Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 4× ep/1047930
- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- Bochnia 1× ep/1047794
- Gerhart Hauptmann 1× ep/1025102
- Hermann Struck 1× ep/1004902
- Jim Simons 1× ep/1005252
- Magnus Zeller 1× ep/1026398
- Max Liebermann 1× ep/1025314
- Max Reinhardt 1× ep/1025508
- Tiberias 1× ep/1048138
- Walter Trier 1× ep/1025702
- Wolfgang Heine 1× ep/1023605
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 28i 37 Nr. 37 £ionisut der ׳inden. ebenso e eine :11 des ieferen poliästinair von t verna als Politik ferner i weit kann(- 1c des eftihrt, ,robleselbst istigen ,leigen ׳iiigen, Es ge- :h die Zionisecht icinbar arabis soll >egraeinzigg, daß ad, in »miert, > nicht 1s und;tagen, :11, das seiner r Aufwieder üheren lpfindlaligen bürger ו einen nschein Oee aufs chlichnatiotjuden (Jeherie Be- :11 den 1g der e noch Idee«, ieipj rSjheit» tn, von r dem . Der dort- I noch ir seht heorie n. Aui gilt es mehr zt Cie- . Und jenes ־kennt- , allein Werk, Jealität en, die en Er- Lehre nur in Stunde Ie und mnung rstäiidnd an- :it das n me r d sie 1 und . Ein- Nichtm und in uns chwert r noch 1 nach :h sein *m das eigene ie aus erhalwirken lebcnsab das in aber dlichen en ein-!faltige :rklärte oster- :n Zeit nnende gleichbetraut Die Erschließung der Haifa-Bucht (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) A. Ci., Jerusalem, den 28. April 1926. Eines der größten Projekte der jüngsten Zeit ist die Urbarmachung und Besiedlung der Haifacr Bucht. In allen Palästlnaplänen hat die Entwicklung der Stadt Haifa eine hervorragende Rolle gespielt. Angefangen von Herzls Utopie Alt- Neuland bis zu den Verhandlungen üier die Leitung der Petroleum-Röhren von Mossul. Den spezifischen Verhältnissen des Landes und der Einwanderung folgend hat diese nördliche Hafenstadt in deu ersten Stadien der Siedlungsarbcit vor Tel- Awiw mit seinem reißenden Wachstum zurücktreten müssen. Dann hat eine Zeitlang die Gründung von Afulc im Herzen der Ebene Jesreel die Gemüter im Atem gehalten. Die großzügigen Baupläne dieser Stadt, ihre zentrale Lage im Kranz der neuentstandenen Kolonien des Emek und die große Propaganda der beteiligten Gesellschaften haben zusammengewirkt, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf dieses Unternehmen zu lenken. Aber da die Entwicklung im Lande sehr rasch vorwärtsgeht, man an einen dauernden Wechsel gewohnt ist und daher sehr leicht vergißt, ist At'ule heute bereits aus dem Zentrum des Interesses gerückt. Ein gewisser Stillstand in den Arbeiten, durch Faktoren bedingt, die wir heute nicht näher analysieren wollen, hat zu einer Schwächung der Anteilnähme beigetragen. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, was städtische oder halbstädtische Projekte anbetrifft, steht heute neben dem Bau des Nordviertels in Tel-Awiw die Erschließung der Haifaer Bucht. In der Tat läßt dieser Plan, was Umfang und Groß- Zügigkeit betrifft, alle früheren Unternehmungen hinter sich. Es handelt sich um eine Erschließung von Zehntausenden von Dunam für städtische und landwirtschaftliche Siedlung, um den Ausbau des verkehrspolitisch bedeutsamsten Punktes für Palästina und Transjordanien und darüber hinaus um den Ausbau des zentralen Hafens für Palästina und vielleicht auch seine Nachbarländer. Der Ausbau und die Modernisierung dieser Stadt und ihrer Umgebung eröffnet wirtschaftlich die weitesten Perspektiven. Schon heute gruppiert sich um diesen Punkt alles was man in Palästina mit ״Großindustrie“ bezeichnen kann, über Haifa geht der hauptsächlichste Personen- und Güterverkehr durch die Ebene Jesreel bis zum Anschluß an die Hedscliasbahn, von Haifa geht der Automobilverkelir über Ras-En-Nakura nach Beiruth und in normalen Zeiten nach Bagdad, Haifa bildet den Ausgangspunkt des jüdischen Boden- Streifens, der sich an der Straße nach Nazareth fast bis Beth- Schan hinzieht. Bisher hat Haifa im Vergleich zu dem verblüffenden Aufstieg von Tel-Awiw eine stetige und relativ langsame Ent- Wicklung gehabt. Nur ein Teil des großen Einwandererstromes wandte sich hierhin. Die Stadt trägt auch heute den Charakter der levantinischen Hafenstadt und nur in den neugegründeten Vierteln, wie Hadar Hakarmel, Neweh Schaanan und Bath Galim kommt der Geist der jüdischen Renaissance zum Ausdruck. Das Tempo der Arbeit ist in jeder Beziehung langsanier, hat aber einen breiteren und sicheren Anstrich als in Tel-Awiw. Aeußerlich drückt sich dieser Zug schon in der Art der Bauten aus, die in Tel-Awiw mit Ziegeln, die billig und wenig dauerhaft sind, in Haifa mit Naturstein, der erheblich »eurer und besser Ist, ausgeführt werden. Mit den großen Landkäufen in der Umgegend von Haifa ist die Möglichkeit zur Entwicklung der Stadt und zur Lösung ihrer spezifischen Aufgaben gegeben. Der Küsten streifen zwischen Haifa und Akko, der sich am Golfe entlang zieht, im ganzen gegen 60 000 Dunam, ist von der Haifa-Bay-Development Company, hebräisch Mifraz Haifa, erworben worden. In dieser Gesellschaft sind die Kehillat Zion, Mcschck und verschiedene Einzelpersonen beteiligt. Der erworbene Boden zieht sich den geschwungenen Dünenstreifen entlang, den man vorn Karmel aus übersieht. Nach dem arabischen Dorfe, das in dieser Ebene liegt, wird die Gegend heute auch kurzweg als Dschjidroland bezeichnet. Das ganze Areal ist nur sehr spärlich besiedelt. Der Mangel einer rationalen Wasserwirtschaft durch Jahrhunderte hindurch hat zur •Bildung von Sümpfen geführt, die die ganze Gegend mit Malaria verseuchten. Die Einwohner der arabischen Dörfer fiebern fast durchweg und schon die wenigen Häuser, die außerhalb der alten Stadtmauer von Akko liegen, sind nicht malariafrei. Es handelt sich also, bevor von einer gesunden und rentablen Besiedlung dieser Landstrecken die Rede sein kann, um eine durchgreifende .Sanierung des Gebietes. Der Gesamtplan der Gesellschaft ist ungewöhnlich groß und umfaßt verschiedene Aktionsgebiete. Dementsprechend ist auch der Gesamtkomplex in einzelne Zonen, je nach ihrer Bestimmung und Eignung eingeteilt worden. Das Projekt umfaßt, in •großen Umrissen gesehen, die künftige Stadt Haifa, für die ein großes ,,Industriegelände“ vorgesehen ist, den Hafen in seinen verschiedenen Teilen, eine Arbeitersiedlung (Schchunath Owdim), eine Gartenstadt mit Badestrand usw., Gelände für intensive landwirtschaftliche Siedlungen und schließlich die neuen Viertel oder die neue Stadt Akko, mit deren Bildung bei entsprechender Besiedlung des Gebietes zu rechnen ist. Der Boden wird seiner Bestimmung entsprechend sukzessive verkauft, so daß die landwirtschaftlichen Parzellen zuerst, die industriellen und das städtische Baugelände später auf Wie gehe ich zur Wahl? Dea wahlberechtigten Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde gehen Wahlkarten zu. welche das zuständige Wahllokal bezeichnen und gleichzeitig als Ausweis dienen. Wahlberechtigte, welche die Wahlkarten bis zum 14. d.M nicht erhalten haben, können diese am Wahltage gegen entsjirechenden Ausweis im Wahlbüro Oranienburger Straße 20 in Empfang nehmen Für die Wahl sind nur die amtlichen Stimmzettel zulässig. Der Wähler macht in dem zum Wahlvorselilag 1 (indische Volkspartei, Liste Klee) gehörigen fettumranderten Viereck ein Kreuz odereinen deutlichen Strich. den Markt kommen. In ähnlicher Reihenfolge wird vermutlich auch die Besiedlung des Geländes vor sich gehen. Das große Hafenprojekt, das mit einem anderen Plane, der ebenfalls der Regierung vorliegt, im Wettkampfe liegt, braucht von den übrigen Arbeiten nicht berührt zu werden. Die Entwürfe mit ihren Kais für Fracht- und Personenschiffe, ihren großen Molen und Wellenbrechern und ihrem Petroleumhafen für die Röhren aus Mossul, macht besonders auf denjenigen, der Haifa gut kennt, einen großen Eindruck. Hier wird klar, was aus dieser für einen Hafen ideal geeigneten Bucht, die heute sich mit den primitivsten Einrichtungen beim Ausbooten und Verladen begnügen muß, gemacht werden kann, wenn ihr teclinische Mittel zu Hilfe kommen. Wie sich der Ausbau des Golfes gestalten wird, ist heute, wo die Beratungen der Regierung noch nicht abgeschlossen sind und verschiedene Pläne um die Herrschaft kämpfen, noch nicht zu sagen. Unterdessen wird mit der Erschließung des Landgebietes bereits begonnen. Bereits im letzten Winterhalbjahr sind 10000 Dunam des Bodens unter den Pflug genommen worden. Die Arbeit wurde von der Gesellschaft der Organisation der Landarbeiter übertragen. Die zweite Arbeit, die in Angriff genommen wurde, ist eine Chaussee, die das gesamte Gebiet von Haifa bis Akko durchschneidet. Für diesen Bau liefert die Gesellschaft die Steine, während die Regierung die Arbeitskräfte stellt. Der Weg wird von Strafgefangenen aus dem Akkoer Gefängnis hergestellt. In letzter Zeit hat man mit der eigentlichen Ameliorationsarbeit begonnen. Der Küstenstreifen ist charakterisiert durch eine Schnur von Wanderdünen, die sich an» Ufer entlang ziehen und ihren Weg landeinwärts jahrhundertelang fortgesetzt haben, und durch Sümpfe, die von Bächen gebildet werden, die ihren natürlichen Abfluß nicht mehr besitzen. Der eigentlichen Siedlungsarbcit muß also die Befestigung der Dünen und die Drainage der versumpften Gebiete vorausgehen. Nach den Berechnungen belaufen sich die Ameliorationskosten des Gesamtgebietes im ganzen auf zirka eine Million Pfund. Nach den nötigen Messungen und einer genauen Erforschung des Geländes arbeitet man zur Zeit an der Planierung der Dünen. Da in diesen Sandberge mit Wassertümpeln abwechseln, wird das Areal durch Zuschiittung der Lachen planiert. Mit diesen Arbeiten sind gegen 400 Leute aus Haifa und Afule für einige Monate beschäftigt. Zu ihrer Ausführung hat die zionistische Exekutive aus den Mitteln des Keren Hajessod eine Anleihe von 3000 £ gewährt. Nicht aller Boden der Haifa-Bucht ist Privatbesitz. Der Jüdische Nationalfonds hat sich einen Teil (11000 Dunam) gesichert. Man erinnert sich, daß man von verschiedenen Seiten den Nationalfonds angegriffen hat, weil er nicht einen größeren Teil des Geländes, das Großes versprach, erworben hat. Die Angriffe verstärkten sich noch, als der Nationalfonds, vom Zwang der Verhältnisse getrieben, die Hälfte seines Bodens (5500 Dunam) an die Gesellschaft für 25 Jahre verpachtete, ohne den Modus dieser Pacht genau festzustellen. Denn es schien unwahrscheinlich, daß man Siedler nach 25 Jahren, nachdem sie dort Häuser gebaut und Pflanzungen angelegt haben, zu einer Wirtschaftsführung entsprechend den Prinzipien des Nationalfonds zwingen kann. Eine bedingungslose Abgabe nationalen Eigentums an Private ist gefährlich und die Aufrcehterhaltung der Nationalfondsprinzipien wie jüdische Arbeit usw., sehr ersdnvert. Aber es ist nicht das erste Mal, daß in Palästina Fehler gemacht werden müssen, weil die objektiven Verhältnisse einen gradlinigen Weg unmöglich machen. Auf dem Nationalfondsboden, der nicht verpachtet wurde, sind je 2000 Dunam für eine Arbeitersiedlung (Schchunath Owdim) und für eine intensive Landwirtschaft geplant. Weitere 500 Dunam sollen einer Mädchenfarm und 500 städtischen Arbeitern als Wohnplätze zugewiesen werden. Diese Gebiete sind es, die in allernächster Zeit amelioriert werden sollen. Uebcr diese Arbeit, von der man Beschäftigung von gegen 1500 Leuten für längere Zeit erwartet, wird jetzt zwischen der Kehillat Zion, der Exekutive und der Arbeiterorganisation verhandelt. Es handelt sich für den ganzen Komplex uim 300 000 .2, jedoch ist nach der Ansicht der Sachverständigen schon mit 100 000 £ die Sanierung soweit durchzuführen möglich, daß die Siedlung begonnen werden kann. In letzter Zeit sind verschiedentlich Zweifel daran laut geworden, ob der Boden für eine intensive landwirtschaftliche Kultivierung geeignet sei. Es wurde in geringer Tiefe unter der Oberfläche Wassei festgesteilt, was das Wachstum der Bäume aufzuhalten und zu gefährden geeignet ist. Eine Kommission, die in jüngster Zeit das Gelände auf diese Frage hin untersucht hat, ist zu der Ansicht gelangt, daß der Boden durch sehr sorgfältige Drainage anbaufähig zu machen ist. Damit würden sich die Ameliorierungskosten stark erhöhen. Daß dieses Gebiet dennoch für Kolonisationszwecke der Juden ausgewertet werden muß, unterliegt keinem Zweifel. Denn wir werden im Laufe unserer Siedlungsarbeit nach und nach uns allen Teilen des Landes mit ihrer Eigenart anzupassen haben. Zur Debatte steht nur die Reihenfolge. Der natürliche Weg führt von Böden, die relativ geringerer Vorbereitung brauchen, zu solchen mit umfangreicheren Ameliorierungen. Wenn sich nachträglich herausstellen sollte, daß Dschjidro weit größere Investitionen fordert, als vorher kalku-״' Iiert war, wird es Sache der Fachleute sein, festzustelten, ob die Arbeiten in ihrem ganzen Umfange jetzt durchzuführen sind. Von diesem Beschluß wird die Art der weiteren Ameliorierung des Dschjidro-Landes abhängen. Unter den Verhältnissen, die zur Zeit in Palästina herrschen, hat das Dschjidro-Projekt eine große aktuelle Bedeutung. Es ist für eine Entspannung des Arbeitsmarktes so wichtig, daß man zur Zeit im Lande fast vergißt, daß es sich hier um weit mehr handelt als um die Beschäftigung von 1000 - 2000 Arbeitern. Das Problem der Arbeitsbeschaffung ist im Augenblick für Palästina so zentral, daß alles andere hinter diesem einen zurücktreten muß. Ist ja auch der Bau des Nord- Viertels in Tel-Awiw sehr stark unter diesem Gesichtspunkt verfochten worden. Erst wenn wir die momentane Krise überwunden und wieder einen freieren Blick in die Zukunft haben werden, wird klar sein, daß in dieser Zeit unter dem [kuck schwerer Not Aktionen begonnen wurden, die von dauernderer Bedeutung sind als wir es heute unter dem Gesichtspunkt der Bekämpfung des momentanen Notstandes sehen. Die Sehießaflire bei Alileti Jerusalem, 7. Mai. (J. T. A.) Wie erinnerlich, wurden im November 1Q24 in der Nähe von Afuleh im Tal Jesreel jüdische Kolonisten, die die Felder bearbeiteten, von einer Gruppe Araber angegriffen und mit Steinen bombardiert. Im Handgemenge fiel ein Schuß, durch welchen ein Araber getötet und zwei verwundet wurden. Der jüdische Kolonist Segal wurde als derjenige ermittelt, der den Schuß äbgab; er wurde verhaftet und vom Gericht zu Nablus zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Das Berufungsgericht annullierte das erstrichterliche Urteil und verwies den Fall an das Haifaer Distriktsgericht, welches nunmehr Segal freisprach. Vergesset nicht den Schekel! Frflbjabrsausstellnng n. Ehe erste Ausstellungswelle mit ihrer recht ansehnlichen Zahl bedeutender Einzeiausstellungen liegt hinter uns. Außer den bereits an dieser Stelle besprochenen sah man bei Mathiesen die große E»aumjer־Ausstellung und bei Fleclnheim Henri Rousseau. Das Frühjahr begann diesmal auch in der Kunstweit zeitig. Und zugleich mit der Sezession, die diesmal die große Malersaison eröffnet, beansprucht eine neue Reihe großer Einzeiausstellungen unser Interesse. In der Sezession hieß diesmal die Aufgabe: Aquarell und Pastell, und es ist interessant, auf welche verschiedenartige und reichhaltige Weise sic gelöst wurde. Man sah Aquarelle von zartester, manchmal fast japanisch anmutemicr Tuschmanicr bis zum Tcinperabild. Die Ausstellung ist auch von bekannten jüdischen Künstlern diesmal sehr reichlich beschickt. Man sieht aber auch Maler, die sich in den letzten Jahren sehr zurückhielten, wie den Breslauer Künstler I I einrieh Tischler, der mit zwei sicher, gemalten Aquarellen, Ausdrucksstudien bei jungen Mädchen, von seinem gegenwärtigen Weg nicht eben viel verrät. Die jüdische Oeffentlichkeit erinnert sich an Radierungen von starker künstlerischer Phantasic. Man sieht auch Ludwig Meid 11er. Was er zeigt, Aquarelle, sind gleichfalls Ausdrucksstudien. Zu seinem Vorteile ruhiger wurde Magnus Zeller. Unter seinen Aquarollen gibt es eins, auf dem 2 jüdische junge Leute an einem Tisch sitzen, ekstatisch in die geistige Situation gebannt, wie es in diesem Maße nur wenige Maler darzustellen vermögen. Gleich stark blieb auch Genin, der diesmal das Aquarell in der Umrißzeichnung verwendet. — Budko malt seine Juden gleichfalls, aber er gibt sie episch, wenn auch in dunklen Farbtönen der dramatische Unterton — von Rußland her — immer noch mittönt. Er setzt die Weite der Landschaft voraus, auch wenn er nur Ausschnitte gibt. In seiner Komposiüon ״die Familie“, der Vater, ein alter Jude, die Mutter zersorgt, aber mit dem Willen, auch schweres Schicksal zu ertragen — hat die Tochter einen jungen, lebenden Mund. Es ist ein Bi!d. das im Gedächtnis bleibt. Jakob S t e i 11 h a rd t, der bisher immer sparsam vertreten war, zeigt diesmal füllt größere Arbeiten. Außer dem Selbstbildnis sind cs Land- *haften aus Palästina, besonders aus Jerusalem. Ein Pastell ״Akko“ zeichnet mit kräftigen braunen und roten Strichen Palästina als Land des Südens und der glühenden Sonne. Die Stadtbilder sehen Jerusalem immer im Schatten. Er gibt etwa ein Gesamtbild, das an die Stadt der sieben Hügel gemahnt, Jerusalem auf Hügeln erbaut, von Sand umgeben, oder einen Blick von der Höhe, um! in die Anlage der Stadt Einblick zu geben. Hermann Struck ist eine ganze Wand cingeräunu zum 50jährigen Gedenkfest. In Radierungen sieht man die Großen der Zeit und bekannte Namen: Fritjoff Nansen, Alber: Einstein, Gerhart Hauptmann, Max Reinhardt, Herber( Etilcnberg, Arno Holz, Richard Dehrn ei, Walter Nernst, Richard Beer-Hoffmann, Wolfgang Heine und den Kritiker Adolf Donath. Die Radierung, das Gebiet, auf dem er Meister ist und Lehrer, steht jetzt im Dienste Palästinas, ebenso wie sie früher gefügig aus den Kanälen und Palästen Venedigs Märchenbildcr schuf und das Erlebnis der neuen Welt der Technik in Brooklyns Wolkenkratzern und gewaltigen Brücken ungeschmälert bewahrte. Am reichhaltigsten sind die Arbeiten aus Palästina. Talaiudisten, Araber, polnische und jemenitische Juden, Juden aus Jaffa und Marokko ergänzen seine Anthologie des jüdischen Antlitzes. Das schönste bleibt die radierte Landschaft: Palmen am Meere bei Haifa oder Bilder von Tiberias oder Jerusalem bei Nacht, die hohe Kuppe! des schwarzen Himmels groß über die weiße Stadt gespannt. Auch andere Künstler, die den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ bereits bekannt sind, wird man nicht vergebens suchen. Von Lulu Albcrt-Harzards drei Aquarellen interessiert eins, ein helles ״Aus dem Zoo“, und der lustige Walter Trier zeigt in bekannter Art seine bunten Zeichnungen. Bei Bruno Cassirer sieht man gegenwärtig innerhalb der Ausstellung, ״Gelegenheitsarbeiten und Jugendwerke von Meistern der Gegenwart“, Zeichnungen von Max Liebermann. Am interessantesten ist das Skizzenbuch des Achtzehnjährigen. Einige Zeichnungen verraten schon den mächtigen Griff des werdenden Meistere. Viel Judentypen. Juden mit Bärten, ein Patriarch mit ganz feinem, doch deutlichem Strich. Sehr lohnend war die Bü 11 n er * I s e n s t e i n - Ausstellüiiq in der Neuen Konsthridling. Sie zeigt Büttner als einen Zeichner von einer Frinfüidigkeit und Gestaltungskraft, wie sie nur wenige besitzen. Er hat die meisten ״Köpfe“ der Gegenwart gezeichnet. Und wie er sie gezeichnet hat! Nicht die übliche charakteristische Linie nur zum Wiedererkennen. Die meisten, soweit ich es kontrollieren kann, sind in einem Augenblick ihrer höchsten geistigen Anteilnahme gesehen und dargesteilt. Max Hermann-Neiße mit seiner gütigen, etwas melancholisch in sich gekehrten Weltbeschau,' Minona, mit dem feinen, zynischen Voltairelächein, das besagt: auch solche Köpfe gibt’s noch heute, wenn auch selten, und den wohlbekannten Kopf Alfred Kerrs. Einer der besten Köpfe ist die Zeichnung: Arnold Zweig. — Der Bildhauer Isenstein, in der Sezession mit Tollers Porträt nicht sehr glücklieh vertreten, zeigt hier an einzelnen Köpfen, besonders dem mächtigen jupiterliaupt Einsteins, dem feinen Kopfe James Simons und dem Schauspieler Gülstorf, daß auch er ein staiker Gestalter ist. An der Stätte der Büttner-Ausstellung sieht inan jetzt Adolf Eduard H c r s t e i n. Der zionistischen Oeffentlichkeit ist er 11 rcl! seine Mappe zum Kongreß kein Fremder. Die Ausstellung in der Neuen Kunsthandlung zeigt ihn als Maler, eine spätere Ausstellung wird der Graphik und dem Aquarell gewidmet sein. Landschafter, Impressionist, ohne am Prinzip zu haften, ist er in erster Linie Freiluftmaler. Kühe, Ziegen, Stall. Hof, Landschaft, sind vor allem malerische Probleme und Lichtprobleme. Die f ärben sind hell: grünblau, graublau — beides mit viel weiß - hellrosa oder rosaviolett bestimmen je nach der Anlage seine Bikler. Von allen seinen Bildern geht eine große Ruhe aus, sie sind erfreulich für das Auge und geben die Sicherheit: ein gut gemaltes Bild. Außer dein Atmosphärisch■:;! malt Herstein die ,,Stimmung“. ״Trübe Stimmung". ״Regcnstimmung•‘, nennt er selbst zwei Landschaften. Reiner Impressionismus ist eine große Komposition ״blonde Frau“, sein schönstes Bild. Herstein stammt aus dem Osten, aus Bochnia bei Krakau.' Studiert hat er zwölf Jahre, war lange in München, Paris, Italien. Künstler wie er, zeigen, welche Möglichkeiten die zukünftige Ent- Wicklung einer jüdischen Kultur in sich schließt. Ruth Morold. Die l rniv«"־sitäi-biblioth ek von Grni voraus ז a Act bis Ende Mai aus der Sammlung von Louis Gautier eine Ausstellung von Büchern über Palästina.