Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 43 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 315 42 idiscl! 5t - litiker .anclic ächten ״, als n, die ז sich innen, ischer (anti. Wahl. ischen prakwird anti. jüdidiesen B die; Get hat, lircnd Mgen 1;a war Die Finanzierung der Z. V. i. D. Vorbemerkung der Redaktion: Ein Qcsinnungsgcnossc übersendet der Z. V. f. D. nebst einer Sonderspende folgenden Aufsatz, den wir, seinem Wunsch gemäß, gern zum Abdruck bringen, weil wir uns mit ihm durchaus identifizierend, glauben, daß er seine Wirkung nicht verfehlen wird. Anläßlich eines kurzen Aufenthaltes in Berlin suchte ich zionistische Büro in der Meinckestraße auf. Schon lange es mein Wunsch, einmal den zionistischen Betrieb aus «einem Mittelpunkt heraus zu beobachten. Dies wurde mir entregenkommend ermöglicht. Ich muß aber mein Bedauern aussprechen, daß unsere Gesinnungsgenossen in der Provinz, und sogar in Berlin so unzureichend darüber informiert sind, wie sich das zionistische Leben an dem Punkte darstellt, wo alle Fäden zusammenlaufen. Ich halte es daher — da sich kein andetfr findet — für meine Aufgabe, an dieser, allen Zionisten zugänglichen Stelle wicdcrzugcbcn, was ich im Berliticr Büro gesehen habe, denn dies erst hilft zum Verständnis der ganzen Situation. Zunächst ein kleines Detail. Als ich midi für die Wirklingen der heutigen Wirtschaftslage interessierte, zeigte man mir folgenden Brief: ״Die schwierige Wirtschaftslage zwingt mich zu meinem Bedauern, meine Zionistenstcuer von 5 M. auf 3 M. herabzusetzen. Sobald sich die Verhältnisse bessern, werde ich gern wieder meinen vollen Betrag zahlen. Bei dieser Gelegenheit mache icli Sie darauf aufmerksam, daß hier eine große antizionistische Propaganda im Gange ist. Eine sofortige Gegenaktion seitens der Zentrale wäre dringend zu wünschen . . . So schreiben schlechte Zionisten nicht; schlechte Zionisten pflegen stillschweigend nicht zu zahlen. Es ist der Brief eines ״guten“ Gesinnungsgenossen, der durchaus Interesse an zionistischen Dingen hat. und der ״blutenden Herzens“ beschließt, sein beschränktes Auskommen durch Einbehaltung von 2 M. vierteljährlicher, 0,66 M. monatlicher Zionistensteuer zu verbessern. Sein Vorteil dürfte freilich nicht so groß sein wie der Nachteil, den die Z.V. f. D. durch sein Verhalten erleidet, denn er ist nicht der einzige, der so handelt. Den Ausfall müssen die Gesinnungsgenossen decken, die immer zahlen, und an die man sich daher immer wendet. Daß auch sie sehr oft nicht gerade zu den Reichsten gehören, braucht kaum dargetan zu werden. Während die ordnungsgemäße Finanzierung der Z .V. f. D. auf solche und ähnliche Weise gestört wird, geht der Kampf, den die im Haß gegen den Zionismus einigen großen jüdischpolitischen Organisationen in Deutschland gegen unsere Bewegung und den Palästinaaufbau führen, mit immer größerer Erbitterung weiter. Die Erfolge des Keren Hajessod, der in wenigen Jahren einen erheblichen Teil der nichtzionistisclieii Judenhcit Deutschlands zu tätiger, eigener Ueberzeugung entsprechender Anteilnahme am Palästinawerk erziehen konnte, die Ergebnisse der von gesteigerter Werbekraft, der Z. V. f. D. zeugenden Ijaraktion und ganz eklatant der Ausgang der Wahlen zur Rcpräscntantcnvcrsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde mußten die jüdischen Gruppen, die bisher unumschränkt die Herrschaft im deutschen Judentum besaßen, zu einem letzten, entscheidenden Versuch veranlassen, durch Niedrrkämpfung der zionistischen Bewegung ihre Macht zu behaupten. Man versucht also, mit dem Palästinaaufbau seinen eigentlichen Träger, den Zionismus, zu diskreditieren; man scheut sich nicht, zu diesem Zweck in der Presse und in Versammlungen moralisch minderwertige Individuen als Krönp zeugen gegen Palästina auftreten zu lassen. Man ist bemüht, öopÄhe nichtjüdisehc-Öeffentlichkeit gegen den Zionismus und die Monat Der 3t als Ane zio• durch glänerfolg 1 aus׳ : ziowach ierum «allein 1 nur sehen •ndere m er■ ästina Juden punkt r als n auf aber düng, e die; zio i s ch iesem :r ru höhte rumä;toren afemie eutive seiner Jahre fuleh, eiohsen sveede, lit der :ht zu :benen EU. r Verg der;eit in blichen wenn Söhne n das e, das Kredite 1, daß ie er- Willens gehen. Zio- New : ver- Den einen 1g zu n soll. Jathan d-Uni• :erg, Die m; in;sation iudget t. Das d der nntm's tionen r und dieser 1 stattssenen :11 die iitzung kmscli, r und : u. a ilco.) 1 Genf Ilionen Erdöl fvpten, strielle Millio Tan co- ׳ Com■ iko.) staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Zionisten zu mobr lisieren; mau versucht mit den alten, hundertmal widerlegten, aber immerhin noch wirksamen Redensarten Juden und Nichtjuden von einer vorurteilslosen Würdigung der zionistischen Bewegung, die man als haßerfüllten Chauvinismus darzustcllen versucht, abzuschrecken. Der Ccniral-Vcrcin verbreitet in ungeheurer Auflage in ganz Deutschland antizionistische Broschüren. Die «Monatsausgabe der C.-V.-Zeitung soll, wie aut der letzten Generalversammlung «les Ccntral-Vcreins erklärt wurde, mit der Zeit in 210 000 Exemplaren (? Red.) an Juden und Nirhtjuden regelmäßig und unentgeltlich verteilt werden. Eine systematische Beeinflussung der allgemeinen Presse soll zu einer Stcüuiignahme einflußreicher publizistischer Organe gegen unsere Bewegung führen; ich erinnere an die Polemik der ,Frankfurter Zeitung“ gegen den Zionismus. Wir Zionisten begrüßen diesen Kampf; wir halten ihn r notwendig, weil er wiederum ein Ringen um die Herzen der deutschen Juden bedeutet. Der Zionismus wird ihn mit einer ganzen Offensivkraft, mit seiner ganzen Fähigkeit, Menschen in seinen B«a11n zu ziehen, führen müssen. Mit Recht verlangen wir alle dabei die energische Unterstützung der Zentrale. Diese Unterstützung hat uns bisher nicht gefehlt. Hunderte von Versammlungen haben in Deutschland Jüdische Volkskunde Wenn die Volkskunde im Sinne der Erfassung der Gemütswerte lebendiger Völker noch ganz jung ist, so ist die idische Volkskunde der aller jüngste Sproß an dem Baume drmographischer Studien überhaupt. Die Lage des in seinen Gliedern über alle Weltteile und Länder zerstreuten jüdischen Volkes erschwerte schon das Gehäuse volkskundlicher Studien auf/ubaucn, das i!1 nichts anderem bestünde, als in der Statistik des jüdischen Volkes. Trotz aller Versuche und Anfänge gibt es eine jüdische Statistik in Wahrheit nicht. Das ist kein Vorwurf für die Männer, die sicli um sie mühen, sondern im Gegenteile eine hohe Anerkennung für sie, daß sie trotz der klar zutage liegenden Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten immer wieder Versuche machen, um eine jüdische Statistik doch zu schaffen. Viel schwerer ist es, das eigentliche «Material der Volkskunde überhaupt beizubringen. Ein großes Hindernis dabei ist ein gewisser Gedirtcnliochnuit, von dem sich der methodisch geschulte Vi'isscnschaftler nur schwer frei zu machen versteht, der in der Sammlung volkstümlichen Materials erst dann Gegenstände wissenschaftlichen Denkens findet, wenn diese einige Jahrhunderte und möglichst Jahrtausende abgelagert sind. Baß das lebendige Leben und Werden der Gegenwart im höchsten Maße Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung und Analyse sein können und sollen, diese Erkenntnis muß sich bei der deutschen Gelehrtenwelt und deshalb auch in der '011־ ihr abhängigen jüdischen Wissenschaft erst richtig Bahn brechen. Um so größer ist das Verdienst solcher Männer, die der jüdischen Volkskunde zuerst Bahn brachen. Es sind nicht immer bloß die Leute gewesen, die bewußt politisch jüdischnational eingestellt sind, sondern auch solche, die, in dem Strom•: der Assimilation aufgewachsen,, von einem unbewußten starken jüdisch-nationalen Gefühl geleitet wurden, wie Georg Minden. Das größte Verdienst an der Schaffung der jüdischen Volkskunde, die jetzt allmählich sieh verbreitert und vertieft, |>3t die ,.Gesellschaft für jüdische Volkskunde“, die in Ham- ’1,mg ent■,Und und nicht zum wertigsten ihr langjähriger Leiter i!r. .Max (jrunwald, der damals in Hamburg Rabbiner »ar und jetzt einer der geistigen Führer der jüdischen Ge- Heinde in Wien ist anläßlich der Ijaraktion stattgefunden. Der Boykott, den unsere Gegner über zionistische Veranstaltungen zu verhängen für gut hielten, hat unsere Fortschritte nicht hindern können. Mit der neuen Blumenfeld-Broschüre ״Im Kampf um den Zionismus“ hat die Z. V. f. D. uns die seit Jahren schmerzlieh vermißte propagandistisch-wirksame gedruckte Darstellung der zionistischen Ideologie in die Hand gegeben. Ekie antizionistische Flugschrift des Central-Vereins wird in den nächsten Tagen die allenthalben gewünschte Antwort finden. Trotz der Bemühungen unserer Gegner Ist unser Einfluß auf die Presse in den letzten Monaten nachweisbar gestiegen, wenn auch gewiß nicht mir dank unserer Aufklärungsarbeit, sondern auch durch die bessere Kenntnis palästinensischer Verhältnisse, die Juden und Nichtjuden sich in den letzten Jahren durch eigene Wahrnehmung ancigncn konnten. Aber daß Palästina derart in den Brennpunkt des allgemeinen Interesses gerückt ist, noch dazu in einem Deutschland, ohne politische Aspirationen im Mittleren Osten, ist im wesentlichen zionistischer Propaganda zu danken. Um so notwendiger ist es, unsere Beziehungen zur nichtjüdischen Welt weiter sorgfältig zu pflegen. Sie gewinnen schon deshalb eine allgemein-zionistische Bedeutung, weil Deutschland voraussichtlich über kurz oder lang einen Platz im Völkerbunds■ rat und in der Mandatskommission des Völkerbundes einnehmen wird. die Möglichkeit, die TL V. f. D. von der Last täglicher Finanzsorgen zu befreien und die dadurch gegebene Steigerung ihrer Kraft nicht doch das Opfer einer angemessenen Erhöhung der bisher gezahlten Beträge wert ist. Worin die Gegenleistung der Z. V. f. D. bestehen wird? Sie wird ihre propagandistische, politische und kulturelle Tätigkeit mit gesteigerter Energie und gesteigerter Wirksamkeit fortführen können und damit den Kreis der Aufgaben erweifern, für die es nötig ist, unter Zionisten und Nichtzionisten «Mittel zu beschaffen. Sie wird aber — darauf sei hingewiesen -- dann auch neue Menschen gewinnen können, die bereit sind, die gesteigerten Lasten mit tragen zu helfen. Fs ist wahr, von uns Zionisten wird viel verlangt, mehr als von den Anhängern der anderen jüdischen Organisationen Deutschlands. Wären sic nicht mit der Sorge um die Finanzierung des Palästinaaufbaues belastet, so würde uns die Opfcnvilligkcit unserer Freunde zweifellos Mittel in die Hand geben, die uns eine im jüdischen Leben Deutschlands unerhörte Propagandawiikung ermöglichen würden. Wir haben es sicherlieh schwerer als etwa der Central-Verein, der sich nur um seine Agitation zu kümmern hat und seine Mittel zur propagandistischcn Bekämpfung der zionistischen Idee und nicht für irgendwelche aufbauende Arbeit verwendet, — Dafür sind wir eben Zionisten. Aber nicht nur die unterbrochene energische Propagandatätigkeit, die all das erfordert, kostet Geld und wird, je heftiger der Kampf um den Zionismus entbrennt, um so mehr Geld kosten, sondern auch die Erhaltung und Durchführung der Arbeiten, die durch unsere palästinensischen und laiMurcllen Interessen bedingt sind. Es gibt Gesinnungsgenossen, die an der politischen und propagandistischen Tätigkeit der Z. V. f. D wenig Anteil nehmen, weil sie glauben, die zionistischc Sache durch Erringung von ״Positionen“ sichern zu können. Es gibt solche Positionen; wie lange aber wiirden sic sich halten lassen, wenn keine Zionistische Organisation sie trägt und stützt? Die zionistische Bewegung ist die Schrittmacherin aller fortschrittlichen Strömungen im deutschen Judentum, die Zionistische Organisation das Kampfinstrument, mit dessen Hilfe sie sich durchsetzen. Daß sogar unsere Gegner sich vielfach nicht nur der zionistischen Terminofogie bedienen, sondern auch Teile der zionistischen Ideologie übernehmen und gewisse zionistische Forderungen anzuerkennen gelernt haben, ist dadurch möglich geworden, daß ein immerwährender zionistischer Antrieb, daß eine svstcmafische zionistische Propaganda besteht. Ließe sie an Stärke nach, so würde alles schnell in die kaum überwundene Erstarrung zurückfallen. Ohne kraftvolle Zionistische Organisation, ohne die Arbeit einer Zentrale, von der immer neue Kraftwellen, immer neue Anregungen ausgehen, gibt es keine siegreichen Gcmcindcwahlcn, keine Ausbreitung der hebräischen Kenntnisse, keine zionistische Jugendbewegung, keine geeignete Auswahl und Vorbereitung von Menschen für Palästina. Ein glänzend geführter Keren Hajessod, ein noch so gut organi- ■sierter Keren Kajcmeth wären ohne Zionismus und Zionistische Organisation angesichts der schnell wieder herrschenden allgemeinen Gleichgültigkeit zu schwach, um sich allen Anfeindüngen gegenüber halten zu können. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie leicht ein Zionist, verwickelt in lokale Schwierigkeiten den Blick für Aufgaben und Sinn der Gesamtorganisation verliert. Ihm muß gesagt werden, daß cs gerade der wachsende Einfluß des Zionismus ist, der uns zur Erhöhung finanzieller Leistungen zwingt. Wachsender Einfluß bedeutet wachsende Verpflichtung. Versäumen wir, sie zu erfüllen, so wird die Kraft unserer programmatischen Forderungen uns nicht über die Folgen unseres Versagens in der täglichen Wirklichkeit hinweghelfen. Gewiß sind dauernde finanzielle Forderungen, gewiß ist insbesöndere das Verlangen nach Leistung von Sonderbeiträgen unangenehm. Eine geordnete Finanzgebarung der Z.V. f.D., durch die alle Plötzlichkeiten der Finanzierung ausgeschaltet werden, ist, wie ich mich überzeugt habe, durchaus denkbar und mit den vorhandenen Kräften der Organisation zu erzielen. Freilich müßten dann alle Mitglieder der Z.V. f.D. mit ganzem Ernst die gegenwärtige Situation durchdenken und ihre finanziellen Leistungen nach ehrlicher Prüfung ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten anpassen. Eine Abschätzung der Stcucrkraft des einzelnen ist heute schwieriger als je. Fs wird aber sicherlich Gesinnungsgenossen geben, deren Zionistenstcuer nach eigener Einschätzung zu klein sein dürfte. Sie sollten sich nicht ihres geringfügigen Vorteils freuen, der ja zu einem Nachteil für andere Gcsinnungsgenossen wird, sondern aus eigenem Antrieb eine Erhöhung ihres Beitrags vornehmen, mag sie nun gerechterweisc sieh auf 25 oder 50 ״> beschranken oder 100, 200 und mehr Prozent betragen müssen. Sicherlich werden auch viele, die ihre Zionistenstcuer angesichts der schweren Wirtschaftslage ermäßigen, in Erwägung der Geringfügigkeit ihres Nutzens und der Größe des Sc 11 ad c n s , den sie der Organisation zufügen, den status quo ante wieder herstellcn wollen. Die Mehrheit der Zionisten aber wird sich zu fragen haben, ob Ein aaapgebrachter Kommentar Am 6. Mai hat, wie wir bereits berichtet haben, die Wiener Kulfusgcmcinde für den Palästina-Aufbau insgesamt 50 000 Schilling (30 000 M.) bewilligt. Vor! dieser Summe sind 23 000 Schilling für den Keren Hajessod. 15 000 Schilling für die Chaluzim, 7500 Schilling für den Keren Hajischuw der Agudah und 2300 Schilling für den Palästina-Arbeiterfonds bestimmt. An diesen Beschluß knüpfte das Hamburger ״Israelitische Familienblatt“ nachstehenden Kommentar: ״Diese Spendenfreudigkeit der finanziell keineswegs gut gestellten Gemeinde, die ihre eigenen eharitativen Institutionen nur durch wiederholte Sammelaktionen notdürftig vor dem gänzlichen Verfall zu bewahren vermag, ist das Ergebnis einer rücksichtslosen Opposition der jüdisch-nationalen Repräsentanten, die den Hinweisen der liberalen Mehrheit auf die Notlage der Gemeinde mit wüster Obstruktion und persönlichen Angriffen auf den liberalen Vizepräsidenten Dr. Orustein entgegentraten.“ Mit innigem Behagen druckt die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“ in Berlin diesen Kommentar des Familicnblättes in Hamburg nach. Es ist erstaunlich, daß das ״Familienblatt“, das sich sonst eifrig bemüht, seine Neutralität in dem Widerstreit der Meinungen, Zionismus und Antizionismus, zu wahren, diesmal über die Stränge haut. Die Bemerkungen des ״Familienblattes“ sind, abgesehen von der ideologisch durchaus falschen Einstellung, auch objektiv mit den Tatsachen nicht vereinbar. Die Gegenüberstellung von ״eharitativen Insiitutionen“ mit dem ״Palästina-Aufbau“ ist völlig abwegig Beim Palästina-Aufbau handelt es sich nicht um ״Zedokoh“, sondern um jüdische Volkspolitik. Es ist fernei falsch, daß die jüdisch-nationalen Repräsentanten durch wüste Obstruktion die Hergabe der Beiträge für den Palästina- Aufbau sozusagen erpreßt haben. Entsprechend der Ueberzeugung eines ungeheuren Teiles der Wiener Judenschaft Ist die Beteiligung der Wiener Kultusgemeinde am Palästina• Aufhau der weithin sichtbare Ausdruck des Willens dieser großen Schicht, den Palästina-Aufbau zu fördern.׳ Daß es bei dieser Spende nicht so sehr um den Betrag von 50 000 Schilling ging, der im Budget des Palästina-Aufbaus eine sehr bescheidene Rolle spielt* ist für jedem klar. Dieser Betrag ist vielmehr als ״Atierkennungszins“ der großen Wiener Judengemeinde für die zentrale Aufgabe der zeitgenössisehen Judenhcit zu werten. Und aus diesem Grunde können Bedenken wie Notstand der Wiener jüdischen Institutionen keine Rolle spielen. Neben den ungeheuren Summen, die die Judenhcit für Notstandsaktionen ausgibt, soll wenigstens ein geringer Betrag in den Ausgaben der offiziellen jüdischen Körperschaften figurieren, als Zeugnis, daß diese Körperschäften Verständnis nicht nur für Hilfstätigkeit, sondern auch für positive «Aufbau-Arbeit haben. Das und nichts anders ist der Sinn der Subventionen der Wiener Kultusgemeinde und dafür sollte das ״Familienbiatt“ und sollte jeder Jude, der die Geschichte seines Volkes nicht nur unter dem Gesichtswinkel momentaner Anlässe, sondern unten dem Gesichtswinkel von Jahrtausenden sieht, Verstand«: haben. Die Vereinigung der palästinensischen Ingenieure und Techniker veranstaltet eine wissenschaftliche Exkursion nach Frankreich, England, Belgien, Holland, Deutschland, Tschecho• Slowakei, Schweiz, Italien und Aegypten. Die Exkursion soll Palästina Ende Juli verlassen und ungefähr drei Monate in- Auslande bleiben. (Ziko.) Die tiefe Religiosität, seine starke nationale Gesinnung und ein wissenschaftlich geschulter historischer Sinn, verbanden sich, um ihn auf das Studium der jüdischen Volkskünde hinzuweisen. Seine ״Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde“, von der 24 Jahrgänge unter großen Miihen und Opfern herausgegeben worden sind, mußten 1mscheinbar und unbeachtet entstehen, um heute zum Teil eine gesuchte bibliophile Seltenheit zu sein, von deren aus dem Verkehr vollständig verschwundenen Heften man dringend einen neuen Druck verlangen muß. Der starke nationale Sinn, der seit Beendigung des Krieges auch das deutsch-sprechende Judentum durchzieht, hat es bewirkt, daß an Stelle der kleinen Hefte jetzt große Jahrbücher herausgekommen sind, von denen schon das zweite*) vorliegt, das in Wahrheit den 26. und 27. Jahrgang der ״Mitteilungen zur jüdischen Volkskünde“ bedeutet. Das erste, was einem beim Oeffncn des vornehm ausgestatteten und namentlich auch vorzüglich illustrierten großen Bandes auffällt, ist, daß die kleinen Mitteilungen zum größten Teile verschwunden sind, um größeren, oft zusammenfassenden Arbeiten Platz zu machen. Das zweite aber, was nicht minder bedeutsam scheint, ist, daß die Arbeiten über den Rahmen dessen, was man früher in einem engeren Sinne ״Jüdische Volkskunde“ nannte und was nur die Folklore betraf, hinausgewachsen sind und das jetzt die Kunde vom lebendigen jüdischen Volke überhaupt das Thema des ״Jahrbuchs für jüdische Volkskunde“ ist. Im «Mittelpunkte des ganzen Jahrbuches, um den sich alles andere gliedert, ist eine Arbeit vom Herausgeber selbst, die den knappen Titel trägt ״Rasse, Volk, N a t i o n“. Es entspricht der zentralen Stellung dieses Themas, wenn derselbe Herausgeber als Einleitung eine größere quellengeschichtliche Arbeit zur ״Geschichte der Marranen“ an den Anfang des Ja'• Eriche.? stellt, die nicht bloß die Bedeutung einer hist« חי. י quellen-kritischen Arbeit besitzt, sondern nach der ' «1 >g des Verfassers für die Frage der ״Rassenmisduin,‘ insbesondere «die Herkunft der heutigen Sefardim von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein soll. Wenn man die darin wiedergegebenen Nachrichten über vor- *) Jahrbuch für jüdische Volkskunde 1924 23. Herausgegeben von Max G r u 11 w a I d. Berlin/Wien, Verlag Benjamin Harz,!«25. VIII, 618 S״ gr. 8°. gekommene Mischungen betrachtet, so darf man aus diesen gelegentlichen Notizen aber keineswegs im Sinne der Rassenmischung Schlüsse ziehen, die noch weniger schlüssig wären, als wenn man parallele Bemerkungen aus dem Assuan-Papyr in solchem Sinne zu stark erwarten würde. Scheinbar unmotiviert könnte der Aufsatz ״Der Dichte! J. L. Perez“ in dem Jahrbuchc sein. Aber er ist nicht iitcratur-historisch und hier hat Perez seinen Platz als Dar steller lebendigen jüdischen Volkstums. Die ״Beiträge zur Religionsgeschichte und Volkskunde“ die A. M armorstei n aus tabnudischein und rabbinischem Schrifttumc beibringt, von denen der erste Teil in Jahrbuch I erschienen ist, und zu denen er Parallelen bereits in den ״Scripta“ der Jerusalemer Universität und Bibliothek gegeben hatte, dürfen gelegentlich von irgendeinem zünftigen Gelehrten über die Achsel angesehen werden. Vom Standpunkte der werdenden Volkskunde sind sie von außerordentlichem Werte. L. Wies 11er bringt zwei auf gründlicher Quellenkeunbiis beruhende Aufsätze über ״Kinderlosigkeit und Kinderreichtum im Talmud“ und ״Ueber die Wertung׳ der Geschlechter im altrabbinischen Schrifttumc“. Adolf Löwin ge rs kleine Arbeit über den ״Windgeist Keteb“ steht neben einer sehr großen, gut durchgcarbeiten arabistischeu Abhandlung über ״Die sexuelle Ethik im Koran“. Der Wiener Sefardi Manfred Papo hat in dieser sehr guten Arbeit vielleicht den einzigen Teil des Jahrbuchs gegeben, der über das eigentliehe Gebiet, das diesem bestimmt ist, hinausgeht. Dagegen sind solche Arbeiten, wie die von Matthias Mieses über ״Die Dämonisicrung fremder Feiertage“ wertvolle historische Ergänzungen, die manche Erscheinungen und Ansichten im lebendigen Judentumc erklären lassen. Von der allergrößten Wichtigkeit ist die umfassende Darstellung der Gemeinde ״Mattersdorf“, in der der Herausgeber ein Kabinettstück gibt, wie man eine solche alte Muttergemeinde des jüdischen Volkes lebendig in die Erscheinung treten lassen kann. Die sich daran anschließenden Arbeiten von Heinrich Flesch ״Der Pinax von Austerlitz“ und ״Die Kanitzer Synagoge“ sind auch innerlich hiermit verwandt. Wenn uns dann noch von Schiff eine statistische Arbeit gegeben wird, die gleichzeitig die ,Aussichtslosigkeit jüdischer Kriegsstatistik darstellt, und doch das Mögliche aus ihr herausgreift, wenn ferner (irunwald uns in die kleine litauische Stadt zum