Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 42 (1.6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 310 4 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 42 \ Innerjüdische Auseinandersetzung Von Dr, Hans P o m e r a n <־׳. I, Man komm* w Verlegenheit, wenn man bestimmen will, seit wann der Centralverem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ,,die Ehre des Judentums im deutschen Vaterlands durch die u!־!beirrte Pflege deutscher Gesinnung wahrt,“ Man nimmt im allgemeinen an, daß die ,,Kongreßgeschickte“' des C.-V. 3 5 Jahre umfaßt; aber so wie mail außer dem 29jährigen ״Kongreßziomsmus“ eine umfangreiche Cieschichte der Palästinabcwegung kennt, legt man auch hier Wert datauf, die eigentliche Ideengeschichte möglichst weit rückwärts beginnen ,11׳ lassen. Schon ,,die Legende kündet“, daß vor langer, langer Zeit die am Rhein siedelnden Juden die Einladung, einen Feiertag in Erez-Israel zu verbringen, mit der Mitteilung beantwortet hätten, daß sie sich am Rhein ein neues Jerusalem geschaffen hätten. Zwar erfahren wir aus der jüdischen Geschichte, daß das eigentliche, zum Probhem werdende Zusammentreffen von Deutschtum und Judentum erst am Anfang des 19. oder ־״egen Ende des 18. Jahrhunderts sich vollzogen habe, daß noch die ersten Führer der Emanzipationsbewegung unbefangen Eilig,1־ ben im Interesse der Angehörigen der jüdischen ,,Mation“ machten, aber all dies ist nebensächlich, ־zionistische Geschichtsauffassmig. Die Notwendigkeit apologetischer Ausnutzung der Geschichte erfordert cs, sie möglichst einheitlich erscheinen zu lassen, daher erinnert man an das, ״was die Legende kündet“. An das nationale Eigenleben des Voremanzipationsjuden, mit dem die Zeit, die das Heimairecht der deutschen’ Juden beweisen soll, stärker angefüllt ist, als mit den Tendenzen der letzten 100 Jahre, an diese ersten 1800 Jahre erinnert man sieh nur dann, wenn man den Zionisten mitteilt, daß man sich dorthin nicht zuriickführen laßt. Eigentümlich: Die romantische Rückschau der Völker zu den kraftvollsten Stadien ihrer Vergangenheit, die Sehnsucht, diese Zeiten wiederzusehen, fehlt dem Judentypus, von dem wir sprechen. Wenn die ganze Geschichte der Juden in Deutschland beweiskräftig ist zur Begründung ihres heutigen Weges, dann müßte doch diese Sehnsucht gerade in bezug auf diesen Geschichtsabschnitt, der doch für ihn besonders wichtig ist, vorhanden sein. Keine Spur in Wahrheit. 2000 Jahre deutsch-jüdische Geschichte beweisen einerseits das Heimatrecht der deutschen Juden, und gegen die Zionisten gleichzeitig das, wofür man sich bestens bedankt. Das ist die zwiefache Aufgabe, die sich diese Männer gestellt haben und sie zwingt, ein und denselben Ge- Schichtsabschnitt außenpolitisch so und innerjüdisch anders auszunutzen. Es ist die Folge davon, wenn Abwehr nicht auch eine Arbeit unter ebenso wichtigen anderen oder wichtigeren ist, sondern Inhalt wird; wenn man nicht nur den Antisemitismus abwehrt, sondern jüdische Bewegungen, die man preisgeben muß, um sich den anderen empfehlen zu können; wenn die vom Zionismus erkannte Problematik durch Leugneu gelöst werden soll: Das Korrelat des Zweifrontenkriegs ist natürlich der Zweimethodenkrieg. Der C.-V. läßt durch seine Sprecher Herrn Naumann konzedieren, daß die Ostjuden zwar nicht minderwertig seien, aber — ich gebe die Aeußerung nach meinem Lesegedächtnis wieder -- in den deutschen Kulturkreis nicht hineingehören. Nichtsdestoweniger beweist Herr Dr. Rieger in seiner Broschüre, das Heimatrecht der deutschen Juden u. a. mit dem Hinweis auf die jiddische Sprache, den ursprünglichsten deutschen Dialekt, der sich erhalten habe. Und es ist nicht zu bezweifeln, er hat Recht. In der Geschichte der deutschen Juden ist die der jiddisch sprechenden Ostjuden zum Teil inbegriffen. Abgesehen von dem apologetisch gemeinten philologischen Hin* weis auf die Deutschheit ihrer Sprache ist aber nichts davon bekannt geworden, daß auch sonst aut Betonung "der Verwandtschaft mit den ausländischen Juden besonderer Wert gelegt werde. Auch von einer besonderen Vorliebe für ihre Sprache ist nichts zu merken. Da, wo sie in Gegenwart deutscher luden angewandt wird, erregt sie nichts weniger als Heimaisrechtsempfindungen. Man unterstützt ihre Siedlungspline in Rußland mit der offiziellen Begründung, weil sie sonst im Falle von Pogromen über die deutsche Grenze kommen könnten. Anstatt die ins Vaterland heimkehrenden deutschen Brüder, als Sprachverwandte Walters von der Vogelweide, sozusagen lebende Zeugen deutscher Vergangenheit, mit Freude zu begrüßen. All dies tut man nicht, trotz des Heimatrechts der deutschen Juden, von denen diese Ostjuden einstmals ein Teil waren. In Wahrheit hat man alles getan, was den Zusammenhang mit den Juden anderer Linder vernichten muß. Man hat das jüdische Volk vertikal gespalten und dem abgesplitterten Teil durch die mit nervöser Häufigkeit betonte Parole der ״Synthese von Deutschtum und Judentum“ ein Programm gegeben, das, selbst wenn es durchführbar wäre, eben nur für einen kleinen Prozentsatz der Gesamtjudenheit eine Lösung bedeuten würde. Und darin liegt die auflösende Kraft. Man verzichtet auf eine gesamtjüdische Parole und übirnimmt die der Emanzipatoren. Deren Programm, die jüdische Nation vermittels der menschlichen Gleichstellung ihrer Angehörigen zu erledigen, ist Programm der Emanzipierten geworden. ״Es gibt keine einheitliche Judenfrage, es gibt nur eine deutsche Judenfrage“; der religiöse Zusammenhang mit der Gesamtjudenheit ist zwar nicht zu leugnen, aber er wird abgeschwächt, verwandelt durch den Begriff ״deutsches Judentum“, der plötzlich eine ganz eigenartige Färbung bekommt. Es handelt sich nicht mehr um Deutschlands Anteil an der jüdischen Zerstreuung, um Juden in Deutschland, die gleichberechtigt als Juden dem Staate geben, was ihm gebührt, um etwas ganz anderes handelt es sich: ״Deutsches Judentum“ ist Polemik gegen die, welche in Deutschland Glieder des gleichberechtigten jüdischen Volkes seit! wollen, also ein Neuprodukt, auf synthetischem Wege entstanden. Ein Neuprodukt, aber in der Methode eine Nachahmung. Denn die Methode, auch solche Begriffe, die nicht geographisch beschrankt sind_. durch das Attribut ״deutsch“ zu vertieren, entstammt der Sprache des deutschen Chauvinismus, der nicht Weihnachten als allgemeine Einrichtung der christlichen Weltreligion feiert, sondern ״deutsche Weihnacht“ und der die Ziele seiner Partei nicht als im Sinne des Christentums liegend, ganz .allgemein als ״christlich“ empfiehlt, sondern als ״Christlich-national“ bezeichnet, womit nicht gesagt sein soll, daß sein Nationalismus sich bemüht, christlich zu sein, sondern daß gerade diese Form des Nationalismus dem Christentum besön* ders erwünscht sei. Es ist hier und dort die Neigung, gerade den deutschen Nationalismus möglichst aus der Relisrion, die in Wahrheit universal gedacht ist, herauszulesen. Deutsches Christentum — deutsches Judentum. Und da bekanntlich nicht die Form, sondern der Geist das Wesentliche ausmacht, ist der Zusammenhang gegeben: ״Der wahre Christliehe Geist und der wahre jüdische Geist, die sich auf dem Gebiete des sozialen Lebens nicht unterscheiden, sondern beide zuriiekgehen auf die Bibel, jenes Buch höchster sozialer Ethik“. (Dr. Ludwig Haas.) Damit ist die Voraussetzung geschaffen für die weiteren Bemühungen, aus der deutschen Judenfrage ein Teilproblem des deutschen Föderalismus (etwa gleich der bayerischen Frage?) aus der Stammeseigenart der Juden, einen Flecken der buntem deutschen Landkarte zu machen. ״Jeder deutsche Stamm unterscheidet sich von dem anderen und so (״so“!) unterscheidet sich auch das deutsche Judentum von den andtreu Deutschen,״,“ Man sieht die neuerdings zugegebene Tatsache, daß der Antisemitismus nicht nur auf Irrtum und Gemeinheit beruht, also doch wohl mit der Art der Einlagerung der Juden in die Gesellschaft Zusammenhängen muß, beeinflußt die Publizistik des Abwehrkampfes noch in keiner Weise. Wenn min die Situation der deutschen Juden möglichst problemlos und einfach erscheinen soll, ist eine weitere Korrektur nötig. Da die Religion das Recht hat, sich zu entwickeln, hat man aus der sonst als Spezialgebiet betrachteten messianischen Menschheitsidee den Golusbegriff entfernt. Golus sagen nur noch die Zionisten, die guten Deutschen sagen Vater- Lind. Das Recht dazu besteht, man ist zwar religiös, aber nicht orthodox. Bloß wenn die angebliche Nichtverpflichtung Zion aufzubauen exakt bewiesen werden soll, wird ein liberaler Führer gesetzestreu und energischer Gegner der gegen diesen Nichtbcfchl einsetzenden Bibelkritik. II Der nicht sehr glückliche Mann, den ich soeben beschrieben habe, ist das Produkt historischer Kräfte. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hat seinen Urgroßvater aus dem Ghetto befreit. Voltaire und Lessing traten für die unbehinderte Zulassung der Juden in die westliche Zivilisation ein. Aber Voltaire und 1.essings Ideen ־wurden allmählich Realitäten und eine andere Theorie kam heraus. Romantik und Nationalismus setzen sich der Aufklärung entgegen und ein ganz neues Europa batte die befreiten Juden in seiner Mitte. Es machte aus der Not eine Tugend und sagte: ,,Wir können Euch nicht ins Ghetto zurücksperren, dämm müßt Ihr werden wie wir. Errichtet Euer Ghetto wo Ihr wollt. Wir geben Euch Bürgerrechte; Ihr sollt wenigstens theoretisch Lehrer und Beamte werden, aber Ihr müßt Euch assimilieren.“') Sie haben cs ehrlich versucht. Die letzten 100 Jahre ihrer Geschichte sind ein großer Eindeutschungsversuch. Die J11denfrage ist nicht gelöst. Sie haben geglaubt, es sei eine Energiefrage, aufklären müsse man die Gegner, und sie werden sich überzeugen lassen, daß die Juden nicht anders sind wie ihre Umgebung. 33 Jahre ist der mit diesen Methoden geführte organisierte Kampf gegen den Antisemitismus alt. Was ist erreicht worden? Jetzt kann man erleichtert aufatmen. Man steht endlich auf jüdischem Terrain, denn nuijmehr springen die besten jüdischsten Kräfte in die Bresche, und bemühen sich, der Arbeit jüdische Deutung und jüdischen Inhalt zu geben, und darüber läßt sich reden. Die Ideologie ist alt: Das Vertrauen auf den Fortschritt. Es ist in der Tat nicht zu bestreiten, daß ein rückschauender Vergleich über erhebliche Geschichtsstrecken hinweg die Tatsache offenbar macht, daß wir in gewissem Sinne weitergekommen sind; aber gerade damit ist doch bewiesen, daß die 33 Jahre C.-V.-Arbeit schwerlich in diesem Zeitraum ausschlaggebend gewesen sein können, zumal gerade jene letzten 12 Jahre, die eröffnet wurden mit dem Versprechen, sich zu bewähren, ״mehr als die Pflicht zu tun“ dennoch nicht geeignet waren, die Eigengesetzlichkeit und Stetigkeit der fortschrittlichen Entwicklung bezüglich der Lösung der jüdischen Frage nachzuweisen. Auffällig ist nun, daß auch anläßlich der letzten Hauptversammlung von einer klaren Zwischenbilanz, die der Außenstehende erwartet, gar keine Rede war. Statt dessen haben wir hier den interessanten Tatbestand zu registrieren, daß diese größte jüdische Org^nisation in Deutschland nicht auf die Ergebnisse eigener Afctivitat hinwuisen kann, sondern nur auf die bisherigen und zu erwarter.Sm Erfolge des Fortschritts. Max Adler vergleicht einmal sehr fein die im Marxismus eingebaute Idee der zwangsläufigen Entwicklung, die dem Arbeiter die Naturnotwendigkeit seines Sieges verheißt, mit der religiösen Idee der göttlichen Vorsehung. (Der Berührungspunkt des ״irreligiösen“ Marxismus mit der Religioni) Aber selbst die göttliche Vorsehung gestaltet die Gegenwart, beeinflußt aen Geschichtsablauf! Wir kennen die Hoffnung auf die Lösung der Jadenfrage durch den Fortschritt auch in der sozialistischen Argumentation gegen uns, aber dieses Vertrauen, daß die sozialistische Gesellschaft eine Minderheit in der Tat nicht terrorisieren wird -1aber das Nichtterrorisiertwerden allein ist für uns nicht die Lösung der Judenfrage — scheint uns realer zu sein, als die metaphysische Spekulation auf das Ende der Tage. II f. Uns lag nicht daran, herabzusetzen. Wir wissen, daß in dieser Organisation Männer sind, die bestimmt die Wirkung der anfangs geschilderten Methoden nicht wünschen, ja, sie gar nicht einmal bemerken und sie entschieden bestreiten. Der Zionismus hält dem deutschen Juden den Spjegel vor d#s Gesicht und bemüht sich, aus seiner Situation heraus sein ״sozifles Handeln“, wie Max Weber sagt, d.'h. sein gesellschaftliches, menschliches Verhalten ״deutend zu verstehen und dadurch in seinem Aufbau und seinen Wirkungen ursächlich zu erklären“. Unsere Beziehungen zu ihm werden entspannt sein, wenn er lernen wird, die Methode der kritischen Analyse auf sich selbst anzuwenden. So wie der Sozialismus lehrt, daß die Erkenntnis seiner Lage die Voraussetzung für die Befreiung des Arbeiters sei. Zur Lage ia Polen Warschau, 27. Mai. (J. T. A.) Ministerpräsident Bart e I empfing das Präsidium des Jüdischen Klubs, das ihn über die Haltung der Juden gegenüber der neuen Lage in Pplen informierte. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung stehe auf dem Standpunkt der vollsten bürgerlichen Und nationalen Gleichberechtigung aller Minderheilen. Jedoch betrachte sich die Regierung als eine provisorische, sie werde der Nationalversammlung ihr Mandat zur Verfügung stellen. Der Ministerpräsident sieht sieh daher außerstande, im Namen der Regierung Polens zu sprechen, die erst durch die Nationalversammlung geschaffen werden soll. Gestern fand in Warschau «ine Sitzung des zionistischen Parteirates ganz Polens statt, im allgemeinen sprechen sich die zionistischen Kreise für die Auflösung des Sejm und die Ausschreibung von Neuwahlen aus. Das Programm der Palestile Ecoiomic Corporation New York, 25. Mai. (J.T. A) Herr Bernhard Flexner, der Präsident derPalestine Economic Corporation in Amerika, informierte die Jüdische Telegraphen-Agentur“ soeben über das nächste Arbeitsprogramm der Corporatiön. Die Corporation hat beschlossen, sich an den Ruthenbergschen Elektrizitätswerken in Palästina mit einem Kapital von 150000 Pfund zu beteiligen. Die Corporation wird ferner 100000 Dollar für langfristige Kredite an landwirtschaftliche und andere Gruppen in Palästina der Zentralbank der Cooperativen in Jerusalem zur Verfügung stellen. Die Corporation wird die Vorschläge des Herrn Van Vriesland eine gewisse Verpflichtung der jüdischen Ländiiedler gegenüber dem Keren Hajessod zu übernehmen (nicht ganz verständlich — A.d.ft.), einer günstigen Erwägung unterziehen. *) Ludwig Lewisöhn: Die Kunst ein Jude zu sein, Weltbühne 42/25״ Pressesttmmea In der illustrierten Beilage der ״Roten Fa h n e“ schreibt Dr. L. Klauber zu mehreren Bildern aus Pa■ lästina den Text unter der Überschrift ״Kommunismus m Palästina‘׳, worin er der Ansicht entgegentritt, ah sei dir Arbeitersiedlung in Palästina a's kommunistisch zu bezeichnen Der Artikel schließt: ״Kann somit von einem Kommunismus in Palästina vor der Machtübernahme durch die arbeitende Klasse keine Rede sein, so muß das Interesse gerade der jüdi. sehen Proletarier auf die erfolgversprechenden kleinbäuerlichen Siedlungen ehemaliger jüdischer Händler in Südrußfand gerichtet werden. Dort hat durch Umschichtung von 130000 bisher unproduktiver Existenzen der Sowjetstaat sich watest« Sympathien in aller Weit, besonders in Amerika, zu ver■ schaffen gewußt.“ — 130 000 bisher unproduktive Existenzen' Mit solchem Schwindel werden die Arbeiter, offenbar auch der gutgläubige Verfasser, geblufft. Die ״Times" veröffentlichte am 24. Mai eine ״Em■ p 1 re - N u m b e r“, wo die Entwicklung aller Teile des bri tischen Reiches in verschiedenen Artikeln dargelegt wird Ein Artikel über die britischen Mandatsgebiete beschäftigt sich auch mit Palästina. Es wird darin festgestellt, daß in der letzten Zeit eine merkliche Abnahme der arabischen Gegnerschaft gegen den Zionismus festzustellen ist. Dies wird zurückgeführt einerseits auf das zunehmende Verständnis für die Vorteile, die die jüdische Einwanderung dem׳ Land« als Ganzes bringt, andererseits auf das wachsende Vertrauen in die Gerechtigkeit der Verwaltung. Die Verbesserung des Hafens von Jaffa und die Umlegung der Bahn durch die Ebene Scharon werden vorbereitet. Der Artikel weist darauf hin, daß das britische Mandatsgebiet sich durch die dort herr• sehende Ruhe von den meisten Nachbarländern unterscheide*. * In der ״Literarischen Welt“ (Nr, 19) äußert sich Carl S t e r n h e im in einem Interview über seine nächsten Pläne. D^bri spricht er über die ״zerstörenden Kräfte, die einen günstigen Wiederaufbau verhindern“, als deren zweiten er anführt: ״Zweitens eine zunehmende Verwilderung des geistigen Lebens durch den fortschreitenden Einfluß des Assi• miiationsjutjentums. Sternheim propagier) größte Achtung vor dem bewußten Juden, bekämpft den bequemen Alltags-Tal■ mudismus, der zum Beispiel Berlin heute das geistige Gesicht einer kleinen jüdischen Stadt des IS. Jahrhunderts gibt. Ein weitverbreiteter, überaus lässiger Relativismus läßt überhaupt letzten Endes ein Gefühl für Werte nicht mehr aufkommen. Niemand weiß im Grunde, wenn er etwas sagt, darstellt, bekämpft, ob nicht das Gegenteil oder das Gegenteil des Gegenteils mindestens ebenso richtig ist. Furchtbar wirkt sich so die fortdauernde Epoche des Ersatzes aus.“ Das ist kein schlechter Beitrag zur Charakteristik unseres ״unbeirrt deutsch gesinnten“ Assimilationsjudentums! Dr. 11. c. Frhr. von Schoenaich, Generalmajor a. D., veröffcntlieht in der ״Vossischen Zeitung“ unter der Ueberschrift ״Die Rassenfrage in Palästina“ einen Bericht aus Jerusalem, in welchem er die Gedankenginge eines antizionistischen Arabers wiedergibt und bemerkt: Die Tatsache, daß die Forderungen der Zionisten anfangs zu hoch gespannt waren, wird heute von den Führern der Bewegung selbst anerkannt. Sie wollen heute nicht mehr mit <Jem Kopf dyreh die Wand, sondern den ehrlichen Ausgleich mit den Arabern, deren Heimatrechte niemand bestreitet. Der Verfasser widerlegt im einzelnen die Gedanlfenglnge des Arabers und spricht sich zugunsten der Möglichkeit ehrlichen ׳־Jkusgklehs-aus;■ י ""*'t ־־ ־-־••״׳־ ״״•־•'״־ Die Bibtnuk ia Wien Wien, 26. Mai.' (J. T. A ) Das Ensemble des Moskauer hebräischen Theaters ״Habjmah“ unter der Leitung des Direktors N. Zemach ist gestern in Wien eingetroffen. Am Bahnhof wurden die 45 Mitglieder des Habimah-Ensemblcs von einem aus Schriftstellern, Künstlern und Vertretern der hebräischen Organisationen zusammengesetzten großen Empfangskomitee begrüßt. Der österreichische Landesverband ״Hechaluz“ ver• anstaltete im Festsaale des Hotel Continental eine Begrüßung*- akademie für die Habimah. Die Truppe wird in Wien eine Reihe Vorstellungen geben. Die erste Vorstellung am 30. Mai (Ha-Dybuk) fand begeisterte Aufnahme. febrllscbe Realschule 1■ Ballt ' Wir erhielten von der Hebräischen Realschule in Haifa einen Tätigkeits- und Rechenschaftsbericht, dem wir folgendes entnehmen: Die Schule umfaßt jetzt sieben Realklassen, die auf den vier unteren Klassen der Volksschule aufgebaut sind. Ihr wesentliches Gepräge erhält die Schule durch den Gedanken der Vorbereitung auf das Technikum, zu dem die Schüler voraussichtlich schon nach vollendeter sechster Klasse werden übergehen können. Die Unterrichtsfächer sind: Hebräisch und Literaturgeschichte, Bibel, Hagada, Mischna, Jüdisehe Geschichte, die Fremdsprachen Englisch und Arabisch, ferner besonders Mathematik, Physik, Chemie, Naturgeschichte und manuelle Arbeit. Die Schule hat für die Werkausbildung drei gut eingerichtete Werkstätten für Buchbinderei, Tischlerei und Metallarbeit. Der Schule ist ein Internat angegliedert, dem etwa 40 Schüler angehören. Außer der Vorbereitung für das Technikum soll Schülern mit sechs Jahren höherer Schulbildung auch der Weg zu einer Handclsabteiiung offen stehen. Diejenigen, die die siebente Klasse der Schule absolvieren, werden die Möglichkeit haben, die vom Gouvernement of Palestine abgehalterie Immatrikulationäprüfung abzulegen. Der Besitz dieses Zeugnisses wird den Besuch europäischer Universitäten ermöglichen. Besondere Berücksichtigung hat das Problem der Mädchenerziehung gefunden. Die Mädchen erhalten einen Unterricht, der sie in die Arbeiten des Hauses, der Küche und des Garfens einführt. Die Gelegenheit zur praktischen Erlernung der Hauswirtschaft bietet die Schulküche, die täglich das Essen fi)r Lehrer und Schüler vorbereitet, sowie der Internatsbetrieb Der Realschule soll eine Abteilung für Hauswirtschaft angegliedert werden, wo Mädchen auf Grund der notwendigen theoretischen Fundierung in einem zweijährigen Kursus alle Arbeiten im Hause (Kochen, Nähen, Waschen), Gartenarbeit, Geflügelzucht, medizinische Hilfe, Säuglingspflege und Kindergartenarbeit erlernen sollen. Ferner hat die Schule jetzt begonnen, Handwerker heranzubilden. Es sollen junge Leute im Alter von 15—17 Jahren einen dreijährigen Kursus in bestimmten Zweigen des Handwerks (Tischlerei, Metallarbeit) durchmachen. Auch die äußeren Bedingungen der Schule sind außerordentlich günstig. Sie ist auf halber Höhe des Karmeis oberhalb der Stadt Haifa in sehr gesundem Klima gelegen• Die Schulgebäude sind auf dem großen Technikumsplart« errichtet, der reiche Möglichkeiten für sportliche Betätigung bietet. Die ständig wachsende Schülerzahl — die Schule hätte Ende 1924 250 Schüler — wird in kurzem den Bau eines neyen Schulgebäudes nötig machen. Das Schulgeld beträgt 1 —2 £ je nach der Klasse, der Internatspreis beträgt 7 £. Nähere Auskunft erteilt die Verwaitung des Hebräischen Realschule ia Haifa.