Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 31 (23.4.1926)
- Date
- 1926-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 232 J U E DIS C H E RUNDSCHAU Nr. 31 pressescbau Dr, f rlir. von Scho e!1;1 ich, der bekanntlich soeben Palästina bereist hat, veröffentlicht in der ״Voss, Ztg.“ am 30. Mär* einen i eitartikcl ״Warum ich nach Palästina fahre“, worin er erklärt, er habe durch seine Erlebnisse in Deutschland und Rußland erkannt, welches wichtige Pro- Wem die Judenfrage bildet, die durch Palästina gelöst werden soll. - ln einem weiteren Artikel ״Fahrt nach Td-Awiw“ in der ״Voss, Ztg.“ vom 4. April schildert er insbesondere seinen Besuch der Versuchsstation, wo er von Prof. Warburg geführt wurde, sowie andere landwirtschädlicher Ausbildungsstätien (Mädchenkwuzoth). Er äußert sich sehr lobend über das Gesehene, lieber die Stadt Tel- Awiw selbst sagt er: ״Der Stadt Tel-Awiw hat nach meiner Ansicht Herr Hoiitschcr in seinem kürzlich in der ״Neuen Rundschau“ erschienenen Artikel etwas unrecht getan. Wenn diese viel beschriebene Stadt mancherlei Un- Schönheiten aufznweisen hat, so liegt das eben daran, daß kein Mensch voraussehen konnte, daß sic innerhalb von sieben Jahren von 2000 auf 37 000 Einwohner anwachsen würde. Das Fehlen eines einheitlichen Baustils wirkt gewiß befretndend: direkte Geschmacklosigkeiten habe i:h nicht gesehen. Wohl aber fällt auf den ersten Blick die übergroße Zahl kleiner Läden auf, ein Zeichen, daß die soziale Struktur noch weit entfernt von dem Normalzustände ist.“ In zwei weiteren Artikeln befaßt sicli Frlir. von Schotna ich in der ״Vossischen Zeitung“ mit Problemen der Land- Wirtschaft, die er sachverständig untersucht. Der erste Artikel erschien am 11. April unter der Fieberschrift ״Blumenkohl aus Palästina“, der zweite am IS. April ״Das gelobte Land der Orangen“. Die interessanten Ausführungen Schoenaiehs hufen darauf hinaus, daß er der intensiven Landwirtschaft und der Orangenkultur eine große Zukunft prophezeit. * Der Artikel von Dr. M e 11 c r über ״Zionismus und Orthodoxie“, den die ״Jüdische Rundschau“ vor einiger Zeit veröffentlichte, hat in der jüdisch-orthodoxen Presse einen wahren Sturm hervorgerufen. Der ״Israelit“, das führende Agudah- Organ, bringt am 0. April einen fünf Spalten langen Leitartikcl, worin cs den jüdischen Klcrlkalismus zu rechtfertigen versucht. Sehr interessant sind die Beiträge im ״Jüdischen Wochenblatt“ (Frankfurt a. M.), wo Lazarus Barth, Ernst Simon und Dr. Rudolf Möller, Hamburg, sich ausführljch zu der Frage äußern und insbesondere Ernst Simon in äußerst treffender Weise an der Hand einer kürzlich erschienenen Schrift von Dr. Raffael Breuer das Wesen der agudistischeu ״Ecclesia militans“ charakterisiert. Wir werden auf die!Tage gelegentlich noch abschließend zurückkommen. * Die antizionistischc Kampagne der ״J ü d i s c h -1 i b e - ralen Zeitung“ wird in derselben Form und auf dem gleichen Niveau fortgesetzt wie in den von uns bereits gekennzeichncfcn Beiträgen. Es genügt vielleicht, ein paar Zitate anzuführen. .. Es unterliegt keinem Zweifel, daß man dieses Mcnschenmaterial als Statisten benötigt, um dergestalt eine in Bildung begriffene jüdische Majorität zu dokumentieren. Aber da wäre es ja für beide Teile vorteilhafter, wenn vor jeder Volkszählung so ein paar Schiffsladungen ,,Zählvieh“ ' herkäme, um nachher, ״nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan“ heimzukehren, aber beileibe nicht Selbstmordkandidaten ,/.,.■*גו. züchten!“ . So wird der. Aufbau Frcz Israels von Gottergebenbeit getragen, während die Weiz-manie unter der Last des Mögen Dovid zusammenbricht.“ -- ״... Man nennt ja schließlich nicht mit unrecht Tel-Awiw — Klein-Paris. \Ver im Orient lebt, kann sielt darüber nicht wundern, daß man diesen Namen für entsprechend hielt... Wer die jüdische Nationalversammlung das jüdische Parlament nennt, das lnstitut für Chemie die ״Hebräische Universität“ der mag ganz dreist Tel-Awiw mit den holprigen Straßen und den noch mehr holprigen Zuständen sogar als ״GroO-London“ bezeichnen. Wer jedoch eine trockene, an und für sich nicht sehr erheiternde Diagnose stellen will, der mag sie in nachstehendem Satz zusammenfassen: Dies ist der Auftakt zum Anfang vom Endel“ Neu ist als anlizionistisches Kampfmittel die Leichen- Schändung, die die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ jetzt cinführt. In einer ausführlichen Notiz wendet sie sich gegen die lieberführung von Nordaus Gebeinen nach Palästina und schließt folgendermaßen: ״Nordau hat die heilige Schrift herabgewürdigt, die Thora, die ihren Ursprung im Ff eiligen Lande hat und die seit Jahrtausenden unser Palladium war, ist und bleiben wird — N'ordau wird im Heiligen Lande eingebettet.“ Armer Liberalismus, wie tief bist du gesunken! In einem ״Umschau“ betitelten Artikel der ״lüdisch-libcralen Zeitung“ setzt sich H. S. mit der ״Jüdischen Rundschau“ auseinander. Es wird darin wieder einmal die Walze abgeleiert, die Werbemethode des Keren Hajessod sei unaufrichtig, da das Aufbauwerk nicht neutral, sondern national ist. Niemals wurde bestritten, daß für uns Zionisten das Aufbauwerk eine nationale Bedeutung hat und kein Nichtzionist gab Geld für den Keren Hajessod in der Annahme, daß dort etwa ein national-deutsches oder national-arabisches Gemeinwesen mit diesem Geld aufgebaut wird. Was ist das also für lächerliche Spie- Ierci mit Worten? In dasselbe Horn bläst wieder einmal die Ccutral-Vcrcins-Zcitung, indem sie das Kapitel zitiert, daß das ״Zionistische Handbuch“ über den Keren Hajessod enthält, und worin die nationale Bedeutung dieses vom Zionismus geschaffenen Fonds dargelegt wird. Dies alles ändert nichts an der Tatsache, daß die Zionisten hier ein Instrument geschaffen haben, bei dem schon konstitutionell den Nichtzionisten volle Möglichkeit der Beteiligung und Anteil an der Verwaltung zugesichert ist. Es ist nicht zionistische Schuld, wenn davon nur wenig Gebrauch gemacht wurde. Die Nichtzionistcn, die draußen stehen, können sich wahrhaftig nicht über mangelnde Neutralität beschweren. ★ Schließlich sei noch erwähnt, daß die ״W e 11 b ü h n e“, die bisher stets Verständnis für das Wesen des Palästina- Werkes gezeigt hat, in Nr. 16 einen aus Haifa datierten Aufsatz eines gewissen L. Goldberg veröffentlicht, worin mit der bekannten Dialektik bolschewistischer Agitatoren das palästinenslsche Judentum als ״völkische Bewegung“ mit ״Lakaiengesinnung“ gegenüber den englischen Imperialisten und mit einer ganz dem europäischen Ghetto entsprechenden Wirtschaftsstruktur geschildert ward. Dabei wird die bewährte Methode angewendef, Wahres mit Falschem zu mischen, Teilerscheinungen zu generalisieren und so das Bild ins Groteske zu verzerren. Wir haben alles Verständnis für die liberale Redaktionsführung der .,Weltbühne“, die alle linksorientierten Ansichten zu Worte kommen läßt. Befremdend ist trotzdem die Aufnahme dieses Beitrags, der den Stempel tendenziöser Entstellung und Demagogie an der Stirne trägt. Der Artikel schließt z. B. mit der Feststellung, daß ״den wirklichen Profit von dieser völkischen Bewegung“ nicht die Bewohner Palästinas haben, sondern ״jene Herren, die mit den englischen Lords und Marschallen tafeln und schmausen“. Sapienti sat. Im Januar wurden von Jaffa nach England 293 000 Kisten Orangen verschickt iZiko.) Zionisten! In allen Teilen der zionistischen Welt hat, nachdem die erwählten Vertreter der Organisation auf den! Kongreß Grundsätze und Plan für das Werk des Jahres festgelegt haben, die Arbeit für den Aufbau Ercz Israels von neuem begonnen. In Ercz Israel selbst regen sich die Kräfte der Alten und der Jungen in schwerem und zähem Ringen. Ueberall im Galuth ciwachsen ihnen Helfer. Die besten und treuesten wirken im Dienste der Fonds für Siedlung und Landkauf. Im Tausende von Herzen hat sich die Sorge und Verantwortung für den Keren Hajessod tief eingegraben. Tausende von fleißigen Händen sammeln die Spenden für den Keren Kajemeth. Täglich wird in der ganzen Welt die Botschaft von der Erneuerung unseres Landes und unserer Kultur verkündet. All dieses ist das Werk der Zionistischen Organisation. Die Zionistische Organisation hat das jüdische Volk zu politischem Denken, zur nationalen Würde und Disziplin, zu oplcrfähiger Bereitschaft erweckt. Die Zionistische Organisation gab dem jüdischen Volke politische Geltung und gab ihm Führer, sie hat dem jüdischen Lande Pioniere, dem Opfergedanken des Land- und des Aufbaufonds Wegbahner gegeben. Erhöhung und Erweiterung der Zionistischen Organisation ist Vorbedingung für die Intensivierung der treibenden Kräfte, di? im Dienst des Palästinaaufbaus wirken. Keren Hajessod und Keren Kajemeth, Tarbuthbewegung und Chaluziuth können nur dort Wurzel fassen, wo die Zionistische Organisation durch ihr Erziehungswerk den Boden vorbereitet. Der Ruf nach Ausbau, nach Festigung und Er- Weiterung der Zionistischen Organisation ist allgemein gcworden, und er ist im Einklang mit den eigenen Wünschen und Forderungen der Exekutive. Aber nur dann kann Besserung und Stärkung erwartet werden, wenn der Exekutive ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zionisten! Die finanri.'11c Stütze der Zionistischen Welt- Organisation ist der Schekel. Der Schekel bedeutet Einigung der zerstreuten Teile des jüdischen Volkes in den! zentralen Gedanken des Palästina- Aufbaus. Zugleich ist der Schekel die Quelle, aus der die politische und organisatorische Arbeit der Exekutive gespeist wird. Ergiebigkeit des Schekels ist Voraussetzung für jede erweiterte Tätigkeit auf dem Gebiete der IVilitik, der Proraganda, des organisatorischen Aufbaus junger oder schwacher Verbände, der Stärkung unserer Jugendbewegung, der Ent- Wicklung eines alle Teile der Organisation erreichenden Informatibnswesens. Das Schckcljalir ist das erste Jahr des vom 14. Kongreß proklamierten einheitlichen Schekels. Nicht mehr im Wett- Kampf gegeneinander werden die zionistischen Parteien an die Verbreitung des Schekels gehen. Geschlossen und einheitlich werden Zionisten aller Richtungen die jüdischen Massen zum Anschluß an unsere Bewegung aufruten! Die Geschlossenheie der Aktion muß in der Erhöhung des Erfolges ihre Rechtfertigung finden. Zionisten! Die zionistische Bewegung hat in den letzten Jahren ungeahnte Fortschritte gemacht! Die schöpferische Kraft unseres Volkes hat sich in einer harten Probe bewährt und hat uns die Achtung der Welt verschafft. Aber noch immer ist die Zahl derer groß, die unserem Werke fremd und gleichgültig gegenüberstehen, ja, an vielen Orten zeigen sich Anzeichen einer neuen Gegnerschaft. Erweiset in dieser Zeit die Einheit, die Größe und Kraft unserer Bewegung! Erneuert die Propaganda für die zionistische Idee, werbet neue Kämpfer für die Sache Zions, sichert die Arbeit der Exekutive! Beginnet unverzüglich mit der Aktion für den Schekel! Die Exekutive der Zionistischen Organisation. Ch a i m Weizmanii, Nahum Sokolow. London, den 6. Januar 1926. * Wir erwarten mit Bestimmtheit, daß die Gesinnungsgenossen dem vorstehenden Appell der Exekutive sofort Folge leisten und die Schekelsammlung überall mit größter Energie aulnehmen werden. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Zionistische Föderation ״Misrachi“, Zentralbüro für Deutschland. Hapoel-Hazair, Deutscher Landesverband Hitachduth. Poale Zion, Deutsche Landespartei. Die GemeindewaMen Die Repräsentantenwahlen der Berliner Jüdischen Gemeinde finden am Sonntag, den 16. Mai d. J., statt. Wir erwarten, daß jeder unserer Freunde bis zum Wahltag und am Wahltage selbst seine Pflicht tut. Die Liste der Jüdischen Volkspartei, die auf einstlmmigen Beschluß der Vertreter der Berliner Zionistischen Vereinigung, des Misrachi, der Vertreterversammiung ostjüdischer Vereine und des Neuen Jüdischen Gemeindevereins aufgestellt ist, ist die Liste Nr. 1 — Liste Klee —, sie trägt als Spitzenkandidaten die Namen: I. R.-A. Dr. Alfred Klee II. Prof. Dr. Heinrich Löwe III. Oberregierungsrat Hans Gosb IV. Kaufmann Arthur Rothenberg V. Landgerichtsrat Arthur Rau VI. Kaufmann Gustav Locsscr VII. Frau Lina Wagner-Tauber VIH. R.-A. Dr. Abraham Löb. Die Gesamtliste wird in der nächsten Nummer der ״Jüdischcn Rundschau“ abgedruckt werden. Das Wahlbüro befindet sich Monbijouplatz 1; Telephon Norden 1159. Silzug des A.-C.-Präsldiams Eine Sitzung der europäischen Mitglieder des Präsidiums des A.-C. fand am 18. und 19. April in Berlin in den Räumen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sfatt. An ihr haben teilgenommen der Präsident des A.-C. L. Motzkiii und die beiden Vizepräsidenten Farbstein und Levite. Nach dem Beschluß, die Sitzung des A.-C. im Juli d. J. in Jerusalem in Aussicht zu nehmen, sind seitens der amerikanischen Zionisten und seitens Palästinas verschiedene andere Vorschläge eingelaufen. Das Präsidium des A.-C. stellte sich auf den Boden des in London angenommenen Beschlusses. Die endgültige Entscheidung wird jedoch nach der Rückkehr Dr. Weizmanns aus Palästina zu Beginn des Mai getroffen werden. Das Präsidium des A.-C. ist auf Grund der bereits vorliegenden Fragen zur Ueberzeugung gekommen, daß die kommende Session des A.-C. über nicht weniger als zwei j Wochen sich erstrecken werde. Zar Frage der Palästina-Touristik Das Jüdische Informationsbüro in Jerusa* 1 c m schreibt uns; Unter der Ueberschrift ״Palästina-Touristen“ ist in einer der letzten Nummern der ״Jüdischen Rundschau“ eine Notiz (Es handelt sich offenbar um eine uns mit der Bitte um Abdruck /!!gegangene Zuschrift des Jerusalemer ״Palestine Lloyd“ — A. d. R.) erschienen, die 'uns veranlaßt, nachstehend einige Bemerkungen zu diesem wichtigen Thema zu machen. Das Interesse der Zionistischen Organisation und anderer am Palästinaaufbau interessierten Kreise an einer palästinensisclien Touristik ist ein doppeltes: Die Touristik bildet eine wichtige Einnahmequelle für das Land und die Palästinatouristen bilden nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland einen Kreis von Menschen, die das Aufbauwerk mit eigenen Augen gesehen haben, und geneigt sein werden, mitzuarbeiten. Die Zionistische Organisation hat zwei Institutionen geschaffen, die sich mit Touristikangelcgenheitcn beschäftigen, den ״Palest ine Lloyd" als eine die geschäftlichen Dinge regelnde Reisegesellschaft und das ״Jüdische Informations• büro“ als die gemeinsame Touristikabteilung der Zionistischen Exekutive, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth. Die Aufgabe dieses Büros besteht darin, mit möglichst vielen nach Palästina kommenden jüdischen und nichtjüdischen Touristen in Kontakt zu kommen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß fast alle Touristen die Existenz eines derartigen nicht geschäftlichen Büros aufs wärmste begrüßen, daß sie auf Einladung und vielfach sogar schon ohne Einladung das Büro aufsuchen, dort Rat in bezug auf ihre Palästinareise erbitten und sich je nach ihrem Interesse Aufklärungen und Informatioiien über die verschiedensten Fragen des Palästinaaufbaues geben lassen. Ein Problem von besonderer Schwere aber stellt jene Klasse von Touristen dar, auf die in der ״Jüdischen Rundschau“ in der genannten Notiz Bezug genommen wird. Hier handelt es sich in erster Linie um die sogenannten ״Cruises“. Die großen Reisegesellschaften (Cook, ״American Expreß“, Clerk, Frank) veranstalten Mittelmeerreisen, bei denen Spanien und Italien, Griechenland, Syrien, Palästina und Aegypten besucht werden. Der Palästinabesuch verläuft in typischer Weise etwa folgendermaßen: Das Schiff legt in Haifa an, wo einige Dutzend Automobile die Touristen in Empfang nehmen, mit ihnen nach Nazareth fahren, von wo sie zum großen Teil mit Automobilen nach Jerusalem weiterfahren. Für Jerusalem sind zwei Tage vorgesehen. An einem werden Bethlehem und Hebron, Jericho und das Tote Meer besichtigt. Der andere Tag ist den heiligen Stätten gewidmet. Ara nächsten Tag führt ein Spezialzug die Reisenden nach Aegypten. Unter den etwa 503 Touristen, die auf einem solchen Schiffe fahren (es gibt in der Saison etwa 20 derartige ״Cruises“), befinden sich stets Juden, wenn auch ihre Zahl nicht sehr groß ist und im allgemeinen auf einem Schiff nicht mehr als 20 bis '40 betragen wird. Es handelt sich fast ausschließlich um Amerikaner. Das ״Jüdische Informationsbüro“ hat längst empfunden, daß ihm hier eine ebenso dankbare wie schwierige Aufgabe gesiellt ist. Es hat dieses Problem in folgender Weise zu lösen versucht. Ein Beamter des ״Jüdischen Informationsbüros“ ist zur Zeit der Ankunft des Schiffes in Haifa, tritt mit den jüdischen Touristen des Schiffes in Verbindung und schlägt ihnen gewisse Abänderungen ihrer Tour durch Palästina vor, die sich gewöhnlich, nicht immer, im zeitlichen Rahmen der allgemeinen Tour halten müssen. Auf diese Weise ist es im Laufe dieser Saison gelungen, einem verhältnismäßig gfößen Teil derartiger jüdischer Touristen die Kenntnis eines Teiles des modernen jüdischen Palästinas zu ermöglichen. Davon abgesehen wurde erfolgreich versucht, mit den bereits in Jerusalem befindlichen jüdischen Touristen in Verbindung zu kommen und sie zu veranlassen, auf einen Teil des üblichen Jerusalemer Programms zu verzichten und statt dessen z. B. Tel-Awiw zu besuchen. Es ist selbstverständlich, daß eine radikale Lösung nur auf einem von zwei Wcgeii möglich sein kann• Entweder, indem man erreicht, daß jüdische Touristen nur mit der jüdischen Reisegesellschaft fahren oder indem man die Reisegesellschaften (wie schon oft erfolglos versucht wurde) zu einer wirklichen Aendcrung ihrer Programme veranlaßt. Bis es aber so weit sein wird, wird es die Arbeit des ״Jüdischen Informationsbüros“ sein, hier wenigstens teilweise Wandel zu schaffen. Wir glauben, daß die hier geleistete Arbeit wichtig genug ist, 11m auch einer größeren zionistischen Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Das ״Jüdische Informationsbüro“ könnte in seiner Tätigkeit sehr gefördert werden, wenn jüdische Palästina-Touristen immer wieder darauf hingewiesen werden, daß sie bei ihrer Ankunft in Palästina in Ihrem eigenen Interesse mit dem ״Jüdischen Informationsbüro“ in Verbindung treten wollten.“ Kleine Nachrichten Die britische Regierung hat namens der Palästina-Regierung den Beitritt Palästinas zur Inter nationalen Postkonvention und die Zustimmung zu dem am 28. August 1924 in Stockholm Unterzeichneten endgültigen Protokoll erklärt. Das Komitee für nationale Minderheiten in Rußland hat das Gesuch von 10 (MO jüdischen Schulkindern um Einführung des hebräischen Unterrichts in den jüdischen Schulen abgelehnt. (JTA.) Der Direktor der Abteilung für Minderheitsvölker im Sekretariat des Völkerhundes, Colban, ist nach Polen abgereist, um die Verhältnisse der nationalen Minderheiten zu studieren. Der Internationale A r c 11 ä o 1 o g e n ־ K o n g r e ß , der den ersten Teil seiner Beratungen in Jerusalem absolviert hat, wird jetzt in Beirut fortgesetzt. Als Vertreter der Hebräischen Universität zu Jerusalem wohnen dem Kongreß die Professoren Klausner und Horowitz bei. Prof. Nahuni Slousch nimmt als Vertreter der jüdischen arehäologischen Gesellschaft in Palästina an den Beratungen teil. Ende März fand in Tel-Awiw die Grffndungsvcrsammlung der palästincnsichpolnischen Handelskamm e r statt. Anwesend waren Vertreter der Kaufmannschaft, der Banken, der Weinkellercien, der Tabakbauer, der Industrie. Ansprachen hielten der polnische Konsul, Sejmabg. Frostig, Dizengoff u. a. tn. Zum Präsidenten der Kammer wurde Herr Chelouchc gewählt. Unter Teilnahme von Dr. Soloweitschik und Robert Stricker und unter Vorsitz von Dr. Emil Margulies fand in Brünn eine Konferenz radikaler Zionisten der tschechoslowakischen Republik statt. Lord PI uni er kam am 1. April nach Tel-Awiw, um dem Sportfest aus Anlaß des 20. Jahrestages des Bestehens der palästinensisch-jüdischen Sportorganisation ״M a k k a b i“ beizuwohnen. Der Oberkommissar verteilte persönlich die Sportpreise. Ein Telegramm aus Jerusalem meldet das Ableben des greisen Gaon und Kabbala-Gelehrten Rabbi Schalomo Eljaschew, der im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Er war eine der großen Autoritäten auf dem Gebiete der Kabbala-Gelehrsamkeit und veröffentlichte darüber grundlegende Werke, «