Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 280 nähme der Interpretation der Balfour-Deklaration durch das Weißbuch ist auch eine Begrenzung des zionistischen Zieles hinsichtlich des Charakters des bis dahin sehr vieldeutigen Begriffes der nationalen Heimstätte gegeben worden. Nicht nur die selbstverständliche bürgerliche, sondern auch die nationa 1 e Gleichberechtigung der Araber ist damit anerkannt worden. Uns will scheinen, für immer, denn wenn sich auch eine zukünftige Entwicklung nicht vorherbestimmen läßt — moralische Prinzipien, die nun einmal, mit oder gegen den Willen des sie Anerkennenden, zum Durchbruch gelangt sind, können erfahrungsgemäß auf die Dauer nicht mehr zurückrevidiert werden. Die nationale jüdische Heimstätte in Palästina wird kein nationaljüdisches Gemeinwesen sein im Sinne etwa eines europäischen National Staates mit einer oder mehreren Minoritäten, die eine gewisse Autonomie besitzen, sondern ein jüdisches und arabisches Gemeinwesen, im Sinne der europäischen Terminologie also ein Nationalitäten- Staat. Die h'rage, die hier erhoben wurde: Ist <1 a s 110 c 11 Zionismus? — ist zu begrüßen. Sie kann und darf jederzeit gestellt werden, denn niemals ist Besinnung schädlich, zumeist aber sehr nützlich. Die Frage set/.t jedoch voraus, daß Klarheit darüber besteht, was Zionismus ist. Zionismus als der allen zionistischen Richtungen zugrunde liegende Gedanke hat ein politisches Ziel, und cs erscheint erforderlich, dessen programmatische Formulierung im Baseler Programm, die ja sowohl Balfour-Deklaration als auch Palästina-Mandat und das Churchillsche Weißbuch fast wörtlich bestätig! haben, schärfer zu fassen und näher zu begrenzen. Ist doch durch die Erfahrung der letzten acht Jahre deutlich erwiesen worden, daß cs sich auch beim Baseler Programm nur um eine Rahraenforderung mit (wohtgcwollter) Vieldeutigkeit und zahlreichen Interpretationsmögliclikeiten handelt. Es ist ja auch nicht möglich, eine für die Dauer gültige politische Forderung aufzustellcn, die auf bestimmte Konstellationen Bezug nimmt und deren Inhalt durch allzu spezielle Ausführungen zu stark eingeschränkt wird. Aber in jedem Augenblick muß die Kontrolle durch die Wirklichkeit erweisen, ob die jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Tatsächlichkeiten noch mit diesen programmatischen Zielen in Einklang gebracht werden können. Nach der jungtürkischen Revolution schien der Zweifel berechtigt, ob im zionistischen Programm die öffentlich-rechtliche Sicherung noch eine mögliche (politisch mögliche) Forderung hleiben könne. Die zweite Frage jedoch, die sich erhebt, ist die, ob ungeachtet einer augenblicklichen Situation au dem ursprünglichen Programm weiter festgehalten werden müsse, wofür sich in dem erwähnten Falle die Zionistische Organisation auch entschieden hat. Wenn wir nun versuchen, die zionistische Rahmenforderung, die man das Baseler Programm nennt, unter Berücksichtigung der augenblicklichen Situation der zionistischen Bewegung Palästinas und der Welt mit einen konkreten Inhalt zu erfüllen, und die Frage also so stellen: Worin besteht heute die Verwirklichung des Baseler Programms; wann wird bei der augenblicklichen Weltlage der Aufbau der nationaljüdisehen Heimstätte in Palästina objektiv als erreicht gelten — dann kommen wir zu dem in der folgenden Formel knapp zusammengefaßfen grundsätzlichen Resultat: Die nationaljüdische Heimstätte in Palästina ist geschaffen, wenn dort eine nicht durch wirtt'll-c b'ft'M iüe l*-wi:ede t eniwm *®eVb*r ByJfca* heißt In einigermaßen normaler Wirtschaft- Hoher Verfassung existierende, national lebende, das heißt hebräisch sprechende und bewußt jüdische Bevöikerungsmajorität besteht, wobei Majorität nicht im mechanischen Sinne verstanden wird, sondern als jener Teil der Landesbewohner, der durch zahlen in äßige s oder diesem entsprechendes politisches, geistiges, wirtschaftliches usw. Uebergewicht di c Macht und die Möglichkeit der Selbstbestimmung besitzt. Die fünf Fundamentalpfefler, auf denen die Verwirklichung der zionistischen Idee ruht, sind demnach: Jüdisches Volkstum, jüdisches Heimatland, nationale Sprache, nationale Wirtschaft, nationale Freiheit. Von einem nationaljüdischen Leben in der Diaspora unterscheidet sich die vollwertige jüdische Volksexistenz in Palästina durch ihre verschiedene wirtschaftliche, politische und geographische Lage,!m Galuth kann es nach zionistischer Ueberzeugung eine jüdische Volkswirtschaft nicht geben, auch nicht ein jüdisches Selbstbestimmungsrecht (worunter bekanntlich ebenso wenig die nationale Freiheit von Städten und einzelnen kleinen Landstrichen mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit zu verstehen ist wie die volle staatliche Souveränität eines unabhängigen Reiches), am allerwenigsten aber das jüdische Land, das nur eines sein kann. Jedoch nur diese drei Faktoren: Wirtschaft, Freiheit und eigenes Land, sichern die nationale Existenz eines Volkes gegen alle Schicksalsschläge. Stellt man sich auf den Boden der heute gegebenen Verhältnisse, was eine politische Haltung ist und nichts darüber aussagt, ob man eine Aenderung nicht auch weiterhin erstrebt bzw. vielleicht gerade dadurch erhofft, daß man den gegebenen Zustand vorläufig akzeptiert, dann kann, wie mir scheint, aus dem früher angeführten Fundamentalsatz gefolgert werden: f. Normale jüdische Volkswirtschaft hedeutet die Forderung der Verwurzelung eines sehr großen Teiles der jüdischen Gesamtbevölkerung Palästinas in der Landwirtschaft Jüdische Volkswirtschaft heißt eben nicht die auch in der Diaspora zu beobachtende Erscheinung der Zusamrnendrängung einer ganz überwiegend industriellen und Handel treibenden Majorität der Bevölkerung in Städten. Nur ein Volk mit einem landwirtschaftlichen Kern ist Wirtschaft- Heb unangreifbar. (So hat nicht das bolschewistisch organi- •lerte Industrieproletariat Sowjetrußlands, sondern sein Bauerntum, das von Erfolg oder Mißerfolg einer sozialen Theorie unabhängig ist und schlimmstenfalls zur Naturalwirtschaft surückkehren könnte, die Sowjet-Union vor dem Wirtschaft- Beben Zusammenbruch bewahrt) 2. Vorherrschaft der hebräischen Sprache bedeutet Ausschaltung der Gefahr des Levantinismus und damit der nationalen bzw. der noch gefährlicheren internationalen Assimilation. 3. jüdisches Land, zu dem sowohl die jüdische Ackerscholle wie auch das Steingebirge Judäas, Totes Meer und Oenezareth-See, Jordan und Mittelländische Meerküste, die Luft Palästinas, seine Sonne, sein Mond und seine Sterne gehören, war und ist der Urboden der jüdischen Seele, der ihre eigenartigen Schöpfungen hervorgebracht hat Jenseits aller Rassen- und Milieukonstruktionen und des beschränkten Be¬ JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37 Nr. griffes einer ״Heimatkunst“ bleibt die Frage bestehen, ob die größten Schöpfungen des menschlichen Geistes in jedem beliebigen Himmelsstrich, unabhängig von nationaler, geographischer und klimatischer Bedingtheit in der für sie charakteristisehen Eigenart entstanden wären, wie etwa die gleichen Maschinen oder Kleider so in den verschiedensten Teilen der Welt angefertigt werden. Für den, der diese mechanistische Denkweise als eine der wahnsinnigsten Ausgeburten unseres toi! gewordenen Jahrhunderts der Technik erkannt hat, wird es nicht erst der ״Nachweise“ bedürfen, daß der originale Genius eines Volkes nur auf dem Boden sich entwickeln kann, der seine Sonderart geformt hat — so stark geformt hat, daß sie sich zwei Jahrtausende hindurch zwar nicht ungebrochen, ungemischt und ungeschmälert, aber doch gegenüber dem Wesen aller anderen Völker relativ wahrscheinlich noch am reinsten erhalten hat. ' Vom Wiedergewinn dieser originalen schöpferischen Kräfte des Judentums ganz abgesehen, ist der Boden, das ״Territorium“, die ausschlaggebende Grundläge bereits der nationalen Autonomie und natürlich erst recht der staatlichen Selbstbestimmung. Ohne jüdisches Land gibt cs kein von ständiger Bedrohung• freies jüdisches Volkstum. i Ehre und ZuMt des Mii'ums ul j «der wUK E In Berlin am 16. Mal I 4. M a j o r i t ä t d c r Landesbevölkerung bedeutet, solange die Demokratie die herrschende Regierungs- und Staatsform ist, mag man zu ihr stehen, wie man will, die Garantie der Selbstbestimmung u 11 d damit der nationalen Freiheit, deren Fehlen neben der Vertreibung von der Heimaterde das entscheidendste Charakteristilum des Galuth ist. Es ist eine unbegreifliche Verkennung unseres natürlichen Strebens nach Erlangung der Mehrheit durch friedliche Besiedlung des Landes, wenn man darin irgendeinen ״Imperialismus“ oder den Versuch einer Unterwerfung der arabischen Einwohnerschaft sieht. Diese Betrachtung sieht nur die negative Seite der Frage, die mit ihrer positiven unserer tiefsten Ueberzeugung und Hoffnung nach nicht untrennbar verknüpft ist, Diese positive Seite besteht darin, daß wir endlich in unserem eigenen Lande unsere nationale Freiheit erringen wollen, ohne die wir dort Fremde bleiben wie in der Verbannung. Die Freiheit unseres Volkes ist das letzte und unveräußerliche Ziel unseres Strebens. Die Mehrheit ist uns als Ziel nichts und als Mittel zum Ziel nur deshalb etwas, weil bei der heutigen Beschaffenheit der politischen Welt wir in ihr dt« einzige reale Garantie der Freiheit sehen. Mehrheit kann Herrschaft sein, muß es aber nicht sein. Wenn, wie uns die Gewaltpolitiken intra et extra muros glauben machen wollen, nationale Freiheit des einen nur mit nationaler Unterdrückung des anderen zu erkaufen ist, dann ist alles Freiheitsstreben nur der Ausdruck einer doppelten Moral, Majorität gleichbedeutend mit Majorisierung, Gerechtigkeit auf Erden unmöglich und unverwirklichbar, und die letzte Konsequenz dann der christliche Begriff der Erbsünde. Es ist auch nicht wahr, daß nationale Freiheit identisch mit Souveränität und Eigenstaatlichkeit sein muß. Das Wort von der äußeren Freiheit und inneren Knechtschaft gilt vielleicht gerade auch für die vielen ״souveränen“ Klein- Staaten. Ein freies jüdisches Volk und nicht ein unabhängiger Juden staat ist der Sinn der zionistischen Bewegung. Der Staat ist ebenso wie die Mehrheit nur ein technisches Mittel für die nationale Selbstbestimmung. Auf die nicht nur faktisch-politische, sondern meiner Ueberzeugung nach auch ideele Koinzidenz der Interessen der jüdischen Palästina-Siedlung mit der des heutigen und noch mehr des künftigen englischen Weltreiches kann ich hier nicht näher eingehen. Ich glaube nicht an die in der letzten Zeit bereits bis zum Ueberdruß wiederholte Forderung der Eingliederung der Juden in den Orient außer in einem sehr vagen kulturpolitischen Sinne. Den Schutz unserer nationalen Freiheit haben wir meiner Ueberzeugung nach viel eher von unserer Eingliederung in das britische Imperium zu erwarten. Viel stärker als der ziemlich akademisch scheinende Streit darüber, ob wir noch ein orientalisches Volk sind oder wieder zu werden haben oder ein okzidentales geworden sind, spricht für mich die trotz mancher Enttäuschungen bestehende Tatsache, daß wir immer wieder das einzige wirklich tiefer gehende Verständnis für den Zionismus in keinem anderen Lande und bei keiner öffentlichen Meinung der Welt, nicht einmal beim Völkerbund, den wir früher insgeheim für unsere stärkste Hoffnung, sogar England gegenüber, hielten, gefunden haben als in England. Auf die ohne Beispiel dastehende Tatsache, daß es dem britischen Imperium in einem Falle gelungen ist, die bei allen anderen europäischen Völkern im XIX. und XX. Jahrhundert bisher unlösbar gebliebene Nationalitätenfrage zu lösen (in der südafrikanischen Union), habe ich bereits an anderer Stelle hingewiesen*). Unsere Orientpolitiker schöpfen dagegen offenbar ihre Hoffnungen aus den Erfahrungen der letzten Jahre und Monate: Die verschiedenen orientalischen Völker, mit denen uns die Verbrüderung emnfohlen wird, vom äußersten Osten in China über Indien bis nach Syrien und Aegypten, verstehen darunter anscheinend das gegenseitige Zerfleischen in Bürger- und Religionskriegen sowie Aufstände gegen die europäische Landesregierung. Die Erörterung dieser Fragen (zu denen auch die uns mehr von außen aufgezwungene als kmorüch bereits verarbeitete der arabischen nationalen Gleichberechtigung gehört, die vom Problem der jüdischen Mehrheit ganz unabhängig ist) in unseren Kreisen ist über ihre ersten Anfänge nicht herausgekommen. Dies wird auch nicht anders sein, solange die von solchen Problemen persönlicher Anschauung und Erfahrung unberührte, allen gemeinsame zionistische Gnindauf- *) In der Schrift ״Zionismus und Völkerbund“. fassung im Chaos der verschiedensten Richtungen im Zionismus und noch mehr in der schon fast unübersehbaren Flut der Detailfragen des praktischen Palästina-Aufbaus verschwinden. Dieses Uebcrwuchern der Parteidogmatik und des fast ebenso esoterisch gewordenen Spezialistentums der Praxis hatte eine nur vorgetäuschte Sicherheit über die ideellen Grundlagen des Zionismus und eine völlige Loslösung vo!1 seinen tieferen Problemen im Gefolge. Alles schien uns nach den politischen Erfolgen der Balfour-Deklaration und des Palästinamandates gesichert, das Wesen des Zionismus nicht nur von den Mächten anerkannt, sondern auch von der Welt verstanden, der Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina als eine res judicata, als wenn es nicht auch in der Politik ebenso wie im privaten Recht immer neue Instanzen und ferner die Rechtsinstitution der Wiederaufnahme gäbe — in weit höherem Maße sogar als auf juristischem Gebiet, da bekanntlieh politische Fragen sehr häufig alles eher als solche des Rechtes sind. So hat uns diese Entwicklung dazu geführt, an die gerade für Nichtjuden nicht leicht verständliche Problcinatik des zionistischen Strebens zu vergessen, die wir selbst nach einer doch schon ziemlich langen zionistischen geistigen Entwicklung nur loser! können, wenn wir tiefer hinabslcigen und näher zu dem wahren Wesen der Juden frage Vordringen, als dies dem durchschnittlichen Betrachter möglich ist. Es gcnügt vielleicht, auf eine Seite dieser Problematik durch die etwas verblüffende Feststellung hiiizuwciscn, daß int Zionismus das jüdische Volk sein Selbstbestimmungsrecht durch Appell an das historische Recht und scheinbar gegen, das Selbstbestimmungsrecht der arabisehen Einwohner Palästinas verwirklichen will. Wie soll jemand prima facie diesen dreifachen Widerspruch begreifen, der sich erst bei genauer Berücksichtigung der einzigartigen Lage des jüdischen Volkes auflöst. Der Vorgang, daß ein Volk (noch dazu nach zweitausend Jahren) ein Land, in dem cs gar nicht ansässig ist, als sein Heimatland reklamiert, ist ja geschichtlich auch ohne jedes Beispiel. So darf es nicht wundernehmen, daß das Verständnis für den Zionismus und sein Ziel auch in der nichtjüdischen Welt seit den Kriegstagen, in denen man, ohne viel zu überlegen und nachzudenken, das Streben des jüdischen Volkes nach seinem Lande und seiner nationalen Freiheit in die feststehende Rubrik mit der Aufschrift ״Rechte der kleinen Völker“ eintrug, vielfach wieder verschwunden ist und dem alten Zweifel und der früheren Skepsis Platz gemacht hat. Bei der außerordentlichen Empfindlichkeit, mit der die jüdischen Assimilanten und ehemaligen Assimilantcn auf alle Regungen ihrer nichtjüdischen Mitbürger in jüdischen Fragen reagieren, hatte dies auch bei ihnen einen Rückschlag in ihrer zur Zeit der Friedenskonferenz anschcinend ziemlich starken Sympathie für den Zionismus im Gefolge. Hätten wir nicht bisher in Palästina die Probe aufs Exempel halbwegs bestanden, und zwar mehr in menschlichmoralischer Beziehung als in rein wirtschaftlicher und nationaler, und wären von dort nicht für Juden und Nichtjuden immer neue Impulse ausgegangen — ich fürchte, die Uebcrzeugung von dem ״Recht der kleinen Völker“ und die Begeisterung für die ״Renaissance des Judentums“ hätten den völligen Abbau der ursprünglich prozionistischen Haltung der Welt nicht verhindern können. Tatsachen sprechen heute noch immer eine überzeugendere und mächtigere Sprache als Ideen. Und seit dem Kriege sind trotz Pazifismus, Demokratie. «1m| Völkerverbrüderung schon sehr viele ,politische Versprlefcei». nicht gehalten, frühere Zusagen annüliieri, kleine Staaten von großen fallen gelassen und von diesen die Gewalt. vor dem Recht sanktioniert worden. Daraus ergibt sich für uns eine bittere Wahrheit. Der Wert zionistischer Ideologie reicht nämlich nur bis dort■ hin, wo die Zionistische Organisation aufhört, eventuell noch in ihren peripheren Umkreis. Darüber hinaus dürften mir seht Vereinzelte, die sich näher mit dem Studium der ״Theorie des Zionismus“ befassen, in ihren Bann gezogen werden. Aul die große Welt und die breitere Oeffentlichkeit aber gilt es zunächst und vor allem durch die Realität und nicht mehr durch die Idee, die ja ihre innere Kraft zu erweisen jetzt Oelegenheit hat, zu wirken. Die Realität wird überzeugen. Und vielleicht liegt darin eine tiefere Berechtigung als die jenes brutalen Wortes, daß der Erfolg allein entscheide, die Erkenntnis des Goethe-Wortes nämlich: ״Was fruchtbar ist, allein ist wahr.“ Die Idee, die nicht zu verwirklichen ist, das Werk, das nicht vollbracht wird, der Wunschtrauni, der nicht Realität wird, sind unfruchtbar. Und so muß in diesen Aufsätzen, die von der unumgänglichen Erforderlichkeit der zionistischen Erkenntnis für die Zionisten handeln, als weitere Lehre und Mahnung der Satz gesagt werden, daß es nicht nur in erster Reihe gilt, der Forderung des Tages und der Stunde gerecht zu werden, sondern daß über alle Widerstände und Schwierigkeiten, über alle Mißerfolge, über alle Verkennung unseres Strebens, auch über Unverständnis und Mißverstandnis von Seiten der Mandatarmacht, des Völkerbundes und anderer Faktoren hinweg mit aller Macht und Zähigkeit das Endziel der zionistischen Politik verfolgt werden muß: immer mehr Menschen ins Land zu bringen und sie immer stärker wirtschaftlich, sprachlich und national mit dem B00den zu verwurzeln. Einbüßen an unserem Prestige, zurückgehende Weltgeltung, Nichtachtung von Imponderabilien unseres noch sehr jungen und daher empfindlichen Nationalstolzes sind belanglos, wenn uns nur die Erreichung dieses entscheidenden Zieles nicht erschwert wird. Unendliche, übermenschliche Geduld werden wir noch zu beweisen haben, viel mehr als bisher, so begreiflich nach einem zweitausendjährigen Warten unsere Ungeduld auch sein mag. Einmal gelangen wir ja doch zu dem Punkt, an dem das Siedlungswerk in Palästina sich selbst zu tragen und eigene Kräfte zur Weiterführung der uns gestellten Aufgabe aus sich zu entwickeln beginnt. Haben einmal diese selbst erlialtenden und weifertreibenden Kräfte wirklich stark zu wirken begonnen und ist das jüdische Paläsfinawerk damit lebcnskräftig geworden, dann besteht auch die Gewißheit, daß das Ziel der zionistischen Politik bald ganz erreicht ist. Dann aber beginnt der Kampf um die Realisierung der ״unendlichen Idee“, die schon Hcrzl im Zionismus sah und die in de:1 einzelnen zionistischen Richtungen heute bereits eine vielfältige konkrete Gestalt angenommen hat Der Bundeskanzler von Oesterreich, Dr. kamekj erklärte den Vertretern des zionistischen Laudeskomitees, die osterreichische Regierung beabsichtige, schon in der nächsten Zeit ein Konsulat in Jerusalem zu errichten. Der zu ernennende Konsul, ein österreichischer staatlicher" Beamter, soll gleichzeitig mit der konsularen Jurisdiktion für Aegypten betraut werden. 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