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Jüdische Rundschau · 1926-06-29 · Heft 50 (29.6.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 50 (29.6.1926)
Date
1926-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50 }UED1SCHE RUNDSCHAU Seite 307 50 jskon- Zw.״ ־ Teil ►leinen depri. aliens, f aust ans, :htigte t Laubeiterc k c - pracli,! i n - ■clnver v i 11, Da. rhaft /'and(׳• wäre. eh ersagte, beiterrstellt!1 a f t alle goisti- .ander : n in n s e- Island Parität /erden glaubt, doch;enden rerden grollte ischcn pf der de er einige lästina : Ausordern L: i n - d forn den oblem. beiterkeine Z i o *;chloü, eg!mg ,erung könudieser ungern hliisse 11 e r 1 Deleschärf beiterc Gear die c Veriir uns r u 11- ׳beiter einem ־weckt I i c 111 luropa gsweg II des Jahre h Padiese s als istinas fe (Jen d heä s t i - u vor- >11 der irdentidruth 11 1111a .Am 4 a n - ntrolle 1 freie Inders isation Isrne? at a!11 11 die id die rieder-!11 ג n g;1 r ת c, Setrieb heinen X'iener r, die ilitativ nenn •Awiw linnen ct zur s sind 11, die rerden ■ischcn obclin- Oberr 11 c - ko.) Die Ritualmordhetze in Breslau Sturm im Gemeindeparia ment. Von unserem Sonderberichterstatter. Breslau, 27. Juni. Die Breslauer Juden sind in den letzten beiden Wochen durch die Ritualmordhetze, über die alle Zeitungen berichteten, aus ihrer Ruhe aufgeschreckt worden. Ein völkisches Blatt hatte einen Lustmord, der an zwei Kindern begangen wurde, mit dem Selbstmord rin« jüdischen Angestellten in Verbindung gebracht, dessen Vater Schlächter war. Die Basis für die Ritualmordhetze war also nicht schlecht gewählt. Zwar hat sich inzwischen herausgestellt, daß die Motive des Selbstmörders, der schon längere Zeit schwermütig war, vermutlich in einer Kündigung zu suchen sind, daß der Vater nicht Schlächter war, sondern einen Gefiügelladen hatte, und daß der Sohn mit diesem Beruf nichts zu tun hatte, sowie daß er völlig freigeistig war. Das machte natürlich nichts aus, ebensowenig wie die Tatsache, daß die genauesten kriminalistischen Untersuchungen in ganz andere Richtungen führten, daß die Kriminalpolizei immer wieder aufs bestimmteste versicherte, daß dieser jüdische Selbstmörder mit der Angelegenheit nicht das geringste zu tun hätte und daß alle medizinischen Sachverständigen den Fall als einen typischen Lustmord bezeichneten. Da die Breslauer Bevölkerung tief erregt war, wurde aus dieser Ritualmordhetze keine ganz unerhebliche Angelegenheit. Viele Tausende haben zeitweise daran geglaubt, und es soll sogar zu Ausschreitungen gegen jüdische Passanten gekommen sein. Das alles wäre nicht geschehen, wenn nicht die ״Schlesische Zeitung“ sich diese Hetze des kleinen, unter Ausschluß der Oeffentlichkcit erscheinenden völkischen Blattes in liebevollster Weise zu eigen gemacht hätte. Die ,,Schlesische Zeitung“ ist eines der ältesten deutschen Blätter, besitzt eine stolze Tradition und gehört in den kleinen Kreis jener Provinzblätter, die, wie die ״Kölnische‘, die ״Hartungschc“ in Königsberg oder die ״Frankfurter•‘, obwohl sie nicht in der Metropole erscheinen, zur repräsentativen, deutschen Presse gehören und selbst eine gewisse über Deutsehland hinausreichende Geltung besitzen. Es ist kaum anzunehmen, daß einer der beteiligten Redakteure wirklich an das Bestehen eines Blutrituals bei den Juden glaubt. Es liegt vielmehr nahe, zu vormuten, daß der damals bevorstehende Abstimmungstermin über den Volksentscheid das deutschnatiouale B'.-tt verführt hat, die Ritualmordparole aufzugreifen. Wenn das richtig ist, so beweist es nur erst recht, wie sehr die deutschen Juden auch heute noch ein Spielball machtpolitischer Kämpfe und fretnder Interessen sind. ׳ Das Beschämende war, daß die öffentliche [Diskussion tagelang unter der Ucberschrift ״Ritualmord oder Lustmord“ von der Presse aller Richtungen weitergeführt wurde. Vom Sonntag, den 13. Juni, an dem die ״Schlesische Zeitung“ der sinnlosen Beschuldigung zu einer größeren Publizität verholfen hatte, bis zum darauffolgenden Donnerstag stand diese Frage im Mittelpunkt der Erörterungen, Von der linksgcrichteten Presse wurden die oben skizzierten Argumente weidlich wiederholt. Aber nirgends war ein Wort der Abwehr gegen den Begriff des jüdischen Ritualmords schlechthin zu lesen. Der mystische und fremdartige Charakter des Judentums muß doch auch׳ htt# 'noeb.:jhmrkwüpäige.7Vörstel|pngen:, im.- Unter-, bewußtsein seifet dieser modernen Menschen erzeugen. Die hiesige ״Jüdische Zeitung“ hat, wie die ״Jüdische Rundschau“ kürzlich schon mitteilte, das Notwendige dazu in würdiger und eindringlicher Form bemerkt. Die Wirkung gerade dieses Artikels auch auf die große demokratische Presse war deutlich verspürbar, und es bedurfte immerhin nur dieses Anstoßes, um auch vielen Niclitjnden die Unmöglichkeit dieser Art der Diskussion begreiflich zu machen. Was die Juden sonst taten, war nicht weit her. Viele Gelegenheiten wurden verpaßt. Zum Beispiel fand gerade am Sonntag, den 13. Juni, die zweihundertjährige Stiftungsfeier des jüdischen Krankenhaus es statt, die von der gesamten Presse, den Vertretern anderer Religionsgemeinschaften und den Spitzen der Staatliehen und städtischen Behörden besucht war. Es wäre!eicht gewesen, den antisemitischen Anwurf bei dieser Gelegenheit sofort abzuschütteln. Es wäre sicher auch möglich gewesen, eine Gegenkundgebung prominenter Nichtjuden, etwa des Ober- Präsidenten, des Fürstbischofs usw. durchzusetzen. Doch auch das wurde versäumt. Man beschränkte sich darauf, am Donnerstag ein halbes Dutzend Pressevertreter in die Repräsentantenversammlung zu laden, um dort feierlich zu protestieren. Doch auch dieser Protest litt, wie viele meinen, unter einer nicht sehr glücklichen Regie. Ein Zeichen dafür ist, daß einer der zionistischen Repräsentanten, Regierungsrat Marcus, erklärte, der vorgesehlagcnen Protestresolution nicht zustimmen zu können, weil er glaube, daß die ganze Aktion mit der Würde des Judentums nicht vereinbar sei. Die anderen stimmten folgender Entschließung zu: Vorstand und Gemeindeversammlung weisen mit Empörung und Entrüstung die Ausführungen der antisemitischen Presse zurück, die sich auf die Voraussetzung aufbauen, daß es überhaupt einen jüdischen Ritualmord gebe — und bedauern aufs tiefste, daß selbst führende Zeitungen großer Parteien nicht sofort, und mit Entschiedenheit den von der antisemitischen ״Schlesischen Volksstimme“ wieder ausgegrabenen mittelalterlichen Wahn eines jüdischen Ritualmordes zurückgewiesen haben, wie es die wissenschaftliche Wahrheit und die Ehre deutscher Kultur erfordert hätte. Der Centralverein, dem man gewohnheitsmäßig die Abwehr dieser Hetze überlassen hatte, hat in diesem Fall keine glückliehe Hand gehabt. Vielleicht, weil er von dem Auftauchen einer Ritualmordhetze in einer deutschen Großstadt überrascht wurde. Vielleicht auch, weil seine Abwehrmethoden der heutigen Zeit nicht adäquat sind. Während sich dies alles ereignete, ist auch im Breslauer Gemcindeparlamentdie geruhsame Stimmung jäh unterbrochen worden. In der vorletzten Sitzung hatten die zionistisehe und konservative Minderheitsfraktion gemeinsam eine Unterstützung der bestehende^ jüdischen Schule gefordert. Es kam zu einer groß angelegten weltanschaulichen Diskussion, in der die Zionisten zweifellos eindrucksvoll und wirksam ihren Standpunkt darlegten. Die liberale Majorität wird an diese Aussprache wohl noch manchmal denken. Es ging so weit, daß ihre Fraktioiisleitung vor der Abstimmung noch eine Fraktionssitzung einschieben mußte, um die schwankend gewordenen Mitglieder zu festigen. Dann jedoch wurde der Antrag niedergestimmt. Die Folge war, daß die Minorität bei dc5־ Etatsberatung der nächsten Sitzung mit einer aktiveren Oppositionspolitik einsetzte. Den Anlaß hierzu bot, daß im Etat Unterstützungen für den liberalen jugendverein and den Ccntralvcrciu aufgenommen waren. Man beantragte die Unter- Stützung auch der lokale״ Organisationen anderer Richtungen, und die Zionisten beantragten ferner die Streichung der Subvention für den C. V. Es kam zu einer sehr erregten Ausspräche, die unserem Freunde Jacobsohn einen, wenn auch nur verlegen erteilten, Ordnungsruf eintrug. Natürlich wurde sein Antrag abgelehnt, und es ist auch nicht anzunehmen, daß man darüber hinaus an eine nichtjüdische lnstanz appellieren wird, so offensichtlich auch diese Subvention einen Mißbrauch der Stetiergclder darstellt. Aber um den Frieden im Gemeindeparlament scheint es schlecht bcstellt. Es ist selbstverständlich, daß ein großer Teil der überaiett Majorität die jüdische Schule persönlich ablehnt. Aber es ist ebenso selbstverständlich, daß man nicht die Wünsche einer Minorität,• die mehr als ein Drittel der Gemeindevertretung umfaßt, und die diesen Wunsch als lebenswichtig bezeichnet, mit der •heute noch bestehenden Majorität niedet- (mitII(HMIII IMimmMimilllllMIIMMIHHIMHIlUMMHINIIIIMMinnilllMMMIMIIMtlltillllllM )öerJuDe | Soeben erschien ein neues j @0n5etl>ejt! \ Es eflthält die folgenden Beiträge: j I 5 i Sr. JCeo -öaeef (Berlin) / Religion und j I Erziehung I 1 זיו. PtPtor Kellner, Direktor des jüd. Real- | | gymnasiums, Wien / Die Problematik | i der jüdischen Erziehung I | Tr. ©iegfrieb Jletynann, Leiter des Jüdischen f I Kinderhauses, Kowno / Von der Straßen \ | horde zur Gemeinschaft j | 0d% 0. Pugatfcbovr (Klar Jcladim. Emek f f Jesreel)/Das Kinderdorf im Emek Jesreel j I @tu&tenrAtW0fe8C<tltwy(Tel Awiw)/Jugendj | not in Palästina | j Tr. ,$rtt$ £ö1t>e1tfie1n (Jerusalem) / Das hebräf I ische Schulwerk in Palästina j I Tr. 7frjel> CartaForoer (Lodz) / Das jüdische \ I Mittelschulwesen in Polen j | Tr. CfaFob Ä0bittf0f>tt, Vorsitzender der jüd. I f Sejmfraktion, Kowno / Das jüdische 1 I Schulwesen in Litauen | 1 fglfri&e •SergeKBronematm (Berlin) / lieber j I religiöse Erziehung | | Tr. fljrtifl Simon (Frankfurt a.M.) / Erziehung | f, ., zur;Tradition* '•1 -; . ד,׳ | | 7Ubred>t «Sellm««« (Berlin)’/ Erziehung zum | Freigeist! Tr. tttüller (Wien) / Zum pädagogi- I sehen Problem der Bibel! JUbb. Tr.?lrtl>ur poaiter (Kiel) / Der Vater i als Lehrer \ *S&nm Coljn (Jerusalem) / Die zweite i Generation in Palästina und die arabische i Umwelt I Tr. Gugo •öergmann (Jerusalem) / Die hebrä- I ische Sprache in Palästina | Tr. 3$ 6זו»£יobn (Jerusalem) / Der Fremd- I sprachen-Unterricht im hebräischen Schul- I wesen Palästinas 1 Umfang 140 Setten — Preis Mk. 2.80 I Jüdischer Verlag, Berlin NIV 7, Dorotheenslr. 35 \ huhu.. stimmen kann. Sicherlich ist diese Methode dann nicht am Platze, wenn man, wie bisher, den weltanschaulichen Diffcrenzen zum Trotz, die Gemeinde gemeinsam in einer gewissermaßen freundschaftlichen und fairen Koalition verwalten will. Die Unterstützung der jüdischen Schule würde bei dem äugenblicklichen Etat finanziell eine Bagatelle sein, etwa 0,15 «0, so daß die jüdischen Eltern, d e die jüdische Schule zu erhalten wünschen, das Vorgehen der liberalen Majorität gleichsam als eine kleinliche Schikane empfinden. Politisch betrachtet kann man es als den Beginn einer Gewaltpolitik der überalen Fraktion werten. Und dann wird die Antwort, besonders die der zionistischen Fraktion nicht ausbleiben. Vorläufig hat sich die Repräsentanz bis zum Herbst vertagt. Vielleicht wird sich die Situation bis dahin ändern. Sonst aber dürfte der Sitzungssaal der Vertreterversammlung noch allerhand aufregende Szenen erleben. K. E. * Die kommunistische Breslauer ״Arbeiterzeitung“ bringt folgende Mitteilung, die noch von der übrigen Presse nicht vermerkt worden ist: ln der Angelegenheit des Breslauer Kindermordes wurde der Polizei ein eigenartiger Fund gemeldet: Man fand nämlich eine, wie die chemische Untersuchung ergab, mit Tier- und Menschenblut getränkte Männerschürze, die mit den Anfangsbuchstaben A. H. gezeichnet war. Die beiden ״Finder“, die Passanten auf das Paket aufmerksam machten, entfernten sich sonderbarerweise schleunigst, trotz der ausgesetzten 4000 Mark Belohnung. — Die Zeitung fügt hinzu: Bekanntlich haben die Völkischen behauptet, der Kindermord sei durch den (übrigens einen Tag vor dem Mord durch Selbstmord umgekommenen) jüdischen Hausdiener Alfred Haase als ein ״jüdischer Ritualmoid“ begangen worden. Um diese Pogromhetze weiter treiben zu können, haben sie jetzt diesen eigenartigen ״Fund“ der mit den Anfangsbuchstaben des Haase gezeichneten Schürze ins Werk gesetzt. Diese Methoden lassen auf ein mehr als verdächtiges Interesse der Völkischen an der Mordsache scMiefiea. Die Eiowandentngspolittk Palästinas Der Chef des Einwandcrnngsdcpartcmcnts der Pa׳ lästinaregierung, M. Hyamson, weilte, wie berichtet in Polen. Vor seiner Abreise nach Riga äußerte sich Hyamson im Warschauer ״Moment“ über die gegenwärtigen Eiiiwanderungsniögüchkcitcn in Erez Israel. Er sagte unter anderem: ״lieber die Zukunft läßt sich schwer eine sichere Pragnose aufstellcn, da die Bedingungen für eine Einwanderung sich naturgemäß von Zeit zu Zeit ändern. Die gegenwärtige Lage in Erez Israel ist nicht befriedigend. Palästina macht jetzt eine große wirtschaftliche und finanzielle Krisis durch, die eigentlich ein Teil der in der ganzen Welt zutage getretenen Wirtschaftskrisis, zum Teil aber auch fine Folge der gegenwärtigen Lage in Polen ist. Während des letzten Jahres haben die Juden Polens die Hälfte der gesamten Einwanderung in Erez Israel gestellt, wovon 50°/״ der vermögenden Klasse angehörten. Palästina ist sehr arm an eigenen Kapitalien, weshalb es völlig vom ausländischen Kapital abhängig ist. Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage in Palästina ist eine sehr schwere und weist eine größere Anzahl Arbeitsloser auf. Die Lage wurde noch dadurch besonders erschwert, daß eine große Zahl der in den letzten zwei Jahren eingewanderten Juden sich nicht der produktiven Arbeit ztiwandfc, sondern Kleinhandel begann. Man trifft in Palästina neue kleine Städtchen, in denen auf weniger als 150 Häuser über 100 kleine KrämerladCti entfallen. Im gegenwärtigen Augenblick ist die Lage schlecht. Aber dieser Zustand kann nicht lange dauern. Wann diese Aenderung eintreten werde, kann nur schwer vorausgesagt werden. Deshalb mußten die Juden in Polen sich mit ihrem Drang nach Erez Israel in Geduld fassen. Etas Land ist heute nicht imstande, alle, die dahin auswandern möchten, aufzunehmen. Wir dürfen es nicht dazu kommen lassen, daß die neu Angekommenen der Notlage ausgesetzt werden. Die Palästinaregierung hat die Einwanderung durchaus nicht ganz eingestellt. Sie glaubt aber, daß es in diesem Moment notwendig sei, die Einwanderung zu beschränken, und es werden daher mir solche Personen einwandern können, die mit Arbeit versehen werden können, oder junge Leute, die bereit sind, schwere Arbeit zu leisten und materielle und physische Opfer zu bringen. Solche Elemente sind sehr erwünscht und bezüglich dieser wird keinerlei Beschränkung gemacht. Dasselbe gilt auch für Kinder, Frauen, Eltern und Schwestern derjenigen, die bereits in Erez Israel wohnen und die Möglichkeit haben, ihre nahen Verwandten zu erhalten. Besonders mache ich darauf aufmerksam, daß im gegenwärtigen Augenblick völlig unerwünschte Einwanderung von Mädchen ist, welche keine Verwandten oder keinen bestimmten Aufnahmcplafz in Palästina haben. Völlig ausgeschlossen ist jetzt die Zulassung von Menschen, welche die Absicht haben, sich dort mit Kramerei zu befassen. Die Lage in den Kolonien ist eine bessere als in den Städten, weshalb es vorzuziehen wäre, daß der Einwanderungsstrom sich den Kolonien und nicht den Städten zuwende. Eine Aenderung des Einwa11dcrungsgesetz.es vom Jahre 1925 betreffend die vermögenden Einwanderer dürfte meiner Meinung nach in absehbarer Zukunft nicht erfolgen. Wir wollen noch während ein oder zwei Jahren Erfahrungen auf diesem Gebiete sammeln. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß die Einreisebedingungen mit der Zeit eine Milderung erfahren werden. Ich hoffe, durehzusetzen, daß die verschiedenen Anfragen wegen Visumsertei- Iung für die Einwanderer mit Vermögen im Verlaufe von g drei bis vier Woche»■ erledigt ־'werde»,• ׳ •׳ ..׳־"•• <!' Unser Ziel ist, die, Touristenbewegung nach Palästina zu fördern. Was wir verhindern wollen, ist bloß, daß sich unter den Touristen keine tatsächlichen Einwanderer befinden. In allen Fällen, wo wir die Ueberzeugung ge* winnen, daß es sich um einen wirklichen Touristen handelt, bekommt el® das Visum ohne jede Schwierigkeit.“ Auf die Frage über die Lage der Arbeiter in Erez Israel antwortete Hyamson: ״Die gegenwärtige Krise in Palästina unter der! Arbeitern hat verschiedene Ursachen. 70 bis SO Prozent der Arbeiter waren im Baugewerbe beschäftigt. In der letzten Zeit hat die Baubewegung nachgelassen und ist fast auf ein Zwanzigstel herabgesunken. Die Ursache dieser Situation liegt in der Begrenzung der Einwanderung und in dem Mangel neuer Kapitalien. Nahezu 15 000 Arbeiter waren im Baugewerbe beschäftigt, von denen mehr als die Hälfte jetzt arbeitslos ist. Ein Teil der Neuankomtnenden leidet auch an Wohnungsmangel. Was die Möglichkeit einer Einwanderung aus Sowjetrußland betrifft, so ist sie im letzten Jahre der Zahl der Eingewanderten nach an den zweiten Platz nach Polen vorgerückt. Ich sehe keinen Grund für eine Verringerung der Einwanderung von Juden aus Sowjetrußland. Die Palästinaregierung macht ihnen keine besonderen Schwierigkeiten. Die Beziehungen zwischen dem Palästinaamt in Polen und dem englischen Konsulat sind sehr befriedigend. Der Zweck meiner Reise war, im Wege des Palästinaamtes in Warschau das für uns in Betracht kommende Einwandenmgseicment persönlich kentieir/ulernen. Letzten Dienstag habe ich selbst etwa siebzig Emigranten, darunter fünfzig Chaluzim, durchkontrolliert und ich bin mit der Auswahl des Menschenmaterials sehr zufrieden. * Herr Hyamson weilt seit dem 27. Juni in Berlin, wo er Besprechungen mit dem britischen Konsulat und dem Palästinaamt abgehalten hat. Die KnUartitigkeii der Arbeiterorganisation in Palästina Die Waadath Hatarbuth (Kulturausschuß) der Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina unterhielt während des vergaugenen Winters folgende Bildungsinstitutionen: 38 Abendkurse mit 71 Lehrern und 4087 Schülern, Schulen für die Arbeiterjugend mit 16 Lehrern und 453 Schülern, Klubs für Arbeiterjugend mit 1252 Mitgliedern, Fachkurse mit 10 Lehrern, wissenschaftliche Kurse mit 12 Lehrern und 520 Schülern, Vorträge über Heimatskurse 57, Exkursionen 11, Konzerte 18, während in 34 Schulen und Kindergärten in den Kindergärten 422 und in den Schulen 422 Kinder unterrichtet wurden. Die Zahl der Lehrer und Kindergärtnerinnen betrug 57. Außerdem erstreckte sich die Kulturtätigkeit der Histadruth auch noch auf eine Zcntralbibliofhek mit Filialen, die 52 000 Bücher und 5000 Leser zählt, auf ein Theaterstudio Ühcl, die Herausgabe von Büchern und einen Chor und Orehester im Emek und in Haifa. (Ziko ) Vom Warsehaner Palästiiaamt Beim zentralen Palästinaamt in Warschau sind für die Abreise nach Palästina registriert: Baufachleute im Alter bis 45 Jahre 4538; andere Berufe im Alter bis 35 Jahre 6583; und Frauen 3733, zusammen 14854 Personen. Für die; Abreise nach Palästina sind vom Warschauer Palästinaamt bereits approbiert: Baufachleute im Alter bis 45 Jahre 2481; andere Berufe bis 35 Jahre 3036 und Frauen 1460, also zusammen 7577 Emigranten, die auf Zertifikate harren. (Ziko.)

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