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Jüdische Rundschau · 1926-06-25 · Heft 49 (25.6.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 49 (25.6.1926)
Date
1926-06-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 300 }UEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4• Zur politischen Gestaltung Palästinas Von I>r. Hans K0 1111. Die Frage der kommenden politischen Form, in die sich das Leben Palästinas cinfügen 'wird, ist von grundlegender Bcdeutung und die Notwendigkeit ihrer Lösung wird nicht durch irgendwelche Memoranda, sondern durch die Wirklichkeit des allgemeinen Lebens dieser Zeit im Morgen- und Abendlande wie durch die Erfordernisse des besondefen Falles vor uns als dringend Eingestellt. Wir müssen Rechenschaft ablegen über das Ziel, dem wir durch unsere Tätigkeit in Palästina zustreben, und es wird nicht angehen, daß wir die Festsetzung der konkreten Formen des Zieles völlig der gestaltenden Wirkung der Zeit überlassen. Denn das Ziefbild, das wir uns setzen, bestimmt auch die Formen unserer Tätigkeit, es bestimmt aber auch die Beurteilung, die die anderen unserer Tätigkeit angedeihen lassen. Wir sind nicht nur uns Rechenschaft schuldig, Prüfung, Klarheit und Selbstbesinnung, sondern auch den Arabern und der Öffentlichkeit, die formal durch den Völkerbund vertreten wird. Wir appellieren a!1 die Sympathie dieser OeffentljsJjJfgn* wir erklären den Arabern, daß wir nicht nach PjtJgfHlhnier dcutum sie zu beherrschen und zu unterd(£ffrr und überall, wie wir licher wird uns die Frage mtd!n. Wir haben keine Antwort auf diese Absicht vecw'rtl ist notwendig, in einer langen und sorgdiese F«z>/tsnüssion dieses Problem tu klären. Wir können dabei Ai'dfit mir von unserem Interesse und schon gar nicht von dem ausgehen, was sich uns gegenwärtig als unser unmittelbares Interesse darzustellen scheint. Wir müssen auch das Interesse des Landes und aller seiner Bewohner im Auge behalten und wir müssen bereit sein, wie wir dies ja auch so oft erklären, dieses Interesse auch an allgemeinen Gesichtspunkten zu messen und zu beurteilen. In Palästina stellt sich vor uns ein schwieriges Problem, vielleicht das schwierigste Problem der gegenwärtigen Staatskunst in innerer Politik: das Zusammenleben zweier (oder mehrerer) Völker auf einem geographischen Territorium so zu lösen, daß es — \״on der politischen Machtentfaltung aus gesehen — keine Majorität und keine Minorität mehr gibt, d. h. daß keines der beiden (oder mehreren) Völker sich in der Entwicklung seiner Eigenart gehemmt oder dem Willen eines anderen Volkes untertan fühle. Dieses Problem läßt sich nicht lösen durch Berufung auf Hcrzl, denn dieser hat von der Araberfrage und von der heutigen Entwicklung des politischen Bewußtseins, die mit einer ganz anderen Schnelligkeit abläuft, als das 19. Jahrhundert geannt hat, nichts gewußt. Immerhin erlauben seine Vorstellungen von der politischen Gestaltung Palästinas, wie sie im ״Altneuland“ niedergelegt sind, daran zu glauben, daß bei ihm die Ideen der Humanität und formalen Demokratie alles beherrscht haben: es leben zwar Juden in Palästina, der Staat dort aber ist kein Judenstaat, sondern ein Land, das allen seinen Bewohnern ohne Unterschied der Rasse oder Religion gehört. Die größten loonstruktiven Staatsmänner, die das jüdische Volle im 20. Jahrhundert bisher gehabt hat, Sir Herbert Samuel, Dr, Weizmann und Dr. Arthur Ruppin, haben aber gerade die Frage der künftigen politischen Gestaltung Palästinas als Nationalitätengebilde als das zentrale politische Problem, nach innen wie nach außen, erkannt. Das Problem, das vor uns in Palästina liegt, ist weder den Juden noch Palästina allein eigentümlich. Welche Bedeutung es für viele der europäischen'Staaten (Tschechoslowakei, Polen, Rumänien usw.) hat, ist überflüssig, auszuführen. Aber es ist das Zentralproblem der künftigen politischen Entwicklung auch in zumindest zwei asiatischen Gebieten, in Syrien, wo der Gegensatz zwischen der christlich-libauischen Minorität und der mohammedanisch-syrischen Mehrheit das Land zerreißt, und vor allem in Indien, wo die Entfremdung zwischen Hindu und Mohammedanern wächst und alle Errungenschaften der Qaudhizeit zu nichte zu machen droht. Iri vollendeter Weise ist das Zusammenleben zweier (oder mehrerer) Völker in der Schweiz gelöst, innerhalb des britischen Weltreiches wurden solche Be- Strebungen mit vollem Erfolg in Kanada, mit vielleicht geringerem, aber mit dem nur wenige Jahre damals zurückliegenden grausam-erbitterten Burenkrieg erstaunlich großem Erfolg in Südafrika verwirklicht (daran, daß die Lösung dieser Frage in Irland nicht gelang, leidet das Land), die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken ist gerade auf diesem Gebiete ein interessantes Experiment und auch aus dem Beispiele Belgiens und Finnlands in der Behandlung der Sprachenfrage ist vieles zu lernen. Ein genaues Studium all dieser Verhältnisse muß von uns unternommen werden, der unter Leitung von Dr. Arthur Ruppin in Jerusalem begründete Bräth Schalom hat sich gerade dies als eines seiner nächsten Tätigkeitsgebiete hestimmt. Wir müssen uns um die Lösung dieser ״neuen Frage“ in Palästina bemühen, denn nicht nur sind wir es, die den Status quo im Lande in einer bestimmten Richtung zu ändern wünsehen und wir müssen wissen, in welcher Richtung, sondern wir sind auch das politisch reifere Volk, ein altes Volk, das die Weisheit von Propheten und Gelehrten und Meistern auf dem ן Gebiete der Sozialcthik ebenso im Blute trägt, wie es die gesamte politische Entwicklung Europas seit der Aufklärung miterlebt und in seinem Denken die fortgeschrittensten Theonen dieses Europa assimiliert, zum Teile mitgestaltet hat. Die folgenden Ausführungen sollen einen ersten Versuch zur Lösung der Frage der politischen Gestaltung Palästinas geben, nicht mehr; viele technische Details müssen der Ausarbeitung technischer Experten und der Erfahrung der Zeit überlassen werden, andere werden in der Diskussion geklärt, verbessert, geändert werden. Es ist unzweifelhaft, daß England als Mandatarmacht und Verwalter Palästinas (und es sei gleich von vornherein festgestellt, daß wir, solange nicht ein wirklicher Völkerbund alle Staatengrenzen aufhebt oder zu bedeutungslosen geographischen Begriffen auflöst, es begrüßen und uns freuen, daß wir bis dahin unter britischem Mandat stehen oder einen Teil des britischen Weltreiches in seiner vielfältige״ zukunftsreichen in w JfcJer Form8 ו lieh" im me r ettvi -1^״Verantwortlichen Regierung, Torrn a״l-h,1*p!nyä,^4'oAsfcher ist es aber, daß das bisherige z“l,a.|sc״l!nÄ1tische englische Beamtenregiment, das unter Lord Pfumer immer schärfere Formen annimmt, unhaltbar ist und schon in der nächsten Zeit durch irgendeine Form einer in ihren Rechten beschränkten Repräsentanz der Bevölkerung und ihrer Teilnahme an der Regierung auf bestimmten Gebieten und mit umrissenen Kompetenzen gemildert werden wird. Das Vorbild Svriens treibt auch dazu. Andererseits muß man sich dessen klar sein, daß die Araber heute mehr geneigt sind als unmittelbar nach dem Weltkriege, das britische Mandat anzunehmen, wenn dies auch keineswegs heißt, daß sie mit der Balfour- Deklaration sich abfinden wollen. Denn die Araber sehen zweierlei: die wachsende Sicherheit des britischen Riesenreiches, das die schweren Krisen in Indien und Aegypten,'in Irak und Mossul, verhältnismäßig leicht und ohne Blutvergießen überwunden hat und heute stärker dasteht als vor dem Weltkriege, und sie wissen mit Bestimmtheit, daß, falls eine Zurückziehung Großbritanniens aus Palästina überhaupt erfolgen könnte, Frankreich und vor allem Italien bereit stehen, die Mittelmeerländer zu besetzen. Während aber Großbritannien in seiner kolonialen Verwaltung die Eigenart der Bewohner achtet und ihnen langsames Reifen in autonome Formen gewährt, befürchten sie von Italien und Frankreich eine gewaltsame Beeinflussung der Bevölkerung im Sinne einer ״patriotischen“ Assimilation an italienische und französische Art und eine völlige Nichtachtung der Wohlfahrt und Eigenentwieklung der Länder. Bejahen heute die Araber auch in einem weitgehenden Maße das britische Mandat, so stehen sie doch dem Wachstum des jüdischen nationalen Heimes in Palästina ablehnend gegenüber. Wohl sind sic einverstanden, daß die derzeit in Palästina lebenden 150000 Juden in Frieden dort wohnen, sich entfalten, den Reichtum des Landes mehren und seine Entwicklung fördern, aber sie befürchten eine kommende jüdische Majorität, da diese eine Majorisierung der Araber in sich schließe. Ebenso drängen die Juden nach einer schnellen Entfaltung der bisherigen jüdischen Siedlung, um aufzuhören, eine Minorität zu sein, da sie die gegenwärtige arabische Majorität fürchten, da diese eine Majorisierung der Juden in sich schließe, ln Palästina wie in allen Ländern mit einer Bevölkerting zweier oder mehrerer Nationalitäten gilt es aber eine Weise des Zusammenlebens zu finden, die (ähnlich wie in der Schweiz) eine Majorisierung jedes Bevölkerungsteiles ausschließt, sei er die zahlenmäßige Majorität oder Minorität. Nur so kann den Juden die Besorgnis um ihre Gegenwart, den Arabern die um ihre Zukunft genommen werden, nur so ist eine friedliche und verheißungsvolle Entwicklung Palästinas in Freiheit möglich, nur so kann aber Palästina auch das werden, was wfr in unseren Reden Voraussagen und versprechen: ein Land, auch bedeutungsvoll für die Menschheit und daher ihrer täti-, gen Sympathie wert, eine Brüdee zwischen Orient und Okzident, klein wie einst im Altertum und doch nicht ohne Einfluß auf die geistige und sozialpolitische Entwicklung der Völker. II. Die folgenden Darlegungen sollen die Umrisse einer künftigen politischen Gestaltung Palästinas geben, in ähnlicher Weise, wie dies etwa in der Commonwealth of India Bill, die von einem Teil der indischen Nationalbewegung ausgearbeitet wurde, versucht ist. Der Schwerpunkt der politischen Willensbildung der Bevölkerung soll in den Gemeinden liegen, sie soll sich von unten nach oben entwickeln und das Eingreifen der oberen Instanzen soll sieh nur auf die notwendigsten Fälle beschränken. Eine weithingehende Dezentralisation soll herrschen, den tragenden Faktor der Lehensgestaltung soll nicht die Zentralverwaltung bilden, die Teile ihrer Kompetenz an Bezirke und Gemeinden abgibt, sondern Gemeinden und Bezirke bestimmen, in den Angelegenheiten, die unmittelbar das tägliche Leben der Bewohner betreffe!!, und geben den Teil ihrer Kompetenzen, der einer allgemeineren Regelung bedarf, an die Zentralverwaltung ab. Die Gemeinden sind heute schon in ihrer Individualität zum großen Teile national bestimmt, die Dörfer fast ohne Ausnähme, die Städte teilweise: Tel-Awiw, Afule und manche außerhalb des Stadtgebietes Jerusalems oder Haifas liegenden neuen Stadtviertel sind rein jüdisch, Nablus, Nazareth, Gaza rein arabisch. Jerusalem, Haifa, Tiberias, Jaffa und Safed sind die einzigen Gemeinden des Landes, wo in bedeutendem Maße beide Nationalitäten zusammenwohnen. Heute gibt es fast in allen diesen Gemeinden keine gewählten Vertretungen, sie werden durch von der Regierung bestellte Personen ohne jede Anteilnahme der Bevölkerung verwaltet, der Umkreis der Kompetenzen der Gemeinden ist sehr gering. Mit Recht tritt das Memorandum des Exekutivkomitees des arabischen nationalen Kongresses in Palästina an die neunte Session der Mandatskotnmi«»km des Völkerbundes für Besserung der bestehenden Verhältnisse im Sinne eines erweiterten Anteils der Bevölkerung an der Verwaltung der Gemeinden und Erweiterung ihrer Autonomie ein. Hier herrscht völlige Uebereinstimmung zwisehen Arabern und Juden in Palästina, eine Grundlage für eine gemeinsame Forderung. Das in vielen Teilen vorzügliche und wohldokumentierte Memorandum, das der Waad Leumi (Nationalrat der Juden Palästinas) der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes überreicht hat, sagt auf Seite 21 und 22 über die Notwendigkeit der Gewährung der lokalen Selbstverwaltung: ״The present form of administration is a great hindraiice in the way of the natural development of these towns. Both the Jews and a large section of the Arab popufation are unanimous in objecting to such a System of municipal administration. The Jewish Community in Palestine considers it imperative that democratic elections be held for the section of Municipal Gouncils on an equitable and extended franchise such as will unable the large masses to narticipate.“ Für die Gemeindewahlen sollte das Wahlrecht allen Kreisen der Bevölkerung in der Form eines allgemeinen, gleichen und ,direkten Wahlrechts verliehen werden; die politisch-soziale Betätig»ng in den Gemeinden würde so eine Schule der Erziehung nicht nur weiter arabischer Kreise, sondern auch eines großen Teiles der orientalischen Juden Palästinas bilden. Ueber diese Gemeinden und sie zu größeren Einheiten zusammenfassend könnten Bezirke oder Kantone treten. Bet seiner kleinen Flächenausdehnung bietet Palästina dennoch eine reiche Varietät an verschiedenen klimatischen, wirtscliaftsgeographischen und kulturellen Zonen. Sie würden die natürliche Einheit der Bezirksbildung abgeben. In diesen Bezirken würde schon in weit höherem Maße als in den Gemeinden ein Zusammenwirken der beiden Nationalitäten möglich und notwendig sein, dennoch ließen sich oft Bezirke mit überwiegend einer Nationalität angehörenden Bevölkerung bilden, wie etwa die jüdischen Bezirke um Petach Tikwah, Tiberias oder Afuie einerseits, der mohammedanische um Nablus oder der christliche um Nazareth andererseits. Ke größeren Städte (Jerusalem, Tel-Awiw, Jaffa, Haifa) stünden außerhalb dieser Bezirke, denen sie, in inrer Verwaltung selbst genügsamer als kleinere Gemeinden, in ihrem Wirlaingskreis gleichgestellt wären. Wichtiger aber als diese Bezirke wären die das ganze Land umfassenden autonomen Vertretungskörperschaften der beiden Nationalitäten. In diesen beiden autonomen Gebilden wären die wichtigsten Funktionen national-kultureller Tätigkeit vereinigt. Sie wären die Träger der nationalen Entfaltung beider Bevölkerungsteile, die so autonom und unbeeinträchtigt nebeneinander ihre schöpferischen Fähigkeiten reifen und ihre innere Gestaltung entscheiden könnten. Eine derartige autonome nationale Körperschaft könnte eine doppelte Grundlage haben: die territoriale in der F mn der fast ausschließlich von einem Bevölkerungstei! bewohnten Gemeinden, die persönliche (wie sie mit solchem Erfolge im alten Oesterreich, in der Bukowina und teilweise in Mähren angewandt wurde) in den großen Städten mit gemischter Bevölkerung. Ke Juden Palästinas besitzen in der Assefat Haniwcharirt und in deren Exekutivorgan, im Waad Leumi, wenn auch vorläufig nur in unvollkommenen Ansätzen, eine solche autonome oberste Vertretung der einen Nationalität in Palästina. Ihr obenerwähntes Memorandum fordert auf Seite f die Ausgestaltung dieser bisherigen Vertretungsform in richtiger Weise zu dem staatsrechtlieh anerkannten Träger der nationalen Entfaltung und Autonomie der Juden, eine parallele Körperschaft muß auch für die Araber gefordert werden. Das Memorandum des Waad Leumi umschreibt die Funktionen dieser Gebilde der nationalen Autonomie folgendermaßen: They ״should be granted considerable latitude in the various phases of public social life: ecclesiastic, economic, cultural and political, — insofar as they affect Jews;“ (beziehungsweise: Arabs). The recognised bodies of this Organisation should be granted juridical personalitv, subject to the common lew, and bearing the rigst of representation both, without and within; the organs of the National Organisation should be granted the right to levy compnlsorv taxes to meet the internal requirements...“ Das wichtigste Tätigkeitsgebiet dieser nationalen Repräsentanzen wäre neben dem Gebiet sozialer Fürsorgetätigkeit (in das sie sich aber mit den Bezirken teilen könnten) und der freiwilligen (sog, Fric- Die Grenzen der Erziehung 1. In Mitteleuropa gibt es mir wenige eigenschöpferische Pädagogen nationaljüdischen Bekenntnisses. Um so schwerer wiegt jedes Wort, jede Tat dieser Kämpfenden, als deren Beseeltester, Gläubigster, Arno Wagner, jung gestorben, als deren Frischester, Beweglichster, Moses Calvarv, an der schwierigsten Stelle unserer Front stellt. Siegfried Bernfeld hat ein Buch geschrieben*), das riemand von all denen übersehen darf, die an, in und mit der Jugend schaffen, suchen, wollen, tasten, schauen. Zumal liier Erziehung weit als ״Reaktion der Gesellschaft auf die Entwicklungstafsache“ gemeint ist und zumal Kritik und Skepsis Subjekt und Objekt, Träger und Opfer der allzu optimistischen und unbedachten Arbeitswut auf erzieherischem Gebiet scharf ’ 7־fll beleuchten. Die huן! , .״ grundtief — Freud um! ■ Ul.-iue ist zwar eng, aber tief, ab- I ädagogik ist unwisscnschaftiicli, ,uewp bisherige europäische gedacht, sie ist unkontrollicrbar, utopiscfi,' »«!dichtet, nicht das uralte, heute nicht, mit diesen Mitteln nicht, niem’a1V־elt rcichbarc Menschideal mit dem unbedingt zu erreichend! n Frziehungsideal. Hl. Das Subjekt der Erziehung ist Objekt der icweilcn Geseilschaftsform. Die Form unserer Gesellschaft ist der Kapitahsmus. Ergo: erst Sozialismus, dann sozialistische Erziehung Auf der Grundlage einer sozialistischen Erziehungswissenschaft die frei ist von Verdrängungskomplex, Oedimissituatkm Inzestscheu und Schuldgefühl verbrämender Ideologe einer Herrsehenden Minderheit. Aus de 1 Klauen der Skepsis, die so״ar vor der Prognose der Psychoanalyse nicht Halt macht, wird die Möglichkeit einer kollektiven Prognose gerettet. So wird denn endlich eine Generation erzogen, nicht der einzelne. Ein Grundriß des Erziehungswesens kann entworfen, die Er/iehungseinfiüsse und -mittel können vernunftgemäß bewertet werden. Das Ziel ist erreicht: ״Sinn und Funktion der Pädagogik ist die Rationalisierung der Erziehung.“ Dr. Siegfried Bcrnfeld, Sisvphos oder die Grenzen der Erziehung, Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 1925. IV. Viele, viele Einwände sind möglich. Erstens gegen Freud, gegen die ״maßlosen Uebertreibungen dieses nicht ganz verdienstlosen Autors“, nein, vielmehr gegen den durclunis verdienstvollen Forscher, der nur leider so sehr viel Fragen gar nicht beantwortet, soviel Ungewißheiten gar nicht einmal berührt: Güte? Bosheit? Neid? Glaube? Kampf? Friede? Blut? Oder sollte alles, alles, alles in dem einen (ich gestehe: wunderbaren und von Bernfeld knapp und plastisch dargestellten!) Mythos wurzeln? Vielleicht wird Bernfeld selbst in 20 Jahren noch biegsam genug sein, um in gewonnenem Abstand dasselbe über Freud sagen zu können, was er heute über Darwin sagt, dessen Mythos einmal ebenso berauscht hat, vielleicht heute noch bisweilen berauschen kann. — Zweitens < gegen Marx, dessen Lehre die tatsächliche sozialökonomische Entwicklung schon selbst genügend berichtigt hat, und gegen dessen Ge- Schichtsauffassung deshalb so wenig zu sagen ist, weil es sub specie des pädagogischen Eros gleichgültig, höchstens ein gcschichtsphilosophisches Problem ist, ob erst Wirtschaft, dann Geist, ob erst Gesellschaftsform, dann Erziehungswissenschaft. V. kciuiViC(:'e des pädagogischen Eros? seinen Taten läse marP*!™^^ aus anderen Schriften und aus und gegen Kritik und Skepsis,’ tr3HF״h jn dies1'm Buche neben Zeilen, in jedem Satze, wenn auch ni<äWKvz'vl,Sf 1Cn• 11011 schränkt, wegsuhjektiviert, der Utopie, des Wahnsinn0111.8^‘ clachtigt, belächelt, bemitleidet, karikiert, schriee es nicht aus all der musterhaften Objektivität, aus dieser unbarmherzigen gegen eigenes Tim und Wollen rücksichtslosen, haarscharfen’ modernen, jawohl: modernen, nm kalkulierenden, gruppierenden und architektonisch schiclnertien Sachlichkeit: so riefe ich cs, der ergrimmte, zi! lange gepeitschte und gequälte Leser laut, dröhnend laut: doch, doch, oocli, man dichtet Pädagogik, man d e 11 k t sie nicht! VI. Mehr an dieser Stelle über dieses Buch zu sagen, erlaubt der Raum nicht. Es ist ganz gut so: sonst könnte an! Ende noch der Eindruck entstehen, als warnte ich vor der Lektüre dieses Buches. Nein, so falsch kann man nicht verstanden haben! Oder wollen wir nur Bücher lesen, die uns ״interessieren“, die ״unseren Horizont erweitern“, die uns ״Tatsachen vermitteln“, die wir von A bis Z ״unterschreiben“ möchten, und hinter denen sich viel Oberflächlichkeit verbirgt, soviel Auftischen längst geläufiger Selbstverständlichkeiten, soviel Engstirnigkeit, Fachwissen, soviel Zettelkasten-Vielwisserei und Fachlexikon- Wiilzerei. VII. Wer sich ״bilden“ will, der lasse von diesem Buche ab, denn cs beunruhigt, es wühlt innerlichst auf, erschüttert. Wer ohne jegliche Störung und Hemmung weiter arbeiten will, auf daß das ״Jahrhundert des Kindes“ siegreich, siegreich weiterrollt, der greife lieber zu einem der 1000 Bücher, die Jahr für Jahr über ״Arbeitsunterricht“, ״Werkpädagogik“, ״Koedukation“, ״Selbstverwaltung der Schüler“, ״Erholungsfiirsorge der Jugendlichen“ usw. erscheinen. Wer aber vor Göttersturz, vor dem Schwindel erregenden Blick in abgründige Tiefen, vor ketzerischer Inbrunst nicht zurückschreckt, der mühe sich um dieses Buch. Vill. Ein Jude hat es geschrieben. Wir dürfen stolz sein. Schon allein um dieses hartnäckigen, eigenwilligen Stiles willen, der mit seinen Windungen und Kreuzungen so reiche Ueberrasclumgcn und so unverhoffte, überraschende Ausblicke schafft. Stil ist niemals mir ein Aeußcrcs, immer Ausdruck einer inneren Form, liier Zeugnis fruchtbarer Gedankengänge, 1י:* Widerspruch in ihrer Eigenberechtigung nur unterstreicht, niemals cn1xw.t־t .. , Vollends die Programmrede der Exzellenz, des Herrn Unterrichtsmuusters Bürger Machiavcll ist eines Büchner oder M edekmd würdig. Dr. K u r t W i 11 k o w s k i. Bruno Schönlank, Blutjunge Welt, 5. Auf!.; Oe* sänge der Zeit, 3. Aufl, je 0,70 M. E. Laubsche Verlagsbuchhandlung G. rn. b. H., Berlin W 30. Die beiden Bändchen Revolutionslyrik des talentierten Dichters, die von reiner Liebe zu den Menschen getragen ist und die Gleichgültigen aufruft zum Neubau einer besseren Zukunft. (

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