Ideal. Um so furchtbarer empfand er gelbst den Riß, der damit in die Partei, in den von ihm selbst mit so viel Herzblut geschaffenen Kongreß kam und der, wie er in sein Tagebuch schreibt, mitten durch ihn selbst hindurch ging. Je müder Herzl wird, je leidender sein Herz, desto häufiger erscheint ihm die dichterische Vision einer unendlich friedlichen zum Himmel ansteigenden Wiese, auf der er — ein junger Mann -- im Glanze des Abendrots langsam dahinschlenderf. Immer mehr, immer klarer fühlt er, daß er der aufreibenden Tätigkeit dieser Kämpferjahre nicht lange mehr gewachsen sein werde. Mehrfach trägt er in sein Tagebuch ganz sachlich registrierende Erwägungen seiner Herzanfälle una Ohnmächtezustände sein. ״Cela m’emportera un jour“ sagt er wie unpersönlich. Die Aufregungen des märchenhaft spannenden, letzien Ja' r •. ־',ntc:, namentlich aber dieser ״Riß“ d.-s :•cchsten Kongresse;,, haben ihn vor der Zeit verbraucht. Herzl stirbt nicht schwer. Er weiß, daß er aus seinen Leiden diejenigen hohen Taten und Lieder geschöpft und emporgeholt hat, in denen, nach seinen Worten in der Erzählung ״Sarah Holzmann", — eine der schönsten seiner philosophischen Novellen, — große Seelen sich Luft machen, wenn sie ״recht sehr zerknittert und mißhandelt werden". Herzl fand zur Größe erst durch die Tragik. Aber welche Größe ginge nicht durch diese hindurch? Jüdische Riubergeschichteu (Babel: Geschichten aus Odessa. Malik-Verlag, Berlin.) Jeder, der von einem jüdischen Räuberhauptmann hört, denkt wohl zuerst an die kapitale Geschichte, die unsere ostjüdischen Freunde gern und gut zu erzählen pflegen: von dem Räuber, der den Fuhrmann im Walde anhält mit dem erschrecklichen Rufe: ״Geld oder Leben!“ — der aber dann zu seinem Entsetzen findet, daß er zu seinem blutigen Vorhaben ach! nur ein milchdinges Messer eingesteckt hat; weshalb dann das Mordgeschäft vor der Hand unterbleiben muß. Wer aber aus solchen Geschichtlein schließen wollte, daß die Räuberromantik Rinaldo Rinaldinis der Judenheit fremd geblieben sei, der wird durch Babels Buch eines Besseren — eines Besseren? — belehrt. Nach Odessa führen uns diese Erzählungen, in dies Tohuwabohu, wo muhamedanische lind jüdische Kaufleute, Rabbiner und Kutscher, Polizisten und Leichenbestatter sich belustigen und begaunern. Ein alter Jude an der Kirchhofsmauer erzählt von Banja Kriks, dem berühmten jüdischen Banditen, dem König der Verbrecher, dessen Taten jahrelang Odessas Bewohner in Atem und Bewunderung hielten. Gewiß — er stellt keinen durchaus erfreulichen Zuwachs in der jüdischen Heldenhalle dar, dieser Benzipn Krik, der Sohn des Kutschers Mendel Krik. der König der Banditen, der Kassen ausraubt, Häuser ansteckt — und dabei dennoch ein jüdisch Kind bleibt, wenn er seinen alten Vater ehrt und Wert darauf legt, seine vierzigjährige Schwester Deborah unter die Chuppe zu bringen. Sein Lebenslauf zeigt die Wahrheit des alt jüdischen Wortes: ״Aus einem Bocher kann man alles machen“. Selbst einen Räuberhauptmann. , Erzählt werden diese kecken Streiche mit einer Keckheit und Verve, die sich dem Stoff schmiegsam anpaßt. Auch sind die Banja Krikgeschichten das Verblüffendste und das eigentlich Originelle in diesem Bändchen. Wo Babel, wie in den beiden letzten Geschichten sentimental wird und aus seiner ostjüdischen Jugend erzählt, da verblaßt das Erzählte. ״Wir kennen die Weise, wir kennen den Text . . . Aber den Räuberhauptmann Banja Krik kannten wir nicht und freuen uns der Bekanntschaft, so lange er gedruckt und unschädlich bleibt -- wenn wir ihn auch nicht gerade in Odessa im Hause des ״Anderthalbjuden“ begegnen möchten. Der Malik-Verlag hat dem Büchlein schönen Druck und gutes Papier zuteil werden lassen; aber die Karikatur eines judenkopfes auf der Umschlagseite ist, wie mir scheint, reichlich .,fehl am Ort“. Bertha B a d t - S t r a u ß. Herr Jacob M. Moses, Baltimore, und seine Anverwandten haben zur Erinnerung an seine im Jahre 1918 verstorbene Frau Hortcnse G. Moses einen Fonds gestiftet, dessen Erträgnis zugunsten einer Abteilung für orientai i s c h e Kunst an der Jüdischen National- und IJniversitätsbibliothek in Jerusalem bestimmt ist. Als erster Ankauf aus den Erträgen dieser Stiftung wurde eine Sammlung von 2500 Photographien von größtenteils mohammedanischen Gebänden angekauft. Diese Sammlung soll zum Ausbau des Handapparates für islamische Archäologie an der Universität dienen. Die Photographien stammen von dem englischen Architektinhistoriker Captain Creswcll, der sie in der Zeit seit Beginn der englischen Okkupation i!1 Aegypten, Syrien und Konstantinopef aufgenommen hat. Die Sammlung ist in der Goldziher-Bibliothek aufgestellt worden und wird vom nächsten Semester ah Interessenten zugänglich sc׳!!. Der bekannte jüdische Komponist und Murikförderer, Joel Engel, begeht demnächst das Jubiläum seines 25jährigen musikalischen Schaffens. Aus diesem Anlaß errichten, wie J.T. A. berichtet, die jüdischen Musiker Palästinas auf den Namen Engels in Tel-Awiw ein .,Haus der Musik“. Die 'Madtvcrwaltmig von Tcl-Awhr hat zu diesem Zwe:k bereits ein Grundstück zur Vertilgung ge>1ebt.

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