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Jüdische Rundschau · 1926-06-15 · Heft 46 (15.6.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 46 (15.6.1926)
Date
1926-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 342 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40 Anfänge des jüdischen Theaters Von Zeit zu Zeit berichten die Berliner Mitarbeiter des seit etwa einem Jahre bestehenden Jüdischen Wissenschaftliehen Instituts über verschiedene bisher unveröffentlichte Dokumente. Das Institut dient bekanntlich der Forschung und Pflege der jüdischen Geschichte, Literatur- und Kulturgesehichtc und besitzt bereits einen groben Kreis von Mitarbeitern und wissenschaftlichen Korrespondenten in den verschiedensten Städten der Welt. In Berlin, Wilna und New York hat es drei Abteilungen eingerichtet, die die Mittelpunkte der Arbeit für Westeuropa, Osteuropa und Amerika oilden. Die Veröffentlichungen des Instituts bringen oft ganz unbekannte Tatsachen an den Tag, die auf dunkle Geschichte- Perioden ein ganz neues Licht werfen. Die Mitteilungen, die demnächst zu erscheinen beginnen, versprechen hochwertiges wissenschaftliches Material und werden gleichzeitig eine inferessante Lektüre für alle Freunde der jüdischen Vergangenheit sein. Vor einiger Zeit referierte der bekannte jüdische Kritiker und Publizist Nach um Stif im Rahmen einer solchen öffentlichen Veranstaltung des Instituts u. a. auch über die ersten jüdischen Theateraufführungen in der Ukraine. Nach dem russischen Umsturz vom Februar 1017 wurden viele Archive der Regierungsbehörden freigegeben. Herr Stif hatte Zutritt zu den Archiven des Generalgouvernements Kiew und stieß bei seinen Forschungen auch auf den Briefwechsel der Regierungsorganc mit den jüdischen Zensoren und ״Gelehrten Juden“ (Sachverständige für jüdische Angelegenheiten). Dabei fand er auch die Dokumente über die erste jüdisch* Theateraufführung, in der von Juden dicht bevölkerten Stadt Bcrditschew im Jahre 1854. Das Theaterstück mit dem Titel ״Kahal im Städtchen“ war von einem gewissen Wolf Komrasch verfaßt und wurde durch die Schüler des Rabbinerseminars zu Schitomir, der Hauptstadt des Gouvernements Wolhynien, zur Aufführung gebracht. Schitomir, unweit von Bcrditschew gelegen, war in der zweiten Hälfte des IQ. Jahrhunderts ein Zentrum jüdischer Wissenschaft und jüdischen Geisteslebens. Der Erfolg der Aufführung war überraschend groß; die Einnahme aus den Eintrittsgeldern erreichte 100 Rubel, eine für jene Zeiten geradezu riesige Summe. Weshalb die russische Polizei, die doch viel später, nämlich von 1SS7—1906 das jüdische Theater verbot und sogar seit 1906 es nur als ״deutsches Theater“ erlaubte, 1851 die Einwilligung zu einer jüdischen Theatcraufführung erteilte, erscheint zunächst etwas rätselhaft. Die Sache wird jedoch klar, wenn wir erfahren, daß die 100 Rubel Einnahmen den verwundeten Kriegsteilnehmern (damals tobte der Krimkrieg) zugute kamen, so daß die Veranstalter sogar eia offizielles Dankschreiben erhielten. Der Text des Stückes ist uns nicht erhalten. Ueber seinen Inhalt erfahren wir aus dem amtlichen Briefwechsel folgendes: Es war eine scharfe Kritik, eine Satire gegen die reichen ״Piiei“, die damals in der jüdischen Gesellschaft kraft ihres Geldbeutels den Ton angaben und die Gemeinde beherrschten. Daraus erklärt sich, daß das Gesuch der Veranstalter, die, durch den Erfolg der ersten Aufführung beflügelt, die Darbietung des Stückes in Schitomir wiederholen wollten, von den Behörden abgelehnt wurde, nachdem der Zensor Wladimir Fiodorow ein ungünstiges Gutachten abgegeben hatte. Damals wurde der Kampf zwischen Orthodoxie und ״Maskilim“, zwischen den Anhängern der traditionelljüdischen Erziehung und den Jüngern der ״Berliner Bildung“, ausgefochten. Der Zensor Fiodorow, ein getaufter Jude, er hieß ursprünglich Zwi Grünbaum, hielt es mit den Orthodoxen gegen die ״Maskilim“ und wollte selbstverständlich die Aufführung eines gegen sie gerichteten Stückes nicht zulassen. Die geplante Aufführung in Schitomir hat nicht stattgefunden und so wurde das jüdische Theater bis 1882 stillgefegt׳ Erst damals würde ״Serkele“ ■vtm Ettlnger in Schitomir, angAlich in der Privatwohnung des Inspektors des Rabbinerseminars Chaim Selig Slonimsky, aufgeführt. Die Inszenierung erfolgte durch Goldfaden, dem es beschert war, der Schöpfer des jüdischen Theaters zu werden, dessen 50 jähriges Jubiläum in diesem Jahre in Amerika und Europa gefeiert wurde. Wer war der Verlasser des ״Kahal im Städtchen“, wer war Wolf Komrasch? Er war auch ein Schüler des Rabbinerseminars, das er im Jahre 1856 absolvierte. Aus einem Memorandum, welches er der ״Kommission zur Prüfung der jüdischen Angelegenheiten“ auf eine Enquete zukommen ließ, geht hervor, daß er publizistisch begabt war, aber zu jenen Zeiten keine Gelegenheit hatte, sich zu betätigen. Er strebte nach dem Posten eines ״Gelehrten Juden“', wurde aber durch andere verdrängt. Sein Werk wurde nicht gedruckt und kam nicht wieder auf die Bühne. Sein Versuch wurde im Keime Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekrstr, 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Posts.:; konto Nr. 37830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Mittwoch, den 16. Juni, ־ abends 8 Vs Uhr Gruppe West, im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10, Herr Josef Braslawski, Palästina: ״Das Huleh-Tal und seine Zukunft“. (Vortrag mit neuen, interessanten Lichtbildern.) Gruppe Ost. Jeden Mittwoch abends 8 Uhr Zusammensein Brauerei Lipf, Ara Friedrichshain 16/23. Poale Zion, Jeden Sonnabend abends 8 Uhr im Heim, Linienstraße 159, III. Jeden Sonnabend nachmittags 51/2 Uhr Zeire Misrachl, im Misrachi-Büro, Monbijouplatz 1. Jüdischer Geschichtskursus. Leiter, stud. phil. Flescher. Hapoöl-HazaTr, Jeden Donnerstag abends 81/* Uhr Zusammensein Versammlungsort wird jeweilig bekanntgegeben. Landesverband der Zionisten-Revisionisten befindet sich in der Lietzenburger Straße Sa. Sprechstunden von 1 bis 3 Uhr. Dort befindet sich auch das Büro der Berliner Zionistischen- Revisionistischen Vereinigung. erstickt. Die Orthodoxie scheute kein Mittel — es mochte sich auch um die Hilfe eines getauften Juden handeln — im Kampfe gegen freie, volkstümliche Bewegungen. S. M. * In Charkow beging der älteste jüdische Schauspieler Meiersohn die Feier des 50jährigen Berufsjubiläums. Laideskoifereaz der Revisionisten Am 4. Juli 1926, um 10 Uhr vormittags findet in Berlin die Landeskonferenz der Zionisten-Revisionisten in Deutschland statt. Nähere Auskünfte erteilt und Einladungen verschickt das Büro des Landesverbandes Lietzenburger Str. Sa. Alle Revisionisten werden hierdurch aufgefordert, Namen und Adresse dem Büro des Landesverbandes mitzuteilen. Dntsborger Brief Seit etwa 4 Monaten hat in unserer Ortsgruppe wieder ein lebhafterer Betrieb eingesetzt. — Die sporadischen Veranstaltungen wurden durch regelmäßige Ortsgruppensitzungen, die verhältnismäßig gut besucht werden, abgelöst und einige größere Veranstaltungen vereinigten wiederholt die ganze Anflngerschaft des Zionismus in Duisburg. Regelmäßig Donnerstags linden im Hause der hiesigen Synagogengemeinde Vorträge unserer Mitglieder über die verschiedenartigsten Themen statt. So wurde in letzter Zeit über ״Holländischen Zionismus“ von Herrn Erich Gelber ein sehr interessanter Bericht gegeben. — Ueber ״Uganda und das Kriinprojekt“ sprach Herr Singer, Laar. — Ueber ״Schalom Alejchem“ anläßlich seines Todestages Herr Gelber. — Ueber ״Gemeindepolitik“ referierte der 1. Vorsitzende der Gruppe, Herr R. A. Simon. An allen Abenden schloß sich den Referaten eine lebhafte Diskussion an. Im Rahmen der Ijaraktion sprachen: Herr Ledemwnn, über: Der Zionismus als Volksbewegung, Herr Dr. Werner Bloch in einer großen öffentlichen Versammlung über: ״Die jüdische Wirklichkeit“, Herr Dr. S. Kanowitz über: ״Der Zionismus, die Lösung der Judenfrage“. Bedauerlicherweise halten es die Duisburger liberal-westjüdischen Kreise für unnötig, sich sachlich mit dem Problem: Zionismus auseinanderzusetzen, und meiden konsequent unsere Veranstaltungen. Die Jugendarbeit befindet sich, dank der Initiative des Herrn Löwenstein, in hoffnungsvoller Entwicklung. Auch Hebräische Kurse stärken die Intensität unseres jüdischen Lebens in besonderem Maße. M. L, Sport Jüdischer Ruder-Club ״Ivria“. Wochenprogramm: Donnerstag, den 17. Juni, 6 Uhr: Friedrichshagen, Training und Uebungsbetrieb. Sonntag, den 20. Juni: 9 Uhr: Bootsfertig Friedrichshagen. Dienstag: den 22. Juni: 6 Uhr: Schwimmen im Seebad Mariendorf (Familienabend). Straßenbahnen: 99, 199, 99E, 35 und 96. Danach Beisammensein im Restaurant Seebad Mariendorf. Donnerstag, den 24. Juni: Ab 6 Uhr: Friedrichshagen Training und Uebungsbetrieb. Sonntag, den 27. Juni: 9 Uhr: Bootsfertig Friedrichshagen. Wien, 11. Juni. (J. T. A.) Gestern nachmittag ist die Hakoahmannschaft nach zweimonatiger Abwesenheit in Amerika in Wien angelangt. Die Mannschaft wurde am Westbahnhot von Tausenden Menschen begeistert empfangen. Mehrere Begrüßungsansprachen wurden gehalten, die der Präsident der Hakoah, Dr. Körner, durch eine Rede beantwortete. Heute fand im Ronachertheater ein offizieller Begrüßungsabend für die Hakoahmannschaft statt. Vermischtes Berlin. Verein ehern. Hörer der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Dienstag, den 22. Juni, 8 Uhr abends, spricht Herr Dozent Dr. Torczy n er in der Aula der Hochschule über ״Aufgabe n und Wegeder Bibelforsch un g“. Gäste willkommen! Köln. Die seit 1. Januar d. J. bestehenden hebräischen Sprachkurse der K. Z. V. haben sich bei unseren Gesinnungsgenossen gut eingeführt und erfreuen sich eines guten und regelmäßigen Besuches. Es zeigte sich die Notwendigkeit, den bisher bestehenden Kursen zwei weitere für Anfänger anzugliedern, und zwar erteilen diesen Unterricht Frl. Glaß: Dienstag und Donnerstag von 9 bis 10 Uhr, und Herr Leutzki: Dienstag und Samstag von 71,4 bis 81,4 Uhr. Bei sofortigem Eintritt können noch einige Schüler‘an diesen Kursen teilnehmen. Auskunft erteilt das Sekretariat, Brandenburger Straße 14. Tel.: Rhld. 9332. Spielplan der Volksbühne (13. bis 21. Juni). Theater am Bülowplatz: Dienstag, 15. Juni abends 71/2 Uhr: Faust; Mittwoch, 16. Juni abends 8 Uhr: Das trunkene Schiff; Donnerstag, 17. Juni abends 8 Uhr: Uraufführung: Der dütsche Michel; Freitag, 18. Juni abends 8 Uhr: Der dütsche Michel; Sonnabend, 19. Juni, abends 8 Uhr: Der dütsche Michel; Sonntag, 20. Juni nachm. 21/3 Uhr: Faust; abends 8 Uhr: Der dütsche Michel; Montag, 21. Juni abends 8 Uhr: Der dütsche Michel. Theater am Schiffbauerdamm: (13.—21. Juni) täglich 8 Uhr: Die Freier. Zionisten In Karlsbad. De Karlsbader Zionistische Organisation hält ihre Besprechungen jeden Donnerstag um 8 Uhr abends im Hotel Glattauer, Parkstraße, ab. Auskünfte erteilt Dr. med. Walther Kohner, Karlsbad, Haus ״Riva“. . Wiesbaden. Im ..Rahmen der., Ijar-Aktion. veranstalteten wir *wel öffentliche Versammlungen, in denen Herr Dr. Simon-Frankfurt a. M. über ״Zionismus unter den jüdischen Parteien“ und Herr Arnold Zweig, über ,,Jüdische Diättierung“ sprach. Beide Vorträge standen auf hohem Niveau. Eine Diskussion kam nicht zustande. Auf eine Warnung des Zentralvereins an seine Mitglieder, sich während der Ijar- Aktion nicht von der Zionistischen Organisation durch Ankauf eines Schekels einfangen zu lassen, waren nur wenige Nichtzionisten erschienen. Innerhalb der Ortsgruppe sprachen Herr Dr. Drey-Mainz über Kulturzionismus und Herr Arnold Zweig über lebenswichtige zionistische Fragen. Die Veranstaltungen haben viel zur Belebung unserer Ortsgruppe beigetragen. Im Sommer werden wir versuchen, einen engem Konnex zwischen unseren Mitgliedern durch Wanderungen und gesellige Abende herzustellen, außerdem werden wir 1 Jugendpropaganda treiben. r Helen Jawschitz Fritz Albersheim Verlobte Memel Berlin V Wabe meine Wohmmfc ron Nene Promenade 5 nach Rosenthaler Strafte 45 verlegt und gleichzeitig die Praxis des Herrn Sanitätsrat Dr. Margoniner, Rosenthaler Straße49 übernommen. Telephon: Norden 378 und 4993. Sprechst.: 8-1» Ohr u. 4-'/a7 Uhr. Dr. Emil Salomon, prakt. Arzt Als sommerwonnunD oder auch dauernd Vorort Zcuthea, GorliUar Bahn. B Min. vom Bahnhof n. "Wasser, Landhaus, 6 Zimmer, reich!. Zubehör. Komfort. Obstgarten. Telephon, möbl. o. txnmöbl. evtl, auch für 2 Familien za vermieten. Preis je nach Vereinbarung M. 125.—. bis 226.-— monatlich. 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