Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-05-04 · Heft 34 (4.5.1926) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 34 (4.5.1926)
Date
1926-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652816--18241-2675985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 34 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 255 rt in te 1g ׳r- 1tdn. ke;and :h, Ue aß ja- 5n, ־g־ ch tcinsie jasnen :0uit Jas be- USakinersalies ies ien rel* sa* Wal der der eil* tat- bische ck» ICH- ' ״«!»' ' C. Art, ird, der hen beattder ״g, Irr» u - nan hat isti- Sie timm e n und desan ung der kic h!ach ient iten zu als «eile autient itte, weil hat, fner ader gibt rei g«' ־״r1 Budget •Kampf in Tel-Awiw Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A. G. Jerusalem, den 21. April 1926, Nachdem I ) i e s e n g o f f, der Bürgermeister von Tel- Awhv, wie bekannt, vor einigen Monaten von seinem Amte juriidi ge treten war, weil /wischen ihm und der Mehrheit der Stadtverwaltung verschiedene Differenzen bestanden, hat man sich lange Zeit hindurch vergeblich bemüht, das Gleichgewicht in der Munizipalität wieder herzustellen. Die rechte Fraktion, vor allem die Haus- und Grundbesitzer, bemühten sich mit allen Kräften, die Herrschaft des Vereinigten Blockes der linken und linksgerichteten Parteien zu stür/en, und Diescngoff zu einer scharfen Abwehrstellung und zu hartnäckigem Bestehen auf seinen Forderungen zu bestimmen. Innerhalb der Stadt wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Teil der Oeffentlichleert, der mit dem Regime der linken Parteien nicht einverstanden war, zu einer energischen Anteilnahme am Kampfe zu bewegen. Versammlungen und Presse wurden in gleichem Maße in den Dienst dieser Kampagne gestellt, und auf diese Weise die Oeffentlichkcil dauernd in einer gärenden Erregung gehalten. Es wurden sogar verschiedene Beschuldigungen laut, daß Schritte getan seien, um die Batiken zu veranlassen, die Kredite für die Stadtverwaltung zu beschränken, daß Propaganda dafür entfaltet werde, unter den bestehenden Verhält- Hissen die Steuern nicht zu zahlen tisw. Schließlich scheute man *!ich vor dem gefährlichen Experiment nicht zurück, die Behörden zum Eingreifen zu veranlassen. Mit Memoranden versuchte man, auf die zuständigen Regierungsstellen ciiraiwirken, und sie zu einer Intervention zu veranlassen. Die kritische Lage, die durch diese Kämpfe und Zwistigkeiten in der Munizipalität geschaffen wurde, machte sich besonders fühlbar, well die ohnehin komplizierte wirtschaftliche Situation mehr denn je (•ine starke und leitende, zu kraftvoller Initiative beflhigte Hand verlangte. In diesem Streite und unter den Mitteln, die von den Kämpfenden benutzt wurden, erscheint die Appellation an die Regierung als besonders gefährlich und auch — vom Standpunkt der nationalen Verantwortung und Solidarität — unzulässig. Wir sind heute, wo unsere Autonotuie in Palästina noch durchaus nicht gefestigt ist, aufs dringendste daran interessiert, unsere Konflikte untereinander auszumachen. Unser Ziel muß es sein, uns eine weitgehende Unabhängigkeit der inneren Verwaltung von den offiziellen Bchörden des Landes zu sichern und die Regierung nicht dazu zu ermutigen, sich in innere Fragen zu mischen. Sie zur Richterin unserer sozialen Kämpfe zu stempeln, wäre ein Fehler nationaler Politik. Die Behörden haben eine Intervention a b - gelehnt, aber die Gelegenheit ergriffen, auf verschiedenen Gebieten der Tef-Awiwer Stadtverwaltung eine stetigere lieberwachung in die Wege zu leiten. Das ist eine Entwicklung, die fraglos mit der Zeit von selbst gekommen wäre, weil die palästinensische Regierung auf die Dauer ein so wichtiges and ständig int Wachstum begriffenes Zentrum wie diese neue Stadt nicht ganz ohne Kontrolle sich selbst überlassen kann. Es war jedoch nicht die Sache des Jischuw, ihr die willkommene Handhabe dafür zu liefern. Trotz aller Schwierigkeiten wurde die Arbeit in der Munizipalität aufrecht erhalten, so daß es gelang, über die schlimmsten Zeiten hinwegzukammen. Die Rechte beteiligte sich lange «Zeit hindurch nicht an den Sitzungen des Stadtrat«. Die Linke ]hatte alle Mühe, konstitutionelle Bratungen zustande zu bringen find hielt ihre Mitglieder in dauernder Mobilisation, um eine jMindestzahl von Stadtverordneten für die Sitzungen zu garanliieren. Nach monatelangen Verhandlungen kehrte die Rechte Ischließlich in die Stadtverwaltung zurück, so daß die Arbeit!wieder ihren regelmäßigen Ablauf nehmen konnte. Sie bildet ]nach wie vor eine starke, zu ständigem Kampf bereite Opposition und arbeitet mit Bewußtsein darauf hin, bei den nächsten Wahlen die Kräfteverhältnisse in der Munizipalität anders zu gestalten. Unterdessen erhält die Stadtverwaltung wie vorher die notwendigen Bankkredite, die Steuern laufen in regelmäßiger Ord- Dung ein, und die Aktionen nehmen wie früher einen glatten Verlauf. Die erste Arbeit des rekonstituierten Stadtrates war die Lesung des Budgets für das kommende Jahr. Da sich diese Beratungen durch die Krise verzögert hatten, mußten sie im Laufe von zehn Tagen, in die acht Sitzungen fielen, erledigt werden. Einen besonderen Streitpunkt bildete die Kultur- und Erziehungssteuer. Innerhalb des Gesamtbudgets von £ 120000 wurde um die Erhöhung der Schulsteuer von £ 3000 auf £ 8000 ein schwerer Kampf gcführt. Nach dem Vorschlag der Linken sollte diese Summe dadurch aufgebracht werden, daß jeder erwachsene Bürger der Stadt statt 10 Pt. 25 Pt im Jahre zahlen sollte. Um diese Vorlage durchzubringen, war eine Zweidrittelmehrheit notwendig, die nicht zustande kam. Der Antrag fiel mit 16 gegen 9 Stimmen. Unter diesen Umständen mußten die fehlenden £ 5000 durch Erhöhung der auf den Häusern lastenden Steuern bis auf das Maximum von 8 Prozent eingebracht werden. Außerdem kämpfte die bürgerliche Opposition einen energischen Kampf gegen das Bestehen der progressiven Steuern, in dem sie bisher keine Resultate erzielte. Dieser Punkt wird eine der Zentrallosungen der Rechten für die nächsten Wahlen werden. Das Budget der Munizipalität Tel- Awiws ist von den Lokalbehörden bereits bestätigt und liegt zur Zeit der Zentralregierung zur Prüfung vor. Die Stadtverwaltung beschäftigte sich in der letzten Periode mit verschiedenen Arbeiten legislativer Natur. Zu nennen ist darunter ein neues Baugesetz, neue Pläne für Bausteuern, zusammen mit der MunizipalitätSarona und Jaffa und verschiedene Pläne zur Verbesserung und zum Ausbau der Konstitution. Außerdem hat man den Zusammenbruch der Spekulation dazu benutzt, neue Steuern für unbebaute Parzellen aufzustellen, um so zu verhindern, daß bei einer neuen Flut wilder Bodenkäufe wie im Vorjahre unbebautes Gelände innerhalb der Stadt gehalten wird, ohne es zu Bauzwecken zu verwenden. Zusammen mit der Zionistischen Exekutive hat sich der Stadtrat bemüht, die Arbeitslosigkel t in Tel-Awiw, soweit es in seinen Kräften lag, zu steuern. Bei Wegebau und Wasserversorgung hat eine beträchtliche Anzahl von Beschäftigungsloscn Unterhalt gefunden. Für das kommende Jahr ist der Bau des Nordviertels (Schchunat Hazafon) nach dem Plan von Geddes beschlossen worden. Durch Ankauf großer Gelände ist Raum zur Ansiedlung von Wohnungslosen, von Arbeitern und Beamten geschaffen worden, die dort in einem neuen Viertel zusammengefaßt werden. Für diese Arbeiten besteht Interesse bei der Regierung, bei der Hypottekenbank und bet der Kehillath Zion. Als erste Arbeit wird Mae Chaussee von 2 km Länge ia Angriff genommen, die die ln die Zionisflstiie Jugend in Deufsdiland Die von der Exekutive der Zionistischen Organisation ausgegebene Parole der fjar-Aktion fand in der zionistischen Jugend besonders lebhaften Widerhai*. Bedeutet doch diese Aktion Erneuerung zionistischen Geistes und intensivste Werburtg für die zionistische Idee. Es gilt, unserer Jugend eine vertiefte Vorstellung von dem Grundgedanken des Zionismus und von der Entwicklung der zionistischen Bewegung zu vermitteln. Unsere Jugendbewegung hat die Aufgabe, die heranwachsende Generation in den Rahmen unserer Weit- Organisation und in das große Werk in Palästina cinzugliedern. Die Zukunft unserer Bewegung hängt davon ab, wie weit unsere Jugend diss«r Aufgabe gcwachen sein wird. Die Ijar-Aktion soll weiterhin eine kraftvolle Demonstration der Zionistischen Organisation sein. Sic soll der nichtzionistischen und nlchfjüdischen Welt beweisen, welche Massen hinter ihr stehen. Den eindeutigen Maßstab dafür bildet die Zahl der Schekalim. Von jeher war es Ehren- Pflicht der zionistischen Jugend, teilzunchmen an allen praktischen Aufgaben der zionistischen Organisation und ihrer Institutionen. Deswegen rufen wir die zionistische Jugend in Deutschland auf, sich insbesondere auch fü־׳ die Durchführung einer großzügigen Schekelaktion einzusclzen und sich an dem Schekelverkauf in der Woche vom 9. bis 16. Mai intensiv zu beteiligen. Wir erwarten, daß alle Mitglieder unserer Jugendorganisationen sich für die Durchführung der Hausbesuche während der Schekelwoche zur Verfügung stellen und dafür Sorge tragen werden, daß eine möglichst große Zahl von Juden im Rahmen dieser Aktion besucht und zum Schekelkauf veranlaßt wird. Wir sind gewiß, daß die Schckelaktion ein voller Erfolg werden wird, wenn sich jeder junge Zionist der Bedeutung dieser Aufgabe bewußt ist. Kartell Jüdischer Verbindungen. Dr. H erbert F ocr d e r. Jüdischer Wanderbund Blau-Weiß. Hans Kaufmann. Jungjüdischer Wanderbund. Zeirc Misrachi. Fritz Noa c k. E 1 i a h K a 11 e n e 11 c 11 bogc n. Ring Jüdischer Wanderbünde. Franz Lichte 11 stei n. Deutscher Kreis des Makkabi-Weltvcrbandcs. Dr. Hans Kuhn. Bund zionistischer Korporationen. Dr. Isaak Zwirn. Hcchaluz, Deutscher Landesverband. Ernst Böhm. Jüdischer Ruderklub ״Ivria“. Herbert Hirsch. Stadt mit dem Jarkon verbindet. Weiterhin wird für ein ausgiebiges Röhrensystem für Wasser Sorge getragen. Der Bau dieses Nordviertels ist für die Stadt von verschiedenen Gesichtspunkten aus von Bedeutung. Im Augenblick bedeutet dieser Neubau eine wichtige Arbeitsquelle, die für Tel-Awiw, in den! sich die größte Zahl von Arbeitslosen konzentriert, eine Lebensfrage ist. Zweitens ist hier die Möglichkeit gegeben, die Wohnungsfrage in der Stadt, die für die wirtschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung ist, einer gewissen Lösung entgegenzuführen. Schließlich wird mit dem Nordviertel zum ersten Male in Tel-Awiw mit einem umfassenden und detaillierten Bauplan für ein bedeutendes Gelande begonnen. Bisher ist Tel-Awiw gewachsen, wie der Zufall und der jeweilige Architekt oder Bauherr cs wollten. Die ״quellende Unorganik“ der Straßen und Häuser ist ja bereits über Gebühr bekannt. Mit dem Bau des Nordviertels nach den Plänen von Geddes wird zum erstenmal die Möglichkeit gegeben, einen Stadtteil nach einem vorher bestimmten Plan einheitlich und organisch aufzubauen. Wenn das gelingt, ist zu hoffen, daß diese Aktion auch in hygienischer und ästhetischer Beziehung für die Entwicklung der Stadt Tel-Awiw׳ bedeutsam und vielleicht sogar bahnbrechend w׳erden kann. 3dzuog der JoiBt-lea-FouDdatio» Von Sonnabend, den 24. bis Mittwoch, den 28. April, tagte in Berlin das Komitee der Joint-Ica-Reconstruction Foundation. An den Beratungen, die den ganzen Komplex der Hilfsarbeit der Foundation in Osteuropa umfaßten, beteiligten sich der Europa-Direktor des Joint, Herr Dr. Bernhard Kahn, der Generaldirektor der Jewish Colonisation Association (Ica), Herr Louis O u n g r e, sowie Herr David Schweizer, ferner aus Polen Senator Szereszewski, Dr. Klumel und Dr. Alter, aus Rumänien bzw. Bessarabien Dr. Gelehrter, Dr. Lowner, Dr. Kluge und Dr. Friedmann, aus Litauen der Direktor der Zentralbank jüdischer Kooperativen, Krcwer, und andere mehr. Es wurde beschlossen, die von den Londoner Organisationen zur Verfügung gestellten 8000 Pfund (40 (WO Dollar) nicht für rein philanthropische, sondern für Aufbauzwecke zu verwenden. Ferner wurde im Prinzip beschlossen, in absehbarer Zeit 300 000 Dollar für die kooperative Arbeit in Polen flüssig zu machen und von dieser Summe sofort 50 000 Dollar auszuzahlen. Mit den Herren aus Ruraätaten wurden ausführlich die Verhältnisse in der dortigen Hilfsarbeit besprochen, ohne daß es zu definitiven Beschlüssen über die Höhe der bereitzustellenden Summen kam. Bezüglich der Zuwendung einer größeren Summe für die jüdischen Kooperativbanken in Litauen werden die Besprechungen fortgesetzt. Sdiekelwodte vom 9. bis 16. Hai Die Demonstration der deutschen Zionisten für die Werbekraft Ihrer Idee. Zehntausende von Schekelzahlem können neu gewonnen werden. Die Politik der amerikanischen Zionisten Der Führer der amerikanischen Zionisten, Lotus Lipsky, hatte, wie erinnerlich, vor einiget Zelt in einer auch in Europa viel beachteten Rede (S. ״J. R,“ Nr. 17 vorn 2. März d. J.) den Anspruch der amerikanischen Zionisten auf eine erhöhte Anteilnahme an der Führung der zionistischen Geschäfte begründet. Diese Auslassungen hatten der Londoner ״Jewish World“ zu einer scharfen Kritik Anlaß gegeben. ״The New Palestinc" setzt sich in der Ausgabe vom 16. April!9-6 mit dieser Kritik in einem offiziellen Artikel auseinander und legt den amerikanischen Standpunkt nochmals ausführlich dar. Wir übergehen die Polemik gegen die ״Jewish World“ und beschränken uns auf die gekürzte Wiedergabe der prinzipiell wesentlichen * Ausführungen. Man wird sich erinnern, schreibt das Blatt, daß Herr Lipsky, als er im Februar aus London zurückkehrte, dem Landes-Fxekutiv-K'omitee der Zionistischen Organisation von Amerika über seine Beobachtungen, die zionistischen Zustände in London betreffend, Bericht erstattete. Er erklärte, daß die Mitglieder der Exekutive nicht etwa aus Mangel an Fähig'• keit, sondern weit sie hinter sich nicht die geschlossene Autorität und Unterstützung einer organisierten und verantwörtlichen zionistischen Organisation fühlten, nicht imstande seien, klare Entscheidungen zu treffen und feste Pläne zt» verfolgen. Um d a h e r die Bewegung zu stabil!• s i e r e r! und 1! m D r. W einn an 11, dem anerkanntes F i! 11 r e r der Bewegung, die Stütze der geistigen und moralischen Kraft der amerikanisehen zionistischen Organisation zu geben, ist es nach der A uf f assu!1 g des Herrn Lipsky nötig geworden, daß sich die amerikanischen Zionisten in höherem Maße als bisher an der Verantwortung für die Führung beteiligen. Die Darlegung der Situation und die liier gezogenen Schlußfolgennigen halfen ihren Ursprung in ernster Sorge um die Zukunft der Zionistischen Organisation, sic waren von tiefstem Verantwortlichkeitsgefühl getragen. Denn was sehen wir in der zionistischen Bewegung vor sich gehen? Die Organ i s a t i o!1 zerfällt allmählich in Parteien und Gruppen. Fs gibt zionistische Gruppen, die sich als Parteien organisiert haben und die so tief in ihren Parteiprogrammen und Parteischlagworten stecken, daß sie willens sind, alles zu zerstören, was irgendwie der Durchsetzung ihrer Rechte als Parteien im Wege steht, und die unter keinen Umständen zu einem Kompromiß bereit sind. Beim letzten Wiener Kongreß trat nach der Einbringung des Vertrauensvotums eine Gruppe nach der anderen auf die Tribüne und erklärte ihre Ablehnung ~~ nicht etwa bloß die Ablehnung der allgemeinen Politik der Leitung, die gewählt werden sollte, .und dies, obwohl sie wußten, daß Demonstration am Anfang des Kongresses unsere politische Stellung schädigen, die ganze Bewegung diskreditieren und die Arbeit der neuen Leitung während der nächsten zwei Jahre erschweren würde. Beim Kongreß kämpft man um den Wortlaut von Resolutionen, die keine praktische Bedeutunghaben. Die Diskussion verdichtet sich nie zu Majoritätsabstimmungen, die von innerer Autorität getragen wären. Die Minoritäten schüchtern die Majorität ein, diese scheut eine Abstimmung, die zur Spaltung führen könnte, und läßt darum den Minderheiten den Vortritt. Entscheidungen können daher, wenn überhaupt, nur schwer getroffen werden, und das beste, was bei einem schwierigen Problem geschehen kann, ist, daß man es in einer Fülle von Worten versteckt, die niemand je verstehen kann, und daraus eine Resolution macht. Die Gruppen reißen sieh um das Budget, und es ist kein vermittelnder Einfluß vorhanden, der in dem Wirrwarr Ordnung schaffen könnte. Wenn der Kongreß vorüber ist, so gehen die Parteien und Gruppen ihren eigenen Geschäften nach, sammeln ihre eigenen Fonds und überlassen es der neugewählten Exekutive, sich die Mittel, die sie für ihre Arbeit braucht, selbst zu suchen. Diese Situation hat zu einer Schwächung der Weizmannsehen Leitung geführt, nicht aber zu einer Schwächung von Dr. Weizmann persönlich. Das ist eine offenherzige Darlegung der Ansicht der amerikanischen Zionisten. Die Situation ins Grobe zu verzerren, bedeutet ein schweres Unrecht. Sie zu reduzieren zu Unzufriedenheit mit der Führerschaft von Dr. Weizmann, bedeutet, die Beziehungen Dr. Weizmantis zu den amerikanischen zionistischen Führern zu verkennen, und zweitens, das intellektuelle und moralische Niveau von Dr Weizmann selbst zu unterschätzen. Was den ersten Punkt angeht, so haben wir Dr. Weizmann in allen seinen Kämpfen seit der Gründung des Keren Hajessod selbstlos, ohne jede parteimäßigen Ambitionen zur Seite gestanden. Soll aber Dr. Weizmann Präsident einer Organisation bleiben, die dieser Bezeichnung wert ist, einer Organisation, die innerlich befähigt ist, Fortschritte zu erzielen, so müssen wir ihm unsere Hilfe so gewähren, daß wir die Möglichkeit eines Zusammenbruches ausschließen, der sowohl Dr. Weizmann persönlich als Führer, wie die Zukunft der zionistischen Bewegung in Mitleidenschaft ziehen würde. Unser Ziel ist, ihn frei zu machen für eine, durch vernunftwidrige innere Störungen, unbehinderte Arbeit, ihm die Möglichkeit zu geben, die Arbeit mit dem sicheren Bewußtsein zuverlässiger Rückendeckung auszuführen. Das Zentrum innerhalb der Zionistischen Organisation muß das Rückgrat der Verantwortlichkeit in zionistischen Angelegenheiten werden. Der Eckstein des Zentrums ist Dr. Weizmann. Das Zentrum wird auf dem Primat des nationalen Interesses in Palästina aufgebaut werden müssen. Es wird tolerant sein gegenüber allen Fraktionen, wird aber das Diktat keiner einzigen akzeptieren. Es wird darauf ausgehen, eine Leitung zu wählen, die arbeiten kann, ohne eine Sabotage ihrer Politik befürchten zu müssen. (Zum Schluß betont der Artikel nochmals den Willen der Amerikaner, an der Verantwortung für die Führung teilzunehmen.) Jabotinskys Abschied von Amerika Wladimir Jabotinsky, der soeben seine Vorfragstoui in Amerika beendet hat, war am 22 April Gast des Bruder- Ordens ״Bnei Zion“, der ihm zu Ehren ein Bankett gab. (Der Orden Bnei Zion hat sich den Revisionisten angeschlossen, wogegen sein Vizepräsident, Ab. Goldberg, in einer Erklärung protestiert hat.) Es sprachen der Präsident des Ordens Sol Friedland, Mr. Nathan Straus, der Hakoah-Präsident Dr. Körner aus Wien, Richter Strahl und der Herausgeber der ״jewish Tribüne“, Mr. Herman Bernstein. Oeflcilliche Hille lör ■cne Indnstriei Jerusalem, 24. April (P.C.) Das Handel- und Industriedepartement der zionistischen Palästina-Exekutive setzt seine Tätigkeit zur finanziellen Unterstützung neuer Industrien fort. Nach dem letzten Bericht erhielten die folgenden Unternehmungen Anleihen aus dem Keren Hajessod-Fonds: Eine Mühle in Afule; eine Kartonfabrik, eine kleine Textilfabrik, eine Teppichfabrik, eine kleine Seifenfabrik und eine Gerberei in Tel-Awiw; eine Fruchtkonservenfabrik in Mozah, eine Ziegelei in Haifa; eine Keksfabrik und eine Druckerei in Jerusalem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.