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Jüdische Rundschau · 1926-05-07 · Heft 35 (7.5.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 35 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Was an der Rede von der ״Entwurzelung“ mißverständlich war oder mißverstanden wurde, war die allzu realistische Sinngebung. Die realen Beziehungen des deutschen Juden zu seiner Umweit sind dieselben vor und nach der zionistischen Wendung. Nicht nur die staatsbürgerliche Stellung bleibt unberührt, nicht nur die doch auch sehr wichtige soziale und wirtschaftliche Bindung: Sprache und Bildung, Erzichiing und kulturelles Milieu behalten denselben unleugbaren Einfluß. Und umgekehrt, was wir im deutschen Juden entdecken, ihm aufzeigen, das erfinden wir doch nicht. Es war schon immer da und ist bei jedem, ob er es sehen will oder nicht: sein Blut und sein Wesen, die Art aufzunehmen und zu reagieren, das besondere seines Menschentums. Die Akzentverschiebung, die wir vornehmen und von der noch die Rede sein wird, hat die geringste Bedeutung gerade für die Schicht, die sich ain heftigsten gegen uns wehrt oder, richtiger gesagt, uns am starrsinnigsten ablehnt: die jüdische Bourgeoisie. Sie ist der Erbe von Generationen, die einst wirklich um ihr Deutschtum rangen, ihr Deutschtum durch Lossagung vom jüdischen Gehalt erkaufen mußten• Aber sie besitzt das Erbe als überkommene Selbstverständlichkeit, sie trägt es nicht und durchdringt es nicht, sie setzt sich nicht mehr auseinander. Sic erkennt keinen Maßstab an, an dem es zu messen ist, und wenn andere den Maßstab anlegen, so sind es Neider und Feinde, ״Bösewichter“, Antisemiten. Sie gibt ihr Judentum auch nicht auf, weil sie keinen Grund dazu sieht. Sie hat auch für das Judentum keinen Maßstab, an dem es zu messen ist, dem es zu genügen hätte. Ihr erscheint das bestehende wahrhaft vernünftig. Wenn s i c sich gegen die Akzentuierung des Jüdischen wendet, so hat sie opportunistische Gründe. In der Verteüligung gegen die feindliche Umwelt ist es ratsam, das ״Noch- Jude“, das ״Auch-Jnde“ nicht unnötig zu beschweren; cs ist eine Zugabe, die nicht stören darf. Sie verteidigt ihr Deutschtum, aber nein: sie verteidigt ihre Stellung, ihre Ruhe, ihren Besitz. Zahlenmäßig ist diese Schicht am stärksten, aber sic tritt in der Diskussion am wenigsten hervor. Sic läßt andere für sich reden, die eine Ideologie haben. Darin liegt eine Komplikation. 111 der Gestaltung dieser Ideologen gewinnt das Deutschtum — Wahrhaftigkeit immer vorausgesetzt -- ein anderes Schwergewicht: Liebe und Bemühung um innere Erfassung und eine wenigstens versuchte Begründung der Zugehörigkeit. Aber auch das Judentum gewinnt an Beschwerung. Man ist ein stolzer Jude. Und man versucht, den Gehalt an Judentum zu umschreiben, zu definieren. So tritt die Polarität stärker hervor, ist für uns angreitbarer. Aber anzufangen ist nichts damit. Man kann «las Judentum registrieren und analysieren, man kann es romantisch inid sentimental auffassen, auch ironisieren. Man kann es unter Begriffe bringen und seine Inhalte aufzählen. Und man braucht praktisch doch gar keine Schlüsse zu ziehen, keine Entschlüsse zu fassen. Die Lage wird dadurch vielleicht löaiiiplizferter, .!%■־. harmonisierende g Verhifldiiiif* v..Mtt.־-:rdert fMitschtum schwieriger das geht uns praktisch gar nichts an. Die Wertverschiebung, die wir vornehmen, ist doch eine ganz andere, eine wahrhaft entwurzelnde und neu verwurzelndc. Wir sehen den Menschen nicht als eine Anhäufung von Inhalten und Bestandteilen, von Einflüssen und Erinnerungen — wir sehen ihn als Wesen, das Erscheinung wird. Deshalb ist es für uns keine ״theoretische“ Frage, ob wir Menscher! jüdischen Wesens sind in einer deutschen Umwelt oder ob wir Deutsche sind mit jüdischen Relikten und Erinnerungen. Wir sind gezwungen, aus unseren Erkenntnissen Schlüsse zu ziehen. Wenn wir sagen, daß wir jüdischen Wesens sind, so meinen wir di«: was wir empfinden und anstreben, wie wir Welt und Ueberwelt aiisdiaucn, verkörpert sich im Judentum. Wir als Einzelmenschen können nur Teilansichten geben, je nach dem Grade unserer geistigen Durchleuchtung. Aber was selbst der einfachste unter uns nur dumpf empfindet, wird in der Schöpfung des Judentums klar verwirklicht - und was der durchgeistigstc, der bedeutendste gestaltet, ist nur Ausstrahlung und winzige Bereicherung der gewaltigen Gesamtentwicklung, in der wir stehen. Und weiter: die Gestaltung des Judentums ist nicht abgeschlossen und nie abzuschlicßen durch kein vorliegendes Gebilde und keine entwickelte Form begrenzt. Wir erkennen und bekennen deshalb, daß wir unser Wesen mir auswirken können, unser bestes nur gestalten, indem wir an der freien Entfaltung jüdischen Geistes im Judentum mitvirken. Damit sind wir zu einer Verpflichtung gegenüber dein Judentum gelangt und stehen auf einem Boden, auf dem Meinung und Willkür zu herrschen aufhören. Demi die Lage des Judentums läßt sich aufzeigen, sein Geschick und seine Notwendigkeiten lassen sich beweisen. Bis hierher konnten wir nur zum Entschluß und zum Bekenntnis aufrufen -- wer so weit mit uns gegangen ist, muß nach Gesetzen der Logik Zionist sein. Seine Lage ist eine grundsätzlich andere geworden, nicht weil seine tatsächlichen Verhältnisse und Merk1 male sich verschoben haben, sondern weil seine gesamte Wertbetonimg und Willensrichtung eine andere sein muß. II. Was in der Masse der Durchschnittlichen sich nur dumpf auswirkt, gewinnt in der Region der Schaffenden, der Künstler und Denker, klaren Umriß und gefährliche Leibhaftigkeit. Die geistige Verbindung mit der Umwelt ist ungleich empfindlicher und bewußter, die Gültigkeit des Zugehörens wird zur Rangfrage. Auf der anderen Seite tritt das gestaltende Wesen ungleich klarer hervor, viel deutlicher als beim Durchschnittsmenschen wird sichtbar, daß es ein mechanisches Ueberwandern tatsächlicher Inhalte von Mensch auf Mensch nicht gibt — daß jeder Geist, der einen Inhalt aufnimmt, ihn dadurch schon verändert Die Aufzeigung des Dualismus wird hier viel leichter und stößt als solche auch auf keinen Widerstand in dieser Sphäre ist man an ein Herausarbeiten seelischer Schichtungen gewöhnt. Aber mit dieser Aufweisung und dieser Erkenntnis allein Ist uns hier am allerwenigsten genützt, ln dieser Sphäre gerade hat die romantische und sentimentale, die ironische und skeptische Auffassung ihre Typen gefunden, alle zusammen in de| überragenden Gestalt Heinrich Heines, der erst in den letzten Entwicklungsphasen an die Schwelle einer höheren Erkenntnis gelangt. Hier findet sich auch, in etwas anderen Schichten, die ״wissenschaftliche“, ״objektive“ Feststellung und Analysis, die oft ein wenig krampthaft anmutet, aber das Gewissen beruhigt. Von diesen Positionen aus kann man den Zionismus ohne affektbetonte Abwehr hinnehmen, ihn ästhetisch und ethisch würdigen, seine Berechtigung anerkennen. JUEDISCHE RUNDSCHAU Ls brenzelt erst, wenn wir die Frage der Zugehörigkeit im Ernst stellen nach der positiven und negativen Seite. Der ״Geistige“ läßt es sieh gern gefallen, eine interessante Nuance im deutschen Kuiturbereich dar/ustcllen, er beruft sich aut die äußerst starke, n 11 c 11 staimnesmiißig bedingte Nuancierung, die im unbestritten deutschen Bereich herrscht. Wenn wir aber sagen, daß wirklich nur zu einem Kulturkreis gehört, wer wesentlich dazu gehört wenn wir lehren, daß sich wirklich vollenden mul auswirken nur der kann, der vom Strome gleichen Geistes getragen wird (״wider den Strom“ klingt ja heroischer) — dann rühren wir an die Frage der Gültigkeit und Geltung, dann stoßen wir erst auf Widerstand. Gerade an dieser Erkenntnis muß uns gelegen sein. Nur der ״Geistige“ ■- sofern er nicht durch seine besondere Lage oder seine positive Stellung zum Judentum anders bestimmt ist — wird unsere Sache wirklich als die seine erfassen, mit dem Schwergewicht seiner Persönlichkeit für unser Ziel sich einsetzen, dem seine Stellung im deutschen Kulturkreis ernsthaft problematisch geworden ist, und der die Lösung eines für Jüdische Männer und Frauen! Die überwiegende Mehrheit aller Juden der Welt begleitet die Arbeit jüdischer Männer und Frauen am Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina mit großer seelischer Anteilnahme. Trägerin des Aufbauwerkes ist die Zionistische Organisation. Ihre Bedeutung und Leistung auf diesem Gebiet steht unbestritten da. Die Zahlung des Schekels ist der sinnfällige Ausdruck pflichtbewußter Anteilnahme an dem großen Werk der jüdischen Erneuerung. Der Schekel kostet in Deutschland 1,— M. Durch Ausfüllung der diesem ^Blatte beiliegenden Karte verlangen Sie die sofortige Zusendung einer Schekelquittung. Bewußte Juden aller Richtungen! Entrichtet den Schekel! Tretet in die Reihen jener großen Armee ein, die mit friedliehen Mitteln die Zukunft des jüdischen Volkes aufbaut. ihn wesentlichen Problems in unserer Lösung findet. Hier gewinnt die Rede von der Entwurzelung eine sehr klare und, wenn man will, tragische Bedeutung. ״Ich bin ein Schüler Goethes und Heines, ich habe die Wurzeln meiner Kraft in deutschem Kulturgut. Ich habe dem deutschen Geist wesentliche Werte gegeben, darin meine Sendüng erfüllt. Von den Juden und vom Judentum weiß ich nichts. Wie kommt ihr dazu, die Grundlagen meiner Existenz anzuriihren, die Sicherheit meiner Produktion, die Gültigkeit meiner Schöpfung in Frage zu stellen?“ Dies hielt uns einst ein deutsch-jüdischer Dichter entgegen, als wir um ihn zu werben begannen. Wir können auch hier erwidern, daß wir das Problem nicht schaffen, daß wir es nur aufweisen. Wir meinen, daß es gerade in der Region des Geistes keine Befriedigung geben darf, die auf Lüge und Unklarheit beruht, daß die Wahrheit eine sittliche Pflicht ist. Wer im! Ernst unserer Argumentation Widerstand zu leisten vermag, wird ja nicht von ihr berührt — wer von ihr überzeugt wird, und beschwatzen wollen wir picht, tritt nur aus .Jüriftfrnis ans ,Licht Mag' sglii, tJälLdie bewußte Erkenntnis sich anders auswirkt als die unbekannte oder verdrängte Tatsache. Daß nachweisbar die Produktion in der Kraft oder im Kern der Eigenart berührt wird, glaube ich eigentlich nicht. 111 die Produktion gehört die Reflexion nicht hinein, sie ist von ihr unabhängig oder ihr sogar zuwider. Allerdings würde auch die umgekehrte Sachlage unsern Vorstoß nicht zu hindern vermögen — wrir könnten auch sittlich gezwung׳•!! sein, tatsächliche Hemmnisse zu schaffen. Was wir an Werten zu geben vermögen, hat mit dem ״Glück“ des Einzclmcnschen, mit individueller Befriedigung im gewöhnlichen Sinne, nicht unbedingt zu tun. Ich glaube wrir müssen uns hüten, auch dem Geistigen persönliche Vorteile.zu versprechen. Wir könnten einiges fiir uns .־»!führen. Spricht man von der Einwirkung der bewußten Erkenntnis, so ist mit Recht gesagt worden, daß die Aufdeckung des verdrängten Judenkornpiexes die Produktion entbindet. Wir wollen uns liier nicht auf psychoanalytische Gedankeiigänge einlasscn, die gebraucht von Laien viel Unheil anrichten. Aber ich glaube, cs wärt nachweisbar, daß z. B. die Behandlung jüdischer und nichtjüdischer Probleme bei jüdischen Schriftstellern klarer und sauberer geworden ist, wo unsere Anschauung sich direkt oder indirekt auswirkt. Die Lage ist ja durch mancherlei Umstünde verdunkelt. Es glaubt mancher deutsch-jüdische Schriftsteller das Ohr des deutschen Volkes zu haben, weil er ein jüdisches Publikum besitzt. Aber manche empfinden doch, wie sie außerhalb des engen Kreises auf Feindschaft und Unverstand stoßen, und empfinden auch klar oder dunkel die Ursache. Das ist ein Weg zur Erkenntnis, aber eine Lösung können wir für den Einzelmeiischeii, an den wir uns jetzt und hier wenden, nicht verheißen. ״Der“ jüdische Künstler wird ganz andere Resonanz. finden, wenn er zu ,,dem“ jüdischen Volke spricht — eher beide sind erst zu schaffen. Dieser Schriftsteller oder Maler hier wird es voraussichtlich auch nach der zionistischen Wendung mit diesem selben Publikum zu tun haben. Wer wirklich zu 1111s kommen soll, muß auch hier über sielt hinaus dringen, nicht in einen fremden Bereich, sondern in den Bereich des eigenen Wesens. Das ist für den Geistigen besonliar•׳ Veranstaltung der Berliner Zionistischen Vereinigung und der Misrachi - Ortsgruppe Berlin Montag, den 10. Mai, abends 82/ג Uhr im Brüdervereinshaus, Kurfürstenstr. 115/16 Zionistische Kundgebung Thema: ״Die jüdische Wirklichkeit**. Redner: Oberrabbiner Brody, Prag, R.-A. Dr. Alfred Apfel, R.-A. Dr. Alfred Klee. Seite 203 ders schwer und besonders leicht Er hat mehr als ein anderer das Recht auf seine Individualität, steht anders da als der namenlose, der nur durch das Ganze, an dem er teil hat, seinen Ausdruck findet. Er kann scheinbar über die Grenzen des Volkstums hinausgreifen, sich neu eingliedern, sich dem allgemeinen Geist entgegenstellen. So glaubt er frei zu sein und empfindet sein Wesen in sich selbst. Aber er am ersten muß auch die Kraft haben, den Schein zu durchschauen, und je vo'lkotn!neueres er schafft, um so stärker muß er die Unvollkommenheit jeder individuellen Schöpfung empfinden. Er muß Verwandtheit und Fremdheit bewußter erleben, er muß den Geist verspüren, dessen Kind er ist. Dann muß er den Hochmut der Selbstlierrlichkeit verlieren — und was er liebt, worauf er stolz ist, das darf nicht das eitle Ich sein, das ist von nun ab das Wesen, das in ihm ist, dessen Gnade er besonders verspüren darf. Sein Schaffen, wie es durch Zeit und Um• stände bestimmt ist, bleibt in Art und Wertung unberührt. Aber wichtiger ist, daß der Geist, der sich wesentlich in ihm auswirkt, befreit wird und zur freien Gestaltung gelangen kann, im lebendigen Strome eines Volkstums. Entwurzelung — ja und nein! Ob nun an der realen Lage etwas geändert wird oder nicht - jenem Manne, mit dem wir einst sprachen,!nag es seelisch eine Entwurzelung bedeuten, wenn wir ihm die Erkenntnis aufzwangen, daß ciie Wurzeln seines Geistes nicht in der Umwelt liegen. Dann bedeutet aber dieselbe Erkenntnis eine echte und rechte Verwurzelung, denn die Wurzel seines Wesens im Judentum haben wir ihm aufgewiesrn. Und mit dem Problem zeigen wir auch die Lösung, nicht vielleicht für ihn und seine persönliche Existenz, aber für den Geist, durch den er Sein und Seinswert hat. Der schwere Weg Dr. Chajim Wtitmann, der Präsident der Zionistischen Organisation, ist anfangs dieses Monate von einer dreiwöchentliehen Palästinarcisc zurückgekehrt und war am 1. d, Mts. der Ehrengast eines jüdischen Banketts in Paris unter dem Vorsitz von Leon Blum. Vor seiner Abreise aus Palästina sprach Weizmann in zwei großen von je 10 000 Menschen besuchtem Versammlungen in Tel-Awiw und in Jerusalem. Wir werden in der nächsten Nummer den Text der Weizmannscheit Reden nach den kurz vor Redaktionsschluß hier eingetroffenen palästinensischen Zeitungen wiedergeben. Seine Rede in Tel-Awiw schloß er mit den Worten: ״Unser Weg ist wie ich auch den ägyptischen Lehrern, die uns dieser Tage in Palästina besucht haben, gesagt habe, — ein Weg des Friedens. Es ist ein schwerer Weg, ein Weg der Kleinarbeit, ein ungeebneter Weg, auf dem es keinen falschen Kraftaufwand und kein falsches Pathos geben darf. Aber er stützt sich — dies ist mein Glaube — auf die historische Tradition des jüdischen Volkes. Wenn die Völker verstehen werden, daß dies unser Ziel ist, dann werden sie auch unsere Arbeit erleichtern. Solange in den Herzen der Völker noch ein Zweifel ist, daß wir auf Ären Wegen wandeln, werden sie an unsere Arbeit nicht glauben. Die wichtigste Grundlage unserer Arbeit ist das Vertrauen Europas, daß, was wir hier vollbringen, ein Schritt vorwärts und nicht rückwärts ist." . OscacStriiH gestorbei ־"׳•- •Oscar Sr8'<׳t:fa'itUY•'fehler'■der «fteAfen Juden in den Vereinigten Staaten, ist nach längerem Leiden verstorben. Er war der erste Jude, der in den Vereinigten Staaten einen Ministerposten bekleidete. Oscar S. Strauß, der 1850 in der Rheinpfalz geboren war und bereits mit vier Jahren mit seinem Eltern nach Amerika übersiedelte, hat eine bemerkenswerte öffentliche Laufbahn hinter sich. Im Jahre 1892 wurde er als amerikanischer Gesandter nach Konstantinopel geschickt, wo er acht Jahre lang in dieser Eigenschaft blieb. Nach seinem Rücktritt ernannte ihn Roosevelt zum Mitglied des Haager Schiedsgerichtshofes. Int Jahre 1907 kehrte er als Botschafter der Vereinigten Staaten nach Konstantinopel zurück. Außerdem war er unter der Präsidentschaft Roosevelts eine Zeit!,mg amerikanischer Handelsminister. — Oscar S. Strauß hat sich viel der öffentlichen Wohlfahrt gewidmet. Auch dem jüdischen Aufbau in Palästina schenkte er sein Interesse. Als Dr. Weizmann vor zwei Jahren in Amerika weilte, kam er auch mit Oscar Strauß zusammen. Der Hebräisehen Bibliothek zu Jerusalem machte Oscar Strauß große Zuwendungen. Jeder Jude, ist, er mag cs wollen oder nicht, solidarisch mit seiner ganten Nation verbunden, und erst, wenn dm jüdische, Volk von der Last befreit sein wird, die es Jahrtausende mit heroischem Opfermute auf seinem gebeugten Nacken getragen hat, wird sie auch von den Schultern jener Aufgeklärten genommen sein, die stets nur eine uerschwindend kleine Minderzahl bilden werden. Moses Heß (18621 Die Juden haben die. ganze Nacht, ihrer Geschichte hindurch nicht aufgehört, diesen königlichen Traum. zu traumen: ,,Hebers Jahr in Jerusalemist unser altes Wort, Nun handelt, es sich darum, :n zeigen, daß aus dem Traum ein tagheller Gedanke werden kann. Theodor Herd (1897). Sie. meinten: im Anfang sei dm Geld. Nein! Im Anfang ist die Idee. Für das Geld bekommt man Mietlinge,, ein Volk läßt sich so nicht auf raffen. Dies kann nur eine Idee zuwege bringen. Sie hat es zuwege gebracht. Theodor Herzt '1901). Die. Erfüllung der Gebote, außerhalb des Landes ist unvollkommen, denn wer im Ausland lebt, gleicht dem, der keinen Gott hat ... Das Gesetz wurzelt, im Lande. Nachmanides zu Gitlin 1 'M>. ״Ihr sollt diese Worte an euer Herz legen . . Auch in der Verbannung bewahrt eure Sonderheit durch die Gebote, legt, Tcphillin, weiht die Pfosten eurer Türen (durch die Memsot), d a m it das Gesetz euch nicht ungewohnt ist, wenn ihr wieder zurück k e h - ren werdet. Siphre zu LJ/. 18, 18. Die Freiheit ist keine, Sache, die als Gabe einem Volk sieh schenken ließe, sie muß von innen heraus erworben sein. Habt ihr euch ihrer nicht wert gemacht, unter dem, Händen wird sie euch entschwinden, Josef G6rr.ee.

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