Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 51 (2.7.1926)
- Date
- 1926-07-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 32ל JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 51 Nr 5t früher Gesagten, erklären, daß Herd die Garantie für das jüdische Volk nur in der Bürgschaft sah, die sein Idol, der Staat, sich als ultima ratio geschaffen hatte, und in der er am stärksten zum Ausdruck kam; im Heer, in der organisierten Gewalt. Der Glaube an den Staat macht ihn blind gegen die wirtschaftlichen Grttndlagen und Möglichkeiten der praktischen Arbeit in Palästina (vgl. den oben zitierten Satz über den Grund und Boden). Auch hier zeigte Herzl die Verbundenheit mit seiner Zeit. Sie sah im Staat die stärkste politische Kraft und im Heer das stärkste, letzten Endes entscheidende Mittel des Staates. Aber wieder ist daran zu erinnern, daß diejenigen, die in diesem Punkte Herzlsehe Tradition für sich in Anspruch nehmen können, sich mit neuen Ergebnissen der Entwicklung auseinanderzusetzen haben. Zu Herzls Zeit gab es nicht die Krise des Staatsgedankens, die heute zu spüren ist. Er hatte auch nicht erlebt, daß wirtschaftliche Mächte selbständig und ebenbürtig in den Kampf von Gewaltorganisationen eingriffen. Ihm konnte auch keine neuere geschiehtliehe Erfahrung Zweifel daran aufsteigen lassen, ob die Organisation der Gewalt wirklich ein — von anderem abgesehen — zweckmäßiges Mittel wäre, um politische Entscheidungen herbeizuführen. Heute aber sind alle diese Gedanken, die sieh gegen Herzls Staats- und Gewaltgrundsalz richten, in lebendiger, sich verstärkender Wirkung. Und man sollte sich, .wenn man hier an Herzl anknüpft, doch fragen, ob die Lehre, die aus dieser seiner politischen Maxime zu ziehen ist, nicht bedeutet; wir haben '20 Jahre verloren. Was diese 20 Jahre für den Aufbau des jüdischen Nationallleims hätten bedeuten können, mag aus den Wirkungen geschlossen werden, die die wenigen Jahre einer gesteigerten Palästinaarbeit bereits gebracht haben. Die Kritik der Hcrzlschen Selbstschutz- und Staatsforderung soll niemals den anderen Bestandteil seines politischen Zionismus vergessen lassen, durch den Herzl in der Tat dem Zionismus bedeutenden politischen Charakter verliehen hat: Die Forderung der Ma s s e n - Siedlung. Sie bedeutet für ihn Quantität und Tempo. Millionen sollen herübergehen, in wenigen Jahren, 10000 im Jahr ist eine Zahl, die nur zu ironischer Erwähnung geeignet ist. Der politische Charakter des Zionismus ist mit dern Gedanken der Großkolonisation untrennbar verbunden. Der Zionismus ist politisch, wenn er die Bewegung des Volkes einzufangen und zu lenken und dadurch als tätige Kraft in bewegtem Kreise der menschlichen Gesellschaft zu wirken versteht. Er muß sein Ziel am Anfang und an der Bedeutung des Volksganzen orientieren. Daher kann er sich mit einem, sei es noch so schönen Modell nicht begnügen. Sondern er braucht die Herzischen Gedanken, die auch heute — gerade heute — und für die Dauer OeMuny haben: Quantität und Tempo. Als Fazit aus dem Getriebe der orientpolitischen Interessen Europas zieht Herzl das Argument, die Juden müßten Palästina bekommen, weil keine europäische Macht dieses Land im Besitz einer anderen dulden könnte. Die Juden als neutralisierendes Element im Strudel machtpolitischer Interessen europäischer Großmachte — diese Vorstellung einer pazifizierenden Wirkung, die einen erzwungenen Ausweg bildet, zeigt noch deutlich ihre Zugehörigkeit zu der ungehemmt machtpolitischen Aktionsart der Staaten vor dem Kriege. ״We shall get it — Palestine — not from the goodwill, but from the jallousy of the powers“ — in diesem Satz, den Herzl zu Chamberlain sagt, zeigt sich der fundamentale Unterschied der grundsätzlichen Anschauungen seiner Politik von denen des modernen Zionismus, der Politik Weizmarms. Weizmann beruft sich auf den goodwill Englands als Erklärung für die englische Rolitik gegenüber den Juden, die Bedeutung inachtpolitischer Interessen reduziert er aufs äußerste, ln seinem politischen System wird die Idee dem Interesse an Wirkung und Bedeutung gleichgesetzt. Die Erw ägungen der praktischen Politik werden stets unvollständig bleiben, wenn sie nicht ergänzt werden durch die neue, in Wcizmaims politischer Haltung erscheinende Erkenntnis, daß im Spiel der Mächte, das Politik genannt wird, nicht nur materielle, sondern auch geistige Macht sich durchsetzen kann. Auch Herzl w irkte mit der Macht der Idee. Aber da er vom Begriff des Staates besessen war, stellte er sich und seine Sache ganz und kritiklos hinein in das Getriebe dieser Staaten, deren Aktionen von groben, materiellen Machtinteressen ganz beherrscht waren. Auch ihm aber gelang es, bei aller Leidenschaft und höchster Begabung für den Beruf des Staatsmannes mir, seine, die jüdische Sache zu halben Erfolgen zu führen. Denn im Kampf äußerer Gewalten kann der Jude nicht als Bestimmer und Bezwinger w'irken. Unter den Staaten muß der jüdische Staat ein unwichtiger Zwerg sein. Die Sache der Juden ist darauf gestellt, daß der Geist, der Gedanke, das freie Recht der Existenz jeder nationalen Eigenheit unabhängig von ihrem materiellen Gewicht in der Gesellschaft der Nationen Anerkennung findet. ״Konfessionalisierung“? des C. V. bezeichnet wird zu beschäftigen pflegen, ve Von den Leitartikeln der C. V,-Zeitung, die sich gewöhnlieh — wohl wegen der Sterilität dessen, was als Ideologie mit den ausgefallensten Dingen diene!! die selten erscheinenden aus der Feder von Dr. Felix Gold mann (Leipzig), Beachtuug nicht nur wegen der verdienstvollen Persönlichkeit des Autors, sondern auch darum, weil sie immer etwas zu sagen haben. Vor einigen Monaten erschien von Dr. Goldmann in der C. V.-Zeitung der interessante Aufsatz ״Danaidenarbeit?“ und am '25. Juni ein beachtenswerter Leitartikel ״Taktik oder Prinzip?“. In beiden Artikeln stellt Dr. Goldmann Wandlungen fest, die sich innerhalb des deutschen Judentums in den letzten Jahrzehnten vollzogen haben. In ״Danaidenarbeit?“ kam der Verfasser zur Konstatierung, daß die Ab weh rh eit des C. V., gleichsam als Nebenprodukt, eine Vertiefung der Beziehungen der in der Abwehrarbeit Stehenden zum Judentum und seinen Werten zur Folge hatte. Eine durchaus zutreffende Erkenntnis! Allerdings!war diese ״Verjudung“ nicht das wichtigste Ziel des C. V., der ja ausgezogen war, den Judenhaß zu bekämpfen und hierfür als probatestes Mittel das ״Wirken für Deutschtum“ innerhalb der deutschen Judenheit proklamierte. Dem Judenhaß hat der C. V. nicht den Garaus machen können; das Deutschtum wird von den nichtjüdischen Deutschen nachhaltiger verteidigt und gewahrt, und zwar in einem anderen Geiste, als er dem C. V, vorgeschwebt hat. Blieb also das ״Wirken für das Judentum“, das der C. V. als jüdische Organisation auch auf sein Programm schreiben mußte. Dieses Wirken für das Judentum spielte aber in der Tätigkeit des C.V. die geringste Rolle. Trotzdem aber hatte er gerade auf :n sichtbaren "ffetriy; »st ׳■:d!nev" andere ׳ Frage:;י Vor־ 'äemtjl sehen Geschichte wird ihm aber diese unbeabsichtigte "und ungewollte Wirkung als einziges Aktivum angerechnet werden. Immerhin war die Feststellung Dr. Goidmanns für uns von großem Werte. Demi sie bestätigte die von den Zionisten seit jeher behauptete Zwangsläufigkeit der Entwicklung, daß jede jüdische Organisation, ob sie es will oder sich dagegen sträubt, ein Beweis für die unbewußt wirkende Kraft jüdischen Volkstums ist. Eine Organisation auf jüdischer Grundlage zum Zwecke der Assimilation, d. h. der Auflösung durch Anpassung, ist ein Widerspruch in sich. So paradox es klingt: auch der ״Verband der nationaldeutschen Juden“ geht einer ״Verjudung“ entgegen, sofern er überhaupt bestehen bleibt. Im Aufsatz ״Taktik oder Prinzip?“ kommt Dr. Goldmann zu noch interessanteren Feststellungen als in seinem Artikel ״Danaidenarbeit?“. In diesem Aufsatz heißt es: ״Wer die Entwicklung der letzten vierzig Jahre rein äußerlich betrachtet, muß meinen, daß unser Wollen ebenso Schiffbruch gelitten hat wie unsere Theorie. Der Ursprunglieh feststehende Grundsatz, daß — abgesehen von religiosen Dingen und dem, was mit ihnen zusammenhängt — in allen Angelegenheiten allgemeiner Kultur, also denen Theodor Herzls geistige Persönlichkeit Von Dr. Martha Hofmanti, Wien. ln Herzls Natur lag eine jener Spannungen, wie das jüdische Volk sie vielfach aufweist: die Spannung zwischen Expansion und Konzentration. In Herzl überwog die expansive Kraft. Der Drang nach Wirkung, nacli Gestaltung der äußeren Welt, auch nach persönlicher Geltung. So ist ihm״ von Anfang an die Welt mehr ״Wille“ als ״Vorstellung“. Daran Hegt es, daß er als Schriftsteller kein ungetrübter, objektiver Spiegel der Umwelt sein kann. Er ist nicht ״naiver Dichte!“‘ im Sinne Schillers. Er schildert Menschen und Dinge fast niemals wie sie sind, sondern wie sie sein sollen. In ihm lebt ein vorgefaßtes Ideal seiner selbst und des jüdischen Volkes, ein ethisch-ästhetisches Ideal, dessen Forderung er der Außenwelt repräsentiert. Was als Schriftsteller ein Mangel ist, befähigt ihn zum Führer. Er kennt und anerkennt kein Kompromiß zwischen Gut und Schlecht, zwischen Gesund und Faul, zwischen Hoch und Niedrig, wie es in der ihn umgebenden Weit, sei es in Wien oder Paris, sei es namentlieh in der realen Judenheit, vorhanden war und ist. Herzl glaubt an den idealen Juden wie a!1 den idealen zukünftigen Judenstaat, dessen Konturen seine stark konstruktive Pharitasie entwirft. Schon in frühester Jugend äußert sich diese schöpferische Phantasie und zwar sind es bemerkenswerterwefse die großen technischen Errungenschaften der Zeit (Suezkanal) und die Politik (die erste Publikation des Siebzehnjährigen: ״Das Haus der Gemeinen“), die den Knaben am stärksten anregen. Auch dichterisch tritt er frühzeitig hervor, die ersten Produktionen zeigen Spuren jener leise tnelanchoiischen, phantastischen ,.Reverie“, die, — wirklichkeitsfremd und kaum aus dem Erleben geschöpft, — für Pubertätsdichtung überhaupt, für Herzl aber insbesondere charaktcristisch ist. Die Umwelt, sein ״Bildungserlebnis״ im Sinne Gundolfs, hat ihm wenig zu sagen, er wenig darauf zu ant- Worten. Lediglich sein Wirkungsdrang führt den jungen Studenten weiterhin auf den Weg des Schriftstellers. Der künstlerische Wert der Produktionen jener frühen Epoche im Leben Theodor Herzls wird durch starken Willen nach Erfolg und Wirkung beeinträchtigt. Erst als Herzls expansiver Drang sein wahres, ihm innerlich homogenes Betätigungsfeld |efunden hat, gewinnt er als Schriftsteller ungemein. Seine menschliche Vertiefung findet er teils durch tragisches Er leben wie den Selbstmord seines gleichsam als ״Doppelganger“ empfundenen Freundes Heinrich Kana, der ihn wie ein dunkles Memento mori berührt, durch schonungslose Selbstkrltik infolge äußerer Entmutigung, vor allem aber durch tieferlebte Einbeziehung seiner selbst in die ewige Kette der Generationen: durch seine Vaterschaft. In der Zeit seines äußeren Aufstieges, als er die viel beneidete literarische Stellung erst in Paris und dann in Wien einnimmt, erlebt er innerlich eine schwer zu überwindende menschliche Katastrophe: die Verzweiflung an sich selbst. Damals entsteht in ihm die ekstatische Stimmung der ״Sendung“ für das jüdische Volk, die Bereitschaft, die zionistische Bewegung, die er ins Leben gerufen, auch mit Hingabe seiner selbst zu Ende zu führen. Dieser Entschluß, der einen so tiefen Einschnitt in seinem Leber! bedeutet, fiel ihm aus mehrfachen Gründen keineswegs leicht. Herzl wurde bekanntlich anfangs von einem seiner besten Freunde nach der Lektüre des ״Judenstaates“ für wahnsinnig gehalten und hat diese schaueriiche Wirkung der ersten Offenbarung seiner Idee lange nicht überwunden. (Aus diesem Erlebnis entstand die Noveile ״Das lenkbare Luftschiff“) Seine privaten Verhältnisse bereiteten ihm schwere äußere Sorgen und letzte innere Verzweiflung. Es ist bekannt, daß Herzls Ehe eine tief unglückliche gewesen ist. Nur das innige Verhältnis zu Eltern und Kindern hält ihn aufrecht. Damals als Herzl beschließt, das Leben nicht mehr als Traum, sondern als Kampf zu erleben, als er den ihm eingeborenen intensiven Willen und expansiven Drang auf eine überpersönliche Idee hinlenkt, gewinnt er, scheinbar paradoxer Weise, als Schriftsteller ganz außerordentlich. Er hatte überdies in der late!־ nischen Umgebung von Paris, in diesem Fludium von Geist und Beweglichkeit, das seinem Temperamente mehr entgegenkam als das graziös verspielte Wien jener Tage, Beobachtung«- gäbe' und Weltkenntnis in hohem Maße geschärft. Er hatte auf realen Gebieten wie Politik, Soziologie, aber auch National- Ökonomie und Technik erstaunlich viel zugelernt. Er ahnt, dank seiner schöpferischen Phantasie, die ungeheuren, noch schlummernden Möglichkeiten in diesen aufsteigenden Wissenschäften. Und dann erwacht in dieser Zeit der Willensan- Spannung in ihm ein um so größeres Heimweh nach dem verlorenen ״Gan Eden“ der reinen Schau und des zärtlich der Wissenschaft, der Politik, der Kunst, der Literatur, der Körperpflege, des Sports, ein möglichst enges Zusammenarbeiten aller Schichten des Volkes vonnöten sei, und daß darum den Juden eine möglichst starke Beteiligung au allen interkonfessionellen Institutionen und Vereinigungen zur Pflicht gemacht werden müsse, ist stark ins Wanken gekommen. Allenthalben gründen sich jüdische Organisationen für Zwecke, die mit irgendwelchen positiven jüdischen Zielen, mag man diese noch soweit stecken, auch nicht das geringste zu tun haben. Und man ist in Verlegenheit, wenn man das Wesen ihres jüdischen Charakters definieren soll. Konfessionell im katholischen oder evangelischen Sinne sind sie nicht, denn sie weisen es weit von sich, für religiöse Sonderrichtungen oder auch nur für allgemeine religiöse Gesinnung wirken zu wollen. So muß man denn mit der Tatsache rechnen, daß es jüdische Vereine in Massen gibt, deren Mitglieder ihrer Weltanschauung nach das Judentum für eine Religion halten, und die doch nicht religiös sein wollen. Was liegt näher als der Schluß, daß die natia-!«!jüdische Theorie auf dem Wege zu einem entscheidenden Siege ist, und daß sie tatsächlich das deutsche Judentum in ihrem Sinne erzogen habe?“ Dr. Goldmann versucht, diese unleugbaren Erscheinungen zu deuten. Im Ergebnis meint er, gleicht der Abschluß der nichtzionistischen Juden von der nichtjüdischen Umweh dem Abschluß der Zionisten. Doch sei das für die Nicht Zionisten nur eine taktische Maßnahme, während die Zionisten diesen Abschluß aus Prinzip fördern. Diese taktische Maß nähme der Nichtzionisten erfolgt, nach der Meinung Dr Goldmanns, nach ״dem Grundgesetze aller Taktik, daß Zielt nicht auf den! geraden Wege erreicht werden können ״Stärkung des eigenen Wesens ist die erste taktische Forderung, und die Judenheit muß als solche Geschlossenheit und innere Kräftigung erfahren.“ Dadurch kommt nach Dr. Gold Vi m di M n manns Meinung eine gewisse ״Konfessionalisierting" ganz von selber, ״die um so mehr betont werden muß, je weniger Macht über die Gemüter der religiöse Gedanke an sich hat.“ Dr. Goldmann stellt dann fest, daß ״die innere Errichtung und Kräftigung des Judentums die Trennung auch auf ganz neutralen Gebieten oft zur unbedingten Notwendigkeit macht“. Und er führt zahlreiche Beispiele an, wo diese Trennung nicht umgangen werden kann. Die Grundfrage aber, ob Streben nach Anschluß oder Trennung richtig sei, kann, nach Dr. Goldmanns Meinung׳, nie allgemein, sondern immer nur von Fall zu Fall entschieden werden. Soweit Dr. Goldmann. Seine Feststellungen sind unbedingt richtig. Seine. Deutungen unbedingt falsch. Es handelt sich beim Abschluß der Juden von den Nichtjudcu keineswegs um eine Koiifessionalisicrung. Das ganze Mißverstandständnis rührt daher, weil der C.V. und seine Anhänger immer von der falschen Voraussetzung ausgehen, die jüdisehe Gemeinschaft sei lediglich eine Gemeinschaft religiöser Natur. Wenn man auch zugeben muß, daß die Definition der jüdischen Gemeinschaft als einer nationalen etwa in dem Sinne wie der englischen oder französischen nicht ganz zutrifft, so ist es andererseits vollkommen abwegig, 011|ן den Juden lediglich als von einer Glaubensgemeinschaft zu reden. In der Tatsache, daß die Juden sich auf ganz neutralen Gebieten zu gemeinsamen Vereinen Zusammenschlüßen, liegt nichts anderes als die Bestätigung dessen, daß die Juden außer durch ihre gemeinsame Religion noch durch andere Momente innig miteinander verbunden sind, was eine Vereinigung zu gemeinsamen allmenschlichen Zwecken bewirkt. Der Fehler seneint uns darin zu stecken, daß man krampfhaft versucht, Analogien zwischen dem Diaspora-Judentum und den jn normalen Verhältnissen lebenden .nichtjüdischen Völ- -■feeml&i 3..^»t#e^üng#>aa:‘'|itag01. s©as .^sÄg«r*-Judentf»w.-*it eto •Phlflömeit, faua* efeener Affe wtd iaim ■־wir •.mit besonderen, ihm adäquaten Maßstäben gemessen werden. Es, ist sicher, daß das Diaspora-Judentum kehl nationales Volleben führt und führen kann. Es ist aber andererseits über jeden Zweifel erhaben, daß die Bindungen dieses Judentums weit über das rein Religiöse hinausgehen, wiewohl die Religion in der Diaspora das Hauptkriterium des Judeseins darstellt, ln den Erscheinungen, die Dr. Goldmann mit offenem Blicke feststellt, drückt sich keine ״Kotifessionalisierung“ aus, sondern die Tatsache der allerdings schwächlichen Ansätze einer nationalen Organisierung des Judentums und eines Eigenlebens auch in der Zerstreuung. Die Zwangsläufigkeit der Entwichlung, die Logik der Tatsachen, die Abkehr von dem historischen Irrtum der Assimilation, die 150 Jahre die Vorstellungen der aufgeklärten Juden benebelte — all das zusammen ringt in den neuen Lebensformen des Diaspora-Judentums, sofern es noch in irgendeiner Weise jüdisch bedingt ist, nach Ausdruck. Von dieser Entwicklung ist auch die judenheit in Deutschland ergriffen trotz der Bemühungen des Central- Vereins, der anszog, aus Juden Deutsche zu machen, und es erleben muß, daß zahllose deutschassimilierte Juden, bewußt oder unbewußt, freiwillig oder unter dem Druck der Verhältnisse, immer jüdischer werden. m. w. Die E in Genf Mitglieder zu neht Fragen d< Präsiden tc allen Mitg hang mit Plenum z! drade (1 des Waac Palacic hat und d Agudah-F gation Ge politischer darunter Dru mm dem Chef anderen ( Völkerbur kunft mit Thoma »lationaler Koloniallä vom Sch hatte soir Bundessta mittein. Die j falsche \ Delegatio - A. d. daß die י fang b hat. Den war nich solchen E in Paläsl Prozed gehen ga besonders widerstre im Volk« Delegatio Mandatsk in einem Formulic! Kommiss! offizielle vor allen bezug .« stellen. I diese Pr! kommissi diskutiert lischen JV ergeben, nicht zus daß dies festsetzt, hat die f zur Besc werden! mündlich von Bev gegenne! unserem suchung Die kommiss bundes! kontemplativen Künstlertums. Jetzt erst zeigen seine Schriften jene reine, vom Ich erlöste Stimmung, die das hohe Kunstwerk bedingt. Darum auch rühren ihn die Kinder so sehr, weil sie das sind, was er nicht mehr sein dart: ganz naives, triebhaftes Sein. Erst als Herzl aufgehört hat, strebender Schriftsteller zu sein, ist er Dichter geworden. Ais Gesamt- Oeuvre eines Nur-Schriftstcliers wären ja diese feinen, manchmal unendlich subtilen Blätter nichts so sehr Bedeutendes, doch so, neben seinem heißen Tagewerk, haben sie rührenden und erschütternden Kunstwert. Namentlich unter den philosophischen Erzählungen und den Feuilletons finden sich einzelne von hoher und zarter Schönheit. Man ist heute geneigt, Herzls Leistung für die Anfange der Bewegung, seinen rastlosen Verkehr mit Potentaten und Ministern, gering 7.1: schätzen. Zweifellos entspricht vieles davon nicht mehr ganz unserer heutigen Auffassung. Aber vergessen wir nicht, daß es Herzl tatsächlich gelang, durch die gewaltig suggestive, glaubenbildende Kraft seiner prophetisch wirkenden Persönlichkeit die bedeutendsten Machtfaktoren der damaligen Zeit für die junge und machtrose Rewegung zu interessieren und ihr dadurch ein öffentliches Prestige von Anfang an zu ׳verleihen. Seine ethische und ästhetische Persönlichkeit besaß die seltene Kraft, i!11 andern die Vision des antiken, großartigen Juden durch den Schutt der Jahrtausende hindurch auferstehen zu lassen. Man glaubte an ihn, diesen wahrhaft vornehmen und edlen Menschen, und dadurch an das Judentum, dessen Repräsentant er erschien. Auch durchaus nüchterne, real denkende Businessmen und Politiker erfuhren an sich׳ nolens volens diese Wirkung. Namentlich als Herzls Geltung unbestritten und sein bis dahin vielleicht ein wenig krampfhaft vorwärts stürmendes Streben beruhigt und ausgeglichen war, in jenem Jahre 1002, als er in London vor die AJienkommissioii und gleich darauf als Gast des Sultans mit fast fürstlichen Ehren nach Konstantinopel berufen wurde, war seine persönliche Wirkung als großer Mensch eine bezwingende. Herzl war nie durch seine Wirkung auf Massen zu berauschen. Vielleicht liegt hierin ein Körnchen einsam-aristokratischer Verachtung der Menge. Zweifellos aber bedurfte er der Bejahung durch seine nächsten Freunde und er litt unaussprechlich, wo ihm diese, wie zuweilen von Nordau, vertagt wurde. Andererseits vr.raioeiitc Herzl* seiner Natur nacl Ekstatiker, sich selbst durch große, visionäre hin wiede zum Os Schmutz« stände, ״Wondei jüdische» Vom W setzt au Wilna. 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