Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 44 (8.6.1926)
- Date
- 1926-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 324 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 44 Innerpalästinensische Politik Von unserm Korrespondenten. AQ. Jerusalem, den 26 Mai 1926 Koch immer stehen wir in Palästina in einer Periode der Stagnation in wirtschaftlicher Beziehung. Man hat zwar schon aufgehört, das Wort ״Krise“ zu gebrauchen, das noch vor einigen Monaten zur Bezeichnung der Lage mit Vorliebe benutzt wurde. Wenn das so ist, liegt das an einer gewissen Gewöhnung an die Verhältnisse und vielleicht auch daran, daß eine solche Depressionswelle, wie wir sie zurzeit haben, zu lang ist, um mit einer solchen Be- Zeichnung, die etwas Momentanes ausdrückt, charakterisiert zu werden. Verschiedene Maßnahmen der verantwortlichen Instanzen und eine ungewöhnliche Ausdauer der betroftenen Teile des Jischuw, haben uns dazu verholten, daß die Lage, die vielleicht kaum erträglich war, ertragen wird Die wirtschaftliche. Kot war jedoch ein besonders guter Nährbodei! für politische Unzufriedenheit Alles was sich in Jahren angesammelt hatte, an Unmut gegenüber einer ungünstig gesinnten und schwer angreifbaren Administration, gegenüber der Landesregierung, die dem Kolonisationswerk nicht genügend zu Hilfe kam und ihm zeitweise Hindernisse bereitete, fand in der letzten Zeit in konzentrierter Form seinen Ausdruck. Die Fehlgriffe clrr Regierung, vor allem in der Angelegenheit der Verteidigungskräfte, gaben den ■Anstoß dazu. Welche Anstrengung kostet den Juden die Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit und wie leicht könnte die Regierung bei öffentlichen Arbeiten hier zumindest teilweise Wandel schaffen! Fs ist also kein Wunder, daß die palästinensische Presse heute voll ist mit Klagen und Forderungen der Regierung gegenüber Man sollte nun denken, daß die Regierung, die von jüdischer Seite in letzter Zeit scharf kritisiert wird, als Aequivalent, das Wohlwollen und die Anerkennung des anderen Teiles der Landesbevolkerung genieße. Aber das Gegenteil ist der Fall Als der neue High Commissioner sein Amt übernahm, gUubten die extremen Nationalisten unter den palästinensischen Arabern ihren Tag gekommen Die Einsetzung eines Generals, der keiner Neigung zum Zionismus verdächtig war, an die Stelle des jüdischen Vortingers, schien ein großes Zugeständnis an die nichtjüdische evölkerung. Und die chauvinistischen Elemente unter der Führung von Kasim Pascha machten sich auch sogleich ans Werk, indem sie den neuen Oberkommissar jene Memoranden vorlegten, die kein Gehör fanden. Dann wartete man ab. Es mußte schließlich eine Wendung eintreten. Und sie trat in der Tat, vor allem nach Ansicht der Juden darin in Erscheinung, daß eine gewisse passive Resistenz Platz griff, die geeignet war, uns das Leben und die Arbeit im Lande zu erschweren. Aber für die Araber, oder den Teil derselben, die sich die Bekämpfung des Zionismus zum Ziele gesetzt haben, war das unbedeutend. Es kam ihnen wohl auch kaum zum Bewußtsein, da es sich in der Hauptsache nicht um Taten, sondern um Unterlassungs- Sünden der Administration handelte. Nun ist es interessant zu beobachten, wie sich die Kampfeslust der Araber andere Wege und andere Ziele suchte. Gegen den High Commissioner selbst war wenig zu sagen und noch weniger zu tun. Denn es war ganz offensichtlich, — und arabische Zeitungen haben das ausdrücklich betont — daß seine Hauptaufgabe nicht in der inneren Administration des Landes lag. In der letzten Zeit nun hat sich die Front der arabischen Nationalisten gegen den Zivilsekretär, Colonei Symes, gewandt. Der Angriff geht vom Jaftaer ,,Phalestin“ aus, der einen heftigen Artikel gegen Symes gebracht hat, in dem ihm als schwerste Sünde Neigung «mm JüoBisnw ״wgeWffU ,,Dieser. Ueoerfali auf Symes, kurz bevor er ins Ausland reist, um an der Sitzung der Mandatskommission als Bericht• erstatter der palästinensischen Regierung teilzunehmen, kommt unvermittelt, nachdem, außer, kleinen unbedeutenden Fällen, sich keine starke feindliche Aktion gegen die zionistische Arbeit im Lande bemerkbar gemacht hat. Die arabische Welt Palästinas war in letzter Zeit bewegt durch den Versuch einer Einigung der Parfeien, der von dem Aegypter Achmed Zakki Pascha ausging.. Der Versuch, die verschiedenen arabischen Parteien zu einigen, ist bisher immer daran gescheitert, daß die ״arabische Exekutive“, die Leitung der christlich-moslemischen Klubs unter Musa Kasim, nicht von ihrer diktatorischen Vorzugsstellung lassen wollten. Die beiden anderen Parteien, die ״Nationalen“ und die Fellachenpartci konnten jedoch den Wahlen zu einem allpalästinensischen Araberkon'greß nur /!!stimmen, wenn demokratische Wahlen im vollsten Sinne des Wortes garantiert wurden. War das nicht der Fall, so mußte von vornherein klar sein, daß die Lage ebenso bleiben würde wie früher, d. h, daß die Partei Musa Kasims an ihrer Vorherrschaft festhalten und dieselbe Politik wie bisher weiterführen würde. Die von Achmed Zakki Pascha nach Jerusalem einberufene Konferenz, die unter anderem wieder über die Einberufung des Kongresses der palästinensischen Araber zu beschließen hatte, ist in gcwissen! Grade zu einer Einigung gelangt. Es wurde zwar keine Wahlkommission direkt eingesetzt, sondern ihre Einberufung Musa Kasim überlassen, aber der Gesamteindruck der Tagung und die Persönlichkeit Achmed Zakkis lassen darauf schließen, daß dieses Mal doch ein gewisser Schritt zur Einigung gemacht worden ist. Die jüdische Presse im Lande schätzt die Konferenz in diesem Sinne ein und die arabische Delegation zur Kalifatskonferenz in Kairo hat sich auch günstig über die Beratungen geäußert. Es gibt Leute in Palästina, die einer Einigungsbewegung der Araber mit Besorgnis entgegensehen. Diese Anschauung kam auch an einzelnen Stellen in der Presse, wenn auch mit viel Zurückhaltung /um Ausdruck. Man fürchtete vom Zusammenschluß der verschiedenen Parteien eine Verstärkung der Angriffe gegen unsere Kolonisationsarbeit im Lande, gegen die Einwanderung, gegen die Bodenkäufe, gegen die verschiedensten Maßnahmen, die wir zur Entwicklung des Aufbauwerkes nötig haben. Zuerst einmal muß es klar sein, daß selbst, wenn es so wäre, wenn die Einigungsbewegung der Araber uns nicht zum Guten ausschlüge, wir gegen diese Dinge ä la longue nichts ausrichten könnten. Dieser Prozeß muß kommen, sobald sich der palästinensische Araber entwickelt und wir tragen durch unsere Kulturarbeit im Lande jeden Tag m seinem Aufstieg bei, ob wir es wissen und wollen oder nicht. Es mag sein, daß diese Einigung noch lange Zeit brauchen wird, daß die Zersplitterung sich noch lange hält. Denn die Einigung, die auf der genannten Konferenz erzielt wurde, ist nichts als ein Beginn, sie muß sich erst bewähren, sie kam! bei der ersten Meinungsverschiedenheit wieder zerfallen. Aber dieser Prozeß ist nur eine Frage der Zeit. Und abgesehen davon, daß wir gegen diese Entwicklung nichts tun können, haben wir von einem Zusammenschluß der arabischen Parteien vielleicht manches zu hoffen. Es gibt heute noch keine öffentliche Meinung der Araber Palästinas. Wenn diejenigen, die heute die Geschäfte des Volkes führen, immer und immer wieder betonen, daß sie im Namen der ״ganzen Nation“ sprächen, so geschieht das vielleicht aus dem einfachen Grunde, weil aas nicht so selbstverständlich ist, daß man es nicht mehr zu sagen brauchte. Ein großer Teil der palästinensischen Araber hat heute vielleicht überhaupt keine politische Meinung oder er nimmt sie von den führenden Gruppen fertig an. Ein Zusammenschluß der Strömungen wurde der Bewegung mehr Kräfte geben, die außer den heute aktiven Personen, die sich gegen den Zionismus stellen, auch andere An• sichten an die Oberfläche bringen können und würde vielleicht auch zu einer gewissen breiteren Aufklärung der Massen führen. Damit wäre es möglich, daß neben der Stimme der arabischen Exekutive auch die anderen Gruppen zu Worte kämen, daß wirklich eine Meinung des Volkes sich herausbildete und wir damit eine geeignetere Basis für Verhandlungen bekämen. Auch Achmed Zakki Pascha soll, nach den Berichten, die die Presse gebracht hat, der Ansicht sein, daß diese Einigungsbewegung von den luden Palästinas zu begrüßen sei, weil sich auf die. Dauer die Mehrzahl der Araber der Erkenntnis nicht verschließen könnte, daß der Aufbau des Landes durch die Juden auch den Arabern zum Segen gereiche. Eines freilich ist Voraussetzung dafür, daß die eventuelle Bildung des arabischen Kongresses für die Juden zu nutzen sei: Daß wir ihn zu nutzen verstehen. Wir wollen heute nicht wieder damit anfangen, zu kritisieren, daß es keine systematische Verbindungspolitik mit den Arabern hei uns gibt. Obwohl es sicher auch n:־ht genügt hat, daß der oder jener Journalist oder Privatmann mit Zakki Pascha eine Unterhaltung gehabt hat. als er im Lande war, anstatt daß man diese Gelegenheit gründlich ausgenutzt hatte. Aber es ist ausgeschlossen, daß eine Annäherung der Araber nur dadurch zustande kommt, daß sie sehen, daß wir ihnen nicht Schaden, sondern Nutzen bringen. Man muß es ihnen sagen und beweisen. Das Memorandum, daß die Araber in diesem Jahre der Mandatskommission überreichen, ist gemäßigter als die früheren und auch im Lande hat es den Anschein, als ob wir in eine ruhigere Periode eingetreten seien. Und es sind auch unterdessen einige Kräfte herangewachsen, die für eine solche Arbeit geeignet sind Fs gibt heute bereits eine, Anzahl von Leuten im Lande, die die arabische Sprache beherrschen und damit das schwerste Hindernis, das uns von unserem Nachbarvolke. trennt, überschritten haben. Fs fehlt bisher noch an einer wirklich arbeitsfähigen Stelle für derartige Zwecke Sie zu schaffen ist eines der dringendsten Ziele unserer praktischen Politik Die Del ■Pipeline vo■ Massai lieh Ball« Die ״Daily News“ vom 28. Mai schreibt unter dem Titel ״Der britische Korridor“: In den gegenwärtigen Verhandlungen in Angora über die Oelfrage wird dem bemerkenswerten Projekt der Anglo- Persian Oel Company der Anlegung einer Oil-Pipeline aus Persien und dem Irak nach dem Mittelmeer besonderes Interesse zugewandt. Die Pipeline soll eine Länge von fast 700 Meilen haben: man plant ihren Verlauf von Khanikin an der Irak-Persien-Grenze bis zu dem palästinensischen. Hafen H a i t a, quer durch die syrische Wüste. Es ist dies derselbe Weg wie der der Luftpost. Es wird beabsichtigt, entlang der Pipeline auch eine Eisenbahnlinie zu bauen. Das Unternehmen hat ziemliche politische Bedeutung, denn es läuft auf die Bildung eines Verbindungskorridors hinaus, der gleichzeitig für Palästina und Transjordanien als Schutzbarriere gegen die Wüstenstämme Nordarabiens dienen wird. Hinzu kommt, daß das anglo-persische Projekt dem Plan der Türkischen Petroleumgesellschaft, eine Pipeline entlang dem Nordrande Syriens bis nach Alexandretta zu legen, entgegenwirken soll Diese Linie sollte unter dem;•< gemeiBSfinien. j^anzäsisehen und.. türkischetC Schute'; stehen ״. Die britischen Behörden bevorzugen den Weg durch den sogenannten ״britischen Korridor“. Der ״britische Korridor“ ist entstanden durch die Verträge Sir Gilbert Claytons mit Ibn Saud. Eile elektrische Bali aal dei Karael Der ״Mukatam“ berichtet, daß Ingenieur Rutenberg mit der Stadtgemeinde von Haifa Verhandlungen pflegt über die Einrichtung einer elektrischen Verbindung zwischen der Stadt und dem Karmelberge, die die Erreichung des Karmels in ungefähr zehn Minuten ermöglichen soll. Es soll zwischen der Stadtgemeinde und Rutenberg bereits zu einem Einvernehmen gekommen sein. Es wird Jetzt noch darüber verhandelt, an welcher Stelle die Linie in Haifa beginnen soll, ob am östlichen oder am westlichen Ende der Stadt oder im Zentrum. Es unterliege, schreibt der Haifaer Berichterstatter des ״Mukatam“, keinem Zweifel, daß in Bälde an die Ausführung des Projektes geschritten werden wird. Ceieralversimniu! der Arbelterbaik In Anwesenheit der Direktoren Aronowitz, Kaznelson, Dr Ruppin, Rosoff und Sprinzak fand vor kurzem die 4. General- Versammlung der Palästinensischen Arbeiterbank statt. Der Bericht der Geschäftsleitung wurde durch Herrn Aronowitz erstattet, der auf die Entwicklung der Bank und die Förderung der Arbeiterunternehmungen durch sie hinwies. Im Laufe des Geschäftsjahres wurden mit Hilfe der Arbeiterbank drei Leihkassen in Tel-Awiw, Jerusalem und Haifa gegründet. Trotz der Krise haben die Depositen der Bank zugenommen. Er schlug vor, vom Reingewinn, der 5300 £ beträgt, eine Dividende v o n 5 °0 zu verteilen, dem Reservefonds 1700 £, verschiedenen Institutionen 500 £, dem Keren Kajemeth und den Arbeitslosen je 100 £ zuzuweisen. Ueber den Vorschlag der Dividendenverteilung entstand eine rege Diskussion, da ein Teil der Anwesenden die Zeit für Verteilung einer Dividende noch nicht für gekommen erachtete. Der Vorschlag der Leitung auf Vertonung einer fünfprozentigen Dividende wurde mit 34 gegen 1 Stimmen angenommen. Der übrige Reinertrag wurde wie folgt verteilt: Reservefonds 1500, Histadruth 500, Darlehen für Bauten der Histadrutli zur Beschäftigung der Arbeitslosen 300, Keren Kajemeth 100 £. Die ausscheidenden Direktoren B. Kaznelson und E. Berlin wurden wiedergewählt. Das Kapital 1022 .£ 30.000 1023 . 60.000 1024 . 100.000 1025 . 100000 Aktiva u. Passiva 4־84.457.5 £ ... 1022 118.461.052 ״ ... 1023 175.062.822 1024 176.081816 . 1025 Reingewinne 1022 .£ 675 2.100 ״. 1023 3.100 ״. 1024 5.300 . 1025 "11.175״£ Bar in der Kasse und in Banken 1022 ... £ 6.810,510 6.804,162 ״ ... 1023 17.441.003 ״ . . . 1024 25.406.288 ״ ... 1025 Depositen 1022 ... £ 10.180.043 11.101.072 ״ ... 1023 33.633.362 ״ , . . 1024 43,312.275 . 1025 ln Haifa wurde unter Leitung von Frau Dr. Chassün eine Zweigstelle des Jerusalemer Pasteu»lmtitutes eröffnet. Die Jaden ln rtnäniseke■ Parlament Bukarest, 1. Juni. (J. TA) Dem rumänischen Parlament werden nach dem Ergebnis der letzten Wahlen die folgenden fünf jüdischen Mitglieder angehören: Jaruslav i c i, M Wurmbrand, M. Gutnik, A. Gluendrich und Dr. Mayer Ebner. Jaruslavici ist Unterstaats- Sekretär des Handelsministeriums und der erste Jude in Rumänien, der Regierungsmitglied geworden ist. Gutnik war einst Bankdirektor in Odessa, nach der russischen Revolution wurde er Handelsminister im Kabinett des Hetmans Skoropadsky. Sein jetziger Wohnort ist Kischinew. Dr Mayer Ebner ist der Führer der jüdischen Einheitspartei in der Bukowina und Präsident der Bukowinaer zionistischen Landesorganisation, sowie Gerent der Czernowitzer israelitisehen Kultusgemeinde. — Die vier Senatsmitglieder sind־. Oberrabbiner Zirelsohn in Kischinew, Gutnik in Chotyn, Streitmann in der Bukowina und schließlich Herr IIje Mendelsohn aus Jassy, der als der Vertreter der Jassver Handelskammer in den Senat einzieht. Herr Mendelsohn ist Zionist und Mitglied des nationaljüdischen Klubs. Die Wahl Moselckls Warschau, 2 Juni (J T A) ln führenden polifischen Kreisen Polens ist man sich klar darüber, daß die 46 Stimmen der im Jüdischen Klub vereinigten Deputierten und Senatoren schon bei der ersten Wahl des Marschalls Pilsudski eine Rolle spielten, insbesondere aber bei den nachmaligen zwei Wahlgängen, die schließlich zur Wahl des Demokraten Prof. Ignaz Moscicki geführt haben. Hätten die jüdischen Parlamentarier nicht einheitlich für Moscicki gestimmt, so hätte er beim zweiten Wahlgang nicht die absolute Mehrheit erhalten und die Gefahr neuer politischer Wirren wäre heraufgezogen. Nach der erfolgten Wahl von Moscicki haben denn auch der Ministerpräsident Prof. Bartel und der Justizminister Makowski dem Präsidenten des Jüdisehen Klubs, Abg Harfglaß, gegenüber Dank und Anerkennung für die geschlossene demokratische Haltung des Jüdischen Klubs ausgedrückt, EröHaug des!italische! Sejm Köwno, 3 Juni (J T. A ) Gestern spätnachmittags trat der neugewahlte Sejm zusammen. Das Alterspräsidiura übernahm der jüdische Abgeordnete Finkeistein als das älteste Mitglied des Hauses. Ursprünglich hieß es, Abg. Finkeistein wolle, um einer antisemitischen Hetze vorzubeugen, auf das Alterspräsidium zugunsten des nächstältesten litauischen Abgeordneten verzichten. Man kam aber überein, den reaktionären Parteien keine Konzessionen zu machen, noch weniger bei Beginn der Tätigkeit des neuen Sejm, der ein Ausdruck des demokratischen Willens der litauischen Bevölkerung ist. Die Rede des Alterspräsidenten fand starken, langanhaltenden Beifall aut sämtlichen Abgeordnetenbänken. ln den Besprechungen der Parteiführer wurde den Minderheiten ein Platz im Präsidium des Sejm reserviert. Der deutsche Abgeordnete Kinderis wurde zum ersten Sejmsekretär gewählt. Das Präsidium der Warschauer ÜDlUugemeiide Wir haben berichtet, daß zum Vorsitzenden der Warschauer Kultusgemeinde der Sejm-Deputierte und Mitglied des zionistischen Aktionskomitees Heschel Farbstein gewählt wurde. Dies hat zu Mißverständnissen Anlaß gegeben. Farbstein ist Vorsitzender der Kultusgemeinde-Verwaltung (entsprechend dem ״Vorstande“ der Berliner Jüdischen Gemeinae). Präsident der Warschauer Repräsentanten- Versammlung ist der agudistische Sejm-Abgeordnete Ktac}1bta«n»;.־.- ׳׳... :;Uze■״:־.- ■ Die Berliner Gemeinderatiwahlen Im Gemeindeblatt der Berliner Jüdischen Gemeinde vom 4. Juni sind die amtlich festgestellten Wahlergebnisse der am 16. Mai vorgenommenen Wahlen der Berliner Jüdischen Gemeindc lauten: veröffentlicht. Die endgütlig festgestellten Zahlen Stellvertreter 3 5 1 0 0 t ־nr Stimmen Mandsfe Liste 1 Jüdische Volkspartei 16392 8 Liste 2 Liberale 23166 10 Liste 3 Poale Zion 2143 0 Liste 4 Arbeitnehmer 287 0 Liste 5 Konservative 2902 1 Liste 6 Mittelpartei 5 543 2 Zusammen; 56 433' ""'$1. Kleine Nacbrlehlen Louis Lipsky, der am 25. Mai zu einer kurzen Beratung in London eingetroffen war, ist nach Amerika zurückgereist, um an der Jahreskonvention der amerikanischen Zionisten teilzunehmen. Die Eröffnung der dritten Messe des Nahen Ostens in Tel-Awiw wurde für den 23. September 1926 festgesetzt. Wie uns mitgeteilt wird, hat der Engere Rat des Preußtsehen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in seiner letzten Sitzung beschlossen, dem Großen Rat vorzuschlagen, den Verbandstag für!926 zum 17. Oktober einzuberufen. Die englische Zionistenkonferenz in Leeds hat eine Protestresolution gegen die Verfolgung des Zionismus in Rußland angenommen, die der Sowjetmission in London überreicht werden wird. Der Gesundheitszustand von Israel Za ngwill, der vor einigen Tagen einen Nervenzusammenbruch erlitt, hat sich etwas gebessert. Er wurde in einem Erholungsheim untergebracht. In der vergangenen Nacht vom 3. Juni brach im Ge• schäftsviertel von Dünaburg ein Schadenfeuer aus, das einige hundert jüdische Läden vernichtete. Unter den Mitgliedern des soeben gewählten und vom Rate der Volkskommissare ratifizierten Obersten Rates für Wehr und Arbeit befinden sich 4 Juden: Sokolnikow, Kante• new, Frumkin (Vizeminister für Handel) und Scheinmann (Direktor der Staatsbank). Wie bereits mitgeteilt, hat Sir Herbert Samuel eine Rede über die jüdische nationale Heimstätte ins Grammophon gesprochen. Diese Rede ist durch alle Vertretungen der Fa. Linaström A.-G., Berlin und der Parlophone Co., London, eventuell auch durch die Vermittlung der Keren Kajemeth Landessammelstellen zum Preise vom 2 sh 6 d zu haben. Das jüdische theologische Seminar in New York verlieb Bialik den Ehrentitel eines Doktors der hebräischen Literatur. Die letzte Nummer der ״Literarischen Welf' ist dem großen Dichter und Menschen Franz Kafka gewidmet, dessen Todestag sich am 3. Juni zum dritten Male jihrte. Die Nummer enthält Aufsätze von Max Brod, Felix Weltseh, Willy Haas, und vor allem Fragmente \on Kafka selbst.