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Jüdische Rundschau · 1926-06-04 · Heft 43 (4.6.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 43 (4.6.1926)
Date
1926-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 310 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr, 42 ״Hygiene der Juden“ au! der Gesolei Pro und Contra 1. Die jüdische Ausstellung, Von Df. A d 0 i f Sind! e r, Düsseldorf. Am Nachmittage des S. Mai, dem Eröffnungstage der großen Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen in Düsseldorf, fand in einem kleinen, durch seine eigenartige Form sich aus dem Rahmen der übrigen Gebäude heraushebciiden Pavillon die Ucbergabe der Ausstellung ״Hygiene der Juden“ an die Ocffentlielikcit statt. Eine wirklich nicht leichte Arbeit, die man werten muß nach dem, was hinter den Dingen stellt, hatte hiermit ihren sichtbaren Abschluß gefunden. Wenn man die prunkvolle Anlage der großen Ausstellung durchschreitet und zu dem relativ kleinen jüdischen Pavillon kommt, ist man so erfüllt von der Großzügigkeit all der Dinge, die man gesehen hat, daß es einer Umstellung bedarf, um dem jüdischen Werke gerecht zu werden. Die Mittel, um durch großartige Aufmachung einen von vornherein überwältigenden Eindruck auf den Beschauer zu erzielen, sind nicht vorhanden gewesen, und batte man sie gehabt, so wären sic nicht verwandt worden. Es kam darauf an: Wie groß’ und wie zahlreich sind die Probleme, die zur Darstellung gelangen, und wie wählt mail die bescheiden sten Mittel, die geeignet sind, die behandelten Probleme anschaulich zu machen. Würdigkeit, nicht Glanz war die Parole. Die Idee der Ausstellung war von einer bisher unerhörten Kühnheit. Beabsichtigte sie doch das lebendige Judentum in seiner Sonderheit vor das breite öffentliehe Form zu bringen. Es ist wichtig, zu betonen, daß die iXisscklorfcr Ausstellung der erste bislang unternommene Versuch dieser Art ist. Wohl haben in Dresden, Stuttgart und Köln jüdische Ausstellungen stattgefunden, aber sie haben sich darauf beschränkt, Historisches zu bringen, Dinge, die nur der äußere Ausdruck einstiger Lcbcnsfiillc, jüdischer Lebensförderung warm. Tot und ’nüchtern muteten die Gegenstände an, die dort zur Schau gestellt wurden. Das lebendige Judentum fand keine Erwähnung. Versuche, lebendiges Judentum ausstclhmßsfäliig zu zeigen, sind in größerem Umfange in London und Wien gemacht worden. Aber sic haben nur Palästina, nur ein - wenn auch das bedeutsamste — Problem der modernen Judcnhcit behandelt. Zudem wurde hei diesen Ausstellungen nicht der Versuch unternommen, die Ideen, unter denen sich in Mühen und Kämpfen der neue jüdische Mcnschcntyp in Palästina entwickelt, darzustcllen. Man bemühte . sich vielmehr in Hild mul Statistik einen Ucberblick über die Ent* Wicklung der Kolonisation zu geben und in der Schau von Landesproduktcn und gewerblichen Erzeugnissen eindrucksvoll die Verdienste der Juden 1111! die Erschließung Palästinas aufzii/cigcii. Dazu kommt noch, daß infolge technischer Schwierigkeiten in Wien die äußere Aufmachung keine besonders glückliche und der Rahmen ein enger war. In Diisseidort stellt der Pavillon ,.Hvgienc der Juden“ inmitten der zahlreichen Hallen der großen Ausstellung und zieht für jüdische Ausstdlungsverhältnisse bisher ungeahnte Massen von Besuchern an. 3000 bis 4000 Menschen wandern täglich durch seine Räume, ja, es waren schon Tage, wo die ßcsucherzahl mit 10 000 nicht zu hoch angemessen ist. Es ist das Verdienst der Svnagogengemeinde Düsseldorf und ihrer entscheidenden Männer, den Mut gefunden zu haben, die Einheit des Judentums und seine Lebendigkeit der Kritik der breitesten Ocffentlielikcit auszusetzen. Nun ist der Bann gebrochen. Die ersten Arbeiten sind getan. Es haben sich Menschen gefunden, die sich uneigennützig in den Dienst der jüdischen Arbeit gestellt haben, und es ist sicher, daß auf Grund der nun weitergehenden Forscher- und Sammelarbeit 'dl* ftüthstr׳ 'große Ausstellung in g£ftz4'׳M<ferem׳ M*8e',n0cH berufen sein wird, die jüdischen Probleme zu beleuchten. In wenigen Worten soll nun ein Aufzeigen der hauptsächlichen Grundideen versucht werden, die im jüdischen Paviilon ihre Darstellung finden, im weihevollen Mittelraum fesseln 8 Reliefs den Bück. Hier hat Bildhauer Fleisch- Hacker sich wundervoll eingetuhlt in die schweren und tief in das Sittengesetz sich eingrabenden lcbensförderndcn Gebote des jüdischen Gesetzes. Nur einige Motive seien erwähnt: ״Sahbatlieilignng, Sabbatruhe, Ehegesetze, Fürsorge für den Schwachen und Armen“, alles Kernpunkte unserer Lehre. Der Rundgang führt an der Sabbatstubc vorbei. Wie manche haben gefragt: Was hat die Sabbatstubc mit Hvgienc zu tun? Die Frager werden ihre Frage nicht mehr wiederholen, wenn sie in den Vorraum zur Stube getreten sind. Diese Sabbatstubc war für unsere Väter nicht der Salon, in den die Gäste geführt wurden; sie war in ihrer Traulichkeit und nervencntsnaimenden Ruhe, ihrer Weltenferne von dem Getöse des Alltags, der Jungborn der Erholung von der mühseligen Woche. Körperliche und seelische Ruhe, Hygiene. Grundlage für eine besondere ״Hygiene der Juden“ ist die Kenntnis von den Besonderheiten der jüdischen Konstitution, von ihrer Biologie und Pathologie. Hier sind in den letzten ״Lernen׳* führt, und endlich S. Goldschmidt noch eine Uebertragung der ״Zcena l.Jrcilna“ (leider nur zu einem Teile) gibt, so bekommen wir in diesem Buche ein reichhaltiges Material, das den Gelehrten wie den Laien in vorzügiieher Weise in ein Stück lebendigen oder noch fortlebenden Judentums einführt. Daneben sollen kleine Dinge nicht an dieser Stelle bemängelt werden. Wenn gelegentlich ein Autor über die deutsche Sprache stolpert, oder wenn hebräische Ausdrücke nicht immer konsequent umschrieben werden, so wird das an anderer Stelle berichtigt werden. Aber ein Wunsch darf doch hier ausgesprochen werden. Wenn man das Leben von Juden im Ghetto darstellt, so soll man auch, wenn man in schöner und oft wuchtiger hochdeutscher Sprache diese Fh'nge zur Darstellung bringt, doch nicht die Sprache dieser Juden seihst in ein quasi Hochdeutsch verwandeln. Wenn man den Satz; ״Thoire ist die beste S'dioire״ ins Hochdeutsche übersetzen will, so kann man natürlich nicht sagen: ״Thora ist die beste S'chora“. Dann muß man schon das wirkliche deutsche Wort auch cinsetzen. Es ist aber geeigneter, in allen solchen Fällen die Originalaussprache der jüdischen Mundart ungeändert beizubehaltcn. So sagt man überall der ״Pinkes“ der Gemeinde. Daß es griechisch ״pinax“ heißt, gehört in das etymologische Wörterbuch. Daß man solche kleinen Ausstellungen zu machen hat, zeigt die richtige Anlage des gesamtem Jahrbuchs. Wenn wir aber einen Wunsch aussprechen dürfen, so ist cs der, daß neben den großen und wertvollen Abhandlungen auch, wie in früheren ״Mitteihingen“. namentlich auch wieder die kleinen Beiträge gcbracht wurden. Es gibt heute schon eine ansehnliche jüdische Literatur auf dem Gebiete jüdischer Volkskunde, besonders auch in hebräischer, jiddischer und jetzt schon spaniolischcr Sprache. Das Verdienst, diese Studien auf allen Gebieten angeregt zu haben, gebührt dem Herausgeber des vorliegenden ״Jahrbuchs für jüdische Volkskunde•‘. Heinrich L 0 c w c. Soeben ist ein neuer Katalog des Naturhistori- *eben Museums ln Jerusalem in hebräischer und englischer Sprache erschienen. Jahrzehnten zahlreiche Forschungen vorgenommen worden. Gegenüber der Sabbatstube, im Raum ״Der jüdische Mensch“, finden sic ihre anschauliche Darstellung. Da sehen wir z. B. das ausgezeichnete Schaustück ״Die Verbreitung der Juden aut der Weit“ und sehen als warnendes Menetekel die Schaubühne, die das Nachlassen der Geburtenziffer des deutschen Judentums zeigt. Von der Sabbatstubc aus führt der weitere Weg an der Darstellung der Wohlfahrtspflege des deutschen Judentums, seine Anstalten -- hervorzuheben ist das aus* gezeichnete Relief des Arbeiterfürsorgeamtes in Berlin —, vor* bei zum Raum der Fürsorge für die Jugend und zu dem erschlitternden Raume der jüdischen Wandeningen. Hier zeigt sich in nüchternen Zahlen das unendliche Eiend großer Massen der Juden, die gezwungen sind, zum Wanderstab zu greifen und in neue Kontinente zu ziehen. Und dann kommt ein heiler, lichter Raum — Palästina. Hier ist der Versuch unternommen worden, ein anschauliches Bild von der jüdisehen Kolonisation in Palästina zu geben, deren Zweck ist, ein gesundes kräftiges Geschlecht auf eigener Scholle heranzuziehen. So ist denn die Parole dieses Raumes, Darstellung An unsere Abonnenten! Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. Juli 1926 ab zu liefernden Exemplare bis zum 15. Juni. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die ״Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, In den ersten Junitagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, in Ihrem eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, daß diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Juni 1926. Verlag Jüdische Rundschau“ Berlin W15, Melnekestraße 10 der Arbeit. Urbarmachung des versandeten Bodens, die großartige Sanierungsarbeit im Kampf gegen die Malaria und die anderen Krankheiten des Landes, Aufforstung, Landwirtschaft, Schulhygiene, Sport und vieles andere wird gezeigt. Der jüdische Pavillon ist kein Schaustück. Er kann nicht bei raschem Durchgang verstanden werden. Was dort gezeigt wird, bedart der längeren Befrachtung und des Nachdenkens. Viele tausende von Juden und Nichtiuden sehen hier auf. einmal eine ihnen völlig ungewohnte Betrachtungsweise jüdischer Probleme. Unaufdringlich bietet sich ihnen die Fülle jüdischer .Werte dar. Unzweifelhaft wird bei vielen etwas haften bleiben and viele werden das Bedürfnis verspüren, auf Grund der gewonnenen Anregungen durch Selbststudium mehr zu erfahren. Dieses Bedürfnis zu wecken ist die Aufgabe der jüdischen Ausstellung, ihre Aufgabe nach innen und nach außen. If. Flic krillsche Stimme Abteilung GE 11. Sondergruppe. Das Haus ״Hvgienc der Juden“ auf der ״Großen Ausstellung, Düsseldorf 192 6“ ist nicht bloß architektonisch von den übrigen Pavillons verschieden. Die Ausstellungsart weicht nämlich von der üblichen, die auf der Gesolei ein gutes Niveau hält, leider allzusehr ab. Darüber einige Worte: Man hafte auf dieser Ausstellung, wie etwa auch in Wembley, die Wahl (trotz der Stellung des engeren Themas H v g i e!1 e), eine allgemein repräsentative indische Aus- Stellung zu veranstalten oder eine wirklich einheitliche Schau unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitspflege darzubieten. * Die erste Art hätte zum Ziele geiiabf. gegenwärtiges jüdisches Leben wie vergangenes zeigend, Verständnis für Judentum und jüdisches Volk bei den Beschauern zu erwecken; die zweite Art wäre vielleicht dem Rahmen der Düsseldorfer Ausstellung entsprechender gewesen und hätte einen svstcmatischcn Ucberblick über die großen Leistungen auf sozialem und hygienischem Gebiet gehen müssen, die die Welt dem jüdischen Volke zu verdanken hat. * Aber weder für die eine, noch für die andere Ausstclhmgsart wurde eine klare Entscheidung getroffen. Und so entstand denn ein 1m\viirdi|T-di!ettn11f:se!1es Ausstellungskongiornerat, das nach jeder Richtung hin abgclchnt werden muß. * In zweifellos fleißiger Sammelarbeit wurden in einer Weise, deren System man auch heute noch nicht erkennen kann, fast keine wirklich jüdischen Dinge, sondern im wesentlichen nur Darstellungen einiger jüdischer Dinge zusammengetragen, die. in einer von jedem Warenhausdekorateur belächelten kindlichen Art ausgestellt, keinen anderen Wert und keine andere Bedeutung besitzen, als daß sic irgend etwas mit Jüdischem zu tun haben. * So mußte denn unbedingt eine Menoral! am Eingang stehen, mußte eine dunkle Schabbesstuhe ״eine Empfindung von deni Zauber geben, den der Sabbat dem jüdischen Hause verleiht“ (zu so schneller Empfindungsvermittlung müßte man Zauberkünstler sein), mußte der Versuch gemacht werden, in pathetisch-niedlichen Reliefs eine Darstellung des Judentums ״in aller Kürze“ zu geben, die nur zu billigen Witzchen reizt, mußten Typen von Juden nach vollkommen untypischen, willkürlich zusainmengestellten Paßbildern des Arheiterfürsorgeamtes den Eindruck eines Verbrecheralbums hervorrufen usw. * Drei schöne Räunjc .Palästina“, in denen das ganze vorzügliche Material des Waad Habriuth ausgestellt ist, sind ebenfalls leider keine irgendwie repräsentative Ausstellung. * Wenn man schon dem Besucher von dem neuen Leben in Palästina einen durch Bilder und Statistiken festgestellten papierenen Eindruck vermitteln konnte (denn man hatte leider von der Palästina-Ausstellung in Wien nichts gelernt), dann hätte man durch übersichtliche und klare Darstellung das Abiesen trockener Statistiken erleichtern sollen. * Statt dessen hat man die Angaben derart in vielfarbiger, das Auge unruhig machende Ornamente eingepackt, daß der Beschauer cs bald aufgibt, aus dem bunten Wulst das herauszuwickeln, was gezeigt werden solL * 11! Glasvitrinen kann man aber auch noch sehen, wie, durch Pilppchen dargestellte Chaluzim arbeiten, wie ein Kinderarten in Ain Charod betrieben wird, und wie Jerusalem, jn appmacluf unkenntlich verbaut, gekrönt von der durch rote Mariengiasfensterehcn feenhaft beleuchteten Omarmoschcc aussicht. ’ ♦ Es ist sction schandbar, Kindern im Anschauungsunterricht an derartigem Kitsch ein verlogenes Bild der Wirklichkeit nt geben. Wenn aber das gleiche bei dem Ausstellungsobjekt Palästina geschieht, so zeugt das von einem ünglaubliehen Mangel an Distanz und Respekt vor wirklicher Leistun» und schadet unerhört. ♦ .Die an Steile aufklärender Wirkung durch den jüdischen Pavillon der Gesolei erzeugte Komik ist mit der Riesensumme, die man bei jüdischen Gemeinden gesammelt hat, wirklich etwas zu hoch bezahlt. Martin Ledermann. Die Jointarbelf 1■ Rußland Dr. James N. Rosen b erg aus New York, Vize- Präsident des, Joint, und Dr. Bernhard Kahn, der Direktor des Europawerks des Joint, sind soeben aus Rußland, wo sie in einem mehrwöchigen Aufenthalt die Lage der jüdishen Bevölkerung in den Städten und den Fortgang des Sicdlungswerkes auf dem Lande eingehend studierten, nach Berlin zurückgekehrt. Vor Pressevertretern schilderte Herr James N. Rosenborg seine Eindrücke über den Fortgang des jüdischen Aufbauwerkes in Rußland. Die Mitteilungen wurden durch Herrn Dr. Bernhard Kahn an Hand von Landkarten ergiinzt. Es kam dann zu einer Aussprache. Den Dartegungen der beiden Herren ist zu entnehmen; Sehr trübe Eindrücke empfängt man, wenn man in Rußland das jüdische ökonomische Leben studiert. Der einzige Lichtblick ist gegenwärtig das auf dem Lande vor sich gehende Sicdlungswcrk. In Moskau, Odessa, Simfcropol. Cherson usw. sprachen wir mit Repräsentanten des jüdischen Lebens in Rußland sowie mit zahlreichen jüdischen Siedlern, endlich auch mit führenden Männern der Regierung. Alle drückten sich mit großen! Enthusiasmus über das Werk des Agro-Joint aus. Da die frühere zarische Regicrung das jüdische Element in Ansiedlungsrayons zusammeiipferchte und cs der primitivsten Rechte beraubte, wurde ein Kieinliäiidlertum gezüchtet, für das im jetzigen Rußland kein Platz mehr ist. Mehr als eine Million Juden sind deklassiert. Sie besitzen kein Stimmrecht, müssen der Wohltaten des Erziehungswesens, der Krankenhäuser und Heime usw. entbehren, die nur für Arbeiter und Bauern bestimmt sind. Die einzige Rettung für diese Million Juden bcsteht darin, sie aus Deklassierten in ״Klassierte“ umzuwandeln, d. h. sic produktiver Arbeit zuzuführen. •Die Bewegung unter den jüdischen Massen zu produktiver Arbeit, insbesondere zum Ackerbau, ist elementar. Die Regierung unterstüzt diese Bewegung. Sie stellte in diesem Jahre unentgeltlich Land zur Verfügung, für das man nach Vorkriegswert mehr als 12 Millionen Dollar hätte zahlen müssen. Sie gab 500 000 Morgen von der berühmten Schwarzen Erde, ferner Bauholz und endlich eine Million Dollar an langfristigen Krediten zwecks Anschaffung von Maschinen. Wir besuchten i« der Ukraine 50 mit Hilfe des Agro-Joint Ti den Jahren 1924, 1925 und 1926 eingerichtete Kolonien; alle waren im besten Zustande. Viele Kolonisten wohnten schon in gut und zweckmäßig erbauten und eingerichteten Häusern. Viele Siedler müssen noch in Baracken wohnen, mehrere hundert Häuser sind erst im Bau. Die Ernte in diesem Jahre war über alle Maßen gut. Dank Dr. Joseph Rosen wurden bisher durch Joint und Agro-Joint 7000 jüdische Familien auf dem Lande an gesiedelt. 2000 Familien wurden mit Hilfe des russischen Ort im Gebiet von Odessa und, mit Hilfe des Joint, in Weißrußland angesiedelt. Joint unterstützte 2000 C 11 a I u z i 111, denen von der Regierung Land gewährt wurde. 500 Familien siedelten wir in den alten jüdischen Kolonien an. In den alten jüdischen Kolonien in der Ukraine und in Weißrußland unterstützten wir etwa 13 000 Fainilien, ferner 2000 jüdische Tabakpflanzer in Podolicn, insgesamt 75000 Seelen. Aber auch nicht jüdische Bauern in der Ukraine und in Weißrußland erhielten und erhalten noch heute Unterstützungen vom Joint in Form leihweiser Ueberlassung von Maschinen und Traktoren, sowie in Form von Geldvorschüssen. So haben bisher 75 000 nie 111jüdische Nachbarn der jüdischen Siedler Unterstützungen vom Joint erhalten. Die Ausgaben des Agro-Joint betrafen 1 700 000 Dollar, in den Moskauer Besprechungen übernahm Komzet die Finanzierung von weiteren 1200 Häusern. In einem Jahre werden etwa 100 neue Dörfer errichtet sein. Dr. Bernhard Kahn war ungeheuer erstaunt, in einer Gegend im Cherson-Distrikt 15 neue jüdische Dörfer zu finden, wo er bei seinem vorjährigen Besuch noch keines vorgefunden hatte. Joint unterstützt das jüdische Kassenwesen. Die jüdisclicn Darlehnskassen zählen insgesamt 60 000 Mitglieder; durch die Wirksamkeit dieser Kassen konnten 300 000 Mensehen unterstützt werden. Jetzt beteiligt sich auch die lea an diesem Werk. Joint und lea haben in den Kassen 400 000 Dollar investiert, die Regierung bewilligte ihnen Kredite von mehr als zwei Millionen Dollar. Von größter Bedeutung wäre die Schaffung von Darlehnskassen für Kleinhändier. Für Werkschulen wurden vom Joint 200 000 Dollar ausgegeben. Den größten Eindruck machte es auf uns, daß die verarmten Moskauer Juden es unternommen haben, 200 000 Dollar für das Siedlungswerk autzubringen. Ozet besitzt 50 000 Mitglieder. Auch die Krankenhäuser und medizinischen Hilfsgescllschaften wurden vom Joint unterstützt. Aus tausend Meilen entfernten Wäldern wurde das Bauholz für die Häuser der jüdischen Kolonisten herangcfüiirt. Das russische Judentum ist ungeachtet der grauenvollen Erlebnisse gesund und Widerstandsfähig geblieben. Alexander Mniss! Aber die ״flabimah“ Anläßlich des am 20. Mai im Wiener Carl-Theater beginnenden Gastspiels des hebräischen Theaters ״Habimah" äußerte sich Alexander Moissi gegenüber einem Mitarbeiter der ״Wiener M orge n zeit u ng“ wie folgt: ״Ich habe die ״Habimah“ in Moskau kennengelernt. Ich schätze die Theaterkunst Moskaus überaus hoch. Diese Eindrücke wurden durch alles, was ich bei der ״Habimah“ gesehen habe, gesteigert. Ohne alles andere herabzusetzen, war für mich in Moskau die ״Habimah“ das große Erlebnis und seit dieser Zeit gehöre ich mit vielen hervorragender! russisehen Männern der Sprache und des Tones zu den aufrichtigen Bewunderern der ״Habimah“.

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