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Jüdische Rundschau · 1926-05-18 · Heft 38-39 (18.5.1926) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 38-39 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 39׳ JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 295 ist, ist es ebenso richtig für das jüdische Volk, hier, dort und überall. Falls Demokratie etwas für die Völker der Welt bedeutet, bedeutet es genau das gleiche für das jüdische Volk. Wenn wir wahre Demokraten sind, müssen wir es im jüdischen Leben ebenso sein. Wir müssen das arabische Volk überzeugen, das selbst für Freiheit und Unabhängigkeit kämpft, dali wir Juden nichts für uns wünschen, was wir nicht bereit sind, jedem anderen Volke zu geben. Wir suchen keine kleinlichen politischen Gunstbezeugungen, keinen Schutz seitens der Großen und Mächtigen dieser Welt, nur das, was wir für die Juden wie für alle anderen Völker verlangen, nämlich das Recht, ihr eigenes Geschick in dem Lande der Ahnen oder wo auch immer zu bestimmen.“ Wir müssen uns hüten, Grundsätze der Demokratie, der Freiheit und des Friedens mit unseren Lippen zu bekennen, sie aber in unserem eigenen Falle nicht anzuwenden, weil cs da diese oder jene besondere Umstände gibt, irgendwelches höhere oder heilige Recht, das ihre Anwendung ausschließt. Gerade da liegt der Prüfstein wahrer Freiheit, Demokratie und wahren Pazifismus. Die Juden sind in vielen Ländern durch einzelne Individuen in ' der Friedensbewegung beteiligt. Die eigentliche Aufgabe, sich als Pazifisten zu bewähren, nicht nur als Individuum, sondern als Gemeinschaft, steht ihnen in Palästina bevor. Hier können sie pazifistische Grundsätze und geistige Politik nicht im Leben anderer Völker, sondern im Leben ihres eigenen Volkes anwenden. Bisher hat eine organisierte pazifistische Stellungnahme der palästinensischen Juden gefehlt. Der erste Schritt dazu war die Erklärung, die gegen die Propaganda für die Schaffung einer jüdischen Legion von einer pazifistischen Gruppe veröffentlicht wurde. Zur Förderung einer Annäherung zwischen Juden und Arabern und zum Studium der verschiedenen Probleme, die sich aus dem Zusammenleben zweier politisch völlig gleichberechtigter Völker in einem Lande, in dem cs kein Staatsvolk als beherrschendes Volk, sondern zwei Staatsvölker geben soll, ergeben, wurde in der letzten Zeit eine Friedensvereinigung (״Brith Schalom“) gegründet, zu der der Zutritt allen offen steht, die von den Grundsätzen des Pazifismus und wahrer Demokratie aus ein harmonisches Zusammenleben der Juden und Araber erzielen wollen, das für andere Staaten mit gemischt nationaler Bevölkerung vorbildlich werden kann. Daneben steht auf Initiative von jüdischer Seite hin die Gründüng einer allgemeinen Vereinigung radikaler Friedensfreunde in Palästina bevor, die Menschen aller Nationen und Religionen umfassen soll, entsprechend der Bedeutung Palästinas als der Heimat der drei großen Religionen des mittelmeerländisehen _ Kulturkreises und entsprechend der zentralen Lage Palästinas als Mittler zwischen Orient und Okzident. Bei der weltpolitischen Lage, die für die nahe Zukunft einen Konflikt zwischen den Rassen des Okzidents und des Orients voraussehen läßt, Ist es von entscheidender Bedeutung, daß erade in Palästina und von hier aus nach allen Richmngen er Oedanke des radikalen Pazifismus und der Gewaltlosigkeit vertreten werde. Hier fällt wieder dem Judentume eine Rolle zu, die im Zusammenhang mit seiner ganzen Geschichte steht. Hans K o 11 n. Literarische Nachrichten Im Verlag ״Achiewer“ in Jerusalem erschien soeben in hebräischer Sprache eine für populäre Zwecke kommentierte Textausgabe des palästinensischen Staatsbürgerschaftsgesetzes. Der Verfasser des Kommentars ist der frühere Völkerrechtslehrer an der Universität Odessa. Mordechai Rosen* t ha!•Ben Schalom. Als Anhang ist dem Gesetz eine Sarara• Jung von Formularen für die Einreichung der Anträge auf Erteflung der palästinensischen Staatsbürgerschaft beigefügt. "•״ Leo Baecks bekanntes Buch ״Das Wesen des Judentums״ ist in vierter Auflage soeben im Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M., erschienen. Bei J. C. B. Mohr (Tübingen) erschien eine von Hugo Grasmann besorgte Neuauflage des Werkes von Wilhelm Bousset: ״Die Religion des Judentums im späihelleiiistisehen Zeitalter“. ״Das Schicksal des deutschen Kapitalismus“ von M. J. Bonn erschien bei S. Fischer, Berlin. Zu Wilhelm Liebknechts 100. Geburtstag veröffentlicht Valeriu Maren ein kurzgefaßtes Lebensbild iin Laubsehen Verlag, Berlin. ״Mahatma Gandhis Welt- und Lebensanschauung“ stellt Willi Kobe in einem gut gegliederten Büchlein dar (Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 26). Sinai und Garizim von Micha Josef bin G o r i o 11. Von dem bibelkritischen Werke sind wieder vier neue Lieferungen erschienen: ״Die Garizimtexte im Deuteronomium“, ״Die Garizimtexte in Josua, Judicun und Genesis“, ,.Die Priorität des Garizimbunde? und die Bedeutung Josuas“, ״Die Beschneidung am Berge Garizim“. Im ganzen liegen jetzt von vierzehn, die vorgesehen sind, elf Lieferungen vor. Nähere Auskunft erteilt der Morgenland - Verlag, Berlin- Friedenau. Prof. Dr. Josef Unna: Der Gaon Saadja. Sein Leben und seine Werke. Verlag J. Bulka, Nürnberg 1026. Ein Lebensbild des großen jüdischen Religionsphilosophcn samt Darstellung seiner Hauptlehren, für jugendliche Leser bearbeitet vom gesetzestreuen Standpunkt: der Versuch kann als gelungen ' bezeichnet werden. Harder, Deutsch-arabisches Taschenwörterbuch. Verlag Julius Groos in Heidelberg. 457 S. 10,— M. Vor kurzem haben wir an dieser Stelle das neue Arabischdeutsche Taschenwörterbuch angezeigt. Im Nachtrag dazu wäre — auf verschiedene Anfragen — noch inftzufcilen, daß ein Deutsch-arabisclicr Teil bereits seit Jahren existiert. Dieses Buch wird den praktischen Gebrauch der Sprache sehr erleichtern, ist daher für unsere Freunde in Palästina von großem ,Interesse. Das Buch will nicht ein Wissenschaftlicher Lexikon, sondern praktisches Hiiismittcl sein. Ais solches setzt cs gewisse arabische Kenntnisse voraus, doch ist die beigegebene Transskription eine Vereinfacliung für Ungeübte. Dagegen sollten Plurale und Konjugation angegeben sein, denn soviel Grammatik gehört doch auch zum praktischen Gebrauch der Sprache. Das Buch ist erstaunlich dünn (auf Dünndruckpapier) und doch gut gedruckt. W. Wilhelm von Kügelgcn. Jugendcrinnerungcu eines alten Mannes. 1S02—1820. Verlag K. F. Kochlcr. Leipzig. Diese nach dem Originalmanuskript revidierte Ncuausgäbe des bekannten Volksbuches ist mit reichem Bildermaterial ausgestattet und dadurch besonders interessant und anziehend. Gebetbuch der Israeliten. Mit deutscher Uebersetzung von Dr. Michael Sachs. Neue verb. Aufl- Frankfurt a. M. 1926. Verlag M. Lehrberger & Co. M. 2,50. — Gut gedruckte kleine Taschenausgabe in flexiblem Einband. Gustav Fiaubert, Salambo. Roman. Deutsch von Sophie Ritschl. Leipzig, Hesse & Becker. — Aeußerlich gut ausgestattete und billige Neuausgabe des berühmten Orient- Romans. ״Hygiene ler Jade■** Am Sonnabend, den 8. Mal, wurde die Große Deutsche Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen, genannt Gesolei, eröffnet. Ein besonderes Interesse nimmt auch unter den Nichtjuden die Abteilung ״Hygietie der Juden“ in Anspruch. Ke Abteilung ist in einem tempelartigen Prachtbau untergebracht, der an der Stirnseite mit Riesenlettcrn die Aufschrift ״Hygiene der Juden“ trägt. Die von einer Kuppel gekrönte, in» orientalischen Stil gehaltene Bau zieht große Massen von Besuchern an. Ke feierliche Eröffnung der Abteilung ״Hygiene der Juden“ fand ebenfalls am 8. Mai, 6 Uhr abends, statt. Anwesend waren die Repräsentanten der Synagogengemeinde Düsseldorf, sowie Vertreter anderer jüdischer Gemeinden Deutschlands. Der Vorsitzende des Vorstands der Synagogengemeinde Düsseldorfs, Herr Erich Felsenthal, hielt die Eröffnungsrede und wies darauf hin, daß hier zum erstenmal versucht worden ist, einen weiten Ueberblick über jüdische Gesundheitspflege und soziale Fürsorge zu geben. Hierauf sprach Rabbiner Dr. Max Eschclbacher, der Hauptarrangeur der Ausstellung, der einen historischen Rückblick auf die Ent- Wicklung der jüdischen Gesundheitspflege und der sozialen Fürsorge seit den Zeiten der Bibel bis auf den heutigen Tag sowie einen Ueberblick über die Ausstellung gab. Es sprach sodann Herr Dr. med. et phil. Adolf Sind ler, Düsseldorf, der Arrangeur der Palästina-Abteilung der Ausstellung, und Dr. Nenstättcr, der die technische Leitung innc hat. Ein Rundgang durch dia Abteilung. Die schon vor Jahrtausenden in der Bibel verkündeten Ideen und Satzungen der jüdischen Religion, die zum Teil für die Kulturwelt vorbildlich geworden sind, sind in dem Zentralraum, den wir durch einen mit Worten aus dom reichen jüdischeu Schrifttum gezierten Eingangs raum betreten, in Reliefs gestaltet: die Heiligung der Ehe und die Krankenpflege, der Anspruch des Armen auf Hilfe und sein unentziehbares Anrecht auf Bodenertrag, die Absonderung ansteckend Erkrankter, die Fürsorge für reine Nahrung, der Sabbath als Ruhe des Körpers und der Seele für Herr und Knecht. Eiuc_ Sabbathslube_ mit dem festlich geschmückten Frcitag-Abend-Tisch will eine Emp- Bildung von dem Zauber geben, den der Sabbath dem jüdisehen Hause verleiht. Es folgen weitere Institutionen des Religionsgesctz.es, die zugleich hygienische Bedeutung haben. Eingehende Darstellung ist der jüdischen W o 111 f a 11 r t s - pflege gewidmet: ihrer Organisation, ihrer mannigfaltigen Arbeit in Gesundheits-, Wirtschafts-, Jugend- und dem schweren Problem der Wanderungsfürsorge. In dem Raum ״Palästina“ werden die bedeutsame, von Juden neuerlich dort geleistete Aufbauarbeit und die damit verknüpften großen individuellen und sozialen jüdischen Probleme dargestellt. Ein letzter Raum zeigt den jüdischen Stamm, seine Erscheinungsform, Verbreitung, Vitalität, Natalität, Morbidität und Mortalit und die lebhaften Bestrebungen zur physischen Regenaration durch Turnen und Sport. Die Abteilung ist wie folgt gegliedert: t. Die hygienische Auswirkung des jüdischen Religionsgesetzes, der jüdischen Sitten und Bräuche, so: Sabbath und Reinheitsgesetze, Ehegesetze, MHah, Fleischbeschau (Bedikah), Fürsorge für Kranke und Verstorbene. 2. Der jüdische Mensch in seiner anthropologischen und biologischen Eigenart, seine Natalität, Vitalität, Morbidität, der jüdische Typus im allgemeinen in seiner Fähigkeit zur Regeneration, Mischehen, Selbstmordziffer usw, 3. Die jüdische Fürsorge (Zedakah) mit besonderer Berücksichtigung der Wanderfürsorge. Hier werden berücksichtigt die alten und modernen Formen der Wohlfahrtspflege und sozialen Fürsorge, die Hilfe für jüdische, namentlich für ostjüdische Auswanderer, die Berufeumschichtung, die Begründung ländlicher Siedlungen In Deutschland, die Kolonisation, namentlich in Palästina, aber auch iin Argentinien und anderen Ländern, die Selbsthilfe der Ostjuden. Die jüdischen Wohlfahrtsanstalten in Deutschiand. wie Erholungsheime. Waisenhaime usw. sind in Miniatur- Modellen samt ihrer Hnd'ichen Umgebung dargestellt. Dargestellt ist insbesondere die Entwickelung der Chewra-Kadischa als Keimzelle der jüdischen Wohlfahrtspflege. Sehr übersichtlich ist die Entwicklung der Wohlfahrtspflege der jüdischen Gemeinde Berlin von 1911 bis 1920 illustriert. In Dioramen, Statistiken und Bildern sind der organisatorische Aufbau und die Tätigkeit der Spitzenverbände dargestellt, so der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, des Jüdischen Frauenbundes, der Großloge, des Hilfsvereins der Deutschen Juden, des Arbeiterfürsorgeamtes, des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, des Wcltverbahdes für Gesundheitsschutz der Juden ״Ose“. Die Zusammenarbeit der iiidisehen Wohlfahrtspflege mit der allgemeinen Wohlfahrtspflege ist gebührend berücksichtigt. Ke Palästina-Ausstellung ist mit Unterstützung des Waad Habriuth (VolksgcsundhcitsausschuB der palästincnsisch-zionistischen Exekutive) von I)r. Sindicr im Rahmen des jüdischen Pavillons selbständig durchgeführt. Die Ausstellung soll die Bedeutung Palästinas für die Hygiene der jüdisehen Gemeinschaft illustrieren, indem in Palästina durch Zuführuug der Juden zur Urproduktion eine Regeneration des Stammes angebahnt wird. In Dioramen, Statistiken und Bildern, ebenso in reizvollen Modellen, wird die Entwicklung des jüdischen Aufbauwerks zur Darstellung gebracht mit besonderer Berücksichtigung der Organisation und der Arbeit des Waad Habriuth. Berichtigung. In meinem Aufsatz über die Frühjahrsaus- Stellungen in der letzten Nummer (Nr. 37) sind zwei Druckfehler mit unterlaufen. Die Malerin heißt Loulou Albert Lazard, nicht Hazard. Die Uebersehrift heißt nicht Frühjahrsausstellung, sondern Frühjahrsausstcllungcii. In einem aus Raummangel gestrichenen Abschnitt habe ich selbstverständlich das schöne Aquarell Pasternaks genannt und auch eine gute Arbeit der jungen begabten Malerin Hella Aronsolt.it. Im Teil der Pastelle sind auch ein paar gute jüdische Künstler zu kurz gekommen Icli lasse sic hiermit folgen: Josef Oppenheimer, Le ss er Urv, Steinhardt schufen ihr Sclhstporträt in Pastell. Auch hier gibt es alle Stufen zwischen Malerei und Zcichinnig. Die Aquarelle Oino v. Fincttis korrespondieren mit Ernst Opplcrs eleganten und sorgfältig ausgeführten ״Sprungphasen“ seiner ,,spanischen Reitschule“, mit weißer Kreide auf blauen! Grund gezeichnet. R 11111 M o r o I d. Dfr Bildhauer Kurt Harald I s e 11 s t e. i 11 11,1t eine Büste von Albert Einstein geschaffen, die in dem im Bau befindlichen Ei ns tei n -1 n s ti tu t in Jerusalem Auf- Stellung finden wird. Die Büste ist augenblicklich in der Neuen Kunsthandlung, Tauent/ienstr. 6, zur Besichtigung ausgestellt, im Selbstverlag« der Arbeitsgemeinschaft für kulturelle Propaganda ״Prometheus“, Wien, erschien vor einigen Tagen unter dem Titel ״Judenhaß“ eine Anthologie, für die Generalmajor Sehoenaich, Henri Barbusse, der Lordoischoi von Winchester, Bernhard Shaw und viele andere hervorragende Persönlichkeiten Originalbeiträgc geschrieben haben, die die Amoral des Antisemitismus dartun. Wie wir erfahren, wurde die Verbreitung dieses Buches in Rumänien sonderbarerweise verboten. . י Der Jeist-Drive New York, 12. Mai. (LT.A.) Das Komitee der Vcreinigten Kampagne des joint Distribution Committee zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar für Wiederaufbauzwecke der Juden hat heute offiziell bekanntgegeben, daß die Geldquote des Drives von 15 Millionen Dollar auf 25 Millionen Dollar erhöht worden ist. Ke Zeichnungen und Bareinlage auf die Quote schreiten erfolgreich vorwärts. Das Komitee teilt mit, daß bis heute allein in New York fünf Millionen Dollar gesammelt worden sind. New York, 3. Mai. (J* T. A.) Mr. David A. Brown, der Leiter der Vereinigten Kampagne des Joint Distribution Comrnittee für Hilfe an die Judenheit Osteuropas, teilt mit, daß das Finanzkomitee des Joint die Summe von 775 (WO Dodlar für das Aufbauwerk in den osteuropäischen Ländern und in Rußland in den Monaten Mai und Juni bewüligt hat. Herrn Dr. Kahn wurden von dieser Summe 300000 Dollar für das Hilfswerk in Polen zur Verfügung gestellt. Außerdem» wurde dem Komitee für Kulturhilfe, das von Dr. Cyrus Adler cleitet wird, eine Sumpie von 75 000 Dollar für die notlcidenen Rabbiner und Lehrer, die seit sechs Monaten kein Gehalt erhielten, zur Verfügung gestellt. Der KalUats-KtigreB 18 Kairo Jerusalem, 13. Mai. (J.T. A.) Am Donnerstag, den 13. Mai, sollte in Kairo der allmoslemitische Kongreß eröffnet werden, der die Frage des Kalifats zur Lösung Dringen soll. Der Kongreß wurde von der AI Azhär-Universität einberufen. Der Moslemiiische Oberste Rat Palästinas entsandte als seine Vertretung zutn Kongreß eine viergliedrige Abordnung, der u. a. der Mufti von Haifa und der Sekretär der palästinen- Kisch-arabischen Exekutive, Dschemal Hussein!, angehören. Einladungcn zur Teilnahme an dem Kongreß ergingen an die Moslemiteu Palästinas, Syriens, Arabiens, Indiens, Afghanistans, Türkestans, ßcludschistans, der Türkei, Persiens, Javas, Tripo* Hs’, Tunis', Algiers lind Marokkos. Dem Vernehmen nach haben die Moslemitcn eines großen Teils der eingeladenctt!ander eine Teilnahmeabgclehnt. Di« Mohammedaner Syriens insbesondere forderten eine Vertagung des Kongresses, weil ״Aegypten unter britischer Herrschaft ist und König Fuad, den man als Kalifen vorschlägt, als der König eines unter Fremdherrschaft stehenden Landes nicht in der L'age sein wird, eine allmoslemitische Politik durchzuführen“. Die Vcrlelguig der Zioitstei-Sezialisfea ii Raßlaid Wie das Büro des zionistisch-sozialistischen Welt verbände® Po al e Zio n mitteilt, dauern die Massenverhaftungen von Zionisten-Sozialisten in zahlreichen Städten Rußlands lort. ln Balta wurden Eltern von jungen Zionisten verhaftet, wobei ihnen mit Entlassungen und Verbannungen gedroht wurde, wenn sie nicht alle Genossen ihrer Kinder der politischen Polizei angeben. In den alten und neuen jüdischen Kolonien hören die Verhaftungen nicht auf. Ke Verhafteten werden fünf bis sechs Monate in den Gefängnissen gehalten; eine Gruppe aus der Kolonie Groß-Sede-Menucha wurde erst nach elftägigem Hungerstreik aus dem Gefängnis entlassen. — Zahlreiche Genossen, die bereits in Verbannungsorten lebten, erhielten eine schwerere Strafe und wurden in Konzentrationslager gebracht, obwohl es klar ist, daß sie in den bisherigen Verbannungsorten keinerlei Propaganda führen konnten. Kleltte Nachrichten Aus Johannesburg wird telegraphiert: Auf allgemeines Ersuchen hat Herr So ko low sich bereit erklärt, seinen Aufenthalt in Südafrika bis zu acht Wochen zu verlängern. Henry A. Dix hat für die Hebräische Universität Jerusalem 50000 Dollar gespendet. Nach den offiziellen Zahlen kamen im März 1926 7609 Reisende einschließlich Durchreisende, Touristen und Pilger nach Palästina; 2005 Einwohner kehrten während dieser Zeit ins Land zurück. (Ziko.) Wie aus Bukarest gemeldet wird, ist der Redakteur der Handelszeitung ״Argus“, Herr Stroje, zum Kabinettschef des Arbeitsministeriums ernannt worden. Herr Stroje ist der Präsident des zionistischen Vereins ״Bnci Makkabi“. Bi a Ii k wurde vom Präsidenten Coolidge empfangen und hielt an den Präsidenten eine hebräische Ansprache, die den» Präsidenten übersetzt wurde. Herbert Bentwich, der Vater des palästinensischen Justizsekretärs Norman Bentwich, wurde am 11. Mai 70 Jahre alt. Herbert Bentwich ist einer der Führer der alten Chowewct- Zion-Bewegung und Präsident des Orders of Ancient Maccabeans, Mr. Henry Mor ge nt hau, der frühere Gesandte der Vereinigten Staaten in Konstantinopel, beging dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Eine Anregung• Dr. Ringels, daß an dem Hause, 37, Ruc Oambon, in Paris, in welchem Herzl zur Zeit der Entstehung des ״Judenstaates“ wohnte, eine Gedenktafel angebracht werde, hat die zionistische Exekutive aufgegriffen. Demnächst wird in Palästina eine arabische Tageszeitung zu erscheinen beginnen. Herausgeber ist Munit Al- Husseini, Chefredakteur Jamal Al-Husseini, der Sekretär der mohammedanisch-christlichen Vereinigung (״Arab. Exekutive“). Bisher gab es in Palästina nur ein- bis zweimal wöchentlich erscheinende arabische Zeitungen. Itn Juli 19® wurden in der Ukraine die Repräsentanten des amerikanisch-jüdischen Joint Kstribution Committee, Prof. Israel Friedländer und Rabbiner Dr. Bernard Kantor, die beauftragt waren, das Hilfswerk unter der verelendeten jüdischen Bevölkerung zu organisieren, von Banditen ermordet. Vor kurzem hat die sowjetrussische Polizei die Tagebücher der Ermordeten aufgefunden und dem jetzt in Moskau weilenden Herrn James N. Ros e aber g übergeben. In der internationalen Kunstausstellung in Venedig sind auch die Werke des jüdischen Bildhauers Prof. Glicenstcin ausgestellt. Der König beglückwünschte bei der Eröffnung Glicenstein zu der großen Zahl hervorragender Werke und ließ sich von ihm über seine Zukunftspläue informieren. Wie die J. 1. A. erfährt, hat Herr IV. Ehrenpreis den» Vorstand der jüdischen Gemeinde in Saloniki mitgcteilt, er bedauere, die Wahl rum Oberrabbiner nicht annehmen zu können, da er in Stockholm verbleibet! wolle. Der österreichische Skiverband, der vom internationalen Skiverband bei Strafe des Ausschlusses verpflichtet worden war, bis Ende Mai den sogenannten ״Arierparagraphen“ aufzuheben, beschloß mit großer Mehrheit, an dem Ausschluß der Juden testzuhalten. Der Artikel ״D i c palästinensischen Staatsfinanzen“ von Heinrich Margulies in Nr. 32 der ״Jüd. Rundschau“ erschien in hebräischer Sprache in Nr. 6 der ausge/c'chndcn Wirtschafts/eitschrift ״Misschar wetaasiah“ (Tel-Awiw), . ,.

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