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Jüdische Rundschau · 1926-04-30 · Heft 33 (30.4.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 33 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,33 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag W 15, Meinekeitraße 10. Eracheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. Ausiandsabotme®e17U werden in der Wahrung der einzeln«! Länder berechnet Nummer 33 I Berlin, 30. IV. 1926 Anzeigen •V erwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.IL, Berlin WI5, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigeapreit: 8 geBpelLNoapereilititU« 0.50 G.-M. btcllengeaache O.ZSG-'M AnzeigenaehlaJ: Dieaitag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon*. Bismarck 7165-70 ׳. Posischeckkonto i Berlin Nr. 17 392. Kür Oesterreich: PosUparkaaseaamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: rostiparkasseaami Prag, Konto Nr. 59410. Kür Polen: Postsparkassen*®! Warschau, Konto Nr. 190 70&. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Der Zionismus erstrebt fQr das!Odlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich ■ rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.** Weizmanns Rückkehr aus Palästina Oie letzten Tage im Lande Dr. Weizmann hat am 23. April Palästina v c r - lassen and die Rückreise nach Europa angetreten. Am 1. Mai wird er in Paris erwartet, wo am 4. Mai ein großes Bankett des Keren Hajcssod unter dein Vorsitz von Leon Blum stattfindet, bei welchem Weizmann sprechen wird. Von Paris wird er sich nach L o n ü o 11 begeben. Die letzten Tage des Aufenthalts in Palästina benützte Weizmann, um in den drei größten Städten des Landes vor die jüdische ()Öffentlichkeit zu treten, ln den ersten Wochen seines Aufenthaltes hat er sich von öffentlicher Tätigkeit ferngehalten und nur an dem von der Schriftsteller-Organisation veranstalteten ״Tag des hebräischen Buches“ teilgenommen. Nachdem er sich über die Lage im Lande und die politischen Fragen informiert hatte, hatte er eine Reihe von Unterredungen mit dein Oberkommissär Lord Plumer. Ferner beteiligle er sich an Sitzungen der Exekutive und des Waad Leumi. Sodann besuchte er den Emir Abdullah in Amman und begab sich am 18. April nach Beirut, wo er und Colonel Kisch Gäste des Oberkommissars Jouvenel waren. Auf der Rückreise von Beirut sprach Weizmann in einer öffentlichen Versammlung in Haifa im Hofe des Technikums. Von Haifa besuchte er Nahalal, Nachlath Jaakow (jablonaer Chassidim) sowie andere Siedlungen und beteiligte sich an der feierlichen Grundsteinlegung der neuen jüdischen Siedlung auf der Höhe von Kumi, dem neuenvorbenen Nordrande des östlichen Emek, wohin der Hauptteil der Siedlung von En Charod verlegt wird. Am 21. April sprach Weizmann in Jerusalem in dem Amphitheater neben der Universität auf dem Scopus. Am nächsten Tage, am 22. April, sprach er in Tel-Awiw auf dem Platze des Beth Am. Beide Versammlungen wurden als außerordentliche Ereignisse empfunden. Schon Tage vorher bemühten sich große Menschenmengen um Eintrittskarten. Die Versammlung auf dem Scopus erinnerte an die große Demonstration anläßlich der Eröffnung der Universität. Unter den Zuhörern bejfe^d sich auch dfc Q#tfij» Herhefi Samuels und als der Vorsitzende. Kapiausky, der namens der Exekutiw die Versammlung eröflnete, Lady Samuel begrüßte, brachte ihr die Versammlung eine deinenlare minutenlange Ovation dar. Die Versammlung in Tel- Awiw war von nahezu zehntausend Personen besucht. Der Wortlaut der Reden Dr. Weizmanns in Jerusalem und Tel-Awiw liegt uns noch nicht vor. Die Reden sind von großer Wichtigkeit, weil der Präsident der Organisation darin das Fazit seines Besuches im Lande zieht, gleichzeitig seine Politik für die nächste Zeit darstellt. Dr. Weizmann gab eine Abschätzung der politischen Lage und warnte den Jischuw vor einer Politik der Unbesonnenheit. Er betonte, daß für ein schnelleres Tempo des Vorwärtskommens größere Mittel erforderlich sind und daß er darum in Kürze wieder nach Amerika reisen wird. Er hofft in Amerika die J e w i s h A g e n c y zustandezubringen. Dr. Weizmann erklärte, daß Palästina heute wieder eine schwere wirtschaftliche Zeit durchniacht und daß die zionistische Exekutive, um den Bestand und die Weiterentwicklung unserer Positionen zu sichern, genötigt sein werde, die mittellose Ein- Wanderung vorübergehend einzuschränken. Bezüglich der Beteiligung der Juden an den Verteidigungstruppen des Landes sagte Weizmann, die Regierung habe einen Fehler gemacht, sie sei jedoch bestrebt, ihn wieder gutzumachen. Er habe Lord Plumer erklärt, die Zionisten betrachteten Trans- Jordanien als Teil Palästinas und sie gedächten allmählich dort das Land urbar zu machen. Sie wollen das Land nicht mit dem Schwerte, sondern mit dem Pfluge erobern. ich sagen, daß wenn wir alle, Führer und Udfentlichkcit, die Pflicht haben, mit offene!» Augen und mit großem Verantwortungsgefühl die Krise und ihre Ursachen zu sehen, andererseits wir auch nicht übertreiben und unsere Kräfte in Klagen vergeuden dürfen. Wir haben die Lage, wie sie ist, in Rechnung zu stellen. Sie ist die Folge der vorhergegangencu großen Einwanderung. Wenn ihr zurückblicket und euch fragt, ob wir gehofft hatten, daß 35 000 Menschen in einem Jahre ins Land kommen werden, dann werdet ihr verstehen, daß die normale Folge einer so großen Einwanderung in ein kleines Land mit beschränkte!• Aufnahmefähigkeit entweder eine Krise 0 der eine kur z e U 111 e r b r c c h u 11 g der E i 11 \v a!1 - deruiig sein muß. Wir alle bemühen uns jetzt mit allen Kräften, die Krise zu überwinden, für die Arbeitslosen Arbeit zu schaffen, aber wir alle müssen wissen, daß zuweilen die Dinge nicht nur von uns abhängen. Die zionistische Leitung hat alle Pflichten einer Regierung ohne das Recht und die Macht, Steuern einzuziehen. Man beschuldigt und kritisiert uns, aber man zahlt uns nicht die Steuern, mit deren Hilfe wir unsere Arbeit führen können. Meine Herren, die Zionistische Organisation hat beschlossen im Monat ljar mit ihrer Arbeit zur Stärkung der Organisation zu beginnen. Man hat mehr als einmal von mir gesagt, daß ich durch den Plan der Erweiterung der Jewish Agency die Zionistische Organisation gefährde. Dies alles ist nicht richtig. Ich habe stets die Zionistische Organisation als den Pionier der jüdischen Bewegung betrachtet, der voranzuschreiten und den anderen den Weg zu zeigen hat. Aber endlich muß die Zeit kommen, wo die Organisation freudig die Aufgabe auf sich nimmt, die ganze jüdische Oeftentlichkeit zur Mithilfe am Aufbau des Landes heranzuziehen. Wenn die Reichen Amerikas jetzt mit der Kolonisation in der Krim und anderen politischen Abenteuern beschäftigt sind, so glaube ich doch, daß durch die Kraft, die wir hier schaffen, wir jene Menschen zwingen werden; mit uns zu arbeiten, und nicht unter den Bedingungen, die sic uns stellen werden, sondern unter denselben Bedingungen, wie wir arbeiten. Ich glaube, daß auf dieser Basis die Agency aufgebaut werden wird, wenn nicht heute so morgen. Ich hoffe, daB es mir bei meiner nächsten Reise hach Amerika gelingen wird, , die ׳.Erweiterung d|r JCjrep«1|• durcltiufM1r,en, Sictlhrngspiinkte, ein MenscheninateriVl, das seinesgleichen in־ der Welt hat, dessen .׳«gesammelte Energie auf Taten wartet. Aber dazu sind weit größere Mittel nötig als Unser kleines Budget. Wir brauchen Boden, Kolonisation, Industrie, Kulturarbeit. Alles was wir geschaffen haben sind nur kleine Anfänge. Die, zionistische ■Welt gibt was sie gibt, aber meine Aufgabe ist es, in die Diaspora zu gehen und z u den Juden zu sagen: Kommet zu uns, nehmet teil an unserer Arbeit, denn wir haben der ganzen Welt gezeigt, daß Palästina durch Juden aufgebaut werden kann. Und wenn wir jetzt in einer Krise stehen, so glaube ich, daß unser ganzes Leben in Palästina und in der Diaspora — mathematisch gesprechen in einer ״Sinuskarvc“ verläuft, aufwärts und abwärts, aber wir glauben, daß die Zeit kommen wird, wo die Entwicklung normal sein wird. Ich weiß nicht, ob ich und ihr dieses Stadium noch sehen werden, aber der Tag wird kommen. Gestern und heute traf icii mit Staatsmännern Frankreichs zusammen, die noch vor einem Jahre unserer Arbeit mit (ranzösischem Skeptizismus gegenüberstanden. Diese Franzosen haben das Emek besucht und unsere Siedlungen machten auf sic einen so starken Eindruck, daß sie mir sagten: Gäbe es doch auch Zionisten in Syrien! Dies zeigt die propagandistische Kraft unserer Arbeit. Mein Ziel ist es jetzt, die Arbeit 7.11 v e rd o p p , I 1: u n d zu verdreifachen. Ich will, daß man im Emek Tausende arbeitender Menschen sieht, Wälder, Kolonien und Schule!!. Kein Gebiet im Lande soll es geben ohne die Bewegtheit durch jüdische Arbeit. vielleicht hiebt׳ Die Rede ii Haifa Die letzte der hier eingetrofteneii palästinensischen Zeitungen berichtet über die Rede Weiz 111 a 1! n s in H a i 1 a. Die Versammlung war dort am 19. April anläßlich der ljar- Aktion für den ״Monat der Zionistischen Organisation“ einberufeil und wurde voq Herrn Pewsner geleitet. Weizmann sagte ungefähr folgendes: Ich bedaure, daß ich als letzter Redner nur bescheidene Worte zu sagen habe, die sich von den glänzenden Ausführungen der Vorredner unterscheiden werden. Man sollte jetzt Hawdalah machen, denn meine wenigen Worte werden werktäglich sein, und ich bitte dafür um Verzeihung. Ith kam ins Land in einer schweren Zeit. Es ist nicht das erstemal, daß mir das Los zugefallen ist, in einer Zeit der Krise im Lande zu sein, und ich habe mich fast gewöhnt, die Krise als den Normalzustand zu betrachten. Dies ist eines der großen Paradoxe unseres Lebens. Jedoch zugleich muß Nordaos letzte Fahrt Paris, 23. April. (J.T. A.) Eine ungeheure Menschenmenge füllte heute die Halle des Gare de Lyon zu Paris, wt; der Sarg mit den sterblichen Ueberrcsten des verstorbenen zionistischen Führers Max Nordau aufgebahrt war. Herr Joseph Co wen, als Vertreter der zionistischen Weltexekutive, breitete über den Sarg eine blau-weiße Seidendecke, die die hebräische Inschrift trug: ״Dem Gedenken des großen Führers. — Und sie brachten ihn zu seinen Vätern nach Erez Lraei“ Die Feier begann genau zur Mittagsstunde. Ihr wohnte die Witwe Max Nordaus bei. Ansprachen in Frauriisisch hielten Rabbi Sturze, Prot. Victor Basch, David Jacobsohn, Vorsitzender der Vereinigung der Freunde Nordaus und Marmoreks, Andre Spire, Joseph Cowen, A. Ver- Dazu aber bedarf es einer größeren Anstrengung als die wir heute aufweisen können. Darum ist eine Erweiterung unseres Umfangs erforderlich: eine Stärkung der Zionistischen Organisation. Dies ist das Ziel des ״Monats der Organisation“. Noch drei Tage bleiben mir des Aufenthalts!111 Lande. Mein Wanderstab und meine Koffer sind bereit, und wieder werde ich in die Diaspora gehen, und zu den Herzen der Menschen sprechen, damit sie verstehen, was hier im Lande geschieht und damit sie bereit sind, weit mehr zu *11:1 als bisher. Ich schließe mit dem Wunsche, daß, wenn wir 11ns nächstens in Haifa Wiedersehen, wir die ganze Bucht, die sich vor unseren Augen ausbreitet, bearbeitet und besiedelt sehen, bewegt und erfüllt von jüdischen Arbeitern, die diesen Boden zu neuem Leben erwecken. Diesen Wunsch habe ich für das ganze Land. (Stürmischer Beifall.) Die Versammlung nahm sodann eine Resolution zugunsten der Monat Ijar-Aktion und eine Begriißungsrcsohition für Dr. Weizmann an. ianci und R. Lambert. Herr liilld Z I a t o p o 1 s k y sprach hebräisch, Wladimir Tcrakin jiddisch. Mit dem* Vortrag des ״El Male Rachamim“ schloß die Feier. — Der Sarg wurde nach Marseille gebrach;, von wo er mittels Dampfers nach Tel-Awiw zur Beisetzung in einem von de- Gemeinde gespendeten Ehrengrab überführt werden wird. hie der .,Times‘' aus New Y״:k vom April gek.ibeit wird, fanden dort drei große Bankette des Joint statt, bei denen 3 700 00u Dollars für die HilLarbc.it in Osteuropa gezeichnet wurden. Felix War bürg gab 100 000, der Kino- Industrielle Fox 250 000, der Realitätenhändler Brown 100 000 Dollar, Nach fünf Jahren Ein Trauerlag - Der Besuch der ägyptischen Lehrer — Lag b'Omer und Nalionallonds RW, Berlin, 29. April. Am 1. Mai ist die fünfte Wiederkehr eines Trauertages, eines der schwärzesten Tage der neuesten jüdischen Geschichte. Die ganze zionistische und wohl auch jiidisehe Welt gedenkt mit tiefer Trauer der Opfer der Kämpfe von Jaffa. Line Reihe teurer und edler Menschenleben ist damals im Dienste der Idee der Erneuerung des jüdischen Volkes, der sie sieh weihen wollten, dahingegangen. Es war der erste Zusammenprall des neuen zionistischen Impulses mit der unbarmherzigen Wirklichkeit. Die Ereignisse in Jaffa 1921 waren freilich kein Pogrorn im althergebrachten Sinne, obwohl genügend Bestialitäten verübt wurden; sie hatten mehr den Charakter eines Bürgerkrieges, eines Kampfes zweier Völkergruppen gegeneinander. Aber uns, die wir mit friedliehen Absichten an die Arbeit gingen, waren sie ein schwerer Schlag. Die Ruhe wurde wieder hergestellt; sie wurde es um einen teuren Preis: die Einwanderung wurde vorübergehend gänzlich eingestellt und später nur in beschränktem Umfang wieder zugelassen. Herbert Samuel hat in seiner Rede vom '3. Juni den arabischen Befürchtungen mehr Rechnung getragen als notwendig gewesen wäre. Der Pessimismus war damals groß. Aber vier Jahre später kamen 35 000 Menschen in einem Jahre ins Land. Wenn wir die fünf Jahre überblicken, so sehen wir, daß wir ein großes Stück weitergekommen sind. Man braucht sich mir die verzweifelte Stimmung von 1921 zu vergegenwärtigen, um den Unterschied zu erkennen. Damals war die jüdische Arbeit völlig ins Stocken geraten, die ersten Chaluzwellen fanden keine Beschäftigung, die Kwuzotli wurden mit Menschen überfüllt (woran sie noch heute kranken), der Keren Hajessod verfügte noch über keine Mittel. Dfe politische Dajg; ftg -4Jw£•• «•ar״'?itfl#8t׳־ "die synleheh '1ÄÄ11I»' die zur Vertreibung König Fcisufs aus Damaskus geführt hatten, wirkten damals viel stärker nach Palästina herüber als heute. Die englisch-französische Spannung war auf ihrem Höhepunkt. Französische und päpstliche Einflösse schürten die Unruhe in Palästina, die antijüdische Bewegung erhielt starken Suceurs aus den Klubs des Londoner Hochadels und seitens der englischen Boulevard-Presse. Der Bestätigung des Mandates stellten sich immer neue Hindernisse entgegen, so daß die Gegner des Zionismus die Hoffnung hatten, sie durch energisches Auftreten zu hintertreiben. Die Araber blickten mit großtern Mißtrauen auf die Juden, und die Kunde, die Juden würden den Fellachen den Boden rauben und die Omar- Moschee in einen jüdischen Tempel verwandeln, wurde in alle Dörfer getragen. Die zionistische Propaganda hatte es leider versäumt, rechtzeitig für Aufklärung der arabischen Oeffentlichkeit in Stadt und Land zu sorgen, wie überhaupt vor den Jaffaer Unruhen die Bedeutung des arabischen Faktors bei uns unterschätzt wurde. Seit jenen Tagen hat sich vieles geändert. Mit zäher Geduld hat Herbert Samuel die Gemüter beruhigt und durch gute Verwaltung Vertrauen zu erzeugen gesucht. Nach kurzer Panse begann wieder die jüdische Einwanderung; die Araber halten Gelegenheit, die jüdische Arbeit zu beobachten, und haben gelernt, daß ihre Befürchtungen grundlos waren. Der XII. Kongreß hat in seiner bekannten Resolution erklärt, daß die Bluttaten uns nicht von unserer Arbeit, aber auch nicht von unserer friedliehen Politik abbringen würden. Trotz aller Spannung zwischen den zwei Völkern ist allmählich im täglichen Leben eine gewisse Annäherung eingctreteii. Es ist interessant, daß gerade in den letzten Wochen die arabische Presse wiederholt darauf hinwies, die Zionisten hätten jetzt ein deutliches Bestreben, sich mit den Arabern zu verständigen. Allerdings wird die Sache so dargestellt, als ob es sich dabei um eine Niederlage des Zionismus handelte, der eingesehen hat, daß seine Hoffnung auf jüdische Herrschaft und Vertreibung der Araber aussichtslos sei und darum gute Beziehungen mit den Arabern schaffen wolle. Eine solche Darstellung ist für die Leser jener!1resse wohl aus Prestigegründen erforderlich und wir wollen uns darüber nicht aufregen, zumal wir die Absicht, die Araber zu vertreiben, niemals hatten und daher auch jetzt nicht aufgeben können. Wir sind auch sehr weit davon entfernt, solche Aeußerungen der arabischen Presse zu überschätzen, aber als Symptome scheinen sic uns doch erwähnenswert. Die praktische Arbeit wird, so hoffen wir, in höherem Grade das zum Teil künstlich geschürte Mißtrauen überwinden. Die Erinnerung an den 1. Mai 1921 ist in diesen Tagen in Palästina häufig heraufbeschworen worden. Anläßlich der Umgruppierung der Verteidigungskräfte des Landes, die durch den schweren Mißgriff der Regierung, die Auflösung der bewährteil gemischten Elite- Gendarmerie, eingeleitet wurde und zu dem ungeheuer-

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