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Jüdische Rundschau · 1926-05-07 · Heft 35 (7.5.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 35 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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$*lte 23? JUf Df SCH E RUNDSCHAD Nr . II Martche werden nicht in Lande bleib«. Andere werden *Ich dem neuen Stil nicht anpassen können, aber Ihre Kinder, durch die hebräischen Schulen gegangen, *um Ideal der Arbeit erzogen, werden den Weg finden. Die zionistische Idee ist der Magnet, der dön durcheinandergewürfelten Eisenspänen die Richtung geben soll. Aber sie hat nicht Macht über alles, was in Palästina geschieht. Denn Palästina liegt auf dieser Welt und ist ein Stück natürlich pulsierenden Lebens, mit allen Vorzügen und allen Fehlern, mit aller Oröße und aller Niedrigkeit Aber es zeigt sich ein Vorgang der Auslese, der Erziehung durch nationales Verantwortungsgefühl, wie in keinem anderen Lande der Welt bei Juden. Und das Bewußtsein des Volkes, das in den nationale Pionieren seine Repräsentanten sieht, ist für die Beurteilung des Oanzen ausschlaggebend. Auch die vielen Mißerfolge, die in einem Lande, wo jede Position nur durch schrittweises Experimentieren gewonnen werden kann, unvermeidlich sind, sind keineswegs maßgebend für die Beurteilung des Ganzen. Jede große historische Entwicklung ist In ihrer Gegenwart durchsetzt mit allen Schwächen und Fehlschlägen, die jedes Leben mit sich bringt! dem Historiker jedoch erscheint das große Werden, das Außergewöhnliche, als sein Material, während er alle die kleinen Begleiterscheinungen, die immer und überall aultreten, mit Recht vernachlässigt. Nichts charakterisiert deutlicher die Erbärmlichkeit einer ge* wissen Sorte von Juden als ihr Bestreben, in dem großen palästinensischen Geschehen dieser Tage gerade die klein« unflätigen Begleiterscheinungen zu sehen und triumphierend der Welt zu verkünden, als ob dadurch etwas gegen das zio* nistische Wollen ausgesagt wäre. Auch wir Zionisten bemühen uns, das Schlechte und Fehlerhafte in unserer Arbeit und Im palästinensischen Leben zu ■eben, aber wir tun es, um zu bessern, um den rechten Weg pi find«. Unsere Gegnern aber geht es nicht um eine Besserung de« Schlechten, sondern um den hämischen Hinweis, daß die zionistische Idee um ihre reine Erfüllung zu kämpfen hat Alle diese Schwächen, die unsere Gegner in Palästina finden, sind nicht durch den Zionis* raus ins Judentum hereingekommen, sondern sie haben sich trotz des Zionismus auch noch im eisten Stadium des Palästina? Aufbaus erhalten. Es ist das Erbe des Oaluth, jenes Zustandes, den gerade diese Kritiker bejahen. Wir wollen, daß unbe* fangene Juden, die sich aus solchen trüben Quellen über den Zionismus informieren lassen, das verstehen und das wahre Wesen der zionistischen Politik erkennen. Die zionistische Politik erstrebt heute den gestaltenden Einfluß auf die werdende jüdische Gemeinschaft in Palästina. Indem sie einerseits die äußeren Bedingungen für eine Ver* wirkiiehung dieses jüdischen Lebens durch fortgesetzte poli* tische Aktionen an allen maßgebenden Stellen zu sichen! sucht, muß sie andererseits durch ihre moralische und materielle Kraft dafür sorgen, daß nicht der Strom des Lebens über den zarten Keimen in Palästina zusammenschlägt, und daß allmählich dort jener Grundstock einer normal gegliederten, produktiv arbeitenden jüdisch lebenden, frei sieh fehlenden Gemeinschaft entsteht, die allein das gesamte Judentum aus einer tragischen Zerrissenheit und Bindungslosigkeit erlösen kann. Zionistische Politik geht aus von der klaren Erkenntnis dessen was ist und zieht daraus ihre ruhige Sicherheit; sie weiß ferner, daß nur eine radikale Aenderung, nicht kleine Palliativ» mittel, dal Judentum retten kann• 5fe hat ein Werk in Angriff genommen, daß oha* Beispiel und ohne Präzedenzfall |§t ||« kann..« bur« .Mf-lÄhreBfWeM'rfle'frgnniprtic«, diMit lieh als Instrument geschaffen hat, innerlich stark und äußerlich mächtig ist, wenn sie die besten Kräfte des heutigen Juden* tuins, — gerade die, deren Feingefühl durch die heutige Situ» ation am empfindlichsten verletzt wird, in sich vereinigt Die Zeit des passiven Duldens ist vorbei. Die Würde des Judentums ist in die Hand des Juden gegeben. Darum fordern wir alle Juden auf, sich mit diesen Problemen auseinander- »setzen, mit einzugreifen In einer entscheidenden Stunde der jüdischen Geschichte, sich anzuschließen der Zionistischen Organisation, die der Träger dpr neuen jüdischen Politik ist. Unser Vaterland — die Fremde, unsere Einheit — die Zerstreuung, untere Solidarität — die allgemeine Anfeindang, unsere Waffe die Demut, unsere Wehrkraft —* die Flucht, unsere Originalität — die Anpassung, unsere Zukunft —■ der nächste Tag. Welche verächtliche Rolle für ein Volk, das einst seine Makkabäer hatte. Leo Pinsker (1881). Unser ist die Aufgabe Von Mose* Waldmann. Auf den ersten Zionistenkongressen pflegte Max Nordau eine Uebersicht über die Lage der Judenheit in der verflossenen Kongreßperiode zu geben. Er tat das mit der ungeheuren Wucht seines Temperaments und die Wirkung der von ihm entworfenen Bilder äußerte sich selbst auf die kühlsten und sachlichsten Zuhörer. So Ist es bekannt, daß Achad Haam nach dem ersten Kongreß die Darlegungen Nordaus mit den sprachgewaltigsten Klageliedern der Propheten verglich. Nunmehr sind wir in der zionistischen Bewegung von der Uebung der ersten Kongresse abgekommen. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit einzelnen sehr wichtigen Teilproblemen zu und halten fast niemals inne, um uns der Betrachtung der Gesamtlage des jüdischen Volkes der Gegen* wart hinzugeben. Die zionistische Bewegung in ihrer modernen Gestalt als politische Bewegung besteht nunmehr seit drei Jahrzehnten. Und es ist angebracht, sich die Frage vorzulegen, ob sich in den verflossenen dreißig Jahren die vom politischen Zionismus promulgierten Grundsätze im Leben als wahrhaftig, d. h, den Entwickiungstatsachen entsprechend, erwiesen haben. Für die Untersuchung dieser Frage ist es weniger maßgebend, ob die zionistische Auffassung der Judenfrage ausdrücklich und bewußt von allen Teilen der Judenheit geteilt wird. Es ist vielmehr zu untersuchen, ob diese Auffassung geradezu selbstverständliches Gemeingut aller derjenigen ist, die sich mit der Judenfrage beschäftigen. Der Zionismus hat bei der Kritik der Judenfrage vor dreißig Jahren zwei Grundsätze ausgesprechen; daß die Juden in der ganzen Welt ein einziges Volk mit Schicksalsgleichheit darstellen, und daß die Judenfrage eine politische Frage ist. Die letzten dreißig Jahre haben unzweifelsfrei dargetan, daß die Juden in der gesamten Welt in Wirklichkeit die prinzipiell gleiche Schicksalsentwick- Iung zu verzeichnen haben. Ueberall vollzieht sich zwischen Juden und nichtjüd!scher Umwelt eine Scheidung. Die Träume von völliger Gleichberechtigung und Gleichgeltung sind überall ausgeträumt. Es gibt gegenwärtig In der ganzen Welt kein einziges Land, — mit Ausnahme von Ungarn, — wo die Juden formairechtlich anders gestellt wären als der übrige Teil der Bevölkerung. Trotzdem hat der Zustand der gewaltsamen Ausstoßung des jüdischen Elementes aus der allgemeinen Ge- Seilschaft in den letzten Jahren ungeheure Fortschritte gemacht. Jedem Juden ist es nun klar geworden, daß nicht die Unzulänglichkeit gesetzlicher Bestimmungen die Sonderstellung der jüdischen Bevölkerung in der Welt verursacht, sondern der tatsächlich überall vorhandene Unterschied zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Gemeinschaft. Nirgends in der Welt regelt sich das Verhältnis von nicht jüdischer Mehrheit zur Minderheit nach formairechtlichen Grundsfitz« oder nach dem Niveau der kulturellen Entwicklung, sondern klipp und klar nach dem Verhältnis von starker Mehrheit zu schwacher Minderheit. Die Beziehung zwischen Juden und Nichtjüd« in der gesamt« gesitteten Welt ist eine Machtbeziehung, somit eine Angelegenheit der Politik. Die Judenfrage Ist eine pelltische Frage, Alle anderen Schlußfolgerungen des Zionismus ergeh« sich dann mit Zwangsläufigkeit De die Jud« überall eine Minorität sind, da «ich die Jtid« überall in einer abnormalen SWälli ’hlflnd«,:'«!» ife überall bodenlos sind, da ihre Jahrhunderte hindurch ausgeübte wirtschaftliche und kultureile Vermlttlertätfgkeit für die Gesamtwelt und ihre Wirt* schaft überflüssig geworden Ist, folgt mit zwingender Not* wendigkeit, daß ab einzig radikales Mittel zur Produktivierung und Normalisierung des jüdischen Volkes nur die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Frage komm« kann. In der Erkenntnis, daß eine Volksgemeinschaft eine organisch-biologische und keine seelenlos-mechanische Einheit darstellt, kommt als einziges Land für die Errichtung dieser Heimstätte nur Erez Israel in Betracht. Das ist übrigens durch den Verlauf der letzten Jahre entschieden und ln den öffentlich-rechtliehen Traktat« verbrieft Ebenso ist ln den letzten drei Jahrzehnten prinzipiell der Beweis erbracht, daß Palästina trotz zeitgebundener Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten sich als geeignet erwiesen hat, Schauplatz des Produktivierungs- und Normalisierungsprozesses des jüdischen Volkes zu sein. Es bleibt als zentrale Frage die Untersuchung, ob die Judenheit der Gegenwart potentiell genügend Energien besitzt, um das Werk der Errichtung der jüdischen Heimstätte durchzuführen. DÄS halte Ich für das wesentlichste Problem der Gegenwart. Wenn nämlich das jüdische Volk viel zu schwach ist, um das gigantische Werk seines eigenen Wiederaufbaues durchzuführen, dann nützen alle Einsichten und alle Anstrengung« nicht viel. Eine Betrachtung des gegenwärtigen Status der Weltjudenheit allein kann die Antwort auf diese Frage geben. Das jüdische Volk zählt gegenwärtig ungefähr 16 Millionen Seelen. Von dieser Zahl sind, annähernd geschätzt, ungefähr 10 Millionen bewußt jüdisch. Ich meine damit jene 10 Millionen Juden, deren Umgangssprache eine andere ist als die der Umgebung. Das ist seit jeher das deutlichste Kennzeichen von Eigenart gewesen. Während der ganzen Diaspora haben wir zahlenmäßig niemals so viele selbstverständlich jüdisch lebende Menschen gehabt wie heute. Nun die Frage der finanziellen Energien. Wohl befinden sich viel Million« Juden ln Europa in materiell drückenden Verhältnissen. Andererseits verfügen aber die Juden in Amerika und Südafrika und it! einigen Staaten Westeuropas im gegenwärtigen Zeitpunkt über so große finanzielle Mittel, daß man vergeblich in der Geschichte der letzten Jahrhunderte des jüdischen Volkes eine Zeitperiode sucht, in der ein gleich großer Prozentsatz des jüdischen Volkes materiell 80 gut gestellt gewesen wäre, wie die annähernd 4!/s Millionen Juden in ganz Amerika und Südafrika. Trotz der Tatsache, daß sich weit mehr als die Hälfte des jüdischen Volkes in schlechter wirtschaftlicher Lage befindet, ist somit festzustellen, daß ein erheblicher Prozentsatz wenigstens vorläufig sich in gesicherten finanziellen Verhältnissen befindet. Wer jedoch gewöhnt ist, das Schicksal des jüdischen Volkes nicht nur unter dem Gesichtswinkel weniger Jahre sondern längerer Zeitläufe zu betrachten, der muß sich ernstlich fragen, ob die gegenwärtige Zusammensetzung der Weltjudenheit in nationaler und finanzieller Hinsicht amhalten wird. Es ist zwar richtig, daß der Absonderungsprozeß der nichtjüdisch« Umwelt gegenüber den Juden überall immer deutlicher in Erscheinung tritt, was zunächst eine Selbstbesinnung der Juden in der ganzen Welt zur Folge hat, andererseits ist jedoch nicht zu verkennen, daß der Weltkrieg und die Nachkriegszeit den nationalen Bestand der Juden in der ganzen Welt stark erschüttert haben. Die Juden sind überall weit entfernt davon, gesellschaftlich mit der Umwelt zu verschmelzen, sie geben aber dennoch überall sehr viel von ihrer Eigenart ab. Sie werden fast nirgends volklich der Umwelt gleich, sie hören aber auf, ihre selbsbversländlichen nationalen Bewußtseinsinhalte zu pflegen. Gegenwärtig sprechen noch zehn Millionen jiddisch und sind durch diesen Umstand deutlich von ihrer Umgebung geschieden und zusammengehalten. Wieviele Juden aber in den nächsten zwei Generationen noch jiddisch, also eine eigene Sprache gegenüber der Umgebung, sprech« werden, läßt sich nicht voraussagen. Der aufmerksame Beobachter kann jedoch feststelleii, daß in Amerika, Polen, Rußland und in Rumänien der Prozeß der Entjiddischung stark um sich greift. Gleicherweise ist es um die Frage des materiellen Wohlstandes der 41/3 Millionen gesamtamerikanischer und südafrikanischer Juden bestellt. Gegenwärtig befinden sie sich in guten materiellen Verhältnissen und sind nicht nur imstande, ihre eigenen Institutionen auszubauen und zu erhalten, sondern auch in der Lage, ungeheure Summen für die Unterstützung der notleidenden Teile der Judenheit und für die Errieht»!1j| einer jüdisch« Heimstätte tah.fe*1־ÄaeL'«»?»gÖbm:i.Wie׳|ange ■akmtiiäßm materiell erfreuliche Zustand der amerBtanisÄ-afrikäniscben Judenheit anhalten wird, kann niemand Voraussagen. Abgesehen davon, daß die allgemeine politische Konstellation für d« Aufbau Erez Israels gegenwärtig günstig ist, — was in d« kommenden Jahrzehnten nicht gleichbleib« muß, — kann man feststellen, daß auch die Judenheit in der Gegenwart sich momentan so zusammensetzt, daß die Voraussetzungen für ihre Fähigkeit, das Palästinawerk durch- »führen, gegeben sind. Die Aufgabe der Durchführung des zionistischen Programme« ist somit eine Aufgabe unserer Generation, und kann absolut nicht einer kommenden Zeit übertragen werden. Die allgemein menschliche Entwicklung, die erreichte Stufe in Zivilisation und Technik, die gegenwärtige Zusammensetzung und Gliederung des jüdischen Volkes, sein nationaler Habitus und seine materielle Leistung«־ fähigkeit sprechen gleicherweise dafür, daß jetzt die Galegenheit günstig, und daß die Legung von unerschütterlichen Fundamenten für die nationale Heimstätte in Erez Israel die Aufgabe unserer Zeit ist. gewesen ist, und mit dem man mit unzählig« Band« verbratden ist. Che Sehnsucht, die aus den Liedern des Jeltuda Häievi •chreit, ist von solcher Stärke, der Sdunerz und das Getrennt- ■ein und die Freude des Wiedersehens so unmittelbar, 80 groß, als wäre die Zerstörung des Tempels, die Vertreibung der Juden aus Palästina erst gestern geschehen. Wes es ständige Wachsein, diese ungewöhnliche Schärfe des Gedächtnisses sind cs, die das jüdische Volk, wo und unter welchen Umständen es auch immer lebte, dahin brachten, sich stets bereitzuhalten für die Stunde der Erlösung. Die halb tragischen, halb abenteuerlichen Messiasse des 16. und 17. Jahrhunderts hatten deswegen leichte Arbeit, um eine große Bewegung zu entfachen. Sie brauchten gar nicht das Volk aufzuwiegeln. Das Volk Ist ohnehin in ständiger Bereitschaft. Der Messias, Fürst David R e u b e n i, bekommt sogar Angst vor der Stärke der Bereit* ■chaft, vor der Fülle der Wartenden... — ״Was für Freude^‘ — erzählte (Mücke! von Hameln, die bewundernswerte Chro- •Istin des 17. Jahrhunderts -* ״herrschte, wenn man Briefe bekam (die von Sabbatai Zewi berichteten), ist nicht zu be* •chreiben. Die meisten Briefe hab« die Portugiesen bekammen. Sie sind immer damit in ihre Synagogen gegangen und haben sie dort vorgelesen.“ ״Manche“ lesen wir weiter - ״haben Haus und Hof und alles Ihrige verkauft, da sie hofften, Jeden Tag erlöst zu werden.“ Man wjrd verfolgt, gepeinigt von Herzögen und regierenden Bischöfen, als ein Volk gebrandmarkt, das nur danach trachtet, materielle Güter an pieh au raffen. Aber seht, dies« Volk, das einzig im Handel sich betätigt upd dem Geld« zugetan ist, weil dies das einzige Schutzmittel gegen die Verfolger Ist, wirft auf einmal alles weg, betrachtet dieses Eifern um materielle Dinge als unreal, unwichtig; schnell, schnell verfault es Haus und Hof und geht unklar« Gerüchten von einem Messias Sabbate! Z#wl «ach. Und möglich ist das nur, weil das Handel treibende Judenvolk immer mit einem Ohr nach etwas Bedeutendem borcht, nach jenem Ruf der Erlösung, der aus der Ferne kommen muß. Ke politische Emanzipation der westeuropäischen Juden, 4• weh der französische{! R«volut»M erfolgte di• Mendelssohnsche Aufklärer! gsepoche, vermochte nur während einer kurzen Pause — und das auch nur bei einem verhältnismäßig kleinen Teil des jüdisch« Volkes -1• das nationale Gedächtnis abzuschwächen. Das Gr« des Judentums in Polen und Rußland erduldet Leid«, Unterdrückung, Erniedrigung und lebt In Visionen einer großen Vergangenheit. Seine Schriftgeiehrt«, seine Heiligen und Gerechten hielten es für erste Pflicht, das Heilige Land zu besuch«. Und so begeben sich der WUnaer Gaon wie auch Nachman von Brazlaw auf die für jene Zeit so gefahrvolle Reise nach Erez Israel. Daß die Sehnsucht unzähliger Generationen in ihrer Wirkung stärker sein würde als die Gleichberechtigungs-Deklarationen, war natürlich vorauszusehen, zumal w«n die Toleranz nur von allzu kurzer Dauer war. Aber auch dort, wo sie auf fest« Grundlagen ruhte, hinderte sie nicht einen Dtsraeii, den Zion-Roman ״David Allroi“ zu schreiben, der Ausdruck einer Sehnsucht war. Diese Sehnsucht war auf dem Oeslcht eines Herz! ausgeprägt, als er noch nicht wußte, daß ihm bevorstand, Rufer des Volkes zu werden. Denn für die wöchentlichen Feuilletons in dar ״Neuen freien Presse“, für die Briefe über das Pariser Palais Bourbon brauchte man nicht ein so ungewöhnlich feierliches Ausseh«, brauchte man nicht dieses Prachtantlitz, diese Augen eines verträumten geistig« Fürsten. Das ist die Sehnsucht, die in ihm wohnte, unbewußt noch für Ihn selbst. Aber eines Tages wird er Ihrer gewahr, such sein nationales Gedächtnis erwacht Sein mächtiger Ruf ergeht an ein Volk, das Immer aufhereM und das Immer in Bereitschaft Ist. Und als Herzl später durch Konstantinopel fährt, um mit dem Sultan wegen Palästina zu verhandeln und die bulgarische Hauptstadt passiert, findet er auf dem Bahnhof eine große Menge exaltierter sephardischer Juden. Sie bejubeln ihn, sie dringen sich, seine Hand zu küssen. Sie sind Händler und dem Oelde zugetan. Aber wie damals in den Zeiten des Sabbatai Zewi wollen sie die Geschäfte abschließen, wollen sie Haus und Hof verkaufen, weil sie Juden waren, die mit einem Ohr immer nach etwas Redeutendem horchen, Juden, die sich immer für die Stunde der Erlösung bereit hielten. Die historischen Rechte der Juden auf Erez Israel sind nicht allein nur durch die großen Taten begründet, nicht allein dadurch, daß sie von dort der Welt das größte Buch gegeben haben, sie sind begründet durch das ununterbrochene Wachsein des nationalen Gedächtnisses, das sie in ständiger Bereitschaft hält. Der Hefsebund Eine jüdische Buchgemeinde. Mit dem Namen Heinrich Heine, mit dem Namen desjenigen Mannes, der so viel um das jüdische Wesen wußte, wendet sich der H.-B. an die jüdische Oeffentlichkeit und bittet um Unterstützung für seine Bestrebungen: die Teilnahme am jüdischen Buch in die weitesten Kreise zu tragen. Mit welchen Mitteln er es versucht, mag die Bücherliste im Inseratenteil erweisen. Man darf schon sagen: die Bücher sind gut, und sie werden gut aussehen, und wer sie beisammen stehen haben wird, wird sich über diese jüdische Bibliothek freuen, die er — für 4 Pfg. pro Tag erworben hat. Diese sechzehn Büchertitet geben Proben aus den wichtigsten Arbeitsgebieten des H.-B.: Belletristik, Geschichte, Memoiren, Kunst, Oeselisehaftskunde. Anderes wird folgen. Namentlich sollen die Auswahlbände auch solche Werke bringen, die als Pfliehtbände weniger in Betracht kommen. In seiner Gesamtheit ist aber das Programm des H.-B. geeignet, das Jud«tum in seiner ganzen Fülle begreifen und lieb« zu lehr«. Der H.-B. will niemand schädigen und keinen verdrängen. Seine Bücher sind entweder neu oder Neudrucke vergriffener oder wenig beachteter Ausgaben. Dem Buchhandel aber bietet er Möglichkeiten, Mitglieder in Schichten zu werben, die sonst außerhalb des jüdischen Buches stehen. Es ist mit einem Wort Neuland, das hier erschlossen wird Der H-B. ist Teil einer umfangreichen Kulturbewegung. Die Kunstgsmeinden, Bühnenvereine, B«chgese!lschaften — sie alle sind Kinder der Not, Akte der Selbsthilfe, womit der Mittelstand das Uebergreifen der wirtschaftlichen Verarmung auf das geistige Gebiet mit Erfolg bekämpft, geistige Kon- Baugenossenschaften, die nun ihrerseits die Prodi!Vion bestimmen und somit ungeahnte kulturpolitisch# Möglichkeit« eröffn«. 2. H. Nr. i Wir lung“. 1 wo es!1 ist ein ni wie wir brauchen Was war od! Sinngebi; seiner U Wendun; un berühr und wir hiing ur Einfluß. l:!1: ihm auf, immer nicht: st reagiere!׳ Die der noel gerade : wehrt oi die jüdis die einst durch L Aber sic lichkeit, sich!lief an dem legen, s׳ semiten. keinen ( keinen fi gen hätt Wei wendet, gung gc Jude“, d eine Z1 Dcutschl Ruhe, ili Zah in der D reden, c kation. 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