Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 46 (15.6.1926)
- Date
- 1926-06-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite S99 Das Memorandum an die Mandatskommission VI. Erzichungswesen.*) 42 (a). Schulen. — Wie in dem im Jahre 1925 überreichten Memorandum (Abschnitt VI) gezeigt, belief sich die Zahl der Schüler in den hebräischen Schulen unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation bei Eröffnung des Schuljahres 1924/1925 auf 13 246. Bei Eröffnung des neuen Schuljahres im Oktober 1925 war die Zahl der Schüler auf 16132 gestiegen, darunter ein Zuwachs von 1600 Schülern in Tel- Awiw, 400 in Haifa, und 300 in den landwirtschaftlichen Ansiedlungen. 43. Die folgenden Institutionen werden von der Er- Ziehungsabteilung der Zionistischen Palästina-Exekutive verwaltet und aus zionistischen Geldern erhalten oder wesentlich unterstützt: Zahl Lehrer Schüler 1925/2* 1924» 1925 m 1921/25 1925/28 1921/25 Kindergärten .... 89 43 82 72 8 012 2 337 Volksschulen .... 86 75 409 374 10 718 0 080 Mittelschulen .... 3 3 65 65 1865 1000 Lehrerbildungsanstalten 3 3 33 33 293 277 Technische Schulen. . Handfertigkeitsschulen 4 4 21 21 632 337 und verschiedene . . 3 4 12 12 217 258 Summe. 168 132 622 550 16 182 13 246 44. Außer diesen Institutionen gibt cs eine Anzahl von jüdischen Schulen, die von anderen jüdischen Körperschaften als der Zionistischen Organisation erhalten werden, darunter vor allem von der Anglo Jcwish Association in London und der Alliance Isradlite in Paris. Zu Ende 1925 hatten diese Schulen 9319 jüdische Kinder in ihren Listen, so daß insgesamt 25 451 Schulkinder jüdische Schulen besuchten. Die Zahl der jüdischen Schüler in Regicrungsschulen war 25, in christlichen Privatschulen 442 und in mohammedanischen Privatschulen 2. Die Schüler in den jüdischen Schulen umfaßten aucli 77 Mohammedaner, 27 Christen und 24 Samaritaner. 45. Die Erhaltungskostcn des hebräischen Schulsystems unter zionistischer Verwaltung im Jahre 1925/1926 sind auf 136 976 ägypt. Pfund veranschlagt, wovon die Zionistische Organisation durch den Keren Hajessod (Palästina-Gründungsfonds) 70 000 ägypt. Pfund beitragen soll, gegenüber 63 000 ägypt. Pfund im Jahre 1924/1925: der Rest wird aus Schulgeidern und aus Beiträgen verschiedener jüdischer Gemeinden und öffentlicher Körperschaften gedeckt, darunter ein Beitrag von 5300 ägypt. Pfund von der P. I. C.A. und eine Regierungs- Subvention. Für das mit dem 30. September 1925 abgelaufene Schuljahr belief sich die Regierurigssubvention für die 11cbräischeii Schulen auf 2664 ägypt. Pfund oder weniger mehr als 2J,4 Prozent ihrer Gesamtkosten. Wie ungenügend dieser Beitrag ist, wurde der Regierung wiederholt von der Zionistisenen Organisation vorgestellt und er wird hoffentlich jetzt auf einen angemessenen Betrag erhöht werden. 46. Mit Unterstützung der Zionistischen Organisation baut die Jüdische Arbeiterorganisation ihr Erziebungswerk (Tarbuth) weiter aus und wird dafür in den! am 30. September 1926 endenden Jahre voranschlagsgemäß 15 000 Pfund ausgeben, wovon 10500 Pfund aus zionistischen Geldern zugewiesen während die Tarbutn-Bibliotheken an 5000 regelmäßige Leser Bücher ausgaben. 47 (b). Das Technikum in Haifa. — Das Technische Institut in Haifa hat während der Berichtsperiode seine Tageskurse mit theoretischem und praktischem Unterricht in den verschiedenen Zweigen des Bauwesens fortgesetzt. Unter den kürzlich aufgenommenen Lchrgegenstände sind Architektur und Baumaterialienkunde. Die Zahl der Hörer in der Abteilung für Baugewerbe beträgt 67. 48. Das Institut unterhält auch Abendkurse für Baumeister, Zimmcrleute, Kesselschmiede, Elektrotechniker, Telephonisten und Telegraphisten. Diese Kurse wurden im Wintersemester 1925 von 122 Schülern, darunter einer Anzahl arabischer Arbeiter besucht. 49. Der Lehrkörper des Instituts besteht aus dem Direktor, sechs höheren Lehrern und siebzehn Nebenlchrern und Assistenten. Der Voranschlag des Instituts für das Finanzjahr 1923,26 beläuft sich auf 6000 Pfund, die zum Teil von der Zionistischen Organisation und zum Teil aus anderen jüdischen Quellen gedeckt werden. 50. (o) Die Hebräische Universität in Jerusalem. — Während der Berichtsperiode wurde die Tätigkeit der drei im Ap.il 1925 eröffncten Institute fortgesetzt und erweitert und einige neue Institute und Abteilungen wurden ihm hinzugefügt. 51. Das Institut für medizinische Forschung ist in zwei Abteilungen geteilt. Die Abteilung für Parasitologie, die unter Leitung von Dr. S. Adler aus Leeds steht, hat sich hauptsäciilieh mit der Prüfung der mit dem Vorkommen der Sendfliege (Phlebotomus) in Palästina verbundene Probleme und mit der experimentellen Uebertragung kutaner Leishmaniasis auf den Menschen beschäftigt. Auch wurden gewöhnliche protozoologische Untersuchungen geführt. Eine Anzahl von Artikeln über die bei diesen Untersuchungen erhaltenen Resultate wurde in den Annalen für tropische Medizin und Parasitologie und in ״Refuah”, dem hebräischen ärztlichen Fachorgan in Palästina, veröffentlicht. 52. Die Abteilung für Hygiene wird jetzt unter der Leitung von Professor Kiigler, früher am Roekefeller-Institut in New- York, reorganisiert. Die Hauptaufgaben dieser Abteilung, die im Spätsommer eröffnet wird, sind: die Durchführung von Untersuchungen auf bestimmten Gebieten der Epidemiologie und der Hygiene und die ■Durchführung von Fortbiklungs- Kursen über öffentliche Gesundheitspflege. 53. Das chemische Institut beschäftigte sich während der Berichtsperiode mit experimenteller Arbeit über synthetischorganische Chemie, Tabakgärung, Kolloidchemie der Proteine und die Natur gewisser kolloidaler Prozesse und anderem. Es begann auch mit einer Erforschung der Mineraischätze Palästinas, mit besonderer Berücksichtigung der Phosphate. Artlkel über die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit wurden im ״Biochemical Journal” und in der Kolloid-Zeitschrift veröffentlicht. Vortragskurse für vorgeschrittene Studenten wurden über folgende Gegenstände abgehalten: Allgemeine und analytische Chemie der Elemente, physikalische Chemie der Moleküls, Einführung in die Thermo-Dvnamik, Differenzlal- und Integralkalkül und Einführung in die theoretische Physik. Die Gesamtzahl der Studenten und Laboratoriumsarbeiter war 28, darunter acht Frauen. 54. Als weitere Abteilung der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität wurde ein Institut für palästinensische Naturgeschichte im engen Zusammenhang mit dem landwirtschaftiichen Institut in Tel-Awiw errichtet. Das Institut für Naturgeschichte spezialisiert sich für die Erforschung der Ökologie, Botanik und Zoologie von Palästina. Unter den jetzt *) Siehe Memorandum vou 1925, Abschnitt VI. bearbeiteten Gegenständen sind die Flora Palästinas, die palästinensische Fischerei, die Anatomie des Flachses und die prähistorische Geologie des Karmelgebirges. Das Institut hat die wertvolle palästinensische geologische Sammlung von Professor Blanckenhorn erworben. Es sind Schritte eingeleitet, um Abteilungen für Meteorologie und Hydrologie anzugliedern. Das Institut steht unter Leitung von Professor Otto Warburg aus Berlin. 55. Auch die Errichtung eines mathematischen Instituts unter Leitung von Professor E. Landau wurde begonnen. Während des Wintersemesters wurde ein Vortragskurs über höhere Mathematik von Dr. B. Amira, früher an der Universität Genf, gehalten, der mit den Vorarbeiten für die Errichtung des Instituts betraut wurde. 56. Auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft hat das judaistische Universitätsinstitut auch weitere Unterrichtskurse und Anleitungen für Forschungsarbeit auf folgenden Gebieten gegeben: hebräische Philologie, Bibelübersetzungen, jüdisches Zivilrecht, Mischnah und Talmud, jüdische Geschichte seit dem Exil, jüdische Mystik, Topographie Palästinas und moderne hebräische Literatur. Das Institut zählt 61 Hörer, darunter zehn Frauen und außerdem 32 ordentliche Hörer. 57. Nunmehr wurde als weitere Abteilung der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität eine Schule für orientalische Studien errichtet. Die arabische Abteilung der Schule wurde am 15. März 1925 von Professor Horowitz, dem Direktor der Schule, mit einem Vortragskursus für vorgeschrittene Hörer über die Werke von Djahiz und über ausgewählte Kapitel aus der Geschichte des Sufismus eröffnet. Während des Sommersemesters 1926 wird die Schule unter der Leitung der Mitglieder des Lehrkörpers Kurse über Philosophie des Islam, mohammedanische Kunst und Archäologie und arabische Literatur durchführen. 58. Die Jüdische National- und Universitäts-Bibliothek in Jerusalem hat während der Berichtsperiode beträchtliche Er- Weiterungen erfahren. Sie umfaßten am 1. April 1926 125000־ Bände gegen 95 700 am 1. Juli 1925. Bei Gelegenheit der Universitätseröffnung erhielt die Bibliothek wertvolle Büeherspenden sowohl von einzelnen als auch von wissenschaftiichen Instituten und fremden Regierungen. Die Bibliothek erhält etwa 550 Zeitschriften. Die von der Bibliothek herausgegebene bibliographische Zeitschrift ״Kirjath Srfcri’ wurde fortgesetzt und stark erweitert. 59. Die Pläne für zwei weitere Gebäude der Universität wurden beendet und zwar für das mathematisch-physikalische Institut und für die Universitätsbibliothek. Auf dem Boden der Universität wurde ein großes Amphitheater unter freiem Himmel errichtet und jetzt steht die Errichtung einer Hauptauia in Beratung, für welche Zwecke Frau S. Rosenbloom in Pittsburgh ci״e Spende von 300009 Dollar zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten machte, der zu seinen Lebzeiten 250000 Dollar für das judaistische Inmut stiftete. VII. Die Organisation der jüdischen Gemeinschaft in Palästina. 60. Eine auf Grund sehr fortschrittlichen Wahlrechts gebildete Jüdische Nationalversammlung trat im Jahre 1920 zusammen und bestellte einen jüdischen Nationalrat (Waad Leumi), der als Vertretung der jüdischen Bevölkerung Palästinas in Angelegenheiten örtlicher Bedeutung auftrat. Die Zionistische Organisation als die Jewish Agency für Pta- Ilstina auf Grand «des Mandates untei-hält enge Beziehungen hum W*aad Leumi und bilde Körpersbbaften beraten einander gegenseitig häufig. Im Dezember 1925 fanden Neuwahlen statt und die neue Nationalversammlung trat im Januar 1925 zusammen. Die Versammlung bestand aus 220 Delegierten, Die Wahlbeteiligung war 33044 gegenüber 20160 im Jahre 1920. Die Versammlung beriet eine große Anzahl von Fragen, die für die jüdische Bevölkerung Bedeutung haben, und legte ihre Auffassung in einem Memorandum nieder, das sie der Palästina-Regierung übermittelte. Unter den hier behandelten Gegenständen waren die Regierung:־•• Subventionen für d ie hebräischen Schulen, die Zuweisung von Staatsböden für jüdische Kolonisation, die Arbeitergesetzgebung, die Abschaffung des Zehnten und die Revision des Zolltarifes zum Zweck der Förderung lokaler Industrie. Die Regierung ging in ihrer Antwort der Reihe nach auf die behandelten Punkte ein, wenn auch in den meisten Fällen nur in allgemeinen Ausdrücken. 61. Bisher hatten die Nationalversammlung und der Nationalrat keinen gesicherten rechtlichen Status, obgleich sie in der Praxis offizielle Anerkennung in einem gewissen Maße erhielten. Bereits seit längerer Zeit unterstützte die Zionistische Organisation diese Körperschaften, indem sie der Palästinaregierung vorstellte, wie dringend nötig die Organisation der jüdischen Gemeinschaft auf Basis eines Statuts sei. Die Palästinaregierung hat jetzt eine Verordnung erlassen, die Seine Exzellenz, den High Commissioncr, ermächtigt, die statutarische Organisation und amtliche Anerkennung jeder Religionsgemeinschaft in Palästina diirchzuführcn, die darum nachsucht. Das Inkrafttreten dieser Maßnahme wird hoffentlieh den Weg freimachen für die solang ersehnte Anerkennung der jüdischen Gemeinschaft als juristische Körperschaft mit einem gewissen Maß von Autonomie in Gemeindeangelegenheiten. Dem Vernehmen nach werden die nötigen Durchführungsbestimmungen eben entworfen und sollen, neben der Organisation der jüdischen Gemeinschaft, in rein kirchlicher Beziehung, auch den repräsentativen weltlichen Körperschaffen, die die Juden in Palästina geschaffen haben, eine gesetzmäßige Grundlage geben. 62. In diesem Zusammenhang scheint es wünschenswert, in Kürze auf gewisse Beschwerden hinzuweisen, die von der aschkcnasischen Gemeinde in Jerusalem, in Gemeinschaft mit der sogenannten Agudath Israel, an die Ständige Mandats- Kommission und an die Mandatarmacht gerichtet wurden.*) 63. Wie von dem beglaubigten britischen Vertreter bei der 7. Sitzung der Ständigen Mandatskommission dargelegt,**) ist die hier erwähnte aschkenasische Gemeinde eine Körperschaft mit einem Stand von etwa 1200 Mitgliedern. Sie bildet also nur einen kleinen Teil der aschkcnasischen Juden von Jerusalem und einen unbedeutenden Bruchteil der Juden Palästinas in ihrer Gesamtheit. Ihre geringe Zahl ist an sich noch kein Grund, um ihre berechtigten Forderungen unbeachtet zu lassen, aber sie haben einen gewissen Einfluß auf die Ansprüche, die die Zionistische Organisation ihrer lieberzeugung nach zu erheben berechtigt ist. Die Auffassung der Zionistischen Organisation ist, daß für die Zwecke, für welche die Gemeindeverordnung entworfen wurde, die jüdische Gemeinschaft unzweifelhaft als jene Gemeinschaft angesehen werden muß, welche die überwältigende Mehrheit der jüdisehen Bevölkerung umfaßt. Statutarische Anerkennung als zweite jüdische Gemeinschaft gleichen Ranges kann vernünftigerweise nicht von einer Gruppe beansprucht werden, die aus wenigen hundert Familien besteht. Was eine solche Gruppe verlangen darf, ist unbeschränkte Gewissensfreiheit. *) Siehe Protokoll der Ständigen Mandatskommission, 6. Sitzung, Seite 150, 7. Sitzung, Seite 181. •*) Siehe Protokoll der 7, Sitzung, Seite 196, Sie ist voll berechtigt, den jüdischen Glauben und die Religionsübung so aufzufassen, wie es ihr richtig scheint. Wenn sie sich lieber von der Masse der jüdischen Bevölkerung absondern will, soll ihr auch dies freistehen, und sic soll sich auf freiwilliger Basis organisieren. Was die Frage der Sehechitah (.rituelle Schlachtung) anlangt, so muß das Bestehen zweier Konkurrierender Schechitahbenörden in einem Bezirk unvermeidlich zu zahlreichen unerwünschten Folgen führen. Daher muß die Schechitah unter der administrativen Kontrolle einer einzigen Körperschaft stehen, die alle in Frage kommenden Interessen vertritt, wobei aber jede besondere Gruppe von Juden ohne weiteres das Recht haben soll, ihrerseits für ihren Gebraucii Schlächter zu verwenden, die sie sich selbst wählten. Wenn die hier in Rede stehende Gruppe irgendwelchen Zweifel an der Qualifikation der vom palästinensischen Oberrabbinat eingesetzten Schlächter hat, mag sie sich ihre eigenen Schlächter ernennen. Die Zionistische Organisation ist mit einem Worte der Meinung, dal! die religiösen lieber- Zeugungen dieser, wie jeder anderen religiösen Gruppe streng geachtet werden sollen, und kein diesem Grundsatz widersprechender Vorschlag ist gemacht worden und wird gemacht werden. 64. Was die Agudath Israel anbclangt, so hat die Zionistische Organisation nicht den Wunsch, den Charakter und Status dieser Körperschaft im einzelnen zu erörtern oder aufbauende Leistungen in Palästina herabzusetzen, deren diese Körperschaft sich rühmen mag. Es soll nur nebenbei festgestellt werden, daß diese Leistungen bisher sehr geringfügig waren. Was die Zionistische Organisation aber betonen muß, das ist, daß der Ansprucli unbegründet ist, welchen die Agudah erhoben zu haben scheint, nämlich, daß sie als berechtigter Vertreter des traditionellen Judentums sprechen und als Schützer seiner Interessen auf den Plan treten dürfe. Viele hundcrttausciide von Anhängern des traditionellen Judentums sind Mitglieder der Zionistischen Organisation oder aktive Förderer zionistischer Arbeit. Auch faßt die Zionistische Organisation, wenn sie ihre Aufgaben als die Jewish Agency für Palästina erfüllt, ihre Pflicht nicht so auf, als beziehe sie sich mir auf ihre eigenen Anhänger. Sie betrachtet sich als Beauftragter des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit. Bei der Auswahl der Einwanderer, wie in anderen Angelegenheiten, mit denen sich die Jewish Agency zu beschäftigen hat, werden Juden der von der Agudah vertretenen Anschauung in keiner Weise benachteiligt oder zurückgesetzt, Die Zionistische Organisation ist weit entfernt davon, zwischen luden und Juden nach der besonderen Nuance ihrer religiösen Uebcrzeugung Unterschiede zu machen. Sie betrachtet das als Angelegenheit der persönlichen Ueberzeugung und kann nicht zugestchen, daß die Mitglieder der Agudath Israel als solche auf eine bevorzugte Behandlung Anspruch haben. Andererseits kann ebensowenig die Rede davon sein, daß sie zurück- . , daß sich diese Behauptungen im besonderen auf die Zu- Weisung von EHw.-ndcrungszertifikaten innerhalb der Kontingente bez'ehen, die der Zicn'slischen Organisation ab der Jewish Agency von Zeit zu Zeit durch die Palästinaregierung zugewiesen werden. Die Zionistische Organisation möchte daher kategorisch erklären, daß ihre Vertreter in den verschiedenen Organisationszentren für die Verteilung dieser Zertifikate Instruktionen haben (die auch streng befolgt werden), mit voller Objektivität vorzugehen und jeden einzelnen Fall unvoreingenommen zu ]behandeln. Die religiöse Auffassung des Immigranten hat keinen Einfluß auf seine FlhtgkW, ein erfolgreicher Ansiedler zu werden, und Bewerber mit agudistischen Anschauungen wie solche mit anderen Anschauungen werden derzeit und werden auch in Zukunft ausschließlich nach ihren maßgebenden Qualifikationen behandelt werden. VIII. Die Zionistische Organisation und die Jewmsh Agency für Palästina*). 65. Artikel 4 des Palästinamandates, der der Zionistisehen Organisation einen anerkannten Status als die jüdische Vertretung (Jewish Agency) für Palästina gibt, bestimmt, daß die Organisation ״im Einvernehmen mit Seiner Britischen Majestät Regierung Schritte unternehmen soll, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewällt sind, bei der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte zu helfen”. 66. Die Zionistische Organisation hat im Keren Hajessod (Palästina-Griindungsfonds) ein Mittel geschaffen, duren das ihre Aufbauarbeit in Palästina von Juden verschiedenster Ueberzeugung unterstützt werden kann, und der Keren Hajessod zählt unter י seinen Beiträgen in wachsendem Maße solche von Juden und jüdischen Körperschaften, die mit der Zionistischen Organisation nicht formell verbunden sind. Gleichzeitig hat die Zionistische Organisation von Beginn an alles unternommen, um enge und herzliche Bez.iehttngen mit anderen auf dem gleichen Gebiete arbeitenden jüdischen Korporationen zu unterhalten. 67. Die Zionistische Organisation ist aber noch weiter gegangen. Ihre Ansicht war immer, daß die Errichtung des jüdischen nationalen Heimes ein gemeinschaftliches Recht und eine gemeinschaftliche Verantwortung der Juden in ihrer Gesamtheit darstellt. Aus diesem Grunde hat sie vargcschlagen, sich innerhalb der Organisation der Jewish Agency mit entsprechend beglaubigten Vertretern jüdischer Gemeinschaften in allen Teilen der Welt zu verbinden, um so die Möglichkeit für eine organisierte Zusammenarbeit auf dauernder Grundlage zwischen allen Juden zu schaffen, die bereit sind, an den Wiederaufbau Palästinas und der Errichtung des jüdischen nationalen Heims teilzunehmen. 68. In dieser Absicht fanden seit einiger Zeit Ausspra* chen zwischen der Zionistischen Organisation und repräsentafiven Juden und jüdischen Körperschaften in verschie* denen Teilen der Welt statt. Auf einer bereits im Februar 1924 in New York stattgefundenen Konferenz erklärten sich führende amerikanische Juden verschiedenster Einstellung für die Teilnahme Amerikas an der Jewish Agencv und an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Palästinas und diese Resolution wurde seither bei einer weiteren Konferenz von ebenso repräsentativem Charakter bestätigt und erweitert 69. In Großbritannien war die Zionistische Organisation in Fühlung mit den beiden repräsentativen jüdischen Körperschaffen, dem Board of Deputies of British Jews und der Anglo Jewish Association, bei welchen beiden sie ermutigenden Widerhall fand. Die jüdische Gemeinschaft von Italien erklärte sich bei ihrer kürzlich abgehaltenen Jahreskonferenz für die Teilnahme Italiens an der Jewish Agency und Vorbereitende Schritte für die Erweiterung der Agency wurden auch in Holland, Deutschland und anderen Landern unternommen. 70. Soweit es sich um die Zionistische Or ■sation handelt, wurde diese Politik in einer Reihe von Resolutionen formell bestätigt, die von dem Zionistcnkongreli in Wien im September 1925 angenommen wurde. Der volle Wortlaut dieser Resolution folgt unten. Es ist noch hinzuzufügen, daß in Gemäßheit der Bestimmungen des Artikels 4 des *) Siehe Memorandum von 1924, Abschnitt II.