Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1926)
- Date
- 1926-04-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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33 Nr. 33 JUEDISCHE RUNDSCHAU en ge- 1 viel•?!arten• tc, sic 1 Weg insercs :rt der elmchr rmaler lassen, schlich;ungen g von mit Vct- 'egrüßt iberias, Öunam großen vom lunath• gestellt, edro o ent- 11 sehr :n ist. 11 zum er im :n mit Mesoin der ichchu• 1 und :nschen it eine hlossen ’lachen gemein hkeiten r land- Ebene Vib'eitsssenen, bunathtif das r Stadt iserung npreise : große gegeairnndem Owdim m alle NVohlc I str. 10, En.-des Städter er den tge der indes : führte rtender 11 g an:;n Ver- ־band jehuß Fes. ar aus: Mitglie- :rn des deutsch־ lischen, lisation, einem ter des verband erbändc Minien je über uß zur :htlinien 1. 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Nachdem an den Präsidenten der Organisation eine Reihe von luterpellationen über die Lage der Immigration, über die Frage der Dschiflikböden der Regierung, über die Angelegenheit der Gendarmerie, über die Araberfrage im allgemeinen und /!!letzt, von revisionistischer Seite, über die grundsätzlichen Linien der Politik der Exekutive gerichtet worden waren, ant- «־ortete Weizmann in einer längeren Rede, die im ״Da war“ vom 13. April auszugsweise wiedergegehen ist. Wir geben diesen Bericht hier noch ergänzend wieder: Dr. Weizmann erwiderte zunächst dem letzten luterpcllanten. ״Der Ort“, sagte er, ״für die Beantwortung dieser frage ist der Kongreß.' Hier werde ich nur über praktische Probleme sprechen. Ich hatte eine Unterredung mit Lord P 1 u m e r , die erste in Palästina nach unserer Aussprache in London. Ich gab dem High Commissioner einen Ueberbück aber die Lage und sprach besonders ausführlich über die G c n ־ darmeriefrage Die Antwort des High Commissioner war, daß dem fiir die Zusammenstellung des neuen Grenzkorps verantwortlichen Beamten Order gegeben werde, jeden Juden, der sich an meldete, a 11 z 11 n e 11 m c n, wenn *r nur den allgemeinen Anforderungen genüge. Diese Vcrordntmg ist im Regierungsblatt veröffentlicht worden. Es heißt dort, daß alle Bürger Palästinas ohne Unterschied in das Grenzkorps aufgenommen werden würden. Der Text der Verordnung steht mit unseren Forderungen!lieht ganz i m Einklang. Immerhin hat mich der High Commissioner durch seinen Adjutanten, ich möge bekannt geben, daß diese Verordnung eine Folge meiner Vorstellungen sei. Was die Frage der Immigration anlangt, so wird unsere Forderung nach Zertifikaten nicht in vollem Umfange erfüllt werden, wir werden aber einen Teil der beantragten dreitausend Zertifikate in nächster Zeit erhalten. In der F r a g c der Regierungsbö d e 11 geht der Kampf weiter. Der liigli Commissioner sagte die Einsetzung einer besonderen Commission ,zur Untersuchung dieser frage zu, und es wird an uns sein, auf dem Posten zu sein. Ueber die Lage im allgemeinen kann ich mir sagen: Jeder weiß, daß wir für unsere Arbeit Geld brauchen. Dieses Geld kann man auf doppelte Weise beschaffen, dadurch, daß mau die Einkünfte des Keren Hajessod steigert, oder daß mau neue Mittel sucht. Für die Vergrößerung der Einkünfte des Keren Hajessod ist bereits alles Erdenkliche geseheheil. Alle Kräfte, über die wir überhaupt verfügen, wurden bereits mobilisiert. Neue Wege führen zu der Anleihe. Ich bin bereit, in dieser Angelegenheit nach Amerika zu gehen. Um mich hierauf vorztibereifen, kam ich nach Palästina, um mit Hilfe der hiesigen Instanzen das erforderliche Material zu sammeln. Die Antwort auf den Brief Chainbcrlaitis an die Mandatskommission, in der unsere Forderungen nicht in gehöriger Form vertreten worden sind, wird an dem passenden Ort — in Genf gegeben werden. Es ist die Aufgabe des Waad Leumi, mit einer Aktion beim Völkerbund zu beginnen. In dieser Beziehung ist eine Teilung dep Funktionen zwischen Waad Leumi ff)£c|׳"der ' J e w i'9JrrÄ ge 11 cy erforderlich. 'Jeder!einzelne ist kompetent, über einen besonderen Kreis von Angelegenheiten zu sprechen. Die Vorbereitung für die Junisitzung der Mandatskotnmmission muß sogleich beginnen. Was unsere B e z i e h 1111 gen zu den A r a b e r 11 a 11 - belangt, so stehe ich gerade im Begriff, gewisse Schrille zu tun, und werde nötigenfalls über die Resultate durch die Presse berichten lassen. Allgemein ist zu sagen, daß wir immer stärkeren Einfluß im Lande gewinnen, und dies wirkt im guten und im schlechten Sinne. Die öffentliche Meinung der Welt, i!1 England, in Frankreich, im Völkerbund ist für uns günstiger geworden. Andererseits sind wir stark genug geworden, daß unsere Gegner ernst mit uns rechnen, 01111c daß wir aber so kräftig wären, alle ihre Angriffe abwehren zu können. Diese Lage ist nun einmal das Schicksal unserer Generation. Das ist kein Trost, aber eine Tatsache, Wir müssen unsere politische Arbeit ausdehneu und verstärken. In Genf werden wir gegen jeden Versuch, die O r e n z e 11 zwischen einem Mandatsland und einer einfachen Kolonie zu verwischen, zu kämpfen haben. Gleichzeitig müssen wir natürlich unsere Position im Lande verstärken, die nach wie vor das stärkste politische Argument bleibt: Wenn die reale Arbeit in Palästina stockt, so ist auch die politische Wirkung nach außen eine ungünstige. Unser Vorgehen kann niemals ein stürmisches sein — das ist jedenfalls die Auffassung der gegenwärtigen Exekutive.“ James N. Rosenberg in Berlin Der erste Vizepräsident des amerikanisch-jüdischen Joint Distribution Committee, Herr James N. Rosenberg, einer der Führer der amerikanischen Judenheit, weilte in den letzten zwei Tagen in Berlin, von wo er sich zu einem längeren Besuch der jüdischen Kolonien in Rußland in Begleitung des Leiters der Joint-Arbeit in Europa, Herrn Dr. Bertihara Kahn, begab. Zur Begrüßung des Herrn Rosenberg versammelten sich am Dienstag Abend im Hause von Herrn und Frau Dtv Bernhard K a 11 n ־zahlreiche in Wissenschaft, Polilik und sozialer Arbeit führende Persönlichkeiten des deutsehen Judentums, sowie Führer des Judentums in Osteuropa. Man bemerkte Prof. Albert Einstein, Prof. Mittwoch, Prof. M. Sobernlieim, Dr. Paul Nathan, den Präsidenten des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Brodnitz, Abg. Dr. Oskar Cohrt, den Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blum e 11 f e I d und Vizepräsidenten Dr. Martin Rosenbliith, Rabh - ■ Dr. Mayer Hildesheim, den Präsidenten des Verbandes ,der rassischen Juden Deutschlands Staatsrat Jacob Teitel, Prof. Dr. Brutzkus, aus Polen Senator Szcreszfcwski und Dr. Klumel u. a. 11t. Es fand eine sehr interessante und anregende Aussprache zwischen Herrn Rosenberg und den europäischen jüdischen Führern über die Lage des jüdischen Aufbauwerkes in Osteuropa, insbesondere der Kolonisation in Rußland statt. Zum Schluß gab Herr Dr. Kahn Erläuterungen zu sehr interessanten Lichtbildern aus dem Leben in den russischjüdischen Kolonien. Die Bilder gaben treffliche Illustrationen des Entstehens der jüdischen Kolonien, ihres Wlichstunis und des Familienlebens der neuen jüdischen Ko!:>:11 den. Das internationale Arbeitsamt des Völkerbundes veröffentlicht in seiner ״Monatsschrift der Wanderbewegiing“ einen Bericht über die P a 1 ä s t i n a e i n w a n d e r u n g 1924. Der Waad Leumi stellt in Opposition zur Regierung und ist von Dr. Weizmanns Vermittlung in der Militärfragc nicht befriedigt. Fine endgültige Stellungnahme ist dem!.!.sei־ der ״Jüd. Rundschau“ dadurch erschwert, dal! dieses Blatt neben mageren Comm11t11'(|t1es der Exekutive nur diejenigen zu Worte kommen läßt, die gegen die Haltung des Waail Leumi protestieren. Wir wünschen jedoch nicht nur zu erfahren, wie die Herren Magncs, Feldmann, Sehapiro, Bergmann, Kolm und Scholen! über die Sache denken; wir wissen ohnehin, daß diese Herren mit der Vorbereitung des messianiselien Zeitalters beschäftigt sind. Wir wünschen in einer Frage von weittragender polilischer Bedeutung die Stimme der gewaltigen Mehrheit des Jisehuw zu hören. Dies um so mehr, als selbst die erwähnten dürftigen Co!1tnn111ü|Ues der Exekutive die Darstellung der Herren Robert Weltsch und Hans Kohu in Nr. 31׳ der ״Jüd. Rundschau“ widerlegen. Im Leitartikel der Rundschau heißt es, daß \on einer ״arabischen Legion“ nicht die Rede sein könne, ״vielmehr w i r d die a 1־ a b i s c 11 e Legi o n T r a 11 s j o r d a n i e 11 s .... aufgelöst und statt dessen ein eng- 1 i s c 11 c m Ko 111111 ando untersteh e n d e s G r e 11 z - s e 11 utzkorps g e b i 1 d e t.“ Diese Darstellung ist ebenso wie die ganz ähnlichen Ausfül1runge:1 von Haus Kehn . irreführend, sie muß den Eindruck erwecken, als ob die Aufregung der Juden Palästinas unberechtigt sei. Denn was ist schon dabei, wenn an Stelle einer arabischen Truppe in Transiordanieu eine andere tritt? In Wirklichkeit wird — wie aus der letzten Regierungserklärung deutlich hervorgeht — die bisher in Tran sjordanien bestehende arabische Truppe vermindert und in der Weise unigeforint, dal) an Stelle der arabischen Mannschaften Tscherkessen treten. Ob man diese Maßnahme der Regierung billigt oder mit Hans Kohn vom arabischen Standpunkt verwirft, interessiert hier weniger. Wichtig aber ist, daß nicht a 11 Stelle dieser ehemals arabischen, jetzt tscherkessischcn Truppe Trans- Jordaniens, sondern n eben ihr und als ein völliges Novum ein palästinensisches ü renzvertei d i g u n g s - korps gebildet wird. Ein palästinensisches Grenzverteidigtmgskorps ist eine Truppe, welche zur Verteidigung der Grenzen Palästinas dient. Nach Mehlungen der ״Ha“ soll dieses Korps in Palästina selbst sowie außerhalb des Mandatsgebietes Verwendung finden können. Es handelt sich also nicht um eine transjordanische Truppe, nicht tun ein ״tiren/korps“ in dem Sinne, daß es ״zufällig“ an der Grenze Palästinas liegt, sondern um den Beginn einer eigenen Wehrmacht Palästinas. Sie wird zunächst au der Grenze liegen, aber sie kann ebenso gut eines Tages in Jerusalem stehen. Sie soll der Verteidigung Palästinas dten'en; sic ist wegen Palästina und für Palästina geschaffen. Diese Palästinatruppc also hat die Regierung in der folgenden Weise gebildet: Sie hat die gemischte Gendarnierie aufgelöst, die jüdischen Gendarmen der lokalen Polizei eingegliedert und aus den arabischen Gendarmen den Grundstock der neuen Palästinatruppc gebildet — unter förmliebem Ausschluß der Juden. Darf man da von einer arabischen Legion reden? Man darf es, mail muH es sogar. Daß dieser Vorgang Protest und Erregung unter der Judenschaft Palästinas hervorrief, ist wohl begreiflich. Auch die ״Jüdische Rundschau“' hat ja — nachdem sie zunächst den Waad Leumi wegen seines ersten Protestes voreiligerweise getadelt hat —- protestiert; allerdings nicht wegen der politischen Begleitumstände und möglichen Folgen, sondern wegen Verletzung des P'rin/ips der Gleichberechtigung. Nachdem dieses heilige Prinzip von der Regierung jetzt — nach Monaten! —- nachträglich auf dem Papier anerkannt und der Eintritt von Juden wenigstens nicht mehr verboten ist, tadelt die .,Rundschau“ sogleich wieder den Waad Leumi und sogar die Achduth Haawodah, weil die Bewegung fortdauert und die nichtssagende Stiländeruug der Regierung neue Proteste hervorruft. Dabei ist wohl kein Zweifel, daß in die Palästinatruppe die inzwischen zur Polizei abgeschobencn jüdischen Gendarmen nicht mehr Aufnahme finden werden; und sollten andere Juden sich melden, so werden sie wohl mit der Begründung abgewiesen werden, daß die Kadrcs zur Zeit gefüllt seien. Wollte die Regierung• ihre ursprüngliche Haltung ernstlich ändern, so gab es nur einen Weg: Sie mußte erklären, daß die Palästinatruppe nioli nur aus Arabern, sondern zur Hälfte oder einem Drittel aus Juden bestehen werde und mußte die nötigen Entlassungen von Arabern und Einstellungen von Juden vornehmen. Das hat die Regierung nicht getan. Sie hat die Exekutive und die Redaktion der ״Rundschau“ viel einfacher befriedigt: durch papiernc Anerkennung des Grundsatzes der Gleichberechtigung palästinensischer Staatsbürger mosaischer Konfession. Daß bei solcher Haltung der Lehmig und der offiziös;׳;! Presse dem Waad Leumi nur der Weg des Protestierens und Forderns bleibt, ist leicht verständlich. Was wird gefordert? Entweder eine gemischte Truppe oder -- bei Bestehenbleiben der arabischen — die Aufstellung einer entsprechenden jüdischen. Die ״Jüdische Rundschau•‘ erklärt die erste Forderung für gerecht, die zweite Eventualforderung für absurd. Warum? Selbst wenn diese Forderung manches Bedenkliehe hat: Was soll der Waad Leumi verlangen, wenn - wie mit 99 "V> Wahrscheinlichkeit anzuncinncn — die Palästinatnippe am Jordan als arabische Truppe bestehen bleibt? Soll er schweigen und sich mit der Tatsache abfinden? Und warum ist es denn so absurd, die Gleichberechtigung in der Weise durcli/ufüliren, daß zwei Korps — ein arabisches am Jordan, ein jüdisches an einer anderen Stelle des Landes — aufgestellt und unter britischem Uberbefehl vereinigt werden? Man müßte diese, Möglichkeiten jedenfalls prüfen, ehe man das Urteil ״absurd“ fällt. Man müßte die deutschen *; ' lutHeti es für selbstverständlich, einem solchen Lieg!!׳, unserer Redaktion volle Redefreiheit zu gewähren. A. d. Zionisten jedenfalls mit der Meinung des Waad Leumi bekannt machen und nicht nur mit den Auffassungen einer kleinen Literatengruppe, deren politische Ideen manche von uns für ״absurd“ halten. Die Haltung der ״Jüdischen Rundschau“ in dieser wie in anderen!•'ragen entfremdet den deutschen Zionismus immer mehr dem wirklichen Leben Palästinas. Kampf gegen Militarisnins und für Pazifismus ist lobenswert, wenn er dazu dient, die Schwachen zu schützen und Gewalttat zu hindern. Er wird zur Lara׳, er deckt nur Feigheit und Bequemlichkeit, wenn die zionisfisdtc Leitung und ihre Presse die Juden zur Büßfertigkeit ermahnt, statt dafür ein/,11 treten, daß das Mandat gemäß seinem Geist und seinem Wortlaut ausgeübt wird. Zionismus and Orthodoxie — Zwei Pole? Von Dr. Aron Bart 11. In Nr. '29 30 der ״Jüdischen Rundschau“ nimmt Herr Dr. S o 1 o w e i t s c h i k in einer Form zu der Frage Orthodoxie und Zionismus Stellung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Er stellt die These aut, daß Orthodoxie und Zionismus die zwei einzig berechtigten Erscheinungsformen des Judentums seien, nur mit dem Unterschied, daß die Orthodoxie es für die Vergangenheit gewesen sei, während der Zionismus ts für die Zukunft sei. Die Orthodoxie sei das Erhaltende, der Zionismus das Gestaltende. In einem Nebensatz bemerkt er. daß diese Darlegung sich nicht aut den Teil der Orthodoxie bezöge, der sielt in der Zionistischen Organisation befindet und somit zwar nicht 5n der Theorie aber in der Praxis das Primat des Nationalismus anerkenne. Mit dieser letzteren Behauptung befindet sich Herr Dr. Soloweitschik in einer merkwürdigen Uebereinstimmung mit denjenigen, «lie sonst seinen Ausführungen am schärfsten gcgeiiübcrtreten würden, nämlich mit der nichtzionistischen Orthodoxie. Sie bemüht sich seit Jahren immer wieder, Gläubige für die Behauptung zu finden, daß der Misrachi schon allein durch die Eingliederung in die Zionistische Organisafion das Primat des Nationalen anerkenne, — und hat einen solchen Gläubigen nun anscheinend in Herrn Dr. Soloweitsehik gefunden. Die Behauptung wird dadurch nicht wahrer. Der Misrachi hat niemals und wird niemals das Primat des Nationalismus anerkennen, schon weil er diese ganze Antithese für grundfalsch hält. Es ist hier nicht der Ort, längst Gesagtes ausführlich zu wiederholen. _ Aber wer die Literatur der letzten Jahrzehnte verfolgt, weiß, daß im Gegenteil der Misrachi mit seiner Auffassung der untrennbaren Einheit von Religion und Nation heute selbst in dem Teil der Orthodoxie, die die Existenz einer jüdischen Nation noch vor 20 Jahren leugnete, sielt durchgesetzt hat. Die Ueberzetigung des Misrachi geht dahin, daß Religion und Nation im Judentum so untrennbar miteinander verbunden sind, daß es weder ein Primat des einen noch des anderen gibt, daß das eine ohne das andere begrifflich überhaupt nicht denkbar ist. Daß die Zionistische Organisation als solche rein nationalen Charakter trägt, ist nur insoweit richtig, als sie allen Angehörigen der Judenheit die Möglichkeit gibt, inihr Plate zu finden, 2k■ ist keine Frage des Prinzips, sondern ein Kompromiß mit den gegebenen Tatsachen, daß zu diesem Zweck jede nähere Umschreibung des Begriffes der nationalen Heimstätte aut dem Programm tortgebheben ist, weil sofort von vornherein alle diejenigen, die dieser bestimmten Differenzierung nicht zustimmen würden, aus der Organisation ausgeschlossen wären. Das hindert nicht, daß jede (!nippe, die glaubt, daß ihre Auflassung von Sinn und Wesen des Judentums die richtige sei, die Möglichkeit hat. sich innerhalb der Zionistischen Organisation zusammenzuschließen mit dem Ziele, die Organisation und die Heimstätte in ihrem Sinne auszugestalten. Jede von ihnen wird sich mit Recht dagegen wehren, daß daraus, daß sie dies tut, eine theoretische oder praktische Anerkennung des Primats de-, reinen Nationalismus gefolgert wird. Was die weitere Behauptung des Herrn Dr. boloweitscluk anbetrifft, daß die Orthodoxie ihre Berechtigung nur 111 der Vergangenheit, der Zionismus die seine für die Zukunft habe, so halten wir diese Behauptung nicht nur für falsch, sondern vor allem für in Widerspruch mit der Grundauffassung gerade des Herrn Dr. Soloweitschik. Gerade, wenn man die Ztonistische Organisation, wie er es fälschlicherweise tut, als 1m Prinzip rein national betrachtet, kann man die Antithese Zionismus und Orthodoxie überhaupt nicht bilden, denn dann ist der Zionismus nicht wie die Orthodoxie eine Weltaiischautmgsbahii. Wer wie wir, oder wie die sozialistischen Förderationen, glauben, daß dem Zionismus erst durch eine Ausgestaltung nach einer bestimmten Richtung hin seine ewige Bedeutung gegeben wird, der kann das Gebilde, das er ersehnt, im Gegensatz zu anderen Formen des Judentums stellen. Wer aber glaubt, daß grundsätzlich der Zionismus rein national, d. 11. also, nicht aut eine bestimmte Idee festgelegt sei, für den ist diese Antithese von vornherein logisch falsch. Nach unserer Auffassung ist die Zionistische Organisation eine Durchgangsl'orm, die eines Tages von ihrem Inhalt gesprengt werden wird, wenn sie ihre Aufgabe, dhs nationale Heim auf/.ubaucn, erfüllt hat. Sie kann nicht im Gegensatz gestellt werden zu Ideen, die den Anspruch darauf erheben, ewige Wahrheit in sich zu verkörpern. Die jüdische HeimstätVe wird aut'gehaut, und schon heute tobt, wie es 1m wirklichen Leben gar nicht anders sein kann, der Kampf um ihre Form und ihren Inhalt. Man kann ein anderes Bild von ihrer Zukunft haben: aber irgendein, von einer bestimmten Kultur und bestimmten Ideen erfülltes Dasein, muß man vor Augen haben. Das Unsrige geht dahin, daß die durch zweitausend lalire des Exils nicht nur erhaltene, sondern gelebte und damit auch gestaltende ursprünglich jüdische Kultur dort wieder ihre reine Auferstehung finden werde. Die /.ukunit wird lehren, wer recht behält. Uerescn und die i&dische■ Kaudidalure■ C / e r .1 o w i t z , 25. April. (J. T. A.) ln den letzten Tagen fanden in Bukarest Beratungen der Vertreter der Judenscnaft des ganzen Reiches mit der Regierungspartei statt, welche die Festsetzung der Zahl der jüdischuii Kandidaten zum Ziele hatten. Die Verhandlungen gestalteten sich anfänglich überaus schwierig, weil General Averescu, der Premierminister, den Standpunkt vertrat, Faß er den Juden als Volk keine Mandate /!!gestehen könne, hingegen aber bereit sei, den Juden, die in seiner Partei ein treten, Plätze auf den Regierungslisten eiuzuräumeii. Den Bemuhtmgen des Ministers für die Bukowina, Dr. Dori Popovici, ist es schließlich gelungen, -.!eil Ministerpräsidenten zur Aenderung seines Standpunktes in dieser Frage zu bewegen. Man schätzt, daß die Juden im neuen Parlament durch ungefähr acht Vertreter repräsentiert sein werden.