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Jüdische Rundschau · 1926-05-18 · Heft 38-39 (18.5.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 38-39 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 3ה JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 201 0 als •ran-!rstc Qci* ercn Mit- >ocl- und tritt, tadi- -gcn sie ierte pro- Abdien “g- :nfcr acht >!!m des Iberiberdes wird, sich den auf I 22 eines :e! 3 Paeiner t. n in z u : zu die die iüssc ation ption n in zukom- Comeinen sagte ieren Rolle ־ängt einte nach mit ilosiv rden, iteftj wenn Da- :such tand- , der :inan der datsden einer istina sehen :tzten , aut lartei )rgan , arsehen einen ara- 3b er* äußer Parische istina 11 c n r der Juni issicm 1t der e, in r P.1- Ober- ,.die rechte Be• soll. -n im? Die sehen. t bann Kapitalistische Kolonisation Von! >r. K 11 r t N a \v r a / k i, Danzig. Nichts ist wohl geeigneter, Widerspruch in weiten /ioiiisfischcii Kreisen liervoivurufcii als der Begriff ״kapitalistische Kolonisation“, tmtl doch wieviel Mißverständnisse, gewollte und ungewollte, werden mil diesem Begriff verbunden. Muli kapitalistische Kolonisation gleichbedeutend sein mit dem berühmten Schlagwortc ״Ausbeutung tmtl Klassenkanipf“? Ist kapitalistische Kolonisation, soweit sic die Landwirt• schaft betrifft, in Palästina identisch mit dem Begriff des Großgrundbesitzes wie er im Osten Europas vorherrschend ist? ( ragen, auf die man mit Schlußworten nicht antworten sollte, zudem mit Schlagwortcn, die einer Terminologie entstammen, die ganz anders geartete soziale Probleme und Wirfsdiaftsverhaitnisse vor Augen hat. Aber auch den Begriff der kapitalistischen Kolonisation sollte man nicht anwenden, wenn man in Wirklichkeit kleinbürgerliche Existenzen vor Augen hat, die mit ihren Vermögensresten in ein Kolonisaiionsland kommen nicht als rein physische Arbeiter, Besit/lose, die niil ihrer Hände Arbeit das Land atifbmten wollen oder können, sondern afs einzelne oder Familien, die mit ihren Vermögensresten, die sie aus dem Zusammenbruch der Kriegs- und Nadikriegswirtseliaft der europäischen Länder gerettet haben, nach Palästina kommen, um sich liier eine neue Lxistcnz und eine neue Heimstätte auf/ubauen. ich denke hier besonders an die Typen der vierten Aüjab, für deren /. i c I b c wu ß t e Pr o d 11 k t i v 1 c r 1t n g zu wenig getan wurde, einmal weil ihre Einwanderung in diesem Umfange nicht vorgesehen war, andererseits weil mau zürn Teil sie vom theoretischen Standpunkt aus für das Land für unerwünscht hielt. Palästina als Immigrafionsland braucht aber Juden der verschiedensten Wirtschaftsstruktnr oder muß zürn mindesten versuchen, die mm einmal so zusammengesetzte fmmigration als möglichst produktive Faktoreu dem Aufbauwerk eiimigliedcrn. Kapital und Arbeit sind in Palästina einander sich gegenseitig bedingende Grund- ״feiler des Gebäudes, das wir aufführen. Aber nicht mir nationales Kapital kann und soll die Grundlage für unsere Arbeit bilden, sondern die großen erforderlichen Mittel, um die Arbeit in immer beschleunigterem Maße durchzufiihrcn, kann nur unter Mitheraiizieliung des privaten Kapitals durchgeführt werden. Wer dieses bestreitet, der nehme sich einen Bleistift und rechne die Summen nach, die für Landkauf, Meliorationen, Siedlung lind Ansiedlung von Familien erforderlieh sind, wenn dieses 1111 r aus nationalen Mitteln erfolgen sollte, wobei es finanziell gleichgültig ist, ob man die sozialen Formen der^ Kwuzali, der Mosehaw owdim wählt oder die Form der Soskinsehen Kleinsiedlung. Gewiß ergeben sich Differenzen im Einzelfalle und doch sind die Summen pro Familie gerechnet so hoch, daß nur eine geradezu unvorstcllbare Hohe der Eingänge der nationalen Fonds diese Art Aufbauwerk ermöglichen könnten. Wir haben aber weder unbegrenzte Zeit zu diesem Aufbauwerk, noch ist eine derartige Steigerung der nationalen Eingänge zu erwarten. Wer immer, wie Verfasser, diesen Standpunkt afs grundlegend für die Richtung unserer Palästinaarbeit vertritt und vertreten hat, ist deshalb niemals ein Gegner des nationalem Aufbauwerkes gewesen. Die Konsequenzen, die aus dieser Ansicht aber gezogen werden müssen, sind cimnaf die, die nationalen Mittel selbstverständlich auf eine möglichst große Höhe zu bringen, sie zugleich aber auch so produktiv zu verwerten, daß ein möglichst großer Nutzeffekt für das (.and und die gesamte Bevölkerung erreicht wird, andererseits die private Aufbauarbeit in jeder Weise in stärkstem Maße zu fördern. Aus dieser Erkenntnis des zu Langsamen Tempos im Aufbauwerk sind ja auch die Programme zu werten, die der städtischen Kolonisation, der gewerblichen und industriellen •&lt»׳Jddung wjf d«* Handel eine möglichst * schneite Entwidhingsriditung zu geben versuchen. Tch sehe hier ganz ab von dem mehr oder minder müßigen Streit, ob eine landwirtschaftliche oder städtische Kolonisation vom nationalen Standpinkte aus wünschenswert sei, diese Frage beantwortet sich aus der Kenntnis unserer Geschichte zur Genüge seihst, aber es kommt hier gar nicht auf die Wünsche an, sondern auf die Möglichkeiten, die Palästina in dieser Hinsicht bietet, und wenn man die auch noch so groß annimmt, darf nie außer acht gelassen werden, daß Palästina und seine Hinterländer dünnbevölkerte Länder sind, die als Absatzgebiete für eine sehr große Industrie beschränkte Möglichkeiten bieten. Man denke an das Schicksal der polnischen Industrie, der der große russische Markt fehlt und an die bekannten Schwierigkeiten, die für alle Industrieländer der Erde heute gelten, da nun einmal durch den Krieg die Industrialisierung in allen Ländern die Roiiprodnktioti soweit überholt hat, daß das Gleichgewicht '011־ landwirtschaftlicher — wie Urproduktion und damit der Konsum, d. fl. die Aufnahmefähigkeit dieser Kevölkerungsgruppen für Produkte der Industrie für lange Zeit gestört ist. Diese allgemeinen Gesichtspunkte müssen immer wieder vor Augen gehalten werden, wenn man ein großzügiges Aufbauprograrnni Palästinas skizziert. Hebung der Rofiprodukfioii, Vergrößerung der Konsumfähigkeit, Vergrößerung des inneren Marktes ist nicht nur vom nationalen Standpunkte aus zu wünschen, sondern auch vom ökonomischen. Es ist daher außerordentlich zu begrüßen, daß nach einer langen Pause, anknüpfend an die Entwicklung vor dem Kriege, der Versuch gemacht wird, kapitalkräftige Kreise der Landwirtschaft über den Umweg des Pflanzungsbaucs zuzuführen. Wir knüpfen damit an die durch den "Krieg abgebrochene Entwicklung an, wo in Nachahmung an die durchaus wirtschaftlich geglückten Pflanzungen der Nach-Rothschildsdien Zeit in den alten Rothschild-Kolonien von Ruppin angeregt, die Form der Achusa-Gcsellschaften gewählt wurde. Ohne auf die damaligen Anfänge, die nicht in allen Punkten als glücklich anzusehen waren, einzugehen, muß doch hervorgehoben werden, daß dieser Weg vom Standpunkte der lÜberführung europäischer Juden in die Landwirtschaft und der Ucbertragung ihres nur allmählich loszulöscnden Vermögetis aus ihren bisherigen Wohnländern nach Palästina gerade aut die jetzige Zeit angewandt, für viele der einzig gegebene Weg zu sein scheint. Schon vor dem Kriege war es für den, der die Produkfionsstatistik der Kolonien kannte, kein Geheimnis, daß Ora 11 g enp fl an Zungen eine ausgezeichnete Rentabilität ergaben. Hier lag eine bereits abgeschlossene Periode vor, die durch keinerlei äußere Eingriffe gestört worden war. Der Orangenbau war eine ausschließlich von privaten Kapitalisten durchgeführte Pflanzungsart, der keinerlei Subvention erhalten hatte, die Verpackung, der Absatz geschah in kaufmännisch hervorragender Weise und die (')Öffentlichkeit erfuhr von diesem Wirtschaftszweig wenig, wie es bei gutgehenden Geschäften ühlich ist. Auch die wenigen Orangerien, die als Domänen im Besitz von Organisationen waren, wie die fca-Orangcrien in Nezly, rentierten ausgezeichnet und ergaben für die Admiuistration gute Uebcrschüssc. Diese Entwicklung ist durch den Krieg empfindlich gestört worden und die Pflan/niigeii haben in der Kriegs/.eit auliordenilieh gelitten. Die Produktion, die im lel/tcif Jahre vor dem Kriege auf IG Millionen Kisten •;«,stiegen war. fiel rapide und erreichte in der Nae':- kriegs/eii mir noch 800000 Kisten; aber kaum hatten s' die ׳ Verhältnisse wieder angefangen zu bessern, als aus die Entwicklung der Orangenpiantagen ohne jeden Eiitf!;: der Zionistischen ׳Organisation wieder einsetzte und privv Kapital von Jahr zu Jahr in immer stärkerem Maße ,! neuen Pflanzungen angelegt wurde. Ls ist interessant, daß dieser Prozeß der Erschließung des Landes in den letzten fünf Jahren sehr wenig in der zionistischen Oetfeiitliehkcit beachtet worden ist. Die Augen waren auf das Lnuk gerichtet, dessen nicht zu leugnende rapide Entwicklung, da es sich um große Flächen handelt, die extensiv in Bearbeitung genommen wurden, weithin hemerkbar war und die für einen Teil der neueinw,ändernden Clialu/im das ideale Betätigungsfeld schufen. Hie Kleinarbeit der privaten Betätigung in 11ml bei den alten Pflanzlingskolonien wurde dagegen weniger beachtet', trotzdem hier verhältnismäßig große Mittel neufestgelcgt wurden, die ganz anders als die Kapitalsanlagen in Tel-Awiw bestimmt sind, dauernd neues Kapital aus dein Boden zu erzeugen, die Exportbilanz Palästinas zu verbessern und neue Arbcitsgclegenheiten zu schaffen. Nur die letztere Frage erregte in jüngster Zeit das Interesse der Ocffentlichkeit, nämlich inwieweit cs möglich wäre, durch geeignete Maßnahmen dem jüdischen Arbeiter Arbeitsgelegenheit hier zu schaffen. In einem Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“ von Dr. Brünn, der in einem ausgezeichneten Prospekt die Einzelheiten über die Rentabilität des Orangenbaucs gegeben hat, wird mit Recht darauf hingewiesen, daß die Technisierting der Landwirtschaft eines der wichtigsten Momente der künftigen Entwicklung ist, deren Umfang und deren itmsiürzlerische Bedeutung selbst in europäischen Ländern erst an ge fangen wird zu verstehen. Er hat von einer [11dustrialisieruiig der Landwirtschaft gesprochen, besser würde man sagen ״Technisierung“ und ״Standardisierung“. Die Standardisierung hat die palästinensische Orangen- Wirtschaft bereits erreicht, ein enormer Vorzug, und " hat damit in diesem Punkt ein Eniwicklungsstadiiim erreicht, dem die europäische Landwirtschaft jetzt erst nachfolgt. Einige wenige Qualitätsfriiclite bestimmter Kulturen, die aller den besonderen Verhältnissen des Bodens und Klimas entsprechen, das ist das gesteckte Ziel der europäischen Landwirtschaft; nicht hundert Variationen und Sorten, die aut dem Weltmarkt unverkäuflich sind. Auch hierfür haben wir amerikanische Vorbilder; die Entwicklung geht wie iti der Industrie; nicht Dutzende von Landmaschinen und Autos, Nähmaschinen und Fahrräder, Betten und sonstige Gcbrauchsgcgcnständc mit kleinsten Abweichungen und dauernden Verbesserungen, sondem Standardwaren, die qualitativ hochstehcii und relativ billig sind. Es ist kein Zufall, daß die Jaffaorange, die eine solche Standardware ist, den Weltmarkt erobert hat, keinen Absatzschwierigkeiten begegnet und auch in Zukunft naclt menschlichem Ermessen nicht zu fürchten hat. Wo sie eingeführt ist, ist sie gesucht und daher gut bezahlt. Durch einheitliche Packung, sorgfältige Sortierung, ist außerdem dem Wesen der Standardmarke entsprochen. So sehen wir, daß Palästina in der Landwirtschaft allen europäischen Ländern in diesem einen Punkte voraus ist. Leider bisher nur in diesem einen Punkte. Das andere Erfordernis, die Technisierung der Landwirtschft ist in Palästina noch in ihrem ersten Entwicklungsstadium. Aehnlich wie die hochstehende Industrie in sehr vielen Fällen heute die Höchstleistung durch ihre Mechanisierung erreicht (ein Beispiel sehen wir in Palästina in der Haifaer Mühle, in derem Riesenbetriebe in jeder Etage nur ein Arbeiter tätig ist), eine ähnliche Entwicklung steht der Landwirtschaft noch bevor. Durch die Natur sind der Technisierung hier gewisse Grenzen gezogen, aber nicht so enge, wie im« allgemeinen angenommen wird und wie sie in der europäischen Landwirtschaft noch vorherrschend sind. Die Grenzen des möglichen Ersatz.es der Handarbeit sind nöch nicht gefunden, aber die Entwicklung der letzten Jahre zeigt bereits, daß hier noch große Urmvälzungen in Zukunft zu erwarten sind. Mit der Frage der Technisierung verliert auch die Frage des jüdischen Arbeitsprobieanes m. E. außerordentlich viel von seiner Bedeutung. Bei hochstehenden technisierten Betrieben, die eine verhältnismäßig geringe Zahl von Arbeitern benötigt, wird der Arbeitslohn im Gesamtbetricbe wie überall nur eine verhältnismäßig untergeordnete Rolle spielen und daher die Frage seiner Höhe von geringer Bedeutung sein. Ganz abgesehen davon, daß eine richtig verstandene Technisierung gerade in vier Landwirtschaft nicht unqualifizierte billige Arbeiter benötigt, sondern intelligente, technisch begabte und daher auch gut bezahlte. Der Laie wird hier eine neue Schwierigkeit auftauchen sehen: technisierte Landwirtschaft heißt also Beschäftigung von weniger Menschen. Nichts falscher als das. Der intensivierte landwirtschaftliche Betrieb, also auch der Pflanzungsbetrieb, beschäftigt und ernährt auf unverhältnismäßig kleiner Fläche soviel Seelen, allerdings unter stärkster Kapitalsaufwendung, wie die genossenschaftlichen Großbetriebe beispielsweise im Emek auf vielfach größeren Flächen selbstverständlich nicht plazieren können, selbst wenn sie ohne Rücksicht auf Rcntabilitat und bessere technische Methoden möglichst viel Chaluzim einst eilen, um möglichst viel Arbeitsgelegenheit, wenn auch nicht Verdienst- und Ernährungsmöglichkeiten zu schaffen. Ich möchte dies ausdrücklich betonen, weil ja leider in den weiteren jüdischen Kreisen die Probleme und ihre technische״ und wirtschaftlichen Lösungsmöglichkeiten nicht genügend bekannt sind. Was den P f 1 a n z u u g s b a u betrifft, besonders den der Orangen, so scheu wir aus den! oben angeführten Prospekt, daß die Kosten für Irrigation und Bewässerung, für Hacken und Meüorisieren die wesentlichsten Ausgabeposten darstellen, und es kann gar keinem« Zweifel unterliegen, daß gerade auf diesem Gebiete in Palästina technisch und wirtschaftlich noch außerordentlich viel zu leisten ist, trotzdem« sind die Ergehnisse der Rentabilität im Orangenhau sehr gute. B r ii’n n rechnet mit einer durchschnittlichen Rentabilität von 20 0«י und dürfte damit auch nach den mir vorliegenden Statistiken absolut recht behalten. Es ist bekannt, daß in einzelnen Füllen die Erträge höher gelegen haben, aber nimmt man den durchschnittlichcn Jahresertrag und die durchschnittlichen Marktpreise, so dürfte diese Rcntabilitätsrcchnung als richtig anzunehmen sein. Ohne Rücksicht auf die noch durch verbesserte technische Methoden mögliche Ersparnis rechnet Brünn mit 85 £ Anlagekosten pro Dunam. Er sieht vor: die Gründung einer Gesellschaft mit 40000 £ Kapital, die 1000 Dunam Boden erwerben soll, wovon 400 Dunam für Orangenplantagen bestimmt sind. Von diesen 40000 £ ist nahezu (;« iin ersten Jahre einzuzahlen, der Rest in den folgenden Jahren, bis zur definitiven Ertragsfälligkeit vom 6. Jahre an. Die Größe von 400 Dunam Orangcnpflanzung ist sicherlich absichtlich gewählt, denn auch bei Pflanzungen gibt es genau wie in der europäischen Landwirtschaft, inan denke an die bekannten großen Güter, ein Maximum und ein «Minimum der Rcntabilitat bei administrativ verwalteten Großbetrieben, sic dürfen weder zu klein noch zu groß gewählt werden. Wenn zu klein, machen sich technische Anlagen und Administration nicht bezahl*, hei zu großen Anlagen können ebenfalls ihre Vorteile ins Gegenteil sich verwandeln. bi seinem Prospekt gibt Bräun eine interessante Preis übersieht über die Durchschnittspreise fob Jaffa, Unkosten und Gewinn von 1903 bis 1025, d. h. den letzten 22 Jahren nach den Verschiffungszahlen des Pardeß, wie eine (Jehersiebt über die Preisschwankungen auf dem Hauptmarkte, dem englischen. Dem Werte nach dürften die Orangen im Jahre 1025 25 nach meiner Schätzung zirka יdes gesamten Exportwertes Palästinas darstellen und werden sich auf über 1 <100 000 Kisten belaufen, während sie noch 1023 1 580000 Kisten umfaßten. Der jetzige Exportwert dürfte über 15 Millionen Shilling betragen. Die letzte mir zugängliche offizielle Exportstatistik für 1923. 24, leider arbeiten auch die palästinensischen statistischen Acmtcr ebenso langsam wie die europäischen und nicht so schnell wie die amerikanischen, gingen von den 1 500 000 Kisten 030075 nach Aegvpten, 0H 090 nach England, 13 252 nach Serien und der Rest nach 12 verschiedenen Ländern in minimalen Ott an ton. Der Kuriosität halber sei bemerkt, daß S Kisten nach Deutschland direkt gingen, nach China, soll wohl heißen Schanghai, dagegen 70 Kisten. In Wirklichkeit hat das größte und umsichtigste •Orangenpflanzungssyndikat der Pardeß, sein Hauptaugenmerk bisher darauf gerichtet, den englischen Markt zu erschließen und durch eine gleichmäßigere Verteilung auf die verschiedenen englischen Einfuhr- Itäfen dafür Sorge getragen, daß die Palästina-Verschiffungen nicht mehr allein nach Liverpool gingen, wie vor dem Kriege, was für den Absatz resp. den Preis dieser leicht verderblichen Produkte von cntscheidenster Bedeutung ist. Nächst England, dessen Aufnahmefähigkeit für Palästina-Orangen sicherlich noch weiter gesteigert werden kann, hat das nahegelegene Aegypteil, in das die Orangen zum Teil in Schüttladungen per Waggon gelten, den zweitgrößten Import aufzuweisen, und wenn man dagegen berücksichtigt, daß alle anderen europäischen Länder überhaupt noch keine nennenswerten Mengen Jaffa-Or;ntgett aufnehmeii, und daß diese Märkte noch in sehr großem Umfange aufnahmefähig gemacht werden können, so w ird man leicht ermessen können, daß von einer Ueberproduktion von Jaffa-Orangen in absehbarer Zeit nicht gesprochen werden kann, und daß ihre gute Qualität sich auch andere «Märkte trotz der Konkurrenz italienischer und spanischer Konvenienz erschließen wird. Beträgt doch der spanische Export zirka fünfmal so viel wie der palästinensische. Was für Absatzgebiete aber die europäischen Länder darstellen, wenn halbwegs normale Wirtscliaftsverhältnisse wieder eintreten, ersieht man am besten aus einem Vergleich der Importe von Südfrüchten; beispielsweise nach Deutschland betrugen dieselben vor dem Kriege IQ 13 101 Millionen Mark und waren 1023 infolge der bekannten Beschränkungen auf 20 Millionen gefallen, dagegen betrugen sie bei dem verarmten Deutschland und den schwierigen Wirischaftsverlüiltnissen im Jahre 1924 bereits wieder 138 Millionen Mark. Daß auch der polnische und russische «Markt mit seinen 27 und 100 Millionen Menschen und seiner starken jüdischen Bevölkerung unter besseren wirtschaftlichen Verhältnissen ein ungeheures Absatzgebiet in Zukunft darstellt, braucht nicht betont zu werden, denn wer heute Orangen pflanzt, weiß, daß er sich nicht den Kopf zu zerbrechen braucht, wo er dieselben im nächsten Jahre absetzt. Jede Obstplantage braucht Jahre bis zu ihrer Fruchttragung, das ist cs, was einmal davor schützt, daß dieselbe ein Konjunkturgeschäft wird, daß zahlreiche Existenzen sich plötzlich auf sie stürzen, eine Ueber- Produktion in kurzer Zeit herbeiführen und dann sie wieder aufgeben. Die Länge der Zeit und das verhältnismäßig hohe erforderliche Kapital sind Hindernisse, aber gleichzeitig eine Garantie für eine dauernde Entwicklung. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Art von Kapitalsanlage weniger der jüdischen Mentalität des Golus liegt, aber sie entspricht mehr als alle anderen dem Wesen und dem Sinn der Kolonisation des Landes. Nur was auf gesunder Basis in langen Jahren im Lande mit ausreichendem Kapital aufgebautWird, trägt auch die Sicherheit in sich, daß cs trotz aller Krisen in den Ländern der Welt sich halten und weiter entwickeln wird. Es wäre daher zu wünschen, daß der Plan Brünns der Gründung einer Pflanzungsgesellschaft Erfolg hat und das Beispiel dazu ancifern wird, weiter und mehr Gesellschaften in ähnlicher Weise ztt gründen. Palästina bedarf des Kapitals und der Menschen. Die Aprileingänge des Keren Hajessed Mitgeteilt vom Londoner Hauptbüro. Im Monat April sind beim Hauptbüro des Keren Hajessod in London C 43 OS8.19.il eingegangen gegen £ 40 681. 0. <1 im April 1925. Die Gesamtsumme der Keren Hajessod-Eirtgange beträgt per :30. April .£ 2 30QQ55.1S.il. Die Eingänge verteilen sich auf folgende Länder: 1. Vereinigte Staaten 2Q770.10.il 2. Kanada 2 055.10.— '3. England 1 490.16. 6 4. Rumänien: Bukarest 1 284.15. T ranssvivanieii 80. 7.11 1 365. 2.11 5. Deutschland 1 254.13. 5 6. Holland 1 101.10.— 7. Polen: Warschau 711, 5. 4 Krakau 205. 2. 7 Lemberg 135.19.11 Wilna 17. 8.11 1069.16. Q 8. Argentinien 1 000. Q. Tschcchosknval 1 830, 9. 3 10. Belgien 416.11. 2 11. Litauen —.—.108׳ 12. Palästina 403.13. 2 13. Oesterreich (31.18,- 14. Italien GO. «1. S 16. Tunis HL 3.- 16. Lettland 10.--.— 17. Aegvpten 57.14.10 18. Fugoslawiiv .8. 7. 1 19. Finnland 4 .2 ,)־ 20. Estland __ 21. Dänemark 8 .2 .1 ־ 22. Frankreich: St■■: : '10. 6 23. Danzig 12.11. 6 24. Griechenland q 25. Norwegen 8.14. 3 26. Schweden 4. 8.— 27. Schweiz Q_ £ 43 0SS.l9.il Die palästinensische Wirtschaftskommission Wir berichteten bereits, daß Lord Plumer den Vorschlag Dr. Wcizmanns akzeptiert hat, eine gemeinsamt Kommission aus Vertretern der Regierung und der zionistischen Exekutive zu schaffen, die die (ökonomischen Notwendigkeiten Palästinas studieren soll. Wie die palästinensischen Zeitungen berichten, wurde diese Kommission dieser Tage gebildet. Als Vertreter der Regierung nimmt an ihr der Treasurer Davis teil. Die Vertreter der Ex־ckutive sind die Herren Colonel Kisch, Dr. H a 1 p e r!1, K a p 1 a u s k v und Hooffien. Die jüdischen Mitglieder übergaben Herrn Davis eine Aufzahlung der Reformen, die ihrer Ansicht nach die Palästinaregierung einführen sollte, um die Wirtschaft«- lagt■ im Lande zu bessern. Herr Davis wird diese Vorschlage der Regierung übermitteln. Aaihebug des TikkexporDollcs Die palästinensische ״Official Gazette“ vom 1. Mai veröffcntlicht eine Tobacco (Amendment) Ordinancc, die bestimmt, tiaß die Aufhebung des Exportzolles auf Tabak mit dem Tage der Publizierung erwähnter Verordnung in Kraft tritt. (Ziko.)

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