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Jüdische Rundschau · 1926-05-11 · Heft 36 (11.5.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 36 (11.5.1926)
Date
1926-05-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 274 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36 ״Aul den Leim gegangen“ Als ich in Tel-Awiw das zweifelhafte Vergnügen hatte, bei einem eiligen Weg in einer Buchhandlung die ״Jüdisch- Liberale Zeitung“ zu entdecken, bewog mich die Lust, m selten was die ״Liberalen“ von der ״P a 11 s t i n a - K r i s e“ verstünden, zum erstenmal in meinem Leben, dieses Blatt zu kaufen und zu lesen. Nach der Lektüre hatte ich eigentlich denselben Gedanken, den die ״Rundschau“ zum Ausdruck brachte: daß cs unter unserer Würde sei, auf ein solches Gemisch von Schamlosigkeit auch nur ein Wort zu erwidern. Schließlich bewog mich die Tatsache, daß diese Nummer eine Fülle von tatsächlichen Verdrehungen, Erfindungen und, um es geradezu herauszusagen, Lügen enthält, die mit der größten Sicherheit vorgetragen werden, als hätte der Verfasser sich *elbst davon üoerzeugt, daß all das, was er schrieb, wahr ist, sowie die Tatsache, daß nur jemand, der die Verhältnisse an Ort und Stelle genau kennt, diese ״Erzählungen“ dementieren kann, dazu, wenigstens den Lesern der ״Rundschau“, denen die ״liberale“ Zeitung in die Hände gefallen ist, eine Richtigstellung der größten Unrichtigkeiten zu unterbreiten, wobei es mir nicht einfällt, den Kampf mit der Scheinheiligkeit aufzunehmen, mit der man die ״armen Opfer des Zlouismtis“ bedauert. Diesem Kampf mit diesen Mitteln, die ״Herrn Fischer“ zu Gebote stehen, kann nur durch die Tat des Aufbaus eine gebührende Antwort gegeben werden. Herr Wolff gibt ein schauerliches Bild der Krise_ in Palästina; es wäre gar nicht so schwer gewesen, auch richtige Tatsachen über diese Krise zusammenzustellen, aber Herr Wolff und Herr Fischer sind ja arge Dilettanten. Wir wollen sehen. Flerr Wolff erzählt im Namen Arlosoroffs, daß die ״Zwischenhändler die Milch in Palästina um das Zehnfache verteuert hätten“. Man denke ״um das Zehnfache!“ (Nebenbei: entzückend die Verachtung der Zwischenhändler im Munde dieser liberalen Juden, von denen 70 0׳,״ in Deutschland — Zwischenhändler sind.) In Wirklichkeit hat Arlosoroff nachgewiesen, daß die Unorganisiertheit des Marktes es veranlaßt daß der Milchpreis von 71,4—12V3 Piaster steigt, also recht erheblich, aber sich immerhin noch nicht verdoppelt. Das übrige ist entweder in Palästina oder in Berlin hinzugedichtet worden, um dem ״liberalen Leser“ Appetit auf Sensation zu machen. Was über die jüdischen Arbeiter gesagt wird, ist sowohl inhaltlich wie zahlenmäßig falsch und beruht auf den groteskesten Mißverständnissen. Da wird z. B. eine schauderhafte Oeschichte erzählt von 1000 jüdischen Arbeitern, die am Strande von Tel-Awiw ausgerechnet Leim (!) gegraben haben sollen (zweimal steht tatsächlich Leim): der Verfasser weiß ganz genau, daß das eine wahre Zuchthausarbeit war. Auf diesen Leim konnte nur jemand gehen, dem die Wahrheit ganz schnuppe war, wenn man nur dem Zionismus was anhängen kann. 1000 jüdische Arbeiter haben weder Leim noch Lehm gegraben; es gab (es gibt) einige Dutzend jüdische Transporterbeiter, die Bausand (sogenannten ״Lifcit“) geholt haben und denen eine Zeitlang eine Konkurrenz in Beduinen entstend, die mit ihren Kamelen (bei Herrn Wolff sind es Esel) dem jüdischen Transportarbeiter Konkurrenz machten; Herrn Wolff zur Beruhigung sei gesagt, daß diese beduinischen Kamele heute ziemlich wieder verschwunden sind; in Tel-Awiw ist also kein ״jüdischer Arbeiter von seinem Arbeitsplatz verdrängt worden“. Eine durch nichts begründete Behauptung ist es, daß der jüdische Arbeiter auf ״das kulturelle Niveau der Araber sich herabgelassen hat“; wie sehr der jüdische Arbeiter von den Arabern verdrängt ist, wie Herr Wolff ״ohne irgendwo hinzuzielen, aber objektiv“ in Berlin feststellt, dafür sei die eine Tatsache angeführt, daß in denselben jüdischen Kolonien (Petach Tikwah, Rechobath, Rischon, Chederah), in denen 1923 — 250 jüdische Arbeiter waren, heute 4000 sind. Und aus den Regierungsarbeiten sind die Juden auch nicht verdrängt worden, wie Herr Wolff gerne beweisen will; es ist ihnen nur nicht gelungen, dorthin einzudringen, weil in den ein* fachen Tagelohnarbeiten bei 12 Stunden Arbeit und unbeschränktcr Ausnutzung der Frauen- und Kinderarbeit der jüdische Arbeiter in der Tat mit dem Fellachen nicht konkurrieren kann. Also auch dieser Trumpf bleibt nicht in der Hand des Herrn W. Das eine Arbeitslosigkeit in Palästina heute existiert, als Folge der Situation der jüdischen Massen in Polen und der finanziellen Situation der Juden z. B. auch in Deutschland, ist ja bekannt; sie beträgt, bei 150 000 Juden 4500 3 =־ °,'o (nach einer Einwanderung von 40000 Juden in einem Jahre!); die Arbeitslosigkeit in Deutschland beträgt dagegen über 5 °/0 der erwerbstätigen Bevölkerung. Das nur nebenbei. Nun noch einige Bemerkungen zu den mitgeteiltcn Tat- Sachen über die Lage der Industrie. Die ״bekannte Lederfabrik“, die liquidiert sein soll (gemeint ist offenbar die Großgerberci Lewkowitz) arbeitet nach einer zweimonatlichen Pause in erweitertem Umfang; die Fabrik ״Lodzia“, die ״ins Reich des Konkurses“' eingegangen ist, arbeitet unter neuer Leitung. nachdem die Fehler der alten Leitung, die in interessanter Weise in der Zeitung ״Mischar w’taassijah“ dargestellt wurden und die nichts mit der ״Krise“ zu tun haben, beseitigt wurden. Die ״zwei bekannten Eisengießereien“ (ausgerechnet), die still gelegt wurden, sind eine Erfindung des Verfassers; die Schokoladenfabrik ״Renan“ (gemeint ist ״Raaman“), die als ״liquidiert betrachtet werden kann“, arbeitet und produziert jetzt tatsächlich bessere Ware als früher. Und die beiden ״großen Hotels“ ״Venezia“ und ״Kaukasus“ sind in Wirklichkeit Gartenlokale mit 3 Tischen, wie es in Tel-Awiw ein Dutzend größere gibt; von ihnen ist eins wieder eröffnet; dos erste wirklich große moderne Hotel in Tel-Awiw, ״Palaain'•, steht aber vor der Eröffnung und sein vierstöckiger Bau Ist eben vollendet. Also, Herr Wolff, gerade mit ihren Fakten ist es leider nichts. Eine Krise existiert, aber ganz wo anders, als wo Sie sie suchen; eine Krise der kleinen Händler und ein Rückgang der Bautätigkeit; aber ich glaube, daß die Zukunft in dieser Hinsicht ganz etwas anderes ״sagen“ wird, als Sie es vermuten. Nun nur ein Wort zu Herrn Fischer. Wenn ״Herr Fischer“ der Meinung ist, daß man die Touristen um die entlegenen Dörfer, denen es so ״schrecklich“ geht, herumführt und ihnen nur potemkinsche Dörfer zeigt; er aber wenige Zeilen später feststellt, daß sich ״das Los den andern Dörfer auch nicht wesentlich davon unterscheidet“: ja, dann bleibt es schwer verständlich, wo man die Reisenden;ich hinführt; die Lösung dieses Rätsels sollte man dem t״״cj;r,-חי Herrn anvertrauen, der mit soviel Geschick so Entsetztiches entdeckt hat und dem die so bejammerten Chaluzim sicherlich für diese Vormundschaft allen Dank wissen werden. Dr. Walter Preuß, Tel-Awiw. In Wien kam es anläßlich eines Meetings der Zionisten- Revisionisten zu lebhaften Unruhen, da die anwesenden Kompumisfen das Wort verlangten. Als einem kommunistischen Redner vom Vorsitzenden das Wort erteilt wurde, entstand ein solcher Tumult, daß die Versammlung polizeilich aufgelöst wurde. Am Sonntag, den 2. Mai, wurde in Haifa der Grundstein 1u dem neuen Borochow-Sanatorium, das die Kupath Cholin! (Arbeiter-Krankenkasse) baut, gelegt. Es wird drei Abteilungen enthalten, eine für Frauen, eine für Minner und iine für Kinder, und soll 4000 £ kosten. Nochmals: Zar Milifärlrage in Palästina Von Richard L i c h t h c i m. Mit der Erwiderung von Herrn Dr. Robert Weltsch in Nr. 34 der ״J. R.“ auf meinen Artikel kann ich wohl zufrieden sein. Die von Herrn Dr. Weltsch zitierte Verordnung und seine weiteren Darlegungen bestätigen meine Behauptung: daß nicht ״statt“ der Abdullahtruppe im Ostjordanlande, sondern neben ihr eine neue Militärmacht für das Mandatsgebiet (also nicht für Transjordanien) gebildet wurde — unter Ausschluß der Juden. Herr Dr. Weltsch erklärt, daß er das Wort ״statt“ im Zusammenhang seiner Darlegungen nicht buchstäblich, sondern anders gemeint habe, als es von mir (und wohl von vielen anderen Lesern) verstanden wurde. Das nehme ich gern zur Kenntnis. Mein gegen die ״J. R“ gerichteter Vorwurf der Irreführung bleibt hinsichtlich der Tatsachen bestehen, aber ich habe der Redaktion keine bewußte Irreführung vorgeworfen und damit keine Fälschung, wie Dr. Weltsch irrtümlich annimmt. Die Ausfiihrungen meines geschätzten Gegners betreffend die Tendenz der englischen Verwaltung, das Ostjordanland wieder enger mit dem Westjordanland zu verknüpfen, halte ich für zutreffend, ebenso den Hinweis, daß der Schutz der Grenzen gegenwärtig ein Schutz der östlichen Grenze sein müsse. Eben daraus ergibt sich zwanglos die Erklärung dafür, daß die neue Palästinatruppe 1'm Ostjordanland stationiert ist. Es verlautet jedoch, daß 200 Mann in Sarafend liegen werden —- eine weitere Bestätigung der Tatsache, daß es sich um eine auch für das Westjordanland bestimmte Truppe handelt. Diesen klaren Sachverhalt drückt die von Dr. Weltsch zitierte Mitteilung des britischen Kolonialamts etwas verschämt folgendermaßen aus: ״Der Rest der palästinensischen Gendarmerie-Sektion wird den Kern einer Militärmacht bilden, die trans jordanische Grenzmacht genannt werden wird und hauptsächlich für den Dienst in Trans Jordanien ausersehen ist.“ Militärmacht —■ hauptsächlich in Transjordanien — kurz und gut, es handelte sich um eine Palästinatruppe für das ganze Mandatsgebiet — West- und Ostjordanland — unter Ausschluß der Juden. Damit ist diese Frage wohl erledigt Dagegen blieb meine Frage unbeantwortet, warum die Redaktion der ״J. R,“ uns in den verflossenen Wochen den Standpunkt der Mehrheit des Jischuw nicht ausführlicher zur Kenntnis gebracht hat. Ich behaupte, daß die ״J. R“ den Protest des Waad Leumi zunächst mit scharfen Worten bemangelt, sich später zwar dem Protest angeschlossen, von den weiteren Erörterungen in Palästina aber im wesentlichen nur diejenigen Stimmen gebracht hat, welche die Affäre hauptsächlich vom Standpunkt der Jabotinskv-Gegner betrachten. ״Dies ist bereits eine innere jüdische Frage“ — könnte ich mit Dr. Weltsch sprechen. Für mich aber ist diese ganze Angelegenhcit eine Frage unserer äußeren Politik, die sich nicht mit dem Scheinerfolg stilistischer Verschönerungen begnügen sollte. Der Jischuw mußte protestieren und fordern! Was er forderte, mag in dem einen oder anderen Punkte nicht der Meinung der ״J. R.“ entsprechen. In solchen Momenten aber sollte die zionistische Presse sich energisch hinter den Jischuw stellen, statt — aus Besorgnis vor dem Gedanken der jüdischen Legion — abzuwiegeln und den Waad Leumi zu kritisieren. C’cst le ton qui fait la musique. Man lese doch noch einmal den Leitartikel der ״J. R.“ in Nr. 31, wo die Forderungen des Jischuw für absurd erklärt werden! Bei solcher Haltung unserer Presse muß der Jischuw in seinem Kampfe für das von der Regierung mit Nichtachtung behandelte Mandat geschwächt und entmutigt werden. Die ״J. R.“ wies kürzlich auf den Fall Delfiner hin, welcher zeige, daß sachliche Forderungen durchzusetzen sein müssen. Ganz recht! Der Fall ist lehrreich. Die Regierung hat nachgegeben, als sie merkte, daß es dem Fordernden wirklich ernst war und daß er sich mit leeren Worten nicht abspeisen ließ. Nun kann eine Gesamtheit natürlich nicht dieselben Methoden anwenden wie ein Einzelner. Der Jischuw kann nicht zeitweise die Bude schließen und nach Wien reisen. Aber er hat andere Mittel — die freilich nur anwendbar sind, wenn die Zionistische Organisation hinter ihm stellt und wenn sie von einer Exekutive geleitet wird, die . . . Aber das ist schon ein anderes Kapitel. * Zor Ergäiznng Ich weiß nicht, was diese Debatte bedeuten soll, also zur Klärung nur einige Bemerkungen. Ich muß jedes Wort, das von mir in dieser Sache in der .,Jüd. Rundschau“ geschrieben wurde, trotz der Einwendungen des Herrn Lichtheim aufrechterhalten. Wo zwei so entgegengesetzte politische Anschauungen gegeneinander stehen, ist es selbstverständlich, daß man einander nicht überzeugen kann. bei Euren Bekannten, auf allen Versammlungen und durch Hausbesuche in der Schekelwoche vom 9.-16. Mal Es ist gut, daß die Leser beide Ansichten hören. Die Sache ist zweifellos ungemein schwierig und verantwortungsvoll. Was aber die Tatsachen betrifft, so will ich nochmals versuchen, sie zu entwirren. Die Sache steht so: Es gab im Mandatsgebiet (Palästina und Transjordanien) vor der Piumerschen Reorganisation: 1. die palästinensische Elite-Gendarmerie (mit 108 Juden); 2. die palästinensische Polizei, gemischt, aber nach allgemeiner Auffassung zu wenig Juden enthaltend; 3. die englische (irische) Gendarmerie; 4. das dem Emir Abdullah unterstehende Regiment (״Legion“). Nach der Piumerschen Reorganisation gibt es: 1. das ״transjordanische Grenzkorps“ (Transjordan Frontier Force), eine für das ganze Mandatsgebiet bestimmte, hauptsächlich in Transjordanien stationierte Truppe; 2. die palästinensische Polizei; 3. die transjordanische Polizei. Von der erstgenannten Truppe wurden zunächst die Juden ausgeschlossen. Dagegen richtete sich berechtigter Wider- Spruch. Die ״Jüd. Rundschau“ hat dazu am 12. März und am J9. März Stellung genommen und erklärt, daß der schärfste Protest am Platze ist. Würde es sich um eine rein transjordanische Angelegenheit handeln, hätten wir nicht protestieren können. Es war aber wohl jedermann klar, daß hier ein palästinensisches Interesse vorliegt. Ich verstehe also nicht, welche Entdeckung eigentlich Herr Lichtheim gemacht hat. Die Regierung hat nun anscheinend ihren Fehler eingesehen und bemüht sich, ihn zu verbessern. Es verlautet, daß bisher zirka 30 Juden aufgenommen wurden. Wir müssen natürlich weiter für volle Gleichberechtigung der Juden eintreten. Vielleicht ist auch gerade diese Sache geeignetes Material für einen Appell an den Völkerbund. Es wäre allerdings fatal, wenn wir vor dem Völkerbund Unrecht bekämen. Weiter: die jüdischen Gendarmen sind in die palästinensisclie Polizei, die die Ordnung im Lande aufrechtzuerhalten hat, aufgenommen worden. Eine Tatsache, die nicht unerwähnt bleiben darf, wenn man den vollen Sachverhalt abschätzen will. Weiter: die transjordanische ״Legion“ wurde auf gelöst und in eine Poiizeitruppe (analog also der palästinensischen Polizei) umgewandelt Es folgt also: 1. Den Juden ist efn Unrecht geschehen, eine schwere Verletzung ihrer Rechte; ob der Versuch der Regierung, die Sache gutzumachen, genügen wird, ist bisher noch zweifelhaft. 2. Die ״Sicherheit“ im Lande ist nicht gefährdet — wenigstens nicht mehr als früher — da die Mandatarmacht die Garantie dafür übernommen hat; die Parteilichkeit der Polizei, der die Hütung der Sicherheit obliegt, ist jetzt, nach der Aufnahme der jüdischen Gendarmen, weniger zu fürchten als früher. 3. Eine ״arabische Legion“ wird nicht gebildet. Ke mit diesem Schlagwort operierende jüdische Propaganda, die eine Panikstimmung erzeugen will, ist irreführend. 4. Vielmehr hatten die Araber früher, gänzlich unbeanstandet, eine wirkliche Legion in Transjordanien, jetzt aber statt dieser Legion eine englischem Kommando unterstehende Militärmacht. I Nun kurz zum zweiten Teil von Lichtheims Ausfuhrungen. I Er wirft der ״J. R.“ vor, sie hätte die Meinung der Mehrneit des Jischuw nicht zu Worte kommen lassen. Diese Meinung 1 ist doch ganz klar. Sie ist das Näherliegende. Man I sagte: 1. wir lassen uns nicht das Recht nehmen, unser Vater- I land zu verteidigen; 2. wir fürchten für die Sicherheit der 1 Juden bei einem neuen Ueberfall der Araber. Beide Argumente sind gewiß sehr ernst zu nehmen und mit größter Ver- , antwortung zu prüfen. Aber gerade wegen des Ernstes der Sache ist nur eine besonnene Politik am Platze. Wir verlieren m leicht das' Maß. Mihatte es für die Pflicht efneä PuWizisten, eihe Anschauung auch dann zu vertreten, wenn sie anpopulär ist und ich habe am 23. April hier vorausgesagt daß man diese Stellungnahme als Ketzerei brandmarken wird. Dabei fehlt bisher noch das Echo aus Palästina; die nächste Palästina- | post wird woht eine Ladung Proteste bringen. Das alles ist vorauszusehen. Ich habe doch ganz klargemacht, daß ich gegen die Meinung der Mehrheit des Jischuw polemisiere. Uchtheims Ausführungen, die noch gemäßigt sind im Vergleich zu einem großen Teil der zionistischen öftentliehen Meinung, spielen, natürlich unbewußt, zwischen den Zeilen mit dem Vorwurf des ״Dolchstoßes“. Die Gefahr, die uns von hemmungslosem Nationalismus droht, ist aber viel zu groß, als daß man nicht stets die Aufmerksamkeit auf sie lenken müßte. Robert Weltsch. Kleine Nactiriclifen Der rumänische Minister des Auswärtigen im neuen Kabinett Averescu, M i t i 1 e a n u , empfing den Vertreter der Zionistischen Weltorganisation Dr. Olsvanger und sprach ihm gegenüber die Sympathie der rumänischen Regierung für die Bestrebungen der Zionistischen Weltorganisation in Palästina aus. Wie der ״Jewish Times“ aus Jerusalem telegraphiert wird, soll Herr Nassatissin aus London, der jetzt in Palästina weilt, zugesagt haben, der von der Zionistischen Organisation zu gründenden Agrarbank 33 000 £ zur Verfügung zu stellen. Das Grundkapital der Agrarbank soll 100 000 £ betragen. Wie ״Messaggero“ meldet, steht der Abschluß eines englisch-italienischen Abkommens unmittelbar bevor, daß den Italienern in Palästina bezüglich des Handels, der Schulen und der religiösen Gesellschaften eine bevorzugte Stellung einräumen wird. Wie aus Lima, der Hauptstadt von Peru, unter dem 3. Mai telegraphiert wird, fand dort eine erfolgreiche Keren Hajessod-Veranstaltung statt. Der Delegierte des Keren Hajessod-Hauptbüros, Dr. Bension, hielt eine begeisterte Rede in spanischer und Frau Bension in jiddischer Sprache. Auf der Versammlung wurde ein Keren Hajessod-Komitse gebildet. Die Bareingänge betrugen 300 £. (Ziko.) In der Sitzung der Anglo-Jewish Association wurde Leonard G. Montefiore zum Präsidenten gewählt, nachdem O. E. d’Avigdor Goldsmid infolge seiner Wahl zum Präsidenten des Board of Deputies die Präsidentschaft de! Association niedergelegt hat. Der Internationale Archäologcn-Kongreß in Palästina wurde, nachdem die Teilnehmer noch Patra und andere archäologisch wichtige Punkte besucht hatten, in Jerusalem Ende April geschlossen. Die in Charkow erscheinende jüdisch-kommunistische Tageszeitung ״Stern“ legt in einem Aufsatz eingehend den Plan der Schaffung eines geschlossenen jüdischen Verwaltungsdistrikts in der Gegend von Krivojrog dar. Die palästinensische Regierung hat dem Chemiker T r e i t e I in der Umgebung von Beisan zwei Dunam Boden zur Züchtung von Gifte enthaltenden Pflanzen, die für Medizinalzwecke gebraucht werden, zur Verfügung gestellt Mit der Arbeit soll dieser Tage begonnen werden. (Ziko.) Bei den Weinkellereien in Rischon-Ie-Zion wurde eine Eisfabrik eröffnet, die die Bedürfnisse aller umliegenden Siedlungen befriedigen soll (Ziko.)

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