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Jüdische Rundschau · 1926-05-28 · Heft 40-41 (28.5.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 40-41 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 302 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40/41 Zur Taguag der Mandatskommission Das M c in oranduni der Zionistische n O r g ״ - nisation, das im Kamen von Dr. Wcizmann dem High CoinmissioiKT von Palästina überreicht wurde, ist bereits dem Staatssekretär für die Kolonien?111־ Weitergabe an den General- Sekretär des Völkerbundes übermittelt worden. Das Memorandum des Waad Lcumi wurde dem Ersten Sekretär der palästinensischen Regierung zur Wciterleitung an den Kolonialsekretär am 15. Mai übergeben und enthält 11. a. folgende Forderungen: 1. Die Durchführung der Vorschläge gemäß dem Bericht über die ״Ü sehe r“- Steuer. 2. Zollfreilicit für alle Werkzeuge und Materialien für Sanierungsarbeite״, wie Drainage und Bewässerung. 3. Berücksichtigung der Forderungen jüdischer Landwirte nach landwirtschaftlichem Kredit, sofern die palästineusischc Regierung solchen gibt. A bstellung des jetzigen Systems der l.andvertcilung und Einführung eines neuen Systems, das den Interessen einer dichten jüdischen Bc- Siedlung und der allgemeinen Entwicklung des Landes Rechnung trägt. 4. Beratung des Völkerbundes über eine Kolonisationsanleibe, gestützt auf die von den Juden erzielten günstigen Resultate hei der Lxploitierimg von Pflanzungen und anderen, reiche Erträgnisse gebenden Getreidearten, in Verbindung mit der Entwicklungsmöglichkeit unbewohnter Regierungsländereieii, die den Juden zur Ansicdhmg zur Verfügung gestellt werden sollen. Jerusalem, 21. Mai (J. T. A.) Colonel Symcs, der Chefsekretär der Palästina-Regierung, reiste gestern nach England ab. Colonel Symcs wird, wie schon initgeteilt, die britische Regierung bei der Juni-Tagung der Mandatskoinniission des Völkerbundes vertreten. Der Jahresbericht der Palästina-Regierung wurde bereits nach London zwecks Uchermittlung an die Mandatskommission in Genf abgesandt. Mr. Mills vertritt Colonel Symcs in Jerusalem. * Die Frage des M e m u r a n d u m s des W a a d L e 11!11 i und der Delegation nach Genf beschäftigt noch immer lebhaft die palästinensische Ocffentlichkeit. Ein Teil des Jischuvv scheint diese Maßnahmen nicht anders verstellen zu können als im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Militärfragc. Daher erhebt sich starkes Mißtrauen gegen die gewählte Delegation, von der man befürchtet, daß sie nicht genügend energisch die Politik des Waad Lcumi in dieser Frage vertreten werde. Das revisionistische Organ .,llazafo 11“ in Haifa berichtet über die heftige Opposition, die die Revisionisten und Achduth Haawodah gegen die gewählte Delegation, insbesondere gegen Dr, Arlosoroff, machteil. Seltsam klingt der Bericht des genannten Blattes über die Rede, die Herr Ussischkin bei der Trauerfeier für Nordau hielt. In dieser Rede bekannte sich Ussischkin als radikaler Bekenner des politischen Zionismus Nordaus (eine Pikanterie für jeden Kenner der zionistischen Geschichte) und erklärte, Nordau würde sieh im Grabe umdrehen, wenn er den Zionismus der heutigen Führer sähe. In diesem Zusammenhang appellierte Herr Ussischkin an die Delegation nach Genf, sie möge auf den Wegen von Nordaus politischem Zionismus gehen, sonst werde sie Schaden statt Nutzen stiften. -Die Sitzung des Waad Letimi, die sich mit dgm Memorandum befaßte, dauerte am 11. Mai von 6 Uhr nachmittags bis 4 U 11 r morgens. Am Beginn der Sitzung wurde mitgeteilt, daß das Memorandum bereits am 20. Mai in Genf sein müßte, und da es der Regierung in Palästina überreicht, von dieser ans Colonial Office nach London geschickt, und von dort mit den Bemerkungen der englischen Regierung an das Sekretariat des Völkerbundes geleitet wird, könne es nicht mehr rechtzeitig eintreffe n. Diese Erklärung, die dem Vertreter des Waad Leumi von Colonel Sy Utes gemacht worden war, erregte peinliche Ucberraschung, da die Regierung in einem Brief vom 5. Mai mitgeteilt hatte, die Frist der Ueberreichung des Memorandums in Palästina laufe bis 15. Mai.' Nach einer erregten Debatte wurde beschlossen, das Memorandum trotzdem zu überreichen. Auch die ״Vereinigung der demobilisierten Legionäre“ überreichte dem Überkommissär ein Memorandtim, das für die Mandatskommission des Völkerbundes bestimmt ist. Darin wird die Ansiedlung der Legionäre auf Staatsboden gefordert. Vom Katilatskoigrcß Reuter meldet: Der erste Kalifatskongreß ist am 20. Mai in Kairo beendet worden, nachdem die Berichte des ersten und zweiten Ausschusses über die sechs auf der Tagesordnung stellenden Fragen und eine Entschließung des ersten Ausschusses über die Notwendigkeit des K a ־ Hfats angenommen worden waren. Es verlautet auch, daß der Kongreß eine Entschließung angenommen hat, in der gegen die jüngsten Ereignisse in Syrien protestiert wird. Diese Entschließung soll dein Präsidenten der Iranzösischen Republik und dein Völkerbund mitgeteilt werden. Wie aus Kairo ergänzend gemeldet wird, besagt der von der Kalifatskonfcrenz angenommene Bericht des Zweiten Aus- Schusses, daß die Durchführung des Kalifats in der Form, wie es durch das Gesetz des Korans vorgeschrieben wird, einschließlich der Verteidigung der mohammedanischen Länder nach den Vorschriften des Korans, bei der gegenwärfigen Lage des Islams den Kalifen in eine 1111!11 ö g - liehe Stellung bringen könnte. Das Problem der Ernennung des Kalifen lasse sich unter den gegenwärtigen Umständen nicht lösen. Es sollen aber regelmäßige mohammedanische Konferenzen in einem mohammedanischen Lande stattfinden, um einen Meinungsaustausch zwischen den Mohammedanern der verschiedenen Länder zu ermöglichen, bis es die Zeit gestalte, Kalifen cinzusetzen. Ferner soll ein ständiger Ausschuß mit Unterausschüssen in den verschiedenen Ländern, wo Mohammedaner leben, geschaffen werden. Die Unterausscht'rse sollen die örtlichen Verhältnisse der Mohammedaner untcrsuclu'11 und die Beschlüsse des Ständigen Ausschusses zur Ausführung bringen, »er arabische /.nsammeascbioR Jerusalem, 17. Mal. (J. T. A.) Auf Initiative von Zakki Pascha wurde am 11. Mai, abends, in Jerusalem eine Konferenz ahgelialtcn, der 120 arabische Notabein aus allen Teile!! Palästinas, verschiedenen Parteien zugehörig, beiwohnten. Es wurde beschlossen, die Institution eines v c r * einigten palästinensischarabischen Kon - g r es s cs wieder einzurichten. Zwecks Vorbereitung eines Allpalästinensischen Kongresses wurde ein Komitee eingesetzt. John 1). Rockcfeltcr jun. spendete für die vereinigte jüdischen Kampagne des Joint zugunsten de־־ notleidenden europäischen Judenhcit 100 000 Fkillnr. Dr. J. N. Slmchoitl Mit dem am 21. Mai in Berlin im 43. Lebensjahre verstorbenen Dr. J. N. Simchoni schwand eine der schönsten Hoffnungen des neuliebräischcn wissenschaftlichen Schrifttums, das sicli in stetem Ringen mit dem ״schöngeistigen“, die Forschung mißachtender junghcbräischen Literatentum einerseits und der vielsprachigen, das Neuhebräische bislang ignoricrcndcn ״Wissenschaft des Judentums“ andererseits, immer mehr Anerkennung zu erkämpfen vermochte. Er versprach sehr viel für die Zukunft; aber schon seine bisherigen Leistungen haben ihm in Fachkreisen einen Namen verschafft, der der Geltung des Hebräischen als der gegebenen Sprache der jüdischcn Wissenschaft zugute kam. Gleichzeitig brachte er dem hebräischen Leserpublikum diejenigen Stoffgebiete nahe, die sonst in der neuhebräischen Literatur vernachlässigt waren, obwohl sie gerade dorthin gehören. In Sammclbüchern wie beispielsweise ״Haiwri hechadasch“, ״Heatkl“ oder ״Haogcn“, die sich hauptsächlich mit Gegenwarts- und Zukunftsfragen befaßten, war Simchoni einer der wenigen, die sich in die Vorgangenheit vertieften, und zwar weder in trockner Zunftgelchrtcnart, noch in populär-wissenschaftlicher Oberflächlichkeit, sondern lebendig und gediegen, den Laien belehrend, dem Fachmann neue Gesichtspunkte bietend. Sein eigentliches Fach war die hebräische Poesie des Mittelalters: die besten seiner veröffentlichten Arbeiten sind wohl die über Jdmda Halcvv und Gabirol. Man konnte aber bei Simchoni überhaupt nicht von einem Fach reden. Mit einer ungewöhnlichen Erudition, einem wie ein Naturphänomeu wirkenden Gedächtnis beherrschte er wahrhaftig ״alle Kammern der Thora“. So übersetzte er den ״Jüdischen Krieg“ von Joscphus Flavins aus dem griechischen Original ins Hebräische: so schrieb er ein Lehrbuch der jüdischen Ocschichte, das als bestes der vorhandenen anerkannt wird; so schrieb er eine Monographie über S. D. Luzz.alo, eine Abhandlung über den Propheten Ezechiel, beschäftigte sich mit der Uebersetzung maimonidisehcr Briefe aus dem Arabischen ins Hebräische, veröffentlichte eine Reihe wissenschaftlidier Rezensionen in der ״Hatekufa", im ״Haschiloah“, in der Breslauer ״Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums“, während des Krieges auch in der ״Jüdischen Rundschau“. Bei alledem fand er noch Zeit, in den Jahren seines Berliner Aufenthaltes dauernd den Vorsitz des hebräischen Bet-Waad zu führen, in Lodz mehrere Jahre am jüdischen Gymnasium zu unterrichten, Vorträge zu halten und Kurse zu leiten. Vor kurzem erhielt er zum Wintersemester einen Ruf au das von Stephen Wisc geleitete ״Jewish Institute of Religion“ in New York. Er galt auch als aussichtsreicher Kandidat für einen Lehrstuhl an der Universität Jerusalem. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte Simchoni in seiner Tätigkeit als Mitglied der Zentralredaktion der hebräisch und deutsch erscheinenden Enzyklopädie des Judentums ״Eschkol“. Hier konnte er seine einzigartigen reichen polyglotten, genealogischen, chronologischen, bibliographischen und iitcraturgeschichtlichen Kenntnisse voll in Anwendung bringen. Ein jeder, der Gelegenheit hatte, ihn in den letzten Monaten bei seiner Arbeit in der Redaktion zu beobachten,‘bewunderte die wahrhaft enzyklopädische Vielseitigkeit seines Geistes und staunte über die einseitige Gestaltung seiner Lebensart: wie ein Einsiedler des Mittelalters lebte er, wie ein klassischer bialikscher ״Matmid“, buchstäblich vom frühen Morgen bis späten Abend seiner Arbeit ergeben. Er stammte aus Sluzk in Weißrußland und war ein lluj, ein mnemonisches Genie, ein Typus, zu dem das volle Aufgehen der Jugend im Talmudstudium geradezu prädestiniert. Während aber die meisten Vertreter dieses Typus entweder im scholasiisehen Rabbinismus verbleiben oder sicli von der jüdischen Kultur überhaupt ab.wenden, stellte Simchoni seine ganze Persönlichkeit in den Dienst der Synthese jüdischen Wissens mit europäischer Methodik. Der Boden, auf dem solche Personlichkeiten aufwachsen können, wird immer mehr weggeschwemmt, und am Orabc eines der prägnantesten Repräsentanten dieses Menschenschlags stellt man sich die bange Frage: Ist die Lücke auszufüllen 1-ל Barucli K r u p n i k. Das jidaistisehe Institut in Jerusalem New York, 11. Mai (J. T. A.) Dieser Tage fand hier eine Sitzung der amerikanischen Mitglieder des Rosenbloom- Gedenkkomitees statt, in welcher die Pläne für die Errichtung des Rosenbloom-Gedenkhauses in Jerusalem erörtert wurden. In diesem Gebäude soll das Institut für jüdisches Studium bei der jüdischen Universität untergebracht werden. Rosenbioom hat für diesen Zweck bekanntlich eine halbe Million Dollar!unterlassen. Die amerikanischen Mitglieder des Komitees sind die Witwe Rosenblooms, Richter Julian W. Mack und Dr. Stephen S. Wise. Zwecks endgültiger Beschlußfassung über den Plan des zu errichtenden Gebäudes wurde für Anfang August eine Sitzung der europäischen und amerikanischen Mitglieder des Komitees einhcrufcti. Der Sitzung wird der vom Architekten Prof. Patrick Qcddes in Uebereinstimmung mit dem Architekturrat der Hebräischen Universität ausgearbeitctc Bauplan zwecks endgültigen Beschlusses vorliegen. Sodann wird mit dem Bau begonnen werden. Das Budget der Hebräischen Universität Das Budget der Jerusalemer Hebräischen U n i v e rs i tä t für das laufende Jahr beziffert sich, abgesehen von den Kosten der jetzt im Bau befindlichen Gebäude auf rund AI 34 000. Davon entfallen 11000 auf das Judaistische und Orientalische Institut, 5000 auf das Chemische, 4000 auf das Mikrobiologische, 2000 auf das Hygienische, über 4000 auf die Bibliothek, 4000 auf das Institut für Palästinaforschung, 500 auf das Institut für Mathematik und Physik. £ 4000 werden für administrative und allgemeine Ausgaben gebraucht und etwa £ 2000 für Rückzahlung von Anleihen. Zu diesem Budget trägl der Keren Hajessoa £ 7000, das Universität:■- komitee in Amerika £ 16000, das amerikanisch-jüdische Amte- Komitee .£ 6000, das Joint Distribution Committee 2000, Baron Edmond de Rothschild 2000 und Diverse 1000. (Ziko.) Renke■ Braini« ia Moskau Moskau, 21. Mai. (J. T. A.) Der bekannte jüdischhebräische Schriftsteller und Publizist Reuben Braimn, der seit mehreren Jahren in New York wohnt, ist in Begleitung seiner Gattin in Moskau cingetroffen. Der Zweck seines Aufenthaltes in Rußland ist, die Lage der Juden in den Sowjetländer״ und die Aussichten der' jüdischen Kolonisation zu studieren. Zum 50. Geburtstage von Dr. Hugo Schachtel Lieber Freund Schachtel! Der Kalender behauptet, daß Sic heute 50 Jahre alt sind. Wir Zionisten wissen, daß der Kalender diesmal nicht die Wahrheit sagt. Denn in Wahrheit gehören Sie noch zur ziouistiseheu Jugend. Und nicht etwa nur zur ״Jugend honoris causa“ (wie einer unserer Freunde einmal von sich selbst sagte). Ihr zionistisches Herz und Ihre zionistische Schaffeiisfreude sind jugendlicher als bei manchen Dreißigjährigen. Nichts Zionistisches ist Ihnen in den fast drei Jahrzehnten Ihres zionistischen Wirkens fremd geblieben. Alle Zweige unserer Arbeit haben nach Ihnen verlangt, die Propaganda, der Nationalfonds, die Presse, die Leitung der Ortsgruppe, der Keren Hajessod, die Zionistensteuer, die Schekelsammlung - - ich weiß nicht־, was es noch alles gibt. Sie haben jede Arbeit auf sich genommen, die der Tag erforderte, von der Kleinarbeit des Adressenschreibens bis zur großen Politik, vom Verkauf der Nationalfondsmarken bis zur Mitarbeit in der Nationalfondskommission aller Kongresse seit dem zweiten. Sie müssen uns einmal das Geheimnis verraten, wo Sie die Zeit für alle diese Dinge hergenommen haben, und wie Ihnen darüber hinaus noch die Zeit blieb, für Ihre Aufsätze in der ״Welt“, für Ihr Zionistisches Merkbuch, für den Erwerb Ihres hebräischen Wissens. Wir Zionisten beglückwünschen Sie, den nie müden Mitarbeiter, den treuen Freund, den unnachgibigen Kämpfer, den Gesinnungsgenossen und Tatgenossen. Sie stehen heute auf Ihrem Posten wie vor 25 Jahren, als hätten Sie niemals Mißerfolge, Enttäuschungen lind Rückschläge erlebt. Diese Festigkeit und Zuversicht, diese Unermüdlichkeit, diese leidenschaftiiehe Verbundenheit mit unserem Wirken wünschen wir Ihnen, lieber Freund, und uns selbst für die nächsten Jahrzehnte. Breslau, 27. Mai 1926. Max Jacobsohn. * Hugo Schachtete zionistisches Wesen wird in Jacobsolms Brief kurz, aber treffend gekennzeichnet. Hingabe, Vielseitigkeit und Treue zeichnen ihn aus. Ueber seine Tätigkeit im einzelnen zu sprechen hieße ein Stück deutscher zionistischer Geschichte schreiben. Das heben wir 1ms auf bis zu seinem 70, Geburtstage. Für heute fügen wir nur die herzlichen Glückwünsche der Z. V. f. D. bei, denen sich die Redaktion der ״J. R.“ änschließt. Die Dlehste A.-C.-Tagung Die nächste Sitzung des Aktions-Comitcs der Zionistischen Organisation, die im August in Jerusalem hätte stattfinden sollen, wird, wie nunmehr vom Londoner Büro mitgeteilt wird, Ende Juli d. J. in London abgehalten werden. Konlerenz der englischen Zionisten Am Sonntag, den 23. Mai, wurde in Leeds die Konfercnz der English Zionist Federation eröffnet. Neben den Delegierten der Ortsgruppen wohnten den Sitzungen Vertreter des Orden of Ancient Maccabeans, des Jüdischen Nationalfomls, der Föderation der zionistischen Frauen, des Verbandes der Jung-Zionisten und der Föderation zionistischer Akademiker hei. Auf der Konferenz wurde ein Brief Dr. Weizmanns an den stellvertretenden Vorsitzenden des Keren Hajessod-Komitees für Großbritannien verlesen. Das Vermächtnis von Oscar Straus New York, 21. Mai. (J. T. A.) Das Testament des vor einigen Tagen verstorbenen früheren Botschafters und Ministers, Oscar Straus, wurde soeben zwecks Bestätigung bei Gericht eingereicht. In diesem Testament hat Oscar Straus bestimmt, daß seine gesamte Bibliothek der Hebräischen Universität in Jerusalem übersendet werden soll. Die Kosten der Uebersendung sollen aus der Hinterlassenschaft bestritten werden. Ferner vermachte Straus 10000 Dollar den vereinigten jüdischen Wohlfahrtsanstalten New Yorks und 10 000 Dollar dem Dropsie College in Philadelphia. TagnigeR des {üdischen Klubs Warschau 21. Mai. (J. T A.) Für Donnerstag, den 27. Mai, wurde eine Plenarsitzung des Jüdischen Par- I a 111 e!11 s k 1 u b s einberufen, in der über die Stellungnahme in der kommenden Nationalversammlung, in der der neue Staatspräsident gewählt werden wird, entschieden werden soll. — An! Mittwoch, den 25. Mai, wird der zionistische Oberrat tagen, um über die politische Situation zu beraten und ein neues Präsidium des Oberrates zu wählen. Die Befürchtung, daß die rechten Parteien die Ungeklärtheit der Lage zu antijüdisehcr Propaganda ausnutzeu werden, hat sich, was Kongreßpolen anbelangt, als übertrieben erwiesen. Nur in der Prdvinz Posen geht eine maßlose antisemitische Propaganda vor sich. Dort wird die Legende verbreitet, daß die Juden Ptisudskis Aufstand inszeniert haben und daß z. B. junge jüdische Mädchen Warschaus versucht hatten, loyal gebliebene Offiziere zu entwaffnen. Nar drei jüdische Abgeordnete in Litauen Kowno, 17. Mai (J. T. A.) Die Kreiswahlkonimission hat festgestellt, daß die Juden statt, wie bisher angenommen, vier, nur über drei Mandate verfügen; es fehlen ihnen 58 Stimmen zu einem vierteil Mandat. 12 189 jüdische Stimmen wurden den polnischen Stimmen zugeschlagen, so daß die Polen über vier Mandate verfügen. Das Ende des Prozesses Bugajewsky Moskau, 21. Mai. (J. T. A.) Der in Odessa eben beendete Prozeß gegen Prof. Bugajewsky, Vorsteher der großen Odessaer Synagoge, der beschuldigt war, während seiner Studentenzeit der zarischert O c 11 r a n a Dienste zum Schaden der Revolution geleistet zu haben, wurde in ganz Rußland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Bugajewsky,!1• selbst wegen revolutionärer Umtriebe im Gefängnis saß und von der Universität relegiert war, soll durch Verrat sich das Recht erkauft haben, außer der Quote wieder in die Universität cinzutroten. Bugajewsky bestreitet jede Schuld. Der Gerichtshof nahm seine Tätigkeit als erwiesen ‘an, spraej! ihn aber frei in Anbetracht seiner damaligen Jugend und seiner 30jährigen nützlichen wissenschaftlichen Arbeit. Weltkonkrenz des liberale■ Judentums London, 21. Mai. (J. T. A.) Die interterritoriale Klonferenz der liberalen Judenheit wird am 11. und 12. Juli in dem Prachtbau der Liberalen Synagoge zu London abgehaltcn werden. Es werden ihr führende liberale Juden aus Amerika und aus einer größeren Anzahl europäischer Länder beiwohnen. Es wird dies die erste Konferenz der liberalen Judenheit auf interterritorialer Grundlage sein. Mehrere Referate werden den Grundlagen der liberalen jüdischen Thesen und ihrer Vertiefung gewidmet sein.

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