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Jüdische Rundschau · 1926-06-15 · Heft 46 (15.6.1926) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 46 (15.6.1926)
Date
1926-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 341 Hebraisierong ia Deutschland (Bundestag des Jungjüdischen Wanderbundes) Wenn man am Schluß der Bundestagung des Jungjüdischen Waudcrbuudes, die am 23.-25 Mai in Anleben bei Nordhausen stattfand, irgendeinen der Teilnehmer nach seinen wesentlichen Eindrücken fragte, so konnte man in verschiedenen Versionen hören, daß die beginnende Uebräisierung des Bimdes am tiefsten und klarsten gewirkt hat. Auf dem letzten Bundestag ini August v. J. spielte das Hebräische noch gar keine Rolle. Die Magdeburger Eührcrtagung im Dezember gab die Parole der Uebräisierung aus; auf diesem Bundestag stand im Mittelpunkt der ganzen Tagung eine rein hebräische Sitzung, an der sich etwa 80 Teilnehmer beteiligten und die zur Gründung eines Chug iwri führte. Diese hebräische Sitzung wurde eingeleitet durch ein Referat von Samuel Sevoray über ,,Awoda tharbuthit bithnuath hanoar En Charod b'Germania“. Sevoray wies besonders daraut hin, daß das Hebräische 11.. .t nur für die Beteiligung am Leben Palästinas Bedeutung hätte, sondern auch für die Erhaltung des jüdischen Volkes im Galuth. Aufgeben der eigenen Sprache und Assimilation hängen zusammen. Die jiddische Sprache, die bisher Nationalsprache war, verliere dauernd an Boden. An ihre Stelle müsse auch im Galuth die hebräische Sprache treten. Auch die deutsche Judenheit könne nur durch die hebräische Sprache dem jüdischen Volke wieder voll eingegliedert werden. Das Hebräische dürfe aber nicht nur notdürftiges Verständigungsmittel sein, sondern muß zu einer vollwertigen Sprache des Lebens und der Kultur erhoben werden. Die Diskussion, in der noch besonders die Bedcutung der biblischen und tiachbiblischen hebräischen Literatur für die Hcbraisierungsarbeit hervorgehoben wurde, beschäftigte sich hauptsächlich mit Fragen der praktischen Organisierung der hebräischen Arbeit. Es wurde schließlich die Gründung eines Chug iwri beschlossen, der seine Tätigkeit nicht auf den jungjüdischen Wanderbund beschränken soll. Die Waadath Hatharbuth beim Hechaluz soll durch den Chug iwri gestützt werden. Ein eingehendes Programm für die nächste Arbeit wurde aufgestellt. Die Leitung des Chug iwri wurde Chawer Sevoray, zurzeit Erfurt, übertragen. Diese Hebraisierungstendenz wächst unmittelbar aus dem Charakter und der Ideologie des J. J.W. B. heraus. Das ging aus dem einleitenden Referat von Walter Heiibrunn und dem Schlußreferat von Hermann Gradnauer deutlich hervor. Beide Referate, die ganz verschiedene Gebiete behandelten, gingen in einem wesentlichen und grundlegenden Punkte zusammen. Beide sprachen über die Stützpfeiler der Ideologie des J. J. W. B״ Zionismus und Sozialismus. Beide gingen davon aus, daß der Zionismus grundlegend in der Anschauung des J. J. W. B. sei; Judentum sei keine Weltanschauung, sondern eine biologische Tatsache und Zionismus Selbstbehauptung des Judentums. Während nun Walter Heilbrunn daraus die K011sequenz zog, daß diese wesentliche zionistische Grundtendenz durch keine andere Tendenz geschwächt werden könne und keine Bewegung unterstützt werden dürfe, die sich gegen die Selbstbehauptung des Judentums, also gegen Zionismus und Palästinaaufbau richteten, daß also trotz aller Sympathien für kommunistische Ideen beispielsweise die kommunistische Partei nicht unterstützt werden könne, da ihre Politik dem Aufbau eines jüdischen Palästina feindlich ist, — stellte Hermann Gradnauer klar, daß der Zionismus seine Anhänger nicht von der ״internationalen Republik des Geistes“ ausschließt: der Bund kämpft gegen den nivellierenden und verflachenden Einfluß der bürgerlichen Gesellschaft; er bekennt sich solidarisch mit gleichgerichteten Bewegungen anderer Völker; er rechnet sich zur nationalen jüdischen Sektion der internationalen Arbeiterbewegung; sein Weg führt daher nicht nach Palästina schlechthin, sondern in die palästinensische Afbeitersbhait, dte-HwtgWl׳־ wiejede Arbeiterschaft dieHauptlast der natkmÄeh Wirtschaff trägt. Er zeigte, wie sich der Klassengeist der bürgerlichen Gesellschaft schon in der Er- Ziehung auswirkt und stellte dagegen die sozialistische Idee der Gleichheit und Brüderlichkeit. Die Referate führten zu einer Aussprache, deren hohes Niveau erfreute und die auch das Vorhandensein eines Nach- Wuchses an jüngeren Führern offenbarte. Es zeigten sich Tendenzen, die eine stärkere Anerkennung der jüdischen Tradition im Bundesleben verlangten; die im wesentlichen taktisch begründete Ablehnung des Parteikommunismus wurde angegriffen; eine Klärung über die Fragen der Erziehungsformen und -methoden im Bunde wurde verlangt. Einige Schwierigkeiten machte die Wahl der Bundesleitung. Die bisherige Leitung wünschte zurückzutreten; sie wollte jüngeren Kräften den Weg freimaehen, auch glaubte sie einer 1m Bunde erkennbaren Richtung, die eine stärkere Berücksichtigung der Jüngerenerziehung und gewisse Aenderungen in der bisherigen Erziehungsmethode verlangte, Platz machen zu müssen. Es erwies sich aber, daß eine tragfähige Gruppe für eine völlige Erneuerung der Bundesleitung nicht vorhanden war. So begnügte man sich mit einer Erweiterung der bisfterigen; es wurde ein Waad Hapoel gewählt, dem folgende Chawerim angehören: Walter Heiibrunn, Georg Lubinski, Jizchak Reiß, Karl Stein (diese in Berlin), Hans Alyth (Braunschweig), Hermann Gradnauer (Hameln), Max Gutmann (Aerzen), Kurt Löwenstein (Duisburg), Fritz Noack (Gotha), Samuel Sevoray (Erfurt). Die Berliner Chawerim des Waad Hapoel bilden die Maskiruth, die die laufenden’Geschäfte zu erledigen hat. Die Beteiligung an der Tagung war — trotz kurzer Vorbereitung und finanzieller Schwierigkeiten — durchaus befriedigend; gegen 600 Chawerim waren zusammengekommen. Die Tagung ließ im ganzen den sehr starken Eindruck zurück, daß der Bund sich im weiteren Aufstieg befindet. Das jüdische Ktilerhaos In Kowno*) Als Gustav Landauer vor nunmehr zehn Jahren mit seiner Rede über ,,Judentum und Sozialismus“ das erste jüdische Settlement, das Volks heim im ostjiidischen Vierte! Berlins eröffnete, war es. das Ziel jener jungen jüdischen Mensehen, sich von der freudlosen Isoliertheit ihres von der Volksgemeinschaft losgelösten Lebens durch neuen An- Schluß an ihr Volk zu befreien. Aber bald mußten sie erkennen, daß sie, ein vom Volkskörper abgesplitterter Teil, nicht ihr Ziel erreichen konnten. Jetzt ist in Litauen, einem Zentrum jüdischen Volkslebens, wieder versucht worden, ein Settlement zu schaffen. Nach Berichten, die von dort kommen, sind die Fortschritte nach fünfjähriger Arbeit recht erheblich. Eigentlich waren die Kinderküche und die Kleiderausgabestelle des Kinderhauses nur für Waisen bestimmt, aber dennoch sammelten sich hier etwa 300 Kinder und Jugendliche, die zum Teil ohne Eltern waren oder deren Eltern sich in so schlechter wirtschaftlicher Lage befanden, daß sie als Ernährer und Erziehcr ihrer Kinder nicht in Betracht kamen. Es ist interessant, den Werdegang der Horde verwahrloster Straßenkinder zu verfolgen, von denen ein Teil schon seit Jahren das Leben von Vagabunden führte. Diese Horde hat sich zu einer Gemeinschalt entwickelt, die ein Zentrum der jüdischen Jugendbewegung in Litauen geworden ist. Es ist nicht verwunderlich, wenn die Kinder in der ersten Zeit ihres Aufenthalts im Heime den Erziehern und sonstigen *) Wie wir in der vorigen Nummer berichtet haben, hat der zionistische Mädchentag in Breslau beschlossen, das Proiekt Dr. Lehmanns, betreffend das Kownoer Pogromwaisen־ Kinderhaus, zu iördern. erwachsenen Personen mit ausgesprochenem Haß gegenüberstanden. Ihre liebeleerc Kindheit hatte sie das Mißtrauen gegen Erwachsene gelehrt. Darum schlossen sich die Kinder voreret zusammen, um gemeinsam den Kampf gegen das Kinderheim zu führen. Anfangs trat diese Gemeinschaft nur in Erscheinung, wenn cs sich um Kampf, Verteidigung oder Angriff handelte. Bald aber übertrugen die Leiter des Heimes den Jugendlichen positive Aufgaben, d. i. die Selbstverwaltung auf allen Gebieten. Das steigerte das Selbstbewußtsein jedes einzelnen Kindes derart, daß es das Leben im Kinderhaus als unverdientes Geschenk zu betrachten begann, und alles daransetzte, sich dieses Geschenk durch Arbeiten im Hause zu verdienen. Das Geld wurde an die Geincinschaftskassc abgeführt und von einem selbst gewählten jugendlichen Ausschuß verwaltet. Strafgericht und Entscheidung über Entfernung aus dem Kinderhause hatte ebenfalls die ״Kollektive“ in Händen. Wenn auch einzelne Fehler bei der Uebernahme der Verwaltung durch die Jugend selbst unterliefen, so ist sie im ganzen doch segensreich gewesen, und die Fehler, die vorkamen, waren leichter zu ertragen als eine etwaige gewaltsame Herrschaft der Erziehcr. Der erste Schritt in der Entwicklung des Gemeinschaftslebens, über das eigene kleine Ich hinwegzukommen, der zusammenlebenden Kollektive nützlich zu sein, war also gemacht. Der nächste war der zu einem politischen Ideal, was sieh in der Mitarbeit in den Jtigendgruppen der Arbeiterparteien kundtat. Haß gegen die bürgerliche Gesellschaft war der bindende Faktor. Neben der herrschenden Klasse galt dieser Haß in erster Linie Gott, ihm, dem ״großen Bourgeois“, dem Kaiser der Welt, den die Bourgeoisie auf den Thron erhoben hatte, 11m in ihm eine Hilfe in der Ausbeutung der Arbeitermassen zu haben. Viele harte Kämpfe kostete es, diese neue Religion der Gottlosigkeit zu erringen, bis die tausendjährige tiefeingewurzelte Stimme der alten Religion zum Schweigen gebracht war. Leider verschonte man auch die jüngeren Kinder nicht mit dem ״Kampf der Religion“. Ein weiteres Erzeugnis der Bourgeoisie, gegen das ״rücksichtsloser Kampf am Platze sein mußte“, war die zionistische Bewegung. Für die aus den untersten Schichten kommenden Kinder waren Zionismus und Kapitalismus eins. Es ist klar daß diese Anschauungen nicht in den Kreisen der Kindernausjugend selbst entstanden, vielmehr von der Straße aufgelesene Phrasen waren. Diese Jugend mußte empfänglich sein für eine derartige Auffassung vom Zionismus, aa es nicht ihrem ursprünglich volkstümlichen Wesen entsprach, sich den Zionisten anzuschließen, die, des Zusammenhanges mit der Masse verlustig gegangen, nach einem Halt suchen. Damm begegneten die Kinder den Zionisten mit Mißtrauen. Zunächst äußerte sich dieser Haß im Kampfe gegen die hebräische Sprache, die sowohl als alte Sprache der alten Religion wie als Sprache der zionistischen Bewegung in gleicher Weise zu bekämpfen sei. Die beiden geschilderten Anschauungen waren Gemeingut der jüdischen Arbeiter in der allgemeinen kommunistischen Bewegung. In der ersten Zeit ihrer Parteiarbeit gewährten unseren Jugendlichen die Schlagwörter: ״Ökonomische Bedingungen“, ״materialistische Geschichtsauffassung“ usw. Befriedigung. Aber das Leben in einer Partei widerspricht dem Wesen der Jugend! Die Jugend findet hier nicht, wonach sie mit besonderer Sehnsucht verlangt: eine Gemeinschaft Denn die Partei ist eine Zweckorganisation, und so waren die Jugendlichen bald enttäuscht, bis neue Interessen ihren Eifer in Ansprach nahmen. Ein besonderes Gemeinschaftsleben entwickelte sich in der Folge in einem Häuschen am Ufer des Njemen, das die Kinder selbständig erbaut und eingerichtet hatten, und in dem einige Auserwählte recht innig zusammenlebten. Hier spürten sie zum erstenmal die Schönheit eines Zusammenlebens, das nicht seinen Sinn durch gemeinsamen Kamp! und Haß bekam, sonaäw»-H״.dör: «»nttea 'Ä^ehtaitg von. Mösch;8 ־u Mensch, -״I* jugendlichen Eros, begründet war. Aber auch diese erotischen Triebkräfte konnten nur für kürzere Zeit eine auf Romantik und Flucht vor der Realität aufgebaute Freundschaft bauen. Um aus dieser jüdisch proletarischen, viel zu früh auf Existenzkampf gestellten Jugend eine echte Gemeinschaft zu entwickeln, mußte zu dieser Form des Zusammenlebens eine fest in der Realität verwurzelte Idee hinzukommen. Das ist das letzte Entwicklungsstadium der Kinderhausjugend. Zwei Gruppen bildeten sich heraus, von denen die eine, nach dem oben beschriebenen Erlebnis der Enttäuschung in der Parteiarbeit, sich dem Ideal der Volksarbeit im Golus zuwandte. Eine besondere Tendenz machte sich daher bei ihr bemerkbar, die sich in der Neigung zu pädagogischen Berufen äußerte, ln den Gruppen des ״Haschomer Hazair“ und des ״Hechaluz Hazair“ konzentrierte sich die nach Palästina gerichtete Jugend, die in der ersten Zeit des Kinderhauses eine kleine Minoritat bildete, aber im Laufe der Zeit fast die Hälfte der Jugendlichen vereinigte. Hier vorherrschende Berufsideale sind: Bauer oder Handwerker in Palästina. Diese beiden Gruppen mit 70 bis 80 Jungen und Mädchen bilden heute die Basis des Kinderhauses. Es scheint, daß die Jugend hier nach langen Irrwegen die richtige Form des Zusammenlebens gefunden hat, die man in Palästina als die Kwuzah bezeichnet, die das Maximum der Kräfte freimacht und das Minimum an Unterdrückung der Individualität zugunsten der Gemeinschaft erfordert. Wenn die Jugendlichen ihrem Ideal, als produktiv schaffende Menschen zu leben, treu bleiben wollen, wird der größere Teil von ihnen keine Arbeit in Litauen finden und auswandern müssen. In der nächsten Zeit wird eine ältere Kinderhausgruppe nach Palästina hinübergehen, um dort im Emek Jesreel den Boden für eine Kinder- und Jugendsiedlung vorzubereiten; jüngere Gruppen werden folgen. Sie werden die Keimzelle für ein Kinder- und Jugenddorf bilden, in welchem später mehrere Hundert der besten aus der jüdischen Waisenhausjugend aller Länder des Galuth Aufnahme finden werden. Vielleicht wird dieses Dorf dort einmal, über den Rahmen einer Waiscnhaussicdlung hinauswachsend, die ״pädagogische Provinz“ des jüdischen Volkes werden, ein Kraftzentrum für ein sich erneuerndes Volk, wie Goethe es dem deutschen Volk im ״Wilhelm Meister“ vorgezeichnet hat. Ra Li. Me Net der Ottladei Tn einem Aufruf der Zentralverwaltung des Verbandes für jüdischen Gesundheitsschutz ״OSE“ heißt es u. a.: Die Mitteilungen, die die Zentralverwaltung des Verbandes OSE von den ihr unterstehenden Organisationen erhält, sprechen von den traurigen Wirkungen, die die Wirtschaftskrisis in Osteuropa auf den physischenStatus der jüdischen Bevölkerung ausübt. Kaum hat diese Bevölkerung sich von den schweren Erlebnissen in Krieg und Revolutionen etwas erholen können, und schon droht die materielle Not den physischen Zusammenbruch zu vollenden. Namentlich die heranwachsende Jugend zeigt sich sehr wenig widerstandsfähig gegen Krankheiten und Epidemien und fällt ihnen zum Opfer. Um erfolgreich gegen diese Gefahr anzukämpfen, ist eine auf breiter Grundlage stehende energische Arbeit auf dem Gebiete des Gesundheitsschutzes notwendig. Systematische Arbeit muß geleistet werden auf dem Gebiete des Mütter- und Säuglingsschutzes, der Schulmedizin und der sozialen Krankheiten, insbesondere muß die Selbsttätigkeit der jüdischen Bevölkerung für Gesundheitsschutz durch hygienische Aufklärungsarbeit geweckt werden. Der Judenheit in Westeuropa muß es klar werden, daß jede rationelle wirtschaftliche und soziale Hilfe eng ver« bunden ist mit dem jüdischen Gesundheitsschutz, der Er- Stärkung der Volkskräfte. Deshalb müsse die Arbeit für Gesundheitsschutz einen wichtigen Platz, in der sozialen Hilfstätigkeit einnehmen. Aidmrnde Zioiiitenveriolgoflgei ia Rnßlaad Das Berliner Büro des Weltverbandes Poaie Zion teilt mit: Aus Rußland kommen noch immer andauernd Nachrichten über Massen Verhaftungen unter Erwachsenen und Jugendlichen, denen die Zugehörigkeit zur Zionistisch-Sozialistischcn Partei oder zum Z. S.-Jugcndverband vorgeworfen wird. Die letzten Mitteilungen über Verhaftungen beziehen sich auf Leningrad, Kiew und eine ganze Anzahl weiterer Städte in der Ukraine. Das Vorgehen der G. P. U. gegen die Partei und den Jugendverband stellt sich als ein planmäßiger Vernichtungsfcldzug gegen die Bewegung dar. Weltkongreß Jüdischer Invaliden 1■ Danzig Danzig, 11. Juni. (J. T. A.) im Verlauf des Monats Juli d. J. wird in Danzig ein Kongreß jüdischer Kriegsinvaliden aus allen Ländern der Welt stattfinden. Der Kongreß wird im ״Schützenhaus“ tagen. Man erwartet mehrere hundert Delegierte aus allen europäischen Ländern und 15 aus Amerika. Der Kongreß wird über Mittel beraten, wie der schweren Lage der jüdischen Invaliden abzuhelfen sei, die in vielen Ländern stark benachteiligt und gegenüber den nichtjüdischen Invaliden zurück gesetzt werden. Fast alle ausländischen KonsiiIn in Danzig haben dem Kongreilkomitee mitgeteilt, daß sie die Delegierten offiziell begrüßen wollen. Der Volksentscheid ii Bentsebliid Der ״Vorwärts“ berichtet über eine Kundgebung des Arbeitsausschusses gegen die Fiirstcnentcigming im Viktoriagarten zu Berlin-Wilmersdorf. In dieser Kundgebung zog der deutschnationale Abgeordnete und die Rechtsvertreter der Fürsten Dr. E verfing gegen die Juden los. ״Ich kann Ihnen“, riet er aus, ״weil Damen hier anwesend sind, nicht sagen, was so ein jüdischer Lausejunge in der Presse schreibt, was au Schmutzereien ersonnen wurde gegen unser Hohenzollerngeschlecht!“ Nach dieser Rede gingen die Wellen der Erregung sehr hoch. ״Die Juden geben uns kein Pfund Fleisch zurück, was sie uns entrissen“, rief der eine, und ״Blut muß fließen, Blut wird fließen“, der andere. Weibliche Fistelstimmen riefen ,.Totschießen! Aufhängen!“ Auf der Straße neuer Tumult. Eine Frau setzte sich mit einem gegnerischen Mann sachlich auseinander. ״Wie können Sie als deutsche Frau mit einem Juden reden?“ brüllte der Chorus. Der ״Jude“ ist, beiläufig gesagt, der Neffe eines Pfarrers. Der AtteitSter aal Vaizoiyi Budapest, 10. Juni. (J. T. A.) Gestern fand die Verhandlung gegen den Rassenschützler Franz Molnar statt, der am 16. rebruar d. J. ein Revolverattentat gegen den in diesen Tagen verstorbenen ungarischen Demokratenführer V a z s o n y i verübt hat. Vazsonyi hatte Molnar und den Mitattentäter Vannay entwaffnet und der Polizei übergeben. Man nimmt an, daß die Aufregungen bei der Abwehr dieses Attentats zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Vazsonyi sehr stark beigetragen haben. Da Ladislaus Vannay zur Beobachtung seines Geisteszustandes in einer Irrenanstalt weilt, mußte die Sache des Attentats vertagt werden. Molnar war nur wegen Verbrechen der Aufreizung gegen die jüdische Konfession unter Anklage gestellt, da er in einem nach dem Attentat veröffentlichten Artikel unflätige Ausfälle gegen die Juden gemacht und geschrieben hatte: ״Vazsonyi und seine jüdischen Genossen tragen Schuld an dem Untergang ,Jajpwjis,“ .Molitar wu»de w׳ s e-c.fr8 Mo aa,t,e a K er k er verurteil*:' :״;■־׳:*׳•::; ■״*״ -..׳״:יי:a :־: ־*־J Frauenarbeit für de■ Keren Kaienetb ln BerU■ Anläßlich der Anwesenheit von Frau Sari Berger-Jerusalem, fand in der Wohnung von Frau Rechtsanwalt Kollenscher ein Vortragsabend statt, bei dem Frau Berger über ihre Arbeit in Amerika referierte. Frau Berger gab den zahlreich erschienenen Gästen (es waren zirka 100 Frauen anwesend) einen Bericht, wie es ihr gelungen ist, in New York jüdische Frauen aller Kreise für die Keren Kajemeth-Arbeit zu aktivieren. Die zirka 30 000 Mitglieder zählende Hadassah- Organisation hat sich durch die Initiative von Frau Berger in Iden Dienst der Keren Kajemeth-Arbeit gestellt. Dies ist namentlich auch darauf zurückzufüliren, daß Frau Berger bei der Organisierung der Keren Kajemeth-Arbeit nicht nur die rein finanzielle Tätigkeit verlangte, söndern sehr großes Gewicht auf die zionistische Erziehung der Mitarbeiterinnen und neugewonnenen Spender legte. Besonders interessant waren die Schilderungen, die Frau Berger von den Besuchen, die ihre neugewonnenen Mitarbeiterinnen anläßlich der Büchsenaufstellung und -leerung unternommen hatten, gab. Irn Anschluß an diesen Vortrag meldeten sich viele Frauen, um auch in Deutschland diese wichtige zionistische Arbeit durchzu führen. Einige Tage später hielt Frau Berger ein zweites Referat, in dem sie eine Schilderung der Arbeit in Palästina unter besonderer Berücksichtigung der Tätigkeit des Keren Kajemeth gab. Es war ein Beweis für das große Interesse, das die Berliner Frauen an dieser Arbeit nahmen, daß sie auch zu diesem zweiten Vortrag zahlreich erschienen waren. Frau Berger entwickelte noch ihren Plan zur Organisierung der praktischen Arbeit. Die anwesenden Damen schlossen sich dann zu einer Keren Kajemeth-Gemeinschaft des Bundes zio• nistischer Frauen zusammen. Als Vorsitzende wurde Fräulein Dr. Jenny Radt und Frau Lena Bernstein gewählt. Bedingung zur Aufnahme in den Bund ist, daß sich das einzelne Mitglied verpflichtet, eine gewisse Anzahl von Buchsen zu übernehmen, unterzubringen und für Leerung zu sorgen. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, daß jede Frau die von ihr aufgestellten Büchsen auch persönlich leert, damit sie Gelegenheit hat, in persönlichem Kontakt zu den Büchseninhabern zu stehen. Es soll auf diese Weise versucht werden, die Büchseninhaber, die in vielen Fällen dem Zionismus mehr oder minder gleichgültig gegenüberstehen, zu aktivieren und zu zionisieren. Dazu ist nun unbedingt erforderlich, daß die Mitglieder der Keren Kajemeth-Gruppe über alle zionistischen — besonders palästinensischen Fragen -- gut orientiert sind. Es ist daher beschlossen worden, daß die Arbeitsgemeinschaft regelmäßig zusammenkommt, um einmal ihre Erfahrungen über die Büchscnaufstellungen und -leerungen auszutauschen, und dann aber auch Informationen über Palästina zu erhalten. Frau Berger hat sich bereit erklärt, bei ihrer Rückkehr nach Palästina dafür zu sorgen, daß die Gruppe über alle Palästinafragen auf dem laufenden gehalten wird, so daß besonders auch Einzelfragen hiesiger Mitglieder oder der ganzen Gruppe eingehend beantwortet werden können. Wenn die Arbeit in dieser Art gelingt, ist zu hoffen, daß die Einnahmen des Keren Kajemeth erheblich gesteigert werden. Es ist durchaus möglich, daß 2000 Büchsen verteilt werden und dadurch eine Einnahme von nahezu 10000 M. vierteljährlich erreicht wird. Die Frauen werden hierdurch auch die Möglichkeit haben, unmittelbaren Anteil an der Aufbauarbeit in Erez-Israel zu nehmen. Meldungen an das Frauensekretariat der B. Z. V., Meineke« straße 10, erbeten.

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