Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 45 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 332 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45 Jüdische Armut Die seit längerer Zeit in Polen anhaltende wirtschaftliche und politische Krise hat die Not der polnischen Judenheit furchtbar gesteigert. Wenn man die Berichte der in Polen erscheinenden jüdischen Zeitungen verfolgt, steigen vor den Augen des Lesers haarsträubende Bilder grauenhafter Verartnung auf, die den größten Teil der in Polen lebenden Juden umfaßt. Schon im Vorjahre häuften sich die bei den Juden sonst sehr seiten vorkommenden Fälle von Selbstmord. Die Selbstmordstatistik wurde eine ständige Rubrik in den jüdisch-polnischen Zeitungen, ln der Folge mehrten sich in den Blattern verschiedene Aufrufe zur Unterstützung der Notleidenden. Neue Formen von Sammlungen für wohltätige Zwecke wurden ersonnen: Auf jeden Einkauf wurde eine Steuer gelegt, deren Ertrag für die Unterstützung der Notleidenden bestimmt ist; irgendein Spender kündigte in der Zeitung an, daß er einen bestimmten Betrag für die Armen gegeben habe, und fordert mit Namen genannte Freunde und Bekannte auf, seinem Beispiel zu folgen; eine Familie annonciert in der Zeitung, daß sie einen Teil ihres Kleider- und Wäschebestandes den Armen spende und ermahnt die Bekannten und Freunde, diesem Beispiel zu folgen. Besondere Sorge verursachte der jüdischen Ocffentlichkeil in Polen das Probien» der Unterstützung der notleidenden Volksgenossen anläßlich des Passah-Festes. Seit jeher ist es in jüdischen Gemeinden üblich, daß die wohlhabenderen Juden den ärmeren Volksgenossen Mazzoth spenden und immer war im Osten ein erheblicher Teil der jüdischen Bevölkerung auf diese Spcnden angewiesen. Im letzten Jahr jedoch erreichte der Prozentsatz der unterstützungsbedürftigen Juden die Zahlen 73 bis 80. Freunde, die aus Polen kommen, geben Schilderungen der unter den Juden herrschenden Not, die ans Herz greifen. Nicht einmal während der ärgsten Kriegsjahre hat die leibliche Armut ein solches Ausmaß gehabt wie gegenwärtig, acht Jahre nach dem sogenannten Friedensschluß. Diese schreckliche, über die polnische Judenheit dahinbrausende Armutswelle ruft in mir Erinnerungen aus meiner Kindheit wach. Damals herrschten wenigstens in den Teilen der ostjüdischen Massensiedlung, die ich persönlich kannte, Zustände, wie sie gegenwärtig von den Freunden aus Polen als noch nie dagewesen bezeichnet werden. Nachfolgend will ich schildern, was ich in meiner Kindheit in kleinen jüdischen Städtchen gesehen habe, nicht etwa als Trost für die jetzt in Polen Notleidenden, sondern zur Illustration der Tatsache, daß der größte Teil der iin Osten Europas lebenden Judenheit während des 19. Jahrhunderts in äußerster Armut gelebt hat. Erst mit dem Beginn der Massenwanderung von Juden nach Amerika hob sich' der materielle Stand der Ostjuden und ihre Lage erfuhr in den Jahren seit 1893 bis zum Kriegsausbruch eine merkliche Besserung. Der Weltkrieg, seine Begleiterscheinungen, seine Folgen und die Ab- Sperrung der meisten überseeischen Länder gegen die jüdische Einwanderung haben nun die Juden Osteuropas in jenen tiefen Abgrund von leiblicher und mit ihr in Verbindung stehender geistiger Not zurückgeworfeii, wie sie Jahrzehnte hindurch im 19. Jahrhundert stationär war und jetzt wieder Millionen Juden in ihren Klauen umkrampft. Vor ungefähr 35 Jahren wußten in jedem gali/isclien Städtchen Donnerstag vormittag drei Viertel der jüdischen Hausväter nicht, wovon sie ״Schabbes machen״ werden. Es war eine regelmäßige Erscheinung, daß man zu allen Nachharn lief und ein Gefälligkeitsdarlehen im Betrage von einem Silbergulden erbat, welches Darlehen dann im Laufe der nächsten Woche zumeist nach dem Markttage rückerstattet wurde. Sehr viele Hausväter sahen sich gezwungen, vor den Feiertagen, Peßach, Schawuoth, Roschhaschanah und Sukkoth, JSSSSfetungsgegenstände zu versetzen, Wohl derjenige«■ ,Fa־, infne, die von den GrößeTtern her ein Stirnband, eine Brosche• oder einen Ring besaß! Aber nur wenige verfügten über derartige Schätze, die in der Pfandleihe selten waren. Die Mehrheit versetzte entweder den großen, von Generation zu Generation sich vererbenden Winterschafpelz oder in den meisten Fällen Kissen und Bettzeug. Das wöchentliche Einkommen der Mehrheit der jüdischen Hausvorstände belief sich auf durchschnittlich ein bis zwei Gulden. Wenn von irgendeinem Juden erzählt wurde, er hätte reichlich ״Parnasse", so verstand man darunter, daß er wöchentlich zwei Gulden verdiente. Die Hauptnahrung der jüdischen Volksmassen bestand während der Woche aus Kartoffeln und Hering. Nur Samstag gab es Weißbrot, ein Quentchen Fleisch und Freitag abends die traditiondien Fische, zumeist Weißlinge oder Gründlinge. In jedem Städtchen gab es ein paar gezählte ״Gewirim“, wohlhabende Juden, deren Reichtum sich in der Regel auf wenige tausend Gulden belief und die die Kosten der Gemeindeverwaltung trugen. Die Mehrheit der Bevölkerung bestand aus armseligen Krämern, notleidenden Handwerkern, Fuhrleuten und Lastträgern. Besser hatten es nur die Landjuden, unter ihnen die ״Arendare", die Inhaber der Dorfschänken. Die wohlhabenderen Juden betrachteten es als Selbstverständlichkeit, am Donnerstag jeder Woche und an jedem Rosch chodesch Hunderten von armen beuten kleine Geldunterstützungen zu geben. Oft taten sich viele Arme eines Städtchens zusammen und fuhren mit einem jüdischen Fuhrmann, der am Ertrage beteiligt war, in die umliegenden Dörfer zu den Arendaren um Unterstützung. Das Geschäftskapital der meisten jüdischen ,,Kaufleute‘‘ belief sieh auf ungefähr 20 Gulden. Diesen Betrag schuldeten sie einem reichen Manne in der Stadt, an den sie das Darlehen in Wochenraten zuriick/ahlten. Die meisten Juden schafften sich während der Dauer ihres ganzen Lebens nur einmal einen neuen Kaftan an: anläßlich ihrer Hochzeit. Dieser Kaftan wurde dann im Laufe der Jahre geflickt und wieder geflickt, und es war fast die Regel, daß selbst ״schöne Balbattim“ einen speckigen abgeschabten Kaftan trugen. Der seidene Gürtel, den jeder Jude um die Lenden trug, war in Jen Familien Erbstück. Ein oder höchstens zweimal im Leben kauften sich die Juden einen neuen Hut, den sie so lange trugen, bis die schwarze Farbe eineu ausgesprochen grünliehen Schimmer bekam. Stiefel mit hohen ״ Schäften wurden ein Jahrzehnt lang getragen. Trotz dieser furchtbaren Armut mußte jeder Jude Ersparnisse machen: galt es doch, die Kinder in den Glieder zu schicken und die Töchter auszustatten. Allerdings belief sich das Lehrgeld für ein Kind auf drei bis fünf Gulden im Halbjahr und ein Betrag von hundert Gulden als Mitgift galt sehr viel. Diese hundert Gulden wurden aber nicht etwa aut eitmil gezahlt. Man beschränkte sich auf eine Anzahlung und blieb in vielen Fällen den Rest schuldig. Immer wieder gab es noch knapp vor der Trauung lange Streitigkeiten wegen der Mitgift. Zumeist wurden die Hochzeitsgeschenkc auf den Betrag der Mitgift verrechnet. Gleicherweise illusorisch blieb das Versprechen der ״Kost", d. h. dem jungen Paare für einen gewissen Zeitraum Kost und Logis zu gewähren. Die meisten Juden jagten tagsüber eifrig durch das Städtchen, um einen ״Sechscr“ 71! verdienen. Man befaßte sich mit Vermittlcigeschäftcn, man tat sich von Fall zu Fall mit anderen Juden "zusammen und kaufte ein Kalb, einen Sack Weizen und dergleichen und war froh, wenn man abends mit einem Verdienst von zwei ״Zwanzigern“ nach Hause kam. Ich habe Juden gekannt, die Saisonverdiener waren. Einer hatte das ganze Jahr keine Möglichkeit, etwas zu erwerben. Nur wenn im Herbst Aufkäufer aus Wien kamen, um Obst ein׳״uhandeln, half er ihnen bei diesem Geschäft und verdien' 30 oder 40 Gulden. Davon bestritt er seinen Jahrcsunterhali. Ein anderer handelte mit Blutegeln. Für diese Ware gab es erfahrungsgemäß nur zweimal jährlich Absatz, zu Weihnachten und zu Ostern, wenn die Bauern infolge übermäßigen Fleisch- und Alkoholgenusses krank wurden und sich Blut abzapfen ließen. Wenn ein Jude in unserer Gegend krank wurde und eine Reise nach Lemberg, Krakau oder Wien machen wollte, um einen Professor zu konsultieren, so taten sich alle Juden zusammen, um dem Kranken die Reisespesen zu beschaffen. Selbstverständlich fuhren diese Kranken dritter Klasse Personenzug auf Grund einer nach Monaten mit vieler Mühe erlangten Fahrpreisermäßigung. Die meisten jüdischen Kinder erlebten ihren ersten neuen Anzug zur Barmizwah; bis zu diesem Alter mußten sie sich mit zurcchtgeschneiderten alten Kleidungsstücken begnügen. Ich erinnere mich, daß in unserem Nachbarstädtchen viele jüdische Mädchen erst anläßlich ihrer Verlobung das erste Paar eigener Schuhe bekamen. Ich könnte solche Einzelheiten noch spaltenlang anführen. Die erwähnten mögen genügen, um darzutun, wie armselig das Leben der meisten Ostjuden noch vor einigen Jahrzehnten gewesen ist. Trotzdem ist es kaum vorgelcommen, daß irgenditt DH TfytHft mim ₪₪₪uu₪₪₪uammMS₪₪₪₪₪₪M₪₪₪₪K₪₪i₪mm ein Jude verhungert wäre. Das Wohltun war eine Selbst- Verständlichkeit und wenn irgendein Jude krank wurde oder starb, so nahmen sich die Nachbarn seiner Frau und seiner Kinder an. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts schuf die Auswanderung der Juden nach dem Westen ein Ventil. Nach Peßach und nach Sukkoth waren die rcgclmäßigen Abfahrtzeiten der Auswanderer. Doch galt es als wenig ehrenhaft, die angestammte Gemeinde zu verlassen und in die Fremde zu ziehen, wo man Gefahr lief, an seiner Jüdisehkeit Schaden zu leiden. Die Abreise wurde daher regelmäßig geheim gehalten, und erst einige Tage nach dem Verschwinden des betreffenden Auswanderers kam das Geheimnis heraus. Zumeist waren es junge Ehegatten, die, nachdem sie die bekommene Mitgift verbraucht hatten, sich auf den Weg ins Weite begaben. Manchmal kam cs auch vor, daß junge Leute durchbrannten; es handelte sich dabei um lernbegierige junge Menschen, deren Sehnsucht dahin ging, ״Doktor zu werden". Die Flucht derartiger Lernbeflissener bedeutete für die Familie keine Ehre. Immerhin erleichterte die Auswanderung die Lage der Zurückgebliebenen in zweifacher Hinsicht: erstens wurde die innerjüdische Konkurren/ gemildert, zweitens aber betrachtete es jeder Auswandere! als seine Ehrenpflicht, seine in der Heimat veridiehenen Familienangehörigen zu unterstützen. Bei keinem Volke, glaube ich, ist es eine derartige Selbstverständlichkeit wie bei den Juden, daß selbst entfernte Verwandte ihrer Sippe Unterstützung gewähren. Achnlich wie in Galizien war die Lage der Juden in Russisch-Polen, in der Ukraine hatten cs die Juden besser. Aber auch dort herrschte in den Stadien mit jüdischer Massenbevölkern 11g wie in Berditsehew, Sehitomir usw. furchtbare Not. Vor dem Kriege hatte sich die Lage der jüdischen Volksniassen im Osten erheblich gebessert. Der Krieg jedoch warf sie in die alte Not zurück, und jetzt erleben die Juden!1׳ Pulen nnj euch in der Sou |ct-Uf:ra:!!c, hier wegen des LoKihcY.'irtuscliu; Regime.-, 1i;1c Wiederkehr jener traurigen Zeiten, die den physischen und geistigen Bestand der jüdiselten Bevölkerung aufs schwerste erschüttern. M o s e s Waldman 11. Iranerfeter!Br ür. J. N. Siinchooi Der hebräische Klub ״Beth Waad iwri“ veranstaltete am 7. Juni im großen Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde, Rosenstraßc, eine Trauerfeier zum Andenken seines plötzlich verstorbenen Vorsitzenden, des bekannten hebräischen Gclehrten und Schriftstellers Dr. j. N. S i m c h o n i. Baruch Krupnik würdigte die Verdienste des Verstorbenen um den ״Beth Waad iwri“, und verlas eine Anzahl Beileidskumlgebungen führender jüdischer Schriftsteller. Dr. Soloweits chik wies auf die Vielseitigkeit im Wissen und Schaffen von Simchoni hin, dessen reiches Können in seinen Werken noch nicht voll zum Ausdruck gekommen sei. Dozent Dr. To r czy 1t c r charakterisierte die Persönlichkeit Simclionis, der in großer Bescheidenheit seine eigenen Bedürfnisse zurückstellte. M. A. j c r n 111 s k i hob hervor, daß Simchoni die Kultur des Judentums mit der allgemeinen Wissenschaft in harmonischer Weise in sich vereinigte. Joseph Lin würdigte den Entschlafenen als jüdischen Historiker, für den die Geschichte des Judentums nicht eine abstrakte, abgeschlossene Wissen.«(. 11aft. sondern die Konzinnität des Schicksals eines lebendigen Volkes bedeutete. Zum Schluß gab M. G o 11 z e r dem bcliii.cr/e über den großen Vetiu.ü Aufdruck, den der hebräische Kreis in Berlin und die gesamte hebräische Literatur durch den frühzeitigen Tod Dr. Simclionis erlitten hat. Die Trauerfeier hinterließ bei den zahlreichen Teilnehmern einen tiefen Eindruck. Sämtliche Reden wurden m hebräisch gehalten. Der bekannte russisch-jüdische Schriftsteller Andrej So bol beging Selbstmord. Sobol galt als eine der stärksten Begabungen der neuen russischen Literatur. Kurt Blamenfdd in der Schweiz Aut Einladung des Schweizerischen Zionisten verband es kam Herr Kurt Blumenfeld in die Schweiz, um im Rahmen der Ijar-Aktion durch einige Vorträge die zionistische Idee in die Oeffentüchkeit zu tragen, deren jüdisch indifferente Atmosphäre nicht gerade allzu häufig durch zionistische Aktivitat erschüttert wird. Am 15. Mai sprach Herr Blumenfeld in Basel in einer gut besuchten Versammlung über das Thema: ״Der Kampf um den Zionismus“. Er zeigte im Vergleich mit anderen Kolonisationsunternehmungen die einzigartige Aufgabe, die den Juden in Palästina zufällt und schilderte die Versuche und Erfolge der letzten Jahre. Uebergehend auf die Tätigkeit des Keren Hajessod wies er auf die Pflichten hin, die den Zionisten heute innerhalb des Judentums und speziell dem Keren Hajessod gegenüber erwachsen. Am 16. Mai fand in Zürich im vollbesetzten Schwurgerichtssaal eine Versammlung statt, in der Herr Blumenfeld über dasselbe Thema referierte, jedoch hier die Probleme von einer anderen Seite packte. Er entwickelte ein soziologisches Bild der jüdischen Gesellschaft und zeigte die Wirkung, die der Zionismus auf den jüdischen Menschen in seiner Stellung innerhalb der Umwelt ausübt. Die Versammlung, die von weiten Kreisen des westjüdischen Publikums besucht war, was sonst in Zürich nicht der Fall ist, and an der auch einige interessierte Nichtjuden teilnahmen, tolgte■ den Ausführungen, die den meisten bisher völlig unbekannte Gedankengänge aufgezeigt hatten, mit gespanntester Aufmerksamkeit. Herr Blumenfeld nahm ferner noch an der GeneraJver- Sammlung des Schweizerischen Keren Hajessod teil und gab auf dieser in einem ausführlichen Referat ein Bild von den inneren Problemen des Aufbaus, der Fortschritte und Schwierigkeiten der Kolonisation und zeigte die Rolle, die dem Keren Hajessod beim Aufbau zufällt. In persönlichen Unterredungen gelang es Herrn Blumenfeld noch, auf viele unserer Idee nahestehende Menschen einzuwirken und sie zu stärkerer Anteilnahme anzuregen. Sein Aufenthalt in der Schweiz hat nicht nur propagandistisch nach außen einen starken Erfolg gezeitigt, sondern auch den Kreisen der Zionistischen Organisation und des Keren Hajessod neue Impulse gegeben. _ —am—. Zionistischer Midcheatag in Breslau Am 23. Mai fand in BresJau eine Tagung der zionistischen Mädchen Vereinigungen Deutsch- I and s , der Tschechoslowakei und Deutsch- Österreichs statt. Einberuferin der Tagung war der zionistische Mädchenbund ״Ra hei“ in Breslau, den Frau R.-A. Edith Lach mann leitet. Die Verhandlungen fanden unter dem Vorsitz Frau Lachmanns und der stellvertretenden Vorsitzenden Frau Marie Pol 1 a k (Wien) statt. Eingangs der Tagung erstattete Frau Lachmann ein Referat über Ziele und Aufgaben eines gemeinsamen Bundes. In der folgenden Diskussion wurde entscheidendes Gewicht auf selbständige Arbeit der Mädchenvereine gelegt und einstimmig eine Resolution angenommen, wonach die Mädcheuvereinigungen autonom und ־ konstituieren. Dieser Kontinentalbund erstrebt eine nahe Verknüpfung seiner Vereinigungen durch eine zweckvoll organisatorische Struktur, deren Zentralstelle nicht als übergeordnete Behörde, sondern als Vermittlung für den Kontakt der Mädchen vereinigungen untereinander gedacht ist, um die Mitglieder in lebendiger Arbeit zu verbinden. Nicht die erstarrte Form zentralisierter Organisation, sondern lebens- und zweckvolle Tätigkeit neben- und miteinander soll die Arbeit des Bundes charakterisieren. Nach Diskussion der Fragen zu Organisations- und Arbeiteprogiamm wurden die nächsten Aufgaben des letzteren festgesetzt. Diesbezüglich wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der Bund hat die Aufgabe, den bestehenden Vereinigungen Arbeitsmöglichkeiten und Anregungen zu vermitteln und ist für den Austausch der Berichte der einzelnen Vereinigungen des Bundes verantwortlich. Jede Vereinigung hat die Verpflichtung, in den Intentionen des bei der Tagung beschlossenen Programms zu arbeiten. Das Arbeitsprogramm des Bundes wird von den Delegierten am Bundestage festgesetzt. Seine Objekte sind die kultureller und sozialer jüdischer Tätigkeit. Die lokale soziale Fürsorge wird als nationaljüdischc Arbeit den Mädchenvereinigungen empfohlen. Die Arbeit für Chnluzim steht im Programm des Bundes an erster Stelle. Die Vereinigungen haben ״Jung-Juda“-üruppen) deren Mitglieder den Nachwuchs der M. V. darstellen, zu fördern und anzuleiten resp. ihre Aufstellung zu veranlassen. Der C. B. Z. M. V. nimmt als erste Inlandsarbeit das Projekt Dr. Lehmanns auf, des Leiters des Kownoer Hauses für Progronnvaisen, durch weiches P r o g r o m \v a i s e n aas K o w no, R 11 m ä n i e 11 und S u b k a r p a t h i e n in einem Kfarjcladim in E r e z Israel an gesiedelt werden könnten; er wird sich um die Aufbringung von Patronaten für die Waisenkinder und die Einrichtung eines Hauses in dieser Siedlung bemühen. Als überaus wichtig wird die Förderung der Idee der Jüdischen Völkcrbundsliga in den Vereinigungen des Bundes erachtet (Refer. M. V. ״Mirjam“, Wien). im Rahmen des Bundestages sprachen Frau Else R a b i 11 - Hess, Breslau, Frau Marie P o 11 a k , Wien, Frau H a n 11 a Steiner, Prag. Dieser Kontincntalbund ist als eine Jugendorganisation, die durchaus selbständig an einem ernsten aufgabereichen Programm arbeiten wird, überaus begrüßenswert. Er soll und wird der Zionistischen Organisation viele und geschulte Arbeiterinnen bringen, denn er schafft eine Atmosphäre der Gesinnung, die aus der bewußten Hingabe zum Volkstum Ehrfurcht vor Tradition und Vergangenheit mit dem festen Vertrauen auf ein Ziel verbindet. H a n n a Steiner. Das M ü 11 e 1־ - u!1 d S ä u g 1 i n g s 11 e i m des Frauen- Vereins der Berliner Logen U. O. B. B., Berlin N 31, Brunnenstr. 41, Vorsitzende Frau Minna Schwarz, hat laut Erlaß des Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt unter dem 6. Mai 1926, die staatliche Anerkennung als Säuglingspflegeschule erhalten. Die Ausbildung der Schülerinnen wird durch die bisherigen leitenden Aerzte, Herrn Dr. Stephan Steinharter und Herrn Dr. Josef Hirsch gewährleistet. Jährlich am 1. Oktober können sechs Schülerinnen eingestellt werden. Jeder Lehrgang dauert zwei Jahre. Berlin. Sonnabend, den 12. d. M., sprich: im siciioicm Alcichciii-Kluh, Kieiststr. 9, Dr. N. G erg ei über die Ökonomische Lage der Juden in Sowjetrußland. Beginn 9 Uhr. Gäste willkommen.