Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 40-41 (28.5.1926)
- Date
- 1926-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Nr. 40 41 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 301 :cur r wird, mii: ׳ nncn wir{ riebe euerwir{- Colo- :freit um- Retstrk für Wirtdaß ihre» lpfen rhalt zioisod) von den mit erst ihren wenn Ihm׳: vom läßig Eine erteil rsten jend- :rung der osten Re rtders eininiss« Jede ir zu )dem liulen 1aupt nach kann, 1 der iesen!dürfedier ofort!rung ieren 5 die gen eue »gs* "Ereheriurch 1 besoll 1 begens, Re- - die auch ligen. süßer ver- : der I wenn! lative : Rei. mit dem | 1 die For- □liiu• r die Korntreten ihlul- 1 der I zur wer- :rung (eren M. dem!ihrer , der »lonel 1 Sir mantver- Kamirden ößten!e in ver- Arabische Politik Das wichtigste Ereignis der letzten Tage in der politischen Lage der arabischen Bevölkerung Palästinas ist die Einigung, die endlich zwischen den beiden gegnerischen Parteien um die Vorherrschaft im Obersten Mohammedanischen Rat zustande gekommen ist. Der Oberste Mohammedanische Rat, der aus dem Großmufti von Palästina und vier alle fünf Jahre gewählten Mohammedanern besteht, ist nicht nur die oberste religiöse Behörde des palästinensischen Islam und infolge der noch kirchlich gebundenen Gesetzgebung Palästinas in Personeiiangelegenheiteu die oberste Aufsicht über die moliammedanischen geistlichen Gerichte, sondern er verwaltet auch die Kirchengüter, die Auquf, die sehr beträchtliche Pfründen umfassen und daker auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Die Leitung des Obersten Mohammedanischen Rates befand sich bis jetzt in den Händen der Familie Husseini, der auch der Großmufti Hadschi Emiu el Husseini angehört. Der jetzigen Führung gegenüber, der Vernachlässigung der allgemein nationalen Ziele zugunsten einer Oligarchen- Clique vorgeworfen wurde, erhob sich bereits vor vielen Monaten eine Opposition, die ihren Mittelpunkt in den nördlichen Städten, in Nablus, Haifa und Tulkerem hatte. Die gegenseitigen Anfeindungen und Beschuldigungen vergifteten die politische Atmosphäre des arabischen Palästina und lenkten die Aufmerksamkeit weiter Kreise von außerarabischen Problemen ab. Von den Jerusalemer Familien war insbesondere die Familie N a s c h a - sc hi bi, der auch der Bürgermeister Jerusalems angehört, in der Opposition führend tätig. Anfang Januar dieses Jahres sollten die Wahlen zum Obersten Mohammedanischen Rat stattfinden, es kam aber aus diesem Anlaß zu so vielen Unregelmäßigkeiten und Wahlbeeinflussungen, daß die palästinensische״ Gerichte auf Drängen der Opposition sich veranlaßt sahen, di? Wahlen zu annullieren. Nach langen und erregten Diskussionen setzte dann die Regierung einen provisorischen Obersten Mohammedanischen Rat ein, der unter dem Vorsitz des Großmuftis je zwei Anhänger der bisherigen Mitglieder des Obersten Rates und der Opposition umfaßte. Die Streitigkeiten gingen aber weiter, die Neuwahlen konnten nicht vorgenommen werden und der größte Teil der arabischen Zeitungen verlangte immer dringender eine Uebenvindung des Gegensatzes zwischen den beiden Gruppen, der in keiner Weise auf prinzipielle Meinungs- Verschiedenheiten zurückgeht, und eine Einigung beider Parteien im Kampfe um die Rechte des Landes und seiner arabischen Bevölkerung. Diese Einigung scheint nun nach langen Verhandlungen zustande gekommen zu sein, und zwar dank der Dienste auswärtiger Gäste, die sich zu diesem Zwecke einige Zeit in Palästina aufgehaltcn haben. Neben Omar el Bitir, dem Präsidenten des mohammedanisch-christlichen Komitees in Jaffa und einem der fähigsten und tüchtigsten der arabischen Führer in Palästina, waren es Ahmed Z e k i Pasc h a aus Aegypten, ein bekannter arabischer Gelehrter, und Abdul Äsis el Thaalili, ein tunisischer Araber, der jetzt als Professor an der Irakischen Universität in Bagdad wirkt und sich auf dem Wege zur Kalifatskonferenz in Kairo in Jerusalem einige Zeit aufgehaltcn hat, die für das Zustandekommen der Einigung erfolgreich tätig waren. Diese Einigung der mohammedanischen Araber Palästiiias wird ihr Auftreten auf den zwei panislamischen Konferenzen, die derzeit stattfinden, wirkungsvoller gestalten. In Kairo findet eine am 13. Mai begonnene Kalifatskonferenz statt, die unter dem Vorsitz des Rektors der berühmten theologischen Universität von El Asliar in Kairo tagt. Diese Konferenz wurde bereits im Frühjahr 1924 einberufeil, nachdem die türkische Nationalvcrsammlung den letzten ottomanischen Kalifen Abdul Medschid abgesetzt und verbannt hatte, und Hussein, der König vom Hedschas, für kurze Zeit den Kalifentitel sich beigelegt hatte. Damals wurde als Zweck der Konferenz angegeben, daß sie den neuen Kalifen wählen solle. Allgemein war bekannt, daß dahinter die Absicht des ägyptischen Königs Fuad I. stecke, sich zum Kalifen wählen zu lassen. Aber die Opposition dagegen erwies sich als viel zu stark. Fuad ist ein reaktionärer und automatischer Fürst, der in seinem eigenen Volke unbeliebt ist, das nach der Umgestaltung zu einer modernen, aufgeklärten Nation strebt und für das Kalifat wenig übrig hat. Die übrige Welt des Islam erwies sich aber als durchaus abgeneigt, einen Kalifen zu wählen, der vollständig unter britischem Einfluß steht und dessen Land von den Engländern bej setzt ist. Die nun zusammengetretene Konferenz, die ן keine offizielle Konferenz ist und mit der ׳die ägyptische Regierung nicht verbunden ist, hat es §ich zum Ziele gesetzt, nicht den Kalifen zu wählen, sondern nur die f rage des Kalifats in Uebereinstimmung mit dem moham medanischen religiösen Recht und mit den gegenwärtigen!politischen Verhältnissen theoretisch zu prüfen. günstigsten Falle wird diese Konferenz sich als eine!vorbereitende Konferenz zu panislamischen Kongressen betrachten, die später alle drei oder fünf Jahre in den ver j scliiedcneii unabhängigen mohammedanischen Reichen | zusammentreten sollen. Mit viel mehr Interesse blickt die gesamte mohammcdänische Welt nach Mekka, wo int Juni eine panislamische Konferenz zusammentreten soll, deren Programm äußerlich sehr beschränkt ist. Sic soll über die künftige Gestaltung der Verhältnisse im Hedschas als des allen Mohammedanern heiligen Landes | beraten. Aber diese Konferenz ist offiziell von der Recrung des König;■vichcs 1 IcJsehas einfacrr.fen und;:n [ihrer Spitze steht i bn SaudL der Wahhabitensultan, der Mann, der heute nicht nur in der ganzen arabischen Welt, sondern ini ganzen Islam die populärste Figur ist und als der aufsteigende Stern am mohammedanischen Himmel gilt. Die Mohammedaner Indiens, durch ihre Zahl wie durch ihren Reichtum vielleicht die einflußreichste Gruppe im Islam, haben sich für ihn entschieden und ihr Kongreß hat beschlossen, eine selten starke Delegation nach Mekka zu entsenden, der auch die beiden Brüder Ali, die berühmten mohammedanischen Führer, die mit Gandhi zusammen gearbeitet haben, angehören. Auch die palästinensischen Araber haben beschlossen, nach Mekka eine repräsentative Delegation zu entsenden, lbn Saud hat nicht nur endgültig die Hegemonie in der arabischen Welt errungen, er hat sich auch als ein gläubiger und glühender Mohammedaner und zugleich als ein kluger und weitsichtiger Staatsmann erwiesen. Er hat immer wieder betont, daß ihm das Wohl des Gesamtislam am Herzen liegt, wenn er auch in seiner Klugheit weiß, daß er auf der Bahn, die er sich gesetzt hat, nur langsam vorwärts schreiten kann. Die palästinensischen Araber blicken heute mit m c 11 r Interesse nach Mekka als nach Genf. Sic erwarten mehr von dort. Sie glauben daran, daß dort eine neue, junge und kräftige Macht aufersteht. Aber sie haben auch nach Genf für die Mandatskommission des Völkerbundes, die im Juni zusammentreten soll, ein Memorandum gesandt, und dieses Memorandum verdient aus vielen Gründen unsere genaue Aufmerksamkeit Es ist ein kurzes Dokument und unterscheidet sich von allen früheren arabischen Memoranden an den Völkerbund auch dadurch, daß es keine Beschwerden und Klagen enthält und überhaupt nicht in Detailfragen eingeht*). Es erhebt eine einzige Forderung, die auf den ersten Blick als eine gerechtfertigte erscheinen muß. Die palästinensischen Araber weisen darauf hin, daß sie zu türkischer Zeit demokratische Freiheiten genossen, ihre Dorfvorsteher, Bürgermeiste!־ und Stadträte gewählt und ihre Abgeordneten ins Parlament entsandt haben. Das Mandatssystem soll nach seinem Zwecke die Entwicklung demokratischer Institutionen in den Mandatsländern fördern und die Bewohner zu Autonomie und Freiheit entziehen. Statt dessen herrscht in Palästina ein autokratisches Beamtenregiment. Das Memorandum verlangt mm für alle Bewohner Palästinas, Araber und Juden, eine demokratisch gewählte Volksvertretung, wobei das Memorandum ausdrücküch hervorhebt, daß dadurch das Mandat und die Grundlagen und Bestimmungen des Palästinamandates (also wohl auch die Balfourdcklaration und die jüdische Einwanderung) keinesfalls angetastet werden und auch weiterhin ausschließlich in die Kompetenz des Völkerbundes, nicht des palästinensischen Parlamente:־;'allen sollen. Nicht mehr ist davon die Rede, daß nur jene Juden das Wahlrecht besitzen sollen, die im Jahre 1914 in Palästina ansässig und ottomanische Bürger waren, ausdrücklich wird die Forderung der Demokratie im Namen aller palästinensischen Bürger, für Araber und Juden in gleicher Weise, erhoben. Auch dieses Memorandum ist ein Beweis staatsmännischer Klugheit seitens der Araber. Hier ist zugleich eine Basis für eine Verständigung zwischen den Juden und Arabern gegeben. Wenn die Araber die Mandatsbestimmungen anerkennen und sie von der Kompetenz des Parlaments ausiiclunen, werden die Juden es begrüßen, wenn in Palästina demokratische institutionen geschaffen werden, /!!mindesten jener Teil der Juden, der immer und überall für Freiheit und Demokratie eintritt. Denn vor einem müssen wir uns hüten; für Freiheit und Demokratie nur dort zu sein, wo es uns paßt und wo es uns vorteilhaft ist. Reinlich ist der Standpunkt jener, die aus Gründen ihrer Weltanschauung immer und überall gegen Demokratie und Parlamentarisinus auftreten. Lehnen wir aber diesen Standpunkt ab, dann müssen wir für Demokratie und Freiheit auch dann cintreten, wenn dies uns und unseren Plänen vermeintliehe oder wirkliche Nachteile bringt. Es ist unzweifelhaft, daß die Engländer in Palästina in der nächsten Zeit kein vollberechtigtes demokratisches Parlament zulassen werden, ebenso wie es unzweifelhaft ist, daß sie in der nächsten Zeit irgendwelche Schritte machen werden, uni in Palästina in einer oder der anderen Form eine Volksvertretung einzuführen. Was auch immer die Haitung der Engländer sein mag, unsere Antwort auf die Forderung der Demokratie muß eindeutig und klar sein. Hans K o 11 n. bnmlirititi ud Naloralisili•• Jerusalem, 12. Mai. (J. T. A.) Die Zionistische Esckutive in Palästina hat der Regierung ein Memorandum überreicht, in welchem Verbesserungen der Einwanderungs Vorschriften, insbesondere was die Einwanderung von Kapitalisten betrifft, vorgeschlagen werden. Es wird u. a. die Aufhebung jener Bestimmung gefordert, die den britischen Konsul im Auslande verpflichtet, bei Einwanderung von Personen mit unabhängigen Mitteln jedesmal vor Ausfolgnng des Visums bei der Palästinaregierung anzufragen. In einem zweiten Memorandum, das von der Exekutive und dem Waad Leunii gezeichnet ist, wird die Regierung ersucht, eine Reform der Bürge rschaftsordnu 11 g in der Weise vorzttnehmen, daß alle diejenigen, die 1922 auf die palästinensische Bürgerschaft optiert haben, automatisch das Bürgerrecht erwerben. Auch soll die Gebühr für die Bürgerdokumcntc verringert werden. *) Auch der Korrespondent der ״T i in e s'‘ hebt hervor, daß das Memorandum der Araber sich diesmal sehr vorteilhaft von früheren derartigen Denkschriften, die stets Beschwerde- Register waren, unterscheidet. Die ״Times“ hat dieser Nachrieht so viel Bedeutung beigemessen, daß sic sic sogar während des Streikes, als nur ganz wenige aulkreiiglischi: Meldüngen Aufnahme finden konnten, widergab. — A. d. R. Petijura Mit dein Namen des am 25. Mai in Paris von einem ukrainischen Juden erschossenen Simon Petijura ist eine der traurigsten Epochen der ukrainischen Judenlieit verknüpft. In den Bürgerkämpfen, die im Jahre 1917 begannen, und ihren Abschluß nach der vollständigen Eroberung der Ukraine durch die Bolschewiken fanden, hatten die Juden unter den vvechselvollcn Ereignissen in der Ukraine stärker als die arideren Bevölkerungsteile zu leiden. Die in jenen Jahren vorgekommenen Judenpogrome sind nur mit den Ausschreitungen zu vergleichen, die von den Kosakenscharen Chntelnickis Im 17. Jahrhundert verübt wurden. Ob jedoch Petijura persönlich mit Recht für die während seiner politischen Wirksamkeit in der Ukraine vorgekommenen Pogrome verantwortlich gemacht wird, ist nicht leicht zu entscheiden. Die ärgsten Judenmetzeleien sind in jenen Jahren von den großrussischen Truppen des zaristischen Generals Denikin verübt worden. Während der nominellen Herrschaft Petljuras in der Ukraine nahm das irreguläre Bandenwesen stark überhand und Ausschrcitungen dieser Bandenführer, wie z. B. die Machnos und seines Anhanges, wurden Petijura und seiner Regierung aufs Konto geschrieben. Petijura war persönlich bemüht, den antijüdischen Ausschreitungen entgegenzutreten, schon weil er wußte, weicher Schatten durch die Pogrome auf seine Regierung fällt. Insbesondere wirkte auf ihn in diesem Sinne einer seiner vomehmlichsten Berater, der verstorbene ehemalige österreichisch-ukrainische Politiker Nikolaj Von Wassiiko, ein, der mit Juden die besten Beziehungen unterhielt und weitgehendes Verständnis für die nationalen Bestrebungen der Juden hatte. Auch Petijura versprach, den Juden in der Ukraine volle Minoritätsrechte einzuräumen. Er verfügte jedoch über keine Macht und Autorität, er war ein politischer Abenteuerer, dessen Ehrgeiz sich dem revolutionären Volkswillen mit der bekannten Instinktlosigkeit seines Typus entgegenstellte. Dadurch wurde er immer mehr in die Gemeinschaft dunkelster Elemente getrieben. Er wagte es nicht, gegen die Pogromisten einzuschreiten und erwiderte einst einer beschwerdeführenden jüdischen Abordnung: ״Soli Ich etwa meine eigenen Soldaten aufhängen lassen?“ So waren die Juden unter seinem Regime «׳ehrlos und schutzlos dem bestialischen Wüten der Soldateska preisgegeben. Proskurow und andere Stätten jüdischer Qualen und jüdischen Todes werden Petljuras Namen für alle Zeiten ein blutiges Schandmal anheften. Er vermochte auch später dem Morden nicht Einhalt zu tun und seine Proklamation gegen die Pogronic blieb ein sinnloser, fürs Ausland bestimmter Papierfetzen. Bekannt ist, daß Petijura versucht hatte, durch Verträge mit hervorragenden jüdischen Emigranten sich die jüdisciic Unterstützung zu sichern. Sein Charakterbild schwankt, von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, in der ukrainischen Revoiutiousgeschichlc. In den letzten Jahren lebte er völlig mittellos in Paris und war in jeder Hinsicht ein abgetaner Mann. Der Mörder, Scholen! S c 11 vv a r z b a r t, ist im Jahre 1881 in Smolensk geboren. Später wauderte er nacli Frankreich aus, wo er sich dem Uhrmacherliandvve'rk widmete, und wurde hier naturalisiert. Er kam mit einer Militärunssion nach dem Kriege wieder in die Ukraine und hat hier die furchtbare Pogromzeit initerlebt. Seine Eltern und fast seine ganze Familie wurden dahingeschlachtef. Sclivvar/.bart, der den Krieg als französischer Soldat mitgcmacht hat, gründete nach dem Kriege in Paris einen ״Bund jüdischer Frontsoldaten“, dessen Vorsitzender er war. Er betätigte sieh auch schrittstclicrisch und veröffentlichte seine Werke ״Baal hachaloimes“, einen ücdichtband ״Träume und Wirklichkeit“ und ״Vun Tiefen“ und seine Tagebücher von 1917 1919. — Nach der Tat erklärte Schwarzbart vollkommen ruhig; ״Ich habe einen Massenmörder, der bisher straflos geblieben war, bestraft“. Die Revolverschüsse am Boulevard St. Michel werden die Kulturmenschheit aufhorchen lassen wie einst die Schüsse gegen den Armcnicrschlächtcr Talaat. In unserer schnell lebenden Zeit fast vergessene Ereignisse tauchen gespenstisch auf; Ein Volk, schutzlos preisgegeben tollgewordenen Bestien, blutet, stöhnt, verzweifelt, und es gibt keinen Retter. Die Judcufragc aber besteht heute noch. Die Welt hat an den Opfern der Pogrome ihre Pflicht der Wiedergutmachung noch nicht erfüllt. Nur wenn das jüdische Volk in normale Verhältnisse auf eigenem Boden überführt wird, werden Ereignisse wie die, die jetzt in Paris ihr spätes Echo in der leidenschaftiiclicn Rache eines auch persönlich schwer von den Pogromen Getroffenen gefunden haben, nicht mehr geschehen können. Sie Jntie• und das Regime Pilsidski Warschau, 17. Mai. (J.T. A.) Auf Aufforderung der neuen Regierung haben die zuständigen Organe einen Bericht über die Stellung der verschiedenen politischen Part e i c 11 zu der fetzten Umwälzung abgef.ißt. Die Juden, heißt es in diesem Bericht, sind über den Rücktritt des Präsidenten Wojciechowski und der Regierung Witos vor allem deshalb befriedigt, weil man den verhaßten Unterrichtsminister, Stanislaw Grabski, losgevvorden ist. Die Juden würden den Marschall Pilstidski gern an der Spitze des Staate:- sehen, wenn in seiner Regierung ein Mensch sitzen sollte, der für ihre Forderungen Verständnis 11.1t, insbesondere für dir Postulate auf dem Gebiete des Schulwesens, der kulturellen und religiösen Bedürfnisse. Die jüdischen Ilandelskreise sehen die Lage mit Optimismus an, was dazu beitrug, daß der Zloty- Kurs ziemlich stabil geblieben ist. Warschau, 19. Mai. (J.T. A.) Herr Adeisberg, der Direktor der jüdischen Abteilung beim Kultusdepartcment, forderte im Namen der Regierung den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Warschau auf, die Schäden die die jüdisch•.: Bevölkerung während der Mililärkämpfo erlitten hat, festzustellen. — Außer den bereits bestatteten acht gefallenen jüdischen Soldaten sind weitere während der Kämpfe gefallene jüdische Soldaten festgestellt worden, so u. a. Josef Lomranz und A. Likuhowicz, beide Mitglieder des Warsdrun׳ Sportklubs ״Maccabi“.