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Jüdische Rundschau · 1926-06-15 · Heft 46 (15.6.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 46 (15.6.1926)
Date
1926-06-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 338 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46 dürfe, (iie Zeit erfordere, das heißt, die normale freiwillige Betätigung für alle Arten zionistischer Arbeit, sei eine Hingäbe, die man wohl von den polnischen, deutschen, kurzweg von europäischen Juden erwarten könne, ein amerikanischer Jude sei ihrer nicht mehr fähig, Es wäre natürlich sehr unbescheiden, wenn ich aus der kurzen Zeit meiner persönlichen Berührung mit amerikanischen oder besser mit New-Yorker Juden, allgemeine Schlüsse ziehen wollte. Aber ich fühle, daß ich cs dem amerikanischen Juden schuldig hin. zu erklären, daß ich einen viel besseren Eindruck von ihrer Begeisterungsfähigkeit gewonnen habe, als man ihnen offiziell zugesteht. Ich kann nur sagen, daß die vielfachen Berührungen mir einen sehr tiefen Eindruck von der ganz gewaltigen, erziehungsmäßigen Möglichkeit gegebei! haben, die dein Zionismus in Amerika offensteht. Wobei in Parenthese bemerkt sein möge, daß diese Möglichkeiten sehr wohl sieh auch finanziell auswerten fassen. Je״ dcnfalls sollte man in Amerika sich dessen bewußt sein, daß ganz naturgemäß die Einschätzung, die der Zionist draußen dem amerikanischen Zionismus zuteil werden hißt, paralicf läufi zu derjenigen, mit der der amerikanische Zionist seine jüdischen Brüder und Schwestern in Amerika wertet. Die mannigfachen Unternehmungen zur Gewinnung freiwilliger Mitarbeiter, die im Anschluß ari meinen Aufenthalt in Amerika ausgeführt wurden, haben mir gezeigt, daß cs zum mindesten viele Tausende jüdischer Familien allein in New York gibt, die noch unberührt von zionistischer Propaganda sind und auf ein zionistisches Wort warten, Juden, die nicht nur bereit, sondern die glücklich sind, zionistisch arbeiten zu können. In dieser Hinsicht unterscheidet sich offenbar zum mindesten dieser Teil amerikanischer Juden in keiner Weise von den Juden der übrigen Welt. Ein drittes aber kommt dazu. Der unbefangene Beobachter hat immer wieder den Eindruck, als ob der amerikanische Zionismus seine ihm eigentümliche Physiognomie noch nicht gefunden habe. Es ist so, als ob die amerikanischen Zionisten sicli fürchten, ״Amerikaner” zu sein, als ob sie im Grunde sich selbst als minderwertig fühlten, weil sie nicht so sind, wie die russischen, die polnischen, die deutschen Zionisten. Nichts wäre falscher, als wenn diese eigentümliche Unsicherheit dazu führen sollte, daß die amerikanischen Zionisten denselben Weg zionistischen Denkens und zionistischen Formens beschritten, den die europäischen Zionisten für sich gefunden haben. Die Aufgabe, die dem amerikanischen Zionismus gestellt ist, scheint mir darin zu bestehen, daß er das Gute, das Großartige der amerikanischen Betrachtungsweise in den Zionismus und in den Aufbau Palästinas hineinbringt. Vorläufig geschieht das noch nicht. Vorläufig stellt der amerikanische Zionismus noch ein eigentümliches Wechselgebilde zwischen russischer Tradition und noch nicht vollendeter Amerikanisicrung dar. Typisch für diese Mischung scheint mir z. B. gerade die technische Form der zionistischen Propaganda ln Amerika zu sein. Sie hat zwar den amerikanischen Geschäftsmethoden allerhand Aeußerlichkeiten entlehnt, sie ist aber, was theoretische Durcharbeitung und Beherrschung der technischen Mittel anlangt, weit zurück hinter der geradezu überwältigend großartigen Propaganda, die Amerika zur Blüte gebracht hat. Man tut dem amerikanischen Zionismus nicht unrecht, wenn man feststellt, daß gerade in bezug auf Propagandatechnik usw. viele europäische zionistische Organisationen ״amerikanischer” d. h. moderner sind als ihre Schwesterorganisation in Amerika. Man sollte auch diese Erscheinung in Amerika nicht unterschätzen. Denn der Zionismus draußen erwartet sehr viel vom amerikanischen Zionismus. Wenn man ihm so oft vorwirft (und das ist natürlich eine lächerliche Dummheit), daß er uns nur Geld bringt, so heißt das doch, daß man von ihm ganz besondere Dinge auch außerhalb der materiellen Was der Zionismus von Amerika erwartet, ist der vorwärtsreißende Gestaltungsdrang, den Amerika aufzuweisen hat, die unbeirrte und zielsichere Führung in wirtschaftlichen Dingen, die Beherrschung aller technischen und organisatorischen Mittel und Möglichkeiten, die klare und gesunde Einfachheit des Denkens, die ganze Großzügigkeit der Auffassung, d. h. der Dinge, die das eigentliche Amerika bilden und es groß machen. Aber eben dies vermißt man noch in der Tätigkeit des amerikanischen Zionismus, in Amerika und Palästina — so hervorragend diese Betätigung auch sein mag — und hier ist der andere Grand, warum man ihm die Einschätzung nicht zuteil werden läßt, die er verdient. Denn das soll zum Schluß noch gesagt werden, daß, wenn dies zwar eine kritische Betrachtung des amerikanischen Zionismus darstelit, das nun keineswegs heißen soll, als ob der amerikanische Zionismus nur kritisch gewertet werden dürfte. Im Gegenteil: Wenn heute die kritische Sonde angelegt werden muß, so muß das zunächst am europäischen Zionismus geschehen, der sich in Ideologien verrannt und in Parteien zerrissen hat. Man darf es wohl sagen, daß der amerikanische Zionismus sich nicht nur seinen materiellen Leistungen wegen, neben dem Zionismus jedes anderes Landes mit Fug und Recht behaupten darf. Hier sollte nur ein Versuch unternommen werden, gewisse Linien zu finden, die außerhalb jeder sentimentalen Betrachtungsweise dazu führen könnten, Klarheit zu schaffen über das, was die Unklarheit in den Beziehungen zwischen amerikanischem und nichtamerikanischen Zionismus verursacht hat. Der Verfasser ist sich wohl bewußt, daß seine speziellen amerikanischen Erfahrungen ihm nicht das Recht geben, dezisive Urteile zu fällen. Aber es kommt nicht auf Urteile, es kommt auf den guten Willen an. Und es scheint mir allerdings, daß es eine unserer dringendsten Aufgaben ist, mit gutem Willen daranzugehen, aus den beiden weiten, die heute leider noch amerikanischer und nichtamerikanischer Zionismus darstellen, die geschlossene Einheit der zionistischen Organisation zu machen. Keren flajtisod in Sldamerika Dr. A. B e n s i 0 n setzt seine Keren Hajessodtournee durch Südamerika fort und weilt derzeit in Chile, wo er die Kercri Hajessodarbeit zu organisieren beabsichtigt. Der dortige ״Israel“ behandelt mit besonderer Aufmerksamkeit das Werk des Kereri Hajessod, das in diesem Lande vor zwei Jahren von Herrn Leib Jaffe inauguriert und im vergangenen Jahre von Dr. Mossinsohn weitergeführt worden war. Dr. Bension begibt sich von Chile nach Argentinien. Die in Argentinien fortschreitende Kampagne für den Keren Hajessod hat die Form eines United Paiestine Appeal angenommen. Im Laufe des Monats Mai hatte eine Deputation unter Leitung des Herrn Gesang die größte jüdische Kolonie des Distriktes, Mosesviile, aufgesucht, um die Bevölkerung für den Gedanken des Palästinaaufbaues zu gewinnen. Dies gelang ohne Schwierigkeiten, und schon am ersten halben Tag nach dem Beginn der Kampagne in Mosesville waren 3000 Pesos gezeichnet. Die Kampagne wird jetzt weiter in der Pampaprovinz geführt. Seit dem Appell in Argentinien hat die Arbeit energische Fortschritte gemacht. Die Kampagne setzte in der Entre- Rios Provinz ein, von wo sie sich über das ganze Land ausbreitete. Für den Monat Juni werden bereits die ersten Barergebnisse erwartet. Ganze Gemeinden haben als solche gezeichnet, darunter als letzte die iüdische Gemeinde Domongoz. (Ziko) Die StaderüberweiSBig ais Amerika Das Finanzkomitee des United Paiestine Appeal hat, wie wir bereits gemeldet haben, der Zionistischen Palästinaexekutive außerhalb des regulären Monatsbeitrages des United Paiestine Appeal eine spezielle Summe von 50 000 Dollar überwiesen zwecks Linderung der Arbeitslosigkeit in Palästina in Form von Darlehen an Stadtgemeinden und Arbeitergenossenschafteii für Vornahme von öffentlichen und privaten Arbeiten in Städten und Kolonien. Es wird angenommen, daß diese Darlehen der Arbeitslosigkeit beträchtlich steuern werden, welche laut kürzlich aus Palästina cingetroffencn Kabeln sowohl auf die regenreiche Saison wie auf den Rückgang der Zahl der bemittelten Einwanderer zurückzuführen ist. Beide Ursachen haben zu einer Einschnürung der Bautätigkeit in Tel Awiw und anderen Städten geführt. Die Sondertiberweisung von 50000 Dollar ist die zweite Extrazuwendung der United Paiestine Appeal an die Zionistische Palästinaexekutive (ein Betrag von 100000 Dollar war bereits im April auf Grund eines besonderen Ansuchens der Palästinaexekutive überwiesen worden, da infolge der schweren Wirtschaftslage in Osteuropa die Eingänge des Keren Hajessod zurückgegangen waren). Derzeit arbeitet der United Paiestine Appeal mit besonderer Energie an der Eintreibung der Zeichnungsbeträge, die im Laufe der verschiedenen Drives in Amerika erzielt worden waren, damit der Fluß der Einwanderung und der Kolonisation ohne Unterbrechung weiter vor sich gehen kann. » Aus einem Bericht des Chairmans des Drives in Groß- New York, Benjamin Winter, ist zu ersehen, daß zu der in New York aufgebrachten Summe von Doll. 1411111' über 76000 Leute beigetragen haben. Es muß dies doppelt soviel, als je in New York für eine jüdische Sache gespendet haben, und um nahezu ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr für den Palästinaaufbau gezeichnet haben. Der durchschnittliche Zeichnungsbetrag für den United Paiestine Appeal beträgt in diesem Jahre in New York Doll. 20. Daraus geht klar hervor, daß allein die großen jüdischen Massen _ New Yorks die Verantwortung für den Aufbau des jüdischen Heimatlandes tragen. (Ziko) Briet aas Estland (Von einem Korrespondenten.) Die Palästinaversammlung, die in Reval in Anwesenheit L. Jaffes am 29. Mai stattfand, gestaltete sich zu einem Feiertag für die Revaler jüdische Bevölkerung. Es erschien die ganze jüdische Gemeinde, darunter Personen, die man sonst bei einer jüdischen Versammlung nicht zu sehen pflegt. Auch waren viele Nichtjuden anwesend. An der Versammlung nahm General Leidener, der populärsfe Mann Estlands und Delegierter des Völkerbundes in der Mossulfrage teil. Um 9 Uhr betrat General Leidener zusammen mit L. Jaffe den Saal. Das Publikum bereitete beiden Herren Ovationen. Der Vorsitzende des Keren Hajessod-Komitees, Herr Abramski, begrüßte die Herren Jaffe und General Leidener. Den Teil der ,Begrüßungsansprache, der sich auf General Leidener bezieht, übersetzte Adv. Gurewitsch ins Estnische. Dann wurde ein Brief des Bildungsministers L a t i k, der dringend verreisen mußte, an Herrn Jaffe, verlesen. Der Minister schrieb unter anderem: ״Es gibt in Palästina eine Mauer vom alten Tempel. Die Mauer ist dem jüdischen Volk so teuer, daß es sie nie vergessen kann. Nie War ein kalter Stein einem Volke so teuer wie diese Steine dem jüdischen Volke. Sonst läßt ein Stein die Herzen kalt und Ruinen stoßen ab. Die Steine in Jerusalem ziehen die HerzetY'anY Oie KJIiemaüer kann stolz daratif seih, daß das Volk, das in ihrem Schatten aufgewachsen ist, so lange in seinem Herzen den Dank für diese Steine bewahrt hat.“ Dann ergriff General Leidener das Wort und führte 11. a. aus: Das jüdische Volk erstrebt wie alle anderen Völker ein eigenes nationales Leben. Dieses Leben kann nur in Palästina erstehen, mit dem das jüdische Volk durch seine Tradition verbunden ist. Die ganze Welt, und vor allem England, ist sich darüber klar geworden, daß den Juden ihre alte Heimat zurückgegeben werden müßte. Palästina kann nicht alle Juden der Welt fassen, es kann aber ihr nationales Zentrum werden. Groß sind die Schwierigkeiten, denen die Juden in Palästina zu begegnen haben, aber dank ihrer Energie, ihrer Opferbereitschaft und jenen historischen Traditionen, die im jüdischen Volke leben, werden sie sie übenwinden. Die Reibungen mit den Arabern werden aufhören. Diese haben genug große Länder vor sich: Syrien, Mesopotamien, Arabien u. a. m. Sie können leicht auf Palästina verzichten. Das Recht auf Erez Israel haben die Juden, denen das Land zurückgegeben werden müsse. Leidener erzählte ausführlich über seine in Palästina empfangenen Eindrücke. Er schilderte Tel-Awiw und die jüdischen Kolonien. Er erzählte, wie die Juden ins Land Kultur, neues Leben, neue Arbeitsmethoden hineingetragen haben. Jüdische Arbeit und jüdische Kultur haben das Aussehen des Landes von Grund aus verändert. Die jüdische Renaissance ist etwas, was die ganze Welt intaressieren soll. Das Publikum dankte General Leidener mit rauschendem Beifall. Auch Herr Jaffe dankte General Leidener für seine Rede und hielt einen Vortrag über ״Dreißig Jahre zionistische Arbeit in Palästina“. Herr Jaffe hielt Besprechungen mit den Keren Hajessod- Mitarbeitern ab. Die noch beim ersten Besuche Jaffes eingeleitete Keren Hajessod-Aktion wird energisch zu Ende geführt. Weiter fand eine Keren Hajcssod-Konfercnz der kleinen jüdischen Gemeinschaft in Estland statt. ZiBiistische Tagnage■ 11 Polen Warschau, 9. Juni. (J. T. A.) Die soeben stattgefundene Konferenz der Warschauer Zionistischen Organisation erbrachte einen Zusammenschluß der beiden bisher einander bekämpfenden Gruppen ״AI Ha misch mar“, geführt von J. Grün bäum, und ״Eth Libnoth“, geführt von Leon Levitc. Abg. Grünbaum selbst war es, der die gegnerische Gruppe Eth Libnoth zu einem Kompromißfrieden ״ohne Sieger und Besfcgtc“ aufforderte. Herr Lcvite erwiderte, seine Gruppe stimme der Einigung zu, da die Frage der Erweiterung der Jewish Agency, sowie manche Innerpolitische Fragen, die Anlaß zur Teilung gaben, jetzt nicht mehr so aktuell sind. Es wurde beschlossen, daß die beiden Gruppen als Sondergruppen zu existieren auf hören und daß die Zionistische Organisation nunmehr eine Einheit Wide. Weser Beschluß wird wohl für die gesamte Landesorganisation Geltung haben. Der hebräische Dichter Saul Tschernichowsky wurde, als er im Saale erschien, von allen Anwesenden stürmisch akklamiert. Abg. Grünbaum hielt an ihn eine hebräische Ansprache. Dr. Davidson schilderte den Untergang der Jüdischen *Massen in den ukrainischen Städtchen zur Zeit der Progrome* und brachte eine Resolution ein, in welcher die Hoffnung ausgedrückt wird, daß das französische Volk die Tat Scliwarzbarths, der Petljura ermordet hat, verstehen wird. Die Resolution wurde angenommen. Senator Kocrncr hielt das Referat über die politische und wirtschaftliche Lage und sprach für ein weiteres Zusammengehen mitden anderen Minderheits. gruppen. Der aene litauische Staatspräsidei! ln einem Gespräch mit den! Vertreter der ״Ydischcn Stirne“ sagte der neue Präsident Litauens, Dr. Grinius, man werde den nationalen Minderheiten alle ihnen von! Völkerbund garantierten Rechte zurück geben müssen. Was die Autonomie der jüdischen Gemeinden betrifft, so ist ein Teil der Juden selbst gegen die Wiedereinfiihrung der Zwangsbesteuerung, aber es könne sicher ein Mittelweg gefunden werden. Juden sollen wieder •an den Staatsanstalten angcstellt werden; besser ein jüdischer Beamter, der seine Sache versteht, als zwei schlechte Litauer. Die Zwangssonntagsruhe muß abgeschafft werden, die Geistlichen selbst hätten ein Interesse daran. Seit Einführung der Zwangssonntagsrahe ist auch der Kirchcnbesuch stark zurückgegangen. Wenn der Bauer am Sonntag nichts kaufen kann, kommt er nicht in die Stadt und besucht auch nicht die Kirche. EIbc ifidlsebe Frakti•■ in roniBisekei Parlameat Bukarest, 8. Juni (J. T. A.) In einem Gespräch erklärte der Präsident der Einheitspartei in der Bukowina, Herr Dr. Mayer Ebner, der als einziger Bukowinaer Jude in die rumänische Kammer gewählt wurde, folgendes über die Aussichten einer einheitlichen jüdischen Politik in der riimänscheu Kammer: Ich bin zwar auf der Religionsliste gewählt worden, dies aber nur auf Grund eines lokalen Abkommens zwischen dem Minister für die Bukowina Dori Popovici und der jüdischen Einheitspartei, während bei den Senatswahlen durch die (jemeinderäte ein Bukowinaer Jude in den Senat entsendet werden wird. Außerdem hat uns Minister Popovici auf kulturellem Gebiete eine Reihe Zugeständnisse gemacht. In allen Volksschulen, sowie am Czernowitzer Staatsgymnasium werden Hebräisch und jüdische Geschichte als Unterrichtsfächer eingeführt; beim staatlichen Lehrerseminar wird eine jüdische Abteilung bestehen, die Lehrer für jüdische Schulen ausbilden wird. An den jüdischen Schulen wird die Sabbatrahe beobachtet werden. Alle durch die frühere Regierung entlassenen Mittelschullehrer werden wieder angestellt. Ein wichtiger Punkt des Abkommens betrifft die Verleihung der Bürgerrechte an alle jene, die am Tage der Ratifizierung des Friedens Vertrages m Rumänien wohnten. Meine Stellung zu der Regierung ist trotzdem eine abwartende und absolut unabhängige. Ich werde überall dort hervortreten, wo es gelten wird, die jüdische Ehre und die jüdischen Rechte zu schützen. Meine Hauptaufgabe wird es sein, eine demokratische jüdisch-nationale Repräsentanz für das ganze Reich zu schaffen, sei es in der Form eines N a 11 o n a 1 r a t s oder eines jüdisch-nationalen Staatsverbandes. Die jüdischen Deputierten und Senatoren sollen vor dieser Repräsentanz verantwortlich sein und ihren Direktiven folgen. Man muß die Umstände und die Atmosphäre, unter denen wir zu kämpfen haben werden, nicht unterschätzen. 10 Cuzisten sitzen im Parlament. Diese wollen, wie sie sagen, den Schwerpunkt ihres Kampfes in das Parlament verlegen. Um so besser: Wir werden ihnen im Parlament zu begegnen wissen. Bukarest, 9. Juni. (J.T.A.) Das jüdische Studentenkomitee in Bukarest hat für den 15. Juli nach Czernowitz einen Kongreß der jüdischen Studentenschaft ganz Rumäniens einberufen. In Rumänien zählt man ungefähr 4000 jüdische Studenten, die alle infolge der antisemitischen Verhetzung von Kollegen und Professoren materiell und moralisch viel zu leiden haben. Die jüdischen Studenten wurden aus den allgemeinen akademischen Vereinen ausgeschlossen und müssen die allgemeinen Studentenheime und die mensa academica überall meiden. Der Kongreß wird über die politische Lage der Studenten und über eine wirtschaftliche Organisation derselben beraten und entsprechende Beschlüsse fassen. Die zionistischen Studenten, die einen Großteil der jüdischen Studentenschaft bilden, haben die folgenden Punkte auf die Tagesordnung gesetzt: Die Beziehungen zu der allgemeinen Zionistischen Organisation; das Kulturproblcm, Palästinaarbeit, Organisierung der Jugend für Palästina u.a. m. Eia iBlerview mit den Verteidiger Sehwirzburths Paris, 10. Juni. (J.T.A.) Der Verteidiger Schofom Scliwarzbarths, der Advokat Henry Torrcs erklärte in einer Unterredung: Der Weltantisemitismus sucht die Tat Scliwarzbarths für seine Agitation auszunutzen; er fühlt, daß diese Tat eine Reaktion auf die antisemitische Verhetzung ist. Schwarzbarth selbst hat seine Motive mit seltenem Freimut dargelegt: die Tat liegt weit ab von politischen oder konfessionellen Tendenzen: sie ist eine menschliche Rache für die Ab- Schlachtung vieler Tausender Brüder. Die Seele des jüdischen Volkes hat diese Tat begriffen. — Schwarzbarth selbst trägt die Leiden seiner Haft mit bewundernswertem Mut. Die Behauptnngen gewisser Zeitungen, daß Schwarzbarth auf Befehl der Sowjetgesandtschaft gehandelt und daß er kommunistische Komplizen habe, ist einfach abgeschmackt. Ich versichere: es besteht nicht die geringste Spur einer Be- Ziehung zwischen Schwarzbarth und der Sowjetrcgierung oder der kommunistischen Partei in Rußland oder in Frankreich. Schwarzbarth ist nicht Kommunist, ja er ist ein Gegner des Kommunismus, seine Tat steht in keinerlei Beziehung zu Kommunismus oder zu Politik überhaupt. Sie ist ein Protest gegen Progrome und sie wird das Gewissen der Welt gegen <jie Duldung grauenvoller Menschenschlächtereien aufrüttcln. In dieser Linie werde ich die Verteidigung führen, und ich glaube, daß die Jury des französischen Volkes dies verstehen wird. Ich sagte ״Verteidigung“, in Wahrheit aber wird es eine schwere Anklage sein, eine Anklage gegen die verbrecherische Mordhetze des Antisemitismus in der ganzen Welt sein. Schwarzfcarth ist mein jüdischer B nt der und zugleich mein Waffenbruder, der mit mir gemeinsam Frankreichs Boden hat verteidigen helfen. Ich habe Vertrauen zur französischen Justiz und zum Gewissen des Iranzösischen Volkes. — Die Untersuchung dürfte in 4 bis 5 Monaten beendet sein. Eli Ucberlill ml Dr. Glleksohfl 11 Tel •Awiw Der Herausgeber der ״Haarcz‘, Dr. Glücksohn, wurde wegen einiger Aufsätze, die er gegen das angeblich unpassende Benehmen jüdischer Frauen in Tel-Awiw geschrieben hatte, von einigen Leuten tätlich angegriffen. Die Presse venirteilt diese Ausschreitung gegen Dr. Glücksohn in scharfer Weise. Der Ueberfall wird noch ein gerichtliches Nachyepiel habe״

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