Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1926)
- Date
- 1926-04-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Eduard Meyer 3× ep/1026237
- Alfred Klee 1× ep/1023208
- Bertha Badt 1× ep/1028166
- Felix A. Theilhaber 1× ep/1009765
- Gotthold Weil 1× ep/1024120
- Haifa 1× ep/1047930
- Hans Goslar 1× ep/1013839
- Heinrich Loewe 1× ep/1024049
- Herbert Samuel, 1st Viscount Samuel 1× ep/1004878
- Kurt Blumenfeld 1× ep/1009257
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
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Seite 248 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33 ProL Eooard Meyer Ober Palästina Einer Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung folgend, sprach am 27. April, abends, im Logenhaus, Kleist- Straße, der Professor und frühere Rektor der Berliner Universität, Dt. Eduard Meyer, der soeben von einem dreiwöchigen Aufenthalt in Palästina zurückgekehrt ist, über seine Eindrücke und Erlebnisse in diesem Lande. Der Name des berühmten Gelehrten hatte ein sehr großes Publikum angezoeen. Per große Saal samt Ncbenräumen war überfü.lt. Zahlreiche Protessoren und Männer der Wissenschaft, Vertreter des Auswertigen Amtes, Politiker und andere Nichtjuden hatten sich eingefunden. Man war gespannt darauf, wie Professor Meyer, einer der besten Kenner der Urgeschichte Palästinas und des jüdischen Volkes — zugleich ein streng deutschnationaler konservativer Mann —, das neue Palästina und das neue Judentum gesehen hat. Nach einigen Begrüßungsworten des Präsidenten der Zionistischen Vereingung für Deutschland, Herrn Kurt Blumenf e Id, begann Prof. Eduard Meyer seinen Vortrag mit einer Uebersicht über die gegenwärtige politische Gestaltung des Mittleren Orient. Er legte die Grundzüge der Baitour- Deklaration dar und verweilte bei der von England vorgenommenen Trennung Transiordaniens von Palästina. Er anerkannte die strenge Unparteilichkeit des früheren High Commissiotier, Sir Herbert Samuel, der, obwohl selbst Jude und zionistischen Gefühls, dennoch die Vorschrift der Deklaration, daß beim Aufbau des jüdischen Heims die Interessen der anderen das Land bewohnenden Völkerteile geschützt werden müssen, streng erfüllte. Nachdem die Bemühungen Sir Herbert Samuels, dem Lande eine Verfassung und eiii Parlament zu geben, an dem Widerstand der Araber gescheitert waren, hat die jetzige englische Regierung des Landes diese Bemühungen nicht fortgesetzt; sie wartet anscheinend ab, ob nicht die Entwicklung der Wirtschaft allmählich auch die politischen Gegensätze ausgleich.cn wird. Die Niederlage der Haschimiten und das Emporkommen Ibn Sauds, mit dem sich nun England gut verträgt, hat eine neue Konstellation geschaffen, doch ist alles in diesem Teile der Welt noch unsicher. Die zentralarabische Bewegung strebt nach weiteren Kulturgebieten, vor allem nach T r a n s j o rd a 11 i e n. Zu bemerken ist, daß die Araber Palästinas sehr schart gegen die lostrennung Transjordaniens von Palästina sind und die Wiedervereinigung wünschen. Privatim wird versichert, daß England die Wiedervereinigung versprochen hätte. Die Engländer führen in Palästina ein mildes und gerechtes Regime, ganz anders als z. B. in Aegypten. Den Deutschen in Palästina ist das gesamte während des K ieges beschlagnahmte private und öffentliche Vermögen rückerstattet worden, sogar das Monumentalgebäude auf dem Oelberg, das jetzt Sitz der Regierung ist. Zwischen den verschiedenen Nationalitäten und Koniessionen im Lande herrscht ein gutes Einvernehmen und ein naturgegebenes Zusammenwirken. Höchst reizvoll war es, wie der gelehrte Vortragende an Hand der großen hebräischen Palästina-Karte ein geographisches Bild des Landes gab und das historische Palästina mit dem gegenwärtigen Palästina verglich. Die vielen Reste von Kulturstätten spätrömischer Zeit beweisen, daß das Land damals dicht bevölkert war. Heute aber merkt man, wie im Laute der Jahrhunderte das einst blühende Land verödete. Die einst fruchtbaren Täler des Jordans sind wüst, die einst dichtbewaldeten Berge und Hügel verkarstet. Die Ausrodung der Wälder führte dazu, daß die Wässer überall den Humus wegspülten.. Was aber einst fruchtbar war, kann es wieder werden. Eine rationelle Aufforstung eines Jahrhunderts kann Raum für zahlreiche neue Siedler schaffen. Auch das Jordan- Tal kann wieder zu einem intecsiven Kulturgebiet gemacht werden. Der Redner überging dann zur Schilderung der jüdischen Kolonisation im Lande, die sicir über den fruchtbaren, doch nicht sehr breiten Küstenstrich und neuerdings über das fruchtbare Tal Jesreel erstreckt. Die Gegend um Jerusalem wird landschaftlich nicht sehr in Betracht kommen. Jerusalem wird das geistige und politische Zentrum bleiben. Tel- Awiw bietet dem Fremden kein erfreuliches Bild. Man sieht sehr viele kleine Läden, sowie an den Sabbattagen einen großstädtischen Korso luxuriös gekleideter Frauen. Anders aber die Kolonien, wo die jüdischen Bauern ein wi:־kli:hes Leben der Arbeit führen. Die Kolonien bieten auch ein schönes landwirtschaftliches Bild, man erhält den Eindruck richtiger Bauernwirtschaft. Eine lebenskräftige Bauernwirtschaft ist ja die Grundlage jedes Volkes. Im Zentrum der Kolonisation liegt Haifa, eine Stadt der Arbeit. Nach vorzüglichen Grundsätzen werden das Technikum und die von Dr. Biratn geleitete jüdische Realschule geführt. Die Schüler werden zur praktischen Arbeit erzogen, der übertriebene Intellektualismus wird bekämpft. Der Redner bekundete seine rößte Achtung vor einer Reihe ihm persönlich bekannter ionisten, die gute Positionen autgegeben haben und sich nun der Arbeit in Palästina widmen. Einzig dastehend und Achtung gebietend ist der Versuch, hebräische Sprache und Kultur zu beleben, das Hebräische zur Umgangssprache zu machen. Der Redner hegt Bedenken wegen der sprachlichen Isolierung, er begreift aber, daß, wenn sich ein Volk wieder aufbauen will, es eine eigene Sprache und Literatur besitzen wolle. Prof. Eduard Meyer schloß seinen Vortrag mit der Fest- Stellung, daß die Juden danach streben mußten, eine selbsttätige Wirtschaft ohne Unterstützung von außen zu schaffen. Die Grundlage einer Volkswirtschaft ist ja die Eigenkraft der Bevölkerung. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem gelehrten Vortragenden reichen Beifall. Herr Kurt Blumenfeld dankte ihm und gab seinerseits ein Bild von der gegenwärtigen Lage des Landes, wobei er feststellte, daß der erste Eindruck von Tel-Awiw kein richtiges Bild vermittle. Auch Tel-Awiw ist eine Stadt der Arbeit, aber natürlich als das erste Reservoir der einströmenden Einwanderer notwendigerweise sehr unausgeglichen. Blumenfeld betonte, daß bei allen möglichen Verschiedenheiten der Beurteilung von Einzelheiten der Wert des in Palästina Geleisteten für uns Juden u. a. darin beruhe, daß wir die Möglichkeit haben, dort Gäste zu empfangen, die ein offen daliegendes jüdisches Werk, ein Ringen mit der Wirklichkc:', mit allen seinen notwendigen Unzulänglichkeiten, aber auch mit seinem echten Idealismus, kennen lernen. Lag b’ömcr in Palästina Zahlreiche Veranstaltungen werden zur Feier des ״Schriftstellertages“ für die Geulath Haarez am Lag b’Omer in Erez-Israel organisiert Die hebräische Oper, das hebräische Theater, die Vereinigung ״Ohel“, Chöre und Orchester — sie alle bereiten sich zu literarischen, künstlerischen und musikalischen Darbietungen vor. Veranstaltungen werden in Jerusalem, Tel-Awiw, Haifa, im Ernek, in Rischon, Rcchowoth, Petach Tikwah, Tiberias und Safed stattfinden, ln Ben Schemen wird eine palästinensische Jugendkonferenz abgehalten werden, welche über Wege und Mitte! zur Beteiligung an der Aufbauarbeit beraten soll. Herr Leib J a f f e, der Delegierte des K. H.-Hauptbüros, ist nach einer außerordentlich erfolgreichen Reise durch Estfand, Litauen und Finnland zu kurzem Peßach-Aufenthalt nach Palästina zurückgekehrt Herr Jaffe wird wieder nach Kowno reisen, um die vor kurzer Zeit dort begonn. .e K. H.- Kampagne fortzuführen. Jüdische Männer und Frauen! Der 16. Mai ist ein Schicksaltstag für die Berliner Jüdische Oerneinde. Durch die Neuwahl der gesamten Repräsentanten- Versammlung wird entschieden werden, in wessen Händen die Führung der Jüdischen Gemeinde in deu nächsten sechs Jahren liegen wird. Ihr jüdischen Männer und, zum ersten Male auch, Ihr jüdisehen Frauen werdet cic Wahl haben zwische 1 den sogenannten ״Liberalen“, die bisher die Vorherrschaft in der Gemeinde ausgeübt haben, den Vertretern eines übe :l ebten Systems, und denjenigen, welchen die jüdische Zukunft gehört. Warum bekämpfen wir diesen ״Liberalismus“? Weil er Verneinung und nicht kraftvolle Bejahung ist, weil er nicht Freiheit bedeutet, sondern Abhängigkeit von fremden, unjüdischen Ideen, weil er nicht Leben, sondern Erstarrung und Verflachung bringt, weil seine Politik nicht zur Erneuerung, sondern zur Entjudung und Auflösung führt. Unter der Vorherrschaft der Liberalen ist die üdische Gemeinde zu einer seelenlosen, nicht einmal gut funkionierenden Verwaltungsmaschinerie hefabgedrückt, der Gottesdienst fremden Kulten nachgemacht, die Unterweisung der Jugend auf die dürftigen Brocken beschränkt worden, die ein Religions-Unterricht in zwei Kurzstunden zu bieten vermag, der Gedanke der Einheit des Judentums mit Füßen getreten worden. Denkt an die Kämpfe der letzten Jahre, in denen die Liberalen von ihrer knappen Mehrheit rücksichtslosesten Gebrauch gemacht haben! Denkt an die Kämpfe um die jüdische Schule, in welchen die Liberalen nur unter unserem unablässigen Drängen sich winzige Zugeständnisse abringen ließen! Denkt daran, daß die Liberalen es waren, welche einem unserer bewährtesten Männer die Schulverwalt u n g aus den Händen gerissen haben, um sie einem Analphabeten in jüdischen Dingen auszuliefern! Vergeßt den Liberalen nicht, daß während ihrer Vorherrschaft Jahrzehnte hindurch jeder Versuch der Demokrat!- sierung des Wahlrechts verhindert wurde und ihnen Frauen- und Proportion al wähl rech t erst in schweren Kämpfen abgerungen worden sind! Wollt Ihr diese Parteiherrsehaft, die eiji Hemmnis jeden Fortschrittes ist, weiter dulden? Nein! Das kann Euer Wille nicht sein! Ihr werdet am 16. Mai Männer und Frauen wählen, welche eintreten für die Pflege der jüdischen Traditionen uad Geschichte, fürdiejüdischeSchule, für eine wirksame Bekämpfung der Austrifte, Mischehen und Taufe, für eine auf alt jüdischer sozialer Grundläge beruhende, nach modernsten Methoden arbeitende Sozialpolitik, für die Stärkung des Klal-Jisroel-Gedank ens, für die Mitwifk^nf *וי den großen Aufgaben des Oesamtjudentums, für die Mitarbeit am Aufbau der jüdischen Heimstätte in Erez JIsrael, welche dafür eintreten, daß in der Berliner Jüdischen Oemeinde ein neues Leben erblühe, das dem gesamten Judentum zur Ehre gereicht. Jüdische Männer und Frauen! Gebt uns endlieh einmal löglichkeit, unsere Kräfte zu erproben, schafft uns den Boden, auf dem wir unseren jüdischen Willen in die Tat umsetzen können. * Am 26. April haben sämtliche Parteien bei dem Wahlkommissar ihre Kandidatenlisten für die am 16. Mai stattfindenden Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde eingereicht Kandidatenliste der Jüdischen Volkspartei. (Liste Klee.) 1. Dr. Alfred Klee, Rechtsanwalt und Notar, NW, Altonaer- Straße 7. 2. Prof. Dr. Heinrich Löwe, Oberbibliothekar an der Universitäts-Bibliothek, NW, Flenun'ngstraße 12. 3. Hans Goslar, Oberregierungsrat, W 50, Rankestr. 33. 4. Marcus Hornstein, Kaufmann, Kurfürstendcmm 182. 5. Dr. Arthur Rau, Landgerichtsrat, N, Reinickendorfer Straße 26/27. 6. Gustav Löss er, Kaufmann, NO, Braunsberger Str. 5. 7. Lina Wagner-Tauber, Wilmersdorf, Uh'.anastr. 116/17. 8. Dr. Abraham Löb, Rechtsanwalt und Notar, Wilmexsdorf, Güntzelstraße 3. 9. Arthur Rothenberg, Konfektionär, Charlottenburg, Friedbergstraße 29. 10. Moses Waldmann, Redakteur, W 15, Meinekestr. 10. 11. Philipp Kozower, Rechtsanwalt, C, Peststraße 12. 12. I. Leser, Kaufmann, N, Rosenth?ler Straße 4L 13. Siegmund Rochewsohn, Kaufmann, N, Schönhauser Allee 9a. 14. Pinkus Hauser, Kaufmann, Gormannstraße 2. 15. Frau Studienrat Dr. Bertha Badt-Strauß, NW, Wullenweberstraße 8. 16. Isidor Engländer, Kaufmann, N, Schönhauser Allee 186. 17. Leo Kreinaler, Obersekretär, W 15, Pfal?burger Straße 10. 18. Adolph Caro, Zahnarzt, SO, Cöpenicker Straße 89. 19. Julius Hirsch, Kaufmann, Neue Friedrichstraße 60. 20. Jean Hei b י Fabrikant, NO, Bötzowstr. 30. 30. Dr. Felix A. Theilhaber, Arzt, Uhlandstraße 63, Salo Lent, Sehneider, Pappelallee 2. 23. Frau Betty Leszynsky, Bayreuther Straße 35. 24. Hugo Wolfermann, Destillateur, NO, Lippehner Straße 9. 25. Benno Cohn, Rechtsanwalt, NW, Claudiusstraße 11. 25. Adolf Glaser, Kürschner, Charlottenburg, Bleibtreustraße 49. 27. Dr. Edgar Großmann, Rechtsanwalt, Charlottenburg, Weimarer Straße 28. 28. Max Holz, Kürschner, Lychener Str. 115. 29. Dr. Siegfried Kanowitz, Arzt, Westfälischeste 62. 30. Isidor Schweriner, Rentier, Fasanenstraße 49. 31. Dr. Alois Sadger, Arzt, Weißenburger Straße 9. 32. Dr. Jakob Tugendreich, Arzt, Grunewald, Winklerstraße 28. 33. Dr. Max Rosenberg, Rechtsanwalt und Notar, Alexanderstraße 13. 31. Prof. Dr. Gotthold Weil, Universitätsprofessor Dir. an der Staatsbibliothek, Charlottenburg, Goethestraße 12. 35. Prof. Simon Dubnow, Schriftsteller, Schmargendorf, Charkritenbrunnerstr. 3. ♦ | Die von der zionistisch-sozialistischen Partei P o a 1 e Zion ringerrichte Liste weist die folgenden Namen auf: 1. Dr. Oskar Cohn, 2. Salomon Aaler-Rudel, 3. Alfred Berger, 4. Samuel Lifschitz, 5. Abraham Thorner, 6. Dr. Werner Fraustädter und noch eine Anzahl weiterer Namen. Ostjadendebatte In der Repräsentanten •Versammlung (Von unserem Berichterstatter.) Tn der letzten Sitzung der Repräsentanten-Versammlung war es die Interpellation der Volkspartei über die Duisburger Rede des Reformpredigers Dr. Karl Rosenthal, die den größten Teil der Sitzung in Anspruch nahm. Die Interpellation wurde begründet mit einer Rede des Mitgliedes der Fraktion Professor Dr. Heinrich Loewe. Der Redner wies aut das Ungeheuerliche hin, daß Herr Dr. Rosenthal in eine Gemrinde, deren sämtliche Instanzen sich über die Einführung der jüdischen Schule einig waren, gegangen sei, um aut Wunsch einiger Mitglieder einen Streit darüber herbei zu• führen. In einer Versammlung, die von den schulteindlichen Elementen einberufen war, hat Herr Dr. Rosenthal beleidigende Aeußerungen gegen die Ostjuden in ihrer Gesamtheit getan. Er hat von einem Geist der Unsauberkeit ge» sprochen, den die Ostjuden nach Deutschland gebracht haben, Professor Loewe weist diese Aeußerungen mit Entschieden- 119*. 2“™riu Niemand habe das Recht, die Ostjuden in einer Weise, wie dies hier geschehen sei, zu verunglimpfen. Der Redner verliest aus dem Bericht über die Rede des Herrn Dr. Rosenthal einzelne Stellen und kommt zu dem Ergebnis, daß es untragbar sei, wenn ein solcher Mann ungerügt weiter sein Amt als Prediger und Religionslehrer ausübe. Herr Justizrat Mako wer vom Gemeindevorstand verliest eine Erklärung der Retormgemeinde, nach der Herr Dr. Rosenthal die ihm zur Last gelegten Aeußerungen bestreitet. Demgemäß sehe der Vorstand keine Möglichkeit, da die Aussagen einander widersprechen, von sich aus in den Streit einzugreifen. Die Ausführungen des Vorstandsvertreters werden von dem nächsten Redner der Volkspartei, Herrn Dr. Klee als unberechtigt bezeichnet. Der Vorstand habe kein Recht, auf Grund der einseitigen Darstellung des Herrn Dr. Rosenthal zu erklären, daß er nichts unternehmen könne» Wolle der Vorstand Klarheit in dieser Sache schäften, dann war er verpflichtet, beide Seiten zu hören. Der Bericht über die Rede des Herrn Dr. Rosenthal stützte sich aut genaue stenographische Aufzeichnungen, an deren Richtigkeit kein Zweitel erlaubt sei; Der Vorsitzende der Repräsentanten-Versamm-׳ lung der Gemeinde Duisburg und führende Mitglieder des Vorstandes und'der Repräsentanten-Versammlung haben Herrn Steinhardt ausdrücklich bestätigt, daß der von ihm veröftentlichte Bericht in allen Punkten •richtig ist. Die jüdische Volks- Partei verurteilte die Haltung des Herrn Dr. Rosenthal. Wir können einen Unterschied zwischen Ost- und Westjuden nicht anerkennen. Wir wissen, daß hervorragende und wichtige Erkenntnisse im Judentum aus dem ostiüdischen Kulturpreise stammen. Wir •wissen auch, daß eine Reihe großer Männer, die führend für die Gesamtheit des Judentums tätig sind, aus dem Osten unseres Erdteiles gekommen sind. Und wir wissen darum den Brüdern in den östlichen Staaten Dank, wissen ihnen auch Dank für die Opterbereitsehaft und die Zähigkeit, mit der sie ihre Zugehörigkeit zum Judentum dauernd bekundet haben. Von der liberalen Seite spricht zunächst Herr Sonnen• f e 1 d, der naturgemäß den Nachdruck aut den formalen Umstand legt, daß der Stenograph, der die Rede des Herrn Dr. Rosenthal mitgeschrieben habe, wahrscheinlich ohne Eintrittskarte in die als vertraulich bezeichnet gewesene Ver- Sammlung gelangt sei. Herr Rechtsanwalt Stern glaubt einerseits nicht, daß Herr Dr. Rosenthal so gesprochen hat, wie der Bericht es anführt, andererseits sagt er, daß auch die Liberalen den Ostjuden freundlich gegenüberstehen. Diese Freundlichkeit der Liberalen äußert sich in der Abstimmung in sehr bezeichnender Weise. Als nämlich die «VoBispartei un# 1iie Konserwatiye» einen Antrag «inbdngen, in dem« erklärt wird, die RepräsentantemVersaramlung״miß• billige aufs schärfste die in Duisburg gefallenen, die Ost• iudenheit kränkenden und herabsetzenden Aeußerungen des Predigers Dr. Rosenthal, da stimmen sämtliche Liberaien geschlossen mit Nein. Zu diesen Neinsagern . . F ü r den Mißbilligungsantrag stimmen die Mitglieder der Volkspartei und der konservativen Arbeits-Gemeinschaft, deren Redner, Herr Moritz A. Loeb entschiedene Worte gegen die Aeußerungen des Herrn Dr. Rosenthal findet. Ke Debatte in der Repräsentanten-Versammlung dürfte mit Deutlichkeit gezeigt haben, daß die Liberalen in der Berliner Gemeinde keinerlei Verständnis für den Geist der Zusammengehörigkeit im Judentum haben. H. Grünberg. 0er Ursprung der polnischen Jaden Im Verein der jüdischen Schriftsteller und Journalisten in Warschau hielt der bekannte jüdische Geschichts- und Sprachforscher, Dr. Mathias Mises einen Vortrag über das Thema: ״Aus welchen Ländern sind die Juden nach Polen gekommen?". Seine Ausführungen stützten sich auf historische Quellen, sowie aut philologische und etymologische Studien. Er widerlegte die Meinung mancher Historiker, die behaupten, die Juden Polens seien einerseits aus Frankreich über Deutschland gekommen, anderersei s stammen sie von den Cosareii ab. Er wies nach, daß der Hauptteil der polnischen Judenheit ausden Alpenländern nach Men eingewandert ist. Das Hauptelement des polnischen Jiddisch stammt vom deutschen Dialekt in den Alpen’ändern. Sogar die slawischen Worte des Jiddisch sind nicht dem Polnischen oder Ukrainischen entnommen, sondern der Sprache der Slovenen, die in den Alpenländern leben. Nach Polen kamen die Juden aus Tirol, Bayern, Steiermark, wo bis zum 15. Jahrhundert Juden in großen Massen gelebt haben. Das polnische Jiddisch nähert sich am meisten dem bayerischen Dialekt und enthält Elemente der englischen Sprache, woraus hervorgeht, daß nach der ersten Vertreibung der Juden aus England ein Teil der Vertriebenen über Norddeutschland nach Polen gekommen ist. Anthropologisch ist dei polnische Jude dem Aipen-Typus ähnlich. Die große Zahl italienischer Worte im Jiddisch weist darauf hin, daß der polnischen Juden Vorfahren, bevor sie nach den Alpenlänaern kamen, in Italien gewohnt haben, wohin sie aus Palästina . ... . ~ nung. Eine VerSflentlichnag der Hebräischen Universität Jerusalem, 24. März. (P. C.) In dem ״Bericht übet eine Expedition nach Südpalästina“ von Adolf Reifenberg Forschungsassistent am biochemischen Institut der Hebräischer Universität, wird über das Vorhandensein von Pe troleum südwestlich des Toten Meeres in der Gegend von Kurnub berichtet. Der Bericht ist in hebräisch und eng• lisch unter der Redaktion von Prof. A. Fodor, dem Dirck tor des chemischen Instituts der Hebräischen Universität veröffentlicht und ist die erste Publikation über die wissen• schäftliche Erforschung Palästinas seitens eines Mitarbeiters an den Universitätsinstituten. Eine Uebersicht über die lokaler geologischen Verhältnisse von Dr. L. Picard ist der Arbeit oeigegeben; der Bericht bringt die Resultate der Analysen dei Asphalt- und Phosphat-Ablagerungen, sowie der Bodenatiaiyser in den Gegenden von Beerscheba und des Toten Meeres. Das Buch ist reich illustriert.