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Jüdische Rundschau · 1926-04-30 · Heft 33 (30.4.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 33 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 244 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33 liehen Verstoß eines Ausschlusses der Juden aus den neuen Formationen führte, hat sich eine Protestbewegung im Lande entwickelt, die sich nicht damit begnügte, das unbestreitbare Recht der Juden zu vertreten, sondern jene blutigen Tage als Beweis anführte, daß die Juden eines eigenen militärischen Schutzes bedürfen. Wir begreifen die Sorge des Jischuw, der jene Tage erlebt hat, aber wir haben dieses Verhalten des Jischuw kritisiert, weil es unpolitisch ist und dadurch Unruhe unter den Juden und unter den Arabern geschaffen werden muß, obwohl die Furcht in den objektiven Verhältnissen nicht begründet ist. Wir sind überzeugt, daß die große Mehrheit des Jischuw weit entfernt ist von Abenteuerlust und Fegionsromantik. Mit Recht schreibt die Tages- Zeitung ״Flaarez“ im Anschluß an einen Artikel des bekannten Kolonisten und Schriftstellers Mosche Smilanskv, der, im Kriege selbst Legionär, mit Entschiedenheit gegen die Legionspropaganda auftritt, das palästinensische Judentum wünsche Bataillone der Arbeit und nicht Bataillone militärischer Müßiggänger. Aber die Art, wie die Protestbewegung im Lande geführt wurde, hat leider gerade den abenteuerlustigen Elementen, die nur auf solche Gelegenheit warten, eine großartige Chance der Propaganda geboten. Wir sollten aus den Ereignissen, deren fünften Jahrestag wir jetzt begehen, lernen, wie schwer die jüdische Arbeit durch eine Stirntnung der Unruhe und Nervosität gestört werden kann. Wir haben das größte Interesse an einer friedlichen und ruhigen Entwicklung. Der Kampf gegen unsere Zurück- Setzung soll mit Würde und Nachdruck geführt werden, bei allen Instanzen. Aber den Bürgerkrieg an die Wand zu malen ist gefährlicher als es manchen scheint. Jener 1. Mai war ein schweres Erlebnis, aber auch ein Anstoß zu tieferer zionistischer Erkenntnis. Seit jenem Tage ist es in immer höheren! Maße klar geworden, «faß die Aufgabe des Zionismus eine Auseinandersetzung mit den Realitäten des Landes ist, den politischen so gut wie den wirtschaftlichen. Die Meinung, die Mandatarmacht könne uns dies ersparen, war eine Illusion. Die Mandatarmacht kann uns helfen und sie hat in vielen Beziehungen leider ihre Hilfe nicht in dem gebotenen Maß zuteil werden lassen. Die Hauptarbeit muß dennoch von uns selbst geleistet werden, politisch durch eine Annäherung an die Bewohner des Landes, mit denen wir in Zukunft Zusammenleben müssen, wirtschaftlich durch Erkenntnis der Möglichkeiten des Landes und Aufgebot der nötigen Kapitalien und Energien. Diese Auseinander- Setzung mit den Realitäten ist es, die die letzten fünf. Jahre charakterisiert. Sie haben uns Erfolge gebracht,’ auf die wir hinweisen können, und auf denen wir bauen können, um in ein Stadium verstärkter Aufbauarbeit hinüberzukommen. Die erste Aufgabe, die vor uns steht, um diese Periode abzuschließen, ist die ökonomische Gesundung des von uns Geschaffenen. Ohne diese kann die Weiterarbeit nicht in dem gewünschten Maße vonstatten gehen. Alle Strömungen, die uns diese Erkenntnis verschleiern und uns auf andere Pfade ablenken, müssen sich auf lange Sicht für die Erreichung unseres Zieles schädlich erweisen. * Der Besuch der hebräischen Lehrer in Aegypten und der Gegenbesuch ägyptischer Lehrer in Palästina war eine äußerst gelungene Veranstaltung, die auch in Zukunft Früchte tragen kann. Zum erstenmal wurde auf einem Gebiet praktischer Arbeit der Kontakt zu dein Nachbarvolk aufgenommen, das schon als arabische Vormacht für Palästina von Bedeutung ist. Es ist bemerkenswert, wie freundlich die arabische Presse Aegyptens die hebräischen Lehrer begrüßte. Die arabische Presse Palästinas allerdings protestierte dagegen, daß die Juden als ״palästinensische“ Lehrer empfangen wurden und forderte anläßlich des Gegenbesuches zu einem Boykott der Aegypter auf. Der Boykott wurde jedoch nicht durch ge führt, die Aegypter besichtigten auch arabische Schulen, z. B. in Nablus. In erster Linie jedoch wurde die jüdische Arbeit im Laude von den Gästen in Augenschein genommen und es entwickelte sich ein Verhältnis guter Kollegialität. Audi der ägyptische Unterrichtsminister nahm an der Expedition teil, aber cs darf nicht übersehen werden, daß die Regierung Zivar Pascha vom Volke in Aegypten nicht als rechtmäßig anerkannt wird; doch in diesem Falle ist dies von untergeordneter Wichtigkeit, da ja keine politischen Verhandhingen geführt wurden, sondern Erfahrungen auf dem Gebiete der Kulturarbeit ausgetauscht wurden. Solche lebendige Beziehungen müssen weiter wirken, und wir würden nur wünschen, daß ein ähnliches Verhältnis sich auch zwischen jüdischen und arabischen Lehrern in Palästina selbst anbahnt. * Das Hauptbüro des jüdischen Nationalf onds 11 at den Lag b’Omer, das ist diesmal der 2. Mai, als den Tag der Erlösung־ des Bodens bestimmt. Vor allem an die geistigen Arbeiter, die Künstler, Schriftsteiler, Lehrer, '.׳,־endet sich der Aufruf des Direktoriums und fordert sie auf, an diesem Tage mit erhöhtem Nachdruck für den Gedanken des nationalen Bodens tätig zu sein. An dieser Stelle bedarf es nicht vieler Worte, uni die Bedeutung des Bodenkaufs in Palästina klarzulegen. Unsere Leser wissen, daß dies das Um und Auf unserer Kolonisationsarbeit ist. Im Nationalfonds verbindet sich in charakteristischer Weise die nationale und soziale Idee des Judentums. Gerade das verflossene Jahr mit seinen traurigen Auswüchsen der wilden Boden- Spekulation hat uns gezeigt, daß der gesunde Aufbau des Landes geradezu abliängt von dem Ausmaß nationalen Bodens. Wir fordern unsere Leser auf, dem Aufruf des N. F.-Dircktoriunis nadizukoimnen und am Lag b’omer dem Keren Kajcrnctli einen entsprechenden Beitrag zu leisten und in ihren Kreisen die Idee, die ihm zugrunde liegt, zu verkünden. Der Nationalfonds hat soeben ein neues großartiges Werk begonnen, dessen Initiative allerdings nicht von ihm ausging und dessen Vollendung nicht allein von ihm abliängt. In unserem Blatte berichtet Dr. Granovsky, einer der leitenden Beamten des Keren Kajemeth, über' das Projekt der Schchunath Owdim, und wir glauben, zum Lag b’omer die Wichtigkeit des N. F. nicht besser dartun zu können als durch Abdruck dieses Artikels. Allerdings darf sich die Oeffentlichkeit nicht dem Irrtum hingeben, als ob der Plan bereits verwirklicht sei. Die Arbeiterschaft kämpft dafür seit Jahren, die Kongresse haben der Sache niemals genügend Aufmerksamkeit gewidmet, das Arbeiterprobiem in den Städten Ist eines der brennendste^ Ptöbtente unserer Atbelfc Nip hat der Keren Kajemeth auf das Drängen der Arbeiter hin Boden für eine solche Gartenvorstadt zunächst bei Haifa zur Verfügung gestellt. Dies ist zu begrüßen und damit hat die Sache greifbare Formen angenommen. Zur Durchführung aber gehört noch viel Geld. Der Boden wäre nur dann die entscheidende Vorbedingung, wenn unsere Arbeiter Siedler mit eigenen Ersparnissen wären. Dies ist aber nicht der Fall und daher ist die Ausführung auf die Gelder des Keren Hajessod angewiesen. Der Keren Hajessod aber steht noch mit dem regulären Budget im Rückstand und es ist zu befürchten, daßl er in absehbarer Zelt keine Mittel für diesen Zweck flüssig machen wird können. Es ist gut, den Gedanken der Schchunath Owdim zu popularisieren, aber es ist nötig, daß der Leser wisse, daß die Durchführung letzten Endes von ihm abhängt, von dem einzelnen Juden, überall in der Welt, der Keren Hajessod und Keren Kajemeth die Mittel für ihre Arbeit zu geben hat. Die Wahlen in Karpathorußland (Nachspiel vor dem Wahlgcrichtsliof.) Prag, 23. April. (J.T.A.) Vor dem Prager Wahlgerichtshof fand am Donnerstag die Verhandlung über die Beschwerde der Jüdischen Partei gegen die Abgeordnctenwabi vom 15. November 1925 im 22. Wahlkreis (Uznorod) statt. Bekanntlich hat die jüdische Partei, obwohl sie auf Grund der aut ihre Liste abgegebenen Stimmen ein Recht auf mindestens fünf Mandate hatte, kein einziges Mandat errungen, weil ihre Stimmenzahl infolge der Machinationen der Behörden in keinem der Wahlkreise 2000® erreicht hatte. Während der Verhandlung kam es zur Sprache, daß der Vizegouyerneur von Karpathorußland, Anton Rozsypal, gegen die Jüdische Partei agitiert und jüdische Gruppen bewogen hat, eigene Listen aufzustellen, damit die jüdischen Stirnmen zersplittert werden. Er bezog sieh hierbei auf den danialtgen Ministerpräsidenten Svehla. Im Oktober 1925 war es zwischen Sektionschef Kubat des Innenministeriums und den Vertretern der orthodoxen Kanzlei in Preßbürg, den Rabbinern Hirschler und Weber, zu einer Vereinbarung gekommen, wonach die Letztgenannten die Liste der Jüdischen Wirtschaftspartei unterstützen und —so wird in der Klage ausgelührt — die Regierung die Kosten bestreiten würde. Eine ganze Reihe weiterer Tatsachen über die Einmischung der Behörden in den Wahlkampf zu Ungunsfen der Jüdischen Partei wurde vorgebracht. Der Vertreter des Innenministerium bestritt jedes gesetzwidrige Vorgehen; die Agitation sei zulässig, auch wenn sie durch Beamte erfolge. (!) — Das Wahlgcriclit wies schließlich die Beschwerde ab mit der Begründung, daß nicht fest gestellt werden konnte, wie groß der Kreis derjenigen Personen war, die durch Drohungen mit wirtschaftlichen Nachteilen beeinflußt wurden, und inwieweit durch das Endergebnis der Wahl die Jüdische Partei be- »achteiligt wurde. (Dieses Urteil, das natürlich zu erwarten war, ist keine Ehre für einen Staat, dessen Präsident M asa ry k einstmals durch die Entlarvung der Fälschung der ״Köiiigenhofer Handschrift“ bewiesen hat, daß er Wahrheit und Ehrlichkcit über falsch verstandenes nationales Prestige stellt! — Hier gibt man einen offenen Freibrief für Mißbrauch der Amtsgewalt. Ist das ein Fundament für eine politische Demokratie, wie sie gerade das tschechische Volk im Herzen Europa begründet zu haben mit Recht stolz war? — Red. ״J. R.“.) Die Juden in der palästinensisches Gendarmerie London, 23. April. (J.T.A.) In der heutigen Sitzung des Unterhauses fragte Colonel Wedgwood den Kolanienminister, ob er mittcilen könne, wieviele Juden bei der neuen palästinensischen Gendarmerie Aufnahme fanden; wie stark das neue Polizeikorps ist; wieviele Juden in der alten Gendarmerie dienten. Kolonienminister Amery erwiderte: Ich werde den Oberkommissar um die gewünschte Information ersuchen. Colonel Wedgwood: Wäre der Herr Minister jn der Lage, mir zu sagen, was er zu tun gedenkt, um den durch die Aendcrung in der Gendarmerie geschaffenen sehr unglücklichen Eindruck zu verwischen? Minister Amery: Ich glaube, wenn über die wirklichen Tatsachen Klarheit herrschen wird, wird ein solcher Ei״- druck von selbst vergehen. Jascha leiletz in Palästina J *cu*«,1.6 ,April, :. (£,£.) um »letzte Wedi brachte Falüstina ״Wöhr das־ bisher־ größte ’Bflisikalistidi^‘ t\ eignls, als Jascha Helfe tz In 5 Tagen 7 Konzert* in! Jerusalem, Haifa, Tel-Awiw und Ain Charod gab- In Tei-Awiw fand für die Arbeiter ein Konzert unter freiem Himmel statt. Ueber 10000 Arbeiter drängten sich auf dem Platz zusammen und füllten das letzte Plätzchen, standen aut den Mauern und den angrenzenden Dächern, um dem Spiel zu lauschen. Ein noch malerischeres Bild gaben die Felsen und Abhänge von Ain Charod, die ein natürliches Amphitheater für die Arbeiter des ganzen Emek bildeten, weiche sich zu dem seltenen Genuß zusammenfanden. Den Ertrag aus den Konzerten, der sich auf über 1000 £ beziffert, stiftete Heifetz der II ebräischen Universität für die Errichtung eines Fonds iür musikatische Erziehung in Palästina. Er sprach die Hoffnung aus, daß viele andere jüdische Künstler seinem Beispiele folgen und die Einnahmen aus Konzerten in Palästina und anderswo spenden werden, damit Palästina zu einem imi - kaiischen Zentrum werde. Laut dem Rechenschaftsbericht der Konsumgenossenschaft Maschbir betrug der Umsatz für das Jahr 5685 179 243 E£ gegenüber 131134 E£ im Jahre 5684, (Ziko.) Nr. . Die ennen schwarz trägt s< scheidet sprenkc! Bankier Sehuka liehen J sich ein in der l der äug diesem aber w Art her; Wa als Jud Grunde Der änj stecken notorisc Erinnert besten; fragen. Szigct, : als Bau pester J aus Mai Als in wegung beeilten daß die mit den cntschie alter de der mat besonde jüdische Ein vie Zionism schieden Schlages Wo bemerke darstelit idealtyp treffen, sind anc äußerlid treffen; Brei ve ״ängstli( deutsche wohnt ii in allen Jude“ g man un Ju^Ätyi vqn'anc Im die ״äng werden, samten Griindui Wird de wird sei Stetierbc Wie ka! Da wer Der Nc /um Juc sieh seil hat er 1 langen, dauernd kalkulier Frage d seelische enden; < J. Ch. Brenner Zur 5. Jahrzeit am 1. Mai. Die letzten Jahre haben der hebräischen Literatur sciiwere, unersetzliche Verluste gebracht; eine Reihe unserer besten schaffenden Kräfte ist uns durch den Tod entrissen worden; Micha Josef Berdyczewski, S. J. H u r w i t z, David F r i s c 11 m a 11 n, Josef C h a j i m Brenner —- ein jeder von ihnen ganz Eigener, im wesentlichen jedoch den anderen verwandt. Alle wandelten sie abseits von der ״goldenen Mittelstraße“, stimmten nicht ein in den Chor der Bravo-Rufer, kämpften sie unerschrocken und unerbittlich gegen selbstgefäiliges Epigonentum und trügerischen Schein im jüdischen Leben. Ein jeder von ihnen hat eine tiefe Lücke hinterlassen — sie Ist nicht ausgefüllt. Wohl hat unsere nationale Literatur einen vielversprechenden Nachwuchs; junge, blühende Talente reifen heran — allein: der Platz jener Großen ist leer geblieben. Der Tragischeste unter ihnen war Brenner. Tragisch war sein Leben und sein Tod, sein Sein und sein Ende. Er war und blieb sein ganzes Leben lang der ruhelose Geist. Seine ringende, gequälte Seele fand kein Heim, sein ob der Gebrechen der Zeit blutendes Herz — keinen Trost. Bitteres, Schmerzliches reichte er uns stets dar; Grau in Grau malte er alles — und doch liebten wir ihn: irm seiner fleckenlosen Lauterkeit willen, um seines unerschrockenen Kämpfermutes wegen. Nicht fertige Wahrheiten wollte Brenner seinem Volke fjeben -- war er doch selbst ein unaufhörlich Ringender, Suchender, mit sich und der Umwelt Kämpfender. Brenner war ein Mahner, ein Wecker (״Hameorer“, ״Der Wecker", war auch die Zeitschrift betitelt, die er in London herausgab und an der er als Redakteur, Schriftsteller und als — Setzer in der Druckerei wirkte). Aufrütteln wollte er die Zufriedenen, Genügsamen, auf daß sie sich von der oberflächlichen, Schablonenhaften Mode-Naehbetcrei freimachen und in die tieferen Zusammenhänge der jüdischen Seinsprobleme einzudringen suchen. Er wurde unser mahnendes Gewissen. Auch nicht Künstler wollte Brenner in erster Linie sein, so stark seine Gestaltungskraft auch war. Es kam ihm weniger auf die Präzision des Ausdrucks und die Eleganz der Linienführung an, als auf das Wesen der geschilderten Personen und Verhältnisse. Ueber mitunter verkommende stilistische Unebenheiten können wir bei Brenner ruhig hinwegsehen — sie tun seiner literarischen und menschlichen Bedeutung keinen Abbrach. Seine beobachtende und schaffende Persönlichkeit war viel zu sehr von den Dingen des Lebens bewegt und beeindruckt, um die erforderliche Ruhe für künstlerische Ziselierungen zu besitzen. Alles in ihm war Bewegung, ruhelose, quälende Bewegung; dunkle Flammen loderten in seiner Seele — ihr peinigender Durst nach befreienden!, wahrem Lebensinhalt blieb ungestillt. An jenem düsteren 1. Mai des Jahres 1921, da die gesamte jüdische Welt von den grausigen Ereignissen in Palästina erschüttert wurde, fand Brenners tragisches Leben ein jähes, tragisches Ende: eine Mörderhand streckte ihn nieder- Er hatte das jüdische Volk mit der ganzen Glut seiner Seele geliebt; sein Herz hatte ob der Mängel, Gebrechen und Leiden seines Volkes geblutet, mit dessen Schicksal er sich auch im Tode verband. Josef Lin. Ellen Key inl Babel Levin Ellen Key, die ungekrönte Königin des Nordens, wie Sclma Lagerlöf sic einmal nannte, ist aus der ländlichen Zurückgezogenheit ihres Altersheims als eine Siebenundsiebenzigjährige zu ihren Müttern gegangen, alt und lebenssatt, wie die Bibel cs nennen würde. Ueberall huldigt man in diesen Tagen der Kämpferin, der Wahrheitssucherin, der Finderin für Kinder und Eltern. Selten aber spricht man davon, welche Bande seelischen Verstehens Ellen Key mit den Juden, mehr noch mit den Jüdinnen, am meisten mit einer Jüdin verknüpfen. Die Freundin der Erniedrigten und Beleidigten wäre wohl unter allen Umständen für die unterdrückten Juden in aller Welt eingetreten, deren Eigenschaften sie unbefangen schätzte. ״Ein jeder kennt“, so schreibt sie einmal, ״die Verstandesbegabung, die Schaffenskraft, den Wissensdurst des jüdischen Volkes, seine ausdauernde zielbewußte Energie. Aber allzuwenig spricht man von dem Zuge, der doch dem, der jüdische Frauen und Männer aus nächster Nähe gesellen hat, am charakteristischen erscheint: von der Liebeskraft, dem Brüderlichkeitssinne, der Hilfsbereitschaft, der Opferwilligkeit“. Zu dieser allgemeinen Würdigung jüdischen Wesens trat hinzu, daß Ellen Key unter den jüdischen Frauen der Vergangenheit jene Frau fand, die ihr als eine Schwester, seelenverwandt und Bestätigung ihres eigenen Wesens erscheinen mußte: Rahct Levin. Sie war ein Kind, so erzählt sie selbst, als sie zum ersten Male von einigen Worten über Rahel getesselt wurde; später lebte sie lange Zeit in ״Rahel. Ein Buch des Andenkens“. Aus dieser lebenslangen Beschäftigung entstand dann ihr eigenes Buch ,,Rahel. Eine biographische Skizze“. Ein seltsames Buch, geschrieben mit einem ausgesprochenen Mängel an Objektivität, und dazu der Ueberzeugung, daß dieser Mangel das wesentlichste Verdienst des Buches werden würde. So entstand ein Duett, von dem schwer zu sagen ist, welche Stimme führt und welche begleitet, in dem aber vielleicht gerade dadurch eine seltene Harmonie des Zusammenklanges zustande kam. Ellen Keys Buch über Rahel nimmt unter den wenigen Büchern, die vor 1907 zu Rahels Andenken in Deutschland erschienen, eine hervorragende Stellung eia. Sie ist zu jener Zeit fast die erste — vielleicht abgesehen von Jacob Wassermann ״dem rassebewußtesten jüdischen Dichter der Gegenwart", wie sie ihn nennt, der Rahel einmal einen Essay gewidmet hat — die es versucht, die Eigenart der Rahel aus den angestammten Eigenschaften der Jüdiit zu erklären. Es ist sehr bezeichnend, daß Wassermanns Essay vorwiegend die Schwächen der Jüdin in Rahel wiederfindet, die nervöse Unruhe, das Abrupte, die Unausgeglichenheit; Ellen Key dagegen, die gütige, freut sich im Gegensatz an den Feinheiten ihres Wesens. Rahel besaß alle Vorzüge ihrer Rasse . . . das tiefe, heiße morgenländische Gemüt ... ihr leidenschaftliches Blut bekundete sich vor allem in ihrer großen Liebe . . . aber die morgenländische Lebensstärke tritt in allen ihren Empfindungen hervor, im Familiengefühl, in der Freundschaft, in der Anbetung ihrer großen Meister, in ihrer Mütterlichkeit.“ Nach diesen Worten brauchen wir nicht mehr zu fragen, was diese beiden Frauen einte, die äußerlich einander so fremd scheinen: es ist die unendliche Liebesfähigkelt, die in beiden, da das Geschick ihnen eigentlichste Erfüllung versagte, als eine gesteigerte Mütterlichkeit erscheint ״die Kinderlose hat die meisten Kinder“. Hinzu freilich kommt in beiden ein grenzenloser Mut zur Wahrheit, der das Geheimnis von Rahels Originalität bildete. Aus diesem Mut erwuchs in ihnen beiden der iiiic jällrter Vor Mitkäin! Tcstame aufgabe Frieden Reform den Jud Willen“ Kindern, Lcvin d die letzt Lehrerin Zeit, vo! aicheln Viel;neigen ■len heg nid diel Bücher, *chaftlicl umktc :1 nach Pa! ',erschiet I rufen f ler das - ihr V In 1 Jegeben ,,Besuch rieht da ־'chnsucl 'ehildcrt. n diese. Aufbau s Streben,

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