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Jüdische Rundschau · 1926-05-28 · Heft 40-41 (28.5.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 40-41 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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# Nr. 40/41 JUEDISCHE RUNDSCHAU__Seite 303 Die Jüdische! Gtmeiidewahleii!■ Bcrita Der Erfolg der nlchtlibcralen jüdischen Parfeien bei den Wahlen in die Jüdische Gemeinde am 16. Mai hat in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit großes Aufschm erregt. Aus den Pressestitmncn des in- und Auslandes geht hervor, daß insbesondere der große Erfolg der Jüdis c!1 c 11 V o I k s p a r t c i weitestgehende Beachtung gefunden hat. Die Tatsache des Erfolges der zionistischen Anschaumigen in der größten Gemeinde Deutschlands konnte durch die von liberaler Seite in der gesamten Tagespresse veranlaßtc Berichterstattung über den Ausgang der Wahlen nicht veggclcugnet werden. Die Liberalen bemühten sich nämlich in den von ihnen lancierten Berichten darzutun, daß sie bei den verflossenen Wahlen ihren Besitzstand restlos zu wahren vermochten, und daß die vorgekommenen Verschiebungen auf Kosten anderer jüdischer Parteien zugunsten der Jüdischen Volkspartei vor sich gegangen wären. Auch der trennungsorthodoxe ״Israelit“ in Frankfurt a. M. eilt mit seiner Dar- Stellung des Wahlergebnisses in Berlin den Liberalen zur Hilfe. Er teilt nämlich seinen Lesern mit, daß in der Zusammenset/ung der neuen Repräseiitantenversainmlung in Berlin keine Veränderung vorgekotnmen sei. In seiner blinden Abneigung gegen den Zionismus und gegen das Nationaljudentum bequemt er sich lieber zu einer Förderung des liberalen Vertuschungssystenis in der Berichterstattung, als daß er zugeben könnte, die Zionisten gewännen innerhalb der Berliner Judenheit an Anhang. Das geschieht, trotzdem am 13. Mai 1926 in Nr. 11 des ״fsraclit“ (Agudas Jisroel-Beilage) wortlieh zu lesen war: ,,Man wirft der Agudah vor, sie sei nicht national gesinnt, was aufs entschiedenste zurückgewiesen werden muß“. Tagung der Agudas Jisroel Die Agudas Jisroel hielt am 2-1. und 25. Mai in Berlin die Sitzung ihres Zentralstes ab. Bei dieser Gelegenheit berichtete Dr. Pinkas K 0 h n über die Verhandln»- gen mit der Zionistischen Organisation, von denen er sagte, daß sie auf einen toten Punkt gelangt sind, weil eine Uebereiiistimmung nicht erzielt werden konnte. Ausführliche Berichte wurden außer über organisatorische Fragen der Agudah auch über Palästina erstattet, z. B. referierte der kürzlich von einer Palästinareise zurück-gekehrte Rabbiner Dr. M. Auerbach über das Erichungswescn in Ercz-Israel. Die meisten Anträge wurden zur Beschlußfassung den» Gcscliäftsführenden Ausschuß überwiesen. ReichskoBterenz der osljiidischfu Orpaisationen Am Sonntag, den 23, Mal, tagte im Sitzungssaal der Berliner Jüdischen Gemeinde die 111. Rcichskonfcrcnz des Verbandes Ostjüdischer Organisationen in Deutschland. LXc Konferenz war von 65 Delegierten aus Berlin und allen Teilen des Reiches beschickt. Nachdem der Vorsitzende des Verbandes, Herr Samuel Haarpuder, die Versammlung cröffnete, erstattete Herr Benzion Fett den Tätigkeitsbericht der Exekutive. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde Herr Haarpuder, zu seinem Stellvertreter Herr Fett gewählt. Herr Dr. Taubes (Köln) hielt ein Referat über ״Gegenwart und Zukunft des Verbandes“. Herr Arthur Rothenberg wurde mit dem Korreferat betraut. Den beiden Referaten schloß sich eine lebhafte Debatte an. Die Neuwahlen ergaben einstimmig folgende Zusammensetzung der Exekutive: Samuel Haarpuder (Vorsitzender), Fett, Glaser, Hauser, Goldmann, Langermann, Leser, Rothenberg, Dr. Sadker. Jubiläum des Bülsvereios der deutschen Jude! Ara 16. Mai 1926 fanden in Berlin im Logenhaus unter Vorsitz von Herrn Dr. James Simon eine Sitzung des Zentralkomitees, die Generalversammlung des Hilfsvereins• der deutschen Juden und in» Anschluß daran eine Festsitzung anläßlich des 25jährigen Bestehens des Hilfsvereins der deutsehen Juden statt. Teilnehmer an den Sitzungen waren aus aßen Teilen des Reiches erschienen, ln der Festsitzung führte der Vorsitzende aus, daß die Feinde des Judentums mit besonderen» Nachdruck seit langem die Anklage erheben, die Juden seien international, d. h. es bestehe ein enger Zusammenhang unter sämtlichen über die Welt zerstreuten Anhängern der mosaischen Lehre. Dieser Satz sei von deij Juden zu akzeptieren, aber nicht als Anklage, sondern als Lob. Nach der Rede von Dr. James Simon folgten Begrüßungen. Hierauf hielt Dr. Nathan ein längeres Referat über die bisherige Tätigkeit des Hilfsvereins. Ucber das Schulwerk in Palästina führte er u. a. ,folgendes aus: ״In Palästina wurde am 31. Mai 1918 das Schulwerk־ des Hilfsvereins von der englischen Okkupationsbehörde gcschlossen und den Zionisten übergeben. Der unglückliche Ausgang des Krieges für Deutschland machte die Existenz von Schulen unter deutschem Schutz im Orient und den Balkanläudern überhaupt problematisch; die Verbreitung der :kutschen Sprache im Orient hatte an Bedeutung verloren; «ndere Weltsprachen sind an ihre Stelle getreten. Schweren Herzens hat der Hilfsverein die Weiterführung seines Kulturwerkes im Orient aufgeben müssen. Redner gibt dann dem Wunsche Ausdruck, daß die vom Hilfsverein begründeten palästinensischen Institute auch unter dem neuen Regime der Zionisten zum Segen der orientalischen Judenheit blühen mögen.“ Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden fand die Tagung ihr Ende.; ermann Blnmeithal gestorben Man schreibt uns: Am 13. Mai starb 1'n Cassel der Bankier Hermann Blum ent 11a I. ln dem Dahingang dieses Mannes verbirgt sich ein Verlust nicht nur für die Gemeinde Cassel, sondern auch für die gesamte Lehrerschaft Kurhessens, ihre Witwen und Waisen, deren wärmster Freund der Verstorbene war. Hier soll erzählt werden, wie dieser Mann, der durch viele Jahre trotz seiner tiefen jüdischen Verankerung den Zionismus strikt ablehnte, zum Zionismus kam. Begonnen hats wohl mit der Einsicht, daß bei den iungen zionistischen Arbeitenden der Klal-Gedanke tiefer verwurzelt sei als bei den offiziellen jüdischen Behörden, in deren Dienst er sein ganzes arbeitsreiches Leben gestellt hat. Lahrelang hat Blumenthal im Ceutraiverein an leitender Stelle gearbeitet, aber in dem Augenblick, wo dieser seine Ursprung- ׳iche Aufgabe, die angegriffene Ehre der Juden zu schützen, m den Hintergrund stellte und sich vornehmlich der Beiämpfung des Zionismus widmete, legte Blumenthal sein tont dort nieder, weil er mit seinem sicheren jüdischen Instinkt fühlte, daß man eine Bewegung, die zur jüdischen Wiederzeburt führte, nicht bekämpfen dürfe. Aber völlig zum Durchbruch kam sein Glaube an den Weg, den wir gehen müssen, eist, als er Chaluzim urnf Chaluzoth n den Casseler Fabriken in schwerster körperlicher Arbeit uch ihren Weg ins Land der VJtcr erringen sah. Damals mirde Hermann Blumenthal der Vater der Casseler Ortsruppe, für die ihm kein Kampf mit der ausweiselustigcn ehörde, aber auch mit den auf ihr westdeutsches Judentum 10 stolzen Gemeindeinstanzen zu schwer war. Wer ihn dann ätzen sah, im Kreise der Jungen, mit leuchtenden Augen, ais in späte Nachtstunden aufs Intensivste diskutierend, der :rkaiinte, daß dieser Siebziger die Seele eines Jünglings in c{ch trug. Auch er selbst sagte: 20״ Jahre jünger, ich stünde kn ihren Reihen.‘‘ Mitglied unserer Organisation ist Hermann Blumenthal nicht gewesen, 'aber aus der tiefen Liebe zu seinem Volke heraus hat er so ausgezeichnete ־zionistische Arbeit geleistet, daß die vielen jungen Menschen, dir diesem Manne Vertiefung und Beseelung ihres jüdischen Seins verdanken, sein Bild in sich festhaiten werden. L. P.-B. Erstes Konzert des ״Neu?■ Kammeforehester“ (Begründer und Leiter: Michael Taube.) Diese Gründung ist ein Bedürfnis im Musikleben Berlins; erstens, weil ausgesprochene Kaminei nmsikwerke nur _ von einem Kannncrorchestcr ausgeführt werden können, zweitens, weil die Abwechslung und die feinere musikalische Kultur einer Großstadt eine solche Institution (genau st», wie ein Kammertheater, wie etwa die Kammcrspicle) benötigen, und endlich und nicht aus dem letzten Grunde, weil eine solche Vercinigung die subtilere Produktion am besten anregt. Wir hörten zunächst die alte Musik: Haendel und Mozart. Der Ins in die feinsten Nerven musiksprühende Taube leitete das Conzerto Grosso in H-moIl vom Flügel aus. So sehr dadurch die historische Genauigkeit zur Geltung ktmmien mag, hätte ich doch lieber den Dirigenten am Pult gesehen. Der breite Stil Haendcls und seine großartige Empfindungswelt erfordern eine klare einwirkendc Leitung und nicht nur eine Notdircktive. Besonders der erste Satz litt darunter. Meine Meinung wurde durch die Wiedergabe des Mozart’schcn A-dur- Konzertes bestätigt, in weichem Georg Bertram mit Anmut und Präzision den Solopart spielte. — Die Attraktion des Abends aber bildete Himlemiths Kon/ertsuite ״Der Dämon“ mit 11 Tänzen, und zwar mit solchen wie etwa ״Tanz der geängsteten Schwalben“, ״Tanz des Giftes“, ״Tanz der Brutalität“ und ״Tanz der Trauer und Sehnsucht“. Das Werkchen, das ein Feuerwerk von Zartheit und Derbheit darstellt, ist glänzend instrumentiert und mutet fast ״asiatisch“ (man dachte manchmal an die javanischen Tänze) an. Alle solche Musik kommt mein־ oder minder vom Juden Schönberg 11er. Die Schüler werden bald dadurch, daß sic weniger einem Prinzip folgen und nur gute Musik machen, die tatsächlich neue Richtung popularisieren. Man. denke an die beiden Wozzekvertoiiungcn, an Bloch 11. a. ni. und mau wird das antisemitische Gehabe Pfi;/11ers etwa verstehen und — nicht verzeihen, sondern weiter aus dem Lehendig-sien schaffen und fördern. Arno Nadel. Konzert. Jascha Horenstein, ein junger Dirigent von außergewöhnlichem Format und reichster Begabung, führte im Rahmen einer Morgenfeier des Arbeiterkulturkartelis die neunte Sinfonie von Beethoven auf. Er hat eine durchaus eigene, nicht willkürliche Beziehung zu dieser Musik, er durchleuchtet die schwierige Struktur, verschärft die Gegensätze, läßt Gewalten auferstellen, celebriert den Gesang des ewigen Adagios und reißt Orchester- und Chormassen zu faszinierenden, aufrüttelnden Wirkungen. Er ist ein Kommender seines Metiers, unzweifelhaft. Hoffentlich gelingt cs dem hoffnungsvollen Künstler einen entsprechenden Wirklingskreis zu erlangen. Dr. K. R. Berliner Zionistische Vereinigung Die Vertreterversammlung der B. Z. V. hat im Verlaufe dieses Winters in ihren Sitzungen zu einer Reihe von grundlegenden Fragen unserer Bewegung Stellung genommen, um in diesem repräsentativen Kreise zu einer Meinungsbildung innerhalb des Berliner Zionismus zu kommen. Diese Aussprachen, die zum Teil unter großer Anteilnahme des Berliner zionistisehen Publikums stattfanden, beschäftigten sich u. a. in ihrer ersten Sitzung mit dem Fragenkreis der Aufgaben und Mög* lichkeiten der B. Z. V, nach einem Referat von Dr. Kanow i t z. in diesen» Referat war als eine der wesentlichsten Forderungen die Politisierung der B. Z. V. aufgesteilt. Dementsprechend befaßte sich die Vertreterversammlung in ihren nächsten Sitzungen mit einer Reihe grundsätzlicher politischer Fragen. Außerordentlichen Raum nahm eine Debatte über die Ziele und Methoden zionistischer Politik ein, die durch ein Referat von Dr. Hans Bloch eingelcitct wurde. In längeren grundsätzlichen Ausführungen begründete Dr. Hans Bloch eine Interpellation betreffs Haltung der ״Jüdischen Rundschau“ zu den Fragen zionistischer Politik. Akuten Anlaß zu dieser Interpellation bot die Stellungnahme zur Frage der Einholung der Fahne der jüdischen Legion nach Jerusalem. Im Verlaufe dieser Debatte nahmen u. a. die Herren Kurt Blunienfcld, Richard L i c h t h e i m , Dr. W e 11 s c h und andere Führer des Berliner Zionismus das Wort, Dieses Thema stand während mehrerer Sitzungen auf der Tagesordnung. Ferner nahm die Vertreterversammlung zu den Fragen der Gemeindearbeit (Referent Herr Dr. Sandle r), der jüdischen Schule (Rcfereut Herr Stud.-Rat Hammerstein), des Keren Hajessod (Referent Herr Bacher), des Jüd. Nationalfonds (Referent Herr Dr. Mandelbaum) usw. Stellung. Die nächsten Sitzungen der Vertretcrversammlung werden der Vorbereitung des Delegiertentagcs gewidmet sein. Die Diskussion wurde in der Sitzung vom 17. Mai durch ein sehr ausführliches Referat des Vorsitzenden der B. Z. V., Herrn Richard Lichtheim, eiugeleitet, der in seinem Referat zu den augenblickliehen akuten Problemen in der Bewegung Steilung nahm. Herr Lichtheim berührte u. a. die Frage des Keren Hajessod, die Beziehungen zwischen Keren Hajessod und Leitung der Zionistischen Organisation, einer jüdischen Anleihe und Fragen der jüdischen Kolonisation. Die Vertreterversammlung wird in den nächsten Wochen einer Reihe von Vertretern der verschiedensten Richtungen die Möglichkeit geben, hier ihre Anschauungen vorzutragen. Ais Referenten für die nächste Vertreterversammlung sind in Aussicht genommen die Herren Lichtheim, Dr. Martin Rosen blüth, Isaac Feuerring. Es ist zu hoffen, daß die Berliner Zionisten auf den diesjährigen Delegiertentag auf gründliche Klärung der zetitralen Fragen unserer Bewegung sehen werden. Richtigstellung Bei den in Nr. 38/39 der ״Jüd. Rundschau“ veröffentlichten Wahl Vorschriften für die Waiden zum Dolegiertenfag ist folgende Richtigstellung yorzunelmicn: § lSd. Die Wahlvorschläge (in Ortsgruppen, wo laut Statut Verhältniswahlen stattiinden) müssen an die Ortswahlkommission bis spätestens 1. August cingcreicht und von der Ortswahlkommission in der Reihenfolge ihres Eingangs bis spätestens 3. August in ortsüblicher Weise bekanntgemacht werden. § 18c. Die Verbindung von Wahlvorschlägen muß der Ortswahlkommission spätestens bis zum 4. August einschließlich mitgeteilt und von der Ortswahlkommission bis spätestens 6. August einschließlich auf ortsüblichem Wege bekanntgegeben werden. Das Präsidium der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Wir brachten kürzlich eine Nachricht über die Einsetzung einer Wirtschaftskommission, bestehend aus Vertretern der Regierung und der Jewish Agency. Es wird nun mitgeteiit, daß es sich hier keineswegs um eine offizielle Kommission handelt, sondern lediglich um eine Zusammenkunft der jüdisehen Vertreter mit dem Referenten der Regierung, der ihre Forderungen zwecks Wciteficitiffig zur Kenntnis nahm. Brielkasien der Redaktion An mehrere Einsender. Wir danken Ihnen für Ihre Zustimmung, können aber Ihre Acußerting, weil zu lang, nicht abdrucken. Den spärlichen Raum, der uns für Diskussionen zur Verfügung steht, müssen wir den Gegnern unserer Haltung reservieren. ־Wir bitten daher, in Zukunft Zuschriften, in denen die Politik der Redaktion gebilligt wird, möglichst kurz zu halten. G. Oslrowsky. Das Buch von Klausner ist bisher lediglieh hebräisch und englisch erschienen. Unseres Wissens besteht kein Projekt einer deutschen Ausgabe. Für unser Blatt kommt der Abdruck eines so umfangreichen wissenschaftlichen Werkes natürlich nicht in Betracht. Tralson. Sie machen uns aufmerksam — was uns gewiß auch nicht entgangen ist, wir aber ausdrücklich anzumerken unterließen —, daß Heinrich Margulies in seinem Artikel ״Die palästinensischen Staafsfinanzen“ es als Neuigkeit von erheblicher Bedeutung bezeichnet, falls Agrarkredite an Araber gewährt sein sollten. Ueber diese Anleihen ist wiederholt gesprochen und berichtet werden. So schreibt Sir Herbert Samuel in seinem zusammenfassendett Bericht Administration of Palestine 1020—1925 auf S. 16, unter dem Titel: ״Agriculture“, daß die Militärbehörden von der A. E. B. einen Vorschuß für Agrarkredite genommen haben, und daß in den folgenden fünf Jahren 562000 £, meist in kleinen Summen, an Landwirte gegeben wurden. Im ״Palestine Official Report*‘ für 1920—1921, auf Seite 6, heißt es: ״Ein gewisser Teil wurde an jüdische Bauern gegeben, doch der größere Teil wurde an Araber ausgeliehen.“ Auen in Sir Herbert Samuels mündlichem Bericht vor der Mandatskommission 1924 ist auf dieselbe Sache auf Seite 57 Bezug genommen. Noch an einer anderen Stelle ist eine Tatsachenkorrektur notwendig. Heinrich Margulies schreibt, daß das Sujrvey Department keinen Zusammenhang mit dem Zionismus hat In Wirklichkeit haben wir daran das größte Interesse, da die Landvermessung als Vorbedingung der Zuweisung von Regierungsland an Juden gilt. Palästinenser. Sie sollten ein bißchen die Hugcnberg- Presse lesen, damit Sie aus ihrer Naivität erwachen. Diese famosen Blätter brachten am Tage vor Pfingstsonntag, an dem eine kommunistische Demonstration, die völlig ruhig verlief, angesagt war, große Alarmnachrichten ״Russische Gewehre in Berlin“, wonach sich herausstellte, daß 12 unbrauchbare Flinten aus einem Maskenverleihgeschäft für eine Theater• Vorstellung entliehen worden waren. Durch Erzählungen von vorbereiteten Panzerautos, Maschinengewehren usw. schaffen diese Hetzblätter jene Erregung der Bevölkerung, die dann zu Explosionen führt. — Daß ihre Zeitung ״Dawar“, lehawdil, einer ganz anderen Kategorie angehört, ist klar. Aber tagelang erschien sie mit fettesten Ue&erschriften ״Die arabisehe Legion wird gebildet!“ und sprach von der gefährdeten Sicherheit. Gegen diese Haltung, die die Sicherheit erst gefährdet, haben wir in Nr. 31 der ,,Jüdischen Rundschau‘* Stellung genommen. Wir behaupteten, daß davon das Schlagwort ״Legion“ usw. in den Köpfen zurückbleibt. Unser , Freund B e i 1 i n s o 11, der persönlich gewiß ein Gegner der legionistischcn Katastrophenpolitik ist und dessen ernste Bemtthungeu um das arabische Problem uns bekannt sind (ist er doch auch unser von uns geschätzter Mitarbeiter), hat leider nicht erkannt, daß die von uns oben kurz charakterisierte Art der Nachrichten-Aufmachung und andere ähnliche Fakta bedenklich sind und von den Verfassern jener ״Erklärung“ mit Recht als Legionspropaganda aufgefaßt werden konnten. Darum schrieben wir, daß ״B. bei seiner Apologie der Legtonspolitik, die er naiverweise gar nicht als solche anerkennen will, zu wenig die Imponderabilien berücksichtigt“ usw*. Womit nicht gesagt Ist, daß B. ein ״Apologet der Legtonspolitik“ ist, sondern daß das, was B, der Gegner der Legionspolitik, naiverweise verteidigt, in Wirklichkeit Legionspolitik ist. — Nehmen Sie rechtzeitig die 1 iuge'nberg-Prcsse als abschreckendes Beispiel! Schon schleicht das Gift der Verdächtigung liberaler Denkungsart als ״national unzuverlässig“ auch durch die Straßen Tel-A»viws und Jerusaletns. Sollen wir Juden wirklich dieses Schauspiel bieten? Eiigesmdt Die Erbschaft des Lord Landsworth. Herr Oberrabbiner Dr. Landau aus Johannisburg bittet mich, in der deutschen Presse auf folgendes aufmerksam zu machen: Es gehen in Südafrika eine Unmenge von Anfragen wegen der Erbschaft eines gewissen Stern ein, der es zu fabelhaften» Vermögen gebracht haben und ohne Hinterlassung von Erben als Lord Landsworth gestorben sein soll. Die ganze Geschichte ist aus der Luft gegriffen. In Südafrika ist von einem solchen Manne nichts bekannt. Die eingehenden Anfragen zu beantworten ist wegen ihrer Fülle ganz u!1möglich. Dr. F. Goldmann, Leipzig. Verei■ jüdischer Hotelbesitzer Der Verein jüdischer Hotelbesitzer teilt mit: Am 13. April fand eine Mitgliederversammlung des Vereins jüdischer Hoteliers und Restaurateure statt. In seinem Bericht wies der Vorstand auf die vielseitige Tätigkeit hin, welche er im Interesse des Vereins entfaltet hat, durch Zeitungsreklame, Versendung von aufklärenden und propagandistischen Notizen an die jüdische Presse, ln ausgedehnter Aussprache wurde sodann in Gegenwart eines Herrn vom Vorstand des ״Vereins zur Förderung ritueller Spcisciiänser“ in Hamburg, über die geplanten Acnderungen bezüglich der Bedingungen für die Aufnahme und für die Aufsicht usw. verhandelt. Wenn auch nicht über alles Einigkeit erzielt wurde, so gelang es doch, die meisten Punkte in einer beide Teile befriedigenden Wdisc zu regeln, nicht zuletzt, dank der Haltung des Delegierten des Hamburger Vereins, welcher cs verstand, bei völliger Wahrung seiner Grundsätze doch auch unseren Interessen gerecht zu werden. Unter anderem wurde beschlossen, daß jeder, dein Hamburger Verein unterstellte Betrieb ein mit dem Zeichen des Vereins versehenes Schild erhält, welches bei Erlöschen oder Ruhen der Aufsicht zurückgezogen wird. Beim Kapitel ^Preise“ wurde allseitig festgestelit, daß alle Betriebe, gleichgültig, ob es sich um Saison- oder Stadtgeschähe handelt, trotz bedeutend erhöhter Selbst- und Utikosten, bei Friedenspreisen angelangt sind. Nur wem» auch die nicht orthodoxen Kreise zu der Einsicht kommen, die gut geleiteten jüdischen Betriebe mehr als bis jetzt zu unterstützen, und daß sie sich dort genau so wohl fühlen, wie in anderen Häusern, wird es möglich sein, die jüdischen Hotels auf dem Niveau zu halten, das ein großer Teil erklommen hat. Zu Punkt ״Sommerpropaganda“ wurde beschlossen, in den führenden jüdischen Organen Sammelinserate erscheinen zu lassen. Alle anwesenden Mitglieder haben ihre Beteiligung zugesagt. Als Ort der nächsten Tagung, die im Oktober statt finden soll, wurde Köln bestimmt. Der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands E. V. (Sitz Berlin), Geschäftsstelle: Berlin NO 118 Große Frankfurter Str. SO/81, hält am 30. und 31. Mai 1926 in Leipzig seinen 7. ordentlichen Verbandstag ah.

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