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Jüdische Rundschau · 1926-04-30 · Heft 33 (30.4.1926) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 33 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 240 Vom Wirtschaftsgeist im Orient Das Gefühl, mit welchem der Europäer — auch der curopäische Jude, wenn er nach Palästina auswandert — dem Leben des Orientalen begegnet, ist ein Gemisch aus Staunen und Verachtung, Staunen ob der Sonderbarkeit und Buntheit des Lebens, das ihm entgegentritt, Verachtung deswegen, weil er in diesem Leben alle Kategorien vermißt, die nach seiner Auffassung dem Leben Wert verleihen: Organisation, Technik, rastloses Vorwärtsstreben, Arbeit um ihrer selbst willen. Die Orientalen erscheinen ihm faul, zurückgeblieben, ein Sklavenvolk, das den europäischen Herrscher braucht. Neben der Selbstzufriedenheit, welche den Europäer überall charakterisiert, wo er mit fremden Völkern in Berührung kommt, ist diese Erscheinung des Orientalen auch durch gewisse Vorurteile genährt worden, die man speziell dem Islam entgegengebracht hat, dessen angeblichen Fatalismus man für die Ursache des Niedergangs verantwortlich machte, ohne sich freilich zu fragen, wie dieser selbe Islam einmal dem Orient die Blüte gebracht hat. In letzter Zeit beginnt man Vorurteile abzubauen. Anknüpfend an Max Webers religionssoziologische Studien beschädigten sich Carl Heinrich Becker und Reinhard Junge mit diesem Problem. Becker wies in seinem Aufsatz; ״Islam und Wirtschaft“ (im Archiv f. Wirtschaftsforschung jm Orient 1, 1016, Islamstudicn I, 1924), bei Betrachtung der mit der Wirtschaft verknüpften islamischen Institutionen auf die Entwicklungsfähigkeit des Islam hin; Junge (״Das Wirtschaftsproblem des näheren Orients“, Einleitungsaufsatz zu dem von ihm herausgegebenen Archiv f. Wirtschaftsforschung im Orient, 1916), ferner in seinem Buche: ״Das Problem der Europäisierung orientalischer Wirtschaft“, Weimar 1915, stellte den Satz auf, daß dem Orientalen ein ganz andersgeartetes Wirtschaft- Hohes Denken eigen sei als dem Abendländer. (Vergleiche Wilhelm Heffening in der Deutschen Litcraturzeitung 1926, S. ■183.) Alfred Rülil, Professor für Geographie an der IJni- ▼ersltät Berlin, hat im Verlag Quelle & Meyer ein Büchlein erscheinen lassen, welches der wirtschaftlichen Psychologie und Wirtschaftssittlichkeit des Orients gewidmet ist. Er wählte als Objekt seiner Studien Algier, weil gerade für dieses Land eine ausgedehnte Literatur vorhanden ist. Aber was er von Algier sagt, läßt sich leicht auch auf andere orientalische Länder und auf Palästina übertragen. Rühl tritt der schon erwähnten Ueberschätzung des Fatalismus im Islam entgegen. Nicht der Islam ist an dem Niedergang des Orients schuld, sondern Jahrhunderte lange Bedrückung und Aussaugung durch einen korrupten Absolutismus. Die Lasten, welche dieser Absolutismus der Bevölkerung auferiegte, waren so groß, die Sicherheit von Leben und Eigentum, die der Staat garantierte, war so klein, daß der Erwerbstricb der Bevölfcerung erstickt wurde. Was Rühl von der Sicherheit des Eigentums erzählt, erinnert lebhaft an das, was uns aus Palästina bekannt ist. Die Unsicherheit des Besitzes hatte zur Folge, daß die Besitzenden ihren Reichtum in solcher Form anlegten, daß sie ihn jederzeit verstecken oder flüchtend mitnehmen konnten. Die einfachste Form ist die, daß man die Frauen mit Geschmeide und Goldstücken behängt. Ein großer Teil des Volksreichtums liegt infolgedessen unproduktiv da. ln dieser jahrhundertelangen Gewöhnung liegt einer der -Gründe für die Schwierigkeit, dem Orientalen kapitalistische Methoden beizubringen, und seine Kapitalien mobil zu machen. Interessant sind einige Angaben, welche Rühl über die Hindernissc macht, die dem Fortschritt der Technik in Algier entgegenstehen. Ein Leben, das mit dem Religiösen Ernst macht, verträgt sich nicht mit raschen Veränderungen seines äußeren Stils. So erscheint denn der Orientale dem Europäer, der nur den sich ständig Wandelnden als sich verwandt fühlt, wegen seines Festhaltens am Hergebrachten, seinem Widerstand gegen alle Neuerungen als ein ihm fremdes und als ein untergeordnetes Wesen. Er vergißt dabei, daß auch das Tempo seiner eigenen Entwicklung erst in den letzten zwei- bis dreihundert Jahren einen stürmischen Lauf angenommen hat, daß auch er erst die Fesseln der alten Autoritäten lockern und abstreifen mußte, che jener Glaube bei ihm Allgemeingut werden konnte, der sich schließlich an die Stelle der Religion setzte und ihn zu einem eigenen Typus innerhalb der Menschheit machte: Der Glaube an den Fortschritt Dem ruhelos Drängenden muß der Orient innerhalb einer kurzen Zeitspanne als unbewegt und unbeweglich erscheinen. In besonderem Maße wird sich das Fehlen eines Aenderungsdranges auf jenem Gebiet geltend machen, auf dem er in Europa sein Haupttätigkeitsfcld findet, im Wirtschaftsleben. Man legt ja einmal diesem Teile des Lebens gar nicht jene dem Europäer selbstverständliche Bedeutung bei, vor allem aber liegt ein Hemmnis darin, daß jede Operation, jeder verwendete Gegenstand eine magische Bedeutung besitzt. Alles, was z. B. mit der Feldarbeit der Kabylen in Zusammenhang steht, trägt heiligen Charakter. Dies ist einer der Hauptgründe dafür, daß die Versuche, europäische Arbeitsmethoden einzuführen, meist gescheitert sind; man kauft wohl europäische Erzeugnisse, weil sie von der mühseligen Eigenherstellung befreien, aber man ist nicht geneigt, irgendwelche Abänderungen innerhalb des eigenen Produktionsprozesses vorzunehmen. Man lebt und arbeitet weiter so, wie es die Väter und Vorväter getan haben. Und nicht einmal imponieren läßt man sich durch die europäische Technik. Als ein französischer Offizier einem marokkanischen Heerführer einen Morsetelegraphen zeigte und einen großen Eindruck damit zu machen glaubte, erwiderte dieser ruhig: ״Ich habe im Hofe meines Palastes 303 Reiter, die die Wüste durchjagen, wenn ich ein Zeichen gebe“. Der grundlegende Unterschied zwischen europäischer und orientalischer Wirtschaft ist dieser: Dem Europäer sind die Nützlic 11 keits werte ständig bedeutungsvoller geworden und mehr und mehr in das Zentrum des Lebens gerückt: dem Orientalen sind sie noch peripher, und bei einem Leben, wie dem seinen, für das der M ensch in der Mitte steht, kann die Wirtschaft nicht erwarten, daß man ihr die Höchstleistuugen, deren man fähig ist, zukommen läßt Die orientalische Wirtschaft ist von einer ganz anderen Struktur wie die curopäische, sie ist eine Ernährungs- und keine Erwerbs Wirtschaft, (st körperliche Arbeit schon aus klimatischen Gründen eine Plage, so wird jene Wirtschaftsgesinnung in ihr nicht etwas finden können, was den Kern des Lebens ausmacht, den Tag und den Menschen ausfüllt, sondern ein auf das unbedingte Minimum zu Beschränkendes. Ein gewisses Maß von Müßiggang folgt schon aus einem Leben, das der Religion als Dominante untergeordnet ist. Der Tag des orientalisch•:•! Menschen ist nicht rationalisiert, nicht durch die Tätigkeit, sondern durch den religiösen Ritus geregelt. Er ergreift das, was gerade erledigt werden muß; eine regelmäßige, Tag für Tag ein gleiches Mindestmaß erreichende Arbeit, überhaupt die Arbeit als Gewohnheit keimt er nicht. Feste Zeiten einzuhalten, widerstrebt ihm aufs äußerste, alles vollzieht sich ohne Hast und Eile, und durch dieses gemäßigte, ausgcglichene Lebenstempo, durch die von der Religion geforderte Disziplin gewinnt das in der Oeffentlichkeit sich abspielende Leben eine Stimmung der Ruhe und Behaglichkeit. Was der Tag an positiven Werten gebracht hat, ist nicht Vollendung einer Arbeit — sie ist nur die Befreiung von einer Last —, cs waren vielmehr die Mußestunden, die man im Bazar und in den Barbierstuben, in den Kaffeehäusern bei der Pfeife oder Zigarette, beim Schach- oder Damespiel, bei der Besprechung der neuesten Tagesereignisse und beim Austausch des Ortsklatsches oder in stundenlangem Hindämmern zugebracht hat. Mluemmiangeii der Mi!»Partei Montag, 3.Hai: Residenzfestsäle,LandsbergerStr.31 Dienstag, +.Mai: Kais.-Priedr.-Schule, Knesebeckstr. Mittwoch, S.Mai: Sophiensäle, Sophienstraße 17-18 Montag, 10. Mai: Deutscher Hof, Luckauer Straße 15 Dienstag, 11.Mai: Schweiz.Hof, AmFriedrich8hain29-31 Dienstag, 11.Mai: Florasäle,Halensee,Joh.-Qeorg-Str.l Mittwoch, 12.Mai: Tiergartenhof, Charl.2, Berl.Str, 1-2 Mittwoch, 12.M1ti: Musikerfestsiile.Kaiser Wiih.-Sir.31 Sonnabend, 15.Mai: Stadthalle, Klosterstraße Besinn: B Uhr abends. T h e ra a: Segen reform-liberale Parteilierrscfiaft Für iilflisclie Gemeinpoiitik Keferenien: Apfel, Badt, Berta Budt - Strauss, Bloch, Blutneufeld, Fett, Goslar, Gronemann. Frau Gronetnann, Hantke, Hildesheimer. Hornstein, Kanowjtz, Kareski, Klee, Kollenscber, Kozower, Lolever, Frau Leszynsky, 1 ob, Löwe, Frau Löwe- Auerbach. Rau, Egon Rosenberg, Max Rosenberg, Rothenberg, Sandler, Soloweitschik, Teilhaber, Tugendreich, Lina Wagner- Tauber, Waldmann, Frieda Weinreich, Frau Wronski, Zwirn. Sieht der Europäer im Orientalen mir den Trägen, so ist er mit seinem nie ruhenden Veränderungsdrange, seiner Ueber- Schätzung der äußeren Ausstattung des Lebens, seiner Anbetung des Vorteils und der Macht nur ein Gegenstand der Verachtung für den Orientalen. Er gilt ihm als gottlos, als im Materialismus völlig versunken, entmenschlicht, allem Uebersinnlichen unzugänglich; man kennt und fürchtet seine Macht, aber man stemmt sich ihm entgegen. ״Alles, was vom Osten kommt, ist gut, außer dem Wind, und alles was vom Westen kommt, ist schlecht, außer dem Regen“, lautet ein arabisches Sprichwort. Ein weiterer wichtiger Unterschied der Wirfschaftsgcsinnung des Orients vom Okzident ist die Steilung des 111 d i v I - du ums. Beim Orientalen existiert das Individuum nur gegenübör seilten Verwählten, es zählt nur als Mitglied einer Großfamilie, einer Religionsgemeinschaft, eines Stammes, einer Bruderschaft, und das Ideal wird nicht in der Behauptung und Durchsetzung der Persönlichkeit gesehen, sondern vielmehr gerade in der Aufgabe des Individuellen und in der Hingabe an etwas Allgemeines. Es ist leicht, hier verwandte Züge mit dem Judentum zu entdecken. Der Mohammedaner ist der Uehcrzeugung, daß gemeinsam verrichtete Gebete wirksanier sind als andere, seine Stellung gegenüber dem Armen, die offene Tafel, welche die von den Eingeborenen verehrten Heiligen hatten, an deren Tisch täglich mehrere hundert Menschen speisen, erinnert vielfach an jüdische Züge. Das ganze Wirtschaftsleben ist nicht von dem Gedanken der Konkurrenz durchzogen, das herrschende Prinzip ist vielmehr das Zusammenwirken. Die persönlichen Beziehungen innerhalb des Stammes sind sehr eng, es existiert eine weitgehende Solidarität. Der Wirtschaftsstil weist also Züge auf, die ihn dem primitiver Völker naherücken, andererseits solche, wie sie zum Bilde des europäischen Wirtschaftslebens im Mittelalter und bis in den Beginn der Neuzeit gehören. Hinsichtlich der gesellschaftlichen Struktur liegt eine Gemein- Schaft im soziologischen Sinne vor, ein enges Verbundensein der einzelnen Mitglieder, und hieraus folgt auf Wirtschaftliebem Gebiet, daß der einzelne kein isoliertes, selbständig handelndes Wirtschaftssubjekt ist. Das interessanteste Problem, das einer solchen Untersuchung gestellt war, ist wohl dies: Wie wirkt der Wirtschaftsgcist des Orients im Zusammcnprall mit den Methoden des Okzidents? Ist es möglich, daß diese auf so ganz anderen Kategorien aufgebaute Welt dem Siegeszug des Kapitalismus Widerstand leistet? Die äußere Beobachtung, wie wir sie in Palästina anstellen können, gibt keine klare Antwort. Wir sehen auf der einen Seite, wie sich die Araber, besonders in den Städten, rasch der Technik des Europäers anpassen (Autos usw.), auf der andern Seite sehen wir sie noch immer stundenlang in den Kaffeehäusern herumsitzen wie früher. Wenn man Araber selbst nach der Wirkung der europäischen Methoden fragt, klagen sie darüber, daß Religion und Iierkominmen untergraben seien, daß die herkömmlichen Fasten nicht mehr gehalten werden i.sw. Aber es ist fraglich, ob diese Anpassung nicht vielleicht nur gewisse assimilierte Kreise in der Stadt ergriffen hat. Auf die wichtigste Frage, wie weit der Wirtschaftskreis des Orients dem Okzident gegenüber widerstandsfähig ist, gibt Rühl leider keine Antwort. h. b. Abraham Reisei 50 Jahre all 13er hervorragende jüdische Lyriker und Erzähler Abraham Reisen, der seit mehreren Jahren in New York lebt, ist in ■diesen Tagen 50 Jahre alt geworden. Dem Dichter sind aus diesem Anlasse zahlreiche telegraphische und brietliehe Begrüßungen aus allen Ländern der Welt zugekommen. Ein Komitee aus bekannten Schriftstellern und Kultur-Funktienären hat sich gebildet, um den populären Dichter würdig zu feiern. Abraham Reisen ist der Dichter der jüdischen Armut, die er ergreifend und mit ungewöhnlicher Oestaltungskraft darzustellen weiß. Ein Denk-.:׳: ' •r :In! Schöpfer des Esperanto, Di. Lud• wig Z a m ciilud, wurde auf seinem Grabe aut dem Friedhoi der Warschauer jüdischen Gemeinde feierlich .enthüllt David Ellsteil wieder in Rnßiand Moskau, 22. April. (J. T. A.) Der bekannte jiddische Lyriker David Hofstein, der vor etwa zwei Jahren wegen seines Eintretens für die hebräische Sprache mit der jiddischen Kulturliga in Konflikt geriet, Rußland verlassen und sich einige Zeit in Europa und Palästina aufgehalten hat, ist vor kurzem wieder nach Moskau zurückgekehrC In einem Schreiben an die jüdisch-kommunistische Tageszeitung ״Limes“ bedauert er seine frühere Stellungnahme und spricht die Hoffnung aus, daß man ihm die Möglichkeit geben wird, sich an dem Aufbau des neuen Lebens der jüdischen arbeitenden Massen in Rußland zu beteiligen. Im Januar 1921 wurden dem Volkskommissar für Angelegenheiten der Nationalitäten, Stalin, ein von Hofstein, dem berühmten Literaturhistoriker Gerschonson (seither verstorben), dem bekannten Komponisten Prof. David Schorr (jetzt in Palästina), dem Komponisten Gnessin und dem berühmten christlichen Philologen Prof. Marr unterzeichnetes Memorandum überreicht, in welchem gebeten wurde, die hebräische Sprache als Unterrichtsgegenstand sowohl in den jüdischen Mittelschulen wie auch in den Elementarschulen einzuführen. Hierbei wurde gegen die jüdische Sektion der kommunistischen Partei Stellung genommen. Die Leitung der jüdischen Kulturliga in Moskau veröffentlichte damals eine Gegenerklärung, in welcher die Behauptung, daß Hebräisch die Sprache der jüdisehen Massen ist, als absurd zurück ge wiesen wurde. Hofstein, der Mitglied des Zentralkomitees der Kulturliga war, wurde ausgeschlossen. In einer diesbezüglichen Resolution wurde erklärt, Hofstein werde von der Kulturarbeit für die jüdischen Massen solange ausgeschlossen bleiben, bis er öffentlich seinen Irrtum bekennen wird. — Durch sein Schreiben an den ״Emes“ ist Holstein dieser Aufforderung nachgekommen. Dies ist (nach Bergelson) der "zweite Fall von Abdikation. Es scheint eine neue Methode des Terrorismus zu sein, mit dem die Jewsekzia Eindruck auf die Welt machen will. Die jüdische Krim - Konlereiz gegei Ueehaluz Moskau, 12 April. (J. T. A.) Das Zentralkomitee des russischen liechaluz hat der Konferenz der jüdischen Arbeiter, Handwerker und Kolonisten der Krim, die in Straferopol abgehalten wurde, ein Begrüßungstelegramm geschickt. Mit allen gegen sechs Stimmen wurde beschlossen, die Begriißung zurückzu weisen. Die Redner, die für llech.iluz sowie andere zionistische Richtungen eingetreten waren, begegneten großem Widerspruch. Den Zionisten-Sozialisten wurde vorgeworfen, daß sie durch ihre Proklamationen eine feindliche Stimmung gegen die Sowjetmacht erregen wollen. — Der Konferenz wohnten 250 Delegierte bei, von denen 25 Prozent Kommunisten waren. Moskau, 12. April. (J. T. A.) Eine Gruppe unpartel« isclicr jüdischer Funktionäre intervenierte bei der Sowjetregie• rung, daß die vor kurzem verhafteten Mitglieder des Zentral« komitecs des H c c h a 1 u z freigelassen werden. Die Regierung erwiderte, es sei nicht zu umgehen, daß die Verhafteten vor Gericht abgeurteilt werden, da man eine Geheim« druckerci des Hechaluz entdeckt hat, in der antibolschewistische Proklamationen hergestellt wurden. Die Sowjelregieraitg mtersttttzt die!Mische Koinisilioi Moskau, 18. April (J. T. A.) Die Regierungskommission für jüdische Landansiedlung ״Komzet“ beschloß, 250 000 Rubel zur Verfügung zu stellen, damit 500 der ärmsten jüdischen Familien die Möglichkeit gegeben wird, sich im Kreis von Krivojrog auf dem Lande anzusiedeln. Ferner wurden 120 000 Rubel für Ansiedlung jüdischer Landarbeiter in Weißrußland und 25000 Rubel für die Ansiedlung kaukasischer Bergjuden bereitgestellt. Auch wurden 200 000 Rubel für die Vorbereitung der Herbstansiedlung in der Krim und der Ukraine reserviert. Für die Vorbereitung der Siedlung im Saalsk-Distrikt wurden 700(» Rubel ausgegeben. Konferenz jüdischer Student» in Odessa Ende März wurde in Odessa die erste Konferenz der jüdischen Studentenschaft geschlossen. Es wohnten ihr 252 Delegierte aus 21 Hochschulen, die 3780 jüdische Studenten vertraten, bei. Von den Eltern der Delegierten sind 89 Arbeiter, 27 Bauern, 20 Handwerker, 71 Angestdlte und 28 Angehörige anderer Berufe. Von den Delegierten selbst sind 102 Arbeiter, 17 Bauern, 8 Handwerker und 101 Angestellte. 59 sind Kommunisten, 44 Jungkommunisten und 132 Unparteiische. Die Konferenz beschäftigte sich mit Fragen kultureller Arbeit unter den jüdischen Massen und der Mitwirkung der jüdischen Studenten am staatlichen Aufbau. In den Resolutionen wurde festgestellt, daß die jüdischen Studenten opferwillig kulturelle Arbeit unter den jüdischen Massen leisten wollen und bereit sind, ihre Kenntnisse in der jiddisehen Sprache zu erweitern. Auch wurde gefordert, daß in Hochschulen mit einer beträchtlichen Zahl jüdischer Studenten Jiddisch eineder Unterrichtssprachen sein müsse, ln einer weiteren Resolution wurde gegen diejenigen Zionisten Stellung genommen, die die jüdische Kolonisationsbewegung in Rußland bekämpfen. Rnmäiien in trag Im Prager Studenten haus, in welchem bisher die jüdischen Studenten mit den Angehörigen aller anderen Nationen, wie Tschechen, Russen, Deutsche, Ukrainer usw. in voller Einmütigkeit lebten, erschien am 26. März eine Abordnung von etwa 30 rumänischen Studenten aus Klausen bürg, Mitglieder des durch seine Pogromtätigkeit berüchtigten Medizinervereins, mit antisemitischen und taszistischen Abzeichen geschmückt. Viele liberal gesinntc Studenten, Juden wie Nichtjuden, sahen in dem ßenehmen der rumänischen Studenten eine Provokation und empfingen die Gäste mit Pfeifen. Der Direktor des Studentenhaus es, ein junger Ingenieur, ließ Polizei holen, die zwei Verhaftungen vornahm. Der Direktor ließ sich auch zu scharfen antisemitischen Aeußerungen hinreißen und schloß am selben Tage grundlos fünf Juden aus, die er als ideelle Führer der jüdischen Studentenschaft kannte. Am 27. März hielt die jüdische Studentenschaft eine Protestversammlung ab. Die etwa 350 Köpfe zählende Versammlung beschloß, die Leitung ultimativ aufzufordern, die ausgeschlossenen Mitglieder wieder aufzunehmen und den Direktor zu einer Zurücknähme der antisemitischen Aeußerungen zu veranlassen. Der Direktor antwortete damit, daß er die Ueberbringcr der Resolution wiederum ausschloß. Die Erbitterung unter der jüdischen Studentenschaft nahm erheblich zu. Ein öffentliches Interesse gewann die Angelegenheit dadurch, daß der Direktor erklärt hat, er werde einen Numerus clausus für die Aufnahme jüdischer Mitglieder einführen; er hat auch bereits Listen der jüdischen Mitglieder besonders anfertigen lassen. In der Prager Oeffentlichkeit hat der Konflikt großes Aufsehen erregt. Das Prager Studentenhaus ist von der American Young Mens Christians Association errichtet, die trotz ihres exklusiven Namens auch von amerikanisch-jüdischen Philanthropen sehr stark unterstützt wird und die ihre Institutionen allen Nationen und Konfessionen in gleichem Maße zur Verfügung stellt,

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