Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 42 (1.6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 309 f)׳> 14• c:/;dt e n kt •Oi! 1tCeilt reerlen der ras len ule chenidi- Cll- Jen len der laß geu 1 ach iert ist, .ruzur ■erzu zu ndc rrs- •er- 'erso en. dir Es ent Dt. als Ull- J״gr istc die bei e n die reres ren icrrag die uni ö k, 11er der 'erfeil, auf e 11 Refür •(״ an er ilfi- Zur Arbeiterinnenkonferenz Von Gerda Arlosoroff-Goldbcr g. Jerusalem, Milte Mai. Die dritte Konferenz der palästinensischen Arbeiterinnen, die vor kurzem in Tel-Awiw tagte, bewies, wie stark das Interesse an den Frage״ der arbeitenden Frau im I. amie in letzter Zeit gewachsen ist. Um den äußeren Eindruck zu erwähnen: Die Eröffnung gestaltete sich zu einer Massendemonstratio!! von Tausenden, die sich an diesem Abend in Tcl-Awiw zusanimciigeftindcn hatten. Und auch die Arheits- Sitzungen, die sich acht Tage hinzogcn, fanden fast aitsnalimslos vor einem gefüllten Saale statt, der den Verhandlungen mit Interesse folgte. Die grolle Zahl der Delegierten ließ darauf schließen, wie sehr sieh die Bewegung in den letzten Jahren ausgeweitet hat, wenn auch die Wahleinheil eine sehr geringe und dies mit ein Grund dafür war, daß die Konferenz so kolossalen Umfang gewann. Es ist kein Zufall, daß die Tagesordnung ein so riesiges Ausmaß aimahm, daß die sogar unter den nicht einfachen und kurzen sonstiger palästinensischer Konferenzen auf fiel. Die Zahl der wichtigen Fragen auf dem Gebiete der arbeitenden Frau ist so groß und die meisten befinden sich noch so sein־ im Anfangsstadium ihrer Lösung, daß sie eine Erörterung verlangten, wenn es auch von vornherein klar sein mußte, daß an eine Lösung nur in beschränktem Umfange zu denken war. Dali die Einheitlichkeit und Stoßkraft der Verhandlungen unter dieser UeherfiiUe litt, ist selbstverständlich. Eine fortschreitende Entwicklung und Konsolidierung der Bewegung wird in steigendem Maße auch die kommenden Verhandlungen entlasten. .Das wirtschaftliche Z e 111 r a 1 p r o h 1 e m d e r Konferenz wie der A r b e i t c r i ״ ח e n b e w c g u!1 g überhaupt ist die Schaffung von A r b e i t s m ö g - I i c 11 k c i t e!1 und die Q 11 a 1 i f i z i e r 1111g d e 1׳ E r a u für die verschiedenen Berufe. Eine Frage, so alt wie unsere Arbeit im Lande, aber nur in ganz beschränktem Maße gelöst. Mit Recht hat so manche der Rednerinneii hier den Kernpunkt aller Schwierigkeiten und aller Aufgaben erblickt. Innerhalb der Arbeiterinnenbcweguiig wird diese Erkenntnis immer deutlicher. E i 11 c B asicrun g d e r F r a 11 Im Wirtschaftsleben in einem Grade, ci a il sic nicht mehr als I .ist, sondern als produktiver Faktor e 111 p f 11 11 d e n w i r d , - m u 11 41 a s Ziel j e d e r Sozialpolitik im Lande sein. Wje sehr das richtig ist, ergab sich auf der Konferenz aus der Verschiedenartigkeit der Debatten über Stadt und Land. In der Landwirtschaft, der sowohl die Arbeiterbewegung als auch die leitenden 111stanzen der Kolonisation seit Jahrzehnten besondere Aufmerksamkeit zuwendcii, sind wir bereits heute so weit, daß wir den Weg erkennen, der zu einer Produktivierung der t rauenarbeit führt. Ohne eine Frau, die ihre Arbeit von Grund auf gelernt hat, war an eine rentable Landwirtschaft nicht zu denken. Und so schuf man unter dem Drucke der Not alle jene Einrichtungen, die eine vernünftige Erziehung und Eingliederung der ( rau in den Betrieben garantierten. Das Mädchen lernte die Arbeit in besonderen Farmen, sie eroberte in Kwuzoth und Moscliawim die entsprechenden Wirtschaftszweige und bildete Einrichtungen zur gemeinschaftfichen Erziehung der Kinder aus, die sie bis zu einem gewissen Grade der wirtschaftlichen Arbeit freigaben. Die Zukunft wird alle diese Hilfsmittel zu verbessern und vor allem aus den geringfügigen Maflstäbcn von heute in die entsprechenden großen von morgen zu übertragen haben. Damit ist der Weg für die Landwirtschaft ziemlich klar vorgezeichnet, bei weitem nicht festgelegt, aber wir besitzen zum mindesten eine Richtung, nach deF wir uns weiter bewegen können.״ .Wird sich die Lage ändern und,neue Vier? hiitnisse eintreten, so wird die Bewegung neue Mittel ausfindig machen müssen, die aii die alten Erfahrungen anknüpfen. Entsprechend dieser Situation, was die Ausbildung der Frau für landwirtschaftliche Arbeit betrifft, zeigten die Konfcrenzverhandlungen eine gewisse Geschlossenheit und Klarheit. Man fühlte Boden unter den Füllen. Die Empfindung, bereits eine Basis zu besitzen, aut der man weiter bauen, einen Mafistab in Händen zu halten, der dem Werk zugrunde gelegt werden kann, gab den Diskussionen Rahmen und Halt. Daraus folgt zugleich, daß in diesen Debatten kein grundlegend neuer Vorschlag erscheinen konnte, weil die Bewegung äugenblicklieh des Aufbaues und nicht neuer umwälzender Pläne bedarf und die Majorität der Konferenz praktisch und klarblickend genug war, um sich von dem vorgezeichnetcii Wege uieht abbringen zu lassen. Nur in einer Hinsicht tappten die Verhandlungen etwas im Dunkeln, in allem was die Lohnarbeiterin in der Kolonie betraf. Auch das war keine zufällige Erscheinung. Die Erschließung der Kolonien, das Schmerzcnskind der Arbeiterbewegung seit zwei Jahrzehnten, ist heute noch immer im Stadium des Experimentes. Obwohl eine ganze Reihe von Methoden sich entwickelt haben, mit deren Hilfe wir diesem wirtschaftlich und psychologisch schweren Gebiete zuleibe gehen, gibt es heute noch keine Lösung, die man als einigermaßen vollgültig ansprechen könnte. Was im allgemeinen für 4lic Arbeit in den Kolonien gilt, gilt verzehnfacht für die Frau in diesem Arbeitszweig. Es ist das nicht mir die Folge geringerer körperlicher und geistiger Anpassiingstäliigkeit oder Schwäche, tn den Kolonien ist die Frau für keine Arbeit qualifiziert, und hat sieh deshalb das Vertrauen der Arbeitgeber nicht erringen können. Daher ist cs viel schwerer, für Mädchen in den Chawuroth und Kibu/im Arbeit zu finden als für Männer. Die Folgen sind ein hoher Prozentsatz von Arbcilslosigkrit und daraus folgend schwerste moralische Depression. Auch in dieser Hinsieht fand die Konferenz nur den eine״ Weg: Erziehung, Ausbildung, Qualifi/ienmg. Die alten Arbeiterinnen sind in diesem Gebiet ton Schuld nicht frci/uspreclien. Es fehlen in den Kolonien seltr stark erfahrene weibliche Elemcme, die die nette״ Ein- Wanderinnen in die Verhältnisse des Landes und der Arbeit eiiiführen. Jede Chawurah und jeder Kibtiz fast hat in der ersten Zeit alte erfahrene Arbeiter zur Verfügung gehabt, die so lange für den frischen Nachwuchs gesorgt haben, bis seine schwerste Akklimatisationsperiode vorüber war. Die Mädchen überließ man sich selbst. Die alten Arbeiterinnen saßen in ihren Betrieben fest und kamen den neuen nicht zu Hilfe. Die Folgen sieht man heute in der wirtschaftlichen und seelischen Depression der Lohnarbeiterin der Kolonie. Vielleicht, daß die neue Moazat Hapoaloth auch auf diesem Gebiete zu wirken versuchen wird. Für die städtische Arbeit fiat man bis jetzt viel weniger vorgearbeitet, und erst unter dem Zwange höchster Not beginnt man sich eingehender mit der Schaffung von Berufen für die Frau in der Stadt zu befassen. Das Ziel ist auch hier klar: Erschließung von Berufen und Qualifizierung. Aut weiche Weise das in Angriff genommen werden soll, welche Berufe in großem Maßstabc für Frauen in Betracht kommen und wie man sie darauf vorbereitet, darauf gibt es nur sehr ungenügende Antworten, und auch die Konferenz hat keine durchgreifenden Aenderiingen Vorschlägen können. Der Gedanke von städtischen Chawuroth, in dem die Arbeitcrinncn der verschiedenen Berufe zusammeiizufassen sind, kann wohl einige Erleichterungen geben, ist aber nicht mehr als eine Teillösung. In der Stadt fehlt uns jede ausreichende Tradition für Frauenarbeit. Und gerade jetzt, wo für viele zwei und drei Arbeitstage in der Woehe schon ein Glück bedeuten, wird es besonders schwer werden, Arbeitsstellen für Frauen in größerer Zahl zu beschaffen. Es wird sich darum handeln, zuerst einmal aufs gründlichste zu untersuchen, welche Bcrufs/weige überhaupt unter normalen Umständen für die städtische Frati in Betracht kommen. Das ist eine Arbeit, die natürlich keine Konferenz, machen kann, sondern die einer besonderen Kommission übertragen werden muß. Wenn wir dann einen hinreichenden Ucbcrbliek über das Feld haben, das der Bearbeitung harrt, kann mit der Ausbildung der Frauen und ihrer Einstellung in die verschiedenen Berufe begönnen werden. Die arbeitende Frau der Stadt steht heute, was Koopcratiou anbetrifft, weit hinter der Kolonie zurück. Das ist eines der schwersten Hindernisse jeder Berufsarbeit. Für jede Frau, die keine ausreichende Hilfe im Hause hat ■- und das gilt für die weitaus größte Zahl der arbeitenden Frauen --wird berufliche Arbeit fast zur Unmöglichkeit. Diesem Uebeistand, der von weiten Kreisen schwer empfunden wird, ist nur beizukommen durch weitestgehende Kooperation. Zusammcnlcguiig der Hauswirtschaften, Schaffung von guten Säuglingsheimen, Schchunoth Owdirn könnten in der schweren heutigen Lage viel tun. Aber alle diese Arbeiten bedeuten ungenügendes Stückwerk, wenn sic sporadisch, von einzelnen, ohne System, vom Zwange des Augenblickes bestimmt, gemacht werden. Alle Arbeit in dieser Richtung muß von zentralen Instanzen ausgehen, von der Zionistischen Exe,- kutive. von der Munizipalität, von der Arbeiterorganisation. Jede Qualifizierung der Frau, die ohne kooperative Regelung der Haushaltungen gemacht wird, muß zu einem gewissen Zeitpunkt sich zersplittern und damit unlohnend werden. Soweit über die wirtschaftlichen Probleme, die wir in einem Artikel nur kurz streifen konnten. Nicht umsonst hat die Konferenz acht Tage gedauert. Aber es gibt ein Gebiet, das mit Oekonoinie nicht zu erfassen ist und doch stark auf sie zurückwirkt: die psychologische Vorbereitung der Frauen. In einer bestimmten Absicht hatte man die dritte Arbcitcrinncnkoufercnz nach T e 1 - A w i w einberufen. Hier an unserem schwächsten Punkte, was erzieherische Arbeit unter Frauen anbetrifft, sollte diese Konferenz tagen. Sie sollte zu einer Demonstration der arbeitenden Frau werden und sollte für alle Fragen, die auf der Tagesordnung standen, gerade in den Kreisen Interesse wecken, die bisher von einer Tendenz zu einem produktiv gerichteten sinnvollen Leben noch nicht gestreift sind. Die Konferenz hatte einen Erz i e 11 u n g s 7. \v e c k. Es ist heute nicht zu beurteilen, ob irgend etwas der Art durch die Tagung erreicht worden ist. Wenn es der Fall wäre, so könnte es nicht mehr als ein Anstoß sein. Jedoch lag in diesem Gedanken sehr viel riehtiges. Mit der wirtschaftlichen Schulung der F r a 11 m 11 ß eine p s v c h o I o g i s c 11 e Beeinflusst! n g Hand in Hand gehen, wenn die Arbeit zu irgend welchen Erfolgen führen soll. Diese Vorsorge beginnt noch im Gallith. Ein Mädchen muß über das Land Bescheid wissen, wenn sie nach Palästina geht; sie muß wissen, was .sie 41011 erwartet, was das Land von ihr verlangt. Das letzte Jahr hat uns Tausende von Frauen gebracht, die ganz falsche Vorstellungen von dem!.eben in Palästina hatten, die bei ihrer Ankunft völlig sicii selbst überlassen waren und hilflos den neuen Verhältnissen und Aufgaben gcgcniiberstaiulcn. Von diesen Frauen ist für die Wirtschaft im Lande nichts Gutes zu erwarten; sie finden keinen Lebeuskreis, schwer Arbeit, und sind iiir, selbst wenn sie beschäftigt sind, oft genug nicht gewachsen. Hier muß eine große, umfassende Arbeit cinset/en, die im Auslände beginnt und in Palästina fortgesetzt wird. Sie ist ebenso wichtig, wie jede Wirtschaftliehe und ökonomische Aktion. Auf der Konferenz war auch diese Einsicht lebendig. Wie sie sich in die Tat umsetzen wird, bleibt abzuwarten. Noch ein paar Worte über die Zusammensetzung d er Konf e r c n /. Sie war in gewisser Beziehung eine Ueberraschung. Man kann wohl sagen, eine Ueberraschpng zum Guten. In den Verhandlungen zeigte sich eine bedeutende Anzahl frischer, neu hcrangcvvachsener Kräfte, die für die Arbeit in Zukunft viel versprechen. Heute ist das zum großen Teil ungenutztes Material. Es sind das aktive intelligente Persönlichkeiten, die jedoch bisher in der Bewegung noch nicht spürbar wurden und sieb jetzt langsam, aber mit der ganzen Stoßkraft des Neuen ans Licht wagen. Bei einem Teil dieser ,,Neuen•‘ ist ein starker Mangel an realistischer Orientierung bemerkbar, besonders soweit sie zur sogenannten .,Unken“' gehören. Man arbeitet da mit Mitteln und Argumenten, die keine Grundlage im Leben Palästinas haben und dadurch ganz falsche Konsequenzen ergeben. Aber das alles gilt nur für die Richtung, in der die Kraft heute läuft. Die Kräfte selbst sind sehr beachtlich und werden in der Arbeit zweifellos klarer und realistischer denken lernen. Gerade die Entdeckung der vielen starken und neuen Kräfte, die sich a.uf der Konferenz unvermutet enthüllten, war das beste, was sie an Eindrücken zu geben hatte. Ob die Kraft, die sieh auf dieser Konferenz zusammenballte, sich in langsamer täglicher Arbeit wird auswirken können, hängt von der Fähigkeit der Moazah ab. Dabei handelt es sich nicht so sehr darum, was sic selber schaffen wird, sondern um das Movcns, das sie für die allgemeinen Institutionen bedeutet. Diese an ihre Pflicht gegenüber den Aufgaben der Frauenarbeit zu mahnen, ist eine besondere Notwendigkeit, Denn die Sorge für die arbeitende Frau ist keine ׳Sache der organisierten Arbeiterinnen, sondern des gesamten Jisclmws. Laadn irlscfiaits Ausstelmag ii JaRa Am 22. und 23. Juni d. Js. wird in Jaffa eine Landwirtschafts- und Gartenbau-Ausstellung stattfinden. Diese Aus* Stellung wird alle palästinensischen Produkte umfassen, wie Zcrealien, Hiilsciifriichte, Oelsamen, Fournge, Früchte, Vegetabiiien, Milchprodukte, Eier, Honig, gedörrte und konservierte Früchte und Gemüse, Gele, Seifen, Parfüms, Blumen, Limonaden, Tabak, Maulesel, Esel, Schafe, Ziegen, Geflügel und so weiter. An besonders verdienstvolle Aussteller sollen wertvolle Preise verteilt werden. Spezielle Preise erhalten Reitpferde (Engländer, Araber und im Laude gezüchtete), Wagen usw. Für die kommerzielle Ausstellung von landwirtschaftlichen Maschinell und Geräten, Dünger, Samen und Produkte der landwirtschaftlichen Industrie usw. ist eine besondere Abteilung vorgesehen., (Ziko.) .׳ ■׳ic orthodoxe! Rabbiner für Palistiaa New York, 12. Mai. (J.T. A.) Die soeben beendete Jahresversammlung der Union orthodoxer Rabbiner Amerikas nahm eine Resolution an, in welcher alle Mitglieder der Union aufgefordert werden, den Aufbau Palästinas mit allen Mitteln zu unterstützen und alle persönlichen Opfer hierfür zu bringen. Die Mitglieder der Union werden aufgefordert, an den auf den Aufbau Palästinas gerichteten Arbeiten der Zionistischen Organisation tcilzunelunen und dafür zu sorgen, dal! alle vom Keren Hajcssod geleiteten Institutionen in traditionell-jüdischem Geiste geführt werden. In einer zweiten Resolution wird das Palästina-Komitee der Union aufgefordert, mit den Rahbinerverbändcu des Auslandes in Fühlung zu treten und mit ihnen über Mittel zu beraten, wie die Friedensbrücke im religiösen und Gemeindelcben in Palästina zu schlagen und Harmonie ,.in dem Heim unserer Zukunft“ lier/.ustellen sei. Das Palästina-Komitee der Union teilt mit, daß im vergangenen Jahre 81 amerikanische Rabbiner in Palästina Land erworben haben. istidie ritt-!bei Jm- , in hnt, treu adtoft : er 1 f elf Leider überzeugte ich meinen jungen Freund nicht. Unsere Auffassungen blieben disparat. Verärgert wie er war, ließ er mich plötzlich stehen und lief mehr denn er ging scheltend die Jaffastraße aufs Postamt zu. Aus seiner Rocktasche lugte ein Manuskript. Viellei :ht eilte er. einen neuen Artikel nach Europa zu senilen mit flammenden Proosten gegen die ״Rechtsimsicherlieit in Palästina . . Rechtsunsicherheit? Ja, wir Juden sind unsicher geworden in der Erkenntnis dessen, was Recht ist. Solange uns das Nationalheim in weiter, weiter Ferne winkte, wußten wir es roch, da zitierten wir fleißig Jesaia, den Fricdcnspropheten. Und nun ... tsdi Ab• in :hei; die sic beit lelei Ilen; rren rgu* j cqlela ßen, lau מ Man iber, nen, uns escu nutz!end eien Lasar Segail In der Galerie Nierendorf sieht man gegenwärtig die Aus- •teilung eines Künstlers, der dem engeren Kreise des kuristlebenden Publikums /״mindestens in Reproduktionen schon seit einer Reihe von Jahren bekannt ist, den russU.־ - ünisclieii Maler Lasar Segail. Wenn .man vor den monumentalen Bildwerken stellt, fühlt man zwingend eine große geistige Kraft, In diesem Maler wird das Werk herausgeschlemlert in heiligern Zwang, wenn irgendwo, dann spürt mail hier die große Flamme, der angesichts eines so unerschöpflichen Meeres von Schwermut, Musik, Menschlichkeit und sinnlich übersinnliehen» Furioso nichts anderes übrig blieb als sich im Symbol einen vorläufigen Ausgangs- und Ruhepunkt zu schaffen. Deskalb ist es gar nicht so seltsam, daß die beiden Bilder, die sicher auch heute immer noch die stärksten sind, schon 1919 Und 1020 entstanden, im Höhepunkte jener Zeit, die ganz auf Kristallisation und Organisation des Innenlebens gerichtet war. Bei Lasar Segail spürt man es, wie die Organisation aller Kräfte — sie beginnt schon 1017 in den scharf akzenhüerten Intcllcktucllengestalten — einfach nötig ist, um Raum Und Kraft zu schaffen für den größtmöglichsten Wellengang, gleich groß für vergeistigte Ekstase wie für das allernächste Verbundciisein des Lebens wie in den ״Liebenden“. Die Ge- Sichter sind alles andere als verklärt, aber es sind schlichte Gesichter, das Gesicht des östlichen Mensche!!, des jüdischen Menschen. Ohne Orientromantik aber mit dem Ertasten des letzten eben noch bewußten Gefühls. Die mystische Orchidee der vier Hände spricht von außerordentlicher Kraft des Erlebnisses letzter Lebensmöglichkeiten. Lasar Segail ist jetzt 37 Jahre, also noch jung im Hinblick auf sein erstaunliches Werk. Wie stark es ist, zeigt die Entwicklung, die unter dem Zeichen Brasiliens steht. 1023 ging er nach Sao Paulo. Die Zeichnungen, junge lind alte Neger, Mulattenfranen, Negerkinder, sind nichts als ein tiefes Hineintauchen in das neue Geschenk: Primitivität, primitive Menschen. Kristallisation, intensivste Organisation, alles steht im Zeichen eines neuen fruchtbaren Lebensprozcsses. Der Farbenrausch des Südens schenkt Bilder, die Erinnerung sein wollen, wahrste Erinnerung. Das brennende Gelb der Sonne, das helle Violett mit dem er die Häuser tönt — als hellen Abglanz phantastischer Pflanzen, — sattes Kaktcengriin und Palmen und kaffeebraune Menschen, all das vereinigt sich zu einem einzigen hellen Farbenrausch. Das Hingegebensein au die primitivste Natur ist in seiner Art ebenso stark wie vorher der Bann geistig dämonischen Ghettos und musikvertieffer Ghettosehwermut. Die Farben, vorher meist ein mystischcs schmut/iggriin, grau, schwarz, grau-grün und gespenstiges Violett, diese Farben hellen sich in der Sonnenwunderkultiir des Südens völlig auf. Auch die Gestalten seiner alten betenden Juden verlieren ihr typisches Grau, einer bringt cs bis zu einem warmen Holzton und plastischer Farbigkeit. Und die endliche Frucht dieser vorläufig fetzten Wandlung zum Hellen, sind schöne zartfarbige Kompositionen. Eins der schönsten Bilder: ein ganz schlichtes junges Paar mit zart aufgehclltcn Farben, hineiiigestcllt in ein Mietskasernen- Viereck, bringt Bann und lastende Enge des üroßstadtlcbens auch in den hellen Tönen der neuen Bildanschauung zu zwingendem Ausdruck. Innerhalb dieser großen Umrisse das einzelne zu würdigen, ist nicht Aufgabe dieses Hinweises. Die jüdische Welt des Ostens ist fesigehaltcn in ihren tiefsten lebeiierhaltenden Strömen. An äußerer Anerkennung hat es Lasar Segail nicht gefehlt. Die Museen in Chemnitz, Essen״ Frankfurt a. M. und Hagen, das Folkwangnniseum besitzen seine Werke. Wilna, die Stadt’ der er eins seiner schönsten Werke gewidmet hat, die Mappe*) *) ״Erinnerung an Wilna“ heißt eine Mappe mit fünf Radierungen. Eine andere Mappe enthält Lithographien zu Dostojewski ״Die Sanfte“, ״Erinnerung an Wilna", ist ihm nicht nur üeburtsstadt und Heimatstadt, sic ist auch menschlich und künstlerisch die große Leheiisciuelle geblieben. In der Einleitung zum Katalog schreibt der Dresdener Musetimsdirektor Paul F. Schmidt: ״Lasar Segail . . . liefert einen stärkeren Erkeiintnisbcitrag zur russisch-jüdischen Seele als selbst Chagall *. lieber den Grad wollen wir nicht streiten. Aber Lasar Segail kann neben diesem großen Mystiker des Ostens bestehen. Daß er wie Dostojewski in der ganzen Breite des Weges mit dem Ausschachten der Tiefe beginnt, das unterscheidet ihn von Chagall, dem ״großer) Maggid" der Malerei. Ruth Morold. Frau A. G. Dostojewski, Tagebuch. Die Krise Dostojewskis. Herausgegeben von Di. Kurt K ersten. E. Lanbsch« Verlagsbuchhandlung, Berlin 1925. Dostojewskis Romane haben unsere Gegenwart in einem so tiefgehenden Maße beeinflußt, daß jedes Buch, das uns in seine Sphäre führt, willkommen geheißen wird. Was uns vorliegt, kündet nicht vom Schaffen des Genius, sonder״ mir von seinen Qualen und Nöten. Dostojewski heiratete seine wesentlich jüngere Stenotypistin, eine Frau, die, fern der ganzen leklensehaftsdurdifobtcn Atmosphäre der damaligen russischen Literatur und sich .־inkündigenden revolutionären Bewegung, doch eine ungewöhnlich kluge Frau war, die diesem Manne Lebensgefährtin zu sein verstand. Das Buch schildert tagebnehartig die Reise Dostojewskis und seiner Frau durch Deutschland in die Schweiz. Sie schildert den von seiner Spicllcideiisdiaft besessenen Dichter, die ständigen pekuniären Sorgen des Ehepaares, da jedes Geld, das ihnen aus Rußland nadigesaiidt wird, am selben Tage im Spicisaalc verspielt wird; cs schildert die furchtbaren epileptischen Anfälle Dostojewskis, seinen Kampl mit sich selbst, um die Spiclleideuscliaft zu überwinden, der er immer wieder erliegt, bis es der Frau gelingt, ihn hinwegzuführen, nach der Schwei/., zu einer neuen Periode seines Schaffens. Das Tagebuch führt nicht zu den Werken des Dichters, aber zu seiner Persönlichkeit und läßt den Vulkan verstehen, der im Innern dieses Schöpfers lebte und ihn in späteren Epochen zu seinen Werken zwang. F, L